Depressionen in der Kindheit. Einfluss des überbehütenden Erziehungsstils auf die Entstehung von Depressionen im Kindesalter

Eine Zusammenhangsanalyse


Ausarbeitung, 2019

30 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung- Depressionen und Überbehütung auf den ersten Blick

2. Depressionen in der Kindheit
2.1 Symptomatik einer Depression
2.2 Klassifizierung von Depressionen
2.3 Ursachen, sowie Risikofaktoren für die Entstehung einer Depression in der Kindheit
2.4 Kognitiv- psychologische Modelle zur Entstehung einer Depression
2.5 Elterliches (Erzieher-)Verhalten zur Unterstützung der Rehabilitation

3. Der überbehütende Erziehungsstil
3.1 Begriffsklärung
3.2 Die Ursachen einer überbehütenden Erziehung
3.3 Die Auswirkungen einer überbehütenden Erziehung auf das Kind
3.4 Das kindliche Selbst- Im Spannungsfeld der überbehütenden Erziehung

4. Zusammenhänge der Entstehung von Depressionen in der Kindheit und dem überbehütenden Erziehungsstil
4.1 Resümierender Rückblick
4.2 Zusammenhangsanalyse von Depressionen und Überbehütung in der Kindheit
4.3 Ein erster Ausblick- Bedeutung der Ergebnisse für das Umfeld des Kindes

Literaturverzeichnis

1. Einleitung- Depressionen und Überbehütung auf den ersten Blick

Laut der Stiftung „Deutsche Depressions Hilfe“ gilt die Depression als eine, der am meist unterschätzten, Erkrankungen in Deutschland. Hier wird aufgeführt, dass 5,3 Millionen Erwachsene in Deutschland, in einem Zeitraum von einem Jahr an einer depressiven Störung erkranken (vgl. o.V, 25.03.2019, www.deutsche-depressionshilfe.de). Bei dieser durchgeführten Studie handelt es sich allerdings ausschließlich um Menschen in einem Alter von 18 bis 79 Jahren. So kann man sichergehen, dass diese Zahl sich drastisch erhöht, wenn man Erkenntnisse zum Vorkommen von Depressionen bei Kindern und älteren Menschen hinzuzieht. Denn rund ein Prozent aller Kinder im Vorschulalter sind von psychischen Erkrankungen im Rahmen depressiver Verstimmungen bis hin zu massiven depressiven Störungen betroffen. Im Grundschulalter steigt die Zahl der Erkrankten bereits auf zwei Prozent, wobei der Wert bei Kindern im Jugendalter, mit einer Prozentzahl von 3- 10% der Betroffenen, abermals ansteigt (vgl. o.V, 25.03.2019, www.deutsche-depressionshilfe.de).

Unter einer Depression versteht man eine psychische Erkrankung oder auch Störung genannt, welche mit einer vielschichtigen Symptomatik einhergeht. Häufig sind Erkrankte unter anderem von Traurigkeit, Interesselosigkeit, Schuldgefühlen, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen und einem verringerten Selbstwertgefühl betroffenen (vgl. Weltgesundheitsorganisation Europa, 25.03.2019, www. euro.who.int).

Durch die verschiedenen und individuellen Erscheinungsformen einer Depression liegt die Problematik häufig nicht bei der Behandlung, sondern bei der Identifizierung der Erkrankung. Anlässlich des europäischen Depressionstag am 01.10 2011 wurde veröffentlicht, dass bei 25 -30 % aller Erkrankten in ärztlicher Behandlung eine Fehleinschätzung vorlag und dadurch vorerst keine Depression diagnostiziert wurde (vgl. dpa-tmn, 22.09.2011).

Besonders bei Kindern sind die Formen der Symptomatik häufig sehr unterschiedlich und wenig eindeutig. Umso wichtiger scheint die Tatsache das Thema auch im Bereich der Frühpädagogik gezielter aufzugreifen, um die Erkrankung schon frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Hierbei stellt sich ein weiterer wichtiger aber erschwerender Faktor heraus, welcher entscheidend bei der Behandlung der Thematik ist: Einrichtungen der Kindertagesbetreuung sind oftmals wenig bewandert was das differenzierte Erkennen von psychischen Störungen, und im Umkehrschluss auch den speziellen Umgang mit den betroffenen Kindern angeht. Die Ausbildungen vieler Fachkräfte, besonders die der Erzieher/Innen, fokussieren sich stark auf die Erkennung von Entwicklungsabweichungen einer gewissen Norm, die aus bestimmten Theorien hervorgehen. Weiterbildungen und Spezialisierungen, sowie das Auseinandersetzen mit differenzierten Themen, wie zum Beispiel: „Depressionen im Kindesalter“, werden von den Fachkräften bestenfalls zusätzlich erarbeitet um die Arbeit am Kind zu optimieren. Folgende Ausarbeitung soll hier mehr Aufschluss bieten.

