Arnold Bentley - Musikalische Begabung bei Kindern und ihre Meßbarkeit


Seminararbeit, 1999

17 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist musikalische Begabung?
2.1 Musikalische Begabung - angeboren oder erworben?

3 Die Entwicklung der Testreihe nach Bentley

4 Testreihe mit Musikstudierenden der Universität Dortmund
4.1 Durchführung der Testreihe
4.2 Auswertung der Testreihe

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Tabelle mit Testdaten von Musikstudierenden vom 12.11.1998

Abbildung 2: Tabelle mit Vergleichszahlen anderer Testreihen

Abbildung 3: Geschlechtsverteilung

Abbildung 4: Correlation Matrix

Abbildung 5: Rotated Factor Matrix

1 Einleitung

Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit dem Musikalitätstest von Arnold Bentley, der diesen 1966 veröffentlicht hat. Das Buch, das er zusammen mit einer Schallplatte herausgegeben hat, trägt den Titel „Musikalische Begabung bei Kindern und ihre Meßbarkeit". Ich habe diesen Titel für meine Seminararbeit übernommen.

Bentleys Musikalitätstest ist ein Gruppentest, der von Lehrern in der praktischen Schularbeit mit sieben- bis vierzehnjährigen Kindern eingesetzt werden soll. Komponenten wie Unterscheidungsfähigkeit für Tonhöhe, des Ton- und Rhythmusgedächtnisses sowie die Fähigkeit, Akkorde zu analysieren bzw. zu bestimmen, sollen mit diesem Test von Bentley bestimmt werden können.

Die Seminararbeit greift im zweiten Kapitel die Frage auf: Was ist musikalische Begabung und ist sie angeboren? Mit dieser Frage hat sich auch Bentley beschäftigt. Seine Stellungnahme findet sich im Kapitel 2.

Schwerpunktmäßig werden in dieser Arbeit die Entwicklung des Musikalitätstests hin zu seiner endgültigen Fassung behandelt (Kapitel 3), und zum Anderen die Durchführung und Auswertung der Testreihe von Bentley mit Musikstudierenden der Universität Dortmund. Bei der Auswertung habe ich andere Testreihen, die von Bentley durchgeführt wurden, zum Vergleich herangezogen.

Literaturschwerpunkt der Arbeit ist das Buch von Arnold Bentley, Musikalische Begabung bei Kindern und ihre Meßbarkeit, das Bentley 1966 mit einer Schallplatte zusammen veröffentlicht hat. Auf der Schallplatte befinden sich die Testanweisungen in deutscher Sprache zur Durchführung des Tests.

2 Was ist musikalische Begabung?

Dies ist ein schwieriger und umfassender Begriff, der sich nicht einfach definieren läßt und auf den man auch nicht leicht eine Antwort findet. Er ist zunächst gleichzusetzen mit Musikalität, wie dies auch diverse Lexika tun.

Wir haben im Seminar (22.10.1998) selbst versucht, eine Definition von Musikalität aufzustellen. Dies ist uns, meiner Meinung nach, auch sehr gut gelungen. Sie lautet:

„Musikalität ist eine menschliche Veranlagung, die sich sowohl passiv als auch aktiv äußert und emotional wie intellektuell bestimmt ist. Somit besitzt sie jeder Mensch, sie tritt jedoch nicht immer und nicht in demselben Grad zutage. Sie kann durch entsprechendes Training gefördert werden.

Passiv-emotional äußert sich Musikalität durch das Ergriffensein von Musik, sowie durch das Empfinden des Rhythmus. Passiv-intellektuell stellt sie die Fähigkeit dar, Musik aufmerksam zu verfolgen, musikalische Zusammenhänge zu erkennen und zu reflektieren.

Aktive Musikalität bezeichnet das Vermögen, Musik zu generieren bzw. zu produzieren oder umzusetzen, sowie Ausdruck in Musik zu legen."

Im Vergleich dazu eine Definition aus der Brockhaus Enzyklopädie (1994):

„Musikalität, musikalische Begabung, ist die angeborene oder erworbene Fähigkeit, Musik aufzunehmen und auszuüben. Sie zeigt sich u.a. in der Ausbildung eines relativen oder absoluten Gehörs, in Treffsicherheit beim Singen, in schneller Erfassung rhythmischer Gliederungen melodischer Wendungen und harmonischen Zusammenhängen sowie in der Fähigkeit, Klangereignisse im Gedächtnis zu bewahren."1

Im wesentlichen sind sich die beiden Definitionen sehr ähnlich. Beide sprechen von einer aktiven und passiven Musikalität, und vom Erkennen von musikalischen Zusammenhängen. Die zweite Definition geht noch etwas weiter und spricht auch von einer angeborenen Fähigkeit der Musikalität.

