Positivismus in Frankreich


Ausarbeitung, 2001

5 Seiten, Note: Sehr gut


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Positivismus

1. Positivismus in Frankreich: Comte

Die erst Hälfte des 19. Jahrhunderts ist in Frankreich ausgefüllt mit den Kämpfen um die Errungenschaften der Revolution. Das Jahr 1815 mit der endgültigen Niederlage Napoleons, die Revolutionsjahre und der Staatsreich Louis Napoleons uns seine Ausrufung zu Kaiserreich bezeichnen die wichtigsten 3 Etappen. Im philosophischen Denken finden wir diese drei Richtungen wieder. Der politischen Rechten entspricht im geistigen Leben die französische Romantik. Ihr Hauptvertreter ist JOSEPH DE MAISTRE. Er sieht in der Revolution eine verhängnisvolle Durchbrechung der geschichtlichen Kontinuität. Die Mitte repräsentiert im philosophischen Denken zunächst FRANCOIS PIERRE MAINE DE BIRAN. Die Forderungen der Linken treten zunächst in der Form des sogenannten utopischen Sozialismus auf. Die bekanntesten utopischen Sozialisten sind CLAUDE HENRI DE ST. SIMON, CHARLES FOURIER und PIERRE JOSEPH PROUDHON. Der bedeutenste Denker ist COMTE. Er selbst hat eine Entwicklung durchgemacht, die ihn in mancher Hinsicht mehr in die Mitte der gesellschaftlichen Fronten rückt. Nun treten wir in eine von der des deutschen Idealismus sehr verschiedene geistige Welt ein.

2.Sein Leben und Werke Comtes:

Er wurde geboren 1798 in Montpellier. Schon mit 20 Jahren hatte er das Programm seinen zukünftigen Lebenswerkes genau vor Augen. Er entwarf und veröffentlichte einen „Plan der notwendig wissenschaftlichen Arbeiten, um die Gesellschaft zu reorganisieren“. Zunächst konnte er seine erste ausführliche Ausarbeitung seiner Gedanken in seinem „System der positiven Philosophie“ der Öffentlichkeit vorlegen. Seine geistige Erkrankung brachte ihn aber ins Irrenhaus und er konnte erst nach seiner Genesung, private Lesungen über sein System halten. Bis an seinen Tod blieb er auf die kümmerlichen Erträge mathematischer Privatstunden, im wesentlichen aber auf die Unterstützung seiner ihn abgöttisch verehrenden Freunde und Anhänger, unter ihnen JOHN STUART MILL in England, angewiesen. Unter diesen schweren Bedingungen schuf er in den Jahren 1830 bis 1842 sein systematisches Hauptwerk „Kurs der positiven Philosophie“ in 6 Bänden.

3.Das Prinzip des Positivismus

Das Grundprinzip des Positivismus ist, vom Gegebenen, Tatsächlichen, „Positiven“ auszugehen und alle Erörterungen und Fragen, die darüber hinauszielen, als nutzlos abzutun. Der Positivismus beschränkt die Philosophie und alle Wissenschaften auf das Reich der Erscheinungen. Alles, was wir tun können, ist die uns in Form der Erscheinungen gegebenen Tatsachen (1) als solche hinzunehmen; (2) den Versuch machen, sie nach bestimmten Gesetzen zu ordnen; (3) aus den erkannten Gesetzen die zukünftigen Erscheinungen vorauszusehen und uns danach einzurichten.

Wissen, um vorherzusehen! (Savoir pour prévoir). Das ist der Sinn aller Wissenschaft. Es hat also keinen Zweck, nach dem „Wesen“ einer Tatsache oder nach ihrer „wirklichen“ Ursache zu fragen. Wir können die Tatsachen nur hinnehmen und die Beziehungen untersuchen, in denen sie zu anderen ebenso gegebenen Tatsachen stehen.

Das Wort „positiv“ kann bei uns, und auch im Französischen, verschiedene Bedeutungen haben. POSITIV nennt man das Wirkliche im Gegensatz zum Negativen als Nichtwirklichem. Positiv nennt man auch das Sinnvolle, Nützliche, das einwandfrei Bestimmbare, das Sichere. Alle Bedeutungen passen auf den Positivismus. Er hält sich allein an das Wirkliche, an das gesellschaftliche Nützliche und an das sicher Bestimmbare.

4.Das Dreistadiengesetz

Mit lebendigem Inhalt erfüllt sich der Begriff des Positivismus erst dann, wenn man die gesetzmäßige Folge der 3 Stadien ins Auge fasst. Das Gesetz lautet: „Jeder Zweig unserer Erkenntnisse durchläuft der Reihe nach 3 verschieden Zustände, nämlich den theologischen, den metaphysischen und den wissenschaftlichen Zustand.

