Frisch, Max - Homo Faber - Erörtern Sie die Bedeutung Sabeths für Walter Fabers innere Entwicklung im Roman


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

5 Seiten, Note: 3


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Inhaltsverzeichnis

1) Fabers Verhältnis zum ,,American Way of Life"

2) Fabers Frauenbild

3) Fabers Einstellung zur Arbeit

4) Fabers neues Erleben
a) Erleben ohne Kamera
b) Andere Naturempfindung

5) Fabers Verhältnis zu Mitmenschen
a) Will nicht mehr allein sein
b) Kontaktsuche

6) Fabers Selbstfindung
a) Sexualität
b) Krankheit und Tod
c) Gefühle

Schluß: Persönliche Meinung

Thema 3: Erörtern Sie die Bedeutung Sabeths für Walter Fabers innere Entwicklung in Max Frischs Roman ,,Homo faber"!

Der schweizer Dramatiker Max Frisch schrieb 1957 den Roman ,,Homo faber". Im Text geht es um einen Techniker, der rückblickend aus seinem Leben erzählt. Walter Faber verliebt sich in ein junges Mädchen, ohne zu wissen, dass es seine Tochter ist. Doch sie und ihre Liebe bringen sein rationales Weltbild ins Wanken.

Fabers Verhältnis zum ,,American Way of Life" ändert sich nach Sabeths Tod grundlegend, als er realisiert, dass das Leben vergänglich ist. Bevor er Sabeth kennenlernt lebt Faber wie ein typischer Amerikaner. Er hat eine Wohnung, einen Studebaker und macht sich keine Sorgen und Gedanken über sein Leben. Marcel hält den ,,American Way of Life" für einen ,,Versuch, das Leben zu kosmetisieren,... ". (S.50) Damit setzt sich Faber allerdings nicht weiter auseinander. Doch in Cuba beschließt er anders zu leben. Faber vergleicht ,,diese Bleichlinge, die nicht wissen was sie essen und trinken..." (S.175) mit den offenen und lebenslustigen Menschen in Cuba. Er wird zornig, als er erkennt, dass der ,,American Way of Life" aus Oberflächlichkeit, ,,falsche[r] Gesundheit" und ,,obszöne[r] Jugendlichkeit" besteht. (S.175) Faber war mit Sabeth sehr glücklich, ihr gefühlsbetontes Wesen und ihr intensives Leben standen im genauen Gegensatz zum ,,American Way of Life".

Auch Fabers Frauenbild durchläuft während der gemeinsamen Zeit mit Sabeth eine Entwicklung, da sich Sabeth ganz anders verhält, als die Frauen, die Faber bisher kennengelernt hat. Fabers Frauenbild ist sehr negativ. Auffallend ist, ,,dass Faber, wenn er sich über eine Frau konkret äußert, von ihrer Individualität schnell absieht und sich pauschal über sie als Gruppe äußert." (siehe Manfred Eisenbeis S.57) Für Faber sind Frauen ,,hysterisch" (S.47) und egoistisch, weil sie kein Verständnis für das Bedürfnis des Mannes, allein zu sein, haben. In der Beziehung zu Sabeth zeigt er auch für Frauen Gefühle. Hanna bewundert er: ,,Dabei hat Hanna immer das getan, was ihr das Richtige schien ... und das ist für eine Frau, finde ich, schon allerhand. Sie führte das Leben wie sie's wollte." (S.139)

Weiterhin gibt Faber seinen Beruf auf, da dieser ihn nicht mehr ausfüllt und auch nicht über den Tod Sabeths hinweg tröstet. Bevor Faber Sabeths Bekanntschaft macht, definiert er sich nur über seine Arbeit. Er ist sehr genau und alles muss er reparieren, denn ,,jeder Apparat kann einmal versagen; es macht [ihn] nur nervös, solange [er] nicht weiß, warum." (S.63) Auch nachdem Faber Sabeth schon kennt, sagt er von sich selbst: ,,Ich lebe, wie jeder wirkliche Mann, in meiner Arbeit." (S.90) Nach Sabeths Tod versucht Faber, sich mit seiner Arbeit abzulenken. Als er bei einer Vorführung seiner Filme auch Bilder von Sabeth sieht, wird er damit nicht fertig. Er ist verzweifelt, er wünscht sich, er ,,wäre nie gewesen." (S.192) Da ihm die Arbeit nicht hilft, sondern nur noch schwer fällt, kündigt er schließlich.

Walter Faber fängt an, seine Umwelt bewußt zu erleben, da er von Sabeth lernt, sich auf Mensch und Natur einzulassen. Er sieht die Dinge nicht nur durch das Kameraobjektiv, sondern nimmt Anteil daran. Bevor Faber Sabeth kennenlernt, filmt er alles, auch Sabeth. Doch während ihrer gemeinsamen Reise greift er immer seltener zur Kamera. Sabeth nimmt ihre Umgebung nicht nur wahr, sondern sie erlebt sie. Sabeth ist von Kunstwerken beeindruckt und sie findet diese ,,toll, geradezu irrsinnig, maximal...". (S. 111) Erst sagt Faber er könne es nicht ausstehen, wenn man ihm sagt, was er zu empfinden hätte. (S.111) Doch als er sich auf Sabeth einläßt, entdeckt er eine Skulptur und findet sie ,,... ganz großartig, beeindruckend, ...". (S.111) Sabeths Offenheit bringt Faber dazu, Ereignisse zu erleben und sie nicht nur mit der Kamera festzuhalten.

Auch Fabers Naturempfindungen haben sich grundlegend durch Sabeths Sicht der Natur geändert. Faber zeigt keine Phantasie, als er, nach der Notlandung in der Wüste, die Natur beschreibt. Deshalb sieht er auch keine ,,gezackten Rücken von urweltlichen Tieren..." (S.24) wie die anderen Passagiere des Flugzeuges. Er nimmt alles einfach rational und logisch auf, deshalb spricht er von ,,gezackten Felsen, schwarz vor dem Schein des Mondes...". (S.24) Als Faber sich im Dschungel aufhält, steigert sich sein Desinteresse an der Natur sogar zu Ekel. Dies wird besonders deutlich als er von ,,...Hitze mit schleimiger Sonne und klebriger Luft..." spricht. (S.34) Auf der Reise fängt Faber langsam an, die Natur zu genießen. Die Mondfinsternis, die er zusammen mit Sabeth erlebt, versucht er zwar naturwissenschaftlich zu erklären, aber es bringt ihn auch aus der Ruhe (S.125). Faber und Sabeth ,,waren beide aufgeregt,...". (S.125) Angeregt durch Sabeths Begeisterungsfähigkeit fängt Faber an, die Natur mit anderen Augen zu sehen. Er und Sabeth vergleichen die Umgebung von Korinth mit alltäglichen Dingen. So sehen für die beiden Felsen wie Kohle aus (S.150) oder ,,die weißen Hütten von Korinth: Wie wenn man eine Dose mit Würfelzucker ausgeleert hat!" (S.151) Es gelingt Faber immer mehr, die Natur nicht nur als solche zu betrachten, sondern er bezieht seine Phantasie mit ein. Jetzt ist er von seiner Umgebung oft beeindruckt. Als Faber am Ende von Zürich nach Athen fliegt, um sich dort operieren zu lassen, hat er den ,,Wunsch, Heu zu riechen!" und den ,,Wunsch, die Erde zu greifen-...". (S.195) Jetzt fühlt sich Faber nicht mehr als Beherrscher oder sogar als Gegner der Natur, sondern als ein Teil von ihr. (siehe Manfred Eisenbeis S.75)

Eine weitere Entwicklung findet statt insofern, dass Faber nicht mehr allein sein will. Er hat sich so an Sabeths Gegenwart und an ihre gemeinsamen Gespräche gewöhnt, dass er es nach ihrem Tod nicht mehr allein aushält. In einer Unterhaltung mit Sabeth bemerkt er immer wieder, dass er sich glücklich schätze, allein zu wohnen und dass er es genieße, allein zu erwachen. (S.91) Doch Sabeth findet Faber zynisch und lacht über ihn. Als Faber im Krankenhaus liegt und kurz vor der Operation steht, erkennt er schließlich: ,,Aber ich bin nicht allein, Hanna ist mein Freund,...". (S.198) Hier wird ihm klar, dass er nicht allein auf der Welt ist.

Aber Faber geht sogar noch weiter. Er sucht Kontakt, um der Einsamkeit zu entfliehen. Noch am Anfang des Buches sind Menschen eine Anstrengung für ihn, auch Männer. (S.92) Doch als er in Cuba ist, bewundert er ,,sie wie fremde Tiere, ihr weißes Gebiß in der Dämmerung,... weil sie schön sind." (S.178) Zunächst begegnet er einem Mann, der soeben Vater geworden ist. Durch die Begegnung mit dem jungen Vater wird er gezwungen, über seine Vaterrolle nachzudenken, die er ja nie ausüben durfte. (siehe Manfred Eisenbeis S.75) Dann trifft er ein junges Mädchen, Juana. Als Juana von ihrem Leben erzählt, vergleicht er sie mit seiner Tochter Sabeth: ,, Noch jünger als unser Kind." (S.179) Das Mädchen erinnert ihn auch an Sabeth, da Juana genauso viele Träume hat wie sie. Deshalb geht er auch so aus sich heraus und erzählt ihr von Sabeths Tod und dem Wunsch, ihre Mutter, Hanna, zu heiraten.

Fabers Meinung zur Sexualität hat sich geändert, da er von Sabeth gelernt hat seine natürliche Erotik zu akzeptieren. Faber denkt, alle sexuellen Kontakte gehen von der Frau aus und sind immer gegen seinen Willen. Sogar als er in Avignon mit Sabeth schläft, hat er dieses Gefühl. (siehe Manfred Eisenbeis S.57) Faber findet Sex ,,geradezu pervers." (S.93) und er hat Angst vor dem Trieb. Er als Techniker, versucht immer alles zu beherrschen, aber die Natur und der Trieb gehorchen ihm nicht. Als Faber in Cuba ist, ändert sich schließlich seine Einstellung zur Sexualität. Er fühlt sich am Strand ,,... wie ein Schulbub: [er] zeichne[t] eine Frau in den heißen Sand und [legt sich] in diese Frau,...". (S.177) Daraufhin bezeichnet er sie als ,,Wildlingin". (S.177) Als er sich dann mit einem Mädchen einläßt, kommt es seinetwegen nicht zum Sex. Diese Tatsache nimmt er einfach so hin. Mit diesem Verhalten wird deutlich, dass Faber das Empfinden einer natürlichen Erotik akzeptiert. (siehe Manfred Eisenbeis S.76) Nur durch Sabeth hat er gelernt, seine Natur zu akzeptieren und sie nicht zu verdrängen.