Bentley versteht unter Musikalität folgendes:

„ ... es ist jenes Charakteristikum oder es sind jene Charakteristika, die „musikalische" Menschen von „unmusikalischen" unterscheiden."2

Schwierig ist es seiner Meinung nach, „musikalisch" im Unterschied zu „unmusikalisch" zu definieren. Klar ist, daß einige Menschen musikalischer sind als andere, aber wo ist der Trennungsstrich zu ziehen?

Vor allem kann sich Musikalität verschieden ausdrücken. So gibt es Komponisten, Ausübende und Zuhörer. Alle drei können musikalisch sein. Bentley spricht sogar davon, daß alle drei musikalisch sind, da alle Charakteristika besitzen, die sich von jenen unterscheiden, die weder komponieren noch Musik ausüben noch Musik hören. Deshalb zieht Bentley die Schlußfolgerung, daß alle, die aktiv an einem musikalischen Geschehen teilhaben, eine musikalische Begabung besitzen. Doch da es keine gültige Definition gibt, hat man auch kein gültiges Kriterium, um Charakteristika aufzustellen, die „musikalisch" von „unmusikalisch" unterscheiden.3

2.1 Musikalische Begabung - angeboren oder erworben?

Bentley nimmt auch Stellung zu der Hypothese, ob musikalische Begabung angeboren oder erworben ist. Er sagt, daß beide Standpunkte extreme Standpunkte sind. Argumente können für beide Seiten vorgebracht werden, aber keine Seite ist vollkommen überzeugend. Deswegen nimmt er eine Mittelposition ein. Er streitet weder die angeborene noch die erworbene Seite ab. [...] „Beweise ähnlicher Unterschiede bezüglich des erreichten Fortschrittes bei Kindern desselben Alters und gleichartiger häuslicher Umgebung kann man aus der Arbeit der Instrumentallehrer erhalten. Vielleicht sind die Unterschiede, die man bei Kindern der gleichen Eltern in einer „musikalischen" Familie beobachten kann, noch beachtenswerter. Das eine Kind mag schnelle Fortschritte in seiner musikalischen Betätigung machen, ein anderes einen nur mäßigen, ein drittes überhaupt keinen Fortschritt. Umgebung, Möglichkeiten, Ermunterung, Qualität des Unterrichts, alles ist für alle Kinder der Familie gleich gelagert; was jedes Kind für sich daraus macht, scheint in sehr großem Maße abhängig zu sein von einer ihm innewohnenden Fähigkeit, einem angeborenen Talent, einer „biologischen Prädisposition", oder wie wir es auch nennen mögen."4

Die Schlußfolgerung Bentleys sieht also wie folgt aus: Kinder zeigen sowohl in einem frühen Alter oder auch später weit unterschiedliche Fähigkeiten oder Fähigkeitsgrade in bezug auf die Musik. Der Grund dafür mag auf Vererbung beruhen, aus der Umwelt abzuleiten sein oder aus einer Kombination von beiden zu verstehen sein.5

Daraus abgeleitet stellt er folgende Frage auf:

Können diese verschiedenen Fähigkeiten oder Fähigkeitsgrade gemessen werden?

Also: Kann man eine Testreihe entwickeln, mit der man Musikalität bzw. musikalische Begabung messen kann?

3 Die Entwicklung der Testreihe nach Bentley

Die Notwendigkeit, die Bentley in der Entwicklung seines Test sieht ist die, daß kein früher veröffentlichter Gruppentest speziell für jüngere Kinder entwickelt worden ist. Der Seashore- bzw. auch der Wing-Test sind zwar auch auf jüngere Kinder angewendet worden, aber eigentlich für ältere ausgearbeitet worden. Das Testen von jüngeren Kindern nach dem Seashore- oder Wing-Verfahren hat sich wegen der Schwierigkeit, Interesse und Aufmerksamkeit zu wahren, als nicht möglich erwiesen.6

Bentley ist zunächst von der Überlegung ausgegangen, einen Gruppentest zu entwerfen, da der offensichtliche Vorteil des Gruppentests darin liegt, viel mehr Kinder in einem begrenzten Zeitraum testen zu können.7

Ferner müssen die Tests, wie oben schon erwähnt, auf die jeweilige bestimmte Altersgruppe hin zugeschnitten werden, so wie das auch bei Intelligenztests der Fall ist. Die Schwierigkeitsgrade müssen dem Alter entsprechend angepaßt werden, d.h. sie basieren auf den Ergebnissen von Beobachtungen der Kinder dieser Altersgruppen.

Bentley machte diese Beobachtungen8 und fand heraus, daß in erster Linie Fähigkeiten wie Erinnerungsvermögen und Tonhöhenunterscheidung zu messen sind. Er entwarf eine erste Testreihe mit Gedächtnistest und Tonhöhenunterscheidungstest.

Gedächtnistest

Der Gedächtnistest bestand aus 30 Melodien, die jeweils zweimal auf dem Klavier gespielt wurden und einen Umfang von drei bis zehn Tönen hatten. Es sollte lediglich herausgefunden werden, ob beim zweiten Vorspiel eine Veränderung aufgetreten ist oder nicht. Man sollte dieses mit „G" für gleich und „V" für verschieden kennzeichnen. Von den 30 Beispielpaaren waren 8 gleich und 22 verschieden. Man bemühte sich die Melodien auf dem Klavier, bis auf den veränderten Ton, so genau wie möglich zu spielen. Also gleiches Tempo, gleiche Länge, gleiche Lautstärke, u.s.w..9

Test für die Tonhöhenunterscheidung

Der Tonhöhenunterscheidungstest bestand aus 30 Paaren von Tonhöhen, die auch auf dem Klavier vorgespielt wurden. Es sollte ein „G" aufgeschrieben werden, wenn der zweite Ton dem ersten entspricht. Ein „H" sollte für höher stehen, ein „T" für tiefer, wenn die Tonhöhe nicht gleich war. Bei diesem Test sollte herausgefunden werden, ob die Größe des gespielten Intervalls einen Einfluß auf die Beurteilung des Tonhöhenunterschieds hat. Das kleinste Intervall war hier die Sekunde, also der Halbtonschritt. (Es wurde der Halbtonschritt also nicht noch verkleinert.) Die Intervalle wurden im Tonumfang vom e bis zum e``` gespielt.10

Die beiden Probetests wurden in normalen öffentlichen Volksschulen mit Klassen von neun- bis elfjährigen Kindern als Gruppentests durchgeführt. Insgesamt wurden 312 Kinder (142 Jungen und 170 Mädchen) getestet.11

Die Schlußfolgerungen Bentleys aus dem Ergebnis dieser ersten Testreihe sehen wie folgt aus. Sein Hauptkritikpunkt liegt darin, daß die Beispiele nicht von der Schallplatte, sondern vom Klavier kamen. Allein dadurch konnten schon ungewollte Veränderungen der Töne, wie Ungenauigkeiten in der Tonlänge, auftreten. Auch konnten Ungenauigkeiten von Testgruppe zu Testgruppe entstehen, da nicht alle Kinder auf einmal getestet wurden. Beim Gedächtnistest sehen die Kritikpunkte Bentleys so aus:

- Die Beispiele waren insgesamt zu lang. Die lÄngeren Beispiele (10 Noten) waren schwieriger als die kürzeren ( 3 Noten).

Man beschloß, daß künftig alle Beispiele gleicher Länge sein sollten. Daß heißt, es sollten nicht mehr als 5 Töne sein und alle Töne sollten gleich lang gespielt werden. Die Verschärfung dieser Abänderung geht dahin, daß Bentley nun festgelegt hat, daß die exakte Position des abgeänderten Tones bestimmt werden soll.

- Die rhythmische Gewichtung war zu ungenau. Die Töne waren nicht alle gleich lang. Es traten in einem Beispiel sowohl Achtel- als auch Halbenoten auf. Durch die Kombination von Melodie und Rhythmus entstand ein erhöhter Schwierigkeitsgrad.

Man entschied sich dazu, künftig Melodie und Rhythmus zu trennen.

- Die Position des verÄnderten Tones innerhalb der Melodie.

Am Anfang und am Ende der Melodie wurden die veränderten Töne mit 38% erkannt. In der Mitte der Melodie nur mit 52%.

- Die Spanne der Intervalle innerhalb der Melodie war zu groß.12

Beim Tonhöhenunterscheidungstest stellt Bentley folgende Kritikpunkte heraus: · Die Gr öß e des Tonhöhenintervalls beeinfluß t ganz klar den Schwierigkeitsgrad.

Einen Halbtonschritt erkannten 60% der Kinder, eine Reine Quinte 83% und den Einklang 92%.

Deswegen entschloß man sich, hier den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen. Man entschied sich dazu, die Tonhöhendifferenz, ausgehend vom Halbtonschritt, zu verringern. Das Klavier konnte dies nun nicht mehr leisten. Man ging deshalb dazu über, die Tests via Schallplatte durchzuführen und nahm die Töne mit Hilfe eines speziell kalibrierten Sinuswellen-Oszillator auf.13

Die endgültige Testserie wurde über mehrere Versionen hin, die alle an einer großen Anzahl von Kindern ausprobiert wurde, entwickelt.

Bentley hat den endgültigen Test auf bestimmte Komponenten beschränkt, da er den Test für 7 - 14jährige Kinder entwickelt hat. Die Kinder werden in ihrer Unterscheidungsfähigkeit für Tonhöhe, Ton- und Rhythmusgedächtnis sowie in der Fähigkeit, Akkorde zu analysieren bzw. zu bestimmen, getestet.14

Der endgültige Test besteht also aus vier Komponenten:

1. Tonhöhenunterscheidungstest
2. Tongedächtnistest
3. Akkordanalysetest
4. Rhythmusgedächtnistest

Die vier Komponenten beinhalten folgendes:

1. Tonhöhenunterscheidungstest

Im neuen Tonhöhenunterscheidungstest ist der Halbton die größte Tonhöhendifferenz.

Differenzen, die unter dem Halbton liegen, mußten mit Hilfe eines Sinuswellen-Oszillatoren erzeugt werden. Der Ton a = 440 Hz wurde als Ausgangspunkt genommen und alle Tonhöhendifferenzen von hier aus gemessen. Er wurde deshalb als Bezugspunkt genommen, weil diese Tonhöhe ungefähr in der Mitte des Ambitus der Stimme eines Kindes liegt. Bentley ist dabei von der Annahme ausgegangen, daß der Kehlkopf bei der Tonhöhenunterscheidung mithilft, selbst dann, wenn keine bewußte vokale Antwort seitens des Hörers gegeben wird. Der Test besteht insgesamt aus 20 Aufgaben. Jede Aufgabe besteht aus einem Tonpaar, wobei der zweite Ton höher, tiefer, oder gleich sein kann. Die Testpersonen sollen dies auch mit den Kürzeln „g" für gleich, „t" für tiefer und „h" für höher kennzeichnen.15

2. Tongedächtnistest

Der neue Tongedächtnistest besteht aus zehn Aufgaben. Jede Aufgabe besteht aus 5 Tönen, die jeweils zweimal gespielt werden. Beim zweiten Vorspiel der Reihe kann ein Ton aus der Reihe um einen Halb- oder Ganzton nach oben oder nach unten verändert worden sein oder aber die Reihe erklingt ohne Veränderung ein zweites Mal. Die Testperson soll nun herausfinden, ob ein Ton verändert worden ist. Wenn dies nicht der Fall ist, dann muß ein „g" für gleich auf dem Testbogen aufgeschrieben werden. Wenn aber ein Ton verändert worden ist, dann muß die Person die exakte Position des veränderten Tones bestimmen und auf dem Testbogen notieren. Also eine Ziffer zwischen 1 und 5. Der Melodieumfang beschränkt sich auf Töne in bequemer Lage innerhalb des Stimmumfanges des Kindes, also in der Quinte vom d` bis zum a`. Alle Töne sind gleich lang und es gibt keine dynamischen Akzente, um rhythmische Komplikationen zu vermeiden. Die Töne des tonalen Gedächtnistests wurden auf einer Orgel mit Achtfuß- und Vierfußflötenregistern gespielt.16

3. Akkordanalysetest

Der neue Akkordanalysetest besteht aus 20 Aufgaben mit Mehrklängen von zwei, drei und vier Tönen. Alle Töne aller Aufgaben liegen innerhalb des Stimmumfangs von Kindern. Keine zwei aufeinanderfolgenden Aufgaben haben irgendeinen Ton gemeinsam, damit beim Kind keine Verunsicherung auftritt. Jeder Akkord erklingt drei Sekunden lang. Die Testpersonen werden gebeten, die Anzahl der gehörten Töne in jedem Akkord festzustellen und zu notieren.17

