Chronischer Stress und Diabetes Mellitus Typ 2

Psychosomatische Zusammenhänge und Wirkmechanismen körperlicher Aktivierung


Bachelorarbeit, 2020

60 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG UND PROBLEMSTELLUNG

2 ZIELSETZUNG

3 GEGENWÄRTIGER KENNTNISSTAND
3.1 Evolutionäre Entwicklung des Menschen bezüglich körperlicher Aktivität
3.2 Evolutionäre Mechanismen Stress
3.2.1 Stress
3.2.2 HPA-Achse
3.2.3 Hypercortisolismus
3.3 Definitionen/ Ursachen/ Symptome/ Behandlungen
3.3.1 Metabolisches Syndrom
3.3.1.1 Definition
3.3.1.2 Ursachen
3.3.1.3 Symptome
3.3.1.4 Behandlung
3.3.2 Diabetes Typ-2
3.3.2.1 Definition
3.3.2.2 Entstehung
3.3.2.3 Hyperglykämie
3.3.2.4 Behandlung
3.3.2.5 Wirkwege körperlicher Aktivierung bei Diabetes Mellitus Typ-2
3.3.3 Chronischer Stress
3.3.3.1 Definition
3.3.3.2 Ursachen
3.3.3.3 Symptome
3.3.3.4 Behandlung
3.3.4 Depressionen
3.3.4.1 Definition/ Symptome
3.3.4.2 Ursachen/ Entstehung
3.3.4.3 Behandlung
3.3.4.4 Montgomery-Asberg Depression Rating Scale (MADRS)
3.4 Wirkung von Kraft und Ausdauertraining.
3.4.1 Krafttraining
3.4.1.1 Anpassung der Skelettmuskulatur
3.4.1.2 Anpassung auf neuromuskulärer Ebene
3.4.1.3 Anpassung auf hormoneller Ebene
3.4.2 Ausdauertraining

4 METHODIK.
4.1 Suchbegriffe/ Schlüsselwörter.
4.2 Beispiel der Vorgehensweise bei der Literaturrecherche
4.3 Ausschlusskriterien

5 ERGEBNISSE
5.1 Wirkwege und Auswirkungen körperlicher Aktivierung auf Depressionen, das Metabolische Syndrom und Stress
5.1.1 Wirkwege und Auswirkungen körperlicher Aktivierung auf Depressionen
5.1.2 Zusammenhänge Metabolisches Syndrom und Depressionen
5.1.3 Wirkwege körperlicher Aktivierung auf Stress

6 DISKUSSION
6.1 Ableitung eines Handlungsansatzes aus dem Bereich der körperlichen Aktivierung
6.2 Ernährungsplan
6.2.1 Handlungsansatz Ernährung
6.3 Nahrungsergänzungsmittel
6.3.1 Vitamin D3
6.3.2 Omega-3 Fettsäuren
6.3.3 Apfelessig
6.4 Aktuelle Forschungen zum Thema körperliche Aktivierung und Stress
6.5 Mögliche körperliche und psychische Folgen der Corona-Pandemie
6.6 Kritische Würdigung der eigenen Leistung.

7 ZUSAMMENFASSUNG

8 LITERATURVERZEICHNIS

9 ABBILDUNGS-, TABELLEN-, ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
9.1 Abbildungsverzeichnis
9.2 Tabellenverzeichnis
9.3 Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung und Problemstellung

