Peru. Kurze Länderkunde


Referat / Aufsatz (Schule), 2000
24 Seiten, Note: 1

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Gliederung

1. Peru
1.1 Die Geographische Lage Perus
1.2 Klima
1.2.1 Das Klima Perus
1.2.2 Die Höhenstufen
1.2.3 El Nino
1.3 Vegetation & Tierwelt
1.3.1 Das Amazonas-Tiefland
1.3.4. Ein Überblick über die Tier- und Pflanzenwelt Perus
1.3.4.1 Der Manú - Nationalpark
1.3.5. Perus Umweltsituation
1.4 Bevölkerung
1.4.1 Die Bevölkerung Perus und ihr Wachstum
1.4.2 Religion und Kirche
1.4.3 Städte
1.4.3.1 Lima
1.4.3.2 Cuzco
1.4.3.2.1 Machu Picchu
1.5 Landwirtschaft
1.5.1 Die Agrarreform in Peru von 1969
1.5.1.1 Landesnatur und naturräumliche Voraussetzungen
1.5.1.2 Politische Gründe und Ziele der Agrarreform
1.5.1.3 Maßnahmen zur Durchführung der Agrarreform
1.5.1.4 Auswirkungen der Agrarreform und der agrarpolitischen Maßnahmen
1.5.2 Verkehr und Kommunikation
1.5.2.1 Perus Verkehrsnetz
1.5.3 Außenhandel
1.5.4 Perus Wirtschaft

1. Peru

1.1 Die Geographische Lage Perus

Die Nachbarländer Perus sind im Norden Ecuador und Kolumbien, im Osten Brasilien und Bolivien und im Süden Chile. Im Westen bildet der Pazifische Ozean die Grenze des Landes. Die Fläche Perus beträgt 1 285 216 km² Im Größenvergleich ist das Land mehr als drei- einhalbmal so groß wie Deutschland.

Peru kann topographisch in drei Hauptregionen unterteilt werden: In die Küstenebene (Costa) in die Sierra und in die Montana (auch Selva genannt).

Die semiaride Küstenebene erstreckt sich über die gesamte Länge des Landes (etwa 2 000 km). 52 Kordillerenflüsse durchqueren diese Region und münden in den Pazifik. Nur zehn von ihnen führen ganzjährig Wasser. Parallel zur Küstenebene schließt sich östlich die Sierra an, eine Hochlandregion aus der zu den Anden gehörende Gebirgsketten herausragen. Sie wird von tiefen Schluchten und Tälern geprägt. Die Kordilleren, das längste Hochgebirge der Welt gliedern sich in die Westkordillere, die Ostkordillere, die Zentralkordillere und eine Reihe kleinerer Ketten. Dieses Gebirge, auch Cordillera de los Andenes, die Anden, genannt ist ein junges Kettengebirge das in Nord-Süd-Richtung verläuft. Es wurde im Tertiär durch das Zusammentreffen der Ostpazifischen und der Südamerikanischen Platte gefaltet, ist 8000 km lang und an seiner breitesten Stelle bis zu 700 km breit. Die haüfig auftretenden Erdbeben und immer noch tätige Vulkane machen deutlich, dass diese beiden Platten weiterhin in Bewegung sind.

Die Sierra, die etwa 26 Prozent der Landesfläche einnimmt, durchzieht das Land vom Südosten bis in den Nordwesten Perus. In dieser Gebirgsregion befinden sich einige der höchsten Berge Südamerikas, unter anderem der Huascarán, der mit 6 768 m der höchste Berg Perus ist. Der Titicacasee befindet sich im Südosten und ist mit 3810 m über dem Meeresspiegel der höchstgelegene schiffbare See der Welt.

Im Nordosten fallen die Hänge der Anden zu einer weiten tropischen Ebene ab, dem Oriente, der sich bis zur brasilianischen Grenze über einen Teil des Amazonasbeckens erstreckt. Die bewaldeten Osthänge der Sierra, die mit Berg- oder Nebelwald bewachsen sind, werden bis in eine Höhe von 3 500 m als Montana bezeichnet. Im Osten schließt sich ein tiefer gelegenes tropisch-feuchtheißes Waldland an, die so genannte Selva. Drei große Flusssysteme sorgen in Peru für die Entwässerung. Das erste setzt sich aus etwa 50 kleinen Fließgewässern zusam- men, die in der Sierra entspringen. Das zweite System besteht aus einem Nebenfluss des mächtigen Amazonas im Gebiet der Montana. Das dritte ist der Titicacasee.

Über den Río Desaguadero, seinen einzigen Ausfluss, gelangt das Wasser in den Poopósee in Bolivien.

Der Napo, Río Tigre und Río Pastaza entspringen in Ecuador und fließen nach Peru. Die beiden letzteren sind Nebenflüsse des Marañon und Río Napo und münden in den Amazonas. Der Putumayo bildet die Grenze zwischen Peru und Kolumbien.

1.2 Klima

1.2.1 Das Klima Perus

Das Klima Perus reicht von tropisch im Amazonasbecken bis polar in den höchsten Bergen der Anden.

In der Küstenebene liegt die Temperatur das ganze Jahr über konstant bei etwa 20 °C. Das Küstenklima wird durch Winde, die von den kühlen Strömungen vor der Küste (Peru- oder Humboldtstrom) stammen, gemäßigt. Hier fallen jährlich unter 50 mm Niederschlag. Dies liegt hauptsächlich daran, dass sich die meisten Regenwolken, die der Passat aus dem Osten bringt, bereits über den Kordilleren abregnen. Nebelwolken, die als garúa bezeichnet werden, bedecken von Juni bis Oktober die Hänge der Sierra und sorgen so für ausreichend Feuchtigkeit für die Vegetation des Graslands.

In der Sierra schwanken die Temperaturen jahreszeitlich bedingt zwischen -7 und 21 °C. Der Niederschlag ist im Allgemeinen spärlich. In einzelnen Regionen kommt es jedoch von Oktober bis April zu heftigen Regengüssen. Im Departement Cuzco, in der südöstlichen Sierra, beträgt der jährliche Niederschlag im Durchschnitt etwa 800 mm.

Die Region des Oriente ist extrem heiß und feucht. Die hier vorherrschenden Ostwinde bringen Feuchtigkeit mit, die sich auf den östlichen Hängen der Anden absetzt. In einigen Gebieten fallen jedoch bis zu 3 500 mm Niederschlag.

1.2.2 Höhenstufen

Man teilt Peru in fünf verschiedene Höhenstufen ein:

Die Tierra caliente, welche aus Sumpfgebiet und üppigem Regenwald besteht.

Die Tierra templada, das gemäßigte Land in einer Höhe von 1000 bis 2300 m.

Die Tierra fría ist das kalte Land bis in 3400 m Höhe.

Die Tiera helada wo fast ausschließlich nur Gras wächst.

Die Tierra nevada, die ab 4600 m beginnt und als Schnee- und Eiszone bezeichnet wird.

1.2.3 El Nino

Peru gehörte in der Vergangenheit, vor allem aber in den Jahren 1982/1983, zu den am stärksten betroffenen Gebieten von El Nino. So waren auch Peruanische Fischer die Namensgeber von El Nino, dem "(Christ)kind", dessen Auswirkungen immer zur Weih- nachtszeit am stärksten zu spüren sind. Auch gegenwärtig beeinflusst er das Klima Perus ganz entscheidend. Eine Folge der warmen Meeresströmung waren verheerende Über- schwemmungen, wie beispielsweise im Januar 1998, die zahlreiche Todesopfer forderten, viele Menschen obdachlos machten und enorme Zerstörungen mit sich brachten.

1.3 Vegetation & Tierwelt

1.3.1 Das Amazonas-Tiefland

Peru besitzt im Amazonasbecken Gebiete von der mehrfachen Größe der BRD. Dabei spielen aber höchstens die Randzonen dieses riesigen, feucht- heißen Tropenlandes wirtschaftlich eine bescheidene Rolle. Das eigentliche Amazonasgebiet mit seinen endlosen immergrünen Regenwäldern, das im Land Selva genannt wird, und sich über ganz Ostperu erstreckt, ist auch heute noch eine weithin menschenleere, grüne Wildnis, in der Boote und Flugzeuge die einzigen Verkehrsmittel. sind. Die wenigen Siedlungen liegen alle an den Hauptverkehrs- wegen Amazoniens, den großen Flüssen. Zwar gibt es im peruanischen Teil heute auch schon zwei Großstädte, Iquitos und Pucallpa, die ihre gegenwärtige Blüte hauptsächlich einigen Erdölfunden verdanken, aber auch von diesen beiden Orten ist nur das nahe des Ostrandes der Anden gelegene Pucallpa mit dem Auto erreichbar.

Überfliegt man Amazonien in niedriger Höhe, so scheint der Eindruck eines endlosen, vom Menschen weithin unberührten, grünen Meeres noch perfekt. Nach der Landung ändert sich dieser Eindruck aber oft rasch. Obwohl Straßen und Wege nur wenige Kilometer weit führen, lärmen doch genügend Autos darüber. Wo sie hinkommen, ist der für seinen Artenreichtum berühmte Amazonasurwald längst abgebrannt. An seine Stelle traten Rinderfarmen oder häß- liche rote Erdflecken, die von der schnell wirkenden tropischen Erosion jeglicher Vegetation entblößt wurden.

Bestenfalls entwickelte sich an den gerodeten und später wieder verlassenen Stellen des ausgelaugten Bodens ein Sekundärwald, der sich aber ganz wesentlich vom ursprünglichen Wald unterscheidet. Er ist artenärmer und besteht vorwiegend aus schnellwüchsigen Weichhölzern, Farnen, stacheligen Palmen und dichtem Unterwuchs, der gerade diesen Wald oft besonders undurchdringlich macht.

Also besteigt man das Hauptverkehrsmittel, den Einbaum, der heute selbstverständlich mit Außenbordmotor ausgerüstet ist. Aber auch entlang der Flüsse hat man nur geringe Chancen, den richtigen Urwald mit seinen typischen, durch haushohe Brettwurzeln abgestützten Baumgiganten kennenzulernen. Auch wenn die Ufer von ferne recht wild wirken, so sind sie im weiten Umkreis der Flugplätze doch kultiviert. Die Holzhütten auf den überschwem- mungssicheren Hochufern zeigen es deutlich.

An den flacheren Stellen treten die Flüsse zu manchen Jahreszeiten weit über die Ufer und hinterlassen in den wasserärmeren Perioden zahlreiche Seen, tote Flußarme und kilometerbreite Sumpfzonen, in denen sich ein ebenfalls artenarmer Sumpfwald entfaltet, der sich durch seinen Reichtum an Palmen auszeichnet.

1.3.4 Ein Überblick über die Tier- und Pflanzenwelt Perus

An der Küste und den vorgelagerten Inseln leben Pinguine, Robben, Seelöwen, Möwen und Seeschwalben. Die Küstengewässer sind Lebensraum für Sardinen, Schellfisch, Seezungen, Makrelen, Hummer, Flundern, Garnelen und Anchovis. Man trifft hier auf riesige Kolonien von Guano-Kormoranen, Meerespelikanen und Tölpeln. In der Sierra sind Lamas, Alpakas, Guanakos und Vicunas zu Hause. Hier tummeln sich auch Viscachas. Sie sehen ähnlich unseren Murmeltieren aus und werden bis zu 60 cm groß. In den hochgelegenen Salzseen leben Flamingos und Rüsselbläßhühner. Andenkondore, Rotkehlchen, Finken, Rebhühner, Gänse und Enten zählen zu den weiteren Bewohnern dieser Region. Zu den Tieren der Selva zählen der Kolibri, der Jaguar, der Puma, Gürteltiere, Ameisenbären, das Ozelot, mehre Dutzend Affenarten, Alligatoren, Schildkröten und eine Vielzahl von Schlangen und Insekten.

Man begegnet ferner einer Vielzahl von Vogelarten wie Aras, Tukane, Papageien, Webervögeln und Schmetterlingen in allen nur erdenklichen Farben. Der Brillenbär, der Riesenotter und der Jaguar sind nur drei Vertreter von Perus artenreicher Fauna, deren Bestand als bedroht eingestuft wird.

Die Vegetationszonen verlaufen entsprechend dem Klima in einer Reihe von Nord nach Süd ziehender Gürtel. In der Trockenvegetation des Küstenstreifens herrschen Sträucher, Gräser und Knollenpflanzen vor. Diesem Gürtel folgt ein lichter Trockenwald mit Dornsträuchern und -bäumen, Gebirgsmatten abwechselnd mit dem feuchten Berg-Nebelwald und schließlich im Landesinnere der tropische Regenwald. In der trockenen Küstenebene sind durch künstliche Bewässerung Oasen entstanden wo neben Reis und Mais auch Zuckerrohr und Baumwolle gedeihen. In der Sierra dominieren Trocken-pflanzen die sich auch Wassermangel anpassen können wie Eukalyptus, Kakteen und Mes-quitebäume. In der fruchtbaren Montana wachsen eine Fülle von Bäumen, Kletterpflanzen und Kräutern; wie Mahagoni, Zedern, Kautschukbäume, Chinarindenbäume sowie eine Viel-zahl tropischer Blumen.

1.3.4.1 Der Manú - Nationalpark

Der Manú-Nationalpark ist das größte Naturschutzgebiet im südamerikanischen Regenwald. Über 800 Vogelarten, 1 200 Schmetterlingsarten und 13 Affenarten sowie Riesenotter, Jaguare, Tapire und Peccaries (südamerikanische Wildschweine) leben in der Anlage. Ein Fünftel aller bekannten Pflanzenarten Südamerikas wachsen im dort. Wegen seiner Artenvielfalt wurde der Park von der UNESCO 1987 zum Welt-Naturerbe erklärt. Das Gebiet des Nationalparks umfasst die östlichen Hänge der Cordillera Oriental und das Tiefland im Südosten Perus.

1.3.5 Perus Umweltsituation

Die tropische Lage Perus und die abwechslungsreiche Topographie des Landes ließen eine überwältigende Artenvielfalt entstehen. In Peru findet man über drei Viertel aller Lebens- räume, die auf der Erde vorkommen. Der Eingriff des Menschen in die Natur ist in manchen Gebieten sehr stark. Einige Lebensräume mit Schlüsselfunktion sind gefährdet, so z. B die tropische und gemäßigte Wüste der Küstenregion und die Puna, ein trockenes Grasland. Die schnell wachsende Bevölkerung Perus verteilt sich nicht gleichmäßig, sondern kon- zentriert sich in den Gebirgs- und Küstengebieten. Die urbanen Gebiete sind stark von Wasser- und Luftverschmutzung betroffen. Der schlechte Gesundheitszustand der Bevöl- kerung ist ein akutes Problem. Ein Zugang zu sauberem Trinkwasser ist in ländlichen Ge- bieten kaum gegeben. Grundlegende hygienische Einrichtungen sind ebenfalls kaum vor- handen. Das Land weist weltweit die höchste Rate von Choleraerkrankungen auf; allein 1993 wurden über eine halbe Million Fälle registriert.

Nationalparks und andere Schutzgebiete nehmen über zehn Prozent der Landesfläche ein, allerdings stehen nur 3,3 Prozent (1996) des Landes unter strengem Schutz. Drei Nationalparks wurden zum Weltkulturerbe ernannt und drei Biosphäre-Reservate im Rahmen des BiosphäreProgramms der UNESCO eingerichtet. Eine neue Umweltschutzgesetzgebung schreibt die wirtschaftliche Integration der Schutzgebiete vor. Im Gegensatz zu früher, als die Entwik- klung der Industrie im Amazonasbecken im Vordergrund stand, wird so heute eine nach- haltige Nutzung der Ressourcen sichergestellt.

Die Ausdehnung der Landwirtschaft, insbesondere der weit verbreitete Kokaanbau, stellt für die sensiblen Schutzgebiete eine ernsthafte Bedrohung dar. Für Kokaplantagen wird häufig die empfindliche Vegetation ganzer Gebiete gerodet. Auf diesen Plantagen werden dann Düngemittel und Pestizide eingesetzt, was zu einer Verschmutzung der Wasserläufe führt. Auch die Bodenerosion ist auf den intensiven Ackerbau und auf die Überweidung zurück- zuführen. Der Desertifikation fielen große Flächen von einst fruchtbarem Land zum Opfer.

Peru hat diverse Umweltabkommen unterzeichnet. Diese betreffen die Antarktis, die Artenvielfalt, die Klimaveränderungen, die Desertifikation, die bedrohten Arten, die gefährlichen Abfälle, die Ozonschicht, die Tropenhölzer und die Feuchtgebiete. Außerdem wurden ein Verbot der Abfallentsorgung im Meer und ein Verbot von Atomtests beschlossen. Peru unterzeichnete zudem verschiedene internationale Abkommen zum Schutz des Landes und zur maßvollen Landnutzung im Amazonasbecken.

1.4.1 Die Bevölkerung Perus und ihr Wachstum

Peru hat eine Gesamtbevölkerung von rund 25,6 Mio. Einwohner. Die Bevölkerungsdichte beträgt etwa 20 Ew./qkm. Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt im Küstentiefland (45 Ew./qkm), 40 % in der Gebirgsregion und etwa 10% im Amazonastiefland (2Ew./qkm). Bevölkerungsstruktur: über 52% der Einwohner sind indianischer Abstammung, das bedeutet, sie sind vom Volk der Quechua oder Aymará, 34% sind Mestizen (Mischlinge zwischen Indianer und Weißen), 12% Weiße, 2% Schwarze, Chinesen und Japaner.

Die beiden Amtssprachen sind Spanisch und Quechua, eine Sprache, die besonders von den Nachkommen der Inka gesprochen wird, von denen rund 4 Mio. in Peru leben. Desweiteren spricht man die Andensprache Aymara sowie Englisch.

Rund 70 Prozent der Bevölkerung lebt in Städten. Die mittlere Lebenserwartung beträgt 64 Jahre. Der Bevölkerungszuwachs beträgt jährlich 2,1%. 40% der Gesamtbevölkerung ist unter 15 Jahre alt. Viele der im Gebirgsland lebende Indianer haben die Bräuche und Sitten ihrer Vorfahren bewahrt. Die an der Küste und in den Städten lebenden Peruaner haben einen modernen westlichen Lebensstil, was aber nicht bedeutet, dass Peru ein reiches Land ist. Vor zwanzig Jahren hätte man das noch ohne weiteres behaupten können, aber mittlerweile ist das Gegenteil der Fall.

,,Die zunehemende Gewalt (violencia) ist ein ernstes Problem in den Millionenstädten ganz Südamerikas. Experten sprechen in diesem Zusammenhang schon von einem nicht erklärten, stillen Bürgerkrieg. Die Ursachen dafür liegen im allgemeinen Elend und im krassen Mißverhältnis von Arm und Reich. Hinzu kommt die Ohnmacht des Staates." (1),, In Lateinamerika führen Millionen Menschen einen täglichen Kampf ums Überleben. Sie können nur träumen von einer Arbeitslosenversicherung oder Altersversorgung." (2) Der Alphabetisierungsgrad beträgt insgesamt 89%. Bei den Frauen liegt er bei 83%, bei den Männern bei 95%.

Die in Peru geborenen Nachfahren der spanischen Einwanderer werden als Kreolen bezeich- net. Sie konnten vor allem in den ländlichen Regionen ihre Führungsstellung festigen und sich als ,,Bewahrer" der spanischen Tradition betrachten. Während den Mestizen vielfach der Aufstieg in die Oberschicht gelang, bilden die Indianer eine kaum integrierte Unterschicht.

1.4.2 Religion und Kirche

Schon mit den ersten spanischen Eroberern kamen die Missionare, die sofort daran gingen, die Indios zum katholischen Glauben zu bekehren. An allen größeren Orten entstanden Kirchen und Klöster, die von schnell ausgebildeten einheimischen Handwerkern geschmückt wurden. Die Eile der Missionierung erforderte allerlei Kompromisse. So wurden die bedeutendsten indianischen Feste zu Feiern des an diesem Tage verehrten christlichen Heiligen umfunktioniert. Einheimische und christliche Bräuche mischten sich. Die Indios arrangierten sich mit den christlichen Heiligen und verehren heute die Mutter Maria, halten aber gleichzeitig der Erdgöttin Pachamama die Treue, flehen den Sonnengott Inti an und bringen zahlreichen guten und bösen Geistern ihre Opfer.

Wie in ganz Lateinamerika, so spielte die katholische Kirche, der heute über 90% der Peruaner angehören, in den vergangenen Jahrhunderten auch in Peru und Bolivien eine bedeutende und traurige Rolle. Mit dem Hinweis auf ihre religiöse Mission übten die Konquistadoren im Namen der Kirche eine grausame Macht und Unterdrückung aus.

Ohne Zweifel gab es einzelne Versuche von Missionaren, die menschenunwürdige Be- handlung der Indianer durch die spanischen Eroberer und deren Willkür zu lindern. So löste der Dominikaner Montesinos mit seinem Engagement für die Indianer den Streit um die Rechtfertigung der Landnahme aus und der Orden der Dominikaner wurde - nicht zuletzt durch das beherzte Vorgehen von Bartolomé de las Casas (1474-1506) - zum Vorreiter für den Schutzgedanken der Indianer. Dennoch konnte dadurch die Versklavung und Zwangs- arbeit der Indianer nicht verhindert werden, da die Kolonialherren diese Art der Rekrutierung von Arbeitskräften als legitimes und wirtschaftlich notwendiges Mittel ansahen. Seit 1973 besteht völlige Glaubensfreiheit in Peru. Bereits 7 Jahre später wurde die Trennung von Kirche und Staat in die Verfassung aufgenommen und der Religionsunterricht abge- schafft.

Heute nimmt die Kirche in vielen lateinamerikanischen Ländern eine Vermittlerposition ein, leitet die Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Regierungen und bezieht - so etwa in der ,,Theologie der Befreiung" - offen Stellung zu den gravierenden gesellschaftspolitischen Problemen Lateinamerikas.

1.4.3.1 Lima

Lima ist die Hauptstadt von Peru sowie des Bezirks Lima. Die einst schönste Stadt Süd- amerikas liegt am Río Rímac zwischen dem Pazifischen Ozean und den Anden in der trockenen Küstenregion Perus. Sie ist die größte Stadt des Landes und Verwaltungs-, Wirtschafts- und Kulturzentrum sowie wichtigster Verkehrsknotenpunkt Perus. Von großer Bedeutung für die Wirtschaft ist die Textil- und Bekleidungsindustrie. Desweiteren werden Motorfahrzeuge, Chemikalien sowie Fisch- und Erdölprodukte hergestellt.

Die Stadt wurde 1535 von Francisco Pizarro gegründet und erhielt zunächst den Namen ,, Ciudad de los Reyes" (Stadt der Könige). Lima löste Cuzco 1826 als Hauptstadt ab. Die Stadt wurde von 1881 bis 1883 während des Salpeterkrieges von chilenischen Streitkräften besetzt und geplündert.

Lima ist der Wohnsitz von nahezu einem Drittel aller Peruaner. Die anwachsende Einwoh- nerzahl und Ausweitung des Stadtgebietes haben über die von Pizarro ursprünglich vorge- sehenen Stadtgrenzen um den geometrisch angelegten Grundriss geführt. Die wohlhabenden Bewohner sind aus dem städtischen Ballungsgebiet abgewandert und haben sich auf die Vorstädte verteilt, während die ärmere Bevölkerung in den nahe gelegenen Slumgebieten der Barriadas oder den etwas dauerhafteren Pueblos jóvenes (jungen Siedlungen) lebt. Dort hausen die meisten Menschen in Bretterbuden, an Abwasserkanälen oder in längst zerfallenen Ruinen. Die Einwohnerzahl im Stadtgebiet betrug im Jahr 1997 7,7 Mio. Zu den Sehenswürdigkeiten in Lima gehören die große Plaza de Armas, die Kathedrale (sie wurde 1746 teilweise restauriert) mit einem Glassarg, in dem angeblich der Gründer von Lima, Francisco Pizarro, liegen soll, der Präsidentenpalast aus dem Jahr 1938 und einige Sakralbauten des 16. und 17. Jahrhunderts, die das große Erdbeben von 1746 überstanden haben, die Acho-Stierkampfarena, die 1764 erbaut und nach dem 2. Weltkrieg restauriert wurde, liegt nördlich des Río Rímac.

Von den 13 Universitäten sind die älteste Südamerikas (San Marcos, 1551), eine agrar- wissenschaftliche Universität (1902) und eine Universität für Ingenieurswesen (1896) zu erwähnen. Ebenfalls von Bedeutung sind die Museen für Kunst, Geschichte und Archäologie, wie das Museo Nacional de Antropología y Arqueología und das Museo de Oro, was übersetzt so viel wie ,,Goldmuseum" bedeutet. Perus wichtigster Hafen, liegt etwa 13 Kilometer westlich des Stadtzentrums. Im 16. Jahrhundert erhielt Lima das Handelsmonopol für den Export von Gold aus Peru für ganz Südamerika.

1.4.3.2 Cuzco

Die Stadt im Süden Perus und Hauptstadt des gleichnamigen Departements liegt im Flußtal des Berges Huatanay, rund 3.415 Meter über dem Meeresspiegel. Sie zählte 1997 285 000 Einwohner. Cuzco ist das Zentrum der peruanischen Textilproduktion und beherbergt unter anderem auch das Brauereiwesen.

Cuzco, was soviel wie ,,Nabel der Welt" bedeutet, die einstige Hauptstadt des Inka-Reiches ist Sitz des Erzbischofs und seit 1962 der Universität San Antonio Abad. In der Stadt befinden sich viele Ruinen aus der Zeit der Inka, darunter der berühmte Tempel der Sonne, Reste der Stadtmauer und zahlreiche Torbögen und Gebäudemauern. Viele der heutigen Häuser, gewöhnlich aus Adobe mit roten Ziegeldächern, stehen auf einem Fundament aus Resten inkaischen Mauerwerkes. Große Teile der Stadt wurden 1950 bei einem Erdbeben zerstört, die historischen Stätten wurden jedoch mit großer Sorgfalt wieder aufgebaut.

Stadtmittelpunkt ist die Plaza de Armas, einst der Fest- und Kulturplatz der Inka war, mit Kathedrale auf den Fundamenten eines alten Inkapalastes. Die Jesuitenkirche La Compania de Jesús mit Mauerwerk des inkaischen Schlangentempels. Das Kloster Santa Domingo wurde über den Tempeln der Sonne und des Mondes erbaut. Das Kloster La Merced besticht durch einen malerischen Kreuzgang.

Zu den wichtigsten und interessantesten Museen zählen das Museo Arqueologíca und das Museo de Arte Religioso, was aber mehr präkolumbische Artefakte und weniger Kunstgegenstände, wie der Name vermuten lassen könnte, enthält.

Oberhalb von Cuzco befindet sich die noch weitgehend unerforschte inkaische Tempelanlage Sacsayhuamán.

Jedes Jahr am 24. Juni findet das ,, Inti-Raymi" - Fest in Cuzcos Innenstadt statt, bei dem volkstümlicher Gesang, Reiterspiele und traditionelle Tänze aufgeführt

1.4.3.2.1 Machu Picchu

1911 entdeckte der Amerikaner Hiram Bingham die Inka-Stadt im peruanischen Urwald. Ernannte sie Machu Pichu (,,Alte Bergspitze"), weil er sich nicht sicher war, ob sie die von den Spaniern nie entdeckte Stadt Vilcabamba war. In Machu Picchu mussten 1000, vielleicht gar 5000 Menschen gelebt haben, und doch war sie innerhalb eines Jahrhunderts völlig in Vergessenheit geraten. Die ganze wissenschaftliche Welt fragte sich, welchen Zweck diese Festung erfüllte und dazu noch in solch unzugänglicher Wildnis? Warum verließen die Einwohner den Ort?

Bald rankten die wildesten Gerüchte um die Neuentdeckung. Manche vermuteten hier eine Stadt der Frauen, andere deuteten sie als eine Grenzbefestigung, die den Inka-Staat vor Überfällen der Waldindianer schützen sollte. Letztere Annahme findet auch in jüngeren Forschungen ihre Bestätigung.

Von keinem Punkt des Tales aus ist sie zu sehen. Nur ein schmaler Pfad, der wohl schon zu spanischer Zeit durch einen Bergrutsch blockiert war, führt hinauf. Zu Füßen einer schroffen Felswand, dem Huayna Picchu, erstreckt sich die in drei Bereiche gegliederte Anlage: Im Süden der Anlage liegt die Tempelstadt. Gegenüber das Königsviertel mit dem Torreón, einem halbrunden Turm, der auf einem heiligen Felsen errichtet wurde. Im dritten Teil der Anlage befinden sich die Ruinen der Wohnhäuser. Die unterschiedlichen Bereiche bilden auch heute noch eine harmonische Einheit, die viel über die Lebensformen der Inka erzählt. Heute gehört die vom wuchernden Wald befreite Ruinen-Stadt zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des südamerikanischen Kontinents. ,,Dabei erscheint die wilde Landschaft fast noch eindrucksvoller als die weitläufigen Ruinen. Besonders in den Morgenstunden, wenn weiße Nebelfetzen aus dem Abgrund quellen, sich an das strotzende Grün der senkrechten Felswände hängen, Orchideen mit glitzernden Tropfen beträufeln und - an den Ruinen zerreißend - allmählich den Blick auf die Felspyramide des Huaina Picchu freigeben, dann ist dieses Fleckchen Erde von überwältigender Schönheit. Die Ruinen, ihre Geschichte, die Menschen, die diese Stadt erbauten, geraten bei diesem Anblick fast in Vergessenheit." (3)

1.5 Landwirtschaft

1.5.1. Die Agrarreform in Peru von 1969

1.5.1.1 Landesnatur und naturräumliche Voraussetzungen

Landesnatur und naturräumliche VoraussetzungenPeru gliedert sich in drei durch die Oberflächengestalt bestimmte Naturräume. Kerngebiet des Staates ist das Gebirgsland ( Sierra ). Es wird geprägt durch die Nord-Süd verlaufenden, in mehrere Ketten gegliederte Kordilleren mit den von ihnen eingeschlossenen Hochbecken. In der Westkordillere steigt das Relief am höchsten an. Das Hochgebirgsland wird von Flüssen in tiefen Schluchten durchzogen. Westlich der Kordilleren erstreckt sich auf etwa 2000 km Länge bei einer Breite bis über 100 km das pazifische Küstenland ( Costa ), das im wesentlichen aus den Aufschüttungen der Gebirgsflüsse aufgebaut ist. Nach Osten schließt sich an die Anden- ketten die Montana an, die Vorbergzone mit Mittelgebirgsformen, und schließlich das ama- zonische Tiefland ( Selva ). Die Lage in den inneren Tropen bedingt geringe Jahresamplituden der Temperatur. Der kalte Humboldtstrom an der Küste verursacht nicht nur relativ niedrige Temperaturen, sondern den wüstenhaften Charakter des gesamten Küstenlandes. Großenteils trocken ist auch das steppenhafte Hochland, während Montana und Selva reichlich Nieder-schläge empfangen und von tropischem immergrünem Regenwald überzogen sind.

Der größte Teil der Küstenregion ist wie erwähnt Wüste. Die natürlichen Bedingungen für eine landwirtschaftliche Inwertsetzung sind nur günstig, wo die Wüste von den rund 50 Flußtälern durchzogen wird. Dort ist der Boden eben und das Klima gemäßigt. Da Wasser die Voraus-setzung für landwirtschaftliche Produktion ist, hängt sie ab von der Regenzeit in der Sierra, da nur dann die Flüsse genug Wasser führen. Der Anbau ist somit fast ausschließlich auf künst-liche Bewässerung in den Tälern der Fremdlingsflüsse angewiesen. Dennoch ist diese Region Haupt-Erzeugungsgebiet für landwirtschaftliche Produkte, vor allem Baumwolle, Zuckerrohr, Reis, Mais, Tabak, Gemüse und Wein. Viehwirtschaft ist nur in begrenztem Umfang in den höheren Lagen der Küstentäler möglich. Weite Teile der Agrarfläche sind von Versalzung bedroht.

Der größte Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche (ca. 52%) entfällt auf die Hochebenen und Täler der Sierra. Infolge ungünstiger Klima und Bodenbedingungen ( starke täglich Temperaturschwankungen, saisonal und regional schwankende Niederschläge, Frost- und Trockenrisiko, steile erosionsanfällige Böden, hohe Deflation ) liegen die Hektarerträge unter dem peruanischen Durchschnitt. Die hiermit gegebene Zeitgebundenheit der Produktion ist eine wesentliche Determinante der Produktionsergebnisse. Wenn also Kredite, Saatgut und Düngemittel zum richtigen Zeitpunkt nicht vorhanden sind, wird die Produktion für ein ganzes Jahr ausgesetzt.

Die subtropischen Osthänge und die tropischen Urwälder des Amazonasbecken weisen eine dichte Vegetationsdecke auf. Die wenigen teilweise fruchtbaren Böden befinden sich zumeist an den Steilhängen und sind somit oftmals bereits wenige Jahre nach Innutzungnahme durch Erosion unbrauchbar für die Landwirtschaft geworden. Aufgrund der geringen Fruchtbarkeit der Selva-Böden und des raschen Nährstoffverlustes ist das Potential dieser Region für die Landwirtschaft sehr eingeschränkt. Die traditionelle Bewirtschaftungsform ist shifting culti- vation und Viehzucht in den Flußtälern.Fazit: Aufgrund der ungünstigen naturräumlichen Voraussetzungen können insgesamt nur 2,5% der Gesamtfläche ackerbaulich genutzt werden. In Relation zur Bevölkerung ergibt sich somit ein Koeffizient von nur 0,2 ha Ackerland pro Einwohner (Stand: 1978). Dieser Koeffizient ist einer der geringsten im internationalen Vergleich und zeigt deutlich das Maß der Landknappheit in Peru!

1.5.1.2 Politische Gründe und Ziele der Agrarreform

Die Militärjunta in Peru beschritt seit 1969 den sogenannten ,,Dritten Weg". Hierbei handelt es sich um eine Politik, die zwischen Kommunismus und Kapitalismus liegt. Sie richtet sich gegen die landbesitzende Oligarchie und die beherrschenden Tendenzen der Industrieländer. Mann versuchte in der Entwicklungspolitik eine Synthese von Wachstums- und Bedürfnis- bzw. Verteilungsorientierung zur Behebung der Gegensätze in wirtschaftlicher, sozialer, ethnischer und regionaler Hinsicht. Perus Regierung konnte man also als Entwicklungsdiktatur bezeich-nen, da es sich um ein autoritäres Regime handelte, das die notwendigen strukturverändernden Reformen durchsetzen konnte, ohne auf kurzfristige Unterstützung der Mehrheit der Bevölke-rung angewiesen sein zu müssen. Die Regierung orientierte sich zusätzlich an militärpopuli-stischen Zielen und der Strategie der self-reliance:

- eigene Nutzung der Ressourcen (Bodenschätze...)
- Ausschaltung ausländischer Einflüsse auf die peruanische Wirtschaft
- Benutzung vorkolonialer Agrarverfassungen für die Agrarreform (indianische Agrargemeinschaften..)

Die Agrarreform von 1969 hatte eine wirtschaftliche und eine soziale Funktion:

- Produktionssteigerung durch erhöhte Produktivität und durch die Nutzung von Neuland
- gerechtere Einkommensverteilung für eine breitere Bevölkerung, Erhöhung der Kaufkraft
- Verbindung der landwirtschaftlichen mit der industriellen Entwicklung
- größtmögliche Partizipation an Entscheidungen

Die Produktion sollte zum einen durch technokratische Maßnahmen (Ausbau von Bewässerung, Pflanzenschutz, Verbesserung des Saatguts, Düngemittelversorgung etc.) erreicht werden, zum anderen wollte man die Produktivität durch die Veränderung der Besitzverhältnisse erhöhen.

Das Entwicklungskonzept der Militärregierung war der Versuch innerhalb des kapitalistischen Weltmarktes eine stärker national bestimmte Wirtschaftsentwickung durchzusetzen, ohne einen Bruch mit dem Weltmarkt zu vollziehen. Die externe Bedingung dafür war die Bereitschaft der Industriestaaten den geplanten Entwicklungsprozeß zu unterstützen, die internen Bedingungen waren die Realisierung der geplanten Strukturreformen und die Beseitigung der entwicklungs-hemmenden, nicht-kapitalistischen Produktionssektoren in der Landwirtschaft.

1.5.1.3 Maßnahmen zur Durchführung der Agrarreform Die wichtigsten Maßnahmen der Agrarreform waren:

- die Enteignung der Großbetriebe
- Aufstockung flächenmäßig unrentabler Familienbetriebe
- Ausstattung landloser Bauern mit ertragreichem Boden
- die Beseitigung unbefriedigender Pachtverhältnisse

Der Kernpunkt des Agrarreformgesetzes war also die Beseitigung des Latfundien- Minifundien-Systems durch Enteignung des Großgrundbesitzes und die anschließende Verteilung des Landes an kleine Bauern, Pächter, Landarbeiter und Bauerngemeinschaften.

Weiterhin sollte die indirekte Ausbeutung und alle Beziehungen, die tatsächlich oder rechtlich die Nutzung des Bodens an die Leistung persönlicher Dienste bindet abgeschafft werden. Schwerpunkte legte man auf die Organisation von Genossenschaften und auf eine Normierung des Systems der gemeinschaftlichen Nutzung von Boden.

Prinzipiell stand alles Land zur Disposition der Agrarreform. Vollständig enteignet werden sollten:

a) Ländereien, die seit mehr als drei Jahren von ihrem Besitzer verlassen wurden
b) brachliegendes Land, das zwar wirtschaftlich nutzbar ist, jedoch nicht systematisch bewirtschaftet wird
c) ungenügend bewirtschaftetes Land, dessen natürliche Ressourcen schlecht genutzt werden und dessen durchschnittliche Erträge weniger als 80% der in den entsprechenden Regionen zu erzielenden Erträgen ausmachen
d) belehntes Land
e) verpachtetes Land, bei dem die Pächter das Recht des Vorkaufs haben

Die übrigen Ländereien fallen bis zu einer bestimmten Grenze unter die Enteignungs- bestimmungen des Gesetzes. Bei Latifundien, die der Eigentümer selbst bewirtschaftet, richtet sich die Größe des Betriebes nach Lage (Sierra, Costa, Selva), Art der Bewirtschaftung (Ackerbau, Viehhaltung) und technischen Möglichkeiten (Bewässerung...).

So betrug in der Küstenregion zum Beispiel die Höchstgrenze für Bewässerungland 150 ha und bei Viehhaltung 1500 ha natürliches Weideland. In der Sierra und Selva wurden die Höchstgrenzen für Bewässerungsland nach Provinzen unterschiedlich festgelegt (zwischen 15 und 55 ha). Für natürliches Weideland gilt als Höchstgrenze die Fläche für 5000 Schaf- einheiten ( je 36 kg Lebendgewicht ).Die Eigentümer hatten jedoch die Möglichkeit , die Höchstgrenzen um das Zwei- bis Dreifache nach oben zu verschieben. Sie mußten folgende Bedingungen erfüllen:

1. Er führt notwendige Arbeiten an Bewässerungsanlagen durch oder sorgt für die Einzäunung im Rahmen der Weidewirtschaft.
2. Er zahlt Löhne, die mindestens um 10 % über dem gesetzlich vorgeschriebenen Minimallohn liegen (einschließlich Sozialabgaben).
3. Er weist nach, daß er nicht im Rückstand beim Zahlen der Steuern und Sozialversicherungsabgaben ist.
4. Er beteiligt seine ständigen Arbeitskräfte am Gewinn mit mindestens 20 %.

Aus diesen Bestimmungen folgte, daß 27,1 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche Perus für Umverteilungsmaßnahmen zur Verfügung stand. Ackerland, natürliche Weiden und Brachland waren davon unterschiedlich betroffen. So erfaßte die Reform 63 % des verfügbaren Ak-kerlandes, aber nur 23,2 % des gesamten Weidelandes. Dies erklärt sich daraus, daß 32 % der Weiden im Besitz von Comunidades Campesinas waren, die von den Enteignungen ausgeschlossen waren. Insgesamt wurden über 50 % des Weidelandes, 36,3 % des Ackerlandes und 94,1 % des Brachlandes von der Reform nicht tangiert. Mit Hilfe der Gesetze und insbesondere der Ausnahmeregelungen gelang es nicht, den gesamten Großgrundbesitz zu zerschlagen. Es konnten immer noch Güter mit 600 ha Ackerland und 4500 ha Weideland angetroffen werden.

Die Beseitigung des Latifundien-Minifundien-Systems beinhaltete neben der Schwächung des Großgrundbesitzes auch die Umwandlung der Minifundien in wirtschaftliche Betriebseinheiten. So legte man die Betriebsgröße von Familienbetrieben auf nicht kleiner als 3 ha fest. Viele Kleinbauern wurden folglich gezwungen, ihre zu kleinen Betriebe zu verkaufen, um Höfe von der geforderten Größe bilden zu können.

Der Reformprozeß sollte bis Ende 1975 beendet sein. Zu diesem Zeitpunkt hatte jedoch erst die Hälfte der 400 000 Familien, die Land zugeteilt bekommen sollten, Land erhalten. Ohnehin waren von Beginn der Reform an 63 % der Familien auf dem Land von der Umverteilung ausgeschlossen. Aufgrund des Mangels an landwirtschaftlicher Nutzfläche, des hohen Bevölkerungsdrucks und der strittigen Enteignungsgrenzen konnte nicht allen Bauernfamilien Land zur Verfügung gestellt werden.

Immerhin entfielen 96 % der Enteignungen auf Latifundien mit einer Ausdehnung von mehr als 10 000 ha. Zur Durchführung der Agrarreform wurde Peru in 12 sogenannte Agrarzonen aufgeteilt. In jeder befand sich eine Zonen-Direktion. Sie war zuständig für Erfassung, Enteignung, Entschädigung bzw. Zuerkennung.

Das neue Agrargesetz erkannte grundsätzlich das Recht auf Privatbesitz an Grund und Boden an. Daraus resultierte, daß die Enteignungsbestimmungen auch angemessene Entschädigungen beinhalten mußten.

Die Entschädigungssumme richtete sich hierbei nach dem Gesetz auf der Bewertung des Bodens, die der Besitzer für die Steuererklärung von 1968 angegeben hatte. Weiterhin wurden auch Gebäude und der Viehbestand entschädigt. Ein kleiner Teil der Entschädigungssumme wurde in Bargeld geleistet, der Rest in Agrarschuldverschreibungen (sogenannte Bons). Diese Bons mußten akzeptiert werden und waren nicht übertragbar. Durch die Finanzierung von staatlich gelenkten Industrieinverstitionen, z. B. durch Aktienerwerb, konnten diese Bons vorzeitig eingelöst werden. Die Zahlung der Entschädigungen mußte zuerst durch die Staatskasse getragen werden, wodurch öffentliche Gelder als Reinvestitionen in der Land- wirtschaft und in der Industrie gerade in der Aufbauphase kaum zur Verfügung standen. Desweiteren gab es auch noch die Besitzumverteilung mittels eines Kaufvertrages. Den ehemaligen Pächtern, Landarbeitern und Mitgliedern der Comunidades Campesinas gewährte man hierbei einen Vorrang. Die Bewerber mußten folgende Voraussetzungen erfüllen: mindestens 18 Jahre alt, peruanische Staatsbürgerschaft, nicht mehr als 3 ha Land als Be- sitztum haben, in der Nähe oder auf dem zur Verteilung anstehenden Ländereien wohnen. Zwischen dem neuen Besitzer und dem Staat wurde ein An- und Verkaufvertrag geschlossen, indem sich der Bewerber zur Zahlung der Kaufsumme, die sich nach der ökonomischen Ka- pazität des Bodens richtet, innerhalb der von 20 Jahren verpflichtet. Bis zur vollständigen Bezahlung blieb hierbei das Land in der Verfügungsgewalt des Staates, der es bei Nichtbe- zahlung der Tilgungsraten am Tag der Fälligkeit wieder einziehen konnte. Der Zwang zur Bezahlung sollte nach Meinung der Regierung die wirtschaftlichen Aktivitäten der Besitzer anregen. In der Realität kam es aber durch die Bezahlung der Agrarschuld zu einer starken Dekapitalisierung der aufgebauten Betriebe, so daß Investitionen zur Erhöhung der Rentabilität und Produktivität kaum möglich waren. Eine leistungsfähige Struktur von Familienbetrieben ließ sich nicht aufbauen. Dem gesteckten Ziel der Akkumulation und Reproduktion von Kapital in der Landwirtschaft waren diese Maßnahmen abträglich, zumal die Bezahlung bereits nach 3 Jahren beginnen mußte. Das vom Staat eingenommene Geld floß nun größtenteils nicht in Landwirtschaft zurück, sondern wurde in Fonds für die zunehmenden Industrialisierungs-projekte eingezahlt und für Entschädigungszahlungen verbraucht.

1.5.1.4 Auswirkungen der Agrarreform und der agrarpolitischen Maßnahmen

Der Agrarreformprozeß sollte nach der Vorstellung der Militärregierung die forcierte Entwicklung des industriellen Sektors unterstützen. Eine Erhöhung der Nahrungsmittel- produktion war somit die Voraussetzung für eine verbesserte Reproduktion der Arbeitskraft der Arbeitnehmer, was auch im Interesse der industriellen Unternehmer war. Weiterhin wollte die Regierung natürlich auch die Devisenaufwendungen für Lebensmittelimporte durch eine erhöhte nationale Produktion substituieren. Dadurch hätte sich die Regierung in die Lage versetzen können, die Preise aufgrund ihrer Einflußnahme auf die inländische Preisbildung stabiler zu halten.

Die hiermit erreichten niedrigen Lebenshaltungskosten hätten niedrige Löhne bedingt und somit eine hohe Gewinnspanne und Investitionsbereitschaft bei den Unternehmern. Peru verfehlte jedoch das Planziel einer Wachstumsrate von 4,2 %. Durch die Produktions- genossenschaften und die SAIS konnte die Effizienz der ehemaligen Großbetriebe jedoch soweit gewahrt werden, daß es trotz der schwierigen Anlaufphase zumindest keine allgemeinen Produktionseinbrüche und schwerwiegende Nahrungsmittelkrisen gab. Die Produktions-zuwächse waren aber von so geringen Ausmaßen, daß sie einer Stagnation gleichkamen. Und wieder zeigte sich bei dieser Entwicklung der Unterschied zwischen der

Costa und der Peri-pherie, insbesondere der Sierra, in Peru. Die guten Ergebnisse in der Landwirtschaft wurden vor allem in der Costa erzielt. Gründe hierfür waren z. B. :

- bessere Qualität und Lage der Böden
- leichterer Zugang zu Saatgut, Düngemitteln, Insektiziden
- relativ hoher Mechanisierungsgrad (76 % aller Traktoren in Peru wurden in Betrieben in der Costa eingesetzt, Stand : 1972)
- massive staatliche Unterstützung (z. B. Kredite)
- hoher Anteil an Bewässerungsland

Die größten Aktivitäten zeigten sich also bei Betrieben, die schon vor der Agrarreform eine hohe Leistungsfähigkeit aufzeigten. Dies waren in der Regel Betriebe aus dem Bereich der Agrarexportwirtschaft und des groß angelegten Reis- und Maisanbaus. Sehr geringen Anteil an der landwirtschaftlichen Entwicklung, insbesondere der Produktionssteigerung hatten die Betriebe in der Sierra. Doch gerade hier waren die Betriebe angesiedelt, die Hauptproduzenten für die Grundnahrungsmittel für der nationalen Markt waren. Im Zuge der gesamtwirtschaft-lichen Krise von 1973 traten jetzt auch verstärkt Produktionsrückgänge auf. Ursache war z. B. die deutliche Verringerung der Anbaufläche.

Dies mag absurd klingen, da es gerade ein Ziel der Agrarreform war, Brache und unzureichend genutztes Land zu verteilen, um somit die Anbauflächen zu vergrößern und das Land intensiver zu nutzen.

Viele Großgrundbesitzer hatten jedoch in Anbetracht der bevorstehenden Enteignungen große Teile ihrer Ländereien brach liegen lassen. Zusätzlich ging der Prozeß der Landverteilung oftmals so schleppend, daß viele Acker- und Weideflächen über mehrere Nutzungsphasen unbewirtschaftet blieben. In manchen Fällen verkauften oder zerstörten die Vorbesitzer die Produktionsmittel, so daß die neuen Nutzer natürlich einen wesentlich erschwerten Anfang hatten. In Anbetracht der niedrigen, staatlich festgesetzten Erzeugerpreise reduzierten viele Bauern ihre Produktion (insbesondere Kartoffelanbau) auf den Eigenbedarf. Die Hektar- erträge steigerten sich folglich nur in der Costa.

Auch bei der Tier- und Milchproduktion konnte keine wesentlich Produktionssteigerungen erreicht werden. Lediglich die Geflügel und die Eierproduktion erhöhten sich, da viele Genos- senschaften noch zusätzlich Geflügelzucht betrieben. Die Engpässe versuchte man durch die Einführung von 14 fleischlosen Tagen im Monat zu kompensieren. An diesen Tagen durfte kein Rindfleisch gekauft oder verkauft werden. Trotz solcher Maßnahmen zur künstlichen Verringerung der Nachfrage, klaffte das nationale Nahrungsmittelangebot und die Nachfrage immer weiter auseinander. Diese Entwicklung ist vor dem Hintergrund einer Bevölkerungs- zunahme von 3,1 % im Zeitraum von 1973 bis 1975 zu sehen, so daß bestimmte Erfolge sofort durch den erhöhten Bevölkerungsdruck zunichte gemacht wurden. Die ständig wachsende Angebotslücke mußte durch Importe geschlossen werden.

Die Devisenausgaben wurden aufgrund der steigenden Weltmarktpreise und der Währungsentwicklung von Jahr zu Jahr größer.

Somit stiegen auch die Lebenshaltungskosten insbesondere in den städtischen Gebieten. In Folge der Stagnation der inländischen Nahrungsmittelproduktion und der erlassenen Importbeschränkungen kam es zu einer Ausbildung eines Schwarzmarktes. Die horrenden Preissteigerungen trafen vor allem die unteren Bevölkerungsschichten sehr hart. Die Regierung sah sich genötigt, anti-inflatorische Maßnahmen zu ergreifen. Produkte des täglichen Konsums wurden nun subventioniert bis die Regierung im Juli 1975 importierte Lebensmittel nicht mehr subventionieren konnte Desweiteren erließ die Regierung Vorschriften, um die Löhne und Gehälter einzufrieren. Vor dem Hintergrund der sich ständig erhöhenden Lebenshaltungskosten und dem festhalten an einer unternehmerfreundlichen Lohnpolitik kam es zu einer massiven Verschlechterung der Lebensverhältnissen. Der Zorn und die Enttäuschung der Bevölkerung entluden sich im Juli 1976 in Protestwellen. Als Antwort ließ die Regierung Panzer durch Lima rollen, führte Verhaftungswellen durch, hob die Versammlungs- und Pressefreiheit auf und verhängte Ausgangssperren.

Die Militärregierung verfolgte bei ihrem Konzept für die Agrarreform und die Agrarpolitik auch die Erweiterung des binnenländischen Marktes als ein wichtiges Element zur wirtschaftlichen Entwicklung.

Die Landwirtschaft sollte ihre Produktion für den Konsum in den Städten ausweiten und gleichzeitig der agrarstoffverarbeitenden Industrie ausreichend Primärprodukte liefern. Parallel sollte sich in der Landwirtschaft eine Nachfrage nach Konsum-, Zwischen- und Kapitalgütern aus heimischer Produktion aufbauen. Die Bereitstellung von Nahrungsmitteln für die Bevölkerung aus der eigenen Produktion gelang wie oben erläutert nicht. Bis auf den Zuckerbereich gelang es der peruanischen Landwirtschaft auch in dieser Sparte nicht, die gesteckten Ziele zu erreichen. Begünstigt war der Zucker, für den es einen hohen Preis auf dem Weltmarkt gab. Peru beschickte seinen Außenhandel mit soviel Zucker, daß es im Binnenmarkt zu einem Unterangebot kam. Es muß jedoch erwähnt werden, daß die agrarverarbeitende Industrie in der Expansionsphase bis 1970 Überkapazitäten geschaffen hatte, die jetzt unter erschwerten Weltmarktbedingungen nicht mehr ausgelastet werden konnten. Auch die Agroindustrie (Textilindustrie, Schuhfabrikation, Holz- und Möbelindu- strie, ...) steckte nach 1971 in einer tiefen Krise, obwohl die Bereitstellung von Ausgangs material nicht schlechter geworden war. Vielmehr die geringe Nachfrage durch die fehlende Kaufkraft war der entscheidende Faktor, zumal der urbane Sektor als relativ gesättigt angesehen werden mußte.

Ziel der Agrarreform war es auch, die Einkommen durch die Enteignungen der Großgrund- besitzer auf die landlosen Bauern, Pächter und Minifundisten übergehen zu lassen. Die ungerechte soziale Ordnung, die Elend für einen Großteil der Bevölkerung bedeutete, sollte reformiert werden. Aufgrund der schon erwähnten Schwierigkeiten bei der Landvergabe (nur ein Drittel der landlosen Bauern, Pächtern und Minifundisten konnten in den Umwälzungs- prozeß einbezogen werden ) war auch dieser Vorgang von Hürden gekennzeichnet. In der Regel begünstigte die Reform nicht die ärmeren Bauernfamilien, sondern die ehemaligen Arbeiter der modernen agro-industriellen Betriebe in der Costa. Diese Angehörigen der Pro- duktionsgenossenschaften gehörten aber schon vor der Agrarreform zu den Teilen der Be- völkerung mit besserem Einkommen. Auch die Mitglieder der SAIS und der Comunidades Campesinas hatten nur geringe oder gar keine Einkommensverbesserungen zu verzeichnen, was sich auf die Betriebe in der Sierra verallgemeinern ließ. Die Bauern waren also nicht in der Lage, Kapitalbildung durch Sparen zu betreiben. Eine fortschreitende Kapitalisierung der Landwirtschaft und eine Unterstützung der industriellen Entwicklung mit Geldern aus dem Agrarsektor war somit ausgeschlossen. Zusätzlich lastete auf alle durch die Agrarreform begünstigten Betriebe die Agrarschuld.

Eine Integration der Landbevölkerung Perus (Hälfte der Einwohner Perus lebte 1972 von Einkünften aus dem primären Wirtschaftssektor) als Konsument von industriellen Konsum- und Produktionsgütern in den kapitalistischen Markt war damit fast ausgeschlossen.

Selbst in den Genossenschaften hatte der ökonomische Aspekt (Aufrechterhaltung der Produktion von cash-crops) Vorrang sozialen Aspekten (Verbesserung der Lebensqualität der Arbeiter ) und politischen Themen (Selbstbestimmung der Genossenschaftsmitglieder). Um widerstrebende Tendenzen im Keim zu ersticken, wurde auch das Militär eingesetzt. In der Folge hatten diese Produktionsgenossenschaften (insbesondere Baumwolle, Zucker und Kaffee) immer wieder mit den sinkenden Terms of Trade zu kämpfen, was sich natürlich auch immer wieder in der Außenhandelsbilanz niederschlug.

Das Problem der starken Migrationsbewegungen der Landbevölkerung konnte nur unwesent- lich gelindert werden. Gerade die von Regierung geförderte Küstenregion war immer noch das Hauptziel der mobilen Bevölkerung aus der peripheren Sierra, die unter einer extrem hohen Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung litt. Viele Minifundisten zogen deshalb, wie auch vor der Agrarreform, als saisonale und temporäre Arbeiter durch das Land und verrichteten ihre Tätigkeit auf den großen Zucker- und Baumwollgenossenschaften an der Küste oder in den Kaffeeplantagen der Selva.

Dort bekamen sie nur die gesetzlichen Mindestlöhne gezahlt, so daß sie ihre Minifundien nebenbei noch weiter bewirtschaften mußten. Die traditionelle Landwirtschaft stellte für die exportorientierte somit ein Arbeitskräftereservoir dar. Die Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung der Bevölkerung Perus konnte nicht innerhalb der unter Landmangel leidenden Landwirtschaft gelöst werden, da für die von der Landwirtschaft freigesetzten Arbeitskräfte in den anderen Wirtschaftssektoren keine Stellen in dem Maße geschaffen werden konnten.

1.5.2 Verkehr und Kommunikation

1.5.2.1 Perus Verkehrsnetz

Das Hauptverkehrsmittel in den Städten ist der Bus, eine zunehmende Anzahl von Menschen besitzt auch ein eigenes Auto. Das rund 70000 km lange Straßennetz ist nicht komplett asphaltiert bwz. befestigt.

Das Eisenbahn- und Luftverkehrsnetz sind kaum ausgebaut. Für öffentliche Telefonzellen be- nötigt man Münzen, die an Zeitungskiosken erhältlich sind. Es gibt mehrere Tageszeitungen.

1.5.3 Außenhandel

Wichtigste Außenhandelspartner für den Export sind die Vereinigten Staaten von Amerika, Japan, Italien und Deutschland.

Für den Import sind ebenfalls die Vereinigten Staaten von Amerika, Kolumbien, Argentinien, Japan, Deutschland, Brasilien von enormer Bedeutung.

1.5.4 Perus Wirtschaft

1990 erreichte die Inflationsrate ihren Höchststand von 7 600 Prozent, die Reallöhne fielen kontinuierlich. Seit 1992 ist die Inflationsrate gesunken, im Jahr 1997 war sie die niedrigste seit den frühen siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Investitionen aus dem Ausland werden zur Schaffung von Arbeitsplätzen, zur Erschließung von Bodenschätzen und zur Verbesserung der Lage in den ärmsten Regionen genutzt. Das Bruttoinlandsprodukt Perus betrug 1996 60,93 Milliarden US-Dollar, das bedeutet 2 510 US-Dollar pro Einwohner. Der Staatshaushalt konnte 1995 mit 8,96 Milliarden US-Dollar zunächst aufgebessert werden, man gab jedoch im Gegenzug 10,12 Milliarden US-Dollar aus. Die peruanische Währung ist der Nuevo. 1 Nuevo Sol besteht aus 100 Céntimos.

Peru ist der weltweit größte Erzeuger von Kokablättern, die vor der Verarbeitung zu Kokain ins Ausland exportiert werden. Das Land verfügt über umfangreiche Rohstoffe und Bodenschätze wie z. B. Kupfer, Silber, Gold, Erdöl und Eisenerze, die zum Teil noch nicht abgebaut werden. In jüngster Zeit wurden zudem Erdgaslager entdeckt.

Der Großteil der ausgeführten Güter besteht aus Kupfer, Zink, Fischmehl, Rohöl und Ölprodukte, Blei, Silber, Kaffee und Baumwolle.

Eingeführt werden Maschinen, Fahrzeugteile, Nahrungsmittel, Erdöl, Eisen und Stahl, Chemikalien und Arzneimittel.

Literaturverzeichnis

CD-ROM: Propyläen Weltgeschichte; Band 14

Der große Bildatlas zur Weltgeschichte; Unipart-Verlag

Domingo, Alfonso; Amazonia; Verlag: Rústica; Grupo Anaya; 1995 (übersetzt von: A. Laufer)

Goerdeler, Carl D.; Marco Polo Südamerika; Mairs Geographischer Verlag; 1995; 1. Auflage

Große Enzyklopädie (in Farbe); Band 7

Informationen zur politischen Bildung; Nr. 183: Wirtschaft (Internationale Wirtschaftsbeziehungen); München ; 1991;

Informationen zur politischen Bildung; Nr. 226: Lateinamerika; München; 1990;

Knop, Birgit; Peru, Unglaubliche Geschichten; Zeitschrift: GEO SAISON; 1996

Meyers Großes Universal Lexikon; Band 10

Meyers Großes Universal Lexikon; Deutsches Wörterbuch; Band 10

Möller, Gerd; Peru und Bolivien; DuMont, Köln; 1996, 3. Auflage

Nelles, M.; Peru; Verlag: Nelles Guide; 2000; 2. Auflage

Noblet, Martine; Perú y los países andinos; Tapa dura; Verlag: Editorial Planeta; 1996 (übersetzt von: S. Mas Krämer)

Pease, Franklin G.Y.; Breve historia contemporánea del Perú; Verlag: Bolsillo; Fondo de Cultura Económica; 1995 (übersetzt von: T. Wolf)

Sanz, Javier; Perú; Verlag: Rústica; Guías Azules de España (übersetzt von: S. Busse)

Weis, Erich, Prof. Dr.; Schülerwörterbuch ab 3. Lernjahr; Ernst Klett Verlag; Stuttgart; 1999; 4. Auflage

Weltgeschichte: Entdecker und Reformatoren; Bertelsmann Lexikon Verlag

Von Afghanistan bis Zypern; Bertelsmann Lexikon Verlag Weltgeschichte; Verlag: DVW; Bände 6 - 10

Zitatennachweis

[...]


(1) Carl D. Goerdeler; Marco Polo Südamerika; Mairs Geographischer Verlag; 1995; 1. Auflage; Seite 17

(2) Werner Thomas; Der Aufstand der Armen läßt Lateinamerika erzittern; 1989; in: Informationen zur politischen Bildung; Nr.: 226; Lateinamerika; Seite: 38

(3) Gerd Möller; Peru und Bolivien; DuMont, Köln; 1996, 3. Auflage; Seite 196

24 von 24 Seiten

Details

Titel
Peru. Kurze Länderkunde
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
24
Katalognummer
V100251
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geographie, Klimazonen, Bevölkerung, Agrarreform, Umweltsituation, Städteinfo: Machu Picchu, Cuzco, Lima
Arbeit zitieren
Lia Vannet (Autor), 2000, Peru. Kurze Länderkunde, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100251

Kommentare

  • Gast am 9.6.2008

    Schöne Arbei.

    Dieses Buch ist ein sehr gutes Arbeitsmittel,verständlich und solide erklärt.

    Vielen Dank

    gruß Sophel

  • Gast am 17.6.2008

    fehlen.

    viele viele ichtige sachen fehlen....
    zB: armut auswanderung...

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