Menschen ohne Eigenschaften / Musil - Kafka


Hausarbeit, 1997

16 Seiten, Note: 2


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Menschen ohne Eigenschaften - Musil / Kafka

1. Einleitung

In der vorliegende Arbeit soll das Seminarthema „Menschen ohne Eigenschaften“ anhand der Erzählung „Die Verwandlung“ von Franz Kafka weitergehend erläutert werden.

Um eine hinreichende Diskussionsbasis zu schaffen, wird das von Robert Musil in seinem Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ entworfene Pro- gramm im zweiten Kapitel zunächst definiert und erläutert. Hierbei spielt insbesondere der Unterschied zwischen Eigenschaftlichkeit und Eigenschaftslosigkeit eine große Rolle, da Musil ihnen einen durchaus neuen Bedeutungsinhalt beimißt. Des weiteren wird die Frage zu klären sein, inwiefern gesellschaftliche Ursachen und persönliche Voraussetzungen die Eigenschaftslosigkeit eines Menschen hervorrufen können oder gar müssen. Warum entschließt sich Ulrich zum „Urlaub vom Leben“? Ist die Fähigkeit, Möglichkeiten zu denken, dafür verantwortlich?

Im dritten Kapitel wird nun die Arbeit anhand des Musilschen Programms auf „Die Verwandlung“ von Kafka Bezug nehmen. Unter anderem wird hierbei eine Analyse der Familiensituation der Samsas von Bedeutung sein, die den Druck der kapitalistischen Arbeitsmechanismen verdeutlichen wird. Die Eigenheit vieler Menschen, sich gänzlich über ihren Beruf zu definieren, reift in Ulrich die Erkenntnis, im Arbeitsleben keine Rolle mehr spielen zu wollen. Warum kann Gregor dieses nicht erkennen? Der direkte Vergleich der Protagonisten Ulrich und Gregor wird aufzeigen, daß letzterem alle äuße- ren Umstände, die Ulrich zu einer Selbsterkenntnis kommen lassen, in weit ausgeprägterer Art und Weise gegeben sind, ihm aber trotzdem nicht weiter- helfen werden, da Ulrich ihm eine „Eigenschaft“ voraus hat. Daß mit dieser „Eigenschaft“ nicht der finanzielle Vorteil Ulrichs gemeint sein kann und daß diesem Vorteil auch nur eine oberflächliche Bedeutung zuteil wird, zeigt der Schlußteil der Arbeit1.

2. Robert Musils Programm des Menschen ohne Eigenschaften

2.1 Eigenschaftlichkeit oder Eigenschaftslosigkeit - eine Definition.

Schon die ersten Kapitel lassen den Rezipienten des Romans „Der Mann ohne Eigenschaften“ auf die Tatsache stoßen, daß die althergebrachte, also übliche Definition menschlicher Eigenschaften zum Verständnis des Romans nur bedingt beitragen kann. Es liegt also nahe, daß Musil in seinem Werk mit dem Begriff der Eigenschaft etwas anderes verbinden will als nur die menschliche Attribute, die gemeinhin als Eigenschaften gelten und zur Kate- gorisierung von Personen dienen. Denn stünde Musil auf dem allgemeinen Standpunkt, unter den Eigenschaften eines Menschen Angaben zu Person und Leben zu verstehen, hätte ihn sein Vorhaben, einen Roman über einen eigenschaftslosen Menschen zu schreiben von vornherein ad absurdum füh- ren müssen. Denn ein Protagonist, der in keinster Weise durch Attribute be- schrieben werden darf, ist nicht darstellbar und kann demnach keinen Stoff für einen Roman solchen Ausmaßes bieten.2 Wie das folgende Zitat zeigt, ist Musils Held Ulrich im herkömmlichen Sinne also nicht eigenschaftslos: „Na- me? Alter? Beruf? Wohnung? ...: Ulrich wurde befragt. [...] seine Haare waren blond, seine Gestalt groß, sein Gesicht oval, und besondere Kennzei- chen hatte er keine, obgleich er selbst eine andere Meinung davon besaß.“3 Weitere Textstellen weisen Ulrich als zweiunddreißig Jahre alten Mann aus, der Tennis spielt, von Beruf Mathematiker ist usw.

Musils Definition der Eigenschaft reduziert sich also keinesfalls auf die äuße- ren Merkmale eines Menschen, wie sie gerade vorgestellt wurden. Vielmehr scheint sich die Suche nach einer Erklärung für sein Eigenschaftsverständnis zu erleichtern, wenn man der Diskussion den Charakterbegriff hinzuzieht. Auch dieser wird von Musil seines herkömmlichen Sinnes entledigt, da er ihn zur Bestimmung eines Menschen als völlig unbrauchbar ansieht4. Seiner Mei- nung nach ist der Charakter keinesfalls als fester Bestandteil im menschli- chen Wesen verankert und trägt demnach auch zu keiner Persönlichkeitsbil- dung bei, vermag also nicht den Menschen individuell zu prägen5. Der Grund dafür liegt in der Entstehung des Charakters, der sich nach Musil nicht nur einmal herausbildet und dann in dieser Form bestehen bleibt, sondern einem ständigen Wechsel unterliegen kann: ändert sich das Umfeld oder die Le- bensbedingung eines Menschen, so ist auch sein Charakter einer Verände- rung unterworfen (Beispiel Krieg)6. Musil zeigt in seinem Roman die Verän- derlichkeit des Charakters am Beispiel des Landesbewohners, der gleich neun, wenn nicht sogar zehn Charaktere besitzen soll7. Die allgemeine An- nahme, Charakter und Eigenschaften eines Menschen stünden in direkter Beziehung zu einander, hebt sich nach dem Verständnis Musils auf, da die Idee der Eigenschaft weit über den von äußeren Einflüssen determinierten Sinn des Charakters hinausgeht8. Eigenschaften sind also nicht mit dem durch Gesellschaft, Politik etc. geprägten Charakterzug, der sich unbewußt ändern kann, identisch sondern zeichnen sich durch die bewußte Aneignung und „bleibende Zugehörigkeit […] von schon vorhandenen Gedanken und Gefüh- len“9 aus. Dieser Erwerb von Eigenschaften vervollkommnet sich in dem Moment zum Besitz der Eigenschaftlichkeit, sobald der Mensch gemäß sei- ner Eigenschaften urteilt, in den realen Handlungsablauf der Welt eingreift, sich subjektiv festlegt und für seine Taten verantwortlich zeichnen muß10. Ob ein Mensch nun eigenschaftlich oder aber eigenschaftslos - wie in Ulrichs Fall - ist, entscheidet, ebenso wie bei dem Erwerb der Eigenschaften nicht der Charakter, sondern auch dies ist die bewußte Entscheidung des Men- schen selbst: „Auch jetzt zweifelte er nicht daran, daß dieser Unterschied zwischen dem Haben der eigenen Erlebnisse und Eigenschaften und ihrem Fremdbleiben nur ein Haltungsunterschied sei, in gewissem Sinn ein Willens- beschluß oder ein gewählter Grad zwischen Allgemeinheit und Personenhaf- tigkeit, auf dem man lebt.“11

Demnach beschließt Ulrich also bewußt seine Eigenschaftslosigkeit indem er sich entscheidet, „[…] ein Jahr Urlaub von seinem Leben zu nehmen […].12 Diese Sprachwendung beinhaltet schon die Musilsche Definition der Eigen- schaftslosigkeit: „Urlaub vom Leben“ bedeutet nichts anderes, als sich vom Leben zurückzuziehen und das persönliche Eingreifen in die Wirklichkeit zu vermeiden. Zwar besitzt auch Ulrich eine ganze Reihe von möglichen Eigen- schaften, doch ist er insofern eigenschaftslos, als daß sich die Eigenschaften durch die Unterlassung jeglicher verbindlicher Betätigung im Leben nicht verwirklichen: „Durch die Tat erst […] verbinden sich die Eigenschaften so stark mit dem Menschen, daß sie ihm unveräußerlich angehören und den unverkennbaren Stempel des einmalig Persönlichen Tragen.“13 Somit ist Ulrich, trotzdem er potentielle Eigenschaften in sich trägt, eigen- schaftslos.

2.2 Wirklichkeitssinn, Möglichkeitssinn und Utopie

Nachdem durch das vorhergehende Kapitel ersichtlich wurde, daß Ulrich sich bewußt in den Zustand der Eigenschaftslosigkeit begeben hat, bewegt sich nun die Frage nach dem Wie in den Vordergrund. Welche persönlichen Vorraussetzungen sind für die Geisteshaltung des Protagonisten verantwort- lich?

Die Unterscheidung der Menschen in solche, die nach dem Prinzip des Wirklichkeitssinns leben, und jene, die in den Bahnen des Möglichkeitssinns denken, ist einer der elementaren Denkanstöße, die Musils Programm des Menschen ohne Eigenschaften strukturieren.

Unter der Prämisse „Wenn es aber Wirklichkeitssinn gibt, […]dann muß es auch etwas geben, daß man Möglichkeitssinn nennen kann“14 zeigt Musil bereits im vierten Kapitel die Unterschiede auf: Der Mensch, dessen Geist die Fähigkeit zum Möglichkeitsdenken besitzt, erwägt die Ereignisse des Le- bens durchgängig im „Conjunctivus potentialis“15, also erfindet, wie es anders sein könnte. Der Wirklichkeitssinn besitzende Mensch beruft sich dagegen auf die Tatsachen der Ereignisse, die passiert sind (passieren werden, passie- ren müssen) und verfügt daher nicht über die Fähigkeit „alles, was ebensogut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist.“16 Für diese Menschen steht also die Tatsache einer Situation im Vordergrund, während der Möglichkeitssinn die Menschen dazu befähigt, nicht das Ereignis selbst als wichtig anzusehen, sondern in den Möglichkeiten, die ein Erlebnis jeglicher Art in sich bergen kann, die Wirklichkeit weiter zu denken17. In diesem Sinne spricht Musil auch von „noch nicht geborene[n] Wirklichkeiten“18.

Wie eng die Thematik des Möglichkeitssinn mit dem Gegenstand der Eigen- schaftslosigkeit verbunden ist, zeigt sich natürlich an Ulrich: er ist der Mensch, „dem eine wirkliche Sache nicht mehr bedeutet, als eine gedach- te.“19 Indem der eigenschaftslose Mensch - wie in Kapitel 2.1 bereits erläu- tert - dem Leben gegenüber distanziert und unverbindlich bleibt, verharren seine erdachten Eigenschaften und Möglichkeiten im Status der „ungebore- nen Wirklichkeiten“, da eine Realisierung im Leben unterbleibt20. Doch dieser Konstellation von Möglichkeitssinn und Eigenschaftslosigkeit fügt sich noch ein dritter Bestandteil bei, der gleichsam aus beidem erwächst: Das „Prinzip Hoffnung“, welches das Konstrukt des Utopismus ermöglicht21. „Utopien bedeuten ungefähr so viel wie Möglichkeiten; darin, daß eine Mög- lichkeit nicht Wirklichkeit ist, drückt sich nichts anderes aus, als daß die Um- stände, mit denen sie gegenwärtig verflochten ist, sie daran hindern, denn andernfalls wäre sie ja nur eine Unmöglichkeit;“22 Führt man diesen Gedan- ken weiter, so stellt man fest, daß sich eine Möglichkeit, löst man sie aus den sie umgebenden Zwängen, die sie daran hindern zur Wirklichkeit zu werden, zur Utopie entwickelt. Die Utopie ist ein gedankliches Experiment, in dem man einwirkende Kräfte nach belieben verändern kann23.

Auch dieser Begriff erfährt in Musils Werk einen gewissen Bedeutungswan- del. Die herkömmliche Definition der Utopie als ein als unausführbar gelten- der Plan ohne reale Grundlage ist im „Mann ohne Eigenschaften“ nicht be- nutzt worden. Vielmehr handelt es sic h bei der Utopie im Musilschen Sinne um eine gedanklich weiterentwickelte Möglichkeit der Wirklichkeit, die nur zur Zeit aufgrund der jeweiligen äußeren Umstände nicht real sein kann.

Ändern sich die Umstände, so kann eine Utopie Wirklichkeit werden24. Auch Ulrich ahnt, daß „diese Ordnung nicht so fest ist, wie sie sich gibt; kein Ding, kein Ich, keine Form, kein Grundsatz sind sicher, alles ist in einer unsichtba- ren, aber niemals ruhenden Wandlung begriffen,“25. Aus dieser Einsicht schöpft Ulrich die Zuversicht, die ihn zum Möglichkeitsdenken und zum Uto- pismus befähigt.

2.3 Das Problem der Rolle

Wie nun mittlerweile festgestellt wurde, zeichnet sich Ulrich durch die Befä- higung zum Möglichkeitssinn und dem daraus entstehenden Utopiedenken aus. Zur Erarbeitung dieses Kapitels ist aber insbesondere Ulrichs bewußte Entscheidung zur Eigenschaftslosigkeit von Bedeutung, da die bewußte Ent- scheidung zu einer Veränderung des Wesens oder des Verhaltens immer eine neue Erkenntnis voraussetzt. Es stellt sich demnach die Frage, warum Ulrich sich aus dem Status des in der Wirklichkeit handelnden Menschen zurückzieht.

Ulrich empfindet sich selbst als Mann ohne Eigenschaften. Durch seine Fä- higkeit „alles, was ebensogut sein könnte, zu denken“26, also alle Möglichkei- ten, die die Wirklichkeit erweckt gedanklich auszuarbeiten, fehlt ihm der nöti- ge Wirklichkeitssinn, um sich selbst und seine Eigenschaften als wirklich an- zusehen: „Und da der Besitz von Eigenschaften eine gewisse Freude an ihrer Wirklichkeit voraussetzt, erlaubt das den Ausblick darauf, wie es je- mand, der auch sich selbst gegenüber keinen Wirklichkeitssinn aufbringt, unversehens widerfahren kann, daß er sich eines Tages als ein Mann ohne Eigenschaften vorkommt.“27 Dem Protagonisten des Romans ist die Mög- lichkeit der Anwendung seiner Eigenschaften abhanden gekommen; er nimmt sich ein Jahr Urlaub vom Leben, um nach seinen inneren Fähigkeiten und Eigenschaften zu suchen28. Die Eigenschaftslosigkeit erweist sich also als Fundament zur Selbstverwirklichung29.

Musil stellt dieser Erkenntnis nicht nur die Notwendigkeit des Möglichkeits- sinns voraus, sondern zeigt ebenso die äußeren Umstände, die Ulrich zu sei- ner Entscheidung veranlassen, als wichtige Faktoren der Eigenschaftslosig- keit auf: „Es ist eine Welt von Eigenschaften ohne Mann entstanden, von Erlebnissen ohne den, der sie erlebt, und es sieht beinahe so aus, als ob im Idealfall der Mensch überhaupt nichts mehr privat erleben werde […]“30. Ulrich lebt in einer Zeit, in der die Gesellschaft zu einem „Funktionszusam- menhang versachlichter Subjekt- Objekt- Beziehungen“31 verkommen ist. Die Menschen werden nicht nach dem Wert ihrer Persönlichkeit, sondern nach dem Wert ihrer (beruflichen, sozialen) Position beurteilt. Sie stellen kein Sub- jekt dar, das sich aus sich selbst heraus definiert, sondern spielen eine funkti- onalisierte Rolle, die von Gesellschaft und sozialem Umfeld maßgebend gere- gelt wird32. In diesen Rollen sind die Menschen in ihrer Funktion als „Räd- chen im Getriebe“ austauschbar.

„Darum zögerte er [Ulrich], aus sich etwas zu machen; ein Charakter, Beruf, eine feste Wesensart, das sind für ihn Vorstellungen, in denen sich schon das Gerippe durchzeichnet, das zuletzt von ihm übrig bleiben soll.“33 Die Men- schen seiner Zeit sind für ihn Gerippe, bloße Rollen ohne Eigenheit. Aus die- ser Erkenntnis zieht Ulrich die Konsequenzen: nachdem er schon die Offi- zierslaufbahn und seinen Beruf als Ingenieur aufgegeben hatte, hat er nun auch als Mathematiker „fast alle seine Erwartungen ausgetrunken“34. Keiner der Berufe hatte im bei der „Rettung seiner Eigenheit“ behilflich sein können; alle Tätigkeiten hatten ihn auf jeweilige Funktionen festgelegt, die er von da an nur ständig wieder reproduzierte35. Alle übrigen potentiellen Möglichkei- ten, die in ihm stecken, blieben ungenutzt, weil er auf eine Rolle festgelegt war. So nimmt Ulrich „Urlaub vom Leben“, um nach der Tätigkeit zu suchen, die gleichsam alle seine Eigenschaften und Fähigkeiten nutzt und ihn nicht funktionalisiert. Er will sich nicht in eine Rolle verstricken lassen, die nur eine Möglichkeit unter Tausenden von Lebensformen darstellt. Er mag sich nicht für eine Möglichkeit entscheiden, weil die Entscheidung mit ihrem Realwer- den alle anderen Möglichkeiten ausschließt und ihn damit in eine Rollenhaf- tigkeit drängt36. Deshalb zieht Ulrich sich aus der tätigen Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit zurück und verfügt somit über alle seine Möglichkeiten, da er sie nur denkt. Denn Gedanken schließen einander - im Gegensatz zur Handlung- nicht aus.

3. Anwendung des Musilschen Programms auf Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“

3.1 In der Rolle des Ernährers

In der kleinbürgerlichen Familie Samsa ist der Sohn Gregor für den Lebens- unterhalt seiner Eltern und seiner Schwester Grete verantwortlich. Als Hand- lungsreisender einer Tuchwarenfirma wird er auf Provisionsbasis bezahlt und trägt seit dem Zusammenbruch des väterlichen Geschäfts die Schulden der Familie bei seinem Chef ab37. Doch der Beruf ist Gregor längst keine Freude mehr; in seiner Rolle als Ernährer der Familie fühlt er sich unbewußt leer:

„Man hatte sich eben daran gewöhnt, sowohl die Familie, als auch Gregor, man nahm das Geld dankbar an, er lieferte es gern ab, aber eine besondere Wärme wollte sich nicht mehr ergeben.“38 Ebenso wie Ulrich hat Gregor, nach dem „ […] er damals mit ganz besonderem Feuer angefangen […]“39 hatte zu arbeiten, nun „[…] fast alle seine Erwartungen ausgetrunken.“40 Doch anstatt endlich den finalen Schlußstrich zu ziehen und sich aus diesem Beruf herauszubegeben, verschiebt Gregor seinen Ausbruch aus dem Gefüge auf später und funktioniert vorläufig erst einmal weiter41.

Trotz dieser Möglichkeit, die Gregor sich erträumt, wird er jedoch niemals seine Rolle als Ernährer der Familie aufgeben, da sie alles ist, worüber Gre- gor sich selbst definieren kann. Er erhält seine Identität als Mensch nur durch seinen Nutzen für die Familie; eine andere hat er nicht. „Einer ist mit lauterer Liebe und viel Selbstverzicht der Ernährer der Familie, aber eben dadurch verliert er seine menschliche Identität und also auch die Fähigkeit, diese Fa- milie weiter zu ernähren, und sobald das klar ist, ist diese Familie und ist diese Firma und Umwelt beim besten Willen nicht mehr fähig, ihn als Mensch an- zuerkennen.“42 Was geschehen würde, wenn Gregor seine Rolle als Ernährer aufgeben würde, sieht er täglich an seinem Vater. Nachdem Gregor die Rolle des Familienoberhauptes übernommen hatte, zieht der Vater sich zurück43. Er ist durch den Verlust seiner Identität für die Familie nutzlos geworden und füllt seine Rolle nicht mehr aus. Im Musilschen Sinne ist er nur noch das üb- rig gebliebene Gerippe. Kafka beschreibt ihn in seiner Erzählung wie eine eingerostete, ausrangierte Maschine, die nicht mehr funktioniert: „[…] mit stets vorsichtig aufgesetztem Krückstock sich vorwärts arbeitete [!] und, wenn er etwas sagen wollte, fast immer stillstand [! ...]“44 Gregor funktioniert indes weiter. Er ist eingebunden in das System der beruf- lichen Hierarchie und sowohl der Autorität seines Chefs als auch der seines Vaters unterstellt45. Obwohl er sich längst aus dem „menschlichen Kreis“46 ausgeschlossen fühlt, nutzt er keine Chance, sich aus dem heimischen Rol- lengefüge zu befreien. Er hat bisher weder die Möglichkeit einer Heirat, noch die des Ergreifens eines von ihm gewollten Berufs in Anspruch genommen, um seiner zwanghaften Situation zu entkommen. Gregor ist zu keiner konkre- ten Utopie fähig47.Doch wie sollte er auch? Er würde von einer Rolle in die nächste rutschen und nichts würde sich verändern. Ob er nun die Rolle des Sohnes oder die des Vaters annähme; ob er bei dieser Firma oder aber bei einer anderen arbeitete: Rolle ist Rolle, und von ihm selbst bleibt nur das Ge- rippe.

Doch soweit denkt Gregor gar nicht. Er denkt nicht einmal die Möglichkeiten, die ihm sein Leben bieten könnten. Die Wirklichkeit erweckt in ihm keine Möglichkeiten mehr. Gregor weiß nicht einmal, was er anstelle seines ihm so verhaßten Berufs lieber täte.

Das einzige, was ihm wirklich klar ist, ist daß er weiter funktionieren muß. Gregor schläft den Schlaf der Vernunft und der gesellschaftlichen Verpflic h- tung und büßt seine Eigenheit ein.

3.2 Die „Verwandlung“ und der „Urlaub vom Leben“

Nachdem Gregor jahrelang funktioniert hat und der Familie nützlich war, passiert eines Tages das Unvermeidliche: er wird unbrauchbar48. Es vollzieht sich eine Verwandlung, die ihn zu einem überflüssigen Esser macht und der Familie nur Sorgen und Schande bringt. Diese Verwandlung verhindert, daß Gregor weiterhin gemäß seiner Rolle als Familienoberhaupt seiner alltägli- chen Beschäftigung nachgeht und Geld verdient. Es ist eine Art „Auszeit“ von seinem Beruf, seiner Rolle und seiner Identität, die Gregor nicht zu durchschauen vermag. Anstatt seiner neuen „Wirklichkeit“49 selbstreflektie- rend auf den Grund zu gehen, versucht er die paradoxe Situation mit Hilfe von Kausalzusammenhängen und Erklärungen in seine ehemalige Rolle ein- zuordnen50:

„Daß die Veränderung der Stimme nichts anderes war, als der Vorbote einer tüchtigen Verkühlung, einer Berufskrankheit der Reisenden, daran zweifelte er nicht im geringsten.“51 Gemäß seiner Buchhaltermentalität, die ihn schon zuvor noch etwa „fünf bis sechs Jahre“ bis zum „große[n] Schnitt“ einkalku- um schicken zu können, könnte den Ansatz einer Utopie bei Gregor darstellen, an dessen „Verwirklichung [aber] nicht zu denken war“. Siehe Kafka, Franz: a.a.O., S.31 lieren ließ, erklärt er dem Prokuristen sein Versäumnis durch ein leichtes Unwohlsein und fügt gleich hinzu, daß er sofort wieder funktionieren werde: „Jetzt bin ich aber schon wieder ganz frisch. Eben steige ich aus dem Bett. Nur einen kleinen Augenblick Geduld!“52

Indem Gregor seine gesamte menschliche Identität durch seinen Beruf er- hielt53, ist dieses Selbstbewußtsein mit einem Schlage ausgelöscht. Er ist von allen menschlichen Handlungsweisen und Eingriffen in die Wirklichkeit aus- geschlossen und kann nicht mehr am Leben der Familie und der Gesellschaft teilnehmen. Doch im Gegensatz zu Ulrich, der diesen Zustand bewußt wählt und von heute auf morgen seine Rolle im Berufsleben freiwillig aufgibt, wird Gregor ungewollt in diese Situation versetzt. Während Ulrich seine Rolle nhaf- tigkeit und den Verlust seiner Eigenschaften bemerkt, erkannte Gregor vor seiner Verwandlung nur, daß ihm sein Leben mißfällt und daß er es irgend- wann ändern will. Er tut es jedoch nicht, da er den Möglichkeitssinn, der Ul- rich auszeichnet, nicht besitzt. Gregor ist unfähig zu einer Utopie, die Wirk- lichkeit werden kann, wenn er die Umstände ändert. Er hat keine Alternative für sein Leben.

Auch der „Urlaub vom Leben“, der exakter ist, als Ulrich ihn je bewußt ein- fädeln könnte, bewirkt in Gregor keinerlei Erkenntnis. Anstatt seine Situation zur Selbstreflexion zu nutzen, verfällt er in tiefe Depressionen und will doch nur eines: die Rückkehr in seine Rolle54: „Manchmal dachte er daran, beim nächsten Öffnen der Tür die Angelegenheiten der Familie ganz so wie früher wieder in die Hand zu nehmen;“55. Auch nach seiner Verwandlung entstehen in Gregors Bewußtsein keine Möglichkeiten. Er ist nicht imstande, daß zu denken, „was ebensogut sein könnte“56. Der Versuch, den Ulrich startet, nämlich eine Anwendung für die Fähigkeiten zu suchen, die zuvor von der gelebten Rolle verhindert wurde, entsteht in Gregor gar nicht erst. Dabei waren seiner Person neben der „Eigenschaft als Handlungsreisender“ nicht viele Eigenheiten geblieben: bis auf die Laubsägearbeiten und das Bild der Pelzdame57 waren alle potentiellen Eigenschaften in Gregor verkümmert. Man könnte dieser These entgegnen, daß Gregor eben ungewollt in die Ver- wandlung hineingeraten ist, sich sozusagen in Gefangenschaft58 befindet und dadurch die Voraussetzungen für Reflexion und Erkenntnis gar nicht gegeben sind. Doch Kafka selbst entwirft eine Alternative zu Gregors Verhalten. In den „Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande“ stellt sich ein junger Mann namens Raban die Spaltung seiner Persönlichkeit vor. Auf der einen Seite existiert ein Käfer, der ruhend, mit dem eigentlichen Ich in sich, zu Hause bleibt, während eine Hülle Rabans in der Welt handelt59. Natürlich stimmt dieser Entwurf nicht eindeutig mit der Situation Gregors überein. Trotzdem zeigt der Vergleich, daß auch Kafka das Verhalten Gregors nach seiner Verwandlung nicht als einzig logische Schlußfolgerung sehen kann. Nicht umsonst hat er seinem Protagonisten zwar alle menschlichen Eigenschaften genommen, ihm die wichtigste aller Fähigkeiten aber gelassen: das Denken. Doch im Gegensatz zu Ulrich, dessen Verstand als „schneidende und beweg- liche Waffe“60 fungiert, reflektiert Gregor weiterhin in den Grenzen, die ihm durch seine Rolle vorgegeben wurden61 und hofft auf eine Erlösung von au- ßen62. Eine Erlösung durch Selbsterkenntnis ist ihm versagt. Gregors Be- wußtsein entwickelt sich zwar63, doch der einzige Erkenntnisprozeß, zu dem er fähig ist, beinhaltet das Urteil über seine eigene Nutzlosigkeit im System und seine Unfähigkeit zum Funktionieren. Er kommt zu der Überzeugung, daß es das beste sei, zu verschwinden64. Das Ergebnis ist sein Tod.

3.3 Die Autorität des Geldes

„In wundervoller Schärfe sah er, mit Ausnahme des Geldverdienens, das er nicht nötig hatte, alle von seiner Zeit begünstigten Fähigkeiten und Eigen- schaften in sich, aber die Möglichkeit ihrer Anwendung war ihm abhanden- gekommen;“65 Bekanntlicherweise beschließt Ulrich daraufhin, ein Jahr Urlaub von seinem Leben zu nehmen. Dieses Vorhaben kann ohne Existenzängste in ihm reifen, weil er vermögend ist und es nicht nötig hat, seine Arbeitskraft zu verkaufen.

Gregor untersteht indes total der monetären Macht. Von seinem Vater in dem Glauben gelassen, sein Gehalt würde Monat für Monat vollständig auf- gebraucht, schuftet er Tag für Tag in seinem ungeliebten Beruf, um die Schulden abzuarbeiten. Seine rudimentären Träume, sich endlich aus dem bürgerlichen Arbeitsmechanismus zu lösen und die Schwester auf ein Kon- servatorium schicken zu können, scheitern (neben den genannten anderen Gründen) auch am Geld. Obwohl Gregor seine gesamte Identität aus dem Beruf zieht, ist er alles andere als unersetzbar in seiner Firma66. Er ist eine fungible Arbeitskraft und seine Person spielt dabei gar keine Rolle. Neben Gregor arbeitet in der Familie keiner. Sein Vater wurde durch Gregor selbst aus dem Arbeitsprozeß gedrängt, die Mutter kränkelt, und die Schwes- ter führt ein schönes, aber „nutzloses“ Leben67. In seiner Rolle als Ernährer bringt die Familie Gregor Dankbarkeit und Respekt entgegen, aber keine Liebe (vgl. Kapitel 3.1). Sie unterstehen in gewisser Weise der Macht des Geldes, das Gregor verdient.

Mit der Verwandlung ändert sich dieses: Anerkennung und Dank schwinden, was bleibt ist Verachtung. Gregors vorherige seelische Abhängigkeit von der Familie wächst sich zur existenziellen Unmündigkeit aus. Doch auch die Fa- milie macht unter dem Druck finanzieller Sorgen eine Verwandlung durch. Für den Vater entpuppt sich die Metamorphose seines Sohnes zum Stär- kungsmittel für seine Identität. Auch er hat aus seinem jetzt beendeten „Ur- laub vom Leben“68 keinerlei Erkenntnis über sein Wesen erlangt. In das Ar- beitsleben zurückgekehrt, verkörpert er im Kreise seiner Familie wieder die Macht des Geldes. Herr Samsa hat in seine alte Rolle als Ernährer heimge- funden und lebt seine wieder erlangte Autorität Gregor gegenüber hem- mungslos aus69. Auch die Schwester verändert sich durch Gregors Existenz als Ungeziefer. Da sie die Pflege und Fütterung Gregors übernimmt, ist er auch von ihr stark abhängig. Aus dieser Bevormundung zieht Grete ihr neues Selbstbewußtsein, das so stark ist, daß sie es sogar wagt, ihren Eltern zu widersprechen70. Auch hier ist es wieder die erbrachte Leistung und der Nutzen, über den sich ein Mensch definiert.

Ganz besonderes Interesse gilt aber den Berufen, die die Familienmitglieder ausüben müssen, um Gregors plötzliche Unbrauchbarkeit zu kompensieren. Neben der Mutter, die sich allabendlich als Näherin für ein Wäschegeschäft plagt, arbeitet der Vater als Diener für die Beamten einer Bank, während Grete eine Stelle als Verkäuferin angenommen hat und „[…] nach dem Be- fehl der Kunden hinter dem Pulte hin und her […]“71 läuft. Alle drei Anstel- lungen, besonders aber die des Vaters und der Schwester drücken das Ge- wicht des Geldes aus. Es sind niedere Arbeiten, in denen man die Autorität der Vorgesetzten unvermeidlich erkennt72. Die ganze Familie ist in den kapi- talistischen Arbeitsmechanismus eingespannt und funktioniert. Trotzdem sie total einer Autorität unterstehen, gibt ihnen die Leistung, die sie erbringen, Selbstbewußtsein und sie definieren sich, genau wie Gregor zuvor, nur noch über ihren Beruf. Der Vater geht sogar so weit, daß er seine Dieneruniform, die eigentlich den deutlichsten Ausdruck der Unterwürfigkeit im Arbeitspro- zeß erbringt73, nicht einmal am Abend auszieht. Sie scheint ihm die Kraft zu geben, die ihm solange fehlte: „Nun aber war er recht gut aufgerichtet; in eine straffe blaue Uniform mit Goldknöpfen gekleidet, […]unter den buschi- gen Augenbrauen drang der Blick der schwarzen Augen frisch und aufmerksam hervor;“74 Anhand dieser Darstellung zeigt sich der gravierende Unterschied zwischen Ulrich und Gregor. Während Ulrich sich schon früh durch einen Aufenthalt im Internat und diverse Reisen75 von seiner Familie ablöste, verpaßte Gregor diese Chance und bleibt in der kleinbürgerlichen Welt seiner Familie stecken.

Insbesondere spielt aber der eingangs schon erwähnte Wohlstand seiner Fa- milie für Ulrichs Entwicklung eine entscheidende Rolle. Er konnte aufgrund seiner finanziellen Sicherheit mehrmals den Beruf nach Belieben wechseln und sich schließlich aus diesem Grund auch gänzlich aus dem Berufsleben zurück ziehen. Ulrich ist durch seinen Geldbesitz in jeder Beziehung unab- hängig und erkennt, „daß er es gleich nah und weit zu allen Eigenschaften hätte […]“76. Denn obwohl Geld an sich eigenschaftslos ist77, verleiht es einem Menschen die Fähigkeit, durch Geldbesitz eine Eigenschaft zu erwerben. Doch Ulrich zieht es „in seiner Eigenschaft als“ Möglichkeitsmensch vor, keine Eigenschaft käuflich zu erwerben, sondern sich die Fülle der Möglichkeiten, die sein Geld ihm bieten könnte, zu erhalten. Er ist der „Narr“, der das Geld „in den Strumpf“ steckt, anstatt zu investieren78.

4. Schluß

Sowohl Ulrich als auch Gregor stehen vor dem Zeitpunkt, zu dem der Roman bzw. die Erzählung einsetzt, in beruflichen und gesellschaftlichen Verpflic h- tungen. Doch im Gegensatz zu Gregor gelingt es dem relativ wohlhabenden Ulrich, die Pflichten abzustreifen und in einen Prozeß der Selbsterkenntnis einzusteigen. Zu der, in den vorherigen Kapiteln schon angerissenen These, Gregor wären diese Erkenntnismöglichkeiten aufgrund seiner finanzielle Lage verwehrt geblieben, soll an dieser Stelle noch etwas gesagt werden.

„Wenn man nun in bequemer Weise die Menschen des Wirklichkeits- und des Möglichkeitssinns voneinander unterscheiden will, so braucht man bloß an einen bestimmten Geldbetrag zu denken. Alles, was zum Beispiel tausend Mark an Möglic hkeiten überhaupt enthalten, enthalten sie doch ohne Zweifel, ob man sie besitzt oder nicht;“79

In diesem Zitat zeigt Musil den eigentlichen Unterschied zwischen Ulrich und Gregor auf. Die Annahme jedes Lesers, Gregor könne ja nicht anders, weil er nicht das Geld besitzt, welches Ulrich für die Durchführung seines Planes zur Verfügung hat, ist nur eine Ausrede des Wirklichkeitsmenschen. Ob man das Geld besitzt oder nicht: die Möglichkeiten, die eine bestimmte Summe in sich birgt, sind die gleichen. Natürlich kann sich Ulrich ganz anders auf sein Vorhaben einlassen, weil er keinen Beruf ausüben muß. Doch wenn man den Vergleich genau nimmt, wird man feststellen, daß es Gregor ist, der die bes- seren Voraussetzungen mitbringt. Er ist vielmehr mit einer verhaßten Rolle versehen als Ulrich. Desweiteren könnte die Verwandlung ein effektiverer „Urlaub vom Leben“ sein, als Ulrich ihn für sich überhaupt inszenieren könn- te. Als „Ungeziefer“ ist Gregor nämlich vollständig vom gesellschaftlichen

Leben und von der Sorge, Geld verdienen zu müssen, befreit. Und auch der letzte Einwand, Gregor habe die Verwandlung ja nicht gewollt, wird zweifelhaft, wenn man bedenkt, daß sich auch in einer Zwangslage ein Erkenntnisprozeß einstellen kann oder sogar muß.

Somit läßt sich sagen, daß die Ursache für Gregors Scheitern nicht in einem finanziellen Mangel begründet ist, sondern sich in dem Mangel an Möglic h- keitssinn und „bewußte[m] Utopismus, der die Wirklichkeit nicht scheut […]“80 konstituiert.

Vielleicht wäre Kafkas Erzählung ganz anders ausgegangen, wenn Gregor Samsas Erkenntnis, endlich verschwinden zu müssen, nicht die einzige geblie- ben wäre.

[...]


1 Um Mißverständnissen vorzubeugen: Bei den hier verwendeten Ausgaben der Erzählung „Die Verwandlung“ und des Romans „Der Mann ohne Eigenschaften“ handelt es sich um das Reclam- Bändchen bzw. um die Taschenbuchedition des Rowohlt- Verlages (genaue bibliographische Angaben siehe Anmerkungen Nr.3 u.37). Die Seitenangaben in den Fußnoten können von den in der Sekundärliteratur angegeben Seiten dementsprechend abweichen.

2 Laermann, Klaus: Eigenschaftslosigkeit. Reflexionen zu Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“. Stuttgart 1970. S. 1

3 Musil, Robert: Der Mann ohne Eigenschaften. Erstes u. Zweites Buch, hrsg. v. A- dolf Frise´. Reinbeck b. Hamburg 1996. S.159

4 Burckhardt, Judith: „Der Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil oder das Wagnis der Selbstverwirklichung. Bern 1973. S.9

5 ebenda, S.9

6 ebenda, S.9

7 Musil, Robert: a.a.O., S.34

8 Burckhardt, Judith: a.a.O., S.10

9 ebenda, S.10

10 ebenda, S.10f

11 Musil, Robert: a.a.O., S.149

12 ebenda, S.47

13 Burckhardt, Judith: a.a.O., S.11

14 Musil, Robert: a.a.O., S.16

15 vgl. dazu ebenda, S.19

16 ebenda, S.16

17 „Es ist die Wirklichkeit, welche die Möglichkeiten weckt, und nichts wäre so verkehrt, wie das zu leugnen.“ Musil, Robert: a.a.O., S. 17

18 ebenda, S.17

19 ebenda, S.17

20 vgl. hierzu die Situation, in der Ulrich sein Haus neu einrichten möchte, sich aber für keine Stilrichtung entscheiden will und schließlich Fremden die Renovierung überläßt. Seine Möglichkeiten bleiben in seiner Phantasie. Ebenda, S. 20f

21 Rasch, Wolfdietrich: Über Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“. Göttingen 1967. S.88

22 Musil, Robert: a.a.O., S.246

23 ebenda, S.246

24 ein simples Beispiel: Um 1900 galt der Flug zum Mond als Utopie. 60 Jahre später, nachdem sich diese Möglichkeit weiterentwickelte und die Umstände wechselten, wurde er zur Wirklichkeit.

25 Musil, Robert: a.a.O., S.250

26 ebenda, S.16

27 ebenda, S.18

28 ebenda, S.47

29 Burckhardt, Judith: a.a.O., S.5

30 Musil, Robert: a.a.O., S.150

31 Laermann, Klaus: a.a.O., S.9

32 ebenda, S.9f

33 Musil, Robert: a.a.O., S.250

34 ebenda, S.47

35 Laermann, Klaus: a.a.O., S.10

36 vgl. dazu wieder den Versuch Ulrichs, sich für ein Einrichtungsstil zu entscheiden: „Aber wenn er sich soeben eine wuchtige Eindrucksform ausgedacht hatte, fiel ihm ein, daß man an ihre Stelle doch ebensogut eine technisch-schmalkräftige Zweckform setzen könnte […]“. Musil, Robert: a.a.O., S.20

37 Kafka, Franz: Die Verwandlung. Reclam Verlag Stuttgart 1996, S.30

38 ebenda, S.30

39 ebenda, S.30

40 Musil, Robert: a.a.O., S.47

41 Kafka, Franz: a.a.O., S.7

42 Walser, Martin: Selbstbewußtsein und Ironie. Frankfurter Vorlesungen. Frankfurt a. M. 1981, S.173

43 Sokel, Walter H.: Franz Kafka - Tragik und Ironie. Zur Struktur seiner Kunst. München, Wien 1964. S.77

44 Kafka, Franz: a.a.O., S.42

45 Matz, Wolfgang: Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer. Motive zu einer Lektüre von Kafkas „Verwandlung“. In: Arnold, Heinz L. (Hrsg): Franz Kafka. Text und Kritik. Zeitschrift für Literatur. Sonderband. München 1994. S.77

46 Kafka, Franz: a.a.O., S.16

47 Sein Wunsch aus dem Beruf des Handlungsreisenden auszusteigen, wird nie wie- der aufgegriffen. Lediglich der „schöne Traum“ die Schwester auf das Konservatori-

48 Kraft, Herbert: Mondheimat. Kafka. Pfullingen 1983, S.67

49 Der Begriff „Wirklichkeit“ ist in diesem Zusammenhang etwas notdürftig, da man eigentlich davon ausgehen sollte, daß eine Geschichte nie wirklich, sondern immer fiktiv ist. Ihre Wirklichkeit beschränkt sich lediglich auf die Tatsache, daß eine Ge- schichte als Kunstwerk, also als Modell der Wirklichkeit wirklich ist. Da die Erzähl- perspektive aber bis in den dritten Teil hinein stetig die Gregors ist, ist im oben dar- gestellten Zusammenhang die Wirklichkeit gemeint, die Gregor empfindet. Vgl. dazu: Kraft, Herbert: Kafka. Wirklichkeit und Perspektive. Bern 1983. S.44

50 ebenda, S.44

51 Kafka, Franz: a.a.O., S.9

52 ebenda, S.15

53 vgl. dazu: Kraft, Herbert: Mondheimat. a.a.O., S.63

54 ebenda, S.65

55 Kafka, Franz: a.a.O., S. 47. Auch die Ausbrüche aus seinem Zimmer sind von Gregor nie böswillig gemeint, da er nur versucht, in den menschlichen Kreis seiner Familie zurückzukehren.

56 Siehe Anm. Nr.15

57 Kafka, Gregor: a.a.O., S. 13

58 ebenda, S.30

59 Sokel, Walter H.: a.a.O., S.80

60 Burckhardt, Judith: a.a.O., S.13

61 vgl, dazu Kafka, Franz: a.a.O., S.31f. Gregors Vater legt in dieser Situation die Ve r- mögensverhältnisse der Familie dar und erwähnt, von Gregors Gehalt monatlich etwas zurückgelegt zu haben: „Gregor, hinter seiner Türe, nickte eifrig, erfreut über diese unerwartete Sparsamkeit.“

62 Matz, Wolfgang: a.a.O., S.75 und Kafka, Franz: a.a.O., S.16

63 Kraft, Herbert: Wirklichkeit und Perspektive. a.a.O., S.45

64 Kafka, Franz: a.a.O., S.59

65 Musil, Robert: a.a.O., S.47

66 Kafka, Franz: a.a.O., S. 14

67 Kafka, Franz: a.a.O., S.32 „Und die Schwester […] der ihre bisherige Lebensweise so sehr zu gönnen war, die daraus bestanden hatte, sich nett zu kleiden, lange zu schlafen, in der Wirtschaft mitzuhelfen, an ein paar bescheidenen Vergnügen sich zu beteiligen und vor allem Violine zu spielen […]“

68 „[…] er hatte in diesen fünf Jahren, welche die ersten Ferien [!] seines mühevollen und doch erfolglosen Lebens waren, viel Fett angesetzt und war dadurch recht schwerfällig geworden.“ ebenda, S.32

69 ebenda, S.43

70 ebenda, S.38

71 ebenda, S.47

72 vgl. dazu auch den Einzug der drei Zimmerherren in das Haus der Samsas. Mit ih-nen dringt die monetären Instanz auch in den letzten privaten Raum ein, der der Familie noch bleibt.

73 Vgl. dazu: Kraft, Herbert. Mondheimat. a.a.O., S.66

74 ebenda, S.42

75 Musil, Robert: a.a.O., S.19

76 ebenda, S.151

77 Geld ist der eigenschaftslose Zustand einer Eigenschaft. Im Tauschgeschäft kann es in jede beliebige Eigenschaft überführt werden. Vgl. dazu: Laermann, Klaus: a.a.O., S.16

78 Musil, Robert: a.a.O., S.17

79 Musil, Robert: a.a.O., S.17

80 ebenda, S.16

16 von 16 Seiten

Details

Titel
Menschen ohne Eigenschaften / Musil - Kafka
Note
2
Autor
Jahr
1997
Seiten
16
Katalognummer
V100270
Dateigröße
367 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Menschen, Eigenschaften, Musil, Kafka
Arbeit zitieren
Simone Broeker (Autor), 1997, Menschen ohne Eigenschaften / Musil - Kafka, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100270

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