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Der Vormarsch feministischer Inhalte in der deutschen Hip-Hop-Szene. Wenn Frauen nach der Krone greifen

Titel: Der Vormarsch feministischer Inhalte in der deutschen Hip-Hop-Szene. Wenn Frauen nach der Krone greifen

Bachelorarbeit , 2020 , 42 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Alexandra Kelbler (Autor:in)

Musik - Populäre Musik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Abschlussarbeit geht der Frage nach, wie Weiblichkeit in den Songtexten, durch Performances oder Auftreten der Künstlerinnen und ähnliches konstruiert und im gesellschaftlichen Kontext interpretiert wird, sowie welches Frauenbild in der Gesamtgesellschaft durch eine Wechselwirkung mit dem musikalischen Medium entsteht. Die Umschlagpunkte im Geschlechterverhältnis in der deutschen Rap-Szene hin zu einer Art "weiblichem Sexismus" sollen beleuchtet und das Potenzial von deutschem Rap als emanzipative bzw. die feministischen Forderungen nach Geschlechtergerechtigkeit unterstützende Technologie untersucht werden.

Obwohl das musikalische Genre des Hip-Hops auf eine über Jahrzehnte lange Geschichte zurückblickt, erfolgten sozial- oder kulturwissenschaftliche Beiträge zur Rap-Szene erst relativ spät. Zwar beschäftigen sich zum Beispiel die britischen Cultural Studies, welche definiert sind als theoretisch fundierter, interdisziplinärer Ansatz der Kulturanalyse, der insbesondere auf eine Beschäftigung mit Alltagspraktiken, alltäglichen kulturellen Konflikten und Fragen der soziokulturellen Macht zielt, mithilfe kritischer Medienanalyse unter anderem auch mit Musik als kulturreflektierendes Medium, bleiben jedoch vorwiegend im Bereich der Populärkultur. Der Rap als recht spezielles Genre ist im wissenschaftlichen Diskurs nicht wesentlich anzutreffen und wird allgemein als gewaltverherrlichend, menschenfeindlich und nicht zuletzt frauenabwertend diskreditiert – dabei taucht er gerade in den letzten Jahren zunehmend in den Musikcharts und dem landesweiten "Mainstream" auf.

Der Feminismus, der sich unter anderem gegen jene frauenfeindlichen Inhalte richtet, wie man sie im Rap oftmals findet, hat sich hingegen seit seinen Anfängen vor mehreren Jahrhunderten mittlerweile zu einem eigenen wissenschaftlichen Feld mit gesellschaftskritischen, sozialen und politischen Fragen und starker Medienpräsenz etabliert. Auch heute noch sind feministische Forderungen und Sexismus im Alltag, wie die #MeToo-Bewegung oder TV-Beiträge wie "Männerwelten" auf ProSieben demonstrieren, ein gegenwärtiges Thema. Seit den letzten Jahren lassen sich in der deutschen Hip-Hop-Szene wiederum tendenziell mehr weibliche Rapperinnen beobachten, in dessen Liedern pointierte Weiblichkeit und eine herablassende Haltung gegenüber Männern im Vordergrund stehen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Intro

2. Theoretischer Rahmen

2.1. Auf der vierten Welle

2.2. Das kulturelle Phänomen von deutschem Rap

2.3. Zur Methodik, Perspektive und wissenschaftlichem Forschungsstand

3. Frauen-Rap auf Deutsch

3.1. Loredana, die Frau hinter der Sonnenbrille

3.2. Shirin Davids nackte Wahrheit

3.3. Deine Mutter, Jujus Melodien und was Nura wirklich meint

4. Nachklang

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Weiblichkeit in deutschen Hip-Hop-Songtexten und durch das Auftreten von Künstlerinnen konstruiert wird und in welchem gesellschaftlichen Kontext diese Interpretationen stehen. Das Ziel ist es, den Rap als gesellschaftliches Phänomen zu beleuchten, emanzipative Potenziale zu identifizieren und zu hinterfragen, ob moderne Künstlerinnen durch ihre Selbstinszenierung tatsächlich zu einer feministischen Bewegung beitragen oder ob dies primär auf marktwirtschaftlichen Aspekten und oberflächlichen Stilelementen beruht.

  • Weiblichkeitskonstruktionen im deutschsprachigen Rap
  • Die Rolle des Feminismus in der heutigen Hip-Hop-Szene
  • Empowerment im Vergleich zu Karrierefeminismus
  • Die Wechselwirkung zwischen Musik, Künstlern und Gesellschaft
  • Analyse der Rezeptionsgeschichte und Geschlechterrollen

Auszug aus dem Buch

Loredana, die Frau hinter der Sonnenbrille

Wohl das Paradebeispiel für einen „weiblichen Macho“ im Deutschrap von heute demonstriert Loredana Zefi, die mit erst 25 Jahren zu den erfolgreichsten Rapperinnen im deutschen Sprachraum gehört. Ursprünglich ist Loredana kosovo-albanischer Herkunft und verbrachte ihre Kindheit, Jugend und frühen Erwachsenenjahre in der Schweiz (vgl. Haenig 2019). Was nicht nur charakteristisch für Loredana, sondern auch die Adaption ehemals männlich besetzter Verhaltensweisen aus dem Hip-Hop im Sinne einer weiblichen Umdeutung erscheint, wäre etwa, wenn sie breitbeinig vor der Kamera sitzt, in dicken Pelzmänteln mit Raubkatzen-Babys und teuren Autos posiert oder Schimpfwörter in tiefer Stimme ausruft. All dies findet sich 2018 beispielsweise in Loredanas erstem Hit „Sonnenbrille“ (LOREDANA vom 15. Juni 2018) und später ebenso in „MILLION DOLLAR$MILE“ wieder.