(1) Im theologischen Zustand richtet der menschliche Geist seine Untersuchungen auf die innere Natur der Dinge, auf die ersten Ursachen und letzten Ziele. Man glaubt an die Möglichkeit absoluter Erkenntnis und sucht nach ihr oder glaubt sie zu besitzen. Der Mensch glaubt nach Analogie seines eigenen Handelns, dass hinter jedem Vorgang ein besonderer lebendiger Wille stehe.
(2) Der metaphysische Zustand ist nur eine Abwandlung des theologischen. An die Stelle von übernatürlichen Kräften werden abstrakte Kräfte, Begriffe und Wesenheiten gesetzt.
(3) Im positiven Stadium erkennt der Mensch endlich, dass es fruchtlos ist, zu absoluter Erkenntnis gelangen zu wollen. Man sucht durch Beobachtungen und den Gebrauch seiner Vernunft, die Gesetze der Ähnlichkeit und Aufeinanderfolge in den gegebenen Tatsachen zu erkennen. Das höchst wird erreicht sein, wenn alle einzelnen Erscheinungen einer einzigen allgemeinen Tatsache untergeordnet werden können.

Dieses Dreistadiengesetz gilt:

Erstens für die geistige Entwicklung der Menschheit im ganzen.

Zweitens auch für die individuelle Entwicklung des einzelnen Menschen. Drittens auch innerhalb jeder einzelnen Wissenschaft für sich genommen.

Alle Wissenschaften waren ursprünglich von theologischen Begriffen beherrscht, dann von metaphysischer Spekulation und kommen endlich in das Reifestadium des positiven Wissens.

5.Der Stufenbau der Wissenschaften

Die einzelnen Wissenschaften haben sich im Laufe ihrer zunehmenden Ausbildung immer mehr spezialisiert. Im theologischen und metaphysischen Stadium waren noch gewisse allgemeine, den Einzelwissenschaften übergeordnete Prinzipien vorhanden. Im positiven Stadium können sich die verderblichen Wirkungen einer übertriebenen Spezialisierung bemerkbar machen. Zersplitterung unserer Erkenntnisse, Fehlen eines einheitlichen Gesamtsystems. Der Weg, diesem Übel zu steuern ist eine Vervollkommnung der Arbeitsteilung, indem man nämlich das Studium der allgemeinen Sätze ebenfalls wieder zu einem besonderen Wissensgebiet macht, Dies, also der Einbau jeder neuen Entdeckung auf einem Spezialgebiet in eine allgemeine Theorie, ist Aufgabe der Philosophie. Eine positive Philosophie ist das einzige Mittel, die logischen Gesetze unseres Denkens klarzustellen. Sie bietet weiter die Grundlage für eine Umgestaltung des gesamten Erziehungswesens. Nur eine positive Philosophie kann die geistige Anarchie verschiedener Meinungen beseitigen und eine feste Grundlage für die vernünftige Umgestaltung der Gesellschaft ohne revolutionäre Erschütterungen bieten. Die Eigentümlichkeit, kann man den enzyklopädischen Zug im französischen Denken nennen. In Frankreich wurde der Philosophie häufig die Aufgabe gestellt, die gesamte wissenschaftliche Erkenntnis der Zeit zusammenzufassen.

6.Gesellschaft, Staat, Ethik

Comets Gesellschaftslehre ist zugleich Geschichtsphilosophie. Comte überschaut die Dialektik, eine Fülle von geschichtlichen Tatsachen und fügt sie in ein System. Nicht nur die staatliche, rechtliche, gesellschaftliche Entwicklung, sondern auch die Entwicklung der Kunst, der Religion, der Wissenschaft und der Philosophie bezieht Comte in seine Geschichtsphilosophie ein. Überall trifft er wieder auf das Dreistadiengesetz. Jedem Stadium des Denkens entspricht eine bestimmte Form der Gesellschaft.

Im Zeitalter des revolutionären Übergangs wird der Sinn für das Einzelne den Sinn für das Ganze und Allgemeine überwiegen. Im positiven Zeitalter wird der Sinn für das Ganze überwiegen.

Die wissenschaftliche Betrachtung der Gesellschaft und der Geschichte lehrt uns die Unterordnung des Individuums unter die überindividuellen gesellschaftlichen und geschichtlichen Zusammenhänge.

Die von der positiven Philosophie erstrebte vernünftige Gesellschaftsordnung kann nur verwirklicht werden, wenn diese Erkenntnis allgemein wird, wenn die Menschen die Hingabe an das Ganze, zum Prinzip ihres Handels machen. Sie sollen sich der ganzen Menschheit hingeben.

Comets Einfluss liegt naturgemäß in erster Linie in der von ihm begründeten Soziologie, ferner in der französischen Geschichtsschreibung. In der Philosophie selbst war er bedeutend in England.

Heim Melanie

8. Wrg

5 von 5 Seiten

Details

Titel
Positivismus in Frankreich
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
5
Katalognummer
V100226
Dateigröße
362 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Positivismus, Frankreich
Arbeit zitieren
Monique Schönauer (Autor), 2001, Positivismus in Frankreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100226

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