Motive und Symbole in Annette von Droste-Hülshoffs Novelle "Judenbuche"


Hausarbeit, 2020

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Annette von Droste-Hülshoff: Judenbuche
2.1 Gattungszuordnung, -merkmale und Aufbau der Novelle
2.2 Die Epochenzugehörigkeit

3 Themen, Motive und Symbole in der Literatur
3.1 Die Abgrenzung der Begriffe
3.2 Die Funktion von Motiven im Text

4 Motive und Symbole in Annette von Droste-Hülshoffs Novelle Judenbuche...
4.1 Das Elternhaus
4.2 Die Natur
4.3 Der Doppelgänger
4.4 Die Hochzeit
4.5 Die Heimkehr
4.6 Die Buche
4.7 Die Narbe

5 Literaturverzeichnis

6 Zusammenfassung

1 Einleitung

Eines der wichtigsten Mittel, mit denen ein Künstler die Vorstellungskraft des Lesers anspricht, ist ein Symbol. Daher wurde bei der Interpretation der semantischen Tiefe eines Textes einem symbolischen Bild immer eine bedeutende Rolle eingeräumt. Indem der Leser die Funktion eines Symbols festlegt, versteht er die ideologische Tiefe des Textes als Spiegelbild der persönlichen Wahrnehmung der Welt durch den Künstler. Das symbolische Bild als künstlerisches Mittel hat große Ausdrucks- und Informationsfähigkeiten. Die Motive und Sinnbilder sind besonders in der Novelle der Autorin Anette von Droste-Hülshoff Judenbuche zu finden.

Die Aktualität dieser Arbeit ist durch Notwendigkeit der Analyse der Motivstruktur in der Judenbuche bedingt, da die nicht genug untersucht worden ist.

Als Untersuchungsmaterial dienten in der Novelle der Autorin Anette von Droste-Hülshoff Judenbuche eingesetzte Grundmotive.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist die wichtigsten Motive in der Novelle festzustellen und ihre Symbolik in dem Werk zu beschreiben.

Diese Arbeit enthält eine Einleitung, einen theoretischen und einen praktischen Teil, eine Zusammenfassung, ein Literaturverzeichnis und einen Anhang. In der Einleitung wird das Problem ermittelt, die Relevanz seiner Forschung begründet und Ziele seiner Untersuchung festgelegt. Der erste Teil widmet sich der theoretischen Klärung und zwar: es werden Gattungszugehörigkeit, Gattungsmerkmale und Aufbau der Judenbucche vorgestellt sowie die Epochenzuordnung bestimmt. Das dritte Kapitel behandelt die Abgrenzung der Begriffe Thema, Motiv und Symbol in der Literatur, sowie die wichtigsten Funktionen von Motiven im Text im Allgemeinen.

Darauf aufbauend werden im vierten Kapitel, die durch die analytische Methode Motive der Judenbuche analysiert. Es wurden dabei sowohl ihre Symbolik als auch die Funktion in dem Werk beschrieben. Abschließend werden die wichtigsten Ergebnisse und der durchgeführten Analyse sowie eine Zusammenfassung des praktischen und theoretischen Materials vorgestellt, das während der Arbeit erhalten wurde.

2 Annette von Droste-Hülshoff: Judenbuche

2.1 Gattungszuordnung, -merkmale und Aufbau der Novelle

Die Judenbuche von Droste-Hülshoff kombiniert in sich verschiedene Genreprinzipien: Dies ist eine kriminelle Geschichte, ein sozialpsychologischer Aufsatz und eine religiöse didaktische Geschichte, dennoch ist sie der Gattung Novelle zuzuordnen.

Novelle ist eine Kurzgeschichte über ein Ereignis oder eine Person, über ihre Gefühle und Erfahrungen. Nachdem der Schriftsteller auf dem begrenzten Raum der Novelle über das Schicksal oder ein zufälliges Ereignis eines Menschen nachgebildet hatte, versuchte er, ein Fragment des Lebens und damit die charakteristischen Merkmale der gesamten Gesellschaft zu zeigen.

