Olympia 2016 und dessen negative Einflüsse auf die Stadt Rio de Janeiro. Raumuntersuchung im virtuellen Milieu


Seminararbeit, 2020

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhangverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung in das Thema
1.1 Olympia in Rio de Janeiro im System Erde
1.2 Erläuterung der Vorgehensweise
1.3 Rio de Janeiro und Olympia
1.4 Untersuchungsabsicht und Ziel der Arbeit

2 Untersuchung
2.1 Präsentieren von Geographische Faktoren
2.1.1 Naturfaktoren
2.1.2 Humanfaktoren
2.2 Raumkonzepte
2.3 Medienreflexion

3 Synthese

4 Reflexion

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Rio de Janeiro in Südamerika, eigene Aufnahme in GEP

Anhangverzeichnis

Anhang I : Eintauchmethode 4D – Datenuntersuchung (eigene Darstellung, nach Gutenberg 2020)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung in das Thema

In diesem Kapitel wird in die Thematik der Seminararbeit eingeführt. Dabei wird zunächst auf die Bedeutung des Untersuchungsgebiet Rio de Janeiro in Bezug auf das System Erde eingegangen. Im folgenden Unterkapitel wird die Vorgehensweise bei der Erstellung der Arbeit erläutert. Die genutzten Medien werden dabei kurz vorgestellt. Das nächste Unterkapitel gibt eine Einleitung auf die Thematik rund um Rio de Janeiro und Olympia 2016. Dabei wird der behandelte Sachverhalt erläutert, um ein grundlegendes Verständnis zu vermitteln. Abschließend wird aufgezeigt, welches Ziel diese Seminararbeit verfolgt. Die Bedeutung der Untersuchung dieser und ähnlicher Veranstaltungen wird deutlich gemacht. Darüber hinaus wird gezeigt, dass die Untersuchung der Darstellung dieser Sachverhalte durch die Medien von Relevanz ist. Die Aufmachung und Präsentation der jeweiligen Informationen haben Einfluss auf die Datenvermittlung und Informationsverbreitung.

1.1 Olympia in Rio de Janeiro im System Erde

Flächenmäßig gesehen wird in dieser Arbeit nur ein kleiner Teil der Erde betrachtet. Daher findet die Untersuchung auf einer regionalen Ebene, welche ausschließlich auf ausgewählte Teile von Rio de Janeiro beschränkt ist, statt. Darüber hinaus behandelt diese Seminararbeit einen kurzfristigen Zeithorizont, da Olympia selbst nur einige Wochen, und die Vorbereitungen wenige Jahre in Anspruch genommen haben. Anhand von Abbildung 1 wird verdeutlicht, dass das Untersuchungsgebiet global gesehen nur einen kleinen Teil ausmacht. Die Aufnahme aus Google Earth Pro wurde nachträglich mit einer runden Markierung versehen, um die Lage von Rio de Janeiro deutlich zu machen, da diese sonst kaum sichtbar gewesen wäre. Die Stadt ist 1 255 km[2] groß und hat 6 747 815 Einwohner (IBGE 2020).

Großveranstaltungen wie Olympia 2016 werden zwar weltweit wahrgenommen, die Veränderungen der Stadt spüren jedoch in erster Linie die betroffenen Anwohner*innen vor Ort. Verschiedene Medien berichten über umstrittene Baumaßnahmen und Handlungen innerhalb von Rio de Janeiro in der Zeit von Olympia 2016, weshalb globale Aufmerksamkeit auf die Thematik gelenkt wird.

1.2 Erläuterung der Vorgehensweise

Durch Nachrichtenbeiträge und Berichte sowie Videos in verschiedenen Medien standen die Auswirkungen von Olympia 2016 vermehrt im Fokus. Durch einen Bericht der Geographischen Rundschau und Nachrichten im Fernsehen kam die Idee zur Überprüfung des Sachverhalts für diese Seminararbeit.

