In dieser Hausarbeit soll versucht werden, Argumente zu finden, die Sokrates These, dass niemand den Tod kenne, zu untermauern. Um die Hausarbeit nicht ausufern zu lassen, beschränkt sich der Autor auf Platons Werke "Gorgias", "Apologie des Sokrates", und "Phaidon". Diese drei Schriften Platons scheinen aus philosophischer Sicht genügend Antworten auf die Themenfrage zu geben.
Das Thema des Sterbens beziehungsweise des Todes hat die Menschheit zu allen Zeiten beschäftigt. In sehr vielen wissenschaftlichen Abhandlungen wird sich dieses Themas angenommen. Ein meiner Meinung nach sehr aufschlussreiches Beispiel liefert die Untersuchung von Todesbildern als Gegenstand eines DFG-Forschungsprojektes unter der Leitung von Armin Nassehi und Georg Weber, die 150 Interviews, teils mit Experten, teils mit betroffenen Menschen geführt haben. Irmhild Saake thematisiert die Ergebnisse dieser Interviews in ihrem Essay "Gegenwarten des Todes im 21. Jahrhundert".
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.0 Argumente im Gorgias
2.1 Gespräch mit Polos
2.2 Gespräch mit Kallikles
2.3 Mythos
3.0 Argumente in der Apologie
3.1 Weisheit bei Sokrates
3.2 Stellung des Themenzitats in der Apologie
3.3 Vorstellungen vom Tod bei Sokrates
4.0 Argumente im Phaidon
4.1 Einleitung des Hauptgespräches
4.2 Beweise für die Unsterblichkeit der Seele
4.3 Ideenlehre
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die philosophischen Argumente in Platons Werken „Gorgias“, „Apologie des Sokrates“ und „Phaidon“, um die sokratische These zu untermauern, dass der Tod nicht notwendigerweise das größte Übel darstellt, sondern möglicherweise sogar ein Geschenk sein kann.
- Analyse der sokratischen Lebensführung und Tugendethik.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Seelenheil und dem Umgang mit dem Tod.
- Erörterung der Bedeutung von Jenseitsvorstellungen und Mythen bei Platon.
- Diskussion der Unsterblichkeit der Seele und der platonischen Ideenlehre.
- Vergleich sokratischer Ethik mit modernen utilitaristischen Prinzipien.
Auszug aus dem Buch
4.2 Beweise für die Unsterblichkeit der Seele
Diesen Abschnitt würde ich als Kernstück des Phaidon bezeichnen. Hier versucht Sokrates argumentativ die Unsterblichkeit der Seele zu beweisen. Ausgangspunkt sind die Gegensätze: „Dies also, sprach er, haben wir sicher genug, dass alle Dinge so entstehen, das Entgegengesetzte aus dem Entgegengesetzten.“ (Platon. Phaidon. 71a). Die Frage nach dem Entgegengesetztem des Lebens lässt sich mit dem Begriff des Todes beantworten. Somit muss nach Sokrates aus dem Tod das Leben entstehen. Sokrates bringt es so auf den Punkt : „Es ist auch, o Kebes , sagte er, wie mich dünkt, auf alle Weise so, und nicht etwa überlistet gestehen wir dieses ein, sondern es gibt in der Tat ein Wiederaufleben und ein Werden der Lebenden aus den Toten und ein Sein der Seelen der Gestorbenen (Platon, Phaidon, 72d). An dieser Stelle wird den menschlichen Seelen klar und deutlich eine eigene Existenz unabhängig vom Leben zugeordnet. Auch ihre Unsterblichkeit ist bewiesen, denn aus Tod wird Leben, aus Leben Tod, usw.
Da es sich bei der Unsterblichkeit der Seele um eine zentrale Aussage handelt, folgt in guter mathematischer Tradition – mathematische Kenntnisse waren für Platon eine unabdingbare Voraussetzung für den Besuch seiner Akademie – ein weiterer Beweis. „Und nicht wahr, dem, was man zusammengesetzt hat und was seiner Natur nach zusammengesetzt ist, kommt wohl zu, auf dieselbe Weise aufgelöst zu werden, wie es zusammengesetzt worden ist; wenn es aber etwas Unzusammengesetztes gibt, diesem , wenn sonst irgend einem ,kommt wohl zu, dass ihm dieses nicht begegne?“ (Platon, Phaidon, 78c). Zu diesem Unzusammengesetzten werden die unsichtbaren Dinge, damit auch die rein geistigen Dinge und damit auch die Seele gezählt. Sokrates bestätigt diese Zusammenhänge deutlich: „Sieh nun, sprach er, o Kebes, ob aus allem Gesagten uns dieses hervorgeht, dass dem Göttlichen, Unsterblichen, Vernünftigen, Eingestaltigen, Unauflöslichen und immer einerlei und sich selbst gleich sich Verhaltenden am ähnlichsten ist die Seele…“ (Platon, Phaidon, 80a,b).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das universelle Thema des Todes und führt das zentrale Zitat des Sokrates ein, welches das Leitmotiv der Untersuchung bildet.
2.0 Argumente im Gorgias: Dieses Kapitel analysiert die sokratische Auffassung, dass Gerechtigkeit und Seelenheil wichtiger sind als die Angst vor dem Sterben.
3.0 Argumente in der Apologie: Hier wird untersucht, wie Sokrates seine Überzeugung angesichts des Todesurteils beibehält und den Tod als mögliche Erlösung oder Reise interpretiert.
4.0 Argumente im Phaidon: Dieser Abschnitt konzentriert sich auf die metaphysische Begründung der Unsterblichkeit der Seele durch die Ideenlehre und die Vorstellung des Philosophen als jemand, der das Sterben lernt.
5. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Anwendbarkeit der antiken Thesen in der modernen, utilitaristisch geprägten Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Platon, Sokrates, Gorgias, Apologie, Phaidon, Tod, Unsterblichkeit, Seele, Ideenlehre, Gerechtigkeit, Jenseits, Tugend, Utilitarismus, Lebensführung, Philosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert philosophische Argumente Platons in drei zentralen Werken, um die Behauptung zu prüfen, dass der Tod nicht als das größte Übel für den Menschen angesehen werden sollte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die platonische Seelenlehre, das Konzept der Gerechtigkeit, die philosophische Lebensweise und die Hinterfragung des Todes als Schreckensszenario.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Argumente in den Werken „Gorgias“, „Apologie des Sokrates“ und „Phaidon“ zu finden, die die These untermauern, dass der Tod für einen tugendhaften Menschen ein „Geschenk“ sein kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse der genannten Platon-Schriften mit einem Fokus auf die Rekonstruktion und kritische Würdigung der dort dargelegten Todeskonzepte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Rechts- und Jenseitsvorstellungen im Gorgias, die Haltung des Sokrates vor Gericht in der Apologie sowie die theoretischen Beweise für die Unsterblichkeit der Seele im Phaidon.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Unsterblichkeit der Seele, Gerechtigkeit, platonische Ideenlehre, sokratische Ironie sowie das Spannungsfeld zwischen irdischem und jenseitigem Leben.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Sokrates von der seines Gesprächspartners Kallikles im „Gorgias“?
Während Kallikles ein hedonistisches Leben und das Recht des Stärkeren vertritt, plädiert Sokrates für eine an Tugend und Gerechtigkeit orientierte Lebensweise, die auch über den Tod hinaus Bestand hat.
Inwiefern spielt das „Fassgleichnis“ eine Rolle für das Verständnis des Todes bei Platon?
Das Fassgleichnis dient Sokrates dazu, zwischen Menschen mit einer ungeordneten, durch Begierden getriebenen Seele und solchen mit einer geordneten Seele zu unterscheiden, wobei nur Letztere eine jenseitige Zufriedenheit erreichen können.
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- Michael Ledwig (Author), 2018, Niemand kennt den Tod. Kritische Betrachtung der These in Sokrates Werken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1000916