Goethe, Johann Wolfgang von - Götz von Berlichingen


Bachelorarbeit, 2000

10 Seiten


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1. Vorwort

2. Handlung

3. Historische Hintergründe

4. Form

5. Personen

6. Schlusswort

7. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Das Drama des Götz von Berlichingen ist ein vielschichtiges Stück, das von verschiedenen Seiten her bearbeitet werden kann. So würde schon ein Vergleich von Handlungs- und Erscheinungszeit Stoff für mehr als fünfzehn Seiten bieten, wie auch das Herausgreifen eines Themas oder einer einzelnen Person eine reizvolle, aber den gegebenen Rahmen sprengende Aufgabe wäre. So bestand ein wichtiger Teil unserer Arbeit darin, zu selektionieren und zu kürzen. So ist beispielsweise die Inhaltsbeschreibung auf die Hälfte zusammengeschrumpft, wie auch das Kapitel ,,Historische Hintergründe".

Das erstmalige Lesen des Büchleins bescherte uns beiden keine allzugrossen Glücksgefühle. Erst die genauere Planung der Arbeit und damit verbundene Gespräche hatten uns tiefere Einblicke in Goethes lebhaftes Figurenspiel gewährt. In einem nächsten Schritt grenzten wir die auf diese Art gewonnenen Themenbereiche ein und machten uns, jeder für sich, an die Arbeit. Über E-Mail hielten wir uns über den jeweiligen Stand der Dinge auf dem Laufenden.

So entstand die nun vorliegende Arbeit in kleinen, aber stetigen Schritten.

2. Handlung

1. AKT

In der Schenke zu Schwarzenberg kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen Reiterknechten aus Bamberg und Bauern. Die Bauern sind gegen den Bischof und das höfische Leben. Ihre Helden sind die freien Reichsritter. Einer von diesen Rittern ist Götz von Berlichingen. Ihm gelingt es, seinen Jugendfreund und heutigen Erzfeind Adelbert von Weislingen gefangen zu nehmen. Dieser befindet sich im Dienste des Bischofs. Götz bringt Weislingen auf seine Burg Jaxthausen, wo ihn Ehefrau Elisabeth, Sohn Karl und die Schwester Maria bereits erwarten. Im Zuge allgemeiner Versöhnung kommt es zur Verlobung zwischen Maria und Weislingen, der sein Wort darauf gibt, Götz' Feinden keine Hilfe mehr zu leisten. Franz, Weislingens Page, versucht seinen Herrn an den Hof zurückzuholen, doch der weigert sich vorerst.

2. AKT

Weislingens Wegbleiben erregt des Bischofs Missfallen, worauf der kluge Höfling Liebetraud sich bereit erklärt, den Abtrünnigen zurückzuholen. Tatsächlich gelingt es ihm, Weislingen zur Rückkehr zu überreden, wenn auch nur, um letzte Dinge zu erledigen. Er denkt, dass Adelheids Schönheit Weislingen in Bamberg halten werde. Als Götz dies zu Ohren kommt, schickt er seinen Reiterknecht Georg verkleidet an den Hof. Dieser kommt bald mit der Nachricht zurück, dass eine Hochzeit zwischen Weislingen und Adelheid geplant ist.

Adelheid jedoch benutzt Weislingen für ihre ehrgeizigen Pläne. Obwohl er merkt, dass Adelheid ihn nicht liebt, bricht er sein Wort gegenüber Berlichingen und bleibt am Hof. Er klagt seinen Jugendfreund sogar vor dem Kaiser an, weil er meint, dass die Reichsritter schuld daran sind, dass nach dem Bürgerkrieg immer noch nicht vollends Ruhe eingekehrt ist.

3. AKT

Der Kaiser ist Götz an sich freundlich gesonnen. Trotzdem gelingt es Weislingen, ihn davon zu überzeugen, gegen Berlichingen und die anderen freien Reichsritter härtere Massnahmen anzuordnen. Sickingen, ein Bundesgenosse Berlichingens, hält um die Hand der verlassenen Maria an. Götz willigt in die Verlobung ein. Als er erfährt, dass die Acht über ihn verhängt worden ist, lehnt Berlichingen die Hilfe Sickingens ab. Sein zukünftiger Schwager stellt ihm aber trotzdem einige seiner Reiter zur Seite. Weitere Unterstützung erhält Berlichingen von Lerse, einem seiner früheren Gegner, und Selbitz, einem Bundesgenossen. Im Kampf gegen das Exekutionsheer des Kaisers wird Selbitz schwer verwundet und Götz in höchster Not von Lerse gerettet. Da sich das kleine Heer im offenen Feld nicht mehr behaupten kann, ziehen sie sich nach Jaxthausen zurück. Berlichingen erfährt, dass Weislingen für seine Achterklärung verantwortlich ist. Sickingen heiratet Maria und die beiden verlassen auf Bitte von Götz die Burg, die kurz darauf belagert wird. Seine treue Frau Elisabeth weicht nicht von seiner Seite. Endlich erlauben die Gegner den Belagerten den freien Abzug. Doch als sie Jaxthausen verlassen, werden sie überwältigt. Einige werden niedergestochen, andere gefangen genommen und nach Heilbronn geführt.

4. AKT

Im Rathaus zu Heilbronn wird Götz aufgefordert, einen Racheverzicht zu unterzeichnen. Als er hört, dass er sich zum Rebell gegen Kaiser und Reich bekennen soll, wird er zornig und beinahe kommt es zum Handgemenge. Glücklicherweise steht Sickingen mit 200 Mann vor der Stadt und erreicht, dass ein Vergleich zustande kommt. Berlichingen soll sich von nun an auf seiner Burg aufhalten, bis die ganze Angelegenheit mit dem Kaiser geregelt sei. In der Zwischenzeit haben Weislingen und Adelheid geheiratet. Aber auch der Page Franz ist immer noch verliebt und seiner Angebeteten ergeben zu Diensten. Währenddessen hält sich Götz, wie vereinbart, auf seiner Burg auf, wo er die Nachricht erhält, dass der Kaiser schwer erkrankt und der Bauernkrieg ausgebrochen sei.

5. AKT

Weil der Bauernaufstand den Rädelsführern aus der Hand zu gleiten droht, versuchen sie, Götz zu ihrem Anführer zu machen. Dieser willigt in eine vierwöchige Übernahme der Führung ein und verlässt entgegen der Abmachung Jaxthausen. Schon ziemlich bald hat er viele der Unterführer gegen sich, weil sie merken, dass Berlichingen ihrem Morden und Brandschatzen entschlossen entgegentritt. Weislingen versucht mit dem Reichsheer den Aufstand zu beendigen und Georg wird von rebellischen Bauern getötet. Berlichingen selber, der noch nichts vom Unglück seines Reiterknechten weiss, wird in einem Kampf von Weislingens Leuten verwundet und, trotz Flucht in ein Zigeunerlager, verhaftet. Währenddem überbringt Franz Adelheid einen Brief ihres Ehegatten, worin er ihr befiehlt, sofort Bamberg zu verlassen und sich auf sein Schloss zu begeben. Sie ist jedoch derart erbost darüber, dass sie Franz, mit dem sie sich zwischenzeitlich vergnügt hatte, zum Giftmord an Weislingen überredet. Berlichingen sitzt mittlerweile in Heilbronn im Gefängnis. Über sein Schicksal wird Weislingen bestimmen, der zum Richter über ihn ernannt worden ist. Maria bittet Weislingen, der bereits unter dem Einfluss des Gifts leidet, ihren Bruder zu begnadigen, worauf Weislingen das Todesurteil zerreisst. Franz muss mit ansehen, wie sein Herr leidet. Unter diesen Umständen gesteht er alles, auch dass er von Adelheid angestiftet worden ist. Franz kann mit dieser Last nicht leben und wählt den Freitod. Adelheid wird zum Tode verurteilt und auch Berlichingen weiss, dass er bald sterben wird. Die Mitteilung seiner Begnadigung und der Tod Weislingens ändern nichts daran. Im Sterben noch verkündet Götz den Anbruch einer schlimmen Zeit, in der"die Nichtswürdigen mit List regieren werden und der Edle in ihre Netze fallen wird". Mit den Worten"Freiheit! Freiheit!"stirbt er.

3. Historische Hintergründe

Goethe hat sein Drama in eine bewegte Zeit hineinversetzt, wie es auch seine eigene war. Die Kräfte, die einen Götz von Berlichingen besiegten, waren auch zu Goethes Zeit noch spürbar wirkend. Sie unterdrückten und fesselten den jugendlichen Tatendrang, der einem Lebensgefühl entsprang, das Persönlichkeit formen wollte und tief dem Gefühl des Heranwachsenden entsprang.

GÖTZ VON BERLICHINGEN

Der wirkliche Götz von Berlichingen lebte an der Schwelle zur Renaissance, am spürbaren Ende eines tugendhaften Rittertums, das seine wahren Ursprünge vergessen und als Stand in der Gesellschaft ihren Platz verloren hatte. Entdeckungen, technische Fortschritte und damit einhergehende zunehmende Verstädterung taten das Ihrige, Ritter ihrer Funktion zu entledigen und als Relikte einer dunklen Vergangenheit in Vergessenheit geraten zu lassen.

Eine neue Zeit, ein neues Denken, schien sich am Horizont abzuzeichnen, durchdrungen von Zweifeln und Ungläubigkeit in eine verweltlichte päpstliche Kirche und die adeligen Stände. ENTSTEHUNG DES WERKS Goethe war im August des Jahres 1749 geboren worden, kurz nach dem Ende des 30-jährigen Krieges. (Zwölf Jahre später sollte Louis XIV. in Frankreich an die Macht kommen.) Deutschland, insbesondere Adel und höhere bürgerliche Kreise, pflegte im ausgehenden 18. Jahrhundert einen absolutistisch geprägten Stil, der stark vom französischen Hof beeinflusst war. Die Aufklärung mit ihrer rationalistischen Welt- und Glaubensauffassung bestimmte die Kunst, insbesondere Literatur und Theater, nachhaltig. Das Wiederaufgreifen klassischer Ideale und die Forderung nach einem moralischen und belehrenden Zweck gipfelte in klaren Regeln der Form. In dieser Zeit, 1771, begann Goethe als 22-jähriger auf Drängen seiner Schwester die Niederschrift eines Dramas, das schon seit geraumer Zeit sein Denken und Fühlen beschäftigte. Anstoss und Grundlage waren ihm die erst 1731 erschienenen ,,Aufzeichnungen des Herrn Götzens von Berlichingen", eine Lebensbeschreibung. In nur sechs Wochen hatte Goethe den ,,Urgötz" fertiggestellt und 1773 entstand unter dem Einfluss Herders eine zweite, umgearbeitete Fassung, die zum Druck gelangte. Form und Ausdruck des Schauspiels entsprachen jedoch exaktnichtden Mustern gewohnter Kunst. Goethe missachtete die Regeln, denen konventionelles Schreiben untertan war. Als Stürmer und Dränger setzte er das Gefühl über die Vernunft und,,[...] forderte mit Blick auf Shakespeare die lebendige vielfältige Wirklichkeit und die Darstellung des Konflikts zwischen Individuum und Gesellschaft."1Götz wurde vor allem von der jüngeren Generation begeistert gefeiert. Das Schauspiel spiegelte ihren eigenen Konflikt mit den politischen und sozialen Umständen wider und gab ihm Gestalt in dem Urdeutschen Götz von Berlichingen. STURM UND DRANG Die Bewegung Sturm und Drang ist als Gegenbewegung zur aufklärerischen Literatur zu betrachten. Der Zeitabschnitt von 1770 bis 1789 war geprägt vom gesteigerten Selbstbewusstsein des Bürgertums, dem auch dichterische Tätigkeit nicht mehr vorenthalten blieb. Die Literatur gelangte immer mehr an die Öffentlichkeit, Gedankengut aus der Aufklärung wurde verbreitet und ein kritisches Bewusstsein entwickelte sich. Dies bildete den Nährboden für junge Literaten. Aufbruchstimmung herrschte. Die neue Generation war entschlossen, wegzukommen von der klassischen Poetik, wie sie bis anhin betrieben wurde.

In der Zeit des Sturm und Drang wurde das Drama als literarische Form bevorzugt. Goethe meinte sogar, es herrsche "die Lust alles zu dramatisieren".

4. Form

Goethes ,,Götz von Berlichingen" liegt die klassische Form des Dramas zugrunde. Diese wird aber nicht in aller Strenge eingehalten. Im Gegensatz zur geschlossenen (klassischen) Form handelt es sich hier um sogenannt offenes Drama. William Shakespeare (1564-1616) ist der Vater dieser Variation. Sie wurde durch englische Schauspielergruppen nach Mitteleuropa gebracht, wo sie die Sturm und Drang-Dramaturgie mitprägte. Das Stück ,,Götz von Berlichingen" hält sich nicht an die Einheit von Zeit, Ort und Handlung. An deren Stelle,,[...] treten die innergesetzlichen Gefühlswerte der Personen und Handelnden, die gemäss den Sprüngen ihrer Launen und Leidenschaften handeln.2"Um dem gerecht zu werden macht Goethe grosse (räumliche und zeitliche) Sprünge, die das Spiel nahezu unaufführbar machen. So wechselt der Ort des Geschehens im ersten Akt fünfmal (wovon Jaxthausen zweimal vorkommt), im zweiten Akt sind es deren bereits zehn. (Dritter Akt: 22, Vierter Akt: 5, Fünfter Akt: 14) Die kürzeste vieler kurzen Szenen spielt im Dritten Akt im Lager und ist gerade fünf Zeilen lang.

Auch die Aussage der Handlung wendet sich gegen die von den Aufklärern vertretene Auffassung, erzieherisch zu sein. Goethes Stück bewegt sich in einem immerwährenden Seins-Zustand, aus dem keine expliziten Lehren gezogen werden können. Die Geschichte folgt dem Lauf der Dinge, wie auch die Personen ihrem innersten Wesen gemäss handeln, ja handeln müssen. Es ist der Versuch einer Naturbeschreibung, dessen Moral am Ende nicht verallgemeinernd und belehrend, sondern als schicksalshaft und individuell zu bezeichnen ist.

Sprachlich passt sich Goethe den einzelnen Spielern an, die so sprechen, wie es ihrem Umfeld entspricht. Die höfische Welt benutzt eine ausgeklügelte und aufgesetzte Sprache wohingegen die Götz'sche Seite sich vieler volkstümlicher Ausdrücke bedient.

5. Personen

Goethes Schauspiel ist bevölkert von einer Vielfalt von Personen und Persönlichkeiten. Vielen lässt sich ein direktes Gegenüber zuordnen. Ausserhalb der eigentlichen Handlung setzen sie sich in eine Beziehung zueinander, die das Thema des Dramas im Kleinen wieder aufgreift. Es werden einander Weltbilder, Haltungen und Ich-Zustände gegenübergestellt, die zwei verschiedenen Zeitströmungen entspringen, die eine Epochenwende charakterisieren. GÖTZ VON BERLICHINGEN UND WEISLINGEN

Götz von Berlichingen verkörpert den freien Reichsritterstand unter dem Kaiser. Ihm gegenüber steht die höfische Welt des Bischofs, der Weislingen angehört.

Götz' Welt wird einheitlich, edelhaft und brüderlich beschrieben. Der Wille dieses Mannes kommt von Innen (vom Herzen) und seine Taten sind daher direkt, gradlinig und ohne falsche Hintergedanken. Sie kommen aus einem Glauben, der über dem einzelnen Menschen steht. Dieser Glaube ist es auch, der den Boden bildet für die soziale Fügung der Götz'schen Gesellschaftsordnung. Berlichingen sagt geradeheraus was er fühlt und denkt, wie auf der andern Seite seine Gutgläubigkeit seinesgleichen sucht. Er ist ein Freiheitsmensch im urtümlichen Sinne: Frei nach dem Willen Gottes. Diese Freiheit jedoch, Herr seiner Handlungen zu sein, verliert Götz Stück für Stück. (,,Sie haben mich nach und nach verstümmelt, meine Hand, meine Freiheit, Güter und guten Namen."3)

Nichtsdestotrotz aber ist Götz ein Raubritter, der Kaufleute überfällt und beraubt. Sein Edelmut kommt manchmal mehr in Wort als in Tat zum Ausdruck. Er ist kein Ritter wie Parcival, der ein Leben damit verbrachte, den Gral zu suchen (und zu finden), viel eher Wilhelm Tell4, der, ebenso freiheitsliebend, nicht anders konnte, als den einengenden Mächten des Vogtes seinen ungestümen Willen entgegenzustemmen. Berlichingen, im Gegensatz, geht daran zugrunde, wie gewisse Tiere sterben, wenn sie der Freiheit beraubt und in Käfige gesteckt werden.

Die andere, höfische Seite, zu deren Spielball Weislingen wird, scheint voller Falsch. Sie wird regiert vom Egoismus der Menschen, der sich auslebt in intellektuellem Wortgeplänkel oder äusserlichem ,,sich selbst gefallen". Der eigene Vorteil wird vornan gestellt und bestimmt das Handeln der einzelnen Figuren, sofern sie tatsächlich selbst handeln und nicht - wie in Weislingens Fall - ,,gehandelt werden". Verführung und Hinterlist ist hier Ausdruck der ,,Tat" und nicht etwa offener Kampf, Mann gegen Mann, wie Götz es vorzöge. Weislingen ist ein schwacher Mensch, nicht zuletzt durch seine Abhängigkeit von Adelheid. Beim Leser weckt er Mitleid durch die Rolle des Verführten mit dem guten Kern. Ein Zitat aus dem fünften Akt belegt sehr gut Weislingens hin- und hergerissene Verfassung. Auf dem Totenbett sagt er:

,,Wir Menschen führen uns nicht selbst; bösen Geistern ist die Machtüber uns gelassen, dass sie ihren höllischen Mutwillen an unserm Verderbenüben."5

ADELHEID UND MARIA

Im Mittelpunkt des höfischen Schauplatzes steht die verführerische Adelheid, die ihre Sinnlichkeit und Klugheit geschickt zu nutzen weiss, um Ziele zu erreichen. Letztere werden nicht konkret benannt. Vielmehr handelt es sich um das Spiel der Macht an sich, das kein Ende kennt und dem unersättlich nach immer mehr gelüstet. Deshalb vertritt Adelheid keine bestimmte Gesinnung, die ihrer Persönlichkeit, ihrem Ich entspränge. Dieses geht ganz in dem Streben nach Macht auf, so dass man von einem ,,Menschen Adelheid" kaum sprechen kann.

Sie ist umhüllt von einer dunklen Aura der Erotik, der schwer zu widerstehen ist. Weislingen und Franz verfallen ihr beide. Auch auf den Leser übt Adelheid eine unbestimmte, durch ihre ,,Unmenschlichkeit" fast dämonische Anziehungskraft aus. Sie lässt sich durchaus mit der biblischen Schlange, der Verführerin, vergleichen. Wie Götz aus dem Herzen handelt, handelt Adelheid mit dem Kopf. Das Schachspiel, in dem sie in ihrem ersten Auftritt den Bischof besiegt, ist bezeichnend für die Rolle, die sie in dem Stück einnimmt. Mit ihren Attributen stellt sie aber auch eine moderne Frau im heutigen Sinne dar: Selbständig, klug und unabhängig. Sie nimmt ihr Geschick in die eigenen Hände und gibt sich nicht zufrieden mit der ihr zugewiesenen Rolle.

Ihr indirekter Gegenpart ist die treue Maria, der sie Weislingen entreisst. Maria lebt ein Leben in Frömmigkeit und Liebe, obwohl sie den Klostermauern entsagt hatte. Menschliches Handeln zu verurteilen ist ihr nicht gegeben, obwohl das kriegerische Tun ihres Bruders Götz ihr weit entfernt ist. Maria ist es, die Weislingen in den Tod geleitet, für ihn betet und ihm verzeiht. Gerade in ihrer Selbstlosigkeit bildet sie den Gegensatz zu Adelheid: In der Hingegebenheit, die beiden Frauen gemein ist, die eine jedoch Gott zugewandt, die andere sich verlierend in ihren Wünschen. Die eine frei, die andere gefangen. Beide tragen sie religiöse Aspekte in sich, die sie erheben über die ansonst lebendigen und überaus menschlichen Protagonisten des Spiels.

FRANZ UND GEORG

Franz und Georg sind beides Kinder ihrer Umgebung. Ihr Leben und Schicksal ist daher auch logisch aus dem Wirken ,,ihrer Männer" heraus. Georg, vom Wunsch beseelt, in einer Rüstung hoch zu Ross seinen Mann zu stehen, findet den heldenhaften Tod auf dem Schlachtfeld, jedoch unter missverstandenen Umständen. Franz verrät und vergiftet Weislingen, dem sein eigenes Sein sich auf diese Art nun gegen ihn richtet. Der Knabe lebt im Zwiespalt seines Herrn, gegen sein eigenes Ich handeln zu müssen und nicht anders zu können. Dies führt ihn auch zum Suizid.

6. Schlusswort

Goethes ,,Götz von Berlichingen" muss in erster Linie aus dem historischen Kontext heraus verstanden werden. Die Polaritäten, die dem Stück die Bewegung verleihen, darin das Wesen des Götz als Symbol für eine untergehende Epoche, spiegeln den Blick des jungen Schriftstellers auf seine Welt wider.

Dennoch hat Goethe ein zeitloses Thema aufgegriffen, wie auch das Gefühl von Sturm und Drang in jedem Menschen einmal Anklang findet. ,,Götz" ist aber nicht nur ein Thema jugendlichen Dilemmas. Die Problematik, in einer Zeit, einer Umgebung, zu leben, die andere Werte und Inhalte besitzt, lässt sich auch in der heutigen Zeit auf verschiedenste Gruppen und Einzelmenschen anwenden: Ausländerproblematik beispielsweise, Drogensucht oder die Vereinsamung alter Leute, um nur einige zu nennen. Und nicht alle sterben mit den Worten ,,Freiheit! Freiheit!"auf den Lippen, vielmehr muss man sich die Frage stellen, ob nicht ein grosser Teil der sozialen Problematik auf dem ,,Götz-Syndrom"6beruht, Gewalt oder Einkapselung als Ausdruck von Persönlichkeiten anzusehen sind, die sich nicht entfalten können, vielmehr immer wieder an Grenzen von Sitte und Unverständnis stossen.

Die Geschichte des Götz lebt in starken Polaritäten, wie dies die Gegenüberstellung einiger Persönlichkeiten verdeutlichte. Nebst dem Begriffspaar Freiheit/Unfreiheit nimmt der Gegensatz von Denken und Fühlen einen wichtigen Platz ein. Recht anschaulich zeigt sich dies in den Rechtsvorstellungen der beiden Parteien ,,Hof" und ,,Rittertum". Diejenige von Götz beruht auf Erfahrung und eigenem, aber geübtem, Empfinden. In Achtung vor Mensch und Natur schafft sie Gesetz aus sich selber heraus, wohingegen dasjenige der höfischen Welt auf klassischen Vorbildern beruht und die Verantwortlichkeit des Menschen (Richter) im Entscheidungsprozess zurücknimmt, indem es ihm Generationen von Gerichtssprüchen als Grundlage liefert. Unsere heutige Rechtsprechung ist ein Kind dieser Entwicklung. Folge davon ist Gesetzesbefolgung, die nicht immer innerem Verständnis heraus kommt, sondern gegeben ist durch Paragraphen. Die Verantwortung, die Götz für sein Tun übernimmt, sind wir längstens nicht mehr gewillt zu tragen.

Istdiesendlich Götz' Freiheit,Verantwortungzu übernehmen? So kann das Stück durchaus Fragen aufwerfen, die in unsere Zeit hineinreichen. Goethe jedoch beantwortet sie weder in seiner, noch in unserer Zeit, was wohl durchaus beabsichtigt war. Vielmehr hat man den Eindruck, seine Rolle als Autor beschränke sich lediglich auf den Fokus. Seine Figuren agieren in derart lebendiger und eigenständiger Form, als seien sie es, die die Geschichte vorwärts treibten und gestalteten. So bietet auch der Schluss keine Lösung, im Gegenteil, die Naturkraft des Götz unterliegt und im Sterben gibt er sich geschlagen, nicht von den Menschen, sondern der anbrechenden Zeit:,,Wen Gott niederschlägt, der richtet sich selbst nicht auf. Ich weiss am besten, was auf meinen Schultern liegt. Unglück bin ich gewohnt zu dulden. Und jetzt ist's nicht Weislingen allein, nicht die Bauern allein, nicht der Tod des Kaisers und meine Wunden - es ist alles zusammen. Meine Stunde ist kommen. Ich hoffte, sie sollte sein wie mein Leben. S e i n Wille geschehe!"7

7. Literaturverzeichnis

_ Brinckschulte, Eva. Götz von Berlichingen. 7. Auflage. Hollfeld: C. Bange Verlag 1997 _ Friedenthal, Richard. Goethe Sein Leben und seine Zeit. Vom Autor für den deutschen Bücherbund besorgte illustrierte Sonerausgabe. München: R. Piper & Co. _ Grosse, Wilhelm. Götz von Berlichingen. 1. Auflage. München: Oldenbourg 1993 _ Hoffmann, Friedrich G.; Rösch, Herbert u.a. Grundlagen Stile Gestalten der deutschen Literatur. Neue Ausgabe. Berlin: Cornelsen Verlag 1996.

_ van Rinsum, Annemarie und Wolfgang. Dichtung und Deutung. 12. Auflage. München: Bayerischer Schulbuch-Verlag 1992.

[...]


1 Hoffmann/Rösch, S.168f

2 Brinckschulte, S.85

3 Fünfter Akt, 12.Szene

4 Schillers Tell

5 (fünfter Akt, 9.Szene)

6 Begriffsgebung durch die Autoren

7 Fünfter Akt, 11.Szene

10 von 10 Seiten

Details

Titel
Goethe, Johann Wolfgang von - Götz von Berlichingen
Autor
Jahr
2000
Seiten
10
Katalognummer
V100121
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goethe, Johann, Wolfgang, Götz, Berlichingen
Arbeit zitieren
Adi; Sturzenegger Zogg (Autor), 2000, Goethe, Johann Wolfgang von - Götz von Berlichingen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100121

Kommentare

  • Gast am 25.3.2001

    Einfach genial.

    Eifach genial !!!

  • Gast am 3.5.2001

    götz.

    wirklich toll

  • Gast am 17.5.2001

    götzi.

    wow, sogar mit Bild!

  • Gast am 21.10.2001

    Oberaffenmega......geil.

    and the Oscar goes to you

  • Gast am 13.11.2001

    jasmin aus der 9c hast du gerettet.

    was soll ich sagen??

    ich meine die Zusammenfassung ist einfach genial!! obwohl ich das buch nicht gelesen hab konnte ich etwas in der deutschstunde sagen!!
    ich werde das nur weiterempfehlen!!

    grüß
    jasmin tiganj

  • Gast am 13.12.2001

    Ausgezeichnet.

    Ausgezeichnet!!!!
    verständlich und nicht zu kurz. die wichtigsten inhaltlichen fakten wurden gut zusammengefaßt. bin sehr erfreut.
    doch etwas muss ich doch noch bemängeln, die 5 akten bzw. die szenen hätte man detailierter beschreiben können. die indirekten charakterisierungen(dialoge) sind wichtig fürs text verständnis, besonders die monologe beinhalten indirkte charakterisierungen, die schon erwähnenste wert sind.

    Fazit: eine gute zusammenfassung mit gut vertändlichen texten. macht weiter so, Ciao, ugur.

  • Gast am 1.5.2002

    Goethe,Johann Wolfgang von : Götz von Berlichingen.

    Sehr klar und übersichtlich gegliedert ,
    gut verständlich.
    Kurz und prägnant , aufs wesentliche reduziert , auch die Inhaltsangabe und die Beschreibung der Charaktere .
    Kleine Ungenauigkeit : Goethe ist im Jahr 1749 geboren , das ist aber nicht " kurz nach dem Ende des 30-jährigen Krieges" ( der war 1648 zu Ende )

  • Gast am 3.5.2002

    es zoggt !.

    ... den zogg fand ich schon immer voll cool ...

  • Gast am 8.3.2007

    großes Lob .

    Ich bin schon zimlich begeistert von dieser Darstellung, doch fehlt mir die konkrete Kritik der damaligen Zeit, der Menschen, die dieses Drama lasen.

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