Weimarer Klassik - Warum gerade Weimar?


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

5 Seiten, Note: 15 Punkte


Leseprobe

Weimar zur Zeit der Klassik

- Ruf eilte der Stadt voraus
- ca. 6100 Einwohner
- ohne Ausweis kam man nicht in die Stadt
- enge schlammige Straen; kleine, rmliche und schlecht gebaute (fast baufllig) Huser; von berall her Gestank; Palast war ein verbrannter Trmmerhaufen (Eindruck von Reisenden: ,,... wie auf einem Bauernhof)
- Khe wurden quer durch die Stadt getrieben
- Lden nicht wie man sie kennt: Metzger (Heerscharen von Fliegen), Bcker, Krmer und Apotheker sowie Handwerksbetriebe (z.B. Schuster), unter Torbogen wurde Kleidung verkauft
- nachts brennen nur wenige Straenlampen (zu teuer)
- Nachttpfe auf die Strae geschttet
- an der Paulskirche wurde Wsche zum Trocknen aufgehngt
- in den Straen leben verwilderte und tollwtige Hunde (damals ein groes Problem)
- Menschen, Tiere und Rume von Lusen, Flhen und Wanzen befallen, sowie Ratten in den Straen
- viele Krankheiten durch nicht abgekochtes Brunnenwasser (Unrat und tote Tiere wurden hinein geworfen) _ sehr hohe Sterberate
Herzogin Anna Amalia setzte sich in Weimar sehr fr Kultur ein und brachte grundlegende Vernderungen:
- durch Zulauf der Dichter und anderen Knstler entwickelte sich Weimar zu einem geistigen Zentrum in Deutschland
- 1774: verbranntes Stadtschloss wieder aufgebaut
- die Stadt entwickelte sich kulturell weiter: besa viele alte Giebelhusern und

eindrucksvolle Bauwerke (zu DDR-Zeiten nur mangelhaft erhalten), z. Bsp.: die Stadtkirche Sankt Peter und Paul (Herderkirche, aus 15. Jahrhundert) mit Altargemlde von Lucas Cranach dem lteren, das Rote Schloss (15. Jahrhundert) und das Grne Schloss

(16. Jahrhundert), dort heute Zentralbibliothek der deutschen Klassik (Goethe-Schiller- Archiv), Archiv des Philosophen Friedrich Nietzsche und wichtige literaturwissenschaftliche Forschungssttte, das ehemalige Residenzschloss (1789 bis 1803 erbaut)

- literarische Vergangenheit der Stadt dokumentieren das Goethehaus am Frauenplan (darin das Goethe-Nationalmuseum), das Gartenhaus des Dichters (in Park an der Ilm), Schillers Wohnhaus an der Esplanade, Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Frstengruft, Schloss Tiefurt und Schloss Ettersburg
- weitere Gebude sind das Lucas-Cranach-Haus (1549) am Markt, das Liszthaus, in dem der Komponist von 1869 bis 1896 lebte, Eckermanns Haus und das ehemalige Frstenhaus aus dem 18. Jahrhundert, in dem heute die Franz-Liszt-Hochschule untergebracht ist.

Goethe in Weimar 1775 - 1786

- lebte 1774 in Frankfurt
- Enkel des Frankfurter Brgermeisters und Sohn aus einer wohlhabenden und angesehenen Patrizierfamilie
- Der Roman ,,Die leiden des jungen Werthers lie ihn innerhalb kurzer Zeit zur Berhmtheit werden _ ,,Werther-Fieber grassiert (Nachahmungen , Parodien , einige begehen aus Liebeskummer auf die gleiche Art Selbstmord wie ihr Vorbild )
- daraufhin ldt Herzog Karl August von Sachsen Weimar (18 Jahre ) Goethe (26 Jahre)nach Weimar ein
- nach Ankunft Goethes, der rasch zum hohen Staatsbeamten aufrckte (1776 Geheimer Legationsrat, 1779 Geheimer Rat, 1782 Leiter der Finanzkammer), sollte sich die knstlerisch-wissenschaftliche Geselligkeit der Stadt umso reicher entfalten
- das 1782 bezogene Haus am Frauenplan wurde zu einem Anziehungspunkt auch fr eine lange Reihe teils prominenter auswrtiger Besucher.
- wird einer der einflussreichsten und bestbezahlten Mnner im Lande
- Folgen :er ging bei Hofe ein und aus ; er hatte so viel Arbeit , dass er nur wenig schreiben konnte ; musste sich mit Herzog arrangieren ; hatte nicht nur Freunde
- Die amtlichen Verpflichtungen beengten bald den Dichter in ihm, so ,,floh er 1786-88 nach Italien
- er kam in hfische Abhngigkeit
- er war in seinen ersten Weimarer Jahren nicht unumstritten denn er lie sich in Gesellschaft des jugendlichen Herzogs zu Streichen und Spen verleiten
- er strzt sich mit viel Begeisterung in politische Arbeit
- er gehrte zahlreichen wichtigen Kommissionen an ( z. B. Kriegs-, Steuer-, Wasserkommission )
- brachte Reform auf den Weg , insbesondere in Bezug auf das Landwirtschaftswesen und auf groe Einsparungen im Soldatenwesen
- er engagierte sich fr Belange der Bauern und der kleinen Handwerker
- er brachte auch materielle Opfer um Hilfsbedrftige und Notleidende zu untersttzen
- sein Ehrgeiz war es , das Land zu reformieren und nach brgerlichen Mastben voranzubringendes ging ihm aber alles zu langsam _seine Reaktion : er besann sich wieder mehr auf sich selbst und schrieb auch wieder etwas mehr
- schon damals war Charlotte von Stein eine der Hauptgrnde weshalb Goethe in Weimar blieb , er verband mit ihr ein inniges Vertrauensverhltnis , es war ihr Einfluss der den letzten Rest des ,,Strmers und Drngers in ihm tilgte

Man nannte Weimar das deutsche Athen

- zu Lebzeiten Goethes und Schillers kultureller Mittelpunkt Deutschlands
- die schsische Residenzstadt genoss damals bereits einen Ruf als ,,Musenhof, an dem die Herzogin Anna Amalia bedeutende Persnlichkeiten des deutschen Geisteslebens vereint hatte, darunter Christoph Martin Wieland als Erzieher ihres Sohnes
- bis 1775 stand Karl-August unter der Regentschaft seiner Mutter und wurde von u. a. Wieland erzogen
- 1774 schloss er Bekanntschaft mit Goethe, der mageblich dazu beitrug, dass das Frstentum, vor allem die Stdte Jena und Weimar, zum Zentrum der kulturellen Entwicklung in Deutschland wurde
- Karl August berief die Gren des deutschen Geisteslebens - neben Goethe u. a. Herder(1776) und Schiller(1787) - nach Weimar und agierte als aufgeklrter absolutistischer Frst, der sich der gesellschaftlichen Entwicklung nicht verschloss
- ferner wirkten dort die Schriftsteller Karl Ludwig von Knebel, Johann Christian Bertuch und Johann Karl August Musus sowie die Komponisten Friedrich Hildebrand von Einsiedel und Karl Siegmund Freiherr von Seckendorff. In literarischen Gesprchsrunden, musischen Zirkeln und dergleichen bot sich dort ein Begegnungsfeld des aufgeklrten Adels mit dem

gebildeten Brgertum, das in dieser Art einmalig in Deutschland war

- Weimar war ein Modell
- war zum erstenmal mglich geworden , dass ein brgerlicher Dichter (ein sehr bekannter und selten angepasster) konkret in das politische Geschehen eines Landes eingriff und zusammen mit Adel regierte
- Herzog Karl August war in dieser Zeit , die durch Revolution und Restauration in Europa geprgt war Regent in Weimar
- er war der erste weltliche Frst, der sich fr den Anschluss der deutschen Klein- und Mittelstaaten an den politisch und moralisch umstrittenen Sonderfrieden von Basel einsetzte
- Goethe und Schiller haben an den Friedensbemhungen Karl Augusts lebhaft Anteil genommen, ihnen war klar, das die von ihnen erstrebte sthetische Neutralitt mit der Politik Sachsen-Weimars eng verbunden war
- durch den Beitritt Kursachsens und seiner Verbndeten zu dem preuisch franzsischen Abkommen Ende 1796 wurde der ,,Friede des klassischen Weimar bis 1806 gesichert

- in diese Zeit fllt der Bund Goethe und Schillers, welcher aufgrund der politischen Konstellation kein Zufall
- Leopold Ranke: ,,...diese Jahre der Neutralitt fast die fruchtbarsten in der deutschen Literatur gewesen sind, fruchtbar an Originalen und fr die Nation unschtzbaren Hervorbringungen
- Brgertum und Adel bemhten sich um eine gerechte Regierung, die Kunst und Literatur neben den Staatsgeschften zu ihrem Recht kommen lie
- ganz Europa schaute auf Weimar, ob ein Zusammenregieren und -leben der Menschen auch ohne die bisher strengen Klassenunterschiede mglich sei

Madame de Stal, berhmte franzsische Schriftstellerin dazu:

Weimar das deutsche Athen... war es der einzige ort, in dem das Interesse fr die schnen Knste sozusagen national war und als verbrderndes Band zwischen den verschiedenen Stnden diente. Ein aufgeklrter Hof suchte dort die Gesellschaft der Schriftsteller, und die Literatur gewann ungemein durch den Einfluss des guten Geschmacks, der an diesem Hof herrschte. Man konnte nach diesem kleinem Kreis die gute Wirkung beurteilen, die eine solche Mischung in Deutschland hervorbringen wrde, wenn man es allgemein einfhren wrde.

- die Neutralitt Sachsen-Weimars endete mit dem Krieg Frankreichs gegen Preuen, an dem auch der weimarische Herzog als preuischer General teilnimmt
- in der Doppelschlacht von Jena und Auerstdt bereitete Napoleon den Preuen eine vernichtende Niederlage
- somit steht die Existenz des Weimarer Frstenhauses, damit aber auch der sensible Kosmos der literarischen Kultur auf dem Spiele
- Goethes Bewunderung Napoleons, die auch durch seine zwiespltige Haltung in den Befreiungskriegen bedingt, entfremdet ihn den Herzog und seinen Freunden
- Napoleons Respekt vor dem literarischen Weimar hinderte ihn davor, das Herzogtum weiterhin unter Druck zu setzen oder seinen Landesherren abzusetzen
- jenes Modell scheiterte letztendlich
- es wurde von der gesellschaftlichen Entwicklung des 19.Jahrhunderts berholt
- Existenz keiner anderen Epoche deren politische und gesellschaftliche Bedingungen ideologisch so ausgebeutet und berfrachtet wurde
- Ursache liegt am kulturellen Leben am Frstenhof zu Weimar selbst
- Dichtung war von Weltbrgern fr Weltbrger geschrieben
- Kultur Weimars war nicht nur auf Kunst und Literatur begrenzt, sondern auch Sozial- und Naturwissenschaften waren wesentlicher Bestandteil
- das groe knstlerische und soziale Vorbild war die Antike

Quellenangabe:

Encarta Enzyklopdie 98, Deutsche Literaturgeschichte In Einem Band (Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin), Deutsch in der Oberstufe (Schningh Verlag), Deutsch Oberstufe (Pelster und Krebs)

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Details

Titel
Weimarer Klassik - Warum gerade Weimar?
Note
15 Punkte
Autor
Jahr
2000
Seiten
5
Katalognummer
V100036
ISBN (eBook)
9783638984676
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Weimarer_Klassik
Arbeit zitieren
Clara Schwarz (Autor), 2000, Weimarer Klassik - Warum gerade Weimar?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100036

Kommentare

  • Gast am 29.3.2001

    Lord Hunter.

    Toll so eine Encarta Enzyklopädie, einfach genial!
    Jetzt mal ernsthaft mit so einen Text kriegt man höchstens eine 3.......




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