Diese Arbeit befasst sich mit dem Phänomen des sog. „linken Flügels“ der NSDAP und deren de facto Nachfolgeorganisation, der „Schwarzen Front“ unter Otto Strasser. Das Ziel ist eine historische Kontextualisierung insbesondere der „Schwarzen Front“, zeitlich bewegt sich diese Arbeit zwischen ca. 1925 bis 1945.
Die Arbeit legt dabei einen besonderen Fokus auf Otto Strasser und dessen Konzept eines „deutschen Sozialismus“. Seine Forderungen und Ziele werden anhand seiner politischen Schriften untersucht und seine Ideologie in einen historischen Kontext gesetzt.
Der „deutsche Sozialismus“ wird hierbei mit den konservativen, kommunistischen und faschistischen Ideologien der Zwischenkriegszeit verglichen. Dies soll die Frage klären, welcher dieser politischen Ideologien zuzuordnen ist. Ein kurzes Kapitel widmet sich der Rezeption der Forderungen Otto Strassers in der österreichischen Presse. Ein besonderes Augenmerk wird dabei darauf gelegt, wie die Zeitungen der unterschiedlichen politischen Lager der 1. Republik über Otto Strasser und die „Schwarze Front“ berichten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Forschungsstand
Ausblick für zukünftige Forschungen
Forschungsfrage
Quellenmaterial
Methodik
Gliederung
Otto Strasser – eine kurze Biographie
Gregor Strasser – eine kurze Biographie
Die Strasser-Brüder und die NSDAP – die AG Nordwest
„Die Sozialisten verlassen die NSDAP“ – Otto Strasser und die „Schwarze Front“
Ziele und Forderungen der Schwarzen Front
Wirtschaftspolitik
Innen- und Außenpolitik
Conclusio
Mediale Berichterstattung
Weltanschauliche Überschneidungen
Strasser und Faschismus
Die „Judenfrage“
Vergleich mit dem 25-Punkte Programm der NSDAP
Otto Strasser und Kommunismus
Otto Strasser und Konservatismus
Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Ziele und Forderungen der „Schwarzen Front“ unter Otto Strasser sowie deren ideologische Verortung im historischen Kontext der Zwischenkriegszeit. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, zu klären, welche Vorstellungen Otto Strasser mit seiner Ideologie des „deutschen Sozialismus“ verfolgte, wie er Sozialismus und Nationalismus synthetisierte und inwiefern sich diese Bewegung vom Nationalsozialismus Adolf Hitlers sowie vom historischen Faschismus abgrenzen lässt.
- Die Rolle Otto und Gregor Strassers innerhalb der NSDAP und die Bedeutung der „Arbeitsgemeinschaft der nord- und westdeutschen Gaue“ (AG Nordwest).
- Die ideologische Analyse des „deutschen Sozialismus“ als „Dritter Weg“ zwischen Kapitalismus und Kommunismus.
- Die Resonanz der „Schwarzen Front“ in der österreichischen Presselandschaft der 1930er Jahre.
- Der Vergleich der Programmatik der „Schwarzen Front“ mit dem 25-Punkte-Programm der NSDAP.
Auszug aus dem Buch
Ziele und Forderungen der Schwarzen Front
Ab 1930 befand sich Otto Strasser in offener Opposition zur NSDAP und Adolf Hitler. Nach den Ereignissen des „Röhm-Putsches“ im Jahr 1934 und dem Verbot der Schwarzen Front wurden Otto Strasser und seine Anhänger schließlich durch das NS-Regime verfolgt, sie zählen somit zur Kategorie der Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen.
Grundsätzlich lässt sich von 1930 bis 1934 eine zunehmende Distanzierung Strassers in seinen Veröffentlichungen zu Adolf Hitler zu erkennen. Während er 1930, als er aus der NSDAP ausschied, noch Bezug auf das Parteiprogramm nahm (wie im vorangegangenen Kapitel beschrieben), in seiner erstmals 1932 erschienenen politischen Hauptschrift „Aufbau des deutschen Sozialismus“ entwickelte er schließlich eine eigene Ideologie, welche er vom Programm des Nationalsozialismus abgrenzte. In seinem erstmals 1935 erschienenen Werk „Die deutsche Bartholomäusnacht“ kritisiert er die NSDAP und ihre Anhänger, aber insbesondere Hitler, direkt und sehr scharf – mehr noch, er prophezeit Hitler sogar einen vorzeitigen Tod:
„Hitler? – Mag er Selbstmord begehen, wie Gregor Straßer von ihm voraussagte; mag das Abschiedswort in Erfüllung gehen, das Hugenberg nach jener Denkschrift auf Hitlers Furcht vor einem reaktionären Attentat zu ihm sprach : „Herr Hitler, ich weiß drei Dinge: 1. daß Sie erschossen werden; 2. daß Sie nicht von meinen Leuten erschossen werden; 3. daß Sie von Ihren eigenen Anhängern erschossen werden““
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der oppositionellen „linken“ Strömung innerhalb der NSDAP und Vorstellung des Ziels, die bisher kaum erforschte „Schwarze Front“ zu beleuchten.
Forschungsstand: Überblick über die bisherige wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem „linken Flügel“ der NSDAP und den Brüdern Strasser.
Ausblick für zukünftige Forschungen: Identifikation potenzieller Themenfelder wie die DSU oder Verbindungen zur „Neuen Rechten“.
Forschungsfrage: Definition der zentralen Fragestellung bezüglich der Ziele Otto Strassers und der ideologischen Synthese aus Sozialismus und Nationalismus.
Quellenmaterial: Vorstellung der verwendeten Primärschriften von Otto Strasser sowie ergänzender Zeitungsquellen.
Methodik: Erläuterung des historisch-kritischen Ansatzes nach Rüsen und der historischen Diskursanalyse nach Landwehr zur Ideologiekritik.
Gliederung: Detaillierte Darstellung des methodischen Vorgehens und des inhaltlichen Aufbaus der Arbeit.
Otto Strasser – eine kurze Biographie: Kurzbiografie des frühen Werdegangs, des Eintritts in die NSDAP und des späteren Bruchs mit der Partei.
Gregor Strasser – eine kurze Biographie: Überblick über das Leben und die politische Rolle von Gregor Strasser bis zu seiner Ermordung.
Die Strasser-Brüder und die NSDAP – die AG Nordwest: Analyse der parteiinternen Dynamiken und der Gründung der Arbeitsgemeinschaft der nord- und westdeutschen Gaue.
„Die Sozialisten verlassen die NSDAP“ – Otto Strasser und die „Schwarze Front“: Untersuchung der Umstände und Gründe, die zum Austritt Otto Strassers und zur Gründung der „Schwarzen Front“ führten.
Ziele und Forderungen der Schwarzen Front: Analyse der programmatischen Ziele, der „zweiten Revolution“ und der oppositionellen Haltung gegenüber dem NS-Regime.
Wirtschaftspolitik: Detaillierte Untersuchung des „deutschen Sozialismus“ als Wirtschaftsmodell, inklusive der Pläne zur autarken Bedarfswirtschaft.
Innen- und Außenpolitik: Analyse der Staatsvorstellungen, des Ständestaatskonzepts und der außenpolitischen Strategie der „Schwarzen Front“.
Conclusio: Synthetische Zusammenfassung der zentralen Forschungsergebnisse.
Mediale Berichterstattung: Analyse, wie die österreichische Presse Otto Strasser und seine Bewegung wahrnahm.
Weltanschauliche Überschneidungen: Komparative Untersuchung der Ideologie Strassers im Kontext von Faschismus, Kommunismus und Konservatismus.
Strasser und Faschismus: Vergleich der Strasser-Ideologie mit faschistischen Konzepten und Abgrenzung zu diesen.
Die „Judenfrage“: Untersuchung der antisemitischen Positionen Otto Strassers im Vergleich zu denen Adolf Hitlers.
Vergleich mit dem 25-Punkte Programm der NSDAP: Punkt-für-Punkt Analyse der inhaltlichen Übereinstimmungen und Differenzen zwischen dem Parteiprogramm der NSDAP und den Zielen der „Schwarzen Front“.
Otto Strasser und Kommunismus: Analyse der Berührungspunkte und fundamentalen Divergenzen zwischen dem „deutschen Sozialismus“ und kommunistischen Theorien.
Otto Strasser und Konservatismus: Untersuchung der konservativen Prägung Strassers und der theoretischen Nähe zur „Konservativen Revolution“.
Schlusswort: Abschließende Reflexion über die Bedeutung und historische Einordnung des „linken Flügels“ der NSDAP.
Schlüsselwörter
Otto Strasser, Schwarze Front, NSDAP, Nationalsozialismus, deutscher Sozialismus, Linker Flügel der NSDAP, Ideologie, Konservative Revolution, Widerstand, Wirtschaftspolitik, Bedarfswirtschaft, Ständestaat, Antisemitismus, Faschismus, Zwischenkriegszeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ideologie und politischen Ziele der „Schwarzen Front“ unter Otto Strasser sowie deren Entwicklung nach dem Bruch mit der NSDAP.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Wirtschafts- und Sozialpolitik, die außenpolitischen Konzepte, das Verhältnis zum Nationalsozialismus Hitlers sowie die mediale Wahrnehmung der Bewegung in Österreich.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, welche Vision eines „deutschen Sozialismus“ Otto Strasser verfolgte und ob seine Bewegung als eine Form des historischen Faschismus oder als eigenständige, nationalrevolutionäre Widerstandsgruppe einzuordnen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt vorwiegend die historisch-kritische Methode zur Analyse von Primärschriften sowie die historische Diskursanalyse, um Begriffsbedeutungen und ideologische Konzepte zu erfassen.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Im Hauptteil werden die politischen Schriften Strassers intensiv analysiert, um seine Konzepte eines autoritären Ständestaates, einer autarken Bedarfswirtschaft und seinen völkischen Nationalismus zu dekonstruieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Otto Strasser, Schwarze Front, deutscher Sozialismus, NSDAP-Opposition und Konservative Revolution maßgeblich definiert.
Wie unterschied sich Otto Strassers Antisemitismus von dem Adolf Hitlers?
Während Strasser eine rassistische, aber weniger auf physische Vernichtung ausgerichtete Sicht vertrat und eine Assimilation unter strikten kulturellen Bedingungen theoretisch für möglich hielt, radikalisierte Hitler den Antisemitismus zu einem rassistischen Vernichtungsprogramm.
Warum wird Otto Strasser der „Konservativen Revolution“ zugeordnet?
Aufgrund seiner Ablehnung des liberalen Systems, seines Strebens nach einem feudalistischen Ständestaat und der Verbindung traditionalistischer, völkischer Werte bei gleichzeitig revolutionärer Umsturzstrategie wird er in der Forschung oft in dieses Spektrum eingeordnet.
- Arbeit zitieren
- Gregor Reigner (Autor:in), 2020, Otto Strasser. Vom "linken Flügel" der NSDAP zur "Schwarzen Front", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1001675