Hypertextuelle Lernumgebungen im Deutschunterricht


Ausarbeitung, 2001

6 Seiten, Note: 1,5


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Autor: Saskia Kistner

HYPERTEXTUELLE LERNUMGEBUNGEN IM DEUTSCHUNTERRICHT

- THEORIE

Allgemeines:

- letzte Neuentwicklung im Bereich der Lern- und Übungssoftware
- traditionelle Medien (Buch, Film,...) produzieren Sprache in der Regel linear und ordnen Informationen sequentiell an (Buchkapitel, aufeinanderfolgende Handlungen)
- teilweise Aufhebung der Linearität, z.B. Stationendrama (Woyzeck)
- in Nachschlagewerken gibt es zwar Querverweise, Register usw., aber dies bereitet Lesern Unannehmlichkeiten (hin und her blättern,...)
- weitere Nachteile: in Büchern können Informationen schlecht aktualisiert werden, Leser sollte keine Hervorhebungen einzeichnen, eingelegte Zettel verschwinden,...
- moderne Hypertextidee basiert auf psychologischen Annahmen, Gedächtnis sollte unterstützt werden
- Idee, mit Hilfe eines technischen Systems entlinearisierte Textwelten zu konstruieren
- Begriffe ,,Hypertext" + ,,Hypermedia" gehen zurück auf Ted Nelson (Sozialwissenschaftler), entwickelte in 60ern computerbasiertes Wissens- und Informationssystem: XANADU
- wichtigste Idee: Verbindungen zwischen Informationen herstellen -> ,,Link"
- Projekt wurde nach 30 Jahren aus technischen und wirtschaftlichen Gründen eingestellt
- 80er und 90er: Hypertextsysteme wurden auch auf Personalcomputern implementiert
- heute: Hypertextsysteme für alle Plattformen, universales Ordnungsprinzip für Infos aller Art (auch Abenteuerbücher, bei denen Kinder zwischen versch. Fortsetzungssträngen der Handlung wählen können = entlinearisierter Hypertext, Videotext)
- jeder Computerbesitzer benutz bewusst oder unbewusst Hypertexte: Online-Hilfen und -Handbücher, Lexika-CD-ROMs
- besonders Internet nutzt Hypertexte um Datenbestände miteinander zu vernetzen

- Hypertexte sind allgegenwärtiges Phänomen

- ,,Hyperkultur" des ausgehenden 20.Jh.

Konzept:

Def. von Kuhlen: ,,Hypertext ist von der Grundkonzeption her eine nicht-lineare Form der Darstellung bzw. Aneignung von Wissen oder allgemeiner: eine nicht-lineare Form, während ein Buch nach herrschender Meinung eine lineare Form ist."

Grafik zur Verdeutlichung:

- ein im Text hervorgehobenes Stichwort (,,keyword", ,,hotword", ,,Hyperlink") kann mit Maus aktiviert werden und führt zu zweitem Dokument (bei Grafik zu Auswahlfeld)

- dort gibt es Verbindungen zu anderen Informationseinheiten, eine unendlich große menge von miteinander vernetzten Dokumenten (Grafik: grafische Darstellung von Nicht-Linearität)

- weitere Info zum Auswahlfeld: Kasten, der Ursprungstext teilw. überdeckt = eingebettete Anzeige,

neben Text = parallele Anzeige

neue Bildschirmseite = ersetzende Anzeige

- im Beispiel sind Auswahlfelder als ,,Check-Boxen" konstruiert, wenn man eines von ihnen anklickt, erscheint bei einem späteren Wiederaufruf der Seite in dem entsprechenden Kästchen ein Haken -> zeigt, dass Link schon einmal benutzt wurde

- es gibt nicht nur Textdokumente, die im Hyperraum miteinander vernetzt werden, theoret. und prakt. gibt es keinerlei Beschränkung dafür, welcher Art ein Text ist

- neben Text kommen auch Grafik, Bild, Photografie, Geräusch, Musik, gesprochene Sprache, Film, Animation und interaktive Simulation in Frage
- deshalb sprechen manche Autoren von ,,Hypermedia" statt ,,Hypertext"

- um Hypertexte für das WWW, den multimedialen Teil des Internet, zu verfassen, wird die Beschreibungssprache HTML (Hyper Text Markup Language) verwendet

