Nordamerikanische Geschichte - Die groben Züge


Ausarbeitung, 2001

26 Seiten


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Nordamerikanische Geschichte

Anfänge des Amerikanischen Kontinents

Am Anfang gab es vermutlich nur einen Kontinent. Geologen glauben, dass Nord- und Südamerika vor 150 bis 180 Millionen Jahren von einem riesigen, vom Weltmeer umschlossenem Urkontinent abbrachen.

Den ersten Bewohnern des Kontinents bot ihre Heimat unerschöpflichen Lebensraum. Nach traditionellen Definitionen bilden der Atlantische und der Pazifische Ozean die Grenzen Nordamerikas im Osten und Westen. Die Nordgrenze des Subkontinents reicht bis an den Nordpol und schließt das zu Dänemark gehörende Grönland ein, während das geologisch verwandte Island schon zu Europa zählt. Im Süden endet Nordamerika an der südlichen Grenze Mexikos, wo die nördliche Landmasse von dem Honduras und der Karibik getrennt, bzw. durch den Isthmus (Landenge) von Tehuantepec an Südamerika angeschlossen wird.

Die Indianer Nordamerikas brachten teilweise Kulturen hervor, die Ansätze zur Staatenbildung zeigten. Die moderne Geschichte des Subkontinents ist aber vielmehr durch die europäische Einwanderung und die Konflikte der europäischen Staaten sowie die völlige Verdrängung der Indianer geprägt. Die USA entwickelten sich nach ihrer Gründung 1776 und nach der Überwindung der im Sezessionskrieg von 1861 bis 1865 gipfelnden inneren Widersprüche im 20. Jahrhundert zur Weltmacht. Kanada verblieb zunächst beim britischen Königreich und erhielt erst 1931 die volle Unabhängigkeit. Die Staaten arbeiten heute eng zusammen und sind Mitglieder der Freihandelszone NAFTA (North American Free Trade Agreement).

Erste Besiedlung

Die ersten Menschen, die die Neue Welt besiedelten, waren nomadische Stämme aus Sibirien, steinzeitliche Sammler und Jäger, die nach Alaska eindrangen, als sie sich auf der Jagd nach den großen Herdentieren befanden, die zwischen Asien und Amerika wanderten. Sämtliche prähistorischen Knochenfunde klassifizieren diese Menschen als Homo sapiens sapiens, als moderne Menschen des Paläolitikums (Altsteinzeit). Sie kamen während der letzten Eiszeit um 40000 v. Chr. Nur zu dieser Zeit soll ein bis zu 2000 km breiter Landstreifen durch die Beringstraße gangbar gewesen sein, der die beiden Kontinente miteinander verband. Während der Epoche der großen Gletscher senkte sich der Meeresspiegeln um bis zu 150 m und legte eine breite Steppentundra frei, die sich diesen Völkern aus Asien als ideales Jagdrevier präsentierte. Wahrscheinlich ging der Auszug aus Asien ganz allmählich vor sich. Auf der Suche nach Bär, Bison, Elch, Karibu, Mastodon oder ähnlichem Großwild haben die ersten Siedler Amerikas vermutlich Generationen lang auf dieser Landbrücke zum neuen Kontinent gelebt, bis sie im Zuge der Jagdwanderung schließlich nach Alaska gelangten. Die Einwanderer, die in mehreren Wellen in das Innere Amerikas vordrangen, scheinen diversen Gruppen angehört und aus verschiedenen Teilen Asiens gestammt zu haben. Unterschiedlichen Hintergrunds waren auch die vielen Sprachen dieser Völker. Allen gemeinsam waren jedoch die mongolischen Körpermerkmale, die bei den Eingeborenen Nord- und Südamerikas noch heute sichtbar sind: schwarzes glattes Haar, dunkler Teint und dunkle Augen, hohe Wangenknochen und spärliche Körperbehaarung. Sowohl die vielfältigen Indianerstämme Nordamerikas als auch die sehr differenzierten Indiovölker Südamerikas sind Nachkommen der ersten Bewohner der Neuen Welt.

