Diese Arbeit hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Sozialkreditsystem in China, welches der chinesischen Regierung ermöglicht, die Bevölkerung Chinas bei jedem ihrer Schritte überwachen zu können, zu beschreiben. Zentral für diese Arbeit waren die Fragestellungen, wie weit die Entwicklung des Sozialkreditsystems in China bereits fortgeschritten ist, wie dieses System funktioniert, sowie dessen Auswirkungen auf den Alltag der chinesischen Bevölkerung. Gearbeitet wurde mittels Literatur- und Internetrecherche mit anschließender Analyse, Interpretation und Zusammenfassung der Inhalte. Empirische Elemente sind in dieser Arbeit nicht enthalten.
Im ersten Teil wird ein Überblick über die Volksrepublik China gegeben sowie erläutert, warum diese die Demokratie bewusst ablehnt. Anschließend werden einige bedeutende Begriffe, welche für das Verständnis des Sozialkreditsystems erforderlich sind, erklärt, sowie mögliche Vorteile, die sich einer angepassten Bevölkerung erschließen, angeführt. Der zweite Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit dem Weg zum Sozialkreditsystem und den Sanktionen, mit welchen die Bürger Chinas rechnen müssen, sollten sie sich den Vorgaben und Wünschen der chinesischen Regierung widersetzen. Den Abschluss bilden diverse Kritikpunkte am Sozialkreditsystem in China und dem Parteiapparat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Volksrepublik China
2.1 China und die Demokratie
3. Begriffe
3.1 Sozialkreditsystem
3.2 Daten
3.3 Big Data
3.4 Algorithmen
4. Sesame Credit
4.1 Vorteile eines hohen Punktestands
5. Technologien zur Datensammlung und Überwachung
5.1 Cookies
5.2 WeChat
5.3 Gesichtserkennung
6. Der Weg zum Sozialkreditsystem in China
6.1 Planungsskizze für den Aufbau eines Sozialkreditsystems (2014-2020)
7. Sanktionen für die Bürger Chinas
7.1 Strafen bei zu niedrigem Sozialpunktestand oder unerwünschtem Verhalten
7.2 Auswirkungen des Sozialkreditsystems auf Unternehmen
8. Kritik am Sozialkreditsystem und dem Parteiapparat
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Sozialkreditsystem in China, beleuchtet dessen technologische Grundlagen sowie die Auswirkungen auf den Alltag der Bevölkerung und analysiert, inwiefern dieses System der Regierung zur Überwachung und Kontrolle dient.
- Die historische Entwicklung und politische Ablehnung demokratischer Strukturen in China.
- Die Funktionsweise der Datenerfassung durch Technologien wie Gesichtserkennung und soziale Medien.
- Die Rolle von Pilotprojekten wie Sesame Credit bei der Verhaltenssteuerung der Bürger.
- Die sozialen und ökonomischen Konsequenzen niedriger Sozialkreditpunkte.
- Die ethische Kritik am Eingriff in die Privatsphäre und der staatlichen Überwachung.
Auszug aus dem Buch
Die Volksrepublik China
Die Volksrepublik China wurde am 1. Oktober 1949 von Mao Zedong ausgerufen. Seitdem wird das Land von der autoritären Ein-Parteien-Regierung der Kommunistischen Partei Chinas geführt. 70 Prozent der chinesischen Bevölkerung waren zu dieser Zeit besitzlose Bauern, Tagelöhner und Wanderarbeiter. In den kommenden Jahren konnte die beginnende kommunistische Diktatur erste Erfolge erzielen. Die Wirtschaft erreichte wieder dasselbe Niveau wie vor dem 2. Weltkrieg und es gelang, die dramatische Inflation einzudämmen. In den Jahren von 1949 bis 1952 wurde unter Mao Zedong eine große „Bodenreform“ durchgeführt, bei der große Landbesitzer systematisch enteignet und deren Land anschließend an arme Bauern verteilt wurde.
Die wenigen industriellen Großbetriebe wurden verstaatlicht und die Bauern von ihrem „Befreier“ Mao Zedong dazu aufgefordert, an ihren ehemaligen Unterdrückern Rache und Vergeltung zu üben. Mao Zedong verstand es, den Volkszorn gezielt einzusetzen und zu seinem eigenen Vorteil zu nutzen. Infolgedessen kam es im ganzen Land zu Schauprozessen, Hetzkampanien und zu Übergriffen, bei denen mehrere tausend Menschen gedemütigt, gefoltert und getötet wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Thema des Sozialkreditsystems vor und formuliert die Leitfragen bezüglich dessen Entwicklung, Funktionalität und Auswirkungen auf die chinesische Bevölkerung.
2. Die Volksrepublik China: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss über die Entstehung der Volksrepublik unter Mao Zedong und erläutert die autoritäre Ausrichtung des Staates.
3. Begriffe: Hier werden technische und konzeptionelle Grundlagen wie Sozialkreditsystem, Big Data und Algorithmen definiert, um das Verständnis für das Gesamtsystem zu schärfen.
4. Sesame Credit: Das Kapitel beleuchtet das bekannteste Pilotprojekt, Sesame Credit, und zeigt auf, wie durch Punkteabzüge oder -gewinne das Verhalten der Bürger gesteuert wird.
5. Technologien zur Datensammlung und Überwachung: Es wird analysiert, wie moderne Technologien wie Smartphones, Cookies und Gesichtserkennung zur allumfassenden Datenerhebung genutzt werden.
6. Der Weg zum Sozialkreditsystem in China: Dieses Kapitel erläutert die geschichtlichen Hintergründe des staatlichen Misstrauens und die konkrete Planungsskizze für das landesweite System.
7. Sanktionen für die Bürger Chinas: Es werden die konkreten Folgen bei niedrigem Punktestand für den Alltag der Bürger sowie die Auswirkungen auf Unternehmen detailliert beschrieben.
8. Kritik am Sozialkreditsystem und dem Parteiapparat: Hier werden sowohl die Akzeptanz innerhalb der chinesischen Bevölkerung als auch die Kritik aus westlicher Perspektive hinsichtlich Grundrechten thematisiert.
9. Fazit: Die Arbeit fasst die Erkenntnisse zusammen und warnt vor der realen Gefahr eines digitalen Überwachungsstaates, der auch außerhalb Chinas Schule machen könnte.
Schlüsselwörter
Sozialkreditsystem, China, Überwachung, Datenschutz, Digitalisierung, Sesame Credit, Gesichtserkennung, Kommunistische Partei, Big Data, Algorithmen, soziale Kontrolle, politische Macht, Menschenrechte, Sanktionen, Technologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Sozialkreditsystem in China als ein Instrument zur digitalen Überwachung und Verhaltenssteuerung der Bevölkerung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen politischen Entwicklung Chinas, den technischen Möglichkeiten der Datenerfassung sowie den sozialen Sanktionsmechanismen des Kreditsystems.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Fragen, wie weit das System fortgeschritten ist, wie es technisch funktioniert und welche Auswirkungen es auf den Alltag der Menschen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literatur- und Internetrecherche mit anschließender Analyse und Interpretation der gewonnenen Daten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil erstreckt sich von technischen Begriffsdefinitionen über Pilotprojekte wie Sesame Credit bis hin zu den konkreten Strafmaßnahmen bei unerwünschtem Verhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialkreditsystem, Überwachung, Datenschutz, digitale Kontrolle und politische Einflussnahme durch Technologie.
Wie unterscheidet sich Sesame Credit vom offiziellen staatlichen System?
Während das offizielle System eine staatliche Lenkung anstrebt, ist Sesame Credit ein kommerzielles Pilotprojekt der Alibaba Group, das jedoch ähnliche Logiken der Belohnung und Bestrafung nutzt.
Welche Rolle spielt die Gesichtserkennung in China?
Die Gesichtserkennung dient als essenzieller technischer Baustein, um Bürger unter ihrer echten Identität zu erfassen und ihr Verhalten in Echtzeit zu überwachen.
Was bedeutet das Konzept der "Sippenhaftung" in diesem Zusammenhang?
Das Konzept beschreibt, dass ein niedriger Punktestand der Eltern auch negative Konsequenzen für die Kinder haben kann, beispielsweise durch eingeschränkte Bildungschancen.
- Citation du texte
- Benedikt Beer (Auteur), 2018, Das Sozialkreditsystem in China. Entwicklung und Funktion sowie Folgen für die chinesische Bevölkerung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1001109