Das Thema Spracherwerb beim Kind ist umfangreicher als man allein vom Titel her zunächst vermuten mag. Dieses Thema ist schon lange Forschungsgebiet vieler verschiedener Wissenschaftler. Diese konkurrieren von Anfang an bei der Verwendung verschiedener Termini bei der Beschreibung der Lebensphase und der Vorgänge, in denen das Kind zu seiner ersten Sprache kommt. Dadurch kam es zu immer neuen Ansichten und Entdeckungen, die ich in meiner Arbeit vorstellen möchte. Da diese verschiedenen Positionen teilweise sehr komplex sind, ist es zunächst einmal nötig, die geschichtliche Entwicklung der Pädolinguistik zu beleuchten, um einen groben Überblick zu erhalten. Daran schließt sich die Darstellung der verschiedenen bisher hervorgebrachten Spracherwerbstheorien sowie die verschiedenen Stufen der Sprachentwicklung an. Wichtig hierbei ist jedoch, stets zu wissen, dass es keine allgemeingültige Theorie geben kann und es zunächst einmal nötig ist, die Ergebnisse kritisch zu betrachten. Mein Ziel ist es, in dieser Arbeit einen kleinen Überblick über die Vielzahl der Theorien und die verschiedenen Forschungsergebnisse zu geben und diese ferner zu erläutern.
Inhaltsverzeichnis
1. Geschichte der Pädolinguistik
2. Spracherwerbstheorien
2.1 Definition des Begriffs
2.2 Hauptpositionen der Spracherwerbstheorien
2.2.1 Nativistischer Ansatz
2.2.2 Lerntheoretischer Ansatz
2.2.3. Kognitivistischer Ansatz
2.2.4 Interaktionistischer Ansatz
3. Stufen der kindlichen Sprachentwicklung
3.1 Übersicht
3.2 Vorstufen des Spracherwerbs
3.3 Einwortäußerungen
3.4 Die Zweiwortphase
3.5 Drei- und Mehrwortphase
3.6. Komplexe Strukturen
4. Methoden für die Beschreibung der Kindersprache
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen umfassenden Überblick über die Pädolinguistik zu geben, indem sie die historische Entwicklung, die zentralen Spracherwerbstheorien sowie die aufeinanderfolgenden Stadien der Sprachentwicklung bei Kindern erläutert und kritisch reflektiert.
- Historische Entwicklung der Pädolinguistik
- Vergleich der vier Hauptpositionen der Spracherwerbstheorien
- Stufenmodell der kindlichen Sprachentwicklung vom Vorstadium bis zu komplexen Strukturen
- Analytische und nicht-analytische Methoden in der Kindersprachenforschung
- Bedeutung von Umweltbedingungen für den Spracherwerb
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Nativistischer Ansatz
Nativistisch bedeutet von angeborenen Fähigkeiten ausgehend, d. h., dass jeder Mensch eine genetische Ausstattung zum Spracherwerb mitbringt, die durch die soziale Umwelt entfaltet und in eine bestimmte Richtung gelenkt wird.
Die meisten Vertreter dieser Theorie beziehen sich auf Chomsky und gehen davon aus, dass es einen angeborenen Apparat für die Sprachentwicklung gibt. Dieser ist der sog. Language acquisition device (LAD).
Der LAD enthält folgende Grundfähigkeiten: ein Hypothesenbildungsverfahren, sprachliche Universalien sowie ein Hypothesenbewertungsverfahren.
Allgemein gehen die Nativisten davon aus, dass es eine kritische Periode gibt, in der der Spracherwerb stattfinden kann und muss. Dies bestätigt sich einerseits durch die Kenntnis, dass Sprachstörungen bei Kindern in der Regel leichter und schneller zu beheben sind als bei Erwachsenen und andererseits, dass bei geistig und sprachlich retardierten Kindern die Sprachentwicklung in der Pubertät „einfriert“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Geschichte der Pädolinguistik: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung des Forschungsfeldes von den frühen Beobachtungen durch Philosophen und Psychologen bis hin zur modernen Pädolinguistik.
2. Spracherwerbstheorien: Hier werden Definitionen des Spracherwerbs sowie die vier Hauptströmungen – der nativistische, der lerntheoretische, der kognitivistische und der interaktionistische Ansatz – detailliert gegenübergestellt.
3. Stufen der kindlichen Sprachentwicklung: Dieser Abschnitt unterteilt den Spracherwerb chronologisch in verschiedene Phasen, angefangen bei Vorstufen über Ein- und Zweiwortsätze bis hin zur Ausbildung komplexer Strukturen.
4. Methoden für die Beschreibung der Kindersprache: Abschließend werden die in der Pädolinguistik angewandten analytischen und nicht-analytischen Verfahrensweisen sowie die methodischen Schritte von Induktion und Deduktion erläutert.
Schlüsselwörter
Pädolinguistik, Spracherwerb, Kindersprache, Sprachentwicklung, Nativismus, Lerntheorie, Kognitivismus, Interaktionismus, LAD, Zweiwortphase, Sprachforschung, grammatikalische Entwicklung, Kind, Erwerb, Theorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Spracherwerb beim Kind aus der Sicht der Pädolinguistik und gibt einen Überblick über historische Entwicklungen, theoretische Positionen und die Phasen der Sprachentwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese der Pädolinguistik, den unterschiedlichen theoretischen Erklärungsmodellen für Spracherwerb und der Beschreibung der Stufen kindlicher Sprachentwicklung.
Was ist das primäre Ziel dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, einen strukturierten Überblick über die Vielzahl der existierenden Theorien und Forschungsergebnisse zum Spracherwerb zu geben und diese fachlich zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit thematisiert?
Die Arbeit stellt sowohl analytische als auch nicht-analytische Verfahren der Pädolinguistik vor und unterscheidet dabei zwischen induktivem und deduktivem Vorgehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der vier großen Spracherwerbstheorien sowie die detaillierte Beschreibung der Entwicklungsschritte vom ersten Lebensjahr bis zur Beherrschung komplexer Satzstrukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Pädolinguistik, Spracherwerb, Spracherwerbstheorien, Sprachentwicklung und Kindersprache.
Was ist der Language Acquisition Device (LAD) im nativistischen Ansatz?
Der LAD beschreibt laut Noam Chomsky einen angeborenen Apparat des Menschen, der über spezifische Grundfähigkeiten verfügt, um den Erwerb von Sprache zu ermöglichen.
Wie unterscheidet sich die Zweiwortphase von der Drei- und Mehrwortphase?
In der Zweiwortphase werden vorwiegend sogenannte Angelpunktwörter mit offenen Klassen kombiniert, während in der Drei- und Mehrwortphase Flexionsmorpheme erlernt und die Syntax komplexer werden.
Welche Rolle spielt die soziale Umwelt laut dem interaktionistischen Ansatz?
Der interaktionistische Ansatz betrachtet die wechselseitige Interaktion zwischen Kind und primärer Bezugsperson als notwendige Voraussetzung und Motor für die sprachliche Entwicklung.
Warum ist die kritische Reflexion der Theorien laut Autorin wichtig?
Da keine der vorgestellten Theorien als allgemeingültig betrachtet werden kann und jede Position sowohl Vor- als auch Nachteile aufweist, ist eine kritische Auseinandersetzung für das Verständnis des Spracherwerbs unerlässlich.
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- Astrid van Reine (Author), 2001, Spracherwerb beim Kind, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100174