Während sie dem Zuhörer in ersterem Lied von ihrem „selber aufgebauten“ Erfolg und der Sonnenbrille, ihrem liebsten Schmuckstück als Identitätsschutz und Rückzugsort erzählt, besingt sie im anderen stolz ihre scheinbar unendlichen Reichtümer. Was darin außerdem anklingt, ist Loredanas angeblich schlechter Ruf unter denen, die sie als „Neider“ abtut. Der Versuch, die Identität zu schützen, scheint beinahe antithetisch zu ihrem Streben nach Berühmtheit. Nun stellt sich die Frage, was Loredana zu ihrem selbstgemachten Reichtum oder diesem Ruf gebracht hat, und weshalb sich unter ihren Videos und Posts die Hasskommentare überschlagen (Ebd.), obwohl sie doch unter Fans wie auch deutschen Rap-Veteranen gleichermaßen beliebt ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Intro: Einleitung in die Thematik anhand von persönlichen Anekdoten und der gesellschaftlichen Debatte um Sexismus, illustriert durch mediale Beispiele wie „Männerwelten“.

2. Theoretischer Rahmen: Untersuchung feministischer Grundlagen, der Definition von „Weiblichkeit“ im sozialen Kontext und der wissenschaftlichen Einordnung des Hip-Hops als kulturelles Phänomen.

3. Frauen-Rap auf Deutsch: Detaillierte Fallstudien zu Loredana, Shirin David sowie dem Duo SXTN (Juju und Nura), um deren Rolle und ihre jeweilige Annäherung an feministische Inhalte zu analysieren.

4. Nachklang: Synthese der Ergebnisse, welche kritisch beleuchtet, inwiefern die untersuchten Künstlerinnen tatsächlich zur Gleichberechtigung beitragen oder ob ihr Agieren als „Karrierefeminismus“ zu klassifizieren ist.

Schlüsselwörter

Deutschrap, Feminismus, Weiblichkeit, Hip-Hop, Empowerment, Gender Studies, Loredana, Shirin David, SXTN, Juju, Nura, Sexismus, Identität, Doing Gender, Cultural Studies.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den aktuellen Vormarsch weiblicher Rapperinnen in Deutschland und hinterfragt, inwiefern deren Songtexte und Selbstinszenierungen feministische Ziele verfolgen oder als emanzipatorisch eingestuft werden können.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit verbindet popkulturelle Phänomene des Deutschraps mit theoretischen Ansätzen aus den Gender Studies, der Medienanalyse und der soziologischen Forschung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Rolle von Frauen im Rap-Genre unvoreingenommen zu analysieren und zu klären, ob von ihnen ein tatsächlicher gesellschaftlicher Beitrag zur Gleichberechtigung ausgeht oder ob Klischees lediglich in neuer Form reproduziert werden.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Es wird eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring durchgeführt, ergänzt durch Ansätze der Drei-Sphären-Analyse sowie medien- und kulturwissenschaftliche Perspektiven.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische Fallbeispiele (Loredana, Shirin David, SXTN), deren Biografien, Interviews und Songtexte, um deren Umgang mit männlicher Dominanz und Geschlechterrollen zu beleuchten.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Empowerment, Intersektionalität, Gender Studies, Subkultur und die Rolle von Frauenbildern im massenmedialen Kontext.

Warum wird Loredana als „weiblicher Macho“ bezeichnet?

Die Autorin beschreibt Loredana so, weil sie männlich konnotierte Verhaltensweisen – wie das Zurschaustellen von Reichtum, Attitüde und Macht – adaptiert und in ihrem eigenen künstlerischen Auftreten umdeutet.

Wie unterscheidet sich Nuras Ansatz von dem anderer Rapperinnen?

Nura positioniert sich explizit als Aktivistin und nutzt ihre Biografie als Migrantin, um intersektionale Diskriminierung aufzuzeigen, was ihren Ansatz von einer rein performativen oder popkulturellen Ausrichtung abhebt.

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der Vormarsch feministischer Inhalte in der deutschen Hip-Hop-Szene. Wenn Frauen nach der Krone greifen
Hochschule
Universität Bremen  (Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
Abschlussmodul
Note
1,3
Autor
Alexandra Kelbler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
42
Katalognummer
V1002363
ISBN (eBook)
9783346377678
ISBN (Buch)
9783346377685
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hip Hop Deutschrap Feminismus Empowerment Frauenbewegung Rap Musik Inhaltsanalyse Kulturwissenschaft Medienwissenschaft Bachelorarbeit Rapperinnen Gender Vierte Welle Cultural Studies Subkultur Performance Loredana Shirin David Juju Nura SXTN
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Alexandra Kelbler (Autor:in), 2020, Der Vormarsch feministischer Inhalte in der deutschen Hip-Hop-Szene. Wenn Frauen nach der Krone greifen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1002363
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Leseprobe aus  42  Seiten
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