4. Rhythmusgedächtnistest

Der neue Rhythmusgedächtnistest besteht aus zehn Aufgaben. Jede Aufgabe besteht aus einer rhythmischen Figur, die in vier Zählzeiten dargestellt wird, und jeweils zweimal gespielt wird. Die Testpersonen sollen nun feststellen, ob die wiederholte Aufgabe die „gleiche" ist wie die erste, oder - falls „verschieden" - die Zählzeit angeben, auf die die Veränderung fällt. Es sind also fünf gültige Antworten möglich: g, 1, 2, 3, 4.

Eine Aufgabe (bestehend aus zwei Teilen) wird auf einem Ton gespielt. Um jedoch die Eintönigkeit, die beim Hören aller zehn Testbeispiele auf einem Ton gegeben wäre, zu vermeiden, ist die Tonhöhe bei jeder Aufgabe verändert.18

4 Testreihe mit Musikstudierenden der Universität Dortmund

Um zu sehen, wie Bentleys Musikalitätstest aussieht und wie er funktioniert, haben Musikstudierende der Universität Dortmund im Rahmen des Seminars „Musikalität" unter der Leitung von Herrn Prof. Rötter den Test durchgeführt.

4.1 Durchführung der Testreihe

An dem Test haben 20 Studierende teilgenommen, davon sind 8 männlich und 12 weiblich. Die Durchführung des Test dauerte ungefähr 20 Minuten und wurde mit Hilfe einer CD- Aufnahme durchgeführt. Ursprünglich ist nur eine Schallplattenaufnahme vorhanden gewesen. Diese wurde im Tonstudio auf CD gepreßt.

Der Test ist in 4 Komponenten19 unterteilt. Auf dem Arbeitsblatt, das auf Seite 59 im Buch von A. Bentley (1966) angeführt ist, sind die Testkomponenten mit Tonhöhe, Melodie, Akkorde und Rhythmus benannt.

Es gibt 20 Höraufgaben für Tonhöhe, 10 Aufgaben für Melodie, 20 Aufgaben für Akkorde und 10 für Rhythmus.

Die Testanweisungen sind in deutscher Sprache zu hören. Da der Test für Kinder im Alter von 7-14 Jahren entwickelt worden ist, sind die Testanweisungen in der „Du"-Form zu hören und die Sprache ist in einfacher Form.

Die Musikstudierenden hörten dem Test sehr aufmerksam und konzentriert zu.

Es wurden alle Aufgaben von allen Studierenden gelöst. Die Auswertung findet sich im folgenden Kapitel.

4.2 Auswertung der Testreihe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Testdaten vom 12.11.1998 Entwurf: B.Z.

Testpersonen: Musikstudierende des Seminars „Musikalität" der Universität Dortmund, WS 98/99

Maximal sind beim Bentley - Test 60 Punkte bei 60 Aufgaben zu erreichen. Das heißt, für jede falsche Aufgabe gibt es einen Abzugspunkt.

Schaut man sich das Ergebnis an, so läßt sich auf einen Blick erkennen (Ø 56,2 Punkte, das entspricht rund 94%), das hier keine Normalverteilung vorhanden ist, sondern das Ergebnis weit überdurchschnittlich ausgefallen ist.

Das Ergebnis läßt sich auch wie folgt darstellen:

1 x 60 Punkte, 3 x 59 Punkte, 2 x 58 Punkte, 8 x 57 Punkte, 1 x 56 Punkte, 1 x 55 Punkte, 2 x 53 Punkte, 1 x 51 Punkte und 1 x 47 Punkte.

Das schlechteste Testergebnis mit 47 von 60 möglichen Punkten hat immer noch ein prozentuales Ergebnis von 78% zu verbuchen.

Schaut man sich daraufhin die Punkteverteilung der einzelnen Tests an, so läßt sich folgendes erkennen:

Beim Tonhöhenunterscheidungstest haben 14 von 20 Personen die volle Punktzahl von 20 erreicht, 2 Personen 19 Punkte, 3 Personen 18 Punkte und eine Person 17 Punkte. Beim Tongedächtnistest haben 14 Personen die volle Punktzahl von 10 Punkten erreicht. 5 Personen haben 9 Punkte und eine Person hat 8 Punkte.