Weiterhin kann Faber seine Krankheit und seinen Tod akzeptieren, da er sich an Sabeth ein Vorbild nimmt und genau wie sie Krankheit und Tod als unvermeidbar anerkennt. Schon am Anfang des Berichts hat Walter Faber Magenbeschwerden, er sieht zwar ,,scheußlich wie eine Leiche" (S.11) aus, aber er verdrängt die Schmerzen und behauptet, sie kämen vom Rauchen (S.11). Als man ihm sagt, er sähe schlecht aus, irritiert ihn das. Deshalb versucht er sich vorzumachen, dass er ,,...ein Mann in den besten Jahren, grau, aber sportlich."ist. (S.98) Und Faber redet sich ein, er wäre noch ,,...nie in [seinem] Leben krank gewesen..." (S.99) Durch Sabeths Schlangenbiß und ihren Sturz wird er zum ersten Mal mit dem Krankenhaus und dem Tod konfrontiert. Dann das zweite Mal, als sein früherer Professor O. stirbt. Der Professor ist für Faber eine Verkörperung des Todes. (siehe Manfred Eisenbeis S.97) Als er schließlich im Krankenhaus liegt, und bald operiert werden soll, versucht er immer noch, seine Krankheit zu verdrängen, er sagt: ,,Wenn es Krebs wäre, dann hätten sie mich sofort unters Messer genommen, " (S.165) Doch wie er sich im Spiegel betrachtet, erschreckt er über sein Aussehen. Dies versucht er zwar zu überspielen, als er behauptet, es fehle ihm nur frische Luft (S.172) aber dass er den Tod von Professor O. anspricht, läßt seine wahren Befürchtungen erkennen. (siehe Manfred Eisenbeis S.32) In der Nacht vor seiner Operation gesteht Faber sich ein, dass er an diesem Leben hänge wie noch nie. (S.199) Faber erkennt, dass sein Leben nur ein verfälschtes Bild seiner selbst ist. (siehe Manfred Eisenbeis S.81) Hätte er Sabeth nicht kennen- und liebengelernt, hätte er nie zu sich selbst finden können.

Walter Faber lernt durch Sabeths Liebe seine Gefühle zu zeigen, Faber ist ein

realitätsbezogener, rationaler Mensch, der ,,nun einmal der Typ [ist], der mit beiden Füßen auf der Erde steht." (S.47) Faber bezeichnet sich als einen Menschen, der konsequent technisch lebt und mit rationalem Denken und Verhalten Ernst macht." (siehe Manfred Eisenbeis S.55) Während der gemeinsamen Italienreise sagt er: ,,... ich kann nur sagen, dass ich glücklich bin, weil auch das Mädchen, ..., glücklich gewesen ist " (S.167) Hier zeigt er ganz deutlich seine Gefühle. Ein Strand in Cuba erinnert Faber an Theodohori, wo seine Tochter starb. Er trauert und deshalb weint er. (S.176)

Max Frisch versucht mit der übertriebenen Darstellung Walter Fabers den bedingungslosen Glauben in die Technik zu kritisieren. Diese Überzeugung gilt heute noch genauso. Ich glaube, dass unsere Gefühle nicht ausgelebt werden können, wenn wir nur rational und vernünftig handeln. Meine persönliche Meinung ist, dass man versuchen sollte, auf seinen Verstand sowie auf seine Gefühle zu hören, um das Bestmögliche aus seinem Leben zu machen.

Sekundärliteratur: Eisenbeis, Manfred: Lektürehilfen, Max Frisch, Homo faber Stuttgart 1999

5 von 5 Seiten

Details

Titel
Frisch, Max - Homo Faber - Erörtern Sie die Bedeutung Sabeths für Walter Fabers innere Entwicklung im Roman
Veranstaltung
Klasse 11
Note
3
Autor
Jahr
2000
Seiten
5
Katalognummer
V100059
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Literarische Erörterung
Schlagworte
Frisch, Homo, Faber, Erörtern, Bedeutung, Sabeths, Walter, Fabers, Entwicklung, Roman, Klasse
Arbeit zitieren
Anna Schöffer (Autor), 2000, Frisch, Max - Homo Faber - Erörtern Sie die Bedeutung Sabeths für Walter Fabers innere Entwicklung im Roman, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100059

Kommentare

  • Gast am 21.2.2016

    "Ich glaube, dass unsere Gefühle nicht ausgelebt werden können, wenn wir nur rational und vernünftig handeln. Meine persönliche Meinung ist, dass man versuchen sollte, auf seinen Verstand sowie auf seine Gefühle zu hören, um das Bestmögliche aus seinem Leben zu machen." Solche Aussagen lieber im Stil - Max Frisch zeigt an Walter Faber, dass Gefühle nicht ausgelebt werden können, wenn man nur rational und vernünftig handelt.
    Fabers rationale Einstellung, die Gefühle ablehnt, gilt bis heute als Negativbeispiel für ein verfehltes Leben.

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