Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Pädagogik - Allgemein

"Kriegskinder" erinnern!?

Zum Spannungsfeld zwischen Nazi- und Kriegsvergangenheit in der aktuellen 'deutschen' Erinnerungskultur am Beispiel von Sabine Bodes "Die vergessene Generation. Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen"

Titel: "Kriegskinder" erinnern!?

Masterarbeit , 2020 , 93 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Dr. Sonja Lukas-Klein (Autor:in)

Pädagogik - Allgemein
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Arbeit ist eine konzeptionelle und setzt sich hermeneutisch am ‚Fall Sabine Bode‘ mit dem Problem auseinander, ob die von ihr identifizierten ‚deutschen Opfer‘ in ihrer Spezifik als ‚Kriegskinder‘ kollektiv erinnert werden sollten.
Dafür werden im theoretischen Teil zentrale Begrifflichkeiten konturiert, ohne die „Die vergessene Generation“ sprachlich nicht gefasst werden kann. Dabei ist dieses Kapitel nicht ‚rein theoretisch‘, sondern von Verweisen auf die (west-)deutsche Erinnerungsgeschichte durchzogen, die für den Fortgang der Arbeit relevant sind.
Im dritten Kapitel wird die aktuelle ‚deutsche‘ Erinnerungskultur beschrieben.
Daraufhin wird der momentane Stand der Forschung zu ‚Kriegskindern‘ dargelegt, die Sabine Bode auf nationaler Ebene erinnert wissen möchte.
Warum sich Bode für eine Modifikation der bestehenden Erinnerungskultur ausspricht und wie diese ihres Erachtens sichtbar gemacht werden sollte, ist dem deskriptiv-analytischen Kapitel zu entnehmen.
Im Anschluss erfolgt zunächst eine Zusammenschau dessen, welchen Raum die ‚Kriegskinder‘ mit ihren zeitgeschichtlichen Erfahrungen gegenwärtig in der Gesellschaft einnehmen.
Erst daran schließt ein kritisch-konstruktives Kapitel an, in dem Bodes erinnerungspolitische Forderung aus vier verschiedenen Blickwinkeln diskutiert wird.
Im Schluss findet eine kurze Zusammenfassung sowie ein Ausblick statt.

In ihrem Buch „Die vergessene Generation“ legt Bode das Thema der (Un-)Vereinbarkeit von Schuld und Leid neu auf, indem sie die klare Grenze zwischen Opfern und Tätern* verwischt. Sie stellt die These auf, dass diejenigen nichtjüdischen Deutschen, die den Zweiten Weltkrieg als Kinder oder Jugendliche erlebt und überlebt haben, von ihr „Kriegskinder“ genannt, durch ihre (früh-) kindlichen Erfahrungen traumatisiert wurden und jetzt im Alter noch immer unter den Folgestörungen leiden, weil sie die Arbeit am Erlebten zeitlebens vermieden, ihre seelischen Verletzungen als Kinder von Tätern* aufgrund der Affekte von Scham und Schuld als gesellschaftlich unbrauchbar verdrängt und verschwiegen haben, sodass ihre Trauer um das Verlorene seit Jahrzehnten offen ist, obwohl sie als genauso unschuldige Opfer anzusehen sind wie Holocaustüberlebende, weil sie als Kinder keine Täter* waren.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erinnerungskultur(en)

2.1 Kollektive Gedächtnisformen

2.1.1 Das nationale Gedächtnis

2.2 Wer erinnert sich?

2.2.1 Heroisches und traumatisches Opfergedächtnis

2.2.2 Täter*gedächtnis

2.2.3 Die Figur des moralischen Zeugen

2.3 Umgang mit historischen Traumata

3. Aktuelle ‚deutsche‘ Erinnerungskultur

4. ‚Kriegskinder‘ und ihre Traumatisierungen

4.1 Psychologisches Trauma

4.2 ‚Kriegskinder‘

5. ‚Kriegskinder‘ national erinnern! – Sabine Bodes „Die vergessene Generation. Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen.“

