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Vergleich französischer und deutscher Assimilationsprozesse

Titel: Vergleich französischer und deutscher Assimilationsprozesse

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2020 , 12 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Sophia Guckenberger (Autor:in)

Französische Philologie - Linguistik
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Wie unterscheiden sich das Französische und das Deutsche im Hinblick auf phonologische Assimilationsprozesse? Im Folgenden sollen die verschiedenen Parameter zur Unterscheidung der Assimilation anhand jeweils eines deutschen und eines französischen Beispiels durch direkte Gegenüberstellung illustriert werden. Im zweiten Teil wird näher auf die Assimilation der Stimmhaftigkeit eingegangen. In der Schlussfolgerung werden die gewonnen Erkenntnisse zusammengefasst.

Sprechen ist eine aufwendige Koordinationsleistung. Für die Produktion eines Einzellautes sind im Schnitt 35 Muskeln in Bewegung. Es ist ein System der ständigen Spannung und Entspannung bzw. Öffnung und Schließung. Wer schnell redet oder erschöpft ist, kann sich daher leicht verhaspeln, denn es erfordert einen oft unterschätzten Aufwand, seine Sprechwerkzeuge wie Zunge und Lippen in Bewegung zu setzen – geschweige denn deren Position rasch zu wechseln, um einen neuen Laut auszudrücken. Um einer unnötigen Anstrengung der Sprechorgane zu entgehen, betreibt der Mensch gerne einen minimalen Aufwand zur Bewegung letzterer – möchte aber maximal verstanden werden. Hier spricht Pustka von der "artikulatorischen Faulheit". Die Realisierung eines Wortes wird durch die Angleichung des benachbarten Lautes vereinfacht. Die Stellung der Zunge passt sich der Stellung der Lippen an, oder andersherum, sodass sich der Laut schneller und leichter artikulieren lässt.

Viele dieser Koartikulationen haben durch diachrone Entwicklungen zu einem fixen Lautwandel geführt, während sich bei anderen Lauten weiterhin die Schriftweise von der Aussprache unterscheidet und die Assimilation nur mündlich geschieht – was vor allem bei Umgangssprache und Dialekten der Fall ist. Es fällt in den Aufgabenbereich der Phonologie, Regeln zu erfassen, dank derer man eine abweichende Aussprache erklären und durch die man Ausnahmen erkennen kann. Tatsächlich ist die Assimilation der in den Sprachen der Welt am häufigsten vorkommende phonologische Prozess. Interessant wäre daher, einen Vergleich der Sprachlautveränderungen zweier verschiedener Sprachen darzustellen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Arten von Assimilation

1.1 Ausmaß der Assimilation

1.2 Wirkungsrichtung der Assimilation

1.3 Abstand zwischen den beteiligten Lauten

1.4 Phonetische Eigenschaften

1.4.1 Artikulationsort

1.4.2 Artikulationsart

1.4.3 Stimmbeteiligung

2 Assimilation der Stimmhaftigkeit

2.1 Sonorisierung

2.2 Desonorisierung

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht phonologische Assimilationsprozesse im Französischen und im Deutschen. Ziel ist es, anhand von theoretischen Parametern und konkreten Sprachbeispielen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Lautangleichung beider Sprachen herauszuarbeiten und insbesondere die Rolle der Stimmhaftigkeit zu beleuchten.

  • Klassifizierung von Assimilationsprozessen nach Ausmaß, Richtung und Abstand der beteiligten Laute.
  • Analyse phonetischer Merkmale wie Artikulationsort, Artikulationsart und Stimmbeteiligung.
  • Gegenüberstellung der Assimilationsphänomene im Deutschen und Französischen.
  • Untersuchung der Sonorisierung und Desonorisierung als zentrale Prozesse der Stimmhaftigkeitsangleichung.
  • Diskussion der Auswirkungen dieser Prozesse auf die Aussprache von L1-Sprechern.

Auszug aus dem Buch

1.1 Ausmaß der Assimilation

Eine Assimilation kann man u. a. nach ihrem Ausmaß klassifizieren. Ob es sich um eine partielle oder totale Assimilation handelt, hängt davon ab, ob ein einziges Merkmal oder alle betroffen sind. Eine partielle Assimilation liegt beispielsweise bei den mittelhochdeutschen Wörtern enbore, anebôz, wintbra vor, die sich im neuhochdeutschen zu empor, Amboss, Wimper geändert haben. Hier wandelt sich der alveolare Nasal [n] in den mhd. Lexemen zu einem bilabialen [m] und gleicht sich damit im Artikulationsort an den folgenden bilabialen Plosiv an, während die Differenz in der Artikulationsart (Nasal vs. Plosiv) bestehen bleibt. Zur totalen Assimilation kommt es dann, wenn alle Merkmale betroffen sind und dies somit zur völligen Angleichung führt, was bei den mittelhochdeutschen Wörtern tump, zimber und lamp der Fall ist, da die Plosive [b] bzw. [p] an den vorangehenden Nasal assimiliert wurden und so auch die Artikulationsart angeglichen wurde: nhd. dumm, Zimmer, Lamm (vgl. Drügh 2012: 129).