- wenn der Hypertextautor dem Leser zugesteht, den Hypertext zu ändern, spricht man von ,,offenen" Hypertextsystemen, im umgekehrten Fall von ,,geschlossenen" Systemen

- doch es sind auch ,,Navigationshilfen" nötig, um dem Datenreisenden Orientierung zu verschaffen und das ,,lost-in-hyperspace"-Syndrom zu verhindern (Herumirren im

Datenbestand, da Hypertexte nur durch das Anklicken von Hyperlinks durchforstet werden könnten):

- Markierungsfunktion, die das Wiederauffinden best. Dokumente ermöglicht (,,elektronische Eselsohren")
- verschiedene Register zur gezielten Suche
- Volltextrecherche
- Rückführungssystem (,,backtrace"), wie Rückwärts- und Vorwärtsknopf (einfachste Art)
- Eine (grafische) Landkarte
- Option, eine ,,Guided Tour" mitzumachen (ein elektronischer Begleiter führt den Nutzer an die Plätze des Datenraumes, die der Programmautor für die interessantesten hält)

- auch wenn es sich um geschlossene Hypertextsysteme handelt, sollte außerdem die Möglichkeit bestehen, eigenständige Anmerkungen (Annotationen) zu einem Dokument vorzunehmen

- Exportfunktion auch wichtig: -> Ausdruck und Kopieren des Dokumentes in anderes Anwendungsprogramm

- nicht alle Hypertextprogramme haben alle dieser Hilfen, aber sollten möglichst viele davon haben um effektive Nutzung von Hypertext als Arbeitsmedium zuzulassen

Zusammenfassung der Vorteile:

- Wiedergabe komplexer Sachverhalte in einer nonlinearen Struktur durch den Autor
- Parallele Verwendung versch. Darstellungsmodi wie text, Bild und Ton (Multimedialität)
- Günstige Verwaltung großer Datenbestände
- Leichte Veränderbarkeit und Erweiterbarkeit
- Selbstbestimmter Umgang mit Informationen durch den Leser (oft als ,,Interaktivität" bezeichnet)
- Möglichkeit zur Auswahl des Darstellungsmodus
- Gelegenheit, so tief in Wissensgebiet einzudringen, wie es das Vorwissen erfordert (,,textstretching", ,,fisheye-zooming")
- Komfortable Informationsrecherche in großen Datenbeständen ohne spezielles Vorwissen, wenn Navigationswerkzeuge vorhanden sind
- Anlegen von Annotationen
- Assoziative Suche, die u.U. kreative Einfälle beim Benutzer fördert
- Browsing-Effekte: Suchender trifft auf Infos, an die er vorher nicht gedacht hat
- Serendipity-Effekt: ursprüngliches ziel der Suche wird aufgegeben zu Gunsten eines anderen, das lohnenswerter erscheint

Mängel und Einschränkungen:

- technische Voraussetzungen: leistungsfähiger Computer
- interaktive Bedienung verhindert Formen von kollektiver Rezeption (großes Präsenzpublikum nicht möglich)
- Texte dürfen nicht zu lang sein, da Texte über mehrere Bildschirmseiten nicht gelesen werden
- kurze Darstellungen können Schreibstil beeinflussen: z.B. Gefahr von Nominalstil und eingeschränkter Sprache
- Navigationswerkzeuge können ,,lost-in-hypertext"-Syndrom nur vorbeugen, nicht verhindern
- Hypertext-Systeme werden niemals zum Universalmedium avancieren

Hypertext und Lernen:

- der Lernende kann den Lernstoff gemäß seinem Vorwissen selektieren _ Frustration aufgrund Über- oder Unterforderung wird vermieden
- in Hypertextsystemen können mehrere Kontexte angeboten werden, was kognitive Flexibilität unterstützt
- im Zusammenhang von Hypertexten für schulische Zwecke spricht man von ,,Lernumgebung"
- Annahme, Hypertexte seinen besonders gut zur Darstellung fächerübergreifender Inhalte geeignet
- Es gibt noch viel mehr solcher Annahmen, allerdings lassen sich diese schon rein theoretisch als naive Analogieschlüsse entlarven

Widersprüchliche Forschungslage:

- unklar ist, ob Hypertextsysteme bessere Lernvoraussetzungen bieten als herkömmliche Medien und Methoden der Unterweisung
- allerdings konnte in den Untersuchungen festgestellt werden, dass die Benutzer gerne auf die ,,Guided Tour" gehen und somit die Freiheit zum selbstbestimmten Lernen nicht suchen
- man hat sich auf eine generalisierende, summative Fragestellung eingelassen
- folgende Übersicht zeigt bislang ermittelte bzw. postulierte Faktoren, deren Zusammenspiel vermutlich Erfolg oder Misserfolg von Lernen mit Hypertexten ausmacht: F O L I E
- Widersprüche gibt es auch bei Untersuchung der Einzelvariablen, da Verallgemeinerungen aufgrund der vielen Nebenfaktoren kaum möglich sind (hinter jeder Variablen stehen viele weitere Faktoren)

nicht weiter auf Folie eingehen, da Punkte für sich sprechen

- folgende Texte sind als Hypertexte geeignet:

- Texte, die leicht in einzelne Textblöcke zergliedert werden können, wie Lexika und Handbücher
- Texte, die klar definierbare Relationen zwischen den einzelnen Informationseinheiten aufweisen, wie Handbücher oder Enzyklopädien
- Texte, die eine Vielzahl an Metainformationen, wie Register, Abkürzungsauflösungen enthalten
- Texte mit weitgehend abgeschlossenen bzw. abgesicherten Wissensstrukturen
- Lerntexte, die aus didaktischen Gründen argumentativ klar aufgebaut und aus sich heraus verständlich sind

Unterricht: Aufbau einer Lernsequenz:

- Ausarbeitung präziser Arbeitsaufträge nötig

- Zwei Aufgabentypen: a) Programme als Materialbasis für Such- und Auswertungsaufträge

b) Herstellung oder Ergänzung eines Hypertextes

- Absprachen mit den jeweiligen Fachkollegen

- keine Arbeitsentlastung für Lehrer

- Schüler werden selbständiger und eigenverantwortlicher lernen ,

Lehrer sollen dabei Unterstützung leisten

Funktionen des Lehrers für das Arbeiten mit multimedialen Lernumgebungen:

- Initialisierung des Lerngeschehens

- Unterstützung des Schülers bei der Integration von neuen Konstrukten

- Lernberatung vor, während und nach dem Unterricht

- Bereitstellung von zusätzlichen Lernmaterialien, die weitere Orientierung ermöglichen

- Unterstützung der Schüler bei der Nutzung von Multimedia

- Punkte decken sich mit Konzepten für handlungsorientierten Unterricht ( wird durch Hypertext. Lernumg. unterstützt und nahe gelegt )

Fazit:

- man weiß noch sehr wenig über das Arbeiten in hypertextuellen Lernumgebungen

- Forschung sollte weiterhin die relevanten Faktoren und ihre

Zusammenhänge klären

- man weiß von einigen Faktoren und ihren Zusammenhängen, die Hypertexte zu einem effektiven Lernmedium machen

- Kritik an vorhandener Software und ihrem Einsatz wird möglich

- Ergebnisse geben Hinweise darauf, was bei der künftigen Produktentwicklung und Einsatzplanung zu beachten ist

- man weiß, dass die Faktoren und deren Zusammenhänge komplex sind. Das sollte generalisierende Fragen ausschließen und skeptisch gegenüber einfachen Antworten machen.

- Effizienz ist nur e i n didaktisches Argument

- Wichtiger ist eine Entscheidung darüber, ob man selbstbestimmtes Lernen gegenüber fremdbestimmter Instruktion befürworten will oder nicht.

- Votum muss ein pädagogisches Werturteil sein, das durch empirische Forschung nicht zu ersetzen ist

6 von 6 Seiten

Details

Titel
Hypertextuelle Lernumgebungen im Deutschunterricht
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Veranstaltung
Computer und Deutschunterricht
Note
1,5
Autor
Jahr
2001
Seiten
6
Katalognummer
V100145
Dateigröße
383 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hypertextuelle, Lernumgebungen, Deutschunterricht, Computer, Deutschunterricht
Arbeit zitieren
Saskia Kistner (Autor), 2001, Hypertextuelle Lernumgebungen im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100145

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