Die Aussagen in ausgewählten Medien bezüglich der Maßnahmen von Rio de Janeiro und dessen negative Auswirkungen werden in dieser Seminararbeit überprüft. Zu Beginn werden dazu kurz die geographischen Faktoren des Untersuchungsgebiets, welche relevant für diese Analyse sind, präsentiert. Dann wird verschärft darauf eingegangen, welches Raumkonzept zu welchem Teil der Untersuchung angewandt wird. In Bezug auf die Medien wird zunächst ein Erklärvideo von YouTube betrachtet, welches darlegt, wer die tatsächlichen „Gewinner und Verlierer“ von Olympia 2016 sind. Dabei wird unter Anwendung der 4D-Eintauchmethode zunächst gezeigt, inwiefern die Aussagen aus dem Video korrekt sind und aus seriösen Quellen stammen. In diesem Kontext wurde sich intensiv über die Thematik um Olympia 2016 informiert, um die Medien mit einem umfassenden Hintergrundwissen auf Richtigkeit zu überprüfen. Darüber hinaus wird die Aufmachung der Daten und somit die Präsentation der Thematik im Medium untersucht.

Die Sachbestände werden im nächsten Schritt auf Google Earth Pro übertragen. Dabei werden verschiedene Werkzeuge benutzt, um zu probieren, die Informationen sichtbar zu machen. Es wird herausgestellt, welche Sachverhalte gezeigt und nachgewiesen können und inwiefern Google Earth Pro an anderen Stellen an Grenzen stößt und sich nicht zur Überprüfung eignet. Die genaue Vorgehensweise und Auswahl der Werkzeuge werden in einem späteren Kapitel erläutert.

Anhand der gesammelten Ergebnisse wird eine abschließende Reflexion zeigen, welche negativen Auswirkungen Olympia 2016 tatsächlich auf die Stadt Rio de Janeiro hatte. Hierbei wird insbesondere darauf eingegangen, inwiefern sich die ausgewählten Medien zum Nachweis dieser Sachbestände eignen. Die Möglichkeiten und Grenzen von Google Earth Pro, als auch die Funktion und Wirkung von Erklärvideos wird kurz zusammengefasst. Damit wird das Ziel der Arbeit, zu zeigen inwiefern sich Medien zum Untersuchen geographischer Sachverhalte eignen, erreicht.

1.3 Rio de Janeiro und Olympia

Der Sachverhalt um Olympia 2016 in Rio de Janeiro eignet sich ideal für diese Seminararbeit. In Rio de Janeiro herrschen, wie in vielen südamerikanischen Städten, stark ausgeprägte soziale Disparitäten. Die Infrastruktur in den Favelas, den Elendsvierteln der Stadt (vgl. Spektrum 2020a), ist kaum vorhanden und die Bewohner*innen leben zu großen Teilen in Armut. Krankheiten breiten sich durch unzureichende Abwasser- und Abfallentsorgung aus und die Kriminalitätsrate ist in den Vierteln sehr hoch. Die Favelas liegen häufig direkt neben den Wohnvierteln der Oberschicht. Diese grenzen sich durch geschützte, umzäunte Luxussiedlungen, den Gated Communities (vgl. Spektrum 2020b), von den Armutsvierteln ab. In den Vierteln der privilegierten Oberschicht gibt es große Wohnkomplexe und die Bewohner*innen haben Zugang zu exklusiven Einkaufszentren und Restaurants. Diese Disparitäten werden weiterhin dadurch deutlich, dass die Lebenserwartungen und Kindersterblichkeitsraten zwischen dem Norden und Süden schwanken. In den Küstenregionen und Metropolen im Süden Rios leben viele Menschen der Oberschicht, welche eine Lebenserwartung von 73 Jahren und eine Kindersterblichkeitsrate von zwei bis drei Prozent aufweisen. In nördlicheren Regionen liegt die Lebenserwartung bei 69 Jahren und die Kindersterblichkeitsrate bei fünf Prozent. Daran wird deutlich, dass sich ein Großteil der ärmeren Bevölkerung in den Favelas im Norden der Stadt angesiedelt hat (vgl. Schneider 2020).