Während die ersten Nomaden zügig alle Teile der bis dahin unbewohnten Landmassen erkundeten und sich letztlich in den verschiedensten Gegenden des Neulandes niederließen, blieben bei der großen Völkerwanderung zwei Gruppen von Nachzüglern in der eisigen Welt des Nordens zurück: die miteinander eng verwandten Aleuten und Inuit (Eskimos). Viele Tiere Nordamerikas werden den asiatischen Jägern bei ihrer Ankunft schon vertraut gewesen sein. Kamel und Pferd beispielsweise hatten sich hier entwickelt und waren erst vom Ursprungsgebiet aus nach Asien gewandert. Gejagt wurden Bären, Elche, Karibus, Mammute, Mastodonten, Moschusochsen, Riesenfaultiere, Riesengürteltiere und Tapire. Zur Großwildjagd nutzten die Menschen Harpunen mit Widerhaken, Wurfspieße und Speerschleudern. Einheimische Beeren, Nüsse und Wildgetreidesorten allerdings bildeten ebenso wie Meerestiere weitere wesentliche Bestandteile ihrer Nahrung. Nicht nur an den Küsten fischten die ersten Nordamerikaner, sondern auch in den insgesamt fünf Süßwasserseen, die zwischen 13000 und 9000 v. Chr. durch das Weichen der Gletscher gebildet wurden und sich heute über ein Areal von mehr als 150000km2 erstrecken. Die Großen Seen des Nordostens - Huron, Ontario, Michigan, Erie und der Obere See - sind miteinander durch Flüsse, Wasserfälle und Wasserstraßen verbunden und fließen vom Westen nach Osten ab. Durch den St.-Lorenz-Strom erreichen ihre Gewässer das Meer. Ihre Tiefe reicht weit unter den Meeresspiegel. Entstanden sind sie in ursprünglichen Flusstälern, die durch die Gletscherbewegung in Riesengräben verwandelt wurden. Aufgefüllt wurden sie schließlich am Ende der Eiszeit durch die Schmelze eben jener Schneemassen der großen Gletscher. Wann die ersten Fischer in der Lage waren, Boote zu bauen, lässt sich nicht eindeutig klären. Die Jagd auf Seehunde und Delphine ist für die Zeit um 4000 - 1500 v. Chr. belegt, und diese setzt die Entwicklung von hochseefähigen Wasserfahrzeugen voraus.

Entwicklung des Ackerbaus

Die großen Tiere Nordamerikas, die zur Zeit der Einwanderungswellen für den nördlichen Subkontinent charakteristisch waren und denen die Jäger vermutlich auf dem Weg nach Alaska gefolgt waren, scheinen gegen 8000 v. Chr. ausgestorben zu sein. Am Ende der Eiszeit traten Klimaveränderungen ein, die den Tieren die Nahrungsgrundlage entzogen haben könnten. Die zunehmende Verdrängung durch den Menschen trug wahrscheinlich ebenso zum Verschwinden dieser Arten bei. Das Aussterben des Großwildes könnte dazu geführt habe, dass verschiedene Nomadenstämme sesshaft wurden und die Jäger-und-Sammler-Lebensform zugunsten des Ackerbaus aufgaben. Um 1000 v. Chr. zum Beispiel lässt sich die Züchtung moderner Maissorten belegen, die die Ausdehnung des Ackerbaus beeinflusste, bzw. erst durch einen solchen Wandel zu Landwirtschaft bedingt wurde.

Weit reichen die Kenntnisse über diese ersten nomadischen Jäger und Sammler nicht.

Schriftliche Zeugnisse ihrer Kultur sind nicht überliefert und auch die archäologischen Spuren ihrer Lebensart sind dürftig. Im Laufe der Jahrtausende entstanden in Amerika nicht nur feste Siedlungen auf landwirtschaftlicher Basis, sondern auch unterschiedlich ausgeprägte Ethnien und eindrucksvolle Hochkulturen. Lange bevor die ersten Europäer die andere Welt erkundeten, hatten die verschiedenen Indianerkulturen beider Subkontinente Städte errichtet und eigenständige Traditionen herausgebildet.

Die Indianer vor dem Kontakt mit Europäern

Um ca. 7000 v. Chr. begann der Mensch mit dem Ackerbau, sowohl in Amerika als auch in Europa und Asien. In Europa wohnten die Ureinwohner bereits 6000 v. Chr. in ersten Lehmziegelhäuser. In Amerika dauerte es aber mindestens 5000 Jahre bis die Indianer zum sesshaftem Dorfleben überwechselten. Der erste indianische Städtebau war etwa im Jahre 0. Bis dahin wohnten sie in unterirdischen Grubenhäusern (4000-3000 v. Chr.), Rechteckhütten (3500-3000 v. Chr.) und oberirdischen Rundhütten (3000-2000 v. Chr.). Auf dem Gebiet des Ackerbaus waren die Europäer den Indianern weit voraus, obwohl die einheimischen Pflanzen wie Mais, Bohnen und Kartoffeln viele Grundnahrungsmittel der heutigen Bevölkerung sind. Auf technischem Gebiet blieben die Indianer ebenfalls hinter den Europäern zurück: Während beispielsweise die Europäer Bronze schon um etwa 3500 v. Chr., und Eisen 1500 v. Chr. herstellen konnten, wurde Bronze erst ab 1500 v. Chr. von den Indianern hergestellt. Eisen blieb bis zur Ankunft der Europäer unbekannt.

Allerdings waren die Uramerikaner den Europäern in verschiedenen Wissenschaften überlegen. Die mathematischen Berechnungen und deren Kalender erwiesen sich genauer als die der Römer, Griechen und anderer Zivilisationen in Europa. Bis zur Ankunft der Europäern hatten sich in Nord- und Südamerika zwischen 1000 und 2000 verschiedene Kulturen mit unterschiedlichen Sprachen entwickelt. Verschiedene Gruppen hatten auch einen spezifischen Körperbau. Der Inuit weist zum Beispiel einen stämmigen Rumpf und kürzere Gliedmaßen auf, die es ihm ermöglichen, Körperwärme besser zu konservieren.

Die Kulturen der Indianer

Die Anthropologen teilen die Indianer Nordamerikas in zehn Kulturgebiete auf: Mittelamerika, Südwesten, östliches Waldland, Prärien, Great Basin, Kalifornien, Plateaugebiet, Subarktis, Nordwestküste und Arktis. Die ersten Indianer, die den Südwesten Nordamerikas um 10000 v. Chr. erreichten, waren Großwildjäger. Um 7000 v. Chr. folgten Wüstenstämme, die sich von Pflanzen ernährten. Einer dieser Wüstenstämme, der aus Mesoamerika kam, prägte den Ackerbau und führte viele noch heute bedeutende Dinge ein. Selbst die Behausung und Bautechniken der Indianer ähnelten denen der Mesoamerikaner.

Die Puebloindianer

Sie lebten und leben heute noch im Nordosten Arizonas (USA). Ihren Namen erhielten sie aufgrund ihrer aus Stein- und Lehmhäusern bestehenden Dorfanlagen. Die Puebloindianer gehören zu vier verschiedenen Sprachfamilien, doch ihre Kulturen sind eng verwandt. Heute gibt es noch etwa 50 000 von ihnen.

Die östlichen Puebloindianer, die am Oberlauf des Rio Grande bei Santa Fe und Albuquerque beheimatet sind, sprechen eine Tanao- bzw. Keres-Sprache. Die Keres sprechenden Acoma und Laguna gehören zusammen mit den Zuñi und den Hopi zu den westlichen Puebloindianerstämmen. Die Sprache der Zuñi, die 1700 in ein Pueblo im äußersten Westen New Mexicos zogen, ist mit keiner anderen Indianersprache verwandt. Die Sprache der Hopi gehört zur utoaztekischen Sprachfamilie.

Hoppelwellkultur

Dies ist eine indianische Kultur im Osten Nordamerikas, die etwa zwischen 300 v. Chr. und 200 n. Chr. im Gebiet der heutigen USStaaten Ohio, Indiana und Illinois verbreitet war. Ausgangspunkt und Zentrum der Kultur war der Süden Ohios. Sie gehört zur Grabhügelperiode II der Waldlandkulturen.

Die Träger der Hopewellkultur standen in der Tradition der vorausgehenden Adenakultur und errichteten wie jene Grabhügel, die zum Teil kegelförmig, meist aber lang gestreckt und kunstvoll geformt waren. So gibt es z. B. Bilderhügel wie den Großen Schlangenhügel in Adams County (Ohio) in der Form einer 213 Meter langen gewundenen Schlange. In ihnen waren hölzerne Grabkammern mit mehreren Räumen eingelassen, die reich mit Grabbeigaben ausgestattet waren. Es fanden sich figürlich geschnitzte Tabakpfeifen, Schmuck aus Kupfer- und Glimmerplättchen und Knochenschnitzereien. Auch wurden offensichtlich Materialien aus entfernten Teilen Nordamerikas importiert, wie Funde von Süßwasserperlen, Muschelschalen, Obsidiandolchen und -spitzen sowie Objekten aus Gold und Silber zeigen. Bei den Grabhügeln handelt es sich um die Begräbnisse der Oberschicht der Hopewellkultur. Die weitaus größte Anzahl der Verstorbenen wurde verbrannt und ihre Asche kollektiv in Totenhäusern aufbewahrt.

