Gordon, Noah - Der Medicus


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

10 Seiten, Note: 1


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.1 Inhaltsangabe
2.2.1 Hauptpersonen des Buches: Rob Jeremy Cole
2.2.2 Hauptpersonen des Buches: Der Bader Henry Croft
2.2.3 Hauptpersonen des Buches: Mary Cullen

3. Illustrationen

4. Leserkommentar

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Ich habe für dieses Deutschreferat das Buch ,,Der Medicus" ausgewählt, weil ich mich sehr für das Mittelalter und die Ent- wicklung und Erforschung der Medizin in dieser Zeit interessiere. Außerdem mag ich Romane, die wie dieser voll von Spannung und Dramatik sind, aber auch Humor beinhalten. Durch die realitäts- nahen Beschreibungen sagte mir das Buch sofort zu. Trotz seiner Länge hat es mir sehr gefallen, doch darauf werde ich unter Punkt genauer eingehen. Hier sind zunächst einige Informationen über den Autor, Noah Gordon: Noah Gordon wurde am 11. November 1926 in Worcester, Massachusetts, in den Vereinigten Staaten von Amerika geboren. Sein Vater war Pfandleiher und Besitzer einer kleinen Künstler- pension und seine Mutter Hausfrau. Gordon besuchte in seiner Heimatstadt Worcester die Schulen und wurde dann für zwei Jahre vom Militär eingezogen. Nach dieser Zeit ging er an die Bostoner Universität, wo er Zeitungs- wissenschaft und Anglistik studierte. Nachdem er sein Studium beendet hatte, arbeitete Noah Gordon einige Jahre als Lektorassistent in verschiedenen New Yorker Verlagen. Danach war er als Journalist in Worcester tätig, bevor er nach Boston zum Bostoner Herald wechselte. Dort war er wissenschaftlicher Redakteur und er veröffentlichte während dieser Zeit auch eine Reihe von Artikeln und Erzählungen in amerikanischen Tageszeitungen und Magazinen. Seit 1981 jedoch konzentrierte er sich ausschließlich auf das Schreiben von Romanen. Schon bald erzielte er erste Achtungserfolge mit seinen Werken ,,Der Rabbi", ,,Die Klinik" oder ,,Der Diamant des Salomon", aber erst mit dem ersten Teil seiner Medizinertrilogie über die Coles, ,,Der Medicus", gelang ihm der endgültige Durch- bruch. ,,Der Medicus" wurde allein in Deutschland millionenfach verkauft und ist ein Werk der Coles-Reihe, dem ,,Der Schamane", ein Buch über einen jungen Arzt im Amerika des 19.Jahrhunderts, und dem dritten Teil, ,,Die Erben des Medicus", folgten. Hauptsächlich durch diese Bücher machte er sich einen Namen und bekam einige Buchpreise verliehen, darunter 1993 die ,,Goldene Feder" eines großen deutschen Buchclubs. Noah Gordon hat drei erwachsene Töchter und lebt mit seiner Frau Lorraine, mit der er seit 1951 verheiratet ist, auf einer Farm in den Berkshire Hills im westlichen Massachusetts.