Beim Rhythmusgedächtnistest haben 14 Personen die volle Punktzahl von 10, 5 Personen haben 9 Punkte und eine Person 8 Punkte.

Beim Akkordanalysetest haben 2 Personen die volle Punktzahl von 20 erreicht, 5 Personen 19 Punkte, 4 Personen 18 Punkte, 5 Personen 17 Punkte, eine Person 16 Punkte, eine Person 15 Punkte und 2 Personen 14 Punkte.

Zusammenfassend läßt sich festhalten:

Der Tonhöhenunterscheidungstest, der Tongedächtnistest und der Rhythmusgedächtnistest bereitete, wie das Ergebnis zeigt, den Studierenden keine Schwierigkeiten. Es erreichten jeweils 14 von 20 (entspricht 70%) der Studierenden die volle Punktzahl. Beim Akkordanalysetest sieht das Ergebnis jedoch anders aus. Es erreichten nur 2 Studierende die volle Punktzahl. Auch ist die Auffächerung der Punkteverteilung viel größer als bei den anderen Tests. Hierbei wurden 7 verschiedene Punktzahlen erreicht, wohingegen bei den anderen drei Tests nur drei bis vier verschiedene Punktzahlen erreicht wurden. Man kann also sagen, daß der Akkordanalysetest sehr viel schwieriger ist im Vergleich zu den anderen Tests. Immerhin wurden im Durchschnitt trotz allem noch 17,55 von 20 möglichen Punkten erreicht. Das entspricht 88%.

In Bentleys Buch von 1966 habe ich auf den Seiten 66 und 76 vergleichbare Durchschnittsergebnisse der gesamten Testserie gefunden. Es handelt sich dabei um Testergebnisse von 18 Chorschüler, 120 Musikgraduierte, 22 Streicherlehrer und 350 nicht besonders ausgewählte Erwachsene.

Ich habe diese Testergebnisse in Relation zu unserem Ergebnis gesetzt. Die Tabelle sieht wie folgt aus:20 21 22 23 24

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Vergleich der Durchschnittsergebnisse mit anderen Testreihen Entwurf: B.Z.

Angaben in absoluten Zahlen

Schaut man sich die Spalte „Gesamt" an, so liegen die Musikstudenten mit 56,2 Punkten an der Spitze aller getesteten Gruppen. Selbst die 120 Musikgraduierten wurden auf den zweiten Rang verwiesen.

Vergleicht man jede Spalte für sich, so liegen die Musikstudenten im Bereich „Tonhöhe" mit durchschnittlich 19,45 Punkten deutlich vor den anderen Testgruppen. Im Bereich „Melodien" liegen die Musikgraduierten mit 9,8 Punkten knapp vor den Musikstudenten mit 9,65 Punkten. In der dritten Spalte „Akkorde" führen die Musikgraduierten die Tabelle mit 18,4 Punkten an. Die Musikstudenten liegen wieder an zweiter Stelle. Im Bereich „Rhythmus" erreichten die Musikstudenten mit 9,55 Punkten knapp vor den Musikgraduierten die beste Punktzahl.

Zusammenfassend läßt sich festhalten, daß alle Ergebnisse bis auf die der „n. a.

Erwachsenen" keine repräsentativen und normalverteilten Ergebnisse sind, weil hier eine Überqualifikation der Testgruppen vorliegt.

Bis auf die „n. a. Erwachsenen" sind alle anderen Gruppen Fachgruppen für Musik.

Ferner läßt sich festhalten, daß der Umfang der Testpersonen oftmals zu gering ist, um ein repräsentatives Ergebnis zu erringen. So ist vor allem der Personenumfang der Musikstudenten, der Chorschüler und der Streicherlehrer zu gering.

Es folgt die Geschlechtsverteilung der getesteten Musikstudenten der Universität Dortmund:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Geschlechtsverteilung in Bezug auf die Punktewertung Entwurf: B.Z.

Sieht man sich die fettgedruckten Zahlen an, so fällt auf, daß die weiblichen Studenten im Schnitt etwas besser abgeschnitten haben als die männlichen Studenten. Beide Zahlen beziehen sich auf die maximal zu erreichende Punktzahl von 60 Punkten.

Als nächstes folgt eine Korrelationsmatrix, bei der alle vier Komponenten (Tonhöhe, Akkorde, Melodie und Rhythmus) miteinander korreliert wurden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Correlation Matrix Entwurf: B.Z.

Am Auffälligsten hierbei ist das negative Verhältnis, welches aus der Korrelation von Rhythmus und Melodie hervorgeht. Durch dieses negative Verhältnis ist belegt, daß Bentley Recht hatte, Melodie und Rhythmus nicht in einem Test zu vereinen, sondern zu trennen. In seinem zunächst entwickelten Probetest hatte Bentley Melodie mit Rhythmus im „Gedächtnistest" kombiniert.25

Die doch relativ hohen Werte bei der Kombination von Rhythmus mit Tonhöhe (0,59) und Akkorde mit Tonhöhe (0,44) sind wahrscheinlich auf den zu geringen Testumfang zurückzuführen. Bentley hat so hohe Werte in seinen durchgeführten Testreihen nicht erreicht.26

Kommen wir nun zur Faktorenanalyse. Diese sieht wie folgt aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Rotated Factor Matrix Entwurf: B.Z.

Versucht man für die in der Tabelle mit Faktor 1 und Faktor 2 übertitelten Faktoren Namen zu finden, so stechen für die Namensgebung besonders die fettgedruckten Testkomponenten ins Auge.

Beginnen wir mit Faktor 2. Hier ist besonders auffällig, daß die Melodie diesen Faktor sehr stark prägt (mit 0.95) und der Rhythmus diesen Faktor negativ prägt, also gar nicht zur Geltung kommt. Die anderen Testkomponenten fallen wegen zu geringen Werte nicht ins Gewicht. Deshalb würde ich diesen Faktor auch mit Melodie überschreiben. Da meiner Ansicht nach der Rhythmus das „Gegenteil" zur Melodie ist, läßt sich dadurch auch der negative Einfluß des Rhythmus in diesem Faktor erklären.

Den Faktor 1 würde ich mit Begleitung übertiteln, da hier die Melodie gar nicht ins Gewicht fällt. Die anderen drei Komponenten sind dagegen sehr ausschlaggebend. Die Begleitung ist durch Akkorde und den Rhythmus geprägt. Es kommt aber bei der Begleitung auch immer auf die richtigen Akkorde an, damit die Melodie auch klingt. Deshalb ist die Tonhöhe bei diesem Begleitungsfaktor ebenfalls wichtig. Die Tonhöhe bestimmt den richtigen Akkord, wie G- Dur, a-Moll, Cis-Dur, e.t.c..

5 Fazit

Musikalität ist ein weiter Begriff, den man nicht so einfach fassen kann. Es gibt keine gültige Definition für diesen Begriff. Jeder versucht ihn auf seine Weise zu definieren.

Deswegen kann es keinen Musikalitätstest geben, der Musikalität wirklich mißt. Seashore, Wing, Bentley, und wie sie alle heißen, haben mit ihren Testreihen versucht, einen gültigen Musikalitätstest zu finden. Doch so lange es keine einheitliche Definition von Musikalität gibt, kann man auch keinen gültigen Test entwickeln.

Bentley ist, meiner Meinung nach, eine gute Testentwicklung gelungen. Bis auf den Akkordanalysetest sind alle anderen Komponenten von den Kindern leistbar. Dieser Akkordanalysetest ist zu schwer für Kinder im Alter von sieben bis vierzehn Jahren. Allein schon bei der Testreihe mit den Studierenden hat diese Komponente am schlechtesten abgeschnitten. Das bedeutet, daß selbst für „Fachleute" der Musik dieser Akkordanalysetest zu schwer ist.

Bentley hat diesen Test hauptsächlich deswegen entworfen, weil er die Beurteilungen der Schüler seitens der Lehrer in der Schule für zu subjektiv hält. Ist Bentley also der Auffassung, daß die Lehramtsstudierenden diesen Test anwenden und danach ihre Schüler benoten sollen? Man kann keinem Schüler eine schlechte Zensur aufschreiben, nur weil er im Test schlecht abgeschnitten hat und damit als unmusikalisch gilt. Vielmehr beurteilt man doch sein Bemühen im Unterricht, sich mit der Musik auseinander zu setzen und zu lernen, was sich alles hinter dem Begriff „Musik" versteckt. Es ist nunmal nicht jeder „musikalisch". Meiner Meinung nach sagt dieser Test nur aus, daß manche Menschen ein größeres Musikverständnis und Musikempfinden besitzen als andere.

Ich würde diesen Test nur in der Schule einsetzen, um zu kontrollieren, was die Schüler schon können und wo sie noch Schwächen aufweisen, um danach an den Schwächen zu arbeiten.

6 Literaturverzeichnis

Bentley, Arnold: Musikalische Begabung bei Kindern und ihre Meßbarkeit. Aus: Schriftenreihe zur Musikpädagogik. Band 1.

Verlag Moritz Diesterweg, Frankfurt/M, Berlin, Bonn, München. 1966.

Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden. Bd. 15., S. 231. F.A. Brockhaus, Mannheim. 1991.

[...]


1 Brockhaus Enzyklopädie, 1991, Bd. 15, S. 231

2 A. Bentley, 1966, S. 15

3 A. Bentley, 1966, S. 15-16

4 A. Bentley, 1966, S. 17

5 A. Bentley, 1966, S. 17

6 A. Bentley, 1966, S. 36

7 A. Bentley, 1966, S. 27

8 Diese Beobachtungen werden von Bentley auf S. 94 in seinem Buch von 1966 geschildert.

9 A. Bentley, 1966, S. 37, 38

10 A. Bentley, 1966, S. 38

11 A. Bentley, 1966, S. 39

12 A. Bentley, 1966, S. 39, 40

13 A. Bentley, 1966, S. 40, 41

14 A. Bentley, 1966, S. 56

15 A. Bentley, 1966, S. 47, 48

16 A. Bentley, 1966, S. 50

17 A. Bentley, 1966, S. 51-53

18 A. Bentley, 1966, S. 49-51

19 siehe S. 9-11

20 20 Musikstudierende des Seminars „Musikalität" an der Universität Dortmund, WS 1998/99. Keine Altersangabe.

21 18 Knabenchorschüler einer Kapelle und Schule eines Universitätscolleges, die für ihr Stipendium aufgrund einer Kombination von stimmlicher Qualität, erwiesener musikalischer Begabung und hinsichtlich ihres Alters ausreichender allgemeiner schulischer Leistungen ausgelesen worden sind. Das Alter reicht von 7 bis 13 Jahren.

22 Musiker, die einen Universitätsgrad in Musik und / oder gleichwertige Diplome an Musikcolleges erworben haben. Das Alter reicht von 21 bis 65 Jahren.

23 Bentley wählte insgesamt 350 musikalisch nicht besonders ausgewählte erwachsene Studenten von pädagogischen Hochschulen aus.

24 Von den 22 professionellen Streicherlehrern hat keiner einen musikalischen Grad erworben. 13 haben aber ein Berufsdiplom in Musik. Das Alter reicht von 20 bis 66 Jahren.

25 Siehe hierzu auch S. 8, Punkt 2 unter „Gedächtnistest".

26 Siehe hierzu auch in Bentley, 1966, S. 70

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Arnold Bentley - Musikalische Begabung bei Kindern und ihre Meßbarkeit
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Veranstaltung
Seminar zum Thema: Musikalität
Autor
Jahr
1999
Seiten
17
Katalognummer
V100188
ISBN (eBook)
9783638986175
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arnold, Bentley, Musikalische, Begabung, Kindern, Meßbarkeit, Seminar, Thema, Musikalität
Arbeit zitieren
Britta Zimmermann (Autor:in), 1999, Arnold Bentley - Musikalische Begabung bei Kindern und ihre Meßbarkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100188

Kommentare

  • Gast am 20.1.2003

    Arnold Bentley - Musikalische Begabung bei Kindern ....

    Sehr geehrte Frau Zimmermann,
    als Lehramtstudent nahm ich seinerzeit am Bentley-Test teil, den unser Professor in Augsburg (Kurt Suttner)mit uns durchführte. Über das Ergebnis weiß ich leider nichts Konkretes mehr, kann mich nur noch daran erinnern, dass auch mir der Akkordunterscheidungstest als der schwierigste Test erschien (ist schon 28 Jahre her!). Nun hätte ich gerne gewusst, wo es die Platte oder neuerdings auch die CD noch zu kaufen gibt, ich möchte sie gerne in meinem Unterricht einsetzen. Können Sie mir weiterhelfen?

    Mit freundlichen Grüßen

    Leo Ebenhoch

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