Auch im Französischen kommt es zumeist nur zur partiellen Assimilation, wie bei: je peux [ʒpø] ‚ich kann‘, wo es sich um eine partielle regressive Assimilation der Stimmbeteiligung der Obstruenten handelt, was mit Abstand dem wichtigsten Typ der Assimilation im Französischen entspricht. Hier wird aus einer zugrunde liegenden Form je peux [ʒəpø] die Oberflächenrealisierung [ʒpø] abgeleitet, d. h. das stimmlose [p] sorgt dafür, dass das vorangehende stimmhafte [ʒ] entstimmt wird, was sich sogar zu einem komplett stimmlosen [ʃ] entwickeln kann (vgl. Pustka 2016: 146). Wenn sich die beiden Laute lediglich im Hinblick auf die Stimmhaftigkeit unterscheiden, liegt wiederum eine totale Assimilation vor: [diddɔ̃:k] dites donc ‚Sagen Sie mal‘ oder [dussɑ̃timɛtr] douze centimètres ‚zwölf Zentimeter‘ (vgl. Schwarze & Lahiri 1998: 93f.).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Arten von Assimilation: Dieses Kapitel klassifiziert Assimilationsprozesse nach verschiedenen Kriterien wie dem Ausmaß, der Wirkungsrichtung, dem Abstand der betroffenen Laute sowie deren phonetischen Eigenschaften.

2 Assimilation der Stimmhaftigkeit: Dieser Abschnitt widmet sich der phonetischen Definition der Stimmhaftigkeit und analysiert die Prozesse der Sonorisierung und Desonorisierung in beiden Sprachen.

Schlüsselwörter

Assimilation, Phonologie, Französisch, Deutsch, Koartikulation, Sonorisierung, Desonorisierung, Artikulationsort, Artikulationsart, Stimmhaftigkeit, Kontaktassimilation, Fernassimilation, Sprachvergleich, Obstruenten, Lautwandel.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit dem Vergleich phonologischer Assimilationsprozesse im Französischen und im Deutschen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Lautangleichung zu identifizieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die Klassifikation von Assimilationen, die phonetischen Eigenschaften der Sprachlaute sowie die spezifische Betrachtung der Stimmhaftigkeitsassimilation.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist die systematische Gegenüberstellung der Parameter zur Unterscheidung von Assimilationen anhand von Beispielen aus beiden Sprachen, um ein besseres Verständnis für die phonologischen Regeln zu entwickeln.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es wird eine deskriptive und vergleichende Analyse auf Basis phonologischer Fachliteratur durchgeführt, wobei die theoretischen Konzepte durch direkte Gegenüberstellung deutscher und französischer Sprachbeispiele illustriert werden.

Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Kategorisierung von Assimilationsarten nach Ausmaß, Richtung, Abstand und phonetischen Merkmalen sowie in eine detaillierte Analyse der Stimmhaftigkeitsassimilation.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Assimilation, Phonologie, Koartikulation, Stimmhaftigkeit, Sonorisierung und Desonorisierung im Kontext des deutsch-französischen Sprachvergleichs charakterisieren.

Was ist der wesentliche Unterschied zwischen der Obstruentenassimilation im Französischen und Deutschen?

Ein wichtiger Unterschied besteht darin, dass die Assimilation im Französischen oft in nachlässigem Sprechstil auftritt, während im Deutschen eine systematische progressive Assimilation (insbesondere bei der Desonorisierung) die Regel ist.

Warum ist die Stimmhaftigkeit für deutsche Sprecher im Französischen problematisch?

Da im Deutschen die progressive Assimilation dominiert, neigen L1-Sprecher dazu, auch im Französischen in die "falsche" Richtung zu assimilieren, was von der französischen Norm abweicht.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Vergleich französischer und deutscher Assimilationsprozesse
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Romanische Philologie)
Veranstaltung
Phonologie des Französischen
Note
1,3
Autor
Sophia Guckenberger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
12
Katalognummer
V1000069
ISBN (eBook)
9783346379573
ISBN (Buch)
9783346379580
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachwissenschaft Assimilationsprozesse Französisch Deutsch Vergleich Phonologie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sophia Guckenberger (Autor:in), 2020, Vergleich französischer und deutscher Assimilationsprozesse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1000069
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Leseprobe aus  12  Seiten
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