Der Tod Jesu als Gottes Bestimmung. Stirbt Jesus in Menschen- und Gottesverlassenheit?


Ausarbeitung, 2020

9 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jesu Tod als Gottes Bestimmung

3. Stirbt Jesus in Menschen- und Gottesverlassenheit?

4. Tod Jesu – Scheitern seiner Botschaft?

5. Die Heilsbedeutung des Todes Jesu

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Wenn wir von den der Auferstehung Jesu sprechen, ist es zunächst schwierig nachzuvollziehen, wie die Hinrichtung als ein von Gott bestimmtes Ereignis betitelt werden kann. In der Bibel wird stets darauf hingewiesen, dass Jesus für die Sünden der Menschen sterben musste und trotzdem wird Golgatha als Heilshandeln Gottes bezeichnet. In der vorliegenden Ausarbeitung folgt eine Auseinandersetzung mit dem Tod Jesu als stellvertretenden Sühnetod. Zunächst wird untersucht, ob der Tod Jesu geplant war. Im Anschluss wird näher auf den Tod eingegangen und hinterfragt, ob Jesus in Menschen und Gottesverlassenheit stirbt. Nachfolgend wird geprüft, ob Jesu Handeln gleichzeitig ein Scheitern seiner Botschaft darstellt und anschließend wird auf die Heilsbedeutung den Todes Jesu eingegangen.

2. Jesu Tod als Gottes Bestimmung

Der Tod Jesu wird mit verschiedenen Interpretationen begleitet. Eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob Jesus sterben musste, gibt es nicht, allerdings werden viele Interpretationen mit der Aussage begleitet, dass der Tod geplant war. Einige starke biblische Aussagen sind bei Paulus erkennbar:

„Er [Gott], der seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“ (Röm 8,32).

„Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus, der sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat, damit er uns herausreiße aus der gegenwärtigen bösen Welt nach dem Willen unseres Gottes und Vaters, dem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Gal 1,3).

Auch Petrus spricht davon, dass Jesus „durch Gottes Ratschluss und Vorsehung“ getötet wird (Vgl. Abg 2,23). Markus unterstreicht nochmals die Notwendigkeit des Todes, indem er schreibt, dass Jesus leiden „musste“:

„Und er begann sie zu lehren: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten und den Hohen Priestern und den Schriftgelehrten verworfen und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen“ (Mk 8, 31).

Johannes spricht ähnlich wie Markus auch von einem „muss“, allerdings schließt er seine Formulierung an die alttestamentliche Prophzeiung des leidenden Messias an.

„Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat.“ (Joh 3, 14)

Während bei Johannes von einem planvollen Tod gesprochen wird, der nicht einfach so passiert, sondern auf dem zielstrebig hinarbeitet wird, wird das Sterben Jesu bei Markus nicht in seiner Drastik dargestellt. Außerdem verdeutlicht die Bibelpassage von Johannes nochmals, dass der Tod kein Zufall, sondern eine angekündigte Tat in der Heiligen Schrift ist. Bei dem Wort „müssen“ handelt es sich nicht um eine Notwendigkeit, sondern vielmehr auf den Willen Gottes. Das ganze Evangelium bei Johannes durchzieht den Hinweis, dass Jesus sich als „der Gesandte“ vom Vater zu bekennen weiß und Gottes Wille erfüllen wird. Dies wird auch beim letzten Abendmahl mit Jesus und seinen Jüngern deutlich, bei dem Johannes die Passion bereits ankündigt:

„Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren liebte, erwies er ihnen diese Liebe bis zur Vollendung.“ (Joh 13, 1)

Diese vorgegebene Bestimmung des Todes als Zeichen der Liebe Gottes liefert einen Ausgangspunkt zur Deutung des Todes als „Vollendung dieser Sendung“ (Oberlinner, 1990, S.80), die mit den Worten „Es ist vollbracht“ (Joh 19, 30) übergehen. Auch Lukas beschreibt: „der Menschensohn muss in die Hände von sündigen Menschen ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen“ (Lk 24,7).

Die Bibelstellen betonen allesamt die Vorstellung des leidenden Gottesknechts, mit denen zwei Bewegungen (Moves) herangezogen werden können:

1) Jesus ist das Opfer, welches die Schuld auf sich nimmt. (1. Move)
2) Jesus nimmt die Schuld derer an, die für den Tod verantwortlich sind (2. Move)

Man könnte damit anmerken, dass Jesus zu Unrecht in den Tod gegangen ist und die Sünden der Menschen auf sich nimmt. Allerdings schreibt Johannes, dass Gott seinen Sohn nicht in die Welt gesandt hat, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird (Joh 3, 16f). Man kann daher davon ausgehen, dass Jesu Weg bereits von Anfang an vorbestimmt war und es somit auch Gottes Wille war seinen eigenen Sohn in den Tod zu schicken, weil die Menschen selbst nicht in der Lage waren, die Schuld auf sich zu nehmen.

3. Stirbt Jesus in Menschen- und Gottesverlassenheit?

Die Menschenverlassenheit in der Todesnacht wird deutlich, als die Jünger alle fort sind und sich in der Regression zurückgezogen haben. Petrus fand nicht den Mut, zu ihm zu stehen. Johannes, Maria und Maria Magdalena sind dabei die Einzigen, die unter dem Kreuz stehen. Es lässt sich festhalten, dass Johannes in der Bibel immer besonderen Situationen zugeteilt wurden. So wird er auch beim Abendmahl in der Bibel als „Lieblingsjünger“ betitelt. Aber was ist genau mit Gottesverlassenheit gemeint?

Jesus bekennt sich im Tiefpunkt des Sterbens zu seinem Vater, zugleich Fürsorger und Urheber mit den Worten: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,34). In diesem Augenblick des Sterbens verspürt Jesus einen Moment der absoluten Gottverlassenheit, welches durch die die vorherige Auspeitschung und Rausführung zum Berg nochmals unterstrichen wurde, da hierbei kein göttliches Eingreifen erkennbar ist. Aber selbst in der Gottverlassenheit und in der Todesnot hält Jesus an Gott fest und richtet sich mit den Worten „ Mein Gott“ an seinen Vater. Obwohl Gott in dieser Situation nicht da ist, wird er in dem Modus präsent. Damit ist der Moment der Gottverlassenheit gleichzeitig der absolute Moment des Gottesvertrauen. Lorenz Oberlinner schreibt, dass sich Jesus gerade in dieser Gottverlassenheit als „Sohn“ Gottes offenbart und dieses Bekenntnis nur dann zu Recht ausgesprochen ist, wenn die Niedrigkeit und die Not des Kreuzes mitgedacht wird (Vgl. Oberlinner, 1990, S. 80). Oberlinner fügt hinzu, dass das Kreuz bei Johannes nicht den Charakter eines Zeichens der äußeren Verlassenheit ist, sondern vielmehr ein Zeichen der Verherrlichung des Vaters und des Sohnes (vgl. Oberlinner, 1990, S.80).

Zudem lässt sich anmerken, dass Jesus den Tod selbst nie gewollt hat, da er Gott ausdrücklich fragt, warum er ihn in seiner äußersten Not verlassen hat. Dennoch nimmt er den Tod an und vertraut auf Gott. Die Bibelstelle zeigt, dass eine Beziehung zu Gott mit Vertrauen entscheidend ist. Denn durch eine Beziehung zu Gott und das Vertrauen auf Gott ist Gott da, denn Gott umfängt auch die Gottesverlassenheit. So schreibt Matthias Haudel, dass Jesus seinen Lebensweg im Vertrauen auf die Liebe Gottes gelebt hat und dieses Vertrauen so groß ist, dass es auch im Tode Bestand ist (Vgl. Haudel, 2012).

4. Tod Jesu - Scheitern seiner Botschaft?

Obwohl Jesus stets Gott vertraut hat, stirbt er letztendlich. Der Tod Jesu und die Auferstehung stehen dabei im Kontrast zueinander, aber sie können auch in einer Beziehung zueinanderstehen, denn Gottes Macht und das Aufnehmen der Sünden der Menschen konnte sich nur durch die Auferweckung am Gekreuzigten offenbaren. Mit dem Tod Jesu stellt sich zugleich aber auch die Frage, ob der Tod für das Scheitern seiner Botschaft steht. Im Kontext des Anspruchs Jesu und der von seiner Reich Gottes Botschaft geweckten Hoffnungen (vgl. Oberlinner, 1990, S. 83) kann die Interpretation zunächst bejaht werden, denn zu töten bedeutet in erster Linie die Botschaft zu delegitimieren. Allerdings muss vielmehr die Fragestellung untersucht werden, ob Jesus selbst seine Botschaft als gescheitert ansieht.

Jesu Botschaft hatte unmittelbar politische Auswirkungen, da durch ihn das Ideal der Gesellschaft vorgestellt wurde. Durch diese Aufführung brachte Jesus Unruhe in die Gesellschaft hinein und brachte sich zunehmend einer Situation der Konfrontation. Die Politiker widersprachen seiner Botschaft, sodass sich die Konfrontation zu einer Verfolgungssituation zuspitzt. Bei diesem Weg des öffentlichen Auftretens, bei dem Jesus Rechenschaft ablegen muss, wäre die einzige Möglichkeit noch am Leben zu bleiben, den Predigen einem Ende zu setzen. Mit dieser Entscheidung hätte Jesus zwar überlebt, aber dennoch wäre er damit gescheitert, da er die Botschaft Gottes nicht mehr austragen würde. Jesus ist seiner Botschaft von Anfang bis Ende hin treu geblieben. Damit ist der nicht nur seinem Vater gegenüber treu geblieben, sondern auch den Menschen, die auf ihm vertrauten. In dem Moment, als er den Tod angenommen hat, hat er die Botschaft Gottes verstanden. In anderen Worten kann gesagt werden: Jesus war die Konsequenz der Botschaft.

Das Christentum gründet nicht auf den Tod Jesu, sondern in der Erfahrung und Glaubenstatsache, dass „die Sache Jesu“ mit seinem Tod nicht gescheitert ist, sondern weitergeht. Das Christentum basiert auf etwas, was es für eine Tatsache hält. Wenn wir es aus der Perspektive der Theologie sehen, müssen wir daran festhalten, dass alles einen Tatsachenkern hat, selbst wenn der Kern im Modus des Identifizierens nicht mit zugänglich ist.

5. Die Heilsbedeutung des Todes Jesu

Das Leiden, welches Jesus stellvertretend für die Menschen aufgenommen hat, hat für die Menschen eine sühnende Bedeutung (vgl. Oberlinner, 1990, S. 86). Die Grundlage für die Versöhnung ist Gottes Handeln und daher ist auch Gott derjenige, der Sühne durch Jesus schafft. Der Grundgedanke bei dem dem Tod Jesu ist dabei, dass das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen, welches durch das Fehlverhalten der Menschen geschwächt ist, wieder in einer Tat der Liebe zu bereinigt werden muss, um die Beziehung in gottgewollter Ordnung wiederherzustellen (vgl. Oberlinner, 1990, S.86). Gott handelt hierbei für die Menschen, indem er seinen einzigen Sohn zur Hilfe schickt, der wiederum die Schuld der Menschen auf sich nimmt. So formuliert Friedrich, dass der Tod Jesu „ein Sterben uns zugute, zu unserem Heil, zu unsere Erlösung“ war (vgl. Friedrich, 1983, S. 74). Nach Kant ist eine Stellvertretung von Sündenschuld nicht geläufig, wobei Schuld nicht auf einen anderen Menschen übertragen werden kann (vgl. Kant, 2017). Umgekehrt ist auch eine Zuschreibung einer fremden Gerechtigkeit für ihn unerlässlich. So schreibt er:

„Es ist gar nicht einzusehen, wie ein vernünftiger Mensch, der sich strafschuldig weiß, im Ernst glauben könne, er habe nur nötig, die Botschaft von einer für ihn geleisteten Genugtuung zu glauben, und sie (wie die Juristen sagen) utilitär anzunehmen, um seine Schuld als getilgt anzusehen, und zwar dermaßen (mit der Wurzel sogar), dass auch fürs künftige ein guter Lebenswandel, um den er sich bisher nicht die mindeste Mühe gegeben hat, von diesem Glauben und der Akzeptation der angebotenen Wohltat, die unausbleibliche Folge sein werde.“ (Kant, 2017)

Bei der Aussage Kants lässt sich jedoch anmerken, dass zwischen Schuld und Sünde unterschieden werden muss. Während Schuld nur säkular gedacht werden kann, wird Sünde nur in Bezug auf Gott gedacht. Sünde bezeichnet eine Dimension, in der wir schuldig vor Gott werden, wenn wir im Alltag Gott den Rücken zukehren. In diesem Zusammenhang kann expliziter formuliert werden, dass eine Stellvertretung von Schuld nicht im Zusammenhang mit Gott denkbar ist, aber eine Stellvertretung von Sünde, wie Gott in diesem Fall die Sünden der Menschen aufgenommen hat durchaus gerechtfertigt ist.

Der Begriff des Sühneopfers wird in der Theologie stark diskutiert und hinterfragt, worin die sühnende Wirkung des Todes Jesu besteht. Kritiker hinterfragen, ob es notwendig gewesen sei, seinen Sohn für die Menschen zu opfern, oder ob es auch andere Möglichkeiten gab. Es lässt sich jedoch einwenden, dass Sünde so übermächtig ist, dass der sich der Mensch nicht allein daraus entziehen kann und er somit auf einen göttlichen Eingriff angewiesen ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Der Tod Jesu als Gottes Bestimmung. Stirbt Jesus in Menschen- und Gottesverlassenheit?
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
9
Katalognummer
V1000729
ISBN (eBook)
9783346373878
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jesu, gottes, bestimmung, stirbt, jesus, menschen-, gottesverlassenheit
Arbeit zitieren
Jessica Jonisek (Autor), 2020, Der Tod Jesu als Gottes Bestimmung. Stirbt Jesus in Menschen- und Gottesverlassenheit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1000729

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