Weltweit sind Millionen Menschen von Diabetes Typ-2 und Fettleibigkeit betroffen. Gründe hierfür sind eine mangelhafte körperliche Aktivierung und eine übermäßige Energiezufuhr. Dies stellt ein immer größer werdendes Gesundheitsproblem dar. Betroffene werden als träge und disziplinlos eingestuft. Fettleibigkeit spielt eine große Rolle bei der Entstehung von Diabetes Typ-2. Die Ernährung wird heutzutage durch einen hohen Anteil von Kohlenhydraten geprägt. Der Anstieg des Zuckerkonsums hängt mit der Zunahme der Prävalenz von Fettleibigkeit und Insulinresistenz zusammen, die für Typ- 2-Diabetes prädisponiert sind. Die hyperkalorische Diät und Bewegungsmangel sind die Hauptfaktoren, die die Entwicklung des metabolischen Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hypercholesterinämie, Bluthochdruck, Hyperglykämie, Typ-2-Diabetes und einige Krebsarten verursacht. Untersuchungen zeigten, dass chronische Glukoseaufnahme, Bluthochdruck, Insulinresistenz, Hyperglykämie und höheren vaskulären Stress verursacht (Ousaaid, 2020). Vorbeugende Strategien und Interventionsmaßnahmen sind erforderlich, um Typ-2-Diabetes zu bekämpfen. Zeitgleich wachsen die Anforderungen an die Arbeitnehmer in verschiedenen Berufen, was zu einem erhöhten Risiko führt an einer psychischen Störung, beispielsweise Burnout, zu erkranken. Die Depression ist eine weit verbreitete und wiederkehrende Erkrankung. Fast ein Viertel der Bevölkerung erkrankt im Laufe seines Lebens an einer Depression, die Hälfte der Ausbrüche treten im Erwachsenenalter auf. Depressionen haben weltweit die dritthöchste Krankenlast aller Erkrankungen und in Ländern mit höherem Einkommen ist die Depression die Hauptursache für Behinderungen. Es werden daher wirksame Interventions- und Präventionsmaßnahmen neben der Medikation benötigt, um dieser Krankheit vorzubeugen oder die Heilung zu effektivieren (Weersing, 2017). Das Metabolische Syndrom ist mit dem Auftreten von Depressionen verbunden, jedoch ist wenig über seinen Einfluss zum Verlauf der Depression bekannt. Eine Depression kommt häufig bei Personen mit schwerem (d.h Klasse II-III) Übergewicht vor. Eine Gewichtsabnahme von 5-10% des ursprünglichen Körpergewichts ist mit einer Verbesserung mehrerer Risikofaktoren von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden, wie mehrere große, randomisierte und kontrollierte Studien gezeigt haben (Faulconbridge, 2018). Die Ernährung spielt hierbei auch eine entscheidende Rolle und fließt daher in die Übersichtsarbeit mit ein.

2 Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit ist die Darlegung des aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstands bezüglich chronischem Stress und dessen seelischer und körperlicher Auswirkungen anhand einer narrativen Übersichtsarbeit. Schwerpunktmäßig im Zusammenhang mit dem Auftreten von Depressionen, der Merkmale des Metabolischen Syndoms (IDF, 2005; Definition, ,,Adult Treatment Panel III“, 2001 (ATP III) und von Diabetes Mellitus Typ II). In diesem Kontext sollte außerdem die gegenwärtige Studienlage zu den bio-psy- cho-sozialen Auswirkungen körperlicher Aktivierung, mit Schwerpunkt allgemeines aerobes Ausdauertraining sowie umfangs- und intensitätsorientierte Krafttrainingsmethoden dargestellt werden.

Auf Basis der aus der Literaturrecherche gewonnenen Erkenntnisse soll anschließend die Ableitung eines praktikablen Handlungsansatzes im Sinne der Gesundheitsförderung und Prävention zur körperlichen Aktivierung erfolgen. Die Benennung weiterer, aus multimodaler Sicht erforderlicher Ergänzungen wird verlangt, um einem bio-pscho- sozialen Betreuungskonzept gerecht zu werden.

3 Gegenwärtiger Kenntnisstand

3.1 Evolutionäre Entwicklung des Menschen bezüglich körperlicher Aktivität

Über 4 Mio. Jahre war der Mensch Jäger und Sammler. Er war ständig auf der Suche nach Nahrung, legte damit mehrere Kilometer am Tag zurück und musste auch mit längeren Zeiträumen ohne Nahrungsaufnahme zurecht kommen. Man nimmt an, dass diese Lebensweise in unseren Genen gespeichert wurde. Erst vor 10.000 Jahren wurde der Mensch sesshaft, womit sich auch seine Lebensweise mehr und mehr verändert hatte. Der Mensch baute Lebensmittel an, anstatt sie zu sammeln und hielt sich Tiere, anstatt diese zu jagen, was auch noch relativ viel körperliche Aktivität erforderte. Erst in den letzten 300 Jahren, mit der Industrialisierung und nach Ende des zweiten Weltkrieges, nahm die körperliche Aktivität stark ab (Lengfelder, 2001, S.662).

Durch moderne arbeitssparende Technologien, die dem Menschen das Leben erleichterten, eine Zunahme an Arbeitsplätzen, die überwiegend sitzend ausgeübt wurden, verrin- gerte sich die körperliche Aktivität der Bevölkerung in den Industrieländern deutlich. Dies führt zu einer Zunahme von koronaren Herzerkrankungen, Schlaganfällen, Bluthochdruck, Diabetes Typ-2 und der Entstehung des Metabolischen Syndroms.

Ab dem 19. Jahrhundert nahm die körperliche Aktivität zunehmend ab. Vorher versorgten sich die Menschen überwiegend selbst, bestellten das Feld, ernteten per Hand, schlugen Feuerholz. Hafenarbeiter hoben schwere Lasten und Baumaterial wurde eigenhändig transportiert. Dies wurde im Laufe der Jahre mit der Industrialisierung immer mehr von Maschinen übernommen. Menschliche Energie wurde durch Fahrzeuge ersetzt und Haushaltsgeräte, wie Waschmaschine oder Staubsauger, erleichterten die Arbeit im Haushalt. Mit Beginn der Computertechnologie ab den 50er Jahren hat sich die körperliche Aktivität noch weiter reduziert. Durch die Kommunikation über das Internet, Telefon und Handy besteht kaum noch die Notwendigkeit, sich von einem Ort zum anderen zu bewegen. Selbst innerhalb eines Büros können die Mitarbeiter untereinander digital kommunizieren und müssen sich nicht physisch treffen. Viele Dinge können vom Schreibtisch aus erledigt werden. Selbst immer wieder zunehmend kleine Bewegungsreduzierungen, wie zum Beispiel den Fahrstuhl anstatt der Treppe zu nehmen, können mit der Zeit große körperliche Folgen mit sich tragen. Summiert man die eingesparten Kalorien, kann dies mit den Jahren eine Zunahme des Körpergewichtes um mehrere Kilogramm ausmachen. Dies wird als schleichende Fettleibigkeit bezeichnet und hat auch eine steigende Morbidität und Mortalität durch koronare Herzerkrankungen, Diabetes Mellitus Typ-2 und Arthrose zur Folge (Haskell, 2020, S. 931). Selbst der Gang zum Supermarkt kann heutzutage durch eine Online-Bestellung ersetzt werden und die Lebensmittel werden direkt vor die Haustür geliefert. Auch die aktuelle Corona-Krise zeigt, dass es sogar möglich ist, über einen längeren Zeitraum von zu Hause aus arbeiten zu können, ohne das Haus überhaupt verlassen zu müssen, um den Weg ins Büro anzutreten.

Es ist wissenschaftlich belegt, dass Menschen für einen optimalen Gesundheitszustand körperliche Aktivität benötigen und dass ein ständiger Bewegungsmangel zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes führt. Aufgrund dessen sinkt die Lebenserwartung und ein selbstständiges Leben im Alter wird dadurch unwahrscheinlicher (Haskell, 2020, S. 930).

Folgende Grafik stellt den täglichen Energieverbrauch der Machiguenga-Indianer aus Peru da, welche noch jagen und sammeln und vergleicht den Energieverbrauch mit der Industriegesellschaft in den USA.

Die Daten wurden in den 70er Jahren von primitiven Eingeborenen in Peru gesammelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Täglicher Energieverbrauch bei primitiven Jäger-Sammler-Bauern (Machiguenga-Indianer in Peru) vs. sitzender Erwachsener in den USA (modifiziert nach Haskell, 2000).

Die Abbildung zeigt, dass im Vergleich zu den Jägern und Sammlern in Peru, die körperliche Aktivierung eines sitzenden Erwachsenen in den USA deutlich geringer ist.

3.2 Evolutionäre Mechanismen Stress

3.2.1 Stress

Stress steht im Zusammenhang mit der Mortalität. Durch ein erhöhtes Stresslevel, steigt das Risiko an Infektionskrankheiten zu erkranken. Daher kann man Stress auch als eine natürliche Selektion betrachten. Es gibt Hinweise dafür, dass die Evolution Gene begünstigen kann, welche für unerwünschte Reaktionen auf chronischen Stress verantwortlich sind (Hadany, 2006). Die natürliche Stressreaktion dient dazu, die Fähigkeit, mit Stress umzugehen zu verbessern. Stress hat jedoch auch Vorteile, insbesondere die Cortisolreaktion, von der oft angenommen wird, dass sie das Kennzeichen der Stressreaktion ist. Die Cortisolreaktion dient zum Schutz vor anderen Aspekten von Abwehrsystemen, wie Fieber, Erbrechen, Husten, Schmerzen bestehen. Oft werden diese Abwehrreaktionen als Problem gesehen, obwohl diese den Körper nur vor schlimmeren Erkrankungen schützen, wie zum Beispiel Erbrechen bei einer Lebensmittelvergiftung um den Schädling zu eleminieren, oder das Stoppen von Durchfall, was zu einer schweren Darmentzündung führen kann, schützen möchte. Stress hat den Vorteil, dass er den Körper darauf vorbereitet, mit der Stresssituation umzugehen und zu handeln. Vor 600 Millionen Jahren hatte der Organismus nur zwei Zustände: Aktivität und Ruhe. Dies ist in unserem biochemischen Nervensystem verankert. Das sympathische System wird als Teil einer Stressreaktion aktiviert und erhöht den Blutdruck, die Herzfrequenz, die Atemfrequenz und die körperliche Aktivität. Außerdem werden andere physiologische Veränderungen aktiviert, welche für eine Aktion erforderlich sind. Das andere System, der Parasympathikus hemmt die Muskelaktivität, speichert Energie und leitet Blut zur Verdauung und zur Reparatur des Körpers. Entsteht eine Stresssituation, versucht der Körper diese zu spezifizieren und die Reaktion daraufhin anzupassen. Diese Reaktion können je nach Individuum und Situation unterschiedlich ausfallen. Damals bereitete das sympathische System den Körper auf Kampf oder Flucht in einer Stresssituation vor, zum Beispiel bei Angriff eines wilden Tieres. Die heutige Umwelt unterscheidet sich von der unserer Vorfahren. Spezielle Aspekte der neuen Umwelt schaffen eine neue Art von Stress. Ein Unternehmen leiten, zur Arbeit fahren, Schulden haben, in einer Fabrik arbeiten, all dies erregt das Stresssystem. Heute ist der Mensch eher sozialen und mentalen Bedrohungen ausgesetzt. Die Bedrohungen kommen aber nicht von au- ßen, zum Beispiel von einem Tier angegriffen zu werden, sondern von innen. Der Mensch tendiert dazu, sich persönliche Ziele zu setzen, die teilweise viel zu hoch sind. Wenn diese Ziele nicht erreicht werden können oder wenn es zu viele Ziele auf einmal sind, löst dies eine Stressreaktion aus. Stress entsteht aus einem Missverständnis zwischen dem, was wir uns wünschen und dem, was wir haben können (Nesse, 2000).

3.2.2 HPA-Achse

Die HPA Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse) wird auch Stressreaktionssystem genannt. Sie dient in erster Linie der Aufrechterhaltung einer kontinuierlichen Cortisolproduktion mit sekretausschüttenden Reaktionen auf verschiedene Stressreize (Uwaifo, 2020). Das Endprodukt der HPA Achse ist Cortisol, welches gut dosiert ausgeschüttet wird. Bei Belastung schüttet diese Cortisol aus. Eine langanhaltende Ausschüttung von Cortisol wird seit langem mit Depression, Bluthochdruck, Osteoporose, Immunsuppression und mit dem gesamten Spektrum des Metabolischen Syndroms verbunden. Ebenfalls werden Adipositas, Insulinresistenz, Dyslipidämie (eine Fettstoffwechselstörung, deren Merkmal ein zu hoher Spiegel an Lipiden, wie Cholesterin ist), Dyskoagulation, Hypertonie, kardiovaskuläre Erkrankungen und Ateriosklerose mit einem erhöhten Stresslevel in Verbindung gebracht.

Des Weiteren wurden ebenfalls Zusammenhänge zwischen einer melancholischen Depression und einem hyperaktiven Stresssystems entdeckt. Patienten mit einer diagnostizierten melancholischen Depression haben außerdem eine deutlich verringerte Lebenserwartung und sterben vorzeitig aufgrund kardiovaskulärer Ursachen. Dies wird mit dem dauerhaft erhöhten Cortisollevel und dessen Folgen in Verbindung gebracht (Chro- sous, 1998, S.1842). Zahlreiche Studien ergaben, dass Depressive eine erniedrigte HPA- Aktivität aufweisen (Issa, 2006, S.2).

3.2.3 Hypercortisolismus

Wenn das Gewebe über einen längeren Zeitraum einer übermäßig hohen Cortisol-Zufuhr ausgesetzt ist, spricht man von Hypercortisolismus. Das Adrenocorticotropes Hormon (ACTH) sorgt ebenfalls für eine Ausschüttung von Cortisol. Auch eine ACTH- Überproduktion kann zu einem Hypercortisolismus führen.

Hypercortisolismus ist häufig, aber nicht immer mit einem Überschuss an Cortisol (Hy- perkortisolemie) verbunden und führt nach einer gewissen Zeit zu dem Cushing-Syn- drom. Das Cushing-Syndrom zeichnet sich durch die Häufung von überschüssigem Cortisol und/oder anderen Glukokortikoiden ab (Uwaifo, 2020).

3.3 Definitionen/ Ursachen/ Symptome/ Behandlungen

3.3.1 Metabolisches Syndrom

3.3.1.1 Definition

Das Metabolische Syndrom ist eine Stoffwechselstörung, die auf die zunehmende Prävalenz von Fettleibigkeit zurückzuführen ist. Die Störung wird auf verschiedene Arten definiert, aber in naher Zukunft werden weltweit neue Definitionen anwendbar sein. Die Pathophysiologie scheint weitgehend auf eine Insulinresistenz mit übermäßigem Fettsäurefluss zurückzuführen zu sein. Ein proinflammatorischer Zustand trägt wahrscheinlich zu dem Syndrom bei. Das erhöhte Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erfordert therapeutische Aufmerksamkeit für Personen mit hohem Risiko. Der grundlegende Ansatz ist Gewichtsreduktion und erhöhte körperliche Aktivität. Eine medikamentöse Behandlung könnte jedoch zur Verringerung des Risikos für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen geeignet sein (Hanefeld, 2007).

3.3.1.2 Ursachen

Das Metabolische Syndrom tritt vor allem in Gesellschaften mit unbegrenzter Nahrungsverfügbarkeit und mit Mangel an körperlicher Aktivität auf. Bereits in der Antike oder in anderen Kulturen, in welchen Menschen der obersten Schicht im Überfluss lebten, wurde schon von Symptomen des Metabolischen Syndroms berichtet (Hanefeld, 2007).

3.3.1.3 Symptome

Typische Symptome sind erhöhter Blutdruck, Adipositas, erhöhter Blutzucker und Dys- lipädemie, Schlafapnoe, Insulinresistenz, erhöhtes viszerales Fett und Entzündungswerte, Gicht und Arteriosklerose. Meist treten mehrere Symptome gleichzeitig und miteinander auf. Menschen mit dem Metabolischen Syndrom haben ein höheres Risiko, an Diabetes Typ-2 zu erkranken. Das Syndrom ist mittlerweile in allen Altersklassen und bei Frauen und Männern vertreten. Außerdem führt das Syndrom zu weiteren Stoffwechselerkrankungen und es besteht ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko (Hanefeld, 2007).

3.3.1.4 Behandlung

Wirft man einen Blick auf die Ursachen, lässt sich daraus ein Behandlungsansatz ableiten. Eine körperliche Aktivierung in Kombination mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung sollte umgesetzt werden, um möglichst viele Symptome aufzulösen, diese rückgängig zu machen oder zu mildern.

3.3.2 Diabetes Typ-2

Weltweit leiden 425 Millionen Menschen an Diabetes. Wenn der aktuelle Trend voranschreitet werden 2045 bereits 629 Millionen Menschen, zwischen 20 und 79 Jahren, an dieser Krankheit erkrankt sein (Bolla, 2019). Man unterscheidet zwischen Typ-1 Diabetes, dort besteht ein absoluter Insulinmangel und Typ-2-Diabetes, bei dem eine chronische Glukosestoffwechselstörung vorliegt (Kellerer, S. 73, 2003).

3.3.2.1 Definition

Diabetes Mellitus ist der Sammelbegriff für eine heterogene Stoffwechselstörung, deren Hauptbefund die chronische Hyperglykämie ist. Die Ursache ist entweder eine gestörte Insulinsekretion, eine gestörte Insulinwirkung oder normalerweise beides (Petersmann, 2019).

3.3.2.2 Entstehung

Typ-2-Diabetes entsteht aus einer Kombination von genetischer Anfälligkeit und Umweltfaktoren, einschließlich körperlicher Inaktivität und schlechter Ernährung. In den meisten Fällen von Diabetes Typ-2 spielt Fettleibigkeit eine Rolle. Je höher die Fettleibigkeit, desto größer ist das Risiko für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes. Durch die Erhöhung des Körperfettanteils tritt ein insulinresistenter Zustand ein, was zu einer beeinträchtigten Glukosetoleranz führt, die wiederum zu einem Auftreten von Diabetes Typ-2 führen kann.

Folgende Abbildungen beschreiben die Entstehung von Typ-2-Diabetes.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Insulinausschüttung einer gesunden Person (modifiziert nach Günther, 2020).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Entstehung von Diabetes Typ-2 (modifiziert nach Günther, 2020).

Die Abbildung 2 stellt die Insulinausschüttung bei einem gesunden Menschen dar. Zucker gelangt in die Blutbahn, woraufhin die Bauchspeicheldrüse Insulin ausschüttet um dem Rezeptor zu signalisieren, das Tor zu öffnen. Der Rezeptor öffnet daraufhin das Tor und der Zucker kann aus dem Blut in das Gewebe aufgenommen und abgebaut werden.

Auf der Abbildung 3 ist die Insulinausschüttung eines Typ-2-Diabetikers dargestellt. Hier wird von der Bauchspeicheldrüse nicht mehr ausreichend Insulin produziert um das Tor zu öffnen und den Zucker abzubauen. Der Rezeptor lässt sich nicht aktivieren und das Tor bleibt geschlossen. Die Folge ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel. Gründe hierfür sind ein meist dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel, der durch eine kohlenhy-dratreiche Ernährung mit wenig Pausen zwischen den Mahlzeiten entsteht (Kellerer, S. 73, 2003).

Mit fortschreitender Krankheit steigt das Risiko von Komplikationen, wie zum Beispiel Retinopathie, Nephropathie und Neuropathie. Typ-2-Diabetes ist die häufigste Ursache für Blindheit, Nierenversagen und Amputationen sowie eine Hauptursache für Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ist der Insulinspiegel normal oder hoch, jedoch ist das Gewebe, wie zum Beispiel Leber, Skelettmuskel und Fettgewebe vermehrt gegen Insulin resistent. Die Bauchspeicheldrüse versucht dies auszugleichen, indem sie große Mengen Insulin produziert. Diese Überproduktion kann schließlich versagen. Durch den Anstieg des zirkulierenden Insulin, kann ein gestörter Glukosetransport in Leber, Skelettmuskulatur und dem Fettgewebe entstehen. Während normalerweise Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen auftritt, nimmt die Anzahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen zu, was wahrscheinlich auf eine erhöhte Adipositasrate, schlechte Ernährung und einen zunehmend sitzenden, bewegungsarmen Lebensstil zurückzuführen ist (Stanford, 2014). Die Genetik kann auch die Ursache für eine Entstehung von Typ-2-Diabetes sein, jedoch sind dies schätzungsweise ca. 10% aller Fälle, was sich 1990 herausstellte (Kö- chert, 2016, S.61).

3.3.2.3 Hyperglykämie

Hyperglykämie ist häufig mit schwerwiegenden Komplikationen, wie zum Beispiel die Veränderung des Lipidprofils, Insulinresistenz, Lebertoxizität, Nierenfunktionsstörungen, Retinopathie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, verbunden. Hyperglykämie ist ein Schlüsselfaktor für die Entwicklung von oxidativem Stress (Ousaaid, 2020).

3.3.2.4 Behandlung

Um Diabetes Ty-2 effektiv und möglichst ohne Nebenwikungen behandeln zu können, ist eine Lebensstil-Intervention die natürlichste Methode. Dies beinhaltet eine Ernährungsumstellung und eine regelmäßige körperliche Aktivierung. Je früher die Krankheit erkannt wird und mit einer Lebensstilanpassung reagiert wird, desto weniger Arzneimittel bis gar keine sind nötig. Sind jedoch Medikamente notwendig, werden Antidiabetika eingesetzt, die die Glukoseproduktion hemmen, die Glukose resorbieren, die Insulinaus- schüttung und -sensivität steigern, die Insulinsekretion in der Bauchspeicheldrüse anregen und den Blutzucker senken (Clodi, 2019).

3.3.2.5 Wirkwege körperlicher Aktivierung bei Diabetes Mellitus Typ-2

Die Diabetesraten steigen, jedoch ist seit langem bekannt, dass die Bewegung für Menschen mit Typ-2-Diabetes wichtige gesundheitliche Vorteile bietet. Ein Risikofaktor für die Insulinresistenz ist ein Mangel an Bewegung, womit man den Ausbruch der Krankheit verzögern und sogar verhindern kann.

Randomisierte Studien zeigten, dass eine körperliche Aktivierung von 150 Minuten pro Woche in Kombination mit einem ernährungsbedingten Gewichtsverlust das Risiko für Typ-2-Diabetes in einer Risikopopulation um 58% senken. Sport alleine, ohne die Veränderung der Essgewohnheiten hat sich als ebenso wirksam erwiesen, um das Fortschreiten des Typ-2-Diabetes zu verhindern. Durch körperliche Aktivität verbessert sich das Management des Blutzuckerspiegels, Körpergewicht, Lipiden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Blutdruck, Mortalität und der allgemeinen Lebensqualität (Stanford, 2014). In der Look-AHEAD-Studie aus dem Jahr 2016 wurde ein Zusammenhang zwischen einer Gewichtsreduktion von Typ-2-Diabetikern und den kardiovaskulären Endpunkten im Langzeitverlauf der Krankheit festgestellt. In der Studie wurden 5154 adipöse Typ- 2-Diabetiker im Alter von 45 bis 76 Jahren beobachtet. Eine Gruppe wurde mit den herkömmlichen Behandlungsmethoden von Diabetes Typ-2 versorgt, die andere Gruppe führte einen aktiveren Lebensstil und reduzierte sein Körpergewicht. Die Studie zeigte, dass bereits ein geringer Gewichtsverlust von ungefähr 6% in Kombination mit der Erhöhung der körperlichen Aktivität zu einem verbesserten glykolierten Hämoglobin, einer verbesserten Mobidität und einer verbesserten Nierenfunktion, jedoch zu keiner Verbesserung der Herz-Kreislauf-Erkrankungen führte. Die Studie wurde über einen Zeitraum von 10 Jahren durchgeführt. Im ersten Jahr hatten die Probanten einen Gewichtsverlust von 10% und damit ein 21% niedrigeres Risiko, den primären Endpunkt zu erleiden. Es bestand eine 24%ige Reduktion des sekundären Endpunktes im Vergleich zu der Gruppe mit einem konstant bleibenden Gewicht oder einer Gewichtszunahme (Mai, 2016).

Eine andere Studie zeigte, dass sechs Monate Training mit mäßiger Intensität das viszerale Fett und den Triglyceringehalt der Leber bei Menschen mit Typ-2-Diabetes verringert und dass dieses Training alleine wirksamer ist als Diätprogramme ohne sportliche Aktivität. Eine weitere Studie zeigte, dass eine zunehmende körperliche Aktivität bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes bei 11,5% der Probanden innerhalb des ersten Interventionsjahres zu einer teilweisen oder einer vollständigen Remission der Krankheit führte und weitere 7% eine Remission nach 4 Jahren körperlicher Aktivität zeigten. Hierbei wurde ohne Zugabe von Medikamenten eine Glukose-Normalisierung erreicht. Die Anpassungen an den Skelettmuskel, die durch das Training erreicht werden, verringern die Insulinresistenz der Skelettmuskulatur (Stanford, 2014).

Diese Daten zeigen, dass eine körperliche Aktivierung im Kampf gegen Diabetes Typ-2 wirksam ist und durchaus bei der Behandlung in Betracht gezogen werden sollte.

3.3.3 Chronischer Stress

3.3.3.1 Definition

Chronischer Stress stellt eine häufig wiederkehrende Belastung dar, welche größer ist als die Bewältigungsressourcen. Oft hat dieser einen schleichenden Beginn (RKI, 2012, S.17).

3.3.3.2 Ursachen

Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse fühlen sich 8 von 10 Deutschen Stress ausgesetzt. Die Ursachen können chronische Überforderung sein, im Arbeits -oder im Privatleben oder dem Gefühl, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Chronischer Stress stellt ein Risiko für Depressionen oder für die Entwicklung mentaler Störungen dar (Hapke, 2013, S. 750).

Folgende Tabelle bietet einen Überblick über das eigene Stressempfinden der Männer und Frauen in Deutschland, unterteilt nach sozioökonomischen Status (SES)

Tab. 1: Prävalenz starker Belastung durch chronischen Stress in Deutschland unterteilt nach Geschlecht, Altersgruppen und sozioökonomischem Status (SES), N=5793 (modifiziert nach Hapke, 2013, S.750)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Stressbelastung wurde anhand eines Fragebogens zum subjektiven Stressempfinden ermittelt, welchen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausfüllten. Es wurde nach der Stressbelastung in fünf verschiedenen Stressbereichen (chronische Besorgnis, arbeitsbezogene und soziale Überlastung, Überforderung und Mangel an sozialer Anerkennung) in den letzten drei Monaten gefragt. Die Teilnehmer erhielten Punkte für die ausgewählte Antwort (0 Punkte= nie, 1 Punkt= selten, 2 Punkte= manchmal, 3 Punkte= häufig, 4 Punkte= sehr häufig). In Summe variiert der Score von 0 (niemals Stress) bis 48 (sehr häufiger Stress). Folgende Kategorien wurden gebildet: 0-11 Punkte (unterdurchschnittlich bis durchschnittlich), 12-22 Punkte (überdurschnittlich), 23-48 Punkte (stark) (Hap- ke, 2013, S. 750).