Ein weiterer Bereich der zunehmend an Wichtigkeit und Anerkennung gewinnt, ist der, der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft. Unzählige Bildungsprogramme und Bildungspläne der Länder halten die Bedeutung und Priorität der Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten fest (vgl. Völkel/ Wihstutz 2014, S.7).

Dadurch das Eltern immer präsenter werden, wird auch oftmals klar, an welchem Erziehungsstil die Eltern festhalten. Wünsche der Eltern wie der, dass die Kinder komplexere Situationen nicht alleinig bewältigen sollen, sondern die entsprechenden Fachkräfte ihnen diese Situationen abnehmen sollten, werden in der Praxis täglich deutlich. Die Eltern haben den Anspruch entwickelt ihre Kinder vor allen Gefahren der Welt zu schützen, dadurch schränken sie ihre Kinder in der Entwicklung und in der Selbstentfaltung ein und erreichen so, das wichtige und altersentsprechende Entwicklungsaufgaben nicht angemessen bewältigt werden können (vgl. o.V, 25.03.2019, www.praxis-jugendarbeit.de). Diese Merkmale sprechen dafür, dass die Erziehungsberechtigten einen „überbehütenden Erziehungsstil“ verfolgen. Auf diesen und dessen Auswirkungen wird in folgender Ausarbeitung eingegangen um die bereits angerissenen Folgen dieser Erziehung zu verdeutlichen.

Wichtig ist dies, um einerseits die erzieherische Pflicht das Kindeswohl zu schützen, außerhäuslich sowie familiär, zu verdeutlichen. Ebenfalls gilt zu verstehen wo die Grenzen dieser Pflicht sind. Andererseits kann das Thema: „Überbehütung“ in der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft sensibilisiert werden, um dem Kind die bestmögliche Entwicklung ermöglichen zu können.

Die Variable „Depression bei Kindern“ soll hinterleuchtet und auf ihre Symptomatik sowie Entstehung eingegangen werden, um Eltern sowie Fachkräfte zu sensibilisieren. Der „Überbehütende Erziehungsstil“ soll kritisch hinterfragt und auf seine Auswirkungen getestet werden.

Dadurch dass beide Themen, „Überbehütung und Depression bei Kindern“, an Häufigkeit und Vorkommen zunehmen und eine hohe Relevanz in der Praxis einnehmen, da beide Variablen die Entwicklung des Kindes, aber auch das Kindeswohl beeinflussen, kann man sich nun die Frage stellen ob diese eventuell in einem Zusammenhang stehen oder stehen können. Somit wird auf folgende erklärungssuchende Frage eingegangen: „Inwiefern beeinflusst der überbehütende Erziehungsstil von Eltern die Entstehung von Depressionen bei Kindern?“

Um diese Frage zu klären wird im Folgenden zuerst auf beide Variablen eingegangen. Die Symptomatik und die verschiedenen Entstehungsbedingungen bei Depressionen von Kindern werden durchleuchtet. Im Anschluss wird der „Überbehütende Erziehungsstil“ vorgestellt und wodurch dieser entstehen kann. Hier wird auch auf die Auswirkungen für die Entwicklung und spezifisch auf Lernerfahrungen, sowie die Entwicklung des Selbstkonzeptes und des Selbstbildes des Kindes eingegangen. Im Fazit werden die beiden Variablen auf ihren Zusammenhang geprüft und eine zusammenfassende Hypothese wird aufgezeigt. Im Abschluss findet sich ein Ausblick wieder, der die Bedeutung und Praxisrelevanz der Ergebnisse hervorhebt.

2. Depressionen in der Kindheit

2.1 Symptomatik einer Depression

Die Symptome sind vielseitig und treten in individueller Form abhängig von den Ressourcen und Erfahrungen, sowie der Persönlichkeit des Individuums auf. Die Herkunft des Wortes Depression, abgeleitet von dem lateinischen „Depressio“, was so viel wie „Senkung“ bedeutet, aber auch die französische Verwendung von „depression“ was hier „Niederdrückung“ meint (vgl. Duden, 26.03.2019, www.duden.de), gibt einen ersten Einblick in das Krankheitsbild. Unter Depression wird eine niedergedrückte, traurige, freudlose und unlustbetonte Verstimmung verstanden, die folglich zu einer „Senkung“ der Stimmungslage führt (vgl. Reicher 1998, S. 18). Dies geschieht meist als Reaktion auf Enttäuschungen und unangenehme Erfahrungen in der Entwicklung.

Klinische Merkmale einer Depression können in vier Kategorien eingeteilt werden, welche unterschiedliche Symptomatiken mit sich bringen. So wirkt sich eine Depression in der Kategorie: „ Affekt “, was „Stimmung“ meint, auch auf diese aus. Die Stimmung ist erfüllt von Trauer und Niedergedrücktsein. Depressive Kinder fühlen sich leer, sind besorgt und reizbar. Eine Depression kann auch die Kognition beeinflussen. Hier sind Symptome festzustellen wie Interessenverlust, eine mangelnde Konzentrationsfähigkeit, negative Gedanken bis hin zu Suizidgedanken (Selbstmordgedanken), eine Unentschlossenheit und auch ein Verlust an Selbstwertgefühl. Symptome wie psychomotorische Einschränkungen, also Auswirkungen auf die Bewegungskunst durch das innere Seelenleben (vgl. o.V, 26.03.2019, www.psychomotorikundspiele.de), weinen, sozialer Rückzug und Abhängigkeit, zeigen sich als Auswirkungen in der Kategorie: Verhalten. Somatisch, also körperlich, kann eine Depression bei Kindern zu Schlafstörungen, Schmerzen, Störungen des Verdauungstraktes, Appetitsverlust oder einer Steigerung des Appetits und der Müdigkeit führen (vgl. Essau 2007, S.19)

Festzuhalten ist also, dass die Betroffenen Kinder unter extremen, anhaltenden und exzessiven Einschränkungen in verschiedensten Formen leiden. Die Dauer dieser Periode ist ebenso wenig pauschal fest zu machen wie das Auftreten der Symptomatik. Dieses kann allerdings durch die folgende Klassifizierung eher eingeschätzt werden.

2.2 Klassifizierung von Depressionen

Erst in den frühen achtziger Jahren wurde damit begonnen die bestehenden Systeme zur Klassifikation von Depressionen auch bei Kindern anzuwenden, mit dem Ergebnis, dass Depressionen, wie sie bei Erwachsenen auftreten, auch ähnlich bei Kindern und Jugendlichen auftreten und nicht, wie bis dahin angenommen, ausschließlich in einer larvierten Form, der „larvierten Depression“ aufzuweisen sind (vgl. Essau 2007, S. 12). Larvierte Depressionen meinen eine depressive Episode, welche sich hinter körperlichen Beschwerden verbirgt. Hier handelt es sich folglich um kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern eher um eine Diagnose die häufig erst im Nachhinein festgestellt werden kann (vgl. Antwerpes/ Beutler, 26.03.2019).

Heutzutage ist also bekannt, dass auch Depressionen bei Kindern in folgende Klassifikationen eingeordnet werden können: Major Depression, Dysthyme Störung und Bipolare Störungen. Diese werden mit den Klassifikationssystemen ICD-10 (Internationale Klassifikation Psychischer Störungen) und DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) einkategorisiert.

Die Major Depression ist gekennzeichnet von Kernsymptomen wie dem Verlust an Interesse und Freude, sowie niedergedrückter Stimmung. Oftmals kann sich die Depression bei Kindern auch in Irritabilität (Gereiztheit) und Angst äußern. Also besteht bei der Major Depression ein Hauptsymptom in der Veränderung der Stimmung und Affektivität. Ein vermindertes Aktivitätsniveau und ein verringertes Selbstvertrauen, sowie negative Zukunftsgedanken sind an dieser Stelle inhärent. Anerkannt werden diese Symptome als „Major Depression“ wenn diese über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen auftreten und mindestens vier der folgenden Symptome gleichzeitig auftreten: reizbare Verstimmung, Verlust an Interesse und Freude (melancholische Merkmale), Gewichts- und Appetitsprobleme, Schlafstörungen, psychomotorische Unruhe (katatone Merkmale) oder Hemmung, Müdigkeit/ Energieverlust, Gefühl der Wertlosigkeit/ Schuldgefühle, Denk- und Konzentrationsstörungen und suizidale Tendenzen. Als chronisch gilt die Major Depression, wenn diese zwei Jahre andauert (vgl. Reicher 1998, S. 22f.).

Bei der dysthymen Störung handelt es sich, im Vergleich zu der Major Depression, um eine etwas weniger schwere Form der depressiven Störung, welche chronisch ist. Chronisch bedeutet hier, dass die festgestellten Symptome über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren auftreten und über die meiste Zeit des Tages gezeigt oder ausgelebt werden. Ähnliche Symptome wie bei der Major Depression können auftreten. Mindestens zwei dieser Symptome müssen gleichzeitig auftreten und diagnostiziert werden um eine dysthyme Störung bei Kindern anzuerkennen (vgl. Essau 2007, S. 23f.)

Die bipolare Störung weist eine niedrige Auftretenshäufigkeit auf, weist aber ebenfalls eine große Variabilität in der Symptompräsentation, aufgrund entwicklungsspezifischer Einflüsse, auf. Hier kommt es häufiger zu Symptomüberschneidungen, was bedeutet, dass Symptome sich mit anderen überschneiden und ggf. gleichzeitig auftreten (vgl. Reicher 1998, S. 29). Bipolare Störungen unterscheiden sich insofern von den bereits genannten Kategorien, als dass diese in einem zyklischen Wechsel von Depression (Symptomatik: Major Depression) und euphorisch- manisch- hyperaktiven Phasen auftreten. Die Symptome der „manischen Phase“, welche als solche gilt, wenn sie mindestens eine Woche andauert, sind ein gesteigertes Selbstwertgefühl und der Drang nach Kommunikation, ein vermindertes Schlafbedürfnis sowie das Verlieren in den Gedanken. Diese Kinder reagieren mit erhöhter Ablenkbarkeit und steigern die Häufigkeit ihrer zielgerichteten Aktivitäten bis hin zur (psycho-)motorischen Unruhe (vgl. Reicher 1998, S. 27).

2.3 Ursachen, sowie Risikofaktoren für die Entstehung einer Depression in der Kindheit

Aufgrund dieser Erkenntnisse ist zu klären unter welchen Bedingungen Depressionen im Kindesalter entstehen. Hierbei wird der Fokus nicht auf eine spezifische Depression gelegt um im Nachgang die Folgen der Überbehütung umfassender vergleichen zu können.

Besonders Kinder reagieren sehr feinfühlig auf ihre Umwelt und auf sich häufende Ereignisse ihrer Umgebung. Bestimmte Lebensereignisse und Belastungen in ihrem Umfeld können Reaktionen hervorrufen, welche sich unter Umständen in einer Depression manifestieren. Hier können biologische, psychologische und soziale Faktoren eine entscheidende Rolle spielen. „Vereinfacht kann man sagen, dass es innere und äußere Umstände gibt deren Vorhandensein die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten und Aufrechterhalten einer Depression erhöhen“ (Groen et al. 2012, S. 18).

Genetische Faktoren können eine mögliche Ursache bei der Entstehung von Depression im Kindesalter sein. Umweltfaktoren sind zu 50% an der Entstehung von Depressionen bei Kindern beteiligt. Widrige Lebensumstände und belastende Erfahrungen beispielsweise, treten häufig gemeinsam mit der Erkrankung an Depressionen auf. Zu den kritischen Lebensereignissen zählen solche wie der Tod eines Angehörigen oder die Scheidung und Trennung der Eltern.

Auch ein Umzug kann ebenfalls zu emotionaler Verunsicherung führen. Aber auch alltägliche Ereignisse, welche sich in dem Leben des Kindes häufen, können entscheidend sein. Hierzu zählen beispielsweise „Dauerstress“ oder Überforderung in der KiTa oder der Schule. Ebenso finanzielle Probleme oder andere familiäre Belastungen können bei der Entstehung einer Depression verstärkend wirken (vgl. Groen et al. 2012, S. 22). Weitere psychosoziale Belastungsfaktoren spiegeln sich auch in Erziehungs- und Beziehungserfahrungen wider. Zwischenmenschliche Probleme und langanhaltende Konflikte unter den näheren sozialen Bezugspersonen bewirken, dass sich das Kind sozial schlecht eingegliedert, traurig und allein fühlt. Eine geringe emotionale Unterstützung, Ablehnung und mangelnde Fürsorge, seitens dieser Bezugspersonen, bestärken die negativen Gefühle des Kindes (vgl. Fuhrmann/ v. Gontard 2015, S. 58).

Generell kann man die familiäre Interaktion, oder die Familienbeziehungen als entscheidende Variable ansehen. Studien ergeben, dass depressive Kinder häufig in einem dysfunktionalem, also in einem konflikthaftem Umfeld aufwachsen. Hier ist davon auszugehen, dass das Vorhandensein von Belastungen, wie zum Beispiel konflikthafte Beziehungen, eine ebenso wichtige Rolle für die Entstehung und den Verlauf von depressiven Störungen spielt, wie das Fernbleiben von günstigen Bedingungen in der Erziehung (vgl. Reicher 1998, S. 108). Die Mutter- Kind- Beziehung zeichnet sich bei den Betroffenen durch eine geringe Kommunikation, wenig Wärme und vermehrter Feindseligkeit aus. Jugendliche, die bereits im Kindesalter erkrankt sind, berichten von einer Entfremdung von den Eltern und starken Selbstzweifeln. Sie haben kein positives und effektives Bild der eigenen Person entwickelt. Einige beschreiben sich als abhängig und weisen Ängste im zwischenmenschlichen Bereich auf. Hier gemeint als Ängste des Verlassenwerdens oder der Angst vor dem Verlust von bisher befriedigenden Beziehungen. Diese Personen kamen aus einem kritischen, kontrollierenden und strengen Elternhaus mit hohen Anforderungen (vgl. Essau 2007, S. 133).

Auf belastende Lebensereignisse ergibt sich häufig die Ausschüttung des Stresshormons Kortisol, was dazu führen könnte, dass Stoffwechselveränderungen und somit auch Funktionsveränderungen im Gehirn stattfinden. Auch diese können Ursache der Entstehung einer Depression sein, treten häufig aber auch als Begleiterscheinung oder Folge dieser auf. Eine Stoffwechselveränderung im Sinne einer Depression führt meist dazu, dass Neurotransmitter, also chemische Botenstoffe wie Serotonin und Noradrenalin in einem Ungleichgewicht stehen oder seltener ausgeschüttet werden. Diese beiden Botenstoffe wirken sich bei Ausschüttung positiv auf die Stimmung des Menschen aus. Depressive Kinder weisen dieses, aber auch ein anderes Phänomen regelmäßig auf. Eine Veränderung der Aktivität des limbischen Systems, welches auch als stressregulierendes System verstanden werden kann und für das Empfinden und Verarbeiten von Emotionen verantwortlich ist, ist festzustellen. Diese Veränderung kann die emotionale Unsicherheit und psychische Verletzlichkeit von den Betroffenen begründen (vgl. Groen et al. 2012, S. 20f.)

Auch Entwicklungsstörungen, wie die der motorischen Art oder Barrieren der Sprache, bilden durch ihre Einschränkung für das Kind, in der sozialen Interaktion, ein Risiko für die Entstehung von depressiven Störungen. In der Studie nach Furmann et al. 2014 wurde klar, dass das Risiko für eine Depression bei diesen Entwicklungsbarrieren um ein dreifaches erhöht war (vgl. Fuhrmann/ v. Gontard 2015, S. 57). Weitere Risikofaktoren können körperliche Erkrankungen, die Einnahme oder das Absetzen von Medikamenten, ein unregelmäßiger Schlaf, eine unausgewogene Ernährung oder ein hoher Medienkonsum sein (vgl. Groen et al. 2012, S. 24f.).

„Bei der Entstehung von Depressionen spielen also verschiedenste Einflussfaktoren auf biologischer und vor allem psychologischer und sozialer Ebene eine Rolle. Die Kenntnis der ursächlichen, auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen der Depression hilft dabei, die richtige Hilfe und Behandlungsmethode zu finden.“ (Groen et al. 2012, S.25) Auf diese Hilfen und Formen besonders der elterlichen Unterstützung wird nach der Vorstellung der kognitiv- psychologischen Modelle in 2.5 eingegangen.

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Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Depressionen in der Kindheit. Einfluss des überbehütenden Erziehungsstils auf die Entstehung von Depressionen im Kindesalter
Untertitel
Eine Zusammenhangsanalyse
Hochschule
Fachhochschule Koblenz - Standort RheinAhrCampus Remagen
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
30
Katalognummer
V1000683
ISBN (eBook)
9783346373885
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Depressionen im Kindesalter, Helikopter-Eltern, Überbehütung, Selbstkonzept, Frühpädagogik
Arbeit zitieren
Maxine Wolff (Autor), 2019, Depressionen in der Kindheit. Einfluss des überbehütenden Erziehungsstils auf die Entstehung von Depressionen im Kindesalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1000683

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