Eduardo Paes war bis Ende 2016 Bürgermeister von Rio de Janeiro. Durch Olympia versprach er, dass die gespaltene Stadt lebenswerter und gerechter werden würde. Für die Großveranstaltung wurde die Infrastruktur der Stadt stark ausgebaut. Rund 85% der Investitionen für die Spiele flossen in das Viertel Barra da Tijuca im Süden der Stadt. In dieser Region lebt ein großer Teil der Oberschicht Rios. Hier wurden unter anderem der Olympiapark und das Olympische Dorf errichtet. Gleichzeitig wurde die Verkehrsanbindung stark ausgebaut, wovon die Anwohner*innen profitierten (vgl. Lichterbeck 2015a). Die neu errichteten Arenen und Anlagen sollten nach Olympia weiterhin für Konzerte und andere Großveranstaltungen genutzt werden. Einige wenige dieser geplanten Veranstaltungen wurden durchgeführt bis die Hallen und Stadien 2019 aufgrund fehlender Genehmigungen und Sicherheitsvorkehrungen geschlossen wurden. Die Bauten verfallen wegen fehlender Gelder weshalb sie aktuell nicht nachhaltig genutzt werden (vgl. Marusczyk 2018). Mit Google Earth Pro wird überprüft, ob auch diese Zustände im Inneren der Arenen sichtbar gemacht werden können.

Für die ärmere Bevölkerung Rios bewahrheitete sich Peas‘ Versprechen nicht. Die Favela Autódromo befand sich vor dem Bau der Arenen dort, wo jetzt der Olympiapark liegt. In der Favela herrschte eine geringe Kriminalitätsrate und die Bewohner*innen lebten von einem eher geringen, aber sicheren Einkommen. Dennoch wurden sie wegen des Baus der Stadien zwangsumgesiedelt und ihre Hütten abgerissen. Trotz vieler Widerstände leben die Bewohner*innen jetzt in qualitativeren Unterkünften, welche jedoch weit außerhalb des Stadtzentrums und entfernt von Arbeitsplätzen liegen. Kritiker sprechen im Kontext der Zwangsumsiedelung davon, dass die Stadt den Touristen ein Rio den Janeiro ohne Armut präsentieren wollten würde (vgl. Dodt 2014). Im weiteren Verlauf der Arbeit wird durch Google Earth Pro veranschaulicht, mit welcher Geschwindigkeit und mit welchem Ausmaß die Favela Autódromo verdrängt und umgesiedelt wurde.

Neben den negativen Folgen für Teile der Bevölkerung von Rio de Janeiro, hat die Veranstaltung auch Einfluss auf die Umwelt der Stadt genommen. In der Marapendi-Lagune (orig. Lagoa der Marapendi), einem Naturschutzgebiet im Süden von Rio, wurde für die Spiele ein neuer Golfplatz, der sogenannte Olympic Golf Course, errichtet. Der Anwalt Jean Carlos Novaes verschrieb sich der Aufdeckung der Unstimmigkeiten rund um den Bau der Anlage. Er spricht davon, dass der Golfplatz ohne Umweltgutachten und ohne öffentliche Anhörung errichtet wurde. Darüber hinaus wäre eine weitere Anlage für den Golfsport nicht nötig gewesen, da Rio bereits über zwei qualitative Golfplätze verfügte (vgl. Lichterbeck 2015a). Mit Hilfe von Google Earth Pro wird überprüft, welches Ausmaß die neu errichtete Anlage in dem Gebiet nimmt.

Die Olympischen Spiele 2016 werden weiterhin dafür kritisiert, dass die Gelder für die Veranstaltungen an den falschen Stellen investiert worden seien. So trieben in der Lagune Rodrigo Freitas, welche für die Ruderwettkämpfe genutzt wurde, vor den Spielen rund 55 Tonnen toter Fische. In die Guanabara-Bucht fließen neben Abwässern von Millionen Haushalten und Industrieanlagen auch Plastik, Exkremente, Reifen und tote Tiere. Diese Bucht wurde für das Segeln genutzt und steht eigentlich das ganze Jahr lang unter Schwimmverbot. Laut Regierung fehle das Geld für eine Säuberung der Gewässer. Kritiker gehen jedoch davon aus, dass dort, “wo keine Profitinteressen existieren, plötzlich weder Geld noch Willen vorhanden sind“ (Lichterbeck 2015b). Mit Google Earth Pro wird versucht, die genannten Gewässer zu untersuchen und die Verschmutzung zu erkennen.