5.1 Sabine Bodes Argumentation

5.2 Sabine Bodes erinnerungspolitische Forderung aus gedächtnistheoretischer Perspektive

6. Gesellschaftliche Wahrnehmung der ‚Kriegskinder‘

7. ‚Kriegskinder‘ national erinnern? – Diskussion

7.1 Perspektive: ‚Kriegskinder‘

7.2 Perspektive: Identitätsstiftung ‚nach innen‘

7.3 Perspektive: Außenwahrnehmung

7.4 Funktion symbolpolitischer Rituale

7.5 Fazit: ‚Kriegskinder‘ werden erinnert.

8. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht hermeneutisch am „Fall Sabine Bode“, ob nichtjüdische deutsche Kinder des Zweiten Weltkriegs als spezifische „Kriegskinder“ kollektiv erinnert werden sollten. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage gestellt, wie eine Einordnung dieser Opfererfahrungen in den bestehenden deutschen Gedächtnisrahmen, der stark auf der Holocaust-Erinnerung basiert, ohne eine problematische Opferkonkurrenz möglich wäre.

  • Analyse theoretischer Konzepte von Erinnerungskulturen und kollektivem Gedächtnis
  • Untersuchung von Traumatisierungen der „Kriegskinder“-Generation
  • Kritische Auseinandersetzung mit Sabine Bodes erinnerungspolitischen Forderungen
  • Diskussion der gesellschaftlichen Wahrnehmung und der Rolle symbolpolitischer Rituale
  • Reflektion über Möglichkeiten einer integrativen Gedenkkultur

Auszug aus dem Buch

2.2.2 Täter*gedächtnis

Zwischen (viktimologischem) Opfer- und Täter*gedächtnis besteht eine grundlegende Asymmetrie. „Dem Opfergedächtnis entspricht kein ebenso klares Tätergedächtnis, weil Täter gerade nicht um öffentliche Anerkennung, sondern im Gegenteil um Unsichtbarkeit bemüht sind.“ Im Gegensatz zum Selbstbild stärkenden Leid droht Schuld dieses zu zerstören, weil es mit dem von Stolz und Ehre genormten eigenen ‚Identitätsprofil‘ nicht kompatibel ist. So „wehren die Täter ihre Schuld unter dem Druck des sozialen Affekts der Scham ab“. Um ihr Gesicht zu wahren, entsorgen sie alles, was gesellschaftlichen Werten widerspricht, durch Schweigen. Dieses Schweigen hat eine andere Funktion als das von Gewaltopfern:

Schweigen verschafft dem Opfer für eine Weile Distanz zu dem bedrohenden Trauma, dem Täter dagegen gewährt es Sicherheit und Schutz vor Verfolgung. Tabuisierung der Tat ist deshalb das Ziel des Täters, während aufarbeitende Erinnerung das therapeutische und moralische Ziel des Opfers ist.

Schweigen ist aber nicht nur Ausdruck fortgesetzter Macht oder Ohnmacht, sondern auch Ausdruck von Unaussprechlichem. Dem amerikanischen Literaturwissenschaftler George Steiner zufolge ist Sprachlosigkeit als Rückzug des Wesentlichen ins Schweigen ein untrennbar mit der Moderne verbundenes Phänomen, welches nach Aleida Assmann aber erst mit dem Holocaust „kollektiv traumatische Züge“ angenommen habe:

Das Schweigen war […] ein Symptom des Exzesses einer willkürlichen und schrankenlosen Vernichtungsgewalt, die die Verarbeitungsmuster des Bewusstseins und die Kategorien der Sprache mit zerschlug.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den aktuellen Wandel der deutschen Erinnerungskultur angesichts eines Generationenwechsels und die Kritik am bestehenden, Holocaust-fokussierten Gedächtnisrahmen.

2. Erinnerungskultur(en): Dieses Kapitel konturiert theoretische Grundbegriffe wie kollektives Gedächtnis, Erinnerungskultur und Trauma, um einen wissenschaftlichen Rahmen für die Arbeit zu schaffen.

3. Aktuelle ‚deutsche‘ Erinnerungskultur: Es wird die Etablierung der Holocaust-Erinnerung als moralisches Grundverständnis der deutschen Gesellschaft seit den 1990er Jahren beschrieben.

4. ‚Kriegskinder‘ und ihre Traumatisierungen: Hier wird der Forschungsstand zu „Kriegskindern“ und deren Traumatisierung im Zweiten Weltkrieg sowie in der Nachkriegszeit dargelegt.