Die Tabelle zeigt, dass das eigene Stressempfinden mit höherem sozioökonomischen Status abfällt.

3.3.3.3 Symptome

Symptome für chronischen Stress können Schlafstörungen, innere Unruhe, depressive Symptome oder das Burnout-Syndrom sein (Hapke, 2013, S.750).

3.3.3.4 Behandlung

Um den Stresslevel zu senken, müssen die Stressoren eliminiert werden. Aufgaben können umgeschichtet oder ökonomischer in den Tagesablauf integriert werden. Außerdem können körperliche Aktivierung und Entspanngsübungen hilfreich sein, um den Cortisolspiegel zu senken.

3.3.4 Depressionen

3.3.4.1 Definition/ Symptome

Eine Depression ist ein Oberbegriff für Störungen der Gemütslage, mit den Symptomen: Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Interessenverlust sowie Energie- und Antriebslosigkeit. Sie können als Folge von anderen schweren Grunderkrankungen oder Belastungen auftreten oder als eigenständige Störung (RKI, 2010).

Weltweit sind über 120 Millionen Menschen betroffen und einer von fünf Menschen erkrankt im Laufe seines Lebens an dieser Krankheit (Lopez-Torres Hidalgo, 2019).

3.3.4.2 Ursachen/ Entstehung

Als Ursachen werden die Faktoren bezeichnet, die Grundvoraussetzung für die Entstehung einer Depression sind. Es gibt körperliche und soziale Ursachen sowie genetische Faktoren, die eine Entstehung begünstigen können (Wolfersdorf, 2011).

Die genauen Ursachen sind jedoch noch unklar. Studien haben gezeigt, dass Patienten mit schweren psychoischen Störungen 7-24 Jahre eher sterben, als die durchschnittliche Lebenserwartung (Penninx, 2018). Epidemiologische Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Stress oder ein emotionales Trauma mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Depressionen verbunden ist, insbesondere wenn sie früh im Leben auftreten. Es wird geschätzt, dass 40-50% des Risikos für die Entwicklung einer Depression genetisch bedingt ist, obwohl die Gene, die das Risiko beinhalten noch nicht identifiziert wurden. Es scheint also, dass eine Kombination aus den genetischen Voraussetzungen und den Umwelteinflüssen eine Depression begünstigen können. Auslöser für eine Depression können Trennungen, Beziehungsprobleme, frühe psychische Traumata, Verluste, Schlafmangel, und somatische Erkrankungen sein (Andersson, 2015).

Des Weiteren gibt es Beweise dafür, dass Stress in der Kindheit zu anhaltenden neuro- biologischen Anpassungen führt, die der Depression ähneln. Jedoch kann nicht jede Depression mit Stress in der Kindheit in Verbindung gebracht werden, woraus sich schließen lässt, dass es verschiedene Untergruppen von Depressionen geben muss (Heim, 2004). Beispiele für Stress in der Kindheit sind sexuelle, körperliche und emotionale Misshandlungen, sowie der Verlust der Eltern. Weitere Formen sind Unfälle, Operationen, chronische Krankheiten, Naturkatastrophen und Kriegsereignisse.

[...]

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Details

Titel
Chronischer Stress und Diabetes Mellitus Typ 2
Untertitel
Psychosomatische Zusammenhänge und Wirkmechanismen körperlicher Aktivierung
Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
60
Katalognummer
V1004267
ISBN (eBook)
9783346384638
Sprache
Deutsch
Schlagworte
chronischer, stress, diabetes, mellitus, psychosomatische, zusammenhänge, wirkmechanismen, aktivierung, Ernährung, Bewegung, Sport, Blutzuckerspiegel, Typ-2 Diabetes, Hba1C, Ernährungsplan, metabolisches Syndrom, Übergewicht, Körperliche Aktivierung, Haferkur, Low Carb
Arbeit zitieren
Johanna Kreker (Autor), 2020, Chronischer Stress und Diabetes Mellitus Typ 2, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1004267

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