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Menschenwürde und Behinderung. Begriffsdefinition und historische Entwicklung

Title: Menschenwürde und Behinderung. Begriffsdefinition und historische Entwicklung

Term Paper , 2013 , 12 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sa Schmidt (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Die Arbeit betrachtet die Menschenwürde aus verschiedenen Perspektiven – vom grundlegenden Verständnis des Begriffs im historischen Verlauf über den Blick auf unsere Menschenrechte sowie die immer präsenter werdende 'Inklusion' hin zu einer pädagogischen Sicht. Abschließend folgt ein Fazit der Autorin.

Unser heutiges Verständnis von Menschenwürde begründet sich auf das "Lebensrecht" als Grundrecht: der Staat müsse für den Schutz menschlichen Lebens Sorge tragen. Allerdings wird dies in bestimmten Fällen infrage gestellt, vor allem bei einer utilitaristischen Argumentation. Hieran lässt sich also sehr gut erkennen, dass Werte und Wertmaßstäbe wesentlich von der jeweiligen Gesellschaft abhängig sind, was wiederum Auswirkungen auf das Verständnis der Menschenwürde hat. Laut Antor und Bleidick (1995) besitzt der Begriff der Menschenwürde eine Schutzfunktion für individuelles Leben gegenüber externen Eingriffsversuchen in dessen Selbstbestimmung.

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Inhaltsverzeichnis

1. Menschenwürde – Begriff im Wandel der Zeit

2. Menschenwürde im Hinblick auf Menschenrechte und Inklusion

3. Pädagogische Betrachtungsweise

4. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen und gesellschaftlichen Wandel des Begriffs der Menschenwürde, insbesondere in Bezug auf Menschen mit Behinderung, und analysiert kritisch die Auswirkungen ökonomischer Utilitarismus-Konzepte auf aktuelle inklusive Bestrebungen und heilpädagogische Prinzipien.

  • Historische Entwicklung des Menschenwürde-Verständnisses in Deutschland.
  • Die Spannung zwischen individuellen Menschenrechten und utilitaristischer Zweckrationalität.
  • Kritische Analyse der "genischen Argumentation" und der modernen positiven Eugenik.
  • Bedeutung der Inklusion und des Rechts auf individuelle Förderung in der Heilpädagogik.
  • Ethische Reflexion über das Selbstverständnis von Menschen mit Behinderung im Kontext der Gesellschaft.

Auszug aus dem Buch

Pädagogische Betrachtungsweise

Die pädagogische Betrachtungsweise heute entspricht eher dem Satz "Der Mensch wird behindert". Das heißt, der Mensch mit Behinderung wird durch die äußeren Umstände und Rahmenbedingungen eingeschränkt, nicht durch seine körperlichen Voraussetzungen. Ein Rollstuhlfahrer ist demnach nicht behindert, weil beispielsweise seine Beine gelähmt sind. Vielmehr wird er durch eine Treppe oder einen Bordstein daran gehindert, seine Autonomie zu wahren. Eine Rampe dagegen wäre zum Beispiel eine adäquate Lösung, die Umwelt entsprechend zu gestalten und ihm zu ermöglichen, das Hindernis ohne fremde Hilfe zu überwinden. Nach diesem Ansatz bildet die Menschenwürde die Grundlage für ein „Lebensrecht“, welches gleichermaßen noch ein Recht auf Förderung und insbesondere auch Bildung impliziert (vgl. Antor und Bleidick 1995).