Da von den Siedlungen der Hopewellkultur bisher nur geringe Reste gefunden wurden, nimmt man an, dass ihre Ortschaften aus einfachen Behausungen bestanden und nicht von Befestigungen wie Erdwällen oder Ähnlichem umgeben waren. Allerdings konnte die Existenz von Landwirtschaft, insbesondere der Anbau von Mais, archäologisch nachgewiesen werden. Die HopewellLeute stellten eine Keramik her, die zur Tradition der Waldlandkulturen gehörte. Zur Dekoration wurden Schnüre in den feuchten Ton gedrückt (Schnurkeramik) oder vorgefertigte Stempel mit stilisierten Vogel- und Schlangendarstellungen benutzt. Zudem wurden Äxte und Beile aus Stein oder Kupfer in der Tradition der Adenakultur hergestellt.

Im 2. Jahrhundert n. Chr. setzte ein stetiger und relativ schneller Niedergang der Hopewellkultur ein, der sich darin äußerte, dass keine neuen Grabhügel angelegt wurden und die Qualität der Grabbeigaben stark nachließ. Aus der Zeit nach 200 n. Chr. sind keine Überreste der Hopewellkultur bekannt.

Präriestämme

Die Prärien im Westen des Landes wurden von Stämmen der Waldlandtradition bewohnt. Zwischen 1 und 1000 n. Chr. führten sie im Osten der Prärien den Ackerbau ein und errichteten von 1000 bis 1800 feste Siedlungen. Die späteren westlichen Stämme von Arapaho, Blackfoot, Cheyenne, Crow und Comanchen betrieben keine Landwirtschaft, wohl aber die östlichen Stämme von Dakota, Iowa, Kansas, Missouri, Omaha und Osage. Sie bauten die typischen nordamerikanischen Kulturpflanzen Mais, Bohnen, Kürbis und auch Tabak an. In der Zeit der Feldbestellung lebten sie in großen Grubenhäusern, in denen sie ebenfalls Lebensmittel lagerten. Nach der Ernte zogen sie gen Westen zur Bisonjagd, von der die westlichen Stämme das ganze Jahr überlebten. Zur Jagd benötigten die Prärieindianer Pferde, die sie erst von den Spaniern bekamen, die schon 1598 die ersten Ranches in New Mexiko unter der Anführung von Juan de Onatel bauten. Bis 1750 hatten alle Präriestämme das Pferd zu integralen Bestandteil ihrer Kultur gemacht.

Diese Stämme trugen Lendenschurz, geschmückte Hemden, Mokassins aus Reh- und Bisonleder und verfügten über kegelförmig, mit Tierhäuten überzogene Teepee- oder Wigwamzelte, die sie auf die Bisonjagd mitnahmen. Der Tomahawk, die indianische Streitaxt, zählte zum typischen Werkzeug der Präriestämme; das Kriegshandwerk gehörte zu den wichtigsten Aufgaben der Männer dieser Völker. Sich im Krieg als streitbarer Mann erwiesen zu habe, galt als Voraussetzung für den Aufstieg zum Häuptling. Regiert wurden die Stämme nicht nur vom Häuptling, sondern auch durch einen Ältestenrat. Die individuellen Stämme, zu denen jeweils zwischen 1000 und 10000 Menschen gehörten, lebten getrennt und in klar umrissenen Anspruchsgebieten, wobei befreundete Stämme Grenzregionen oft miteinander teilten. Jeder Stamm berief einmal im Jahr eine Versammlung anlässlich der großen Bisonjagd ein, oder um das Fest des Sonnentanzes zu begehen, die wichtigste religiöse Feier dieser Gruppe.

Das Zeitalter der Entdeckung

Einige Wissenschaftler vermuten, dass die Europäer vielleicht schon in der Antike auf Amerika gