Das Massaker vom 20. September 1565 in Florida. Vergleich der Berichte von Gonzalo Solís de Merás und Nicolas Le Challeux


Hausarbeit, 2020

26 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorstellung der Quellen
2.1. The Conquest of Florida by the Adelantado Pedro Menéndez de Valdé s, Gonzalo Solís de Merás
2.2. Discours de l’histoire de la Floride, Nicolas Le Challeux

3. Inhaltlicher Vergleich beider Quellen
3.1. Die Darstellung der Ankunft der Spanier
3.2. Die Darstellung der Zwischenereignisse
3.3. Die Darstellung des Massakers

4. Schlussbetrachtung

5. Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1. Quellenverzeichnis
5.2. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

Im Jahre 1562 versuchte der französische Admiral Gaspard de Coligny die Grundlage für eine hugenottische Siedlungskolonie in Amerika zu schaffen. Dafür wählte er die Region des St. Johns Rivers an der Ostküste Floridas aus.1 Die Franzosen erhofften sich durch diese Ansiedlung einen Anstieg des Ansehens Frankreichs sowie einen Ausbau des französischen Überseehandels. Am 18. Februar 1562 zog die erste Expedition von Le Havre nach Amerika los. Jean Ribault wurde für diese Unternehmung von Admiral Coligny als Kapitän bestimmt, während René de Laudonnière ihm als zweiter Befehlshaber zur Seite gestellt wurde.2 Die Besatzung der Schiffe setzte sich aus etwa 150 Hugenotten zusammen. Als Ribaults Schiffe am 1. Mai 1562 an der Mündungsregion des heutigen St. Johns River in Florida ankamen, gingen die Überseereisenden an Land und der Kapitän nahm das Areal für Frankreich in Besitz. Nachdem Ribault Kontakte zu der indigenen Bevölkerung knüpfte, erkundeten Laudonnière und er die Küste in Richtung Norden bis zum heutigen South Carolina. Daraufhin errichteten die Franzosen eine Niederlassung am Port Royal und nannten sie zu Ehren König Karls IX. Charlesfort. Nachdem die Soldaten zum Schutz des Forts bestimmt wurden, kehrten Ribault und Laudonnière nach Frankreich zurück, um weitere Kolonisten, Lebensmittel und Gebrauchsgüter zu gewinnen.3 Die zurückgelassenen Franzosen sahen sich in Charlesfort mit ernsthaften Schwierigkeiten konfrontiert, da ihnen die Lebensmittel ausgingen. Aufgrund der Tatsache, dass sie keinen Ackerbau betrieben und der Nachschub aus Frankreich auf sich warten ließ, gelangten sie in die Abhängigkeit der Einheimischen. Allerdings machten sie sich Feinde unter den Eingeborenen, da sie in Auseinandersetzungen zwischen den Indianerstämmen verwickelt wurden.4 Die ständige Not an Lebensmitteln und die Streitigkeiten unter den französischen Soldaten trieben die Kolonisten dazu, mit Hilfe der indigenen Bevölkerung ein Schiff zu bauen, um ebenfalls nach Frankreich zurückzukehren, wodurch der Plan einer französischen Koloniegründung in Florida gescheitert war. Im Jahr 1564 griff Admiral Coligny die Idee auf, eine dauerhafte hugenottische Siedlung in Übersee zu errichten.5 Die Besatzung dieser zweiten Expedition wurde auf dreihundert Mann und somit um etwa das Doppelte erhöht.6 Da sich Ribault in englischer Gefangenschaft befand, übernahm Laudonnière die Leitung dieser Reise.7 Die Schiffe brachen am 22. April 1564 von Le Havre auf und erreichten Florida im Juni. Ähnlich wie zwei Jahre zuvor errichteten die Franzosen ein Fort namens Caroline in der Nähe des ehemaligen Charlesforts. Entgegen der Zuversicht der Franzosen wurden sie mit ähnlichen Problemen, wie auch die Kolonisten 1562, konfrontiert. Ebenfalls unter der Führung Laudonnières konnte die Verwicklung in Streitigkeiten verschiedener Indianerstämme nicht vermieden werden.8 Des Weiteren betrieben die französischen Kolonisten erneut keinen Ackerbau9, weshalb die Franzosen zum Ende des Jahres 1564 von der indigenen Bevölkerung immer abhängiger wurden. Diese konnten jedoch den Forderungen der Franzosen nicht gerecht werden, da sie selbst nur wenige Ernteerträge gewonnen hatten. Schließlich führte die im Mai 1565 ausgebrochene Hungersnot im Fort Caroline dazu, dass die Franzosen erneut ein Schiff bauten, um nach Frankreich zurückzukehren. Da die Indianer den Franzosen kaum etwas abgaben, gestaltete sich die Nahrungssuche für die Heimreise ebenfalls als schwierig. Um Nahrung zu erpressen, nahmen die Franzosen Einheimische gefangen. Laudonnière konnte die Gewalttaten der Franzosen gegenüber der indigenen Bevölkerung nicht verhindern, wodurch es schließlich zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam.10 Erst als der englische Kapitän John Hawkins Ende August am St. Johns River vor Anker ging, entspannte sich die Situation in Fort Caroline. Hawkins überließ den Franzosen Nahrungsmittel und ein weiteres Schiff im Tausch gegen Waffen vom Fort.11 Umgehend nach der Abreise der englischen Schiffe trafen am 28. August 1565 unter der Führung von Ribault, der aus der Gefangenschaft zurückgekehrt war, sieben französische Versorgungschiffe ein.12 Ziel dieser Versorgungsexpedition war es, Fort Caroline durch eine erhöhte Siedlerzahl zu festigen.13 Nur wenige Tage später, am 4. September, traf ebenfalls eine spanische Kriegsflotte unter der Führung des Katholiken Pedro Menéndez de Avíles in Florida ein. Die Besatzung des Schiffes bestand aus 500 Männern, welche sich in Bauern, Handwerker, Soldaten und Matrosen unterteilten.14 Zum einen sah der spanische König eine Bedrohung in den Franzosen, da ihre Kolonie sich zu nahe an der Route der spanischen Handelsschiffe befand. Zum anderen stellte die spanische Krone territoriale Besitzansprüche auf Florida.15 Darüber hinaus war eine protestantische Koloniegründung für das katholische Spanien grundsätzlich nicht annehmbar. Die vorliegende Arbeit zielt auf das Ende des französischen Kolonialisierungsversuchs in Florida ab. Die Darstellungen, die in dieser Arbeit untersucht und analysiert werden, berichten beide über das Massaker vom 20. September 1565. Im Mittelpunkt der Arbeit steht demnach der Vergleich der Berichte von Gonzalo Solís de Merás und Nicolas Le Challeux. Es soll dargelegt werden, inwiefern die Darstellungen Ähnlichkeiten und Unterschiede aufweisen. Im ersten Teil der Arbeit werden die beiden Quellen vorgestellt, worauf im zweiten Teil ein inhaltlicher Vergleich der beiden Berichte folgt. Die inhaltliche Gestaltung wird somit den größten Platz der Arbeit einnehmen. Im Rückblick auf das Erarbeitete greift die Schlussbetrachtung die Forschungsfrage erneut auf und beantwortet diese.

2. Vorstellung der Quellen

2.1. The Conquest of Florida by the Adelantado Pedro Menéndez de Valdés, Gonzalo Solís de Merás

Die Quelle, welche die spanische Sicht des Massakers von 1565 beschreibt, stammt aus der Quellenedition Pedro Menéndez de Avilés an the Conquest of Florida: A New Manuscript. Die in dieser Edition aufgeführten Texte sind Berichte über Menéndez und die Eroberung Floridas, welche von seiner rechten Hand, Gonzalo Solís de Merás, geschrieben wurden.16 2017 publizierte David Arbesú seine übersetzte und kommentierte Version der Berichte. Vor der Veröffentlichung des Manuskripts von Solís de Merás zählten das Tagebuch des Paters Francisco López de Mendoza Grajales (1565) und der Passivbericht (1568) des spanischen Humanisten Bartolomé de Barrientos zu den wichtigsten Quellen, welche die Expeditionen Menéndez’ dokumentieren.17 Der von Solís de Merás geschriebene Text ist dabei jedoch die wichtigste Erzählung über die Eroberung und Besiedlung Floridas durch Menéndez.18 The conquest of Florida by the Adelantado Pedro Menéndez de Valdés besteht aus 34 Kapiteln, wobei 33 Kapitel eine Übersetzung des Ferrera-Manuskripts darstellen.19 Die zu behandelnde Quelle ist ein Ausschnitt aus dem zweiten Kapitel Capture of Fort Caroline. 20 Die vorliegende Quellenedition beschreibt sehr detailliert und sorgfältig, inwiefern die indigene Bevölkerung französische Protestanten und spanische Katholiken gekämpft und Allianzen für Handel, Frieden und Informationen geschlossen haben. Des Weiteren beinhaltet sie sowohl Reiseschreiben als auch Verwaltungsberichte und notarielle Äußerungen.21 Das letzte Kapitel ist lediglich eine Beschreibung des Landes, der Vorteile und des Klimas Floridas.22

2.2. Discours de l’histoire de la Floride, Nicolas Le Challeux

Für die Analyse der französischen Quelle werden zwei Quelleneditionen herangezogen.23 Zunächst handelt es sich um die Edition Les français en Amérique pendant la deuxième moitié du XVIe Siècle. Les français en Floride, welche 1958 von Suzanne Lussagnet herausgegeben wurde. In dieser Ausgabe sind die Originaltexte, welche die drei französischen Kolonisierungsversuche zwischen 1562 und 1565 beschreiben24, zusammengefasst, annotiert und kommentiert. Da die Texte in dieser ersten Edition jedoch in einer altfranzösischen Sprache geschrieben sind, wird eine weitere Quellenedition, nämlich die im Jahre 2012 von Frank Lestringant herausgegebene Edition Chroniques de la guerre de Floride. Une Saint-Barthélemy au Nouveau Monde (1562-1568), zusätzlich herangezogen. Hier wurden die Berichte vom Altfranzösischen ins Französische übersetzt. In dieser Edition werden jedoch nur die Expeditionen von 1564 bis 1568 beschrieben und demnach auch nur die Texte von René de Laudonnière, Nicolas Le Challeux und Dominique de Gourgues aufgeführt. Die Quelle, ein Ausschnitt aus dem Discours de l’histoire de la Floride contenant la cruauté des Espagnols contre les sujets du Roy en l’an 1565 rédigé par ceux qui sont restés, chose autant lamentable à ouïr qu’elle a été proditoirement et cruellement exécutée par lesdits Espagnols und stellt einen Bericht des französischen Zimmermanns Nicolas Le Challeux dar.25 Da er einer der Hauptzeugen der dritten französischen Expedition war, hielt er seine Eindrücke in diesem Bericht fest.26 Das Manuskript wurde erstmals in seiner Heimatstadt Dieppe in Frankreich nach seiner Rückkehr 1566 veröffentlicht. Das Werk war zu dieser Zeit so erfolgreich, dass es noch im selben Jahr zweimal nachgedruckt wurde. Le Challeux Aufzeichnungen sind nicht der einzige Bericht, welcher von den Franzosen über den Kolonisierungsversuch in Florida verfasst wurde, dem Discours de l’histoire de la Floride stehen drei weitere Schilderungen von Augenzeugen zur Seite. Dabei handelt es sich zum einen um die Niederschriften der Kapitäne Ribaults und Laudonnière und zum anderen um die Zeichnungen von Jacques Le Moyne. Der Bericht von Le Challeux ist jedoch der anschaulichste der vier Quellen. Außerdem war er der nächste Zeuge, wodurch er die Ereignisse authentisch und detailliert beschreiben konnte. Insgesamt umfasst das Werk vier Teile. Zu Beginn der Quelle findet man folgendes Gedicht vor:

Huitain, par ledit autheur arrivé à sa maison, en la ville de Dieppe, ayant faim. Qui veut aller à la Floride, Qu’il y aille j’y ay esté : Et revenu sec et aride, et abblatu de povreté : Pour tous biens j’en ay rapporté un beau baston blanc en ma main: Ca à manger je meurs de faim.27

Diese Zeilen enthüllen schon vorab die dramatische und erbärmliche Stimmung der Geschichte Floridas.28 Es folgt das erste Buch La Floride, ou histoire memorable, de ce qui est advenu au dernier voyage du capitaine Jean Ribault : entrepris par le commandement du Roy, à l’Isle des Indes, que vulgairement on appelle la Floride. In diesem Teil des Berichts gibt der Autor wesentliche Informationen zu der letzten Entdeckungsreise von Ribault. Außerdem wird hier ebenfalls der erste Angriff der Spanier auf die Franzosen beschrieben, was auch den Abschnitt der Quelle darstellt, den es in dieser Arbeit zu bearbeiten gilt. Darauf folgt La suite des événements et ce qu’il advint de Jean Ribault et du reste de l’expédition. Der letzte Teil des Berichts ist eine Schrift an den französischen König, um ihn über die Schwere des Ereignisses zu informieren und ihn zu ermutigen, eine weitere Expedition zu veranlassen, mit dem Ziel sich an den Spaniern zu rächen. Le Challeux bittet den König in dieser Schrift um Mitleid für die Opfer des Massakers sowie für die Witwen und Waisenkinder.

3. Inhaltlicher Vergleich beider Quellen

3.1. Die Darstellung der Ankunft der Spanier

Zu Beginn des Berichts Capture of Fort Caroline beschreibt Gonzalo Solís de Merás zunächst, dass sie vier Tage lang nach der Ankunft in Florida entlang der Küste gesegelten seien, da sie nicht gewusst haben, wo die Lutheraner sich niedergelassen haben. Als sie jedoch Indianer an Land gesehen haben, sei ein Soldat von Bord gegangen:

The brigadier ordered a soldier [...] to put down his weapons and go tot he Indians with some gifts, which he did. [...] Then the brigadier arrived and spoke to them with hand signs, asking them about the French. Also with signs, they replied that they were about twenty leagues from there, to the north.29

Bereits durch diese Aussage wird beschrieben, dass die Spanier versucht haben, die Indianer mit Geschenken zu bestechen, um ihrem Ziel näher zu kommen. Solís de Merás berichtet ebenfalls, dass der Adelantado selbst an Land gegangen sei, um die Indianer mit Präsenten und Süßigkeiten zu beschenken, worauf diese wiederholt beschrieben haben, wo die Franzosen sich befanden.30 Anschließend seien die Spanier zurück an Bord ihrer Schiffe gegangen und weiter Richtung Norden gesegelt. Acht Meilen entfernt von dem letzten Landgang haben sie am 8. August 1565 einen Hafen entdeckt, den sie San Augustín 31 genannt haben. Am 4. September 1565 seien sie weiter nach Norden gesegelt, wo sie auf vier große verankerte Galeonen getroffen haben.32 Als sie sich schließlich kurz vor Mitternacht in der Nähe der französischen Flotte befunden haben, haben diese begonnen, mit ihrer Artillerie, auf die Spanier zu schießen, jedoch ohne Erfolg.33 Der Adelantado habe hingegen wie folgt reagiert: „He did not permit or consent to any artillery being fired from his ships. [...], he passed by the French flagship [...], the Adelantado spoke to them courteously“.34 Solís de Merás führt in dem Bericht das Gespräch zwischen dem Adelantado und den Franzosen in wörtlicher Rede an. In der Unterhaltung fragte Menéndez, was sie gemacht haben, ob sie Katholiken oder Lutheraner seien und wer ihr General sei. Daraufhin habe er geantwortet, dass sie alle Lutheraner seien und ihr General Ribault sei. Nachdem die Franzosen ebenfalls nachgefragt haben, wer deren Gegenüber sei, habe Menéndez geantwortet:

He who asks this of you is called Pedro Menéndez, this fleet belongs to the King of Spain, and I am is general. I have come here to hang and behead all the Lutherans I may find on this land and sea. These are the instructions I have from my king, which I will fulfil [sic!] when day comes, for I will board your ships.35

Solís de Merás berichtet, dass die französischen Kolonisten auf diese Drohung der Spanier mit Beleidigungen und ausfallenden Wörtern gegen den spanischen König und den Adelantado reagiert haben. Als der Adelantado so viele beleidigende Worte gegen seinen König gehört habe, habe er befohlen den Feind zu entern. Dies führte dazu, dass die Franzosen Angst bekamen, die Trossen durchtrennten, die Segel hoben und flohen.36 Menéndez habe daraufhin zwei französische Schiffe nach Norden verfolgt, während sein Admiral den anderen in Richtung Süden nachgesegelt sei.

Im Vergleich zu der ersten Quelle schreibt Le Challeux in seinem Bericht, dass sie die fünf spanischen Schiffe bereits am 3. September 1565 gesehen haben. Außerdem seien sie schon gegen 21 Uhr am Anker der französischen Flotte gewesen und nicht wie von Solís de Merás beschrieben erst gegen Mitternacht.37 Auffällig ist hier, dass der erste Angriff der Franzosen auf die Spanier nicht erwähnt wird und dass der Autor direkt zu dem Gespräch zwischen den Franzosen und den Spaniern über geht. Im Kontrast zu der spanischen Quelle wird hier das Gespräch nicht in wörtlicher Rede aufgeführt, sondern nur nacherzählt. Auch die Inhalte der jeweils genannten Gespräche divergieren. Hier wird beschrieben, dass die Franzosen die Spanier gefragt haben, warum diese sie gesucht haben. Daraufhin antwortete der Spanier, dass sie Feinde seien und der Krieg zu Genüge erklärt sei. Nach dieser Aussage gibt Le Challeux in seinem Bericht zu, dass die Franzosen sich der Macht der Spanier bewusst gewesen seien und deshalb geflohen seien.38

3.2. Die Darstellung der Zwischenereignisse

Der Autor von Capture of Fort Caroline berichtet, dass der Adelantado mit seinen fünf Schiffen gegen zehn Uhr am morgen am französischen Hafen angekommen sei. Daraufhin haben die Franzosen die Spanier angegriffen, indem sie auf sie geschossen haben. Dies führte dazu, dass die Spanier sich nach St. Augustin zurückzogen haben. Am nächsten Tag habe Menéndez 300 Soldaten an Land geschickt, um einen Platz zu suchen, an dem sie schnell eine Palisade und ein Fort errichten können. Zu diesem Zeitpunkt waren sich die Spanier sicher, dass die Franzosen in wenigen Tagen angreifen werden.39

In der französischen Quelle wird ebenfalls berichtet, dass die Spanier die Franzosen nach dem in Kapitel 3.1. aufgeführten Gespräch verfolgt haben, diese sie jedoch nicht haben auf dem Wasser einholen gekonnt. Deckend mit der ersten Quelle ist ebenfalls, dass sich Menéndez nach der erfolglosen Verfolgung mit seiner Flotte in St. Augustin zurückzogen habe. Hier ist jedoch anzumerken, dass Le Challeux nicht St. Augustin als Namen für den Rückzugshafen der Spanier nahm, sondern Rivière des Dauphins.40 Das lässt sich dadurch erklären, dass Laudonnière diesem Ort im Jahr 1564 den Namen Rivière des Dauphins gab, während ihn Menéndez ein Jahr später San Augustin nannte.41 Zu dem Vorgehen der Spanier wird in dieser Quelle nichts genannt. In Kontrast dazu wird jedoch geschildert, wie die Franzosen weiter vorgegangen sind: „le capitaine Jean Ribault décida [...] d’aller trouver les Espagnols, après avoir résolu en son conseil qu’il était nécessaire de les affronter sur les eaux“42. Am 10. September 1565 sei Laudonnière mit seinen Soldaten an Bord gegangen. Im weiteren Verlauf des Berichts wird ebenfalls begründet, warum die Einheimischen sich mit den Spaniern gegen die Franzosen verbündet haben. Zunächst wird dargelegt, dass der Kapitän Laudonnière nach Frankreich habe zurückkehren wollen, weshalb er sich nicht mehr um das Verhalten seiner Soldaten gekümmert habe. Er habe ihnen erlaubt Einheimische ins Fort zu bringen und sie dort zu foltern. Außerdem haben sie die Indianer beraubt und ihre Hirse verzehrt. Des Weiteren sei das Verlangen sich zu rechen im Menschen von Natur aus etabliert. Der Autor argumentiert, dass dies die Beweggründe gewesen seien, weshalb sich die Einheimischen mit den Spaniern verbündet haben.43

Solís de Merás beschreibt nun die Ankunft der Franzosen bei den Spaniern. Als die Franzosen sich den Spaniern genähert haben, haben die Spanier Angst bekommen. Da jedoch zu diesem Zeitpunkt Ebbe gewesen sei, haben die Franzosen auf die Flut warten müssen und haben somit nicht weiter vorrücken können.44 Darauf folgt eine Wetterbeschreibung:

[...]


1 Urs Bitterli: Die Entdeckung Amerikas. Von Kolumbus bis Alexander von Humboldt, München 1999, S. 122.

2 Charles E. Bennett: Laudonnière & Fort Caroline. History and documents, Gainesville 1964, S. 13-14.

3 Ebd., S. 14-15.

4 Charles-André Julien: Les français en Amérique au XVIIe siècle, Paris 1977, S. 10.

5 Ebd., S. 98.

6 Bitterli: Die Entdeckung Amerikas, S. 122.

7 Bennett: Laudonnière & Fort Caroline, S. 17.

8 Bitterli: Die Entdeckung Amerikas, S. 122.

9 John T. McGrath: The French in Early Florida. In the Eye of the Hurricane, Gainesville u.a. 2000, S. 104.

10 Ebd., S. 105.

11 Bennett: Laudonnière & Fort Caroline, S. 31.

12 McGrath: The French in Early Florida, S. 110.

13 Ebd., S. 127.

14 Hermann Wellenreuther: Niedergang und Aufstieg. Geschichte Nordamerikas vom Beginn der Besiedlung bis zum Ausgang des 17. Jahrhunderts, Hamburg 2000, S. 136.

15 Bennett: Laudonnière & Fort Caroline, S. 34-35.

16 Arbesú, David (Hrsg.): Pedro Menéndez de Avilés and the Conquest of Florida: A new manuscript, Gainesville 2017, S. 3.

17 Allison M. Bigelow: Rezension von: Gonzalo Solís de Merás: Pedro Menéndez de Avilés and the Conquest of Florida. A New Manuscript, Gainesville 2017, in: Journal of Southern History 84 (2018), URL: https://muse.jhu.edu/article/699878/pdf (04.10.19).

18 Arbesú: Pedro Menéndez de Avilés and the Conquest of Florida, S. 3.

19 Ebd., S.4.

20 Da hier die einzelnen Handlungen jedoch sehr detailliert beschrieben wurden, kann in dieser Proseminararbeit nur ein Ausschnitt aus dem ersten Kapitel betrachtet werden. Aus dem gleichen Grund wurde auch dieser Ausschnitt inhaltlich gekürzt (s. Anhang).

21 Bigelow: Rezension von: Gonzalo Solís de Merás: Pedro Menéndez de Avilés and the Conquest of Florida, URL: https://muse.jhu.edu/article/699878/pdf (04.10.19).

22 Arbesú: Pedro Menéndez de Avilés and the Conquest of Florida, S. 22.

23 Im Anhang befindest sich nur die Quelle aus der Edition von Frank Lestringant, da mit dieser Version intensiver gearbeitet wurde.

24 Hiermit sind die Texte von Jean Ribault, René de Laudonnière, Nicolas Le Challeux und Dominique de Gourgues gemeint.

25 Frank Lestringant: Le Huguenot et le sauvage. L’Amérique et la controverse coloniale, en France, au temps des guerres de religion, Genève 2004, S.232.

26 Frank Lestringant (Hrsg.): Chroniques de la guerre de Floride: une Saint-Barthélemy au Nouveau Monde (1562-1568), Congé-sur-Orne 2012, S. 99.

27 Challeux, Nicolas Le: Discours de l’histoire de la Floride, in: Lussagnet, Suzanne (Hrsg.): Les français en Amérique pendant la deuxième moitié de XVIe siècle. Les français en Floride, Paris 1958, S.205.

28 Marcel Müller: Konquistador wider Willen, in: Historische Anthropologie: Kultur, Gesellschaft, Alltag 16 (2008), S. 262.

29 Solís de Merás, Gonzalo: Capture of Fort Caroline, in: Abesú, David (Hrsg.): Pedro Menéndez de Avilés and the Conquest of Florida. A New Manuscript, Gainesville 2017, S. 42.

30 Ebd., S. 43.

31 Der Hafen wurde so genannt, da Pedro Menéndez de Avilés den Hafen an dem Gedenktag des Heiligen Augustinus von Hippo entdeckt hatte.

32 Solís de Merás: Capture of Fort Caroline, S. 43.

33 Ebd., S. 45.

34 Ebd.

35 Ebd., S. 46.

36 Ebd.

37 Challeux, Nicolas Le: Discours de l’histoire de la Floride, in Lestringant, Frank (Hrsg.): Chroniques de la guerre de Floride: une Saint-Barthélemy au Nouveau Monde (1562-1568), Congé-sur-Orne 2012, S. 109.

38 Ebd., S. 110.

39 Solís de Merás: Capture of Fort Caroline, S. 47.

40 Challeux: Discours de l’histoire de la Floride, S. 110.

41 U.S. Coast and Geodetic Survey: Annual Report of the Director, U.S. Coast and Geodetic Survey, Washington 1885, S. 504.

42 Challeux: Discours de l’histoire de la Floride, S. 110.

43 Ebd., S. 110-111.

44 Solís de Merás: Capture of Fort Caroline, S. 48.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Das Massaker vom 20. September 1565 in Florida. Vergleich der Berichte von Gonzalo Solís de Merás und Nicolas Le Challeux
Autor
Jahr
2020
Seiten
26
Katalognummer
V1000936
ISBN (eBook)
9783346374738
ISBN (Buch)
9783346374745
Sprache
Deutsch
Schlagworte
massaker, september, florida, vergleich, berichte, gonzalo, solís, merás, nicolas, challeux
Arbeit zitieren
Ayline Zeimet (Autor), 2020, Das Massaker vom 20. September 1565 in Florida. Vergleich der Berichte von Gonzalo Solís de Merás und Nicolas Le Challeux, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1000936

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