Schlussendliches Erziehungsziel der Pädagogik im Allgemeinen ist die Autonomie des Individuums sowie die Zugehörigkeit zu einer gemeinsamen Kultur. In diesem Sinne gehört zur Heilpädagogik insbesondere eine "alle individuellen Unterschiede überbrückende Lebens- und Weltgestaltung" (zit. Speck 1995, S. 126). Conradi spricht in diesem Zusammenhang von der "Care-Ethik" oder auch "angewandten Ethik". Selbstbestimmung sei nur in gegenseitiger Achtung möglich (vgl. Conradi 2001) und folglich müsse man, um verantwortungsvoll zu handeln, Solidarität mit den Schwachen haben (vgl. Antor und Bleidick 2000). Oder in anderen Worten ist Menschenwürde "unaufhebbar eingebunden in die Verpflichtung der Anderen, diesen Wert zu achten, und das heißt alles zu tun, um dieses Leben in Würde leben zu lassen" (zit. Speck 2003, S. 126). Speck orientiert sich bei seiner Aussage am Philosophen Immanuel Kant, laut welchem das einzelne Leben nur auf gemeinsam gelingendes Leben, sprich auf die Gemeinschaft, angelegt sei. Menschliches Leben sei also stets mit Abhängigkeit von anderen verbunden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Menschenwürde – Begriff im Wandel der Zeit: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des Menschenwürde-Begriffs nach, von einer rein passiven Lebensrecht-Auffassung bis hin zu den verfassungsrechtlichen Verankerungen und deren Missbrauch im Nationalsozialismus.

2. Menschenwürde im Hinblick auf Menschenrechte und Inklusion: Hier wird der problematische Umgang mit Menschen mit Behinderung in der DDR sowie der Einfluss ökonomischer Nützlichkeitserwägungen auf die gesellschaftliche Exklusion analysiert.

3. Pädagogische Betrachtungsweise: Das Kapitel thematisiert den Wandel von einer defizitorientierten Verwahrung hin zu einem Verständnis, das Inklusion durch die Beseitigung äußerer Barrieren und individuelle Förderung in den Fokus rückt.

4. Fazit: Das Fazit fasst den Übergang von negativer zu positiver Eugenik zusammen und warnt vor einer neuen Behindertenfeindlichkeit, die unter dem Deckmantel der Leidminimierung die soziale Teilhabe gefährdet.

Schlüsselwörter

Menschenwürde, Inklusion, Behinderung, Heilpädagogik, Lebensrecht, Utilitarismus, positive Eugenik, genetischer Determinismus, ethische Orientierung, soziale Teilhabe, Menschenrechte, Autonomie, Wertewandel, ADHS, Selbstbestimmung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das sich wandelnde Verständnis von Menschenwürde und dessen spezifische Auswirkungen auf die gesellschaftliche Stellung und Förderung von Menschen mit Behinderung im historischen Verlauf.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die ethische Debatte um das "Lebensrecht", die Auswirkungen utilitaristischer Wirtschaftsmodelle auf soziale Strukturen und die heilpädagogische Perspektive auf Inklusion.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Wertmaßstäbe die Würde behinderter Menschen beeinflussen und warum eine Abkehr von rein ökonomischen Nutzenbewertungen für eine gelingende Inklusion essenziell ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und einer kritischen Auseinandersetzung mit historisch-pädagogischen Quellen sowie bioethischen Diskursen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden der Wandel der Menschenwürde von Weimar über den Nationalsozialismus bis zur DDR und heute sowie die pädagogischen Konsequenzen für die Arbeit mit Menschen mit Behinderung detailliert ausgeführt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Menschenwürde, Inklusion, Lebenswert, Utilitarismus und Eugenik charakterisiert.

Wie bewertet der Text die moderne "genische Argumentation"?

Der Text sieht darin eine Gefahr, da die Verantwortung für Verhaltensweisen einseitig auf die Gene übertragen wird, was zu einer "Züchtung" führen könnte und das pädagogische Prinzip der persönlichen Freiheit schwächt.

Welche Rolle spielt der Dokumentarfilm von Ernst Klee im Argumentationsgang?

Der Film dient als exemplarisches Beweisstück für die menschenverachtende Praxis der "Verwahrpsychiatrie", um aufzuzeigen, wie weit die Realität in Anstalten vom theoretischen Ideal der Menschenwürde abwich.

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Details

Title
Menschenwürde und Behinderung. Begriffsdefinition und historische Entwicklung
College
University of Koblenz-Landau
Grade
1,3
Author
Sa Schmidt (Author)
Publication Year
2013
Pages
12
Catalog Number
V1001307
ISBN (eBook)
9783346376756
ISBN (Book)
9783346376763
Language
German
Tags
menschenwürde behinderung begriffsdefinition entwicklung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sa Schmidt (Author), 2013, Menschenwürde und Behinderung. Begriffsdefinition und historische Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1001307
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