Gero von Wilpert in seinem Sachwörterbuch der Literatur (Wilpert, 2013 S. 566) gibt folgende Definition der Novelle:

„Novelle - kürzere Vers- oder meist Prosaerzählung einer neuen, unerhörten, [...] Einzelbegebenheit mit einem einzigen, zentralen Konflikt in gedrängter, einsträngig-geradlinig auf ein Ziel hinführender und in sich geschlossener Form und nahezu objektivem Berichtstil ohne Einmischung des Erzählers, [] häufig in Gestalt der Rahmen oder chronikalischen Erzählung, [.] den streng tektonischen Aufbau der Novelle, den sie mit dem Drama gemeinsam hat, betont“.

Das Merkmal der Länge ist von grundlegender Bedeutung für die Klassifizierung von Erzählwerken. Wie der Autor über das Handlungsmaterial verfügt, wie er seine Handlung konstruiert, wie er sein Thema einführt, hängt vom Umfang des Werks ab. Dadurch besteht Die Judenbuche (Reclam Ausgabe) aus 222 Seiten, was sie als Novelle charakterisiert.

Duden Das Fremdwörterbuch definiert Novelle als „Erzählung kürzeren oder mittleren Umfangs, die von einem einzelnen Ereignis handelt und deren geradliniger Handlungsablauf auf ein Ziel hinführt“ (Duden Das Fremdwörterbuch, 2010 S. 723).

Die frühesten Aussagen über Novelle als Genre gehören Goethe. Die Hauptidee der Novelle ist, dass sie eine „unerhörte Begebenheit“ (Goethe, Gespräche mit Ekkermann, 29. Januar 1827) aus der wirklichen Welt in konflikthafter Zuspitzung und meist mit einer überraschenden Wendung erzählt“ (vgl. Thome'/Wehle, 2007 S. 726).

Somit betont Goethe die Spannung in der Novelle, die die Bedeutung der Auflösung sowie eine unerwartete Wendung enthält.

Als unerhörte Begebenheit in Judenbuche dient der Judenmord, wobei in der Novelle nicht nur ein, sondern vier Wendepunkte (vgl. Freud, 2005 S. 25-28):

1) Die Geburt des Protagonisten Friedrich Mergels und danach sofortiger Tod seines Vaters Herman Mergels;
2) Der Förstermord, an dem Friedrich mitschuldig ist;
3) Die Ermordung Aarons nach der Bauernhochzeit und Friedrichs Flucht;
4) Friedrichs Heimkehr und Selbstmord, wobei „Heimkehr bedeutet nicht neues Glück, sondern die Erfüllung eines tragischen Schicksals. Dort, wo er vor 50 Jahren geboren wurde, setzt Friedrich seinem Leben ein Ende“ (Freud, 2005 S. 26f).

Dafür, dass Judenbuche eine Novelle ist, spricht ihre Glaubwürdigkeit. Es ist bekannt, dass sie auf realen Ereignissen basiert. Und zwar ein Kriminalbericht „Geschichte eines AlgiererSklaven“ (Freund, 2005 S.17f).

Hugo Aust, Professor an der Universität zu Köln verdeutlicht in seiner Arbeit die Bedeutung einer wahren Begebenheit, indem er meint, dass „die Wahrheit der Begebenheit sich schon bei der Benennung der Figuren; auch Kennzeichnungen (wahre Geschichte), Quellenvermerke und Erzählreflexionen solcher Wahrheitsbeteuerungen dienen kann“ (vgl. Aust, 2012 S. 14f).

Daneben sollte man nicht vergessen, das eine Novelle über eine geschlossene Form verfügen soll, „die unter Berufung auf Storms Diktum (Schwester des Dramas) in der Novelle die Verlaufsform des Dramas herausarbeiten wollen“ (Aust, 2012 S. 16).

Im Detail zeigt Droste Schritt für Schritt die Stadien der persönlichen Entwicklung Friedrichs von der Geburt bis zu seinem Tod.

