Der wissenschaftliche Anarchismus des Peter Kropotkin


Hausarbeit, 1999
11 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biografie

3. Zentrale Thesen der Lehre Kropotkins

4. Kritik

1. EINLEITUNG

Petr Kropotkin ist neben Pierre-Joseph Proudhon und Michail Bakunin der bekannteste Vertreter der anarchistischen Theorie. Seine Arbeit beeinflußte die anarchistische Bewegung in Frankreich und in der Schweiz maßgebend. Mit seinem Versuch, die anarchistische Theorie auf ein wissenschaftliches Fundament zu stellen, beschritt er einen Weg, den vor ihm noch niemand gegangen war.

Im Folgenden soll zuerst der Werdegang Kropotkins anhand seiner Biographie nachgezeichnet werden. Danach sollen die wichtigsten Aspekte seines Entwurfs der anarchistischen Gesellschaft herausgestellt und thematisiert werden. Abschließend folgt eine kritische Auseinandersetzung mit seinen Thesen.

2. BIOGRAPHIE

Petr Alexandrowitsch Kropotkin wurde am 9.12.1842 in Moskau als Sohn wohlhabender Eltern geboren. Seine Familie gehörte zum Hochadel und so verbrachte Kropotkin seine Kindheit auf dem elterlichen Landsitz, wo sein Vater über 12000 Leibeigene verfügte.

Mit 15 Jahren trat er dem Pagenkorps Alexander II. bei und besuchte die kaiserliche Eliteschule, was ein sehr großes Privileg darstellte. Er schlug wie sein älterer Bruder Alexander die Militärlaufbahn ein und wurde mit 20 Jahren bereits zum Offizier ernannt. Er ließ sich nach Sibirien versetzen, wo er in der Verwaltung der Armee arbeitete und geographische und geologische Studienreisen durch Sibirien und in die Mandschurei unternahm. Hierbei hatte er Gelegenheit, die Lebensweise der Einheimischen zu studieren, die sich weitgehend unberührt von jeglicher Zivilisation entwickelt hatte. Dies sollte ihn nachhaltig in seinen Ansichten beeinflussen.

1867 quittierte Kropotkin den Militärdienst, nachdem er Zeuge von Mißhandlungen polnischer Gefangener in Sibirien geworden war. Er ging nach St. Petersburg, wo er ein Studium begann. Er war zwar in der mathematischen Fakultät eingeschrieben, die meiste Zeit verbrachte er jedoch mit geographischen Studien. Innerhalb weniger Jahre wurde er zu einem über die Grenzen Rußlands bekannten Fachmann für Geographie und erhielt eine Anstellung als Sekretär der Russischen Geologischen Gesellschaft, in deren Auftrag er Forschungsreisen nach Finnland und Schweden unternahm.

Die revolutionären Strömungen in Rußland erregten mehr und mehr Kropotkins Aufmerksamkeit. 1872 unternahm er eine Reise in die Schweiz, wo sich viele russische Revolutionäre im Exil aufhielten. Besonders sein Kontakt mit den Uhrmachern im Jura, einem Bergzug an der französisch-schweizerischen Grenze, prägte seine Ansichten über Sozialismus, Kommunismus und Anarchismus. Kropotkin konnte beobachten, daß die Arbeitsorganisation der Uhrmacher nahezu ohne hierarchische Strukturen auskam. Sie arbeiteten nicht in Fabriken, sondern in Gruppen von 20 Personen auf einem Bauernhof. Jeder Arbeiter spezialisierte sich auf einen bestimmten Arbeitsbereich, der Erlös aus dem Verkauf wurde zwischen den Arbeitern aufgeteilt. Die Uhrmacher waren im Jura-Bund organisiert, einer Vereinigung, die stark von den Ideen Michail Bakunins beeinflußt war. Auch innerhalb dieser Organisation gab es keine festgefügte Hierarchie, Entscheidungen wurden meist vom Kollektiv getroffen. Diese Arbeits- und Lebensweise beeindruckte Kropotkin so sehr, daß er rückblickend in seinem Buch „Memoiren eines Revolutionärs“ schrieb: “...als ich die Uhrmacher des Jura, nachdem ich etwa zwölf Tage unter ihnen geweilt hatte, verließ, standen meine sozialistischen Ansichten fest: ich war ein Anarchist.“[2]

Kropotkin kehrte nach Rußland zurück, um dort die revolutionäre Agitation zu unterstützen. Er schloß sich einem Geheimbund um Nikolaus Tschaikowskij, dem Bruder des berühmten Komponisten, an. 1874 wurde er zum ersten mal verhaftet und in der Peter-und-Pauls-Festung inhaftiert. 1876 wurde er auf Grund einer Erkrankung in das Krankenhaus eines anderen Gefängnisses verlegt, von wo ihm schließlich die Flucht gelang. Über Schweden und England gelangte er 1877 wieder in die Schweiz, wo er sich niederließ.

1878 kam Kropotkin nach Genf, wo er an der Zeitung des Jura-Bundes, dem Bulletin, mitarbeitete. In dieser Zeit lernte er Elisée Reclus kennen, der an der Pariser Kommune teilgenommen hatte. Reclus, der ebenfalls ein Geograph war, beeinflußte Kropotkin nachhaltig bei der Entwicklung seiner Variante des Anarchismus. Als der Bulletin 1879 auf Betreiben der Schweizer Behörden sein Erscheinen einstellen mußte, gründete Kropotkin zusammen mit zwei anderen Anarchisten, Dumartheray und Herzig die Zeitschrift Le Révolté (Der Rebell). Kropotkin fungierte als Redakteur und verfaßte Leitartikel zu aktuellen Themen oder über seine Idee des Anarchismus. Die Zeitschrift mußte sich gegen zahlreiche Schikanen der Schweizer Behörden behaupten. So wurden z.B. Druckereien eingeschüchtert, was zur Folge hatte, daß die drei Redakteure ihre Zeitschrift selbst herstellen mußten. Trotz allem erreichte Le Révolté eine Auflage von 2000 Exemplaren und wurde zum führenden Organ der Anarchisten in der Schweiz und Frankreich.

Im März 1881 wurde Zar Alexander II. bei einem Attentat getötet. In einem Artikel versuchte Kropotkin die Beweggründe der Attentäter, die aus dem Kreis um Tschaikowskij stammten, zu erklären und sagte den Sturz der russischen Autokratie voraus. Daraufhin wurde er verhaftet, aber kurz danach wieder freigelassen, da man ihm eine Verherrlichung des Mordes nicht nachweisen konnte. Das Verhältnis zur Obrigkeit blieb allerdings weiter gespannt und schließlich wurde er nach seiner Rückkehr von einem Kongreß in London ausgewiesen. Zunächst zog er mit seiner Frau nach London, nach elf Monaten kehrte er jedoch auf den Kontinent zurück und ging nach Frankreich.

Die französischen Anarchisten machten in den folgenden Jahren durch zahlreiche Sprengstoffattentate auf sich aufmerksam. Nach der Explosion von zwei Bomben in Lyon, kam es zu einer Reihe von Verhaftungen. Auch Kropotkin wurde inhaftiert und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Die Strafe traten er und 22 mitverurteilte Anarchisten im Zentralgefängnis von Clairvaux, einer ehemaligen Abtei, an. Nach drei Jahren Haft wurde er 1886 begnadigt.

[...]


[1] vergl. Kropotkin 1983, S. 10-48 und Diefenbacher 1996, S. 52-54

[2] Peter Kropotkin: Memoiren eines Revolutionärs, Frankfurt a. M. 1976, S. 337-338, zit. in: Kropotkin 1983, S. 13.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der wissenschaftliche Anarchismus des Peter Kropotkin
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
1999
Seiten
11
Katalognummer
V10032
ISBN (eBook)
9783638165891
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kropotkin, Anarchismus
Arbeit zitieren
Magister Artium Steffen Blatt (Autor), 1999, Der wissenschaftliche Anarchismus des Peter Kropotkin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10032

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