Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über bedeutende Verfahren des qualitativen Interviews zu geben. In der empirischen Forschung gibt es unterschiedliche Methoden, mit welchen Informationen gesammelt und weiterverarbeitet werden. Eine dieser Methoden ist die Befragung. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf eine bestimmte Art der Befragung, nämlich die Interviews, welche auch häufig in der Sozialforschung eingesetzt werden. Im Rahmen dieser Seminararbeit stellt sich deshalb auch die Frage, welche Formen des Interviews in der qualitativen Forschung Anwendung finden.
Je nachdem welche Situation gegeben ist, wie viele Personen oder Zeit zur Verfügung stehen oder welche Thematik erläutert wird, kann eine spezifische Interviewform die besten Erkenntnisse erzielen. Aufgrund dessen soll die Leserschaft die unterschiedlichen Interviewformen kennenlernen und unter Berücksichtigung des Aufbaus oder Ablaufs des Interviews, die Auswahl einer passenden Form treffen können.
Inhaltsverzeichnis
1 ZIELSTELLUNGEN
2 FORMEN DES QUALITATIVEN INTERVIEWS
2.1 Narratives Interview
2.2 Episodisches Interview
2.3 Problemzentriertes Interview
2.4 Fokussiertes Interview
2.5 Tiefen- oder Intensivinterview
2.6 Rezeptives Interview
3 VERGLEICH DER INTERVIEWFORMEN
4 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, einen fundierten Überblick über die bedeutendsten Verfahren des qualitativen Interviews in der Sozialforschung zu geben, um Lesern die Auswahl des für ihre jeweilige Forschungssituation passenden Erhebungsinstruments zu ermöglichen.
- Methodologische Grundlagen verschiedener qualitativer Interviewformen
- Detaillierte Analyse von Aufbau und Ablauf spezifischer Interviewverfahren
- Vergleichende Systematisierung der Interviewtypen nach Offenheit und wissenschaftlichem Konzept
- Unterstützung bei der methodischen Entscheidungsfindung in der empirischen Forschung
Auszug aus dem Buch
2.1 Narratives Interview
Das narrative Interview geht auf Fritz Schütze und seine Kollegen zurück, welche diese Interviewform im Jahr 1977 als Forschungsmethode entwickelte. Ziel dieser Interviewform ist es, Lebenswelten zu erfassen und analysieren sowie subjektive Erfahrungen der Befragten zu bestimmten Phänomenen herauszufiltern. Zu Beginn einer Erzählung wird die Szene aufgebaut, in der Personen, Zeitrahmen und Ort angeführt werden. Im Anschluss folgt die Erzählung des Geschehens, welche mit einem Höhepunkt endet. Abschließend wird das Geschehene gedeutet sowie bilanziert. Vom Befragten werden im narrativen Interview hauptsächlich Erzähltexte erwartet. Die Hervorhebung des Erzählprinzips weist zwei methodologische Vorteile auf. Zum einen ähnelt die Erzählstruktur den Orientierungsmustern des Handelns, zum anderen geht mit dem Erzählen indirekt eine nachträgliche Interpretation des erzählten Geschehens einher.
Der Ablauf des narrativen Interviews teilt sich in fünf Phasen: die Erklärungsphase, die Einleitungsphase, die Erzählphase, die Nachfragephase sowie die Bilanzierungsphase. In der Erklärungsphase ist es wichtig, dass die Interviewenden über die Besonderheiten sowie Anforderungen des Interviews aufgeklärt werden. Um eine aufgeschlossene Gesprächsatmosphäre zu schaffen, können die allgemeinen Modalitäten, wie Gesprächsaufzeichnung oder Transkription, angesprochen werden. Es schließt sich im zweiten Schritt die Einleitungsphase an, in der dem Interviewenden erklärt wird, unter welchen Aspekten die Ereignisse geschildert werden sollen. Anschließend soll eine möglichst offen formulierte Eingangsfrage gestellt werden, welche die Befragten zum ungezwungenen Erzählen bewegen. Die dritte Phase ist die sogenannte Erzählphase des Interviewenden, welche von Pausen oder Schweigen durchdrungen sein kann. Der Interviewer nimmt die Rolle des aufmerksamen Zuhörers ein und versucht mittels zustimmender Haltung und nonverbalen Gesten den Erzählfluss des Befragten weiter anzuregen. Beendet wird die Erzählungsphase erst dann, wenn der Interviewende selbst darauf aufmerksam macht. Falls es notwendig ist, können in der Nachfragephase unklar gebliebene Widersprüchlichkeiten hinterfragt werden. Im Zuge der Bilanzierungsphase beteiligt sich der Interviewer aktiv an dem Gespräch und beleuchtet sowie diskutiert gemeinsam mit dem Befragten den Sinn der Erzählung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 ZIELSTELLUNGEN: Die Einleitung erläutert den Kontext der Arbeit im Rahmen des Lehramtsstudiums und definiert das Ziel, einen Überblick über qualitative Interviewverfahren zu geben.
2 FORMEN DES QUALITATIVEN INTERVIEWS: Dieses Kapitel stellt detailliert verschiedene Interviewmethoden wie das narrative, episodische, problemzentrierte, fokussierte, Tiefen- und rezeptive Interview vor.
3 VERGLEICH DER INTERVIEWFORMEN: Die verschiedenen Interviewverfahren werden systematisch hinsichtlich ihrer Offenheit und methodischen Konzepte gegenübergestellt.
4 ZUSAMMENFASSUNG: Das Kapitel fasst die Vielfältigkeit der qualitativen Interviewverfahren zusammen und betont die Notwendigkeit einer situativen Auswahl des passenden Instruments.
Schlüsselwörter
Qualitative Forschung, Narratives Interview, Episodisches Interview, Problemzentriertes Interview, Fokussiertes Interview, Tiefeninterview, Intensivinterview, Rezeptives Interview, Leitfaden, Sozialforschung, Interviewmethode, Datenerfassung, Methodenkombination, Transkription, Empirische Methoden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die verschiedenen Formen des qualitativen Interviews, die in der Sozialforschung Anwendung finden, und liefert einen Überblick über deren jeweilige methodische Ausgestaltung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen und methodischen Abläufe von sechs spezifischen Interviewformen sowie deren vergleichende Analyse in der empirischen Forschung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Lesern ein Verständnis für die unterschiedlichen Interviewverfahren zu vermitteln, damit sie je nach Forschungssituation und Zielsetzung eine fundierte Auswahl treffen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Seminararbeit, die auf einer Literaturanalyse (insbesondere Lamnek, 2010) basiert, um die verschiedenen Verfahren qualitativer Befragung zu systematisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der verschiedenen Interviewformen (narrativ, episodisch, etc.) und deren vergleichende Einordnung hinsichtlich Offenheit und Vorgehensweise.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind qualitative Sozialforschung, Interviewformen, methodische Offenheit, Leitfaden und empirische Datenerhebung.
Worin unterscheiden sich das narrative und das rezeptive Interview?
Während das narrative Interview auf Erzähltexte fokussiert, um subjektive Erfahrungen zu ergründen, nimmt der Forscher beim rezeptiven Interview primär die Rolle eines passiven Zuhörers ein, um die Natürlichkeit des sozialen Feldes nicht zu beeinflussen.
Wann ist ein problemzentriertes Interview besonders sinnvoll?
Das problemzentrierte Interview eignet sich, wenn ein vorgegebener Problembereich mit einer Methodenkombination (z. B. Leitfaden, Kurzfragebogen) systematisch untersucht werden soll, ohne den Befragten durch zu starre Vorgaben zu beeinflussen.
Welche Rolle spielt der Leitfaden in der qualitativen Forschung?
Der Leitfaden dient als Orientierungshilfe, um die relevanten Themenbereiche abzudecken, während er gleichzeitig genug Flexibilität für einen offenen Dialog und individuelle Äußerungen der Befragten lässt.
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- Anonym (Author), 2020, Formen des qualitativen Interviews. Ein Überblick, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1002024