Der Einsatz des audiovisuellen Mediums Film im Spanisch- und Französischunterricht

Interkulturelles Lernen mit Filmen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2020

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Das audiovisuelle Medium Film im Fremdsprachenunterricht
2.1 Vorstellung des audiovisuellen Mediums Film
2.2 Gründe und Ziele für den Einsatz von Filmen im Fremdsprachenunterricht

3 Interkulturelles Lernen im Fremdsprachenunterricht
3.1 Der Kulturbegriff
3.2 Entstehen von interkulturellen Lernsituationen durch Filme
3.3 Erarbeitungsmethoden für den Einsatz von Filmen zur Förderung der interkulturellen Kompetenz

4 Der Film Las mujeres de verdad tienen curvas
4.1 Die Handlung des Films
4.2 Das didaktische Potenzial des Films
4.3 Das didaktische Potenzial des Films zur Förderung der interkulturellen Kompetenz

5 Der Film Au revoir, les enfants
5.1 Die Handlung des Films
5.2 Das didaktische Potenzial des Films
5.3 Das didaktische Potenzial des Films zur Förderung der interkulturellen Kompetenz

6 Fazit und Gegenüberstellung der analysierten Filme

7 Literaturverzeichnis
7.1 Sekundärliteratur

1 Einleitung

Filme bieten ein großes Potenzial für den Fremdsprachenunterricht. Sie wirken motivierend auf Lernende, geben einen Einblick in eine andere Kultur und schaffen eine Vielzahl an authentischen Rede- und Schreibanlässen (Reissenberger 2019).

Heutzutage wird dem Medium Film eine immer größer werdende Rolle zugesprochen. Aus dem Alltag sind sie kaum noch wegzudenken, was dazu führt, dass die Menschen sich von kaum einem anderen Medium so beeinflussen lassen wie durch Filme. Somit liegt es nahe, dass Filme auch im Fremdsprachenunterricht zunehmend zum Einsatz kommen. Hierbei handelt es sich sowohl um Spielfilme als auch um Literaturverfilmungen. Nieweler (2017, S. 4) beschreibt das Medium Film als „bewegte Bilder, die mehrkanalig Geschichten aus verschiedenen Blickwinkeln, mit Ton und Musik präsentieren […]“. Der Großteil der Filme, die im Unterricht zum Einsatz kommen, ist so realitätsnah, dass die Schülerinnen und Schüler1 sich mit den Figuren identifizieren können und zum Nachdenken angeregt werden. Darüber hinaus bieten Filme eine optimale Grundlage für Diskussionen im Unterricht (vgl. Nieweler 2017, S. 4).

Der Einsatz von Filmen bietet der Lehrkraft insbesondere in Bezug auf die Fremdsprachendidaktik eine Vielzahl von neuen Möglichkeiten. Die für viele SuS sonst so weit entfernten kulturellen Unterschiede können mithilfe der audiovisuellen Medien im Unterricht verständlich präsentiert und aufgearbeitet werden. Dieses Kennenlernen neuer Kulturen und das Hören der zu lernenden Zielsprache wirkt sich positiv auf die Motivation der SuS und somit auch auf den Fremdsprachenerwerb aus. Durch den Einsatz von Filmen wird der Fremdsprachenunterricht für die jugendlichen Lernenden abwechslungsreicher und ansprechender gestaltet. Dies ist wiederum für die Lehrkräfte von Vorteil, da das Medium Film im Hinblick auf die Informationsvermittlung sehr anschaulich ist und so komplexe Lerninhalte einfacher vermittelt werden können.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, den Einsatz von Filmen im Fremdsprachenunterricht in Bezug auf die Möglichkeiten der Förderung des interkulturellen Lernens darzustellen. Dabei werden Methoden vorgestellt, die die Verknüpfung von Film und Kultur unterstützen und umsetzen.

Den ersten Teil der Arbeit stellt der Theorieteil dar, in welchem zunächst das audio-visuelle Medium Film im allgemeinen Fremdsprachenunterricht vorgestellt wird. Dabei werden sowohl die Besonderheiten des Mediums als auch die Gründe und Ziele für den Einsatz aufgezeigt. Anschließend wird das interkulturelle Lernen zugänglich gemacht.

Im Analyseteil der Arbeit werden die theoretischen Grundlagen anhand zweier exemplarischer Filme analysiert. Für den spanischsprachigen Fremdsprachenunterricht wurde der Film Las mujeres de verdad tienen curvas von Patricia Cardoso ausgewählt und für den französischen Fremdsprachenunterricht Au revoir, les enfants von Louis Malle. Mithilfe der beiden Filme wird nach der Vorstellung der Handlungen das didaktische Potenzial ermittelt und welche Rolle die Filme in Bezug auf die Förderung der interkulturellen Kompetenzen spielen.

Daraufhin wird eine Gegenüberstellung der beiden analysierten Filme im Hinblick auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet.

2 Das audiovisuelle Medium Film im Fremdsprachenunterricht

Wie bereits in der Einleitung kurz angedeutet wurde, ist der Einsatz von Filmen im Unterricht in Zeiten der Digitalisierung nicht mehr wegzudenken. Die Schülerinnen und Schüler sind sehr vertraut mit diesem Medium und können sich daher gut damit identifizieren. Daher ist es naheliegend, dass sie dem Medium Film mehr Interesse entgegenbringen als es bei literarischen Texten der Fall ist. Doch hinter dem Medium Film steckt auch ein großes didaktisches Potenzial für den Unterricht und insbesondere für den Fremdsprachenunterricht, was im weiteren Verlauf der Arbeit näher beleuchtet werden soll.

2.1 Vorstellung des audiovisuellen Mediums Film

„Filme sind nicht Wirklichkeit, sondern sie interpretieren Wirklichkeit […]“ (Schwerdtfeger 1993, S. 16). Diese Wirklichkeit wird erzeugt durch das Zusammenspiel von verschiedenen Zeichen, die nachfolgend beschrieben werden.

Bei der Gegenüberstellung von Lehrbüchern und Filmen fallen schnell die Unterschiede auf. Während ein Lehrbuch aus geschriebenen Texten besteht, die zunächst nur einen Sinn ansprechen (Sehen), handelt es sich bei Filmen um gesprochene Sprache. Diese ermöglicht es, mehrere Sinne gleichzeitig anzusprechen. Sowohl in Filmen als auch in der Erzählliteratur wird erzählt, jedoch wird in der Literatur sprachbasiert erzählt und im Film mithilfe von visuellen und sprachlichen Zeichen (vgl. Ehlers 2016, S. 147). Diese Besonderheit wird als außersprachlich-akustischer und optischer Code bezeichnet und wird unter dem Begriff plurimediale Darstellungsform zusammengefasst. Bei den optischen Codes handelt es sich zum einen um Bildinhalte wie Figuren, Requisiten, Bewegung, Kostüme, Architektur und Schauplätze, und zum anderen um die Farbgestaltung, die Beleuchtung und die Kameraeinstellungen. Bei den akustischen Codes handelt es sich um die Sprache der Figuren, Hintergrundgeräusche und Musik. Im Vergleich zur Erzählliteratur wird beim Film durch die visuelle Darstellung die Welt mit Bildern gezeigt, ohne nur Abbildung der Wirklichkeit zu sein. Die sprachlichen Zeichen unterscheiden sich in on-screen und off-screen, was zum Ausdruck bringt, ob die Quelle des akustischen Signals im Bild zu sehen ist oder nicht (vgl. Surkamp 2004, S. 4). Diese optischen und akustischen Codes erzeugen gemeinsam ein spezifisches Funktions- und Wirkungspotenzial, welches beim audiovisuellen Lehren und Lernen einer Fremdsprache von Bedeutung ist. Daher ist es wichtig, dass die SuS sich mit den unterschiedlichen Bild-Ton-Relationen auseinandersetzen (vgl. Raabe 2003, S. 425). Um den Lernerinnen und Lernern einen selbstständigen Umgang mit audiovisuellen Medien zu ermöglichen, müssen sie zunächst mit filmanalytischen Kompetenzen vertraut gemacht werden (vgl. Surkamp 2004, S. 4). „Eine umfassende Vermittlung filmtechnischer Begriffe sowie eine detaillierte Film-Feinanalyse ist […] -vor allem im Grundkursbereich- nicht einlösbar“ (Einfach Französisch 2011, S. 14). Stattdessen sollen die Schülerinnen und Schüler die grundsätzlichen filmtechnischen Begriffe kennenlernen wie beispielsweise jene zum Thema Kameraeinstellung.

2.2 Gründe und Ziele für den Einsatz von Filmen im Fremdsprachenunterricht

Die Aneignung kinematographischer und filmnarrativer Kategorien soll Schülern einen Einblick in audiovisuelles Erzählen, die Konstruktion diegetischer Welten, die Ästhetik des bewegten Bildes und die Perspektivierung des Betrachters ermöglichen (Ehlers 2016, S. 156).

Bei dem Einsatz von Filmen im Unterricht beschreibt Ehlers (2016, S. 156) die folgenden Bildungsziele: Die ästhetischen Aspekte, die die SuS beim Lernen des Aufbaus und der Machart des Films kennenlernen, die kognitiven Aspekte, beim Erwerb der filmanalytischen Begriffe sowie die narrativen Aspekte, die beim Erfassen der filmspezifischen narrativen Darstellungsform erlernt werden. Zudem werden die Kompetenzen zur Wahrnehmung und Beschreibung der Ästhetik des bewegten Bildes erworben. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das intuitive Verstehen, wodurch die sinnlich-emotionalen Aspekte gefördert werden können. Des Weiteren ermöglicht die Arbeit mit dem Medium Film das Ziel der Erweiterung des Wortschatzes. Zum einen werden die filmspezifischen Worte erlernt, die notwendig sind, um einen Film zu analysieren, und zum anderen wird der allgemeine Wortschatz enorm erweitert durch das Vokabular, welches im Film verwendet wird. Durch die Unterstützung mit Vokabellisten, die zum Film gereicht werden können, kann das Erkennen und Erlernen des neuen Wortschatzes erleichtert werden.

Ein weiteres Ziel ist die Schulung des Hör-Sehverstehens. Anders als beim Abspielen von Hörverstehen-Übungen, ermöglicht das Schauen, dass nicht jedes Wort verstanden werden muss, da aufgrund der Beobachtungen der Handlungen, der Gestik und der Mimik der Figuren viele Begriffe erschlossen werden können. Somit begünstigt das erlangte Sehverstehen auch das Hörverstehen. Das Sprachverstehen, das von der visuellen Wahrnehmung des Betrachters abhängt, schult die individuelle Sprechfähigkeit und die Sprechlust (vgl. Schwerdtfeger 1993, S. 24). Daraus resultiert auch die Möglichkeit der Verbesserung der mündlichen Kommunikationsfähigkeit. Durch das Hören und Sehen erlangen die Schülerinnen und Schüler häufig auch das Bedürfnis sich selbst in der Fremdsprache äußern zu wollen, was gleichzeitig das Sprechen und Schreiben fördert.

Das Potenzial von Filmen als Auslöser für Sprachhandlungen ist immer wieder hervorgehoben worden. Lerner werden häufig stärker als bei schriftsprachlichen Texten zu emotionalen Reaktionen und persönlichen Stellungnahmen herausgefordert (Surkamp 2010, S. 61).

In Bezug auf die Gründe für den Einsatz von Filmen im Fremdsprachenunterricht lässt sich zunächst festhalten, dass das Medium Film für die SuS der heutigen Generation stark motivationsfördernd ist, da es einen festen Bestandteil im Alltag der Jugendlichen einnimmt. Daher ist es besonders förderlich solche Vorteile bei der Begegnung mit der Fremdsprache zu nutzen.

Der Einsatz authentischer Materialien war schon immer eine Forderung des modernen Fremdsprachenunterrichts. Der Film ist ein ideales Mittel dazu, das allein schon vom Medium her gesehen es nicht ermöglicht, mehr oder minder starke Adaptierungen vorzunehmen, wie dies bei literarischen Texten aus Gründen einer didaktisierten Vereinfachung mitunter geschieht (Nieweler 2017, S. 5).

Des Weiteren wurden Filme bislang nicht so häufig im Unterricht eingesetzt wie beispielsweise literarische Texte, was ebenfalls eine willkommene Abwechslung für die SuS darstellt. Surkamp (2004, S.3) beschreibt fremdsprachliche Filme als authentische Kulturprodukte, die aufgrund von Kontextualisierung von Situationen, Bildern, und menschlichen Begegnungen den Zugang zur Zielsprache erleichtern. Zudem seien Filme durch das Zusammenwirken von Sprache, Ton und Bild einfacher zu verstehen als die Erzählliteratur. Dies steht im Zusammenhang mit der gleichzeitigen Förderung unterschiedlicher Sinne und kognitiver Fähigkeiten (vgl. Surkamp 2004, S.3). Beim Schauen eines Films wird das Hör-Sehverstehen gefördert, was sich positiv auf das Erlernen einer Fremdsprache auswirkt. Zudem wird durch die Visualisierung der Handlung das emotionale Verständnis erleichtert und die SuS können sich besser in die Figuren hineinversetzen und eine Meinung bilden (vgl. Schwerdtfeger 1989, S. 20 ff.).

Je nachdem wie die Aufgaben gestellt werden, müssen die SuS den Film unter bestimmten Gesichtspunkten kritisch beobachten. Durch die Fokussierung auf bestimmte Inhalte, Szenen oder Verhaltensweisen können die SuS ihre Medienkompetenzen erweitern. „Die Inszenierung einer (fiktiven) Wirklichkeit aus einer bestimmten Perspektive als solche zu erkennen, ist ein zentrales Lernziel der Filmdidaktik“ (Nieweler 2017, S. 5).

Darüber hinaus bietet das audiovisuelle Medium Film die Möglichkeit der Erweiterung der interkulturellen Kompetenz. Surkamp (2004, S. 3) schreibt, dass die Schülerinnen und Schüler beim Sehen von fremdsprachlichen Filmen neue Einblicke in fremde Normen und Kulturen, Werte, Weltansichten und Lebensweisen erwerben, wodurch die Lernenden Vergleiche zu ihrer eigenen Kultur und Weltanschauung ziehen können. Im folgenden Kapitel wird die interkulturelle Kompetenz im Allgemeinen sowie ihre Förderung im Fremdsprachenunterricht vorgestellt.

3 Interkulturelles Lernen im Fremdsprachenunterricht

Die interkulturelle Kompetenz gilt als wohl größter Beitrag des Fremdsprachenunterrichts zum allgemeinen Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule.

Interkulturelle Kompetenz (IK) gilt als Schlüsselqualifikation im Zeitalter der Globalisierung und wird längst nicht mehr nur im Blick auf Minderheitenschüler oder den Unterricht in multiethnischen Klassen beschrieben (Rösch 2008, S. 91).

Eines der Ziele der interkulturellen Kompetenz ist, dass die SuS mit unterschiedlichen lebensweltlichen Ansichten in Kontakt kommen und lernen, diese zu akzeptieren, auch wenn sie selbst eine andere Ansicht haben. Dabei sollen jegliche Vorurteile abgelegt und durch einen Perspektivwechsel ermöglicht werden, die Fremdwahrnehmung reflektierend zu betrachten. Aufgrund der vielen Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund kann ein Austausch innerhalb der Klasse stattfinden, bei dem die Lernenden sich und ihre persönlichen kulturellen Erfahrungen untereinander austauschen können (vgl. Rösch 2008, S. 91).

Für den Fremdsprachenunterricht wurde erstmals in den 80er Jahren über das interkulturelle Lernen diskutiert. Dabei wurde festgehalten, dass im Fremdsprachenunterricht nicht ausschließlich die jeweilige Sprache erlernt werden soll, sondern dass auch interkulturelle Kompetenzen erworben werden sollen. Es gilt also hier das Ziel zu erreichen, dass die SuS einerseits die linguistischen Besonderheiten, die Grammatik und den Wortschatz erlernen und andererseits ein Verständnis für die der Sprache entsprechende Kultur entwickeln (vgl. Bleyhl 1994, S. 11). Es lässt sich feststellen, dass das Fremdsprachenlernen und das interkulturelle Lernen untrennbar sind. Nach Krumm (1994, S. 118) muss der Fremdsprachenunterricht ein Prozess des interkulturellen Lernens sein, da durch das Lernen der neuen Sprache gleichzeitig ein Zugang zur fremden Kultur hergestellt wird. Dabei sollen die Lernenden ihren eigenen Blickwinkel auf das Fremde so anpassen, dass sich ein Gefühl von Vertrautheit entwickeln kann. Nach Christ (1994, S. 34) wird dieser Prozess als Perspektivenwechsel bezeichnet, bei dem gelernt wird, die eigene Perspektive mit der Fremden in Beziehung zueinander zu setzen. In Bezug auf den Unterricht werden hier die einzelnen Themenschwerpunkte der Zielkultur aufgegriffen und deren Bedeutung in der eigenen sowie in der fremden Kultur erklärt. Dieses Verfahren ist besonders für eine heterogene Lerngruppe geeignet, in der verschiedene Kulturen aufeinandertreffen. Mit Hilfe der Kenntnisse der SuS über verschiedene Sprachen und Kulturen kann der Perspektivwechsel zwischen der eigenen und der fremden Kultur stattfinden. So lernen die Schülerinnen und Schüler die Gedankengänge anderer nachzuvollziehen sowie deren Gefühle und Handlungen zu verstehen (vgl. Sommerfeld 2015, S. 176 f.). Durch solche Austauschmöglichkeiten im Unterricht lernen die SuS nicht nur sich selbst und ihre Mitschüler besser kennen, sondern sie entwickeln auch eine Offenheit und Toleranz gegenüber Menschen aus anderen Nationen, die unterschiedliche Ansichten vertreten und verschiedenste Sprachen sprechen.

Es wurden sowohl allgemeine als auch für den Fremdsprachenunterricht spezifische Modelle zur interkulturellen Kompetenz entwickelt. Im Folgenden wird ein Blick auf Letzteres von Daniela Caspari und Andrea Schinschke (2007/2009) geworfen. In diesem Modell werden die drei Bereiche Wissen, Können/Verhalten und Einstellungen aufgenommen. Andrea Rössler (2010, S. 141 ff.) hat das Modell von Caspari und Schinschke weiterentwickelt und um folgende Komponenten der interkulturellen Kompetenz ergänzt: Die affektive und attitudinale Komponente, die wissensbezogene und analytische Komponente sowie die handlungsorientierte Komponente.

3.1 Der Kulturbegriff

Um die Ziele für das interkulturelle Lernen formulieren zu können, muss zunächst eine Klärung des Kulturbegriffs vorgenommen werden. Erst durch das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen wird die interkulturelle Kompetenz notwendig. Der Ursprung des Wortes „Kultur“ ist auf das lateinische Wort „ cultura“ zurückzuführen, was Pflege des Körpers oder des Geistes bedeutet (vgl. Haller/Nägele 2013, S. 9).

Seit den 1970er Jahren ist die Rede vom erweiterten Kulturbegriff, der sich gegen das bildungsbürgerliche Kulturverständnis durchgesetzt hat. Demzufolge beschreibt Kultur den umfassenden Zusammenhang von menschlichem Verhalten, der sich nicht nur auf etwas Besonderes bezieht (vgl. Bolten 2007, S. 10).

Aufgrund der vielen und umfassenden Definitionen, die sich alle unterscheiden, sowie aufgrund des wandelnden Kulturbegriffs, liegt der Fokus dieses Abschnitts auf der Definition, die für den Fremdsprachenunterricht von Bedeutung ist. Daher lässt sich die interkulturelle Kompetenz ausschließlich mithilfe des erweiterten Kulturbegriffs definieren. Rössler (2010, S. 138) bezeichnet Kulturen als „wandelbare dynamische Ergebnisse einer diachronischen Entwicklung“. Darüber hinaus lassen sich dem Kulturbegriff lebensweltliche Phänomene zuordnen, wie Werte und Normen, Symbole, Rituale sowie mündliche und schriftliche Texte. Geert Hofstede beschreibt Kultur 1993 mithilfe des so genannten Zwiebelmodells, indem Werte, Rituale und Helden als kulturspezifische Elemente unterschieden werden. Demzufolge sind Kulturen […] plurale diskursive Praxen, [die] als Wirklichkeitskonstrukt und Interpretationsfolien vor der die Individuen handeln, argumentieren und letztlich ihr Selbst konstituieren und konstruieren (Rössler 2010, S. 139).

Seit den 1970er Jahren ist die Rede vom erweiterten Kulturbegriff, der sich gegen das bildungsbürgerliche Kulturverständnis durchgesetzt hat. Demzufolge beschreibt Kultur den umfassenden Zusammenhang von menschlichem Verhalten, der sich nicht nur auf etwas Besonderes bezieht (vgl. Bolten 2007, S. 10).

3.2 Entstehen von interkulturellen Lernsituationen durch Filme

Beim Schauen von Filmen im Fremdsprachenunterricht treten die Schülerinnen und Schüler in Kontakt mit Muttersprachlern. Sofern keiner der Mitschüler, Mitschülerinnen oder die Lehrkraft selbst Muttersprachler ist, wird dies mitunter eine der ersten Kontaktmöglichkeiten sein, in denen die SuS mit dem Auftreten, den Gewohnheiten, der Kultur oder den sprachlichen Varietäten von Muttersprachlern vertraut gemacht werden können. Dadurch, dass die Lerner sich ihr eigenes Bild von Muttersprachlern in ihrer soziokulturellen Umgebung machen können, entsteht die Möglichkeit einer interkulturellen Lernsituation.

Die Vermittlung von soziokulturellen Inhalten basiert auf persönlichen Erfahrungen und kann nicht als stumpfes Faktenwissen von den SuS erlernt werden. Daher bietet das audiovisuelle Medium Film die ideale Möglichkeit die Schülerinnen und Schüler mit der Kultur und der Lebenswelt des Zielsprachenlandes in Kontakt zu treten (vgl. García Adánez 2005, S. 20). Den SuS werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede auffallen, die zwischen ihnen und den Figuren im Film aufkommen und können sich somit vorstellen, wie sich diese fühlen. Hierzu eignen sich am besten die Protagonisten, weil von diesen häufig am meisten bekannt ist. Auch ihre Gefühle werden entweder durch einen Erzähler beschrieben oder in anderen Situationen wie beispielsweise in einem Brief an den Freund oder die Freundin, in einem inneren Monolog oder wenn der Hauptcharakter selbst aus der Ich-Perspektive berichtet.

Wenn Filme im Unterricht eingesetzt werden, um eine interkulturelle Lernsituation zu kreieren, dann geschieht dies meistens durch Aufgaben, bei denen das Verhalten der Figuren in bestimmten Situationen beobachtet werden soll. Darüber hinaus spielen die non-verbalen und die paraverbalen Komponenten der fremdsprachlichen Kommunikation eine wichtige Rolle. Das heißt, dass die Schulung der Wahrnehmung den ersten Schritt für das Verstehen von interkulturellen Prozessen darstellt. (vgl. Schumann 2005, S. 364 ff.).

3.3 Erarbeitungsmethoden für den Einsatz von Filmen zur Förderung der interkulturellen Kompetenz

Bevor die Lehrkraft einen Film im Fremdsprachenunterrichten einsetzen kann, muss eine intensive didaktische Aufbereitung des Films erfolgen, um den SuS den Zugang zum Film zu erleichtern. Denn die meisten Filme sind keine speziellen Lehrvideos, die explizit für den Einsatz im Unterricht gedacht sind. Bereits bei der Auswahl des Films sollte sich die Lehrkraft damit auseinandersetzen, welcher Film in den thematischen Kontext der Unterrichtsreihe passt. Darüber hinaus muss er für die Altersklasse und den Lernstand der SuS geeignet sein, um eine Überforderung zu vermeiden.

[...]


1 Im Folgenden auch mit SuS abgekürzt.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Der Einsatz des audiovisuellen Mediums Film im Spanisch- und Französischunterricht
Untertitel
Interkulturelles Lernen mit Filmen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
25
Katalognummer
V1000933
ISBN (eBook)
9783346372925
ISBN (Buch)
9783346372932
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einsatz, mediums, film, spanisch-, französischunterricht, interkulturelles, lernen, filmen
Arbeit zitieren
Vanessa Cohut (Autor:in), 2020, Der Einsatz des audiovisuellen Mediums Film im Spanisch- und Französischunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1000933

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