Winfried Freud fasst den Tiefpunkt der Novelle so zusammen:

„Der Rahmen schließt sich. Sind im Binnenteil Opfer und Täter noch getrennt, und ist der Tod dort die Folge der Gewalt, die der eine dem anderen antut, so sind im Rahmen Opfer und Täter identisch. Sowohl der Vater wie der Sohn bringen sich bei deutlich vermindertem Bewusstsein selbst um, der eine sinnlos betrunken, der andere aus verletztem Stolz wie von Sinnen. Der Mensch, der andere und sich selbst zerstört, ist eine zutiefst tragische Gestalt, gefangen in einem Teufelskreis, aus dessen tödlicher Bestimmung es kein Entrinnen gibt“ (Freund, 2005 S. 27).

Hier muss ergänzt werden, dass viele Novellen Symbole oder Dingssymbole (Boccaccios Falkentheorie), die als indirekte Hinweise oder Hinweise auf die tiefe semantische Bedeutung des führenden Gegenstands. Hinzukommt, dass Symbol und literarisches Motiv miteinander in enger Beziehung stehen, aber nicht dasselbe bedeuten. Zu beachten ist, dass „Motive zum Symbol werden können, wo ihnen zugleich eine sekundäre Bedeutung zugewiesen wird“ (Butzer/Jacob, 2008 S. V).

2.2 Die Epochenzugehörigkeit

Die Novelle ist in der Biedermeierzeit und zwar im „Poetischen Realismus“ entstanden, welche als eine der wichtigsten Strömungen der Literatur der Restaurationsepoche (neben dem „Jungen Deutschland“ und „Vormärz“) dient.

Peter Brenner meint, dass die Epochen Aufklärung und Klassik gehen um 1810 zu Ende und die Folgezeit „Biedermeierzeit“ umfasst Spätromantik sowie biedermeierliche Dichtung im engeren Sinne, Junges Deutschland und Literatur des Vormärz (vgl. Brenner, 2011 S. 141).

Die biedermeierliche Literatur und ihre Autoren sind gerade gekennzeichnet durch einen dezidierten Mangel an behaglicher Zufriedenheit. Ihr Charakteristisches Merkmal ist die „Zerrissenheit“ (Brenner, 2011 S. 144).

Biedermeier Literatur und Kunst proklamierten neben dem Kult der guten alten Zeiten den Wert des momentanen Seins. Die Unsicherheit über morgen und die Ohnmacht vor dem Lauf der Geschichte wurden zum Grund für diese Haltung gegenüber der Zukunft (vgl. Kalthoff-Pticar, 1988 S. 29).

In der Novelle von Droste besteht eine ständige Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Es ist unmöglich, die weitere Entwicklung der Handlung vorherzusagen, die Autorin gibt dem Leser keine Anweisungen oder Hinweise darauf, wie sich das Schicksal ihrer Helden in Zukunft entwickeln wird, aber es ist offensichtlich, dass die Kontinuität der Generationen nicht unterbrochen wird. Dies zeigt auch das Merkmal Biedermeier.

3 Themen, Motive und Symbole in der Literatur

3.1 Die Abgrenzung der Begriffe

Das Thema und das Motiv sind zwei literarische Konzepte, die oft verwechselt werden. Ein Thema ist eine Grundidee oder eine zentrale Botschaft, die durch ein literarisches Werk vermittelt wird. Ein Motiv ist eine sich wiederholende Idee, ein Bild oder ein Element, das eine symbolische Bedeutung hat.

An dieser Stelle ist auf Nünning zu verweisen, der sich hierzu äußert, dass in der deutschen Literaturtheorie Motiv, Stoff und Thema sich deutlich voneinander unterscheiden: das Motiv tritt als die kleinste semantische Einheit zwischen diesen drei Begriffe, der Stoff fasst Motive zusammen und das Thema zeugt die Hauptideen eines Werks (vgl. Nünning, 2004 S. 184).

Horst uns Ingrid Daemmrich verstehen das Thema „als den entwickelten Grundgedanken, die geistige Komponente eines Textes“ (Daemmrich / Daemmrich, 1995: XXI). Kennzeichnend für das Thema laut Horst und Ingrid Daemmrich (Daemmrich / Daemmrich, 1995: XXIII) ist, dass es ein grundlegendes Konzept oder eine natürliche Botschaft ist, abstrakt und nicht im Text angegeben. Sie meinen, dass das Thema lässt sich aus den Figuren und ihren Eigenschaften erschließen (Merkmal der Begriffsbestimmung).

Ein weiteres Merkmal des Themas ist ihre Wahrscheinlichkeit. Denn der Text zeigt Handlungen, die mit der Realität konfrontieren sollen, damit der Leser sich den Charakteren nahe fühlt und ihre Denkformen und Vorstellunggehalte versteht.

Horst und Ingrid Daemmrich nennen noch folgende Merkmale des Themas: Ausarbeitung (ein Text kann mehrere Themen beinhalten); Funktion (Themen bestimmen die Verwendung von Motiven); Frequenz (Themen bewahren ihre Eigenschaften); Einbeziehung des Individuationsprozesses (Themen legen Fragen der menschlichen Entwicklung dar) (Daemmrich / Daemmrich, 1995: XXIV- XXV).

Die Novelle Judenbuche enthält folgende Themen: Natur und die Umgebung; Persönliche Entwicklung Friedrichs; Antisemitismus; die Rolle der Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder; der Alkoholismus; Nünning formuliert Definition eines literarischen Motivs folgenderweise: „im weitesten Sinne kleinste strukturbildende und bedeutungsvolle Einheit innerhalb eines Textganzen; im engeren Sinne eine durch die kulturelle Tradition ausgeprägte und fest umrissene thematische Konstellation“ (Nünning, Ansgar, 2004 S. 184).

Oft werden Motive als wichtige, unterstützende Wortsymbole verstanden, die eine besondere eine inhaltliche Bedeutung haben im Text tragen.

Nach der Meinung von Ansgar Nünning zu beachten ist, dass „das Symbol keine rhetorische Figur ist, sondern reale Gegenstände oder Handlungen bezeichnet, die in der Realität oder der erzählten Welt auf etwas anderes verweisen“ (Nünning, Ansgar, 2004 S. 267).

Es lässt sich daraus schließen, dass der Hauptunterschied zwischen dem Thema und dem Motiv besteht darin, dass das Thema abstrakt ist, während das Motiv konkret ist. Die Analyse von Motiven in einem literarischen Werk führt zu einem tieferen Verständnis des Werkes. Und im Vergleich zum Motiv ein Symbol ist ein Objekt, das etwas anderes darstellt oder für etwas anderes verwendet wird. Es kann ein Emblem, ein Zeichen sein oder ein Zeichen, das etwas Tieferes und Wichtigeres darstellt.

3.2 Die Funktion von Motiven im Text

Germanisten Horst Daemmrich und seine Frau Ingrid Daemmrich (Daemmrich / Daemmrich, 1995: XVIII- XX) unterscheiden folgende Voraussetzungen für Funktionen von Motiven:

1) Schein (die Ausdruckskraft und Deutlichkeit von Motiven);
2) Stellenwert (Informationsverarbeitung der Wahrnehmung und Einbindung der Verbindungen, Assoziationen im Text);
3) Polarstruktur beschreibt die Unterschiedlichkeit in der Darstellung eines Inhaltes, um komplexe Situationen einfach zu erklären;
4) Spannung (durch widersprechende Annahmen wird eine geistige Auseinandersetzung verursacht);
5) Schematisierung bildet Handlungsabläufe aus, die sich immer wieder wiederholen und es somit leichter ist, der Handlung zu folgen;
6) Themenverflechtung (Verknüpfung von Themen und Relationen innerhalb des Werks);
7) Gliederung des Textes (Befestigung der Struktur des Textes);
8) Deutungsmuster (Interpretationsmodell für Grundsituationen).

[...]

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Details

Titel
Motive und Symbole in Annette von Droste-Hülshoffs Novelle "Judenbuche"
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Autor
Jahr
2020
Seiten
16
Katalognummer
V1000669
ISBN (eBook)
9783346389107
ISBN (Buch)
9783346389114
Sprache
Deutsch
Schlagworte
motive, symbole, annette, droste-hülshoffs, novelle, judenbuche
Arbeit zitieren
Alina Mazitova (Autor), 2020, Motive und Symbole in Annette von Droste-Hülshoffs Novelle "Judenbuche", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1000669

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