Der Vergleich, dem die politischen Systemen Großbritanniens, Irlands und Islands in dieser Arbeit unterzogen werden sollen, bezieht sich auf die Bereiche Parlament und Verhältnis zur Regierung, Wahlsystem, Parteiensystem sowie Staatsorganisation. Es sollen die charakteristischen Unterschiede aber auch die Gemeinsamkeiten in einzelnen Bereichen herausgearbeitet werden. Besonders dem Vergleich zwischen Großbritannien und Irland kommt vor dem Hintergrund der gemeinsamen Geschichte besondere Bedeutung zu. Island hingegen läßt sich weit schwerer mit den beiden Erstgenannten in Verbindung setzen, da sich vor allem in den Bereichen Wahl- und Parteiensystem ein Vergleich mit anderen skandinavischen Staaten eher anbietet.
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Wahlrechtsreform in Neuseeland
2. Die Wahlsystemdiskussion in Großbritannien
3. Wahlrechtsreform in Neuseeland – Vorbild für Großbritannien?
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Hintergründe und Ursachen der Wahlrechtsreform in Neuseeland und analysiert, inwieweit diese als Modell für eine Reform des Wahlsystems in Großbritannien dienen kann, wobei die komplexen Wechselwirkungen zwischen Wahlsystemen und Parteienlandschaften im Mittelpunkt stehen.
- Analyse der neuseeländischen Wahlrechtsreform von 1993
- Diskussion der britischen Wahlsystemdebatte und Reformvorschläge
- Vergleich der politischen Rahmenbedingungen beider Staaten
- Bewertung des Einflusses von Wahlsystemen als abhängige oder unabhängige Variable
Auszug aus dem Buch
1. Die Wahlrechtsreform in Neuseeland
Am 6. November 1993 entschieden die neuseeländischen Wähler in einem zusammen mit der Parlamentswahl abgehaltenen Referendum, ihr bis dahin bestehendes einfaches Mehrheitswahlrecht durch ein personalisiertes Verhältniswahlrecht nach deutschem Muster zu ersetzen. Die Änderung des Wahlrechtes in Neuseeland stellt wohl - abgesehen von der Unabhängigkeit von Großbritannien 1852 - den bemerkenswertesten Einschnitt in die politische Landschaft des Inselstaates dar. Bemerkenswert deshalb, weil Neuseeland lange Jahre als Musterbeispiel des „Westminster“- Modells mit einfacher Mehrheitswahl und starrem Zweiparteiensystem galt.
Die Gründe und Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig. Zunächst führten gesellschaftspolitische Einflüsse zu einer Ausdifferenzierung des Parteiensystems, dem das die beiden großen Parteien bevorzugende einfache Mehrheitswahlrecht (oder first past the post, FPP) nicht mehr gerecht wurde. Noch 1989 wurde das neuseeländische Parteiensystem als „unquestionably the most robust two-party-system in the world“ bezeichnet. Tatsächlich aber nahm der Prozentsatz der Wählerstimmen, den die beiden großen Parteien, die Labour Party und die National Party, auf sich vereinigen konnten durch das Aufkommen von kleineren Parteien von annähernd 100 % 1951 auf unter 70 % 1993 ab. Dieser Stimmenverlust von Labour und National sorgte dafür, dass der Disproportionseffekt des FPP-Wahlsystems immer stärker zu Tage trat, da diese kleinen Parteien im Vergleich zu ihrer Stimmenanzahl im Parlament unterrepräsentiert waren.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert den wissenschaftlichen Kontext des Wahlsystemwechsels in westlichen Demokratien und formuliert die Absicht, die neuseeländische Reform als Vergleichsfolie für die britische Debatte zu nutzen.
1. Die Wahlrechtsreform in Neuseeland: Dieses Kapitel beschreibt den historischen Übergang vom einfachen Mehrheitswahlrecht zum personalisierten Verhältniswahlrecht und analysiert die Ursachen sowie die öffentliche Reaktion auf diesen radikalen Systemwechsel.
2. Die Wahlsystemdiskussion in Großbritannien: Hier wird der langjährige Diskurs über eine Reform des britischen FPP-Systems nachgezeichnet, wobei insbesondere der Bericht der Jenkins-Kommission und die verschiedenen Lösungsansätze wie das "limited AMS" beleuchtet werden.
3. Wahlrechtsreform in Neuseeland – Vorbild für Großbritannien?: Das abschließende Kapitel setzt die Erfahrungen Neuseelands in Bezug zu den britischen Gegebenheiten und bewertet die Chancen einer erfolgreichen Reform des Westminster-Modells kritisch.
Schlüsselwörter
Wahlrechtsreform, Neuseeland, Großbritannien, Verhältniswahlrecht, Mehrheitswahlrecht, FPP, MMP, Jenkins-Kommission, Parteiensystem, Westminster-Modell, Politische Institutionen, Repräsentation, Demokratie, Wahlbeteiligung, Koalitionsregierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Übergang von einem Mehrheitswahlrecht zu einem Verhältniswahlsystem in Neuseeland und untersucht, ob dieser Prozess als Blaupause oder Lehre für eine Reform des britischen Wahlsystems dienen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit thematisiert die Funktionsweise von Wahlsystemen, die Ursachen für Systemkrisen in Demokratien sowie die politischen Konsequenzen, die sich aus dem Wechsel des Wahlrechts für die Parteienlandschaft ergeben.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Untersuchung der Hintergründe der neuseeländischen Reform sowie die Beantwortung der Frage, inwieweit das neuseeländische Modell auf den britischen Kontext übertragbar ist und welche Erfolgschancen eine solche Reform dort hätte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende politikwissenschaftliche Analyse, die historische Entwicklungen, Wahlergebnisse und offizielle Berichte von Reformkommissionen gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der neuseeländischen Reform, die Analyse der britischen Wahlsystemdiskussion sowie einen direkten Vergleich der beiden Staaten hinsichtlich ihrer institutionellen Ausgangslage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Wahlrechtsreform, FPP, MMP, Westminster-Modell und Parteienwettbewerb.
Welche Rolle spielten die Maori bei der Reform in Neuseeland?
Die Maori fungierten als eine bedeutende politische Kraft ("pressure group"), die auf eine angemessenere Repräsentation im Parlament drängte, was maßgeblich zum Wunsch nach einem faireren Wahlsystem beitrug.
Warum wird das britische Modell als „elective dictatorship“ bezeichnet?
Dieser Begriff stammt von Lord Hailsham und kritisiert die ausgeprägte Machtkonzentration beim Premierminister und seinem Kabinett, die durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt wird.
Wie bewertet die Arbeit die Übertragbarkeit des neuseeländischen Modells auf Großbritannien?
Die Arbeit sieht Neuseeland primär als Beweis dafür, dass eine Reform des Westminster-Modells grundsätzlich möglich ist, stellt aber gleichzeitig fest, dass die sozio-politischen Bedingungen in Großbritannien deutlich komplexer sind.
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- Magister Artium Steffen Blatt (Author), 2000, Wahlrechtsreform in Neuseeland - Vorbild für Großbritannien?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10038