Medienverhalten von Kindern und die Integration der Medien in den Deutschunterricht


Hausarbeit, 2000

21 Seiten


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Medienverhalten von Kindern und die Integration der Medien in den Deutschunterricht

1. Einleitung

Die folgende Arbeit behandelt das Medienverhalten von Kindern und die Integration der Medien in den Deutschunterricht. Die Integration der Medien wird sich ausschließlich auf die des Fernsehens in den Unterricht beziehen, da die Thematik ein wenig eingegrenzt werden soll. Schwierig in seiner Erforschung und im Vergleich zu anderen Gebieten ist die Thematik in jedem Fall. Zum einen liegen sehr verschiedene Meinungen in Bezug auf die Auswirkung der Medien vor und zum anderen geben die empirischen Erhebungen kein eindeutiges Ergebnis. Könnte man jeden Vorgang, der in Individuen während der Rezeption von Medien abläuft feststellen und auf lange Sicht in seinen Auswirkungen verfolgen, so wäre die Forschung in vielen Wissensgebieten heute schon erheblich weiter. Aus diesen Gründen liegen verschiedene Untersuchungen vor, die sich teilweise für das Fernsehen aussprechen, aber auch andere Ergebnisse, die dem Fernsehen negative Auswirkungen zusprechen. In der folgenden Arbeit sollen die verschiedenen Ansätze diskutiert werden, wobei im letzten Abschnitt didaktische und methodische Aspekte im Vordergrund stehen sollen, welche sich in erster Linie mit der Integration des Mediums Fernsehen in den Deutschunterricht beschäftigen. Verschiedene Autoren sollen im ersten Teil der Arbeit gegenüber gestellt werden, um einen Einblick in die Vielfalt der derzeitigen Forschungsergebnisse zu geben. Für das Medium Fernsehen entschied ich mich, da es das meist genutzte Medium auf der Welt ist (siehe Kap. 3.1). Zunächst soll allerdings zu Beginn der Arbeit ein Überblick über die Fernsehgeschichte gegeben werden, um die Entwicklung des Fernsehens zu verdeutlichen. Des Weiteren sollen statistische Daten die Ausbreitung des Mediums belegen.

2. Die Entstehung des Fernsehens

Der nordwestdeutsche Rundfunk war die erste Rundfunkanstalt Deutschlands, die ein regelmäßiges Programm ausstrahlte, dessen Ausstrahlung 1952 begann. Zu diesem Zeitpunkt waren etwa 1000 Haushalte im Besitz eines Fernsehgeräts. 1955 waren bereits 100.000 Haushalte im Besitz eines Fernsehgeräts. Die Zahlen stiegen bis 1981 weiter an, so dass 1981 bereits 97% der Haushalte einen Fernseher besaß (vgl. Heidtmann 1992, S. 76). Die Entwicklung hatte auf die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft Einfluss genommen. Die Zahl der Kinobesucher und der Absatz von Büchern ging aufgrund der großen Beliebtheit des ,,neuen" Mediums zurück. Da vor allem Kinder großes Interesse am Fernsehen zeigten, entwickelten die Rundfunkanstalten ein kindgerechtes Programm. So kam es zur Entstehung des Kinderfernsehens.

2.1 Die Entstehung des Kinderfernsehens

In etwa 1000 Kinder konnten am 17.3.1953 die erste Kindersendung im deutschen Fernsehen verfolgen. Die Sendung trug den Titel ,,Fernseh Kinderfunk mit Dr. Ilse Obrig", wobei in erster Linie kindgerechte Themen als Inhalte der Sendung zu sehen waren (vgl. Heidtmann 1992, S.77). Darüber hinaus wurden komplette Bilderbücher verfilmt. Da im deutschen Fernsehen anfangs keine Werbung ausgestrahlt wurde, kamen viele amerikanische Actionserien ins Programm, da diese günstiger als Eigenproduktionen waren. Nachdem 1959 erstmalig Werbung ausgestrahlt wurde, waren die Sender von nun an in der Lage, eigene Serien zu produzieren (vgl. Heidtmann 1992, S.77). Serien wie ,,Funkstreife Isar 12" oder auch die amerikanischen Zeichentrickserien ,,Bugs Bunny" und ,,Roadrunner" erfreuten sich großer Beliebtheit. Inhaltlich beschäftigen sich diese Serien hauptsächlich mit Auseinandersetzungen zwischen einem vermeintlich Schwächeren und einem Stärkeren, wobei der Schwächere durch eine List die Oberhand behält. Die Darstellungen in den Serien wurden bald kritisiert, da sie ein zu hohes Gewaltpotential hatten. Obwohl nie eine Figur Schaden nahm, erwarteten Pädagogen das Nachahmen der gezeigten Gewaltszenen. Auch die unrealistischen Darstellungen in den Zeichentrickfilmen wurden häufig kritisiert.

In den folgenden Jahren entstanden immer mehr Kindersendungen, die als Magazine fungierten. Die ARD konzipierte sogar als Folge von bildungspolitischen Reformen Kleinkinderprogramme, die vor allem ausländischen Mitbürgern beim Erlernen der deutschen Sprache helfen sollten. Die Beiträge in den Magazinen waren kurz und bündig, so dass sie leicht zu rezipieren waren. Die Länge der Beiträge wurde allerdings kritisiert, da die Kinder zu wenig geschult werden, längere und kompliziertere Informationen zu verstehen bzw. zu behalten.

1971/72 kamen Unterhaltungsshows für Kinder in die Programme wie z.B. ,,Kinder dieser Welt", eine Mischung aus Musik, Spiel und Information. In den folgenden Jahren wurden dann verschiedene Kinderbücher in Coproduktion mit Schweden oder der Tschechoslowakei verfilmt. Bekannte Kinderbücher wie die von Astrid Lindgren dienten als Vorlage. Darüber hinaus wurden verschiedene Märchen und Ferienabenteuer verfilmt.

Als problematisch zu betrachten ist in dieser Zeit vor allem die politische Orientierung der Magazine, die verschiedene politische Standpunkte vertraten und auf diesem Wege Einfluss auf den Konsumenten ausübten. In den 80er Jahren kam es dann zu einer Entpolitisierung, da sich ein Trend zur Ausgewogenheit erkennen ließ.

In den folgenden Jahren stieg die Anzahl der Fernsehsender erheblich, was in erster Linie auf die privaten Anbieter zurückzuführen ist. Aufgrund dieser Tatsache erhöhte sich auch das Programmangebot für Kinder.