Anhand der genannten Aspekte wird deutlich, dass Olympia 2016 in der Kritik steht und den Veranstaltern eine Pervetierung der olympischen Idee unterstellt wird. Durch ein YouTube Video und Google Earth Pro werden die Aspekte überprüft und dargelegt, inwiefern sie durch die Medien korrekt präsentiert werden.

1.4 Untersuchungsabsicht und Ziel der Arbeit

Das Ziel dieser Arbeit liegt darin, zu zeigen, inwiefern sich die Medien Google Earth Pro und YouTube dazu eignen, die in 1.3 genannten Aspekte zu überprüfen. Dabei werden die Möglichkeiten und Grenzen dieser Werkzeuge präsentiert. Thematisch wird darauf eingegangen, die negativen Folgen durch die Großveranstaltung Olympia 2016 in Rio de Janeiro herauszuarbeiten. Dabei wird auf die Probleme für die Umwelt, Bevölkerung und Wirtschaft eingegangen. Es soll ein Bewusstsein dafür vermittelt werden, dass das Abhalten derartiger Großveranstaltungen immer mit „Gewinnern und Verlierern“ einhergeht.

In erster Linie sind die ärmeren Bewohner*innen vor Ort negativ von den Veränderungen der Infrastruktur der Stadt betroffen. Auch wirtschaftlich gesehen hat Olympia 2016 einen Schaden angerichtet, da für die Sportstätten hohe Ausgaben getätigt wurden und diese aktuell verkommen und keine finanziellen Einnahmen bringen. Darüber hinaus wird in dieser Seminararbeit geklärt, inwiefern es negative Folgen für die Umwelt durch den Bau der Anlagen gibt. Es ist wichtig, diese Probleme herauszuarbeiten, um eine Aufmerksamkeit darauf zu legen, dass derartige Großveranstaltungen entgegen der öffentlichen Fassade nicht nur aus Prunk, Sport und Spaß bestehen. Auf einer internationalen Ebene sind diese negativen Faktoren nur kleinen Teilen der Bevölkerung bewusst, da die wenigsten tatsächlich vor Ort sind und die Ergebnisse der Sportereignisse und die Feiern für die Veranstaltung in den Nachrichten im Vordergrund stehen. Aus diesem Grund soll dieses Seminararbeit vermitteln, inwiefern Olympia 2016 abseits des Geschehens innerhalb der Arenen und Stätten Schäden angerichtet hat.

Für weitere Untersuchungen wäre es interessant, ähnliche Großveranstaltungen wie beispielsweise die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi, die Olympischen Spiele 2012 in London oder auch die Fußball-Weltmeisterschaft 2014, welche ebenfalls in Brasilien stattfand, zu untersuchen. Dabei könnte verglichen werden, ob diese Veranstaltungen ähnliche wirtschaftliche, soziale und umweltbezogene Schäden anrichteten. Falls dies nicht der Fall ist, sollte überprüft werden, was bei der Planung von Olympia 2016 anders als bei den ähnlichen Veranstaltungen abgelaufen ist und zu der nicht-nachhaltigen Durchführung sowie den negativen Auswirkungen geführt hat.

2 Untersuchung

Nach dieser Einführung in die Thematik werden die genannten Aspekte untersucht. Dabei werden zunächst die grundlegenden geographischen Faktoren vorgestellt, um einen Überblick über die Gegebenheiten des Untersuchungsgebiets zu geben. Dann werden die angewandten Raumkonzepte präsentiert. Abschließend werden die Ergebnisse der Medienreflexion durch die 4D-Eintauchmethode vorgestellt.

2.1 Präsentieren von Geographische Faktoren

In diesem Kapitel werden die relevanten geographischen Faktoren vorgestellt. Dabei werden zunächst die Naturfaktoren und im Anschluss die Humanfaktoren untersucht.

2.1.1 Naturfaktoren

Die Stadt Rio de Janeiro liegt nördlich des südlichen Wendekreises. Sie grenzt im Osten an die Guanabara-Bucht und im Süden an den Atlantik. In diesem Gebiet herrscht ein tropisches Atlantikklima. Rio de Janeiro ist für seine Buchten und Strände im Süden der Stadt bekannt. Hierzu gehören die Bezirke Ipanema und Copacabana. Darüber hinaus machen die „Morros“, die Granithügel wie der Zuckerhut, der Corcovado und der Morro Dois Irmaos die Stadt aus. Geteilt wird die Stadt durch eine Hügelkette. Im Süden befinden sich die genannten Strandbezirke und im Norden das historische Stadtzentrum und heutige Geschäftszentrum (vgl. Evers & Seale 2014).

In Rio de Janeiro gibt es rund 15 Naturschutzgebiete, Reservate und sogenannte „State Parks“, welche im amerikanischen Raum für natur- und denkmalschutzbedürftige Gebiete stehen. Ein Großteil der Naturschutzgebiete befindet sich im Zentrum und Süden des Bundesstaats Rio de Janeiro. Zu diesen gehört auch das Marapendi Naturschutzgebiet, welches an der Küste in Barra da Tijuca liegt (vgl. Brazil Adventure International 2020). In diesem Gebiet wurde für Olympia 2016 ein neuer Golfplatz errichtet, was in den folgenden Kapiteln durch Google Earth Pro dargestellt wird. Umstritten beim Bau dieses Platzes ist, dass in Rio bereits Golfplätze ähnlicher Größe existierten und nicht für die Veranstaltung genutzt wurden. Diese befinden sich ebenfalls in den Küstenregionen der Stadt und hätten im Sinne der Nachhaltigkeitsstrategie für die Spiele genutzt werden können (vg. Lichterbeck 2015b).

2.1.2 Humanfaktoren

Die Stadt Rio de Janeiro ist mit etwa 6,7 Millionen Einwohnern eine Megastadt. Ähnlich wie in anderen Megastädten ist Rio de Janeiro dicht bebaut. Bereits vor Olympia 2016 gab es nur wenige Flächen, welche nicht durch Favelas, Geschäftszentren, andere Bauten oder Naturschutzgebiete belegt waren. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt in Rio de Janeiro bei 17 348 US Dollar was über dem nationalen Durchschnitt liegt (vgl. IBGE 2020).

Ein Problem der Stadt sind die sozialen Disparitäten, welche nicht selten zu Kriminalität und Drogenmissbrauch führen. Vor Allem in den Favelas, in welchen teils mangelhafte Lebensbedingungen herrschen, spielt Kriminalität eine große Rolle. Eine von Olympia betroffene Favela ist die bereits genannte Favela Autódromo. In dieser Favela war die Kriminalitätsrate verhältnismäßig gering und das Einkommen der Anwohner*innen niedrig, aber sicher. Dennoch wurden die Anwohner*innen zwangsumgesiedelt, um mehr Platz für die Arenen zu schaffen (vgl. Dodt 2014). Dieser Aspekt wird in den folgenden Kapiteln durch Google Earth Pro dargestellt.

Bedeutsame Wirtschaftszweige der Stadt sind der Fremdenverkehr und der Dienstleistungs- und Finanzsektor. Grund hierfür ist die Tatsache, dass Rio de Janeiro ein beliebtes Reiseziel für Touristen ist. Neben Wahrzeichen wie der Christusstatue und Naturdenkmälern wie dem Zuckerhut, sind Gebiete wie die Copacabana und Ipanema mit ihren berühmten Stränden eine Attraktion für viele Touristen. Hinzu kommen international bekannte Veranstaltungen wie der jährlich stattfinde Karneval in Rio, wodurch Menschen aus aller Welt in die Stadt kommen, um zu feiern. Darüber hinaus ist der Fußball in Brasilien Nationalsport, weshalb viele Fans die Vereine in den Stadien anfeuern. Als Austragungsort für die Fußball-Weltmeisterschaft und Olympia wird die Bedeutsamkeit des Sports für die Stadt unterstrichen. Zu diesen Veranstaltungen kommen Besucher aus aller Welt, wodurch wirtschaftliche Einnahmen verzeichnet werden sollen (vgl. Schuh 2018).

Rio de Janeiro steht in Südamerika in wirtschaftlicher Hinsicht nach Sao Paulo an zweiter Stelle. Als Hauptstandort der herstellenden Industrien Brasiliens werden überwiegend Bekleidung, Möbel, Textilien sowie chemische und pharmazeutische Produkte hergestellt. In der Umgebung des Stadtzentrums spielt die Landwirtschaft eine große Rolle. Angebaut werden in erster Linie Kaffee und Sojabohnen, welche zu den Hauptexportgütern zählen (vgl. Schuh 2018).

2.2 Raumkonzepte

In dieser Seminararbeit wird zunächst das geographische Konzept des Raums als Container angewandt. Dieses beschränkt sich auf eine objektive Perspektive. Das heißt, dass davon ausgegangen wird, dass der behandelte Raum als Wirkungsgefüge natürlicher sowie anthropogener Faktoren verstanden wird. In dem Raum sind spezielle Sachverhalte der physisch-materiellen Welt enthalten. Dabei wird in der Regel untersucht, inwiefern natürliche Prozesse als auch menschliche Tätigkeiten die Landschaft gestaltet haben (vgl. Wardenga 2002). In dieser Seminararbeit wird sich auf die anthropogenen Einflüsse auf die Region Rio de Janeiro durch Olympia beschränkt, da die Veranstaltung vom Menschen und nicht von der Natur selber erschaffen und umgesetzt wurde. Es wird beispielsweise darauf eingegangen, inwiefern der Bau der neuen Golfanlage einen Einfluss auf die Umwelt Rios hat. Zudem werden die Gewässer der Kanuten und Segler untersucht, da diese für eine hohe Verschmutzung durch Abfälle der Bevölkerung bekannt sind. Im Zentrum der Untersuchung steht der Bau der neuen Arenen und Unterkünfte für die Athleten vor Olympia 2016. Es wird herausgestellt, welche Einflüsse die Bauten auf die Umwelt haben und inwiefern diese im Sinne des Nachhaltigkeitsgedanken weiterhin genutzt werden.

Neben der Sichtweise des Raums als Container wird eine subjektive Perspektive auf diese Arbeit übertragen. Hierzu wird der vierte Blick, welcher den Raum als medial geprägte Raumvorstellung oder Konstruktion wahrnimmt, angewandt. Das heißt, dass das Untersuchungsgebiet nicht nur auf geographische Objekte und Prozesse untersucht wird. Im Zentrum dieser Perspektive steht die mediale Darstellung der Daten des Raumes (vgl. Wardenga 2002). Dabei wird für diese Arbeit zunächst ein YouTube Video, welches auf die genannten Aspekte in Bezug auf die Auswirkungen von Olympia 2016 eingeht, untersucht. In diesem Kontext soll herausgearbeitet werden, inwiefern die genannten Aspekte der Wahrheit entsprechen und woher die Daten stammen. Darüber hinaus wird aufgezeigt, wie die Informationen durch Grafiken, Musik, Filmsequenzen und andere Mittel in dem Video dargestellt werden. Aus diesen Untersuchungen soll sich ergeben, wofür dieses Video genutzt werden sollte und inwiefern es professionell und korrekt erstellt wurde. Dabei wird auf den in dem Medium konstruierten Raum eingegangen. Die Analyse dieses Raums wird durch die 4D Eintauchmethode gestützt. Neben dem YouTube Video wird die Darstellung des Untersuchungsgebiet in Google Earth Pro untersucht. Anhand einer selbst erstellten Datei wird aufgezeigt, welche genannten Aspekte, in Bezug auf die Auswirkungen Olympias, in Google Earth Pro dargestellt und sichtbar gemacht werden. Mit verschiedenen Werkzeugen wird gezeigt, wie das Untersuchungsgebiet in diesem Medium präsentiert wird. Darüber hinaus soll verdeutlicht werden, inwiefern jene Anwendungen bei der Untersuchungen derartiger Gebiete und Sachverhalte an ihre Grenzen stoßen. Es wird klar werden, dass sich nicht alle Daten und Informationen durch Google Earth Pro darstellen lassen.

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Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Olympia 2016 und dessen negative Einflüsse auf die Stadt Rio de Janeiro. Raumuntersuchung im virtuellen Milieu
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Geographisches Institut)
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
26
Katalognummer
V1003424
ISBN (eBook)
9783346382023
ISBN (Buch)
9783346382030
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Google Earth Pro, Rio de Janeiro, Eintauchmethode
Arbeit zitieren
Bauke Janssen (Autor), 2020, Olympia 2016 und dessen negative Einflüsse auf die Stadt Rio de Janeiro. Raumuntersuchung im virtuellen Milieu, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1003424

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