2.1 Inhaltsangabe

Rob Jeremy Cole wird als Sohn eines Handwerkers im Jahre 1012 in London geboren. Als er neun Jahre alt ist, sterben seine Eltern. Er und seine Geschwister werden getrennt, denn sie kommen in verschiedenen Familien unter. Rob selbst wird von einem Bader namens Henry Croft aufgenommen und von ihm unterrichtet. Die beiden reisen zusammen durch England, und Rob hilft dem Bader immer mehr bei seinen Vor- stellungen und Behandlungen in den Dörfern. Bei diesen Tätigkeiten bemerkt Rob auch zum ersten Mal seine Fähigkeit, durch Ergreifen der Hände eines Patienten dessen Lebenskraft zu spüren. Nachdem der Bader an einem Herzinfarkt gestorben ist, ist Rob wieder alleine, und er faßt den Entschluß, im persischen Isfahan Medizin zu studieren. Weil dies jedoch Christen untersagt ist, will er sich dort als Jude aus- geben. Während seiner Reise durch Frankreich begleitet ihn ein älterer Franzose, mit dem er sich gut versteht. Ab Konstantinopel schließt sich Rob einer Karawane an, um vor Räubern geschützt zu sein. In dieser lernt er Mary Cullen kennen, die mit ihrem Vater, einem Schafzüchter, der nach Anatolien reist, um dort gute Schafe zu kaufen und nach Schottland zu bringen. Rob und Mary verlieben sich ineinander, aber als ihr Vater ihm anbietet, sie zu heiraten, lehnt Rob ab, denn er ist fest davon überzeugt, daß er Medicus werden muß, weil Gott ihn dazu aus- erwählt hat. So zieht er mit einigen Juden weiter nach Isfahan, und während ihrer Reise lernt er deren Gebräuche und Riten kennen. In Isfahan angekommen, Möchte Rob auf die Ärzteschule Ibn Sinas, aber er wird abgelehnt und sogar eingesperrt und mißhandelt. Darüber beschwert er sich beim König, dem Shah Ala Shahansha. Er hat Glück und bekommt von diesem einen Calaat, das heißt finanzielle und materielle Unterstützung und außerdem einen Studienplatz. Das Studium ist sehr hart, aber Rob kann sich recht gut integrieren und wird sogar vom Shah zu Festen eingeladen. Als in einer Provinz Persiens die Pest ausbricht, wird Rob zusammen mit einer Ärzte- und Studentendelegation dort hingeschickt, um sie zu bekämpfen. Obwohl auch Rob von ihr befallen wird, überlebt er sie und kehrt mit zwei anderen Studenten namens Karim und Mirdin, mit denen er sich angefreundet hat, als einzige nach Isfahan zurück. Als Rob von Reisenden hört, daß sich ein Europäer und seine Tochter in der Nähe befinden, eilt er hin und findet Mary Cullen und ihren todkranken Vater vor. Nach dessen Tod heiraten Rob und Mary und kehren nach Isfahan zurück. Während Karim zu immer mehr Ruhm gelangt, findet Mirdin heraus, daß Rob kein echter Jude ist, er versteht aber Robs Gründe, sich als solcher auszugeben. Nach mehreren Jahren müssen Karim, Mirdin und Rob ihre Prüfung ab- legen, sie bestehen und dürfen sich von dort an Hakim, das heißt Arzt nennen lassen. Doch schon nach kurzer Zeit verliert Rob seine beiden Freunde, und als auch noch Isfahan von einem feindlichen Volk eingenommen wird, beschließt Rob, mit Mary und ihren beiden Söhnen nach England zurückzukehren.

Dort leben sie eine Weile in London, aber Mary ist dort nicht heimisch und geht nach Schottland zurück. Weil er von der Kirche verfolgt wird, kommt Rob schon bald nach und die beiden leben glücklich zusammen mit ihren Kindern und Marys Verwandten auf ihrem Grundbesitz, wo Mary noch zwei weitere Kinder gebärt.

2.2 Hauptpersonen des Buches

2.2.1 Rob Jeremy Cole

Rob Jeremy Cole, der Rob genannt wird, ist am Anfang des Buches ein neunjähriger Junge, der für sein Alter sehr selbständig ist, da er sich oft um seine jüngeren Geschwister kümmern muß. Nach dem frühen Tod seiner Eltern kommt er zu dem Bader Henry Croft, bei dem sich sein Leben grundlegend ändert. Rob wächst bei ihm heran, und er lernt von ihm Kunststücke und erste Behandlungsmethoden für Kranke. Rob kann seine Hände sehr gut einsetzen, denn er hat nicht nur Geschick, sondern auch Kraft. Er ist wissensdurstig und eigentlich freundlich zu Fremden, aber wenn er Alkohol getrunken hat, was auf ihren Reisen nicht selten vorkommt, wird er aggressiv und streitsüchtig, deshalb gerät er dann auch hin und wieder mit dem Bader aneinander. Doch diese Rangeleien werden sofort weniger, als Rob kaum noch alkoholische Getränke zu sich nimmt. Mit seiner Fähigkeit, die Lebens- kraft eines Patienten durch seine Hände zu spüren, ist Rob dem Bader eine große Hilfe. Wenn dieser seinem Lehrling eine Aufgabe stellt, wie zum Beispiel ein Kunststück einzuüben, ist Rob fleißig und ehrgeizig bei der Sache und kann das Problem meistens leicht bewältigen. Rob kann sich gut mit neuen Situationen abfinden, und so gewöhnt er sich schnell an die plötzliche Einsamkeit, als der Bader stirbt. Im allgemeinen hat Rob während dieser Zeit viel von ihm gelernt und ähnelt ihm in seinen Charakterzügen sehr. Da er gläubig ist, denkt Rob, Gott habe ihn dazu auserwählt, Medicus zu werden, und da er unbedingt studieren möchte, nimmt er sogar die Strapazen einer langen Reise in den Orient auf sich, um seinen Traum zu verwirklichen. Als er sich dazu auf den Weg macht, ist er schon ausgewachsen und ein intelligenter und muskulöser junger Mann, der hart arbeiten kann. Sein äußeres Erscheinungsbild ist für seine Verhältnisse sehr ge- pflegt. Sein wettergegerbtes Gesicht wirkt zwar durch seine gebrochene Nase grob, aber Rob ist ein Mann, der auch Gefühle hat und diese zeigen kann. Im allgemeinen lebt er seine Wut und Probleme eher aus, als daß er sie in sich hineinfrißt.

Als Rob Mary Cullen kennenlernt, spürt er zum ersten Mal Liebe zu einem jungen Mädchen, aber er weiß diese noch nicht zu schätzen, und so zieht er es vor, zu studieren, statt sie zu heiraten. Durch seine Lernbegeisterung und Intelligenz fällt es ihm leicht, die jüdischen Riten und Gebräuche auszuüben, die er sich bei anderen Juden aneignet. Rob ist sehr nachdenklich, also will er diese Religion auch über den Nutzen, den sie ihm bringt, hinaus, kennenlernen. Manchmal kommt er durch dieses Wechseln der Religion in Gewissenskonflikte, er kommt aber im Endeffekt damit zurecht. Während seiner Studienzeit beginnt Rob, wie ein Arzt zu denken und vorsichtig zu sein, denn er hat schnell gemerkt, daß ihn seine falsche Identität schnell sein Leben kosten kann, wenn er auffliegt. Da Rob eher ein Mensch ist, der die Gesellschaft anderer sucht, sehnt er sich zwar nach einer Familie, aber er möchte lieber erst sein Studium zu Ende bringen. Als er aber Mary Cullen zum zweiten Mal trifft, läßt er sich seine Chance nicht noch einmal entgehen und heiratet sie. Während sie in Isfahan leben, könnte Rob durch seine Intelligenz und sein Geschick im Umgang mit Leuten zu Reichtum und Macht kommen, er zieht es aber vor, weiterhin bescheiden im Juden- viertel zu leben. Natürlich wollen Rob und Mary wieder unter Christen leben, aber sie kehren erst wieder nach England zurück, als Rob sein Studium vollendet hat. Dort hat er mehr Wissen als die meisten seiner Kollegen, und er ist auch stolz darauf, aber er ist deshalb nicht überheblich, sondern er achtet auch die anderen Ärzte. Rob strebt auch in seiner Heimat nicht nach Macht oder nimmt seine Patienten aus, denn er ist Medicus, um zu heilen und der Menschheit zu dienen. Als er und seine Familie dann bei Marys Verwandten auf ihrem Gut in Schottland wohnen, pflegt und behandelt er diese, ohne Honorare zu verlangen. Er ist als Vater von vier Kindern unheimlich glücklich und liebt das einfache Leben, das sie dort führen.

2.2.2 Der Bader Henry Croft

Henry Croft, fast allen nur als ,,der Bader" bekannt, beeinflußt Robs Kindheit und Jugend entscheidend. Er selbst hat als Kind Schlimmes erlebt, als seine Eltern von plündernden Barbaren ermordet wurden und er in ein Kloster kam, wo es ihm schlecht erging. Er ist dann von Gauklern aufgenommen worden, die ihn gerecht behandelt haben, und so gibt er Rob auch eine faire Chance, statt ihn aus- zunutzen. Sein äußeres Erscheinungsbild ist recht markant: Er ist sehr dick, aber auch groß, hat lange Haare, die damals einen freien Mann auszeichneten und einen Bart von derselben rötlichen Farbe. Er ist wie Rob stark und geschickt, denn er kann die ver- schiedensten Kunststücke, vom Jonglieren mit fünf Bällen bis hin zu Zaubertricks. Er kann gut kochen, wenngleich er es liebt, bedient zu werden.

Er ist zu fast allen Fremden freundlich und ist so in den meisten Dörfern beliebt, aber wenn er betrunken ist, wird auch er aggressiv und unberechenbar. Deshalb und wegen der strengen Gesetze muß er beim Verbreiten seiner selbst hergestellten Medizin, in die er manchmal uriniert, wenn er sie an Leute verkaufen will, die er nicht mag, und beim Behandeln vorsichtig sein, um nicht wegen der Hexerei angeklagt zu werden. Bei seiner Tätigkeit als Bader ist er sehr gewissenhaft und versucht, die Patienten so gut wie möglich zu pflegen und zu behandeln. Während des Sommers ziehen er und Rob von Ort zu Ort, so daß er kaum längeren Kontakt zu anderen Menschen hat. Er hat keine Frau und keine Familie mehr, und so sucht er öfters0Prostituierte auf, um seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Im Winter leben er und Rob in einem Haus auf dem Land, das ihm gehört, denn im Sommer verdient er genug Geld, um während der kalten Jahreszeit nicht arbeiten zu müssen. Er hat erstaunlich gut handwerkliche Fähigkeiten, die er im Winter immer wieder unter Beweis stellen muß, wenn das Haus Renovie- rungen nötig hat. Auch sein Geschick im Umgang mit Waffen wie Schwert und Dolch ist sehr groß, aber er zieht es im allgemeinen vor, Konflikte friedlich zu lösen. Beim Ausdenken von neuen Kunststücken und Tricks ist er kreativ, und so gelingt es ihm und Rob immer wieder, die Leute bei ihren Vorstellungen in ihren Bann zu ziehen.

2.2.3 Mary Cullen

Mary Cullen ist die Tochter des schottischen Schafzüchters James Cullen und seiner Frau Jura. Als Marys Mutter stirbt, beschließt ihr Vater, nach Anatolien aufzubrechen, um dort Zuchtschafe zu kaufen und nach Schottland auf ihren Besitz zu bringen. Mary ist für eine Frau sehr groß, hat rote Haare und viele Sommer- sprossen. Trotz des Staubs und des Drecks, der auf einer langen Reise anfällt, ist sie auf ihr Äußeres bedacht, sie pflegt sich und hält ihre Kleidung sauber, denn sie achtet immer auf Ordnung. Dennoch scheut sie auch harte Arbeit nicht, die sie bedingt durch das Leben auf ihrem Gut in Schottland gewohnt ist. Sie ist intelligent und hat eine Schulausbildung genossen, was zu dieser Zeit ungewöhnlich für eine Frau ist. So findet sie sich in fast allen Lebenslagen zurecht und ist sehr anpassungsfähig, was man aus ihrem Verhalten nach dem Tod ihrer Mutter und auf der Reise schließen kann. Wenngleich sie ein wenig spitzzüngig ist, kann sie doch liebenswürdig und nett zu anderen Menschen sein. Sie wurde von ihrem Vater streng erzogen, hilft ihm bei den täglichen Arbeiten während der Reise und bekocht ihn. Auf dem Weg nach Anatolien lernt sie Rob kennen, sie verspürt aber erst nach einer gewissen Zeit Liebe zu ihm.

Deshalb ist sie auch sehr enttäuscht, als Rob es vorzieht Medizin zu studieren, statt sie zu heiraten. Doch sie trifft Rob schon bald wieder, denn in der Nähe von Isfahan wird ihr Vater krank, und als Rob davon erfährt, eilt er sofort zu ihr, kann aber ihren Vater nicht mehr retten.

Marys Liebe zu Rob ist noch so stark wie am Anfang, und so heiratet sie ihn und lebt mit ihm in Isfahan. Sie gibt sich dort jedoch nicht als Jüdin aus, weil sie eine extrem gläubige Christin ist, wohnt aber mit Rob im Judenviertel, und so wird sie dort zunächst argwöhnisch be- trachtet. Doch durch ihre Flexibilität kommt sie zurecht, kann sich auch etwas integrieren und in Mirdins Frau Fara findet sie sogar eine gute Freundin. Aber nur durch ihre riesige Liebe zu Rob kann Mary das Heimweh besiegen, denn sie möchte mit Menschen, die ihre Religion ausüben und ihre Sprache sprechen, zusammenleben. Schon Bald wird Mary von ihrem Ehemann schwanger, worüber sie glücklich ist, und bekommt einen gesunden Jungen, den sie Rob James nennen. Nur widerwillig läßt sie zu, daß er um ihrer Sicherheit wegen nach jüdischem Brauch beschnitten wird, denn er soll ihrer Meinung nach von Anfang an ein Christ sein. Mary kommt mit ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter in Isfahan gut zurecht, während Rob arbeiten geht. Weil sich der König Persiens über diesen ärgert und somit sein Leben in Gefahr ist, muß Mary mit dem Shah den Beischlaf ausüben, um ihn zu besänftigen und damit den Kopf ihres Mannes zu retten. Dies bereitet ihr große Probleme, denn sie hatte Rob ewige Treue geschworen und außerdem findet sie den persischen Herrscher abstoßend und ekelhaft. Als sie kurz danach feststellt, daß sie wieder schwanger ist, und nicht weiß, von wem das Kind ist, be- trübt sie dies ebenfalls. Deshalb wird sie auch leicht reizbar und etwas depressiv während der Schwangerschaft, aber mit Robs seelischer Unterstützung kann sie diese Phase überwinden, und gebärt Tam, einen zweiten Jungen. Als sie und ihre Familie einige Zeit danach die Rückreise nach Europa antreten, ist Mary überglücklich, weil sie sich zwar in Persien zurecht- finden konnte, sich aber nie richtig mit dieser ihr fremden Mentalität, Kultur und Religion anfreundet hatte. Auch in England fühlt sie sich nicht heimisch, und erst als sie und ihre Familie wieder in Schottland auf dem Besitz der Cullens leben, ist sie rundum zufrieden und glücklich und schenkt dort noch einem Mädchen, das sie Jura Agnes nennen, und einem Jungen, Carrik Lyon, das Leben.

-7- 4. Leserkommentar

Meiner Meinung nach ist ,,Der Medicus" von Noah Gordon ein sehr spannender und interessanter, aber auch realitätsnaher Roman, denn der Autor vermittelt auf fesselnde Weise das harte Alltagsleben im Mittelalter: ,,Am Morgen, nachdem der Kleine seinen Brei bekommen hatte und die anderen Gerstenbrot gegessen und etwas getrunken hatten, säuberte Rob den Herd unter dem runden Rauchloch, durch das, wenn es regnete, Tropfen zischend ins Feuer fielen." (1.) Man kann sich sehr gut in das Buch hineinversetzen, so daß man sich beinahe wie die Hauptperson Rob Jeremy Cole fühlt, während man liest. Mir gefallen die exakten Beschreibungen der Personen, wodurch man sich diese leicht vorstellen kann. Wie fast in allen Romanen sind die Hauptpersonen als charakterstarke und liebenswürdige Menschen dargestellt, die fast nur gute Absichten haben, was sie teilweise zu Identifikationsfiguren werden läßt. Ich finde es außerdem gut, wie Gordon die drei vorkommenden Religionen, das Christentum, das Judentum und den Islam, näher beschreibt. Dadurch lernt man als Leser diese Religionen zur damaligen Zeit kennen, erfährt ihre Bräuche und Riten und kann so als Angehöriger einer Religion Vor- urteile ablegen, was ich persönlich für extrem wichtig für die Verständigung zwischen den verschiedenen Kulturkreisen halte, das heißt, man kann deutlich sehen, daß das Buch auch heute noch einen Bezug zur Realität hat. Der Autor scheut außerdem keine Tabuthemen, wie zum Beispiel sexuelle Handlungen die vielen schwarzen Seiten des Mittelalters, sondern erzählt ebenfalls darüber. Deshalb entsteht in diesem Buch zu keinem Zeitpunkt ein verfälschtes Bild dieser Epoche. Es ist zwar keine wahre Begebenheit beschrieben, aber die gesamte Handlung könnte sich auch so damals abgespielt haben. Schon am Anfang des des Romans werden die Lebensweise und die Landschaft in England sehr genau geschildert, und auch als sich die Handlung im Nahen Osten abspielt, setzt sich diese Erzählweise eindrucksvoll fort. Jede wichtige Einzelheit in der Stadt und auf dem Land ist so dargestellt, daß man stets mitdenken kann, statt sich nur berieseln zu lassen. Die detaillierten Erzählungen über die Staatsformen in England und Persien, die Lebensgewohnheiten der Menschen aus den verschiedenen Religionen, die Kulturen, die Ernährung und die Frei- zeitbeschäftigungen haben einen starken Eindruck bei mir hinter- lassen. All dies wird zum Teil aus verschiedenen Perspektiven berichtet, wodurch die gegebenen Informationen vielseitiger werden. Ich finde desweiteren interessant, wie die drei Religionen mit den Fortschritten der Medizin umgehen und wie Rob Jeremy Cole sich teilweise über ihre Gebote hinwegsetzt, um der Medizin zu dienen und sie voranzubringen. Er seziert beispielsweise Tote, um Erkenntnisse über die inneren Organe des Manschen zu gewinnen, obwohl dies in beiden Religionen strengstens untersagt ist.

1. Noah Gordon: ,,Der Medicus", München 1987, Seite 23 -9- Trotz der Länge des Buches hat es mich von Anfang an begeistern und mitreißen können, denn es ist meiner Meinung nach nie lang- atmig, sondern immer spannend geschrieben. Ich denke, daß ,,Der Medicus" nicht nur für Leute, die am Mittelalter interessiert sind, reizvoll ist, sondern daß sich eigentlich jeder mit dem Buch an- freunden kann. Das einzige, was ich etwas zu bemängeln habe, ist, daß der Leser manchmal Vorwissen über das Mittelalter haben muß, um einige Zusammenhänge besser verstehen zu können. So mußte ich oft im Geschichtsatlas nachschlagen, um mir Handlung und Hintergründe des Romans besser klarzumachen. Auch geographische Kenntnisse sind für das Nachvollziehen der Reise in den Orient von Nutzen. Trotzdem kann ich dieses Buch nur weiterempfehlen, denn ich war schon nach den ersten Seiten begeistert von der Art des Autors, den Leser mitzureißen und ihm seine Botschaft über diese Zeit zu ver- mitteln. Ich meine, der Roman ist interessant für alle, die ein spannendes Abenteuer erzählt haben wollen. Ich bin der Ansicht, daß dieses Buch für Leute ab vierzehn Jahren geeignet ist und sehe nach oben eigentlich keine Altersgrenze.

5.Quellenverzeichnis

- Gordon, Noah: Der Medicus, München 1987
- Der Große Brockhaus 16. völlig neubearbeitete Auflage, Band 7, Wiesbaden 1955, Stichwort ,,Medizin", Seite 632
- Der Große Brockhaus 16. völlig neubearbeitete Auflage, Band 8, Wiesbaden 1955, Stichwort ,,Mittelalter", Seite 58
- dtv-Atlas Weltgeschichte Band 1: Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, 31. Auflage, München April 1997
- Internet, diverse Homepages und andere Informations- seiten
- Dr. Lutz Mackensen Deutsches Wörterbuch, 10. erweiterte Auflage, Köln 1983

10 von 10 Seiten

Details

Titel
Gordon, Noah - Der Medicus
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
10
Katalognummer
V100039
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gordon, Noah, Medicus
Arbeit zitieren
Liesel Scheuermann (Autor), 2001, Gordon, Noah - Der Medicus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100039

Kommentare

  • Gast am 2.5.2001

    Kommentar zum Referat.

    Also ich bin echt superfroh, dass ich doch noch so ein gutes Referat über dieses Buch finden konnte. Hab auch lange genug gesucht. Ist echt ein super Referat! Hab das Buch zwar auch fast durchgelesen, schaffe es aber wohl nicht mehr ganz bis zur Vorstellung. Naja, und für ein eigenes Referat hab ich wohl auch nicht mehr genug Zeit. Also danke nochmal. Solche Internetseiten sind doch echt hilfreich!

  • Gast am 30.10.2002

    Naja, naja....

    Könnte sprachlich ein wenig verbessert werden. Es sind leichte inhaltliche Fehler vorhanden. Du verrutscht z.B. in der Zeit ("Während Karim zu immer mehr Ruhm gelangt, findet Mirdin heraus, daß Rob kein echter Jude ist, er versteht aber Robs Gründe, sich als solcher auszugeben. Nach mehreren Jahren müssen Karim, Mirdin und Rob ihre Prüfung ab- legen, sie bestehen und dürfen sich von dort an Hakim, das heißt Arzt nennen lassen") - Karim wurde schon vor den beiden zum Hakim ernannt und gelang dann erst zu richtigen Ruhm. Ja ich weiß, das du den Chatir meinst.

    Aber noch ein Beispiel für inhaltliche Mängel:
    "Dort leben sie eine Weile in London, aber Mary ist dort nicht heimisch und geht nach Schottland zurück."

    Nein, Rob schickt Mary weg, da er um ihre Sicherheit bangt. Er ahnt zu dem Zeitpunkt schon, das man ihn früher oder später kompromitieren würde.

    Im Großen und Ganzen aber, eine gute Arbeit.

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