2.2 Kinderfernsehen und die aktuellen Trends

Um auf die aktuellen Trends hinweisen zu können, sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass 30% der heutigen Haushalte an das Kabelnetz angeschlossen sind (nach Auskunft des statistischen Bundesamts). Darüber hinaus sind noch sehr viele Haushalte über Satellitenantenne in der Lage, eine Vielzahl von Sendern zu empfangen. Dadurch ergibt sich quantitativ eine große Auswahl verfügbarer Kinderprogramme, welche rund um die Uhr konsumiert werden können.

In einer Statistik aus dem Jahre 1990 wird deutlich, dass intentionale Kinder und Jugendsendungen einen Anteil von 5-13% haben (vgl. Heidtmann 1992, S.71 ff.). Es muss allerdings zwischen den öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern unterschieden werden, denn die privaten Sender strahlen vornehmlich Trickfilme aus, wo hingegen das Programm der öffentlich-rechtlichen Sender variabler ist. Hier gibt es Jugendmagazine, Dokumentarfilme, Diskussionsrunden oder Sachfilme. Diese Sendungen sind allerdings bei weitem nicht so beliebt wie die Actionserien. Dies mag an der Tatsache liegen, dass Kinder mehr Wert auf Unterhaltung legen.

2.3 Programmangebote in den 90er Jahren

Das folgende Kapitel soll ein Überblick über die beliebtesten Zeichentrickund Actionserien geben, wobei diese Serien im Hinblick auf ihre Wirkung nicht weiter analysiert werden.

Tabelle 1: Zeichentrickserien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. Glogauer 1995, S.45 ff.)

Tabelle 2: Actionserien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. Glogauer 1995, S. 45 ff.)

Nun nachdem ein Überblick über die beliebtesten Serien gegeben wurde, sollen in den folgenden Kapiteln die Konsumdauer und die Wirkung der Programminhalte dargestellt und diskutiert werden.

3. Allgemeines Konsumverhalten

In diesem Zusammenhang ist zunächst zu klären, welche Medien die heutige Jugend überhaupt nutzt. Darüber hinaus muss deutlich werden, über welche Medien Kinder und Jugendliche verfügen, um Aufschluss über die Nutzungsmöglichkeiten zu geben. Des Weiteren soll an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass verschiedene Untersuchungen über das Konsumverhalten vorliegen, die sich besonders in Bezug auf das zeitliche Ausmaß der Nutzung unterscheiden.

3.1 Besitz von Fernsehgeräten

Bereits 1986 besitzen 98% der Erwachsenen Einwohner in der Bundesrepublik mindestens ein Fernsehgerät (vgl. Lukesch 1994, S.56). Demnach ist der Fernseher das weit verbreitetste Medium in Deutschland. 1997 verfügen bereits 96,5 % der Haushalte in den alten Bundesländern und zu 98,5% in den neuen Bundesländern über einen Farbfernseher (vgl. Statistisches Bundesamt 1999).

3.2 Konsumverhalten der Kinder

Zunächst ist bei der Betrachtung zu berücksichtigen, dass verschiedene Faktoren das Konsumverhalten nachhaltig beeinflussen. Wie bereits im Kapitel 3.1 erwähnt, ist die Zugänglichkeit des Mediums von Wichtigkeit. Allerdings ist anhand der genannten Zahlen erkennbar, dass dieser Faktor nur sehr wenig Aussagekraft hat. Aus diesem Grund scheint es wichtig andere Faktoren zu integrieren, um festzustellen welche externen Umstände den Konsum beeinflussen.

Lukesch beispielsweise untersuchte in einer Jugendmedienstudie das Nutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen. Er integriert in seinen Ausführungen folgende Aspekte, welche Einfluss auf die Häufigkeit oder Dauer der Nutzung des Mediums Fernsehen haben. Dabei unterscheidet er nach Bildung, Geschlecht, Wohnortgröße und Alter. Besonders viel Wert legte er in seinen Studien auf die Schulartzugehörigkeit, da er feststellen konnte, dass ein Hauptschüler deutlich mehr konsumiert als ein Gymnasiast (vgl. Lukesch 1994, S. 62-64). Des Weiteren haben seine Studien ergeben, dass Jungen durchschnittlich mehr fernsehen als Mädchen. 1994 waren das pro Woche drei Stunden. Was die Wohnortsituation betrifft, ist der Konsum in ländlichen Gebieten höher. Die Sehdauer der Kinder steigt bis zum 15. Lebensjahr an und fällt dann wieder etwas ab, was sicherlich auf die veränderten Freizeitaktivitäten der Kinder zurückzuführen ist, weil jetzt beispielsweise die ersten Discobesuche im Vordergrund stehen. Wenn man die Anzahl der Fernsehgeräte in den einzelnen Haushalten berücksichtigt, besteht für Kinder fast zu jeder Tageszeit die Möglichkeit fern zu sehen, denn bereits 1995 verfügt fast jeder Haushalt über mehrere Geräte (vgl. Glogauer 1995, S.12 ff.). Aufgrund dieser Tatsache geht Glogauer davon aus, dass die meisten Kinder alleine über die Wahl des Programms bestimmen und dieses auch allein konsumieren. Dies steht allerdings im Widerspruch zu Untersuchungen von Bettina Hurrelmann, die anhand empirischer Erhebungen im Zusammenhang mit dem Dortmunder Kabelprojekt zu der Erkenntnis gelangt, dass Fernsehen eine gemeinschaftliche Freizeitaktivität ist (vgl. Hurrelmann 1989, S.72). Sie geht vielmehr davon aus, dass das Fernsehen emotionale Nähe innerhalb der Familie bewirkt, da kein Mitglied der Familie isoliert wird.

Darüber hinaus ist Glogauer der Ansicht, dass in verkabelten Haushalten deutlich mehr fern gesehen wird, was sich nach Hurrelmann nicht beweisen lässt. Vielmehr ist auffällig, dass in sozial schwächer situierten Familien der Fernsehkonsum erheblich höher als in sozial stärkeren Familien ist (siehe Tabelle 4). Die Auswirkungen bzw. die Funktion dieses Phänomens soll im Kapitel. 4 erläutert werden. Der Fernsehkonsum ist stark abhängig vom Fernsehkonsum der Eltern, denn es ist offensichtlich, dass in sog. ,,Vielguckerfamilien" die Kinder bereits im Kleinkindalter deutlich mehr fernsehen. Aufgrund dieser verschiedenen ,,Nutzungstypen" scheint es sinnvoll, die verschiedenen Konsumenten voneinander zu unterscheiden. In der folgenden Tabelle sollen die unterschiedlichen Konsumenten differenziert aufgelistet werden, wobei die Gruppengrößen involviert werden sollen.