5. ‚Kriegskinder‘ national erinnern! – Sabine Bodes „Die vergessene Generation. Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen.“: Das Kapitel analysiert die Argumente von Sabine Bode und ihre Forderung nach einer Erweiterung der Erinnerungskultur.

6. Gesellschaftliche Wahrnehmung der ‚Kriegskinder‘: Es wird untersucht, inwieweit das Thema seit Erscheinen von Bodes Buch in das öffentliche Bewusstsein gerückt ist.

7. ‚Kriegskinder‘ national erinnern? – Diskussion: In diesem kritisch-konstruktiven Kapitel wird Bodes Forderung aus verschiedenen Perspektiven debattiert und die Machbarkeit einer Integration in den nationalen Gedächtnisrahmen hinterfragt.

8. Schluss: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass kollektives Erinnern an Kriegskinder bereits stattfindet, eine institutionelle Erweiterung des nationalen Rahmens jedoch problematisch bleibt.

Schlüsselwörter

Erinnerungskultur, Kriegskinder, Holocaust, Kollektives Gedächtnis, Trauma, Vergangenheitsbewältigung, Opferdiskurs, Sabine Bode, Identität, Generationenwechsel, Schuld, Scham, Opferkonkurrenz, Nation, Gedenkkultur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der offiziellen deutschen Holocaust-Erinnerungskultur und dem Bedürfnis nach einer öffentlichen Anerkennung der leidvollen Erfahrungen deutscher Kinder des Zweiten Weltkriegs.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind Erinnerungskultur, transgenerationale Traumaweitergabe, die Konstruktion von Identität in Familien sowie die Dynamiken zwischen Täter- und Opfergedächtnis.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die kritische Analyse der Forderung von Sabine Bode, die Erfahrungen deutscher „Kriegskinder“ in den nationalen Gedächtnisrahmen zu integrieren, ohne dabei die historische Verantwortung für den Nationalsozialismus zu relativieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit ist konzeptionell und setzt sich hermeneutisch am „Fall Sabine Bode“ mit dem Problem auseinander, ob die von ihr identifizierten deutschen Opfer kollektiv erinnert werden sollten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt theoretische Grundlagen des kollektiven Gedächtnisses, den Forschungsstand zu Traumata bei Kriegskindern sowie eine kritische Diskussion der politischen Forderungen Bodes aus verschiedenen Perspektiven.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Schlüsselwörtern zählen Erinnerungskultur, Kriegskinder, Trauma, Kollektives Gedächtnis, Opferdiskurs, Schuld, Scham und nationale Identität.

Wie unterscheidet die Arbeit zwischen „Niederlage“ und „Trauma“?

Während eine Niederlage retrospektiv als sinnvoll gedeutet werden kann, entzieht sich ein Trauma aufgrund des extremen Ausmaßes an Gewalt jeder nachträglichen Sinngebung und Rechtfertigung.

Warum lehnt die Autorin die Erweiterung des nationalen Gedächtnisrahmens ab?

Die Autorin argumentiert, dass eine solche Erweiterung die Gefahr der Opferkonkurrenz birgt und die notwendige, zentrale Fokussierung auf die Holocaust-Verbrechen sowie die deutsche Verantwortung für diese schwächen könnte.

Ende der Leseprobe aus 93 Seiten  - nach oben

Details

Titel
"Kriegskinder" erinnern!?
Untertitel
Zum Spannungsfeld zwischen Nazi- und Kriegsvergangenheit in der aktuellen 'deutschen' Erinnerungskultur am Beispiel von Sabine Bodes "Die vergessene Generation. Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen"
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Allgemeine Erziehungswissenschaft)
Note
1,0
Autor
Dr. Sonja Lukas-Klein (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
93
Katalognummer
V1001874
ISBN (eBook)
9783346377340
ISBN (Buch)
9783346377357
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kriegskinder Bode Erinnerungskultur Trauma Täter-/Opferzuschreibungen deutsches Leid Erinnerungspolitik kollektives Gedächtnis Holocaust-Erinnerung Trauer symbolpolitische Rituale
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dr. Sonja Lukas-Klein (Autor:in), 2020, "Kriegskinder" erinnern!?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1001874
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  93  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum