Das Geschichtsbild des Sallust


Facharbeit (Schule), 1999
15 Seiten, Note: 12 Punkte

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Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG:

TEXT:
SALLUST, JUG. 15-16
SALLUST, CAT.10

ÜBERSETZUNG:
SALLUST, JUG. 15-16
SALLUST, CAT. 10

DER AUTOR UND SEIN WERK:

EINORDNUNG DES TEXTES IN DEN ZUSAMMENHANG:

INTERPRETATION UND ANALYSE:
SALLUST, CAT. 10
SALLUST, JUG. 15-16

LITERATURVERZEICHNIS

Einleitung:

Das Herausarbeiten des Geschichtsbildes Sallusts unter Zuhilfenahme der beiden Textstellen scheint am sinnvollsten da anzusetzen zu sein, wo es als Ganzes am klarsten erkennbar ist. Denn er war „der erste Römer, der die Geschichte seines Volkes als ein Ganzes erfaßt“ hat1. Es ist seine Arbeitsweise, die ihn als Geschichtsschreiber auszeichnet, und die er verfolgt um seine Argumentationsstränge besonders deutlich und einleuchtend zu machen; d.h. er geht von einem allgemeinen, wenn auch hypothetischen, Prinzip aus, welches den gesamten geschichtlichen Ablauf bestimmt und belegt dieses an einem Exemplum, in dem er schrittweise ins Detail geht, bis er an Einzelpersonen gerät, die er schwarz-weiß-malerisch mit Hilfe seiner sittlichen Auffassung als eindeutig gut oder eindeutig schlecht charakterisiert.

Aufgrund dessen ist es angemessen mit der Auswertung der Catilinastelle zu beginnen, da sie, obgleich sehr allgemein und knapp gehalten, die wichtigsten Kerngedanken und Schlagworte Sallusts zum Ablauf der römischen Geschichte enthält.

Im Folgenden werde ich mich mit der Jugurthastelle befassen, in der Sallust seine geschichtlichen Prinzipien zur Bewertung der Situation benutzt. In diesem Fall ist es die, von Sallust als Grundstoff allen Übels verteufelte, avaritia, die Jugurtha Tür und Tor für seine Manipulationen öffnet und so der Durchsetzung des Unrechts in Numidien Vorschub leistet. Eindrucksvoll faßt Sallust diese Schwäche Roms mit dem berühmt gewordenen Ausspruch Jugurthas zusammen, den dieser getan haben soll als er Rom beim Verlassen Italiens den Rücken gekehrt hatte: „ O urbem venalem et mature perituram, si emptorem inveneret.“2

Text:

Sallust, Jug. 15-16

Postquam rex finem loquendi fecit, legati Iugurthae largitione magis quam causa freti paucis respondent: Hiempsalem ob saevitiam suam ab Numidis interfectum, Adherbalem ultro bellum inferentem, postquam superatus sit, queri, quod iniuriam facere nequivisset. Iugurtham ab senatu petere, ne se alium putarent, ac Numantiae cognitus esset, neu verba inimici ante facta sua ponerent. Deinde utrique curia egrediuntur. Senatus statim consulitur. Fautores legatorum, praeterea senatus magna pars gratia depravata Adherbalis dicta contemnere, Iugurthae virtutem extollere laudibus; gratia, voce, denique omnibus modis pro alieno scelere et flagitio, sua quasi pro gloria, nitebantur. At contra pauci, quibus bonum et aequum divitiis carius erat, subveniundum Adherbali et Hiempsalis mortem severe vindicandam censebant, sed ex omnibus maxume Aemilius Scaurus, homo nobilis, inpiger, factiosus, avidus potentiae, honoris, divitiarum, ceterum vitia sua callide occultans. Is postquam videt regis largitionem famosam inpudentemque, veritus, quod in tali re solet, ne polluta licentia invidiam adcenderet, animum a consueta lubidine continuit. Vicit tamen in senatu pars illa, quae vero pretium aut gratiam anteferebat. Decretum fit, uti decem legati regnum, quod Micipsa obtinuerat, inter Iugurtham et Adherbalem dividerent. Cuius legationis princeps fuit L. Opimius, homo clarus et tum in senatu potens, quia consul C. Graccho et M. Fulvio Flacco interfectis acerrume victoriam nobilitatis in plebem exercuerat. Eum Iugurtha, tametsi Romae in amicis habuerat, tamen accuratissume recepit, dando et pollicendo multa perfecit, uti fama, fide, postremo omnibus suis rebus commodum regis anteferret. Relicuos legatos eadem via adgressus plerosque capit, paucis carior fides quam pecunia fuit. In divisione, quae pars Numidiae Mauretaniam adtingit, agro virisque opulentior, Iugurthae traditur; illam alteram specie quam usu potiorem, quae portuosior et aedificiis magis exornata erat, Adherbal possedit.

Sallust, Cat.10

Sed ubi labore atque iustitia res publica crevit, reges magni bello domiti, nationes ferae et populi ingentes vi subacti, Carthago, aemula imperi Romani, ab stirpe interiit, cuncta maria terraeque patebant, saevire fortuna ac miscere omnia coepit. Qui labores, pericula, dubias atque asperas res facile toleraverant, iis otium divitiaeque, optanda alias, oneri miseriaeque fuere. Igitur primo pecuniae, deinde imperi cupido crevit: ea quasi materies omnium malorum fuere. Namque avaritia fidem probitatem ceterasque artis bonas subvortit; pro his superbiam, crudelitatem, deos neglegere, omnia venalia habere edocuit. Ambitio multos mortalis falsos fieri subegit, aliud clausum in pectore, aliud in lingua promptum habere, amicitias inimicitiasque non ex re, sed ex commodo aestumare, magisque voltum quam ingenium bonum habere. Haec primo paulatim crescere, interdum vindicari; post, ubi contagio quasi pestilentia invasit, civitas immutata, imperium ex iustissumo atque optumo crudele intolerandumque factum.

Übersetzung:

Sallust, Jug. 15-16

Nachdem der König seine Rede beendet hatte, antworteten die Legaten Jugurthas, weil sie sich mehr auf ihre Bestechung als auf die gute Sache verließen, mit wenigen Worten: Hiempsal sei wegen seines Ungestüms von Numidern umgebracht worden. Adherbal habe den Krieg grundlos vom Zaun gebrochen und beschwere sich nun, nachdem er besiegt worden war, weil er kein Unrecht habe begehen können. Jugurtha bitte den Senat, daß sie nichts anderes glauben sollten, als was noch von Numantia bekannt sei. Sie sollten nicht die Worte des Feindes vor seine Taten stellen. Daraufhin verließen beide Parteien das Senatsgebäude. Hierauf trat der Senat in die Beratung ein. Die Begünstiger der Legaten und außerdem ein großer Teil des Senats, der durch die Gefälligkeiten verführt worden war, äußerten sich abfällig über das Gesagte des Adherbal, Jugurthas Leistungen dagegen priesen sie mit Lobesworten. Mit Freundlichkeit, Redekunst und schließlich mit allen Mitteln setzten sie sich für die verbrecherische Schandtat eines Fremden, wie für die eigene Ehre, ein. Aber (nur) wenige stimmten dagegen, denen Tugend und Recht teurer als Reichtum waren3, und (stimmten statt dessen) dafür, Adherbal beizustehen und den Tod Hiempsals hart zu bestrafen. Am lautesten aber von allen tat dies Aemilius Scaurus, ein adliger Mann, der unermüdlich in Parteien engagiert war, dem es aber auch nach Macht, Ehre und Reichtum verlangte, der aber im übrigen seine Fehler geschickt verbarg. Nachdem er die anrüchige und schamlose Bestechung des Königs gesehen hatte, zügelte er seinen Trieb von der gewohnten Gier, weil er das fürchtete, was in solchen Situationen zu geschehen pflegt, nämlich daß die schmutzige Frechheit Neid entfache.

Im Senat siegte dennoch jene Partei, die Geld oder Gunst der Wahrheit vorzog. Es wurde der Beschluß gefaßt, daß zehn Legaten das Reich, das Micipsa besessen hatte, zwischen Jugurtha und Adherbal aufteilen sollten. Anführer dieser Gesandtschaft wurde L. Opimius, ein berühmter und damals im Senat einflußreicher Mann, weil er als Konsul nach der Ermordung des C. Gracchus und des M. Fulvius Flaccus auf äußerst rücksichtslose Weise den Sieg des Adels gegen das Volk ausgenutzt hatte. Diesen empfing Jugurtha, obschon er ihn in Rom zu seinen Feinden zählte, dennoch mit ausgesuchter Höflichkeit und erreichte viel mit Geschenken und Versprechungen, so daß dieser das Interesse des Königs höher als seinen Ruf, seine Redlichkeit und schließlich all seine Angelegenheiten anschlug. Die übrigen Legaten bearbeitete er auf die gleiche Weise und gewann die meisten für sich. Nur wenigen war ihre Redlichkeit wichtiger als das Geld. Bei der Landaufteilung wurde Jugurtha der Teil Numidiens zugesprochen, der an Mauretanien angrenzt und der reicher an Ackerland und Menschen war. Adherbal nahm den zweiten Teil in Besitz, der mehr dem äußeren Anschein als dem wahren Nutzen nach wertvoller war, und der mehr Häfen und prachtvollere Gebäude hatte

Sallust, Cat. 10

Sobald jedoch der Staat durch Mühe und Gerechtigkeit gewachsen, große Könige im Krieg gezähmt, wilde Stämme und ungeheuer große Völker mit Gewalt unterjocht worden waren und Karthago, die Rivalin des römischen Volkes, mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden war, standen alle Meere und Länder offen, und das Schicksal begann zu wüten und alles in Unordnung zu bringen. Diejenigen, die Mühsalen, Gefahren, verzweifelte und harte Situationen leicht gemeistert hatten, denen brachten Frieden und Reichtum, sonst durchaus erstrebenswerte Dinge, Belastung und Unglück. Es wuchs also zuerst die Gier nach Geld, dann nach Macht: Sie war gleichsam die Wurzel allen Übels. Denn die Habgier untergräbt Treue, Rechtschaffenheit und alle anderen guten Eigenschaften; statt dessen lehrte sie Hochmut, Grausamkeit, die Götter zu verachten und alles für käuflich zu halten. Der Ehrgeiz ließ viele Menschen Heuchler werden, das eine in der Brust verschlossen, das andere offen auf der Zunge tragend, er lehrte Freund- und Feindschaften nicht nach dem inneren Wert, sondern nach dem äußeren Vorteil zu bewerten und eher eine gute Miene als einen guten Charakter zu zeigen. Dies wuchs am Anfang allmählich und wurde bisweilen geahndet. Später aber, sobald der schlechte Einfluß einer Seuche gleich eindrang, änderte sich die Bürgerschaft, und aus einer äußerst gerechten und guten Herrschaft wurde eine grausame und unerträgliche gemacht.

[...]


1 C. Koch, Roma aeterna, G59, 1952, S. 202

2 „O käufliche und dem Untergang geweihte Stadt, wenn sie einen Käufer findet!“, Sallust, Jug. 35,10

3 eigtl. Singular

15 von 15 Seiten

Details

Titel
Das Geschichtsbild des Sallust
Note
12 Punkte
Autor
Jahr
1999
Seiten
15
Katalognummer
V100176
Dateigröße
361 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Latein Sallust Bellum iugurthinum de coniuratione catilinae virtus
Arbeit zitieren
Tobias Wolf (Autor), 1999, Das Geschichtsbild des Sallust, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100176

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