Tabelle 3: Fernsehkonsum bei den 6-8 Jährigen Kindern

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Glogauer 1993, S. 17)

Der Exzessivseher konsumiert bis zu 40 Stunden Fernsehen in der Woche, wonach er mehr Zeit vor dem Fernseher als in der Schule verbringt. Die Mehrzahl dieser Gruppe verfügt über einen eigenen Fernseher und nutzt das 24 stündige Programmangebot voll aus, da er häufig bereits vor der Schule fernsieht (vgl. Glogauer 1995, S.12 ff.). Gruppe der Vielseher ist die größte Gruppe, wobei diese bis zu 30 Stunden in der Woche vor dem Fernseher sitzen. Der bevorzugte Nutzungstag Kinder und Jugendlicher ist der Samstag (vgl. Lukesch 1994, S. 62-64). Gerade im Hinblick dieser Tatsache wird verdeutlicht, welche große Bedeutung das Fernsehen für Kinder und Jugendliche der heutigen Zeit hat, denn insbesondere der Samstag ermöglicht andere Freizeitaktivitäten.

Interessant ist auch das Phänomen der ,,Hintereinandergucker", die gleich mehrere Sendungen am Stück ansehen. Wie Lukesch bereits erforscht hat, gibt es Unterschiede in Bezug auf die Nutzungsdauer, wenn man die soziale Schicht bzw. den Bildungsstand der Eltern in die Überlegungen einbezieht. In der folgenden Tabelle wird belegt, inwiefern sich die Nutzungsdauer in den einzelnen Schichten verschiebt:

Tabelle 4: Durchschnittliche Fernsehdauer pro Tag in Untersuchungs- und Vergleichsgruppe in Minuten - unterteilt nach Schicht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Hurrelmann 1989, S.64)

Anhand der Tabelle wird deutlich, dass die Mehrzahl der Exzessivseher vermutlich aus der unteren Mittelschicht stammt, wobei gerade in dieser Schicht das Fernsehen eine große Bedeutung hat und ihm darüber hinaus eine andere Funktion zukommt. Der Aspekt der Funktion und der Wirkung des Fernsehens soll allerdings erst im Kapitel 4 näher erläutert werden. Die Gründe für den höheren Konsum in den unteren Schichten sind sehr vielfältig, denn man kann beispielsweise davon ausgehen, dass Menschen aus der Oberschicht weitaus höhere Ansprüche an das Fernsehen stellen und diese vom Fernsehen oft nicht als erfüllt betrachten. Außerdem sind in der Regel die kulturellen Ressourcen der oberen Schicht wesentlich größer, was wiederum zu einer Abwendung vom Fernsehen führt. ,,Die Ursachen für eine häufige Hinwendung zum Medium können auch an den Merkmalen Bildung, Alter, Freizeit sowie Lebensumfeld und Lebenseinschätzung festgemacht werden." (Kunkel 1998, S.52) Dieses Zitat kann man zusammenfassend als Ursache für das unterschiedliche Konsumverhalten betrachten, wobei hinzuzufügen ist, dass sicherlich das wichtigste Merkmal für den Konsum die Motivation des Rezipienten ist.

Wie bereits erwähnt vertritt Glogauer den Standpunkt, dass Kinder meist alleine fernsehen, was als negativ zu betrachten ist, da niemand zugegen ist, der die Geschehnisse im Fernsehen erläutert oder auf die mögliche Realitätsferne hinweist. Viele Kinder bedürfen demnach Erklärungen, um Sendungen richtig zu verstehen, welche aber ausbleiben, wenn die Kinder das Programm vornehmlich allein konsumieren. Diese These mag richtig sein, wenn man davon ausgeht, dass Kinder wirklich häufig alleine fernsehen und Sendungen konsumieren, die nicht für sie geeignet sind. Hurrelmann allerdings beweist in ihrer empirischen Untersuchung, dass nur 14% der Kinder alleine vor dem Fernseher sitzen, da Fernsehen eine gemeinsame Aktivität in der Familie ist (vgl. Hurrelmann 1989, S.73).

Nach Glogauer würde das für 14% der Kinder folgendes bedeuten: ,, Kinder haben nahezu uneingeschränkten erlebnismäßigen Anteil an allen Bereichen des Erwachsenenlebens, an alle Niedrigkeiten, Gemeinheiten, Oberflächlichkeiten, Gelüsten, Versprechen, von Machtbestreben und Intrigen bestimmten Handlungen, an psychischen Abnormitäten." (Glogauer 1993, S.26). Diese Sichtweise scheint etwas einseitig, denn es ist in diesem Zusammenhang nicht die Medienkompetenz der Eltern berücksichtigt, die den Kindern gewisse Sendungen untersagt. Des Weiteren ist nicht berücksichtigt, dass Kinder aufgrund ihrer psychischen Konstitution völlig verschieden mit gesehenen Inhalten umgehen. Wirkung und Folgen des Konsums sollen im nächsten Kapitel näher behandelt werden, wobei auch die Ansichten Glogauers näher dargestellt werden sollen, die dann relativiert werden sollen, um einen möglichst umfangreichen Einblick in die verschiedenen Studien geben zu können.

4.Wirkung und Folgen des Fernsehens

Wie bereits im vorherigen Kapitel beschrieben ist die Wirkung des Mediums genau wie das Konsumverhalten stark abhängig von verschiedenen externen Faktoren, die sich unterschiedlich auf den Konsumenten auswirken. Die Wirkung des Mediums ist daher grundsätzlich abhängig von der Familiensituation und kann aus diesem Grund nicht pauschalisiert werden, da jede Familie bzw. jeder Konsument ein Individuum darstellt (vgl. Hurrelmann 1989, S.20 ff.). Aus diesem Grund kann eine genaue Analyse der Folgen von Medienkonsum kaum vorgenommen werden.

Wenn man zunächst die Folgen des Fernsehkonsums betrachtet, stellt man fest, dass diese sehr verschieden und vielfältig sind. Glogauer unterscheidet gar zwischen psychischen und physischen Folgen. Im Bereich der physischen Folgen wird der Bewegungsstau hervorgehoben, der aus der mangelnden Bewegung während der Rezeption resultiert. Gerade Kinder benötigen ein Höchstmaß an Bewegung, um sich zu entwickeln und die Umwelt kennen zu lernen. Der Bewegungsdrang wird demnach beim Fernsehen nicht befriedigt, was dann zu motorischen Defiziten bei Kindern und Jugendlichen führen kann. Wenn man der Aussage uneingeschränkt Glauben schenkt, dann müsste die Tätigkeit des Lesens eine ähnliche oder gleiche Wirkung nach sich ziehen. Ähnlich kritisch muss man die negative Auswirkung des Fernsehens auf die Augen sehen, denn Glogauer geht davon aus, dass durch die Eindimensionalität des Fernsehbildes die Augen geschädigt werden, was dann beim Lesen auch zutreffen würde. Des Weiteren nennt Glogauer physische Folgen wie Konzentrationsschwäche nach längerem Konsum, Kopfschmerzen, Herzklopfen und Aufregung (vgl. Glogauer 1999, S.42 ff.). Die genannten Symptome können sicherlich nach erhöhtem Fernsehkonsum auftreten, aber sie können genauso auch Begleiterscheinungen von anderen Aktivitäten sein, die das Individuum danach auch nicht sofort einstellt. So können diese Symptome ebenso beim Sport oder bei der Arbeit auftreten. Darüber hinaus ist nicht bewiesen, dass diese Symptome bei jedem Konsumenten auftreten oder in wie viel Fällen dies überhaupt der Fall ist. Ein alarmierender Fall als Folge des Fernsehkonsums ist allerdings Faktum. Die japanische Zeichentrickserie ,,Pocket Monsters" führte bei 700 japanischen Kindern nachweislich zu epileptischen Symptomen. Einige Eltern mussten ihre Kinder ins Krankenhaus bringen, da sie bewusstlos wurden oder ihr Herz kurzzeitig aussetzte. Es kam zu Augenflimmern und krampfartigen Anfällen. Japanische Forscher konnten später nachweisen, dass die schnell wechselnden Farben die Ursache der Reaktion waren. Reaktionen dieser Art treten allerdings nicht bei allen Kindern als Folge der hohen Lichtfrequenz auf, sondern nur bei Kindern die zu einer derartigen Reaktion neigen. Man könnte sagen, dass die Serie die Entstehung der epileptischen Symptome forciert hat (vgl. Glogauer 1999, S.44). Ohne die Folgen verharmlosen zu wollen, muss auch in diesem Fall berücksichtigt werden, dass das Medium Fernsehen nicht allein verantwortlich für die Reaktion war.

Als eine der heftigsten Folgen des Konsums sieht Glogauer die Bereitschaft zur Gewalt nach dem Konsum von gewaltverherrlichenden Filmen. Hierbei bezieht er sich auf Gewaltverbrechen, welche medieninduziert sind. Diese These lässt sich allerdings nur schwer beweisen, denn in den meisten Fällen ist kein direkter Zusammenhang feststellbar. Vielmehr kann man aufgrund der individuellen Prägungsumwelten jedes Einzelnen und den daraus resultierenden differierenden Persönlichkeitsmerkmalen, nicht davon ausgehen, dass Medien die gleiche Wirkung auf jeden Konsumenten haben. Kunkel schließt eine direkte Wirkung der Medien auf den Rezipienten aus, da die Wirkung auf den Konsumenten durch die Existenz von Kommunikationsbarrieren personaler, sozialer und medialer Natur die Wirkung ausschließt. In diesem Zusammenhang geht er von einer Medienwirkungsmauer aus, die verschiedene Faktoren berücksichtigt, welche eine direkte Wirkung der Medien verhindert. Dabei handelt es sich um kulturelle und politische Bedingungen wie Medienverfügbarkeit, Rezeptionsfreundliche Aufbereitung, Parallelhandlungen, Nutzungshäufigkeit des Mediums, Motive und Schichtzugehörigkeit (vgl. Kunkel 1998, S.61). Nimmt man die Parallelhandlungen als Beispiel, so kann man häufig beobachten, dass das Fernsehen als ,,Nebenhermedium" genutzt wird, wobei nebenher Hausarbeiten jeglicher Art erledigt werden oder gar gelernt oder gelesen wird. Diese Tatsache mag auch einer der Gründe sein, dass der Konsument, wie in einer Studie bewiesen, bereits nach einer Woche nur noch 12-15% der Medieninhalte in Erinnerung hat (vgl. Kunkel 1998, S.32 ff.). ,,Die sozialpsychologische Einstellungsforschung hat gezeigt, dass die mediale Kommunikation höchstens in der Lage ist, bereits vorhandene Einstellungen zu bekräftigen oder zu bestärken." (Hunziker 1988, S.24) Wie bereits mehrfach erwähnt, ist die Ausgangssituation des Konsumenten von entscheidender Wichtigkeit, inwiefern Medien eine negative Wirkung haben können. Nicht zuletzt spielen in diesem Zusammenhang die intellektuellen und emotionalen Fähigkeiten eine Rolle (vgl. Hunziker 1988, S.25). Ein weiterer Faktor der zur Hinwendung zum Medium führt bzw. die Medienbotschaft verstärkt, ist letztlich die eigene Motivation (vgl. Kunkel 1998, S. 52). Insgesamt existiert bisher keine Bestätigung dafür, dass der Konsum von Gewaltmedien eine Nachahmung von Gewalttaten aus dem Fernsehen nach sich zieht, denn diese lassen sich auch nach dem Modell des Reiz-Reaktions Lernens nicht bestätigen (vgl. Hurrelmann 1989, S.17).

Demnach hat sich die Annahme, die Glogauer vornehmlich äußert, dass Medienrealitäten mit der für den Rezipienten wirklichen, sozialen Welt verwechselt werden, nicht bestätigt. Abschließend sei angemerkt, dass es gewaltverherrlichende Serien schon vor 25 Jahren gegeben hat und zu der Zeit sahen Kinder genauso viel fern, wobei nicht festzustellen ist, dass die heute inzwischen erwachsen gewordenen, ein falsches Weltbild haben oder aggressiver sind als andere Menschen. Sicher ist es leicht den Medien die Schuld für abnormales Verhalten bei einzelnen Jugendlichen zuzuschreiben, aber hierfür gibt es bisher noch keinen stichhaltigen Beweis. Entweder man gehört zu denen, die von der absoluten Gefährlichkeit von Gewaltdarstellungen überzeugt sind, oder man fühlt sich eher der Gruppe zugeordnet, die Gewaltdarstellungen als absolut ungefährlich betrachten.

4.1 Funktion des Fernsehens

Das folgende Kapitel beschäftigt sich insbesondere mit den Funktionen des Mediums innerhalb der Familie, wobei sich diese Funktionen teilweise mit der Wirkung des Mediums überlappen.

Die heutige Gesellschaft ist eine Informationsgesellschaft, die sich vornehmlich auf Medien stützt, bei denen das Fernsehen neben anderen Medien wie Internet oder Radio eines der genutzten Medien ist. Die Expansion der Medien hat zur Veränderung unserer gesellschaftlichen Kultur beigetragen, wobei sich dies auf das soziale Handeln und die kommunikativen Fähigkeiten der Menschen ausgewirkt hat (vgl. Hurrelmann 1989, S.5). Aufgrund dieser Tatsache ist es wichtig, die Funktion des Mediums Fernsehen innerhalb der Familie zu analysieren. Die Funktion des Fernsehens ist in verschiedenen Familien sehr individuell. Besonders in der unteren Mittelschicht hat das Fernsehen eine übergeordnete Rolle, denn gerade in diesen Familien hat das Fernsehen eine soziale Funktion, da es durch die extensivere Nutzung eine Alltagstrukturierung vornimmt. Das Fernsehen hat hier auch die Funktion der emotionalen und kognitiven Integration. Diese Funktion hingegen übernimmt das Fernsehen in höheren sozialen Schichten nicht in diesem Maße (vgl. Hurrelmann 1989, S.78). ,,Für die unteren sozialen Schichten sind eher breite gemeinsame Sehinteressen charakteristisch, für die oberen sozialen Schichten eher Interessendifferenzierungen innerhalb der Familie." (Hurrelmann 1989, S.75)

Allerdings hat das Fernsehen nicht nur für niedrige soziale Schichten eine Bedeutung bzw. Funktion. Das Fernsehen ist eine gemeinsame Aktivität in der Familie. Es ermöglicht Gemeinsamkeiten ohne dass es zu einer Gesprächssituation kommen muss, was besonders in Familien mit einem erhöhten Spannungspotential von Wichtigkeit ist (vgl. Hurrelmann 1989, S.72). Fernsehen ist Bezugspunkt für gemeinsame Interessen, wobei die Konsumenten nicht voneinander isoliert werden. Das Fernsehen schafft demnach gemeinsame Rezeptionssituationen, da es die Rezeptionsinteressen verschiedener Generationen miteinander vereint. Gerade in Familien mit einem hohen Spannungspotential wirkt das Fernsehen konfliktvermeidend und konfliktverdeckend, wobei das Fernsehen eine organisierende Funktion innerhalb der Familie hat (vgl. Hurrelmann 1989, S.68). Durch die organisierende Wirkung wird auch die Rollenhierarchie in der Familie verstärkt, denn es kommt zwischen den Familienmitgliedern zu Meinungsverschiedenheiten, wobei dann die typischen Entscheidungsstrukturen in Kraft treten, die sich an den Alters- und Positionsrollen orientieren (vgl. Hurrelmann 1989, S.81). Mit anderen Worten entscheidet über die Programmwahl dann das ,,Familienoberhaupt". Insgesamt erzeugt das Fernsehen emotionale Nähe in der Familie, da die Familienmitglieder beisammen sitzen. Aus diesen Gründen kann man auch sagen, dass die Medien nicht wie häufig angenommen, die Interaktionen innerhalb der Familie unterbinden. Erhöhter Fernsehkonsum verschiebt einerseits die Freizeitaktivitäten und externen Kontakte zu Nicht- Familienmitgliedern, stärkt andererseits aber auch die Familienstruktur (vgl. Hurrelmann 1989, S85). Das Fernsehen ist oft auch ein wichtiger Bezugspunkt für spätere Unterhaltungen, denn es werden oft Sendungen zusammen gesehen, welche dann ein gemeinsames Gesprächsthema liefern. Laut Hurrelmann machen Gespräche dieser Art immerhin 30% der Gesamtgespräche aus (vgl. Hurrelmann 1989, S 91). ,,Damit ist das Fernsehen mit seinen Inhalten das Medium, das in der größten Gruppe von Familien das Gespräch untereinander an sich bindet." (Hurrelmann 1989, S.91) Auch Bücher sind Gesprächsthemen, die häufig genannt werden, aber einen geringeren Anteil haben, da nicht alle Familienmitglieder die gleichen Bücher gelesen haben. Eine gemeinsame Lesesituation erfahren beispielsweise Eltern und Kinder nur beim Vorlesen, wobei diese Situation nach dem Schriftspracherwerb verschwindet. Das Fernsehen ist für den Familienalltag funktional, da es die Mitglieder zusammenführt und keine hohen Anforderungen an die personale Kommunikation stellt (vgl. Hurrelmann 1989, S. 93). Trotz aller positiven Funktionen bietet das Fernsehen nicht nur Problemlösungen, sondern es schafft auch Probleme. Kritisch in diesem Zusammenhang ist die These oder Vermutung, dass das Fernsehen einen gesprächsanregenden Charakter hat, denn wie bereits im vorigem Kapitel erwähnt, können sich viele Konsumenten bereits einige Tage nach dem Konsum, kaum noch an die Inhalte erinnern. Auch der konfliktverdeckende Charakter ist nicht unbedingt ausschließlich als positive Funktion zu betrachten, denn auch Konflikte müssen ausgetragen werden. Aus diesem Grund müssen die positiven Funktionen des Fernsehens ebenso relativiert werden wie die Theorien anderer Medienforscher, die das Fernsehen als Ursache vieler Missstände der heutigen Jugend betrachten. Vielmehr scheint es wichtig, die positiven Aspekte des Fernsehens weiter zu stärken und diese in den modernen Schulunterricht einfließen zu lassen.

4. Lesen im Zeitalter der Medien

Lesefähigkeit und Lesekompetenz sind seit jeher Grundvoraussetzungen, die Schülerinnen und Schüler erwerben sollen. Aus historischer Sicht gilt Lesekompetenz und daraus resultierende Literaturkompetenz als Indikator für eine gehobene Bildung. Kinder und Jugendliche sollen Teil einer literarischen Sozialisation werden, wobei diese Sozialisation insbesondere in der Schule stattfinden soll. Kinder sollen Zugang zu ansprechenden literarischen Texten finden und darüber hinaus zum Lesen auch außerhalb der Schule befähigt und motiviert werden. Diese Zielsetzung scheint logisch, wirft aber die Frage auf, welche Literatur als angemessen für diesen Prozess zu sehen ist. Schon seit Mitte der 60er Jahre kommt es immer wieder zu Diskussionen über die Inhalte des Literaturunterrichts in der Schule. Gerade im heutigen Zeitalter scheint diese Frage wieder sehr aktuell zu sein, denn aufgrund der vielen neuen Medien, haben sich die Interessen der Schülerinnen und Schüler verschoben. Aus diesen Gründen ist eine Integration der neuen Medien in den Deutschunterricht von entscheidender Bedeutung.

Garbe unterscheidet nach vier verschiedenen Bedingungskomplexen, die das Individuum motivieren, Bücher zu lesen. Als Faktoren nennt sie die Medienumwelt, die Lesekompetenz, die Rolle der Sozialisationsinstanzen sowie die Persönlichkeitsstruktur (vgl. Garbe 1995, S.150). Der wichtigste Faktor ist das ,,Leseklima" in der Familie. Das Elternhaus stellt hierbei den primären Erfahrungsraum für das Kind dar, denn in vielen Familien machen die Kinder durch das Vorlesen der Eltern bereits ihre ersten Literaturerfahrungen (vgl. Haas 1995, S.215). In den folgenden Jahren setzen sich die Literaturerfahrungen fort, denn trotz der Vielzahl anderer Medien, hat das Buch einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft. So kann man heute noch ein Drittel aller Jugendlichen als Vielleser bezeichnen (vgl. Garbe 1995, S.150). Diese Tatsache widerspricht einen Großteil der Kulturpessimisten, die befürchteten, dass das Buch in Zukunft kaum noch eine Rolle spielen würde. Alles in allem hat die Etablierung des Fernsehens die kulturelle Wertschätzung des Lesens gesteigert (vgl. Haas 1995, S.14). Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass die elektronischen Medien eine entwickelte Lesefähigkeit voraussetzen. Allein diese Tatsache verdeutlicht die Wichtigkeit die Lesefähigkeit jedes Einzelnen zu steigern, da es im heutigen Zeitalter bereits in der Adoleszenz unabdingbar ist, sich mit den elektronischen Medien auseinander zu setzen (vgl. Haas 1995, S.213).

5.1 Literaturunterricht und Leseentwicklung in der Schule

Solange dem Lesen eine kulturgeschichtliche Funktion zukommt, ist es von enormer Wichtigkeit die Lesekultur zu manifestieren und ihren Stellenwert in der Gesellschaft zu vertiefen. Dies gilt vorrangig für junge Menschen. Das bedeutet insbesondere für die Literaturdidaktik, dass kulturelles Verhalten und das Lebensgefühl junger Menschen in den Unterricht eingebunden werden müssen. Demzufolge müssen Interessen von jungen Menschen in den Unterricht eingebunden werden, wobei die Integration der Medien die Folge wäre. Man sollte nicht zwischen der Alternative Buch oder Computer entscheiden, sondern die Medien miteinander verknüpfen, um den Unterricht zeitgemäß gestalten zu können (vgl. Haas 1995, S.214).

In der Schule wird vornehmlich Wert auf Lesetechnik und Textanalyse gelegt, wobei die Ausbildung der Lesekultur zu kurz kommt (vgl. Haas 1995, S.215). Die meisten Schülerinnen und Schüle klagen in der heutigen Zeit über den Literaturunterricht, da die Literatur zu stark ,,zerredet" wird und aus diesem Grund dem Leser der Spaß am Gelesenen genommen wird. Daher wird nach praktischen Lernen und kreativen Schreiben gefordert, wobei Schülerinnen und Schüler literarische Texte gestalten und inszenieren dürfen (vgl. Garbe 1995, S.144). Unterricht dieser Art kann man als produktions- und handlungsorientierten Unterricht betrachten, wobei die neuen Medien in den Unterricht integriert werden können. Der Literaturunterricht sollte allerdings auch Leseinteresse vor allem bei jungen Menschen entwickeln. Demnach sollte er nicht nur zur Vermittlung von Wissen , formaler Strukturen oder Metaphorik gesehen werden (vgl. Haas 1995, S.216). Denn gerade das Erwecken von Leseinteresse kann die Umwelt des Lesers verändern und darüber hinaus seine Schreibfähigkeiten erhöhen, da häufiges Lesen den Stil positiv beeinflusst. Darüber hinaus werden die geistigen Fähigkeiten des Kindes trainiert (vgl. Glogauer 1995, S. 24-25). Konzentrationsfähigkeit, Lesemotivation und die Erweiterung des Wortschatzes werden als Nebeneffekt beim Lesen geschult bzw. weiterentwickelt.

Leseinteresse wird aber vor allem aufgrund der Lektürewahl in der Schule nicht gefördert, denn junge Menschen bevorzugen meist andere Literatur als die in der Schule vorgegebene. Diese Ablehnung der ,,Schullektüre" wird meist als Ausdruck der Distanzierung und Gewinnung der personalen Autonomie in der Pubertät betrachtet. Allerdings lässt sich diese Vermutung nicht beweisen, denn es liegen zu viele Aussagen vor, die den Literaturunterricht kritisieren, wobei diese Kritik bereits vor der Pubertät geäußert wurde (vgl. Haas 1995, S.219). Um den Deutschunterricht neu gestalten zu können, muss die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler integriert werden. Wenn dieser Aspekt berücksichtigt wird, kann ein medienintegrierter Deutschunterricht in Zukunft durchgeführt werden.

5.2 Die Medienkompetenz der Kinder

Aufgrund der Tatsache, dass Kinder bereits im frühen Alter fernsehen, erwerben sie sehr früh eine gewisse Medienkompetenz. Kinder bekommen durch das Medium Fernsehen Zugang zu Texten bzw. Literatur, die sie durch das Lesen noch nicht aufnehmen können. Daher verfügen die Kinder über ein Vorwissen, das der Lehrer nicht einschätzen kann. Demnach hat der Lehrer keinen direkten Einblick in die Literaturkenntnisse der Schülerinnen und Schüler. Die Lehrkraft muss versuchen nicht nur Alltagserfahrungen der Kinder zu berücksichtigen, sondern auch Medienerfahrungen (vgl. Wermke 1997, S.107).

Durch die Medienerfahrungen haben Kinder bereits Literatur durch Verfilmungen von Romanen kennen gelernt. Aufgrund der Fernseherfahrungen sind Kinder schnelle Bildwechsel und ein hohes Tempo gewöhnt, was sie beim Lesen nicht erfahren, wobei sich dies oft demotivierend auf den Leser auswirkt. Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang auch der Zeitaufwand, denn das Lesen eines Buches nimmt mehr Zeit in Anspruch als der Konsum eines Films (vgl. Wermke 1995, S.108).

Aus diesem Grund scheint es sinnvoll, die Medien in den Unterricht zu integrieren, denn nur so ist das Interesse und die Motivation der Kinder und Jugendlichen zu steigern.

6.Fernsehen im Deutschunterricht

Das Medium Fernsehen ist seit Jahren ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft, wobei es gerade bei Kindern und Jugendlichen eine große Rolle spielt. Das Fernsehen hat großen Einfluss auf die Kinder und genießt darüber hinaus eine große Akzeptanz bei Kindern und Jugendlichen. Des Weiteren müssen die Rezeptionserfahrungen sowie das bereits vorhandene literarische Wissen im Unterricht berücksichtigt werden. Besonders Jutta Wermke hat sich mit einer sinnvollen Integration des Mediums Fernsehen in den Deutschunterricht beschäftigt. Daher soll sich das folgende Kapitel mit praktischen Möglichkeiten der Integration des Mediums beschäftigen.

6.1 Die Integration des Mediums Fernsehen in den Deutschunterricht

Der Deutschunterricht muss auf die Veränderungen des Alltags und der Gesellschaft reagieren. Die Welt des Schülers, die Informationszugänglichkeit und auch die Präsens der Gattung haben sich durch den Einfluss der Medien verändert (vgl. Wermke 1997, S. 62 ff.).

Im folgenden sollen einige praktische Möglichkeiten gegeben werden, wie man den Deutschunterricht ,,zeitgerecht" gestalten kann, um die Interessen der Schülerinnen und Schüler zu involvieren. Die Veränderungen sind sowohl in der schriftlichen als auch mündlichen Kommunikation realisierbar. So können sich die Inhalte des Unterrichts beispielsweise auch auf Serien oder Filme beziehen, die von den Jugendlichen regelmäßig konsumiert werden. Wenn in einer Unterrichtseinheit Nacherzählungen oder Inhaltsangaben vorgesehen sind, kann man anstatt der bisher üblichen Texte auch einen Film nacherzählen lassen oder eine Inhaltsangabe von einer beliebten Serie anfertigen lassen. Durch Aufgabenstellungen dieser Art wird ein Bezug zum Fernsehen hergestellt, der die Schülerinnen und Schüler motivieren kann (vgl. Wermke 1997, S40).

Aufgrund der Tatsache, dass besonders ,,Seifenopern" bei Kindern beliebt sind, kann der Lehrer das Interesse der Schülerinnen und Schüler an diesen Sendungen nutzen, denn fast jedes der Kinder kennt die Hauptdarsteller der Serien, so dass die Schülerinnen und Schüler beispielsweise eine Personenbeschreibung ihrer Lieblingsfigur anfertigen können. Protokolle, Stellungnahmen, Diskussionen und Kritiken können anhand von Talkshows geübt werden, wobei allerdings eine gezielte Auswahl der Sendungen vorgenommen werden muss, da sich viele Themen aus den Talkshows für Kinder nicht eignen (vgl. Wermke 1997, S.40). Gerade Talkshows sind sehr klischeebehaftet, was als Anregung für eine Diskussion im Unterricht genutzt werden kann. Es besteht des Weiteren die Möglichkeit einen handlungsorientierte Unterrichtseinheit zu diesem Thema durchzuführen, denn es wäre denkbar, dass man selbst eine Diskussionsrunde im Stile einer Talkshow durchführt. Schülerinnen und Schüler sollen in diesem Fall einen Standpunkt vertreten, den sie mit Argumenten verteidigen sollen. Man könnte eine Diskussionsrunde mit einer Videokamera aufnehmen, um dann das Ergebnis reflektieren zu können. Es ist anzunehmen, dass eine Aufzeichnung den Kindern viel Freude bereiten dürfte, denn so können sie sich selbst im Fernsehen sehen. Kritik, Stellungnahme und Diskussion würden auf diesem Wege geübt, wobei als Nebeneffekt auch die Kreativität gefördert wird. Zur weiteren Kreativitätsförderung könnten Kinder durch medien- und handlungsorientierte Methoden auch Drehbücher zu Serien schreiben oder Serien und Filme nachspielen und auf Video aufnehmen (vgl. Wermke 1997, S.41).

Die hier referierten methodischen Ansätze geben dem Lehrer die Möglichkeit, einen Überblick über die Interessen der Schülerinnen und Schüler zu bekommen. Der Lehrer erfährt, welche Sendungen die Kinder konsumieren und wie sie zu den einzelnen Sendungen stehen. In der heutigen Medienwelt ist es wichtig, die Medien kindgerecht zu nutzen, wobei dies für Lehrer nur dann sinnvoll zu realisieren ist, wenn der Lehrer die Interessen der Kinder kennt. Wie bereits im Kapitel 5.1 angesprochen, soll die Schule Kinder zum Lesen motivieren, was im heutigen Zeitalter nicht so leicht ist. Da das Medium Fernsehen auch die Lesefähigkeit negativ beeinflussen kann, denn besonders die Exzessivseher lesen nur wenig und sind daher schnelle Informationsübermittlung gewöhnt, so dass ihnen das Lesen als langweilig erscheint, da es anstrengender ist und mehr Anforderungen an den Leser stellt. ,,Wer keine Vorstellungen und Begriffe von Dingen, Wesen, Vorgängen und Zusammenhängen hat, ist orientierungslos." (Glogauer 1999, S.53) Da gerade beim Lesen die Phantasie des Lesers gefordert ist, ist Lesen ein wichtiger Aspekt der kindlichen Entwicklung, welcher ausbleibt, wenn nicht genügend gelesen wird. Darüber hinaus kann die Schreibfähigkeit negativ beeinflusst werden, denn den Kindern soll bei Schuleintritt die Fertigkeit des Schreibens näher gebracht werden, was durch immer wiederkehrende Übung zu einer automatisierten Handlung führen soll. Für das Schreiben ist eine gute Koordination zwischen Augen und Hand erforderlich, da es sich beim Schreiben um kleine präzise Bewegungen handelt, welche eine solide motorische Leistung voraussetzen. Das Schreiben ist daher vom motorischen Entwicklungsstand des Kindes abhängig. Auditive und sprechmotorische Störungen erschweren die Lese- und Schreibfähigkeit, die oft durch hohen Fernsehkonsum und mangelndem Lesen entsteht.

Aus diesem Grund muss die Lesemotivation gesteigert und die Lesehemmung abgebaut werden. Um diese Ziel zu erreichen, muss das Medium Fernsehen in den Deutschunterricht integriert werden, da Kinder den Umgang mit Medien kennen und diese eine große Bedeutung in der Freizeitgestaltung der Kinder haben. Um Schülerinnen und Schüler zum Lesen zu motivieren, sollten ihnen die Gemeinsamkeiten zwischen Literatur und Medien im Transfer vermittelt werden. Auf diesem Wege können Barrieren zum ,,Unbekannten" der Literatur durch das ,,Bekannte" (Fernsehen) reduziert werden (vgl. Wermke 1997, S.111).

Der Lehrer kann beispielsweise literarische Filme zeigen, um diese dann zu analysieren. Des Weiteren kann man die Zusammenhänge zwischen Literatur und Fernsehen verdeutlichen, wenn die Schülerinnen und Schüler sich über die Entstehung und Entwicklung eines Films informieren sollen. Hierbei werden Texte gelesen, die Interesse wecken können und die Lesemotivation steigern können. Darüber hinaus können Spannungsmomente im Film anhand der passenden Textstelle in der literarischen Vorlage bearbeitet werden. Es können Unterschiede zwischen Verfilmung und Buch herausgearbeitet werden. Ebenso kann über die Art und Weise der Inszenierung des Films diskutiert werden. Ist die filmische Umsetzung der literarischen Vorlage gelungen? Sind die Charaktere wie im Buch dargestellt? Lässt der Film Passagen des Buchs aus? All dies sind Fragen, die in den Unterricht einfließen können und darüber hinaus Schülerinnen und Schüler auffordern genau zu lesen. Ebenso besteht die Möglichkeit Kinder zu fragen, ob eine Verfilmung der Lektüre möglich wäre, was ebenfalls ein genaues Lesen des Textes erfordert (vgl. Wermke 1997, S.113).

Alle geforderten Maßnahmen setzen voraus, dass sich der Lehrer mit dem Medieninteresse der Kinder auseinander setzt, die Erfahrungswelten der Kinder aufgreift und dies in den Unterricht integriert. Er muss die Leseinteressen der Kinder berücksichtigen und diese bei der Wahl der Unterrichtstexte berücksichtigen. Texte mit Fernsehbezug wie Drehbücher oder Bücher zur Serie wären mögliche Texte, die motivationssteigernd in Bezug auf das Leseverhalten sein können.

7. Zusammenfassung

In den letzten Jahren wurde eine Vielzahl von Untersuchungen durchgeführt, die sich mit der Wirkung und Funktion des Fernsehens beschäftigen. Es wird über die mögliche Schädlichkeit des Fernsehens sowie über die positiven Aspekte und einer möglichen Integration des Mediums Fernsehen in den Deutschunterricht diskutiert. Die Vielzahl der Untersuchungen erschwert allerdings, eine klare Aussage über die Wirkung des Fernsehens geben zu können. Die Aussagen und Ergebnisse der einzelnen Studien widersprechen sich teilweise sehr stark und müssen daher relativiert werden. Autoren wie Glogauer machen das Fernsehen für eine Vielzahl von Fehlentwicklungen bei Kindern und Jugendlichen verantwortlich, wobei andere Autoren wie Hurrelmann dem Fernsehen auch positive Aspekte zusprechen. Es ist schwer abzuwägen, welche Studien als repräsentativ zu betrachten sind. Vielmehr ist festzustellen, dass einige Autoren einen sehr einseitigen Standpunkt vertreten und ihre Theorien (insbesondere bei Glogauer) nur ein Ergebnis zulassen. In diesem Fall wird nur in eine Richtung geforscht und relativierende empirische Untersuchungen ignoriert oder nur wenig berücksichtigt. Gewaltverherrlichung im Fernsehen und daraus resultierende Straftaten sind ebenso wenig bewiesen wie eine Wirkungslosigkeit der Medien insgesamt. Gerade jüngst äußerte sich Professor Michael Myrtek aus Freiburg im Stern über den Fernsehkonsum von Jugendlichen und Kindern, wobei er das Fernsehen für schlechte Schulleistungen verantwortlich macht (vgl. Stern 2000, 40, S.19). Gerade hieran ist die Uneinigkeit zu erkennen, denn wenn man Lukeschs Aussage Glauben schenkt, hat Fernsehen gar keine direkte Wirkung auf den Konsumenten.

Ich persönlich gehe nicht davon aus, dass Medien Straftaten indizieren können. Allerdings halte ich das Fernsehen auch nicht für wirkungslos, wobei ich aber auch davon ausgehe, dass das Fernsehen in Zukunft immer mehr zum ,,Nebenhermedium" wird und sich dadurch seine mögliche ,,Gefährlichkeit" weiter verringert. Sicherlich sollten Eltern eine gewisse Medienkompetenz entwickeln und Kindern gewisse Sendungen untersagen. Es ist aber auch wichtig, dass Kinder eine eigene Fernsehkompetenz entwickeln, um einen kritischen Umgang mit dem Fernsehen zu erlernen. Weil das Fernsehen in der Erfahrungswelt der Kinder eine große Rolle spielt, müssen diese Erfahrungen in den Unterricht aufgenommen und verarbeitet werden. Es macht wenig Sinn das Medium Fernsehen auszuschließen. Berührungsängste beim Umgang mit Literatur können durch das Medium Fernsehen im Unterricht abgebaut werden und ferner können neue Interessen an Literatur entstehen. Aus diesen Gründen plädiere ich für die Integration von Fernsehen in den Deutschunterricht. Man sollte das Medium Fernsehen nutzen, um den Literaturunterricht wieder interessanter gestalten zu können.

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Details

Titel
Medienverhalten von Kindern und die Integration der Medien in den Deutschunterricht
Autor
Jahr
2000
Seiten
21
Katalognummer
V100161
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medienverhalten, Kindern, Integration, Medien, Deutschunterricht
Arbeit zitieren
Andreas Höfert (Autor), 2000, Medienverhalten von Kindern und die Integration der Medien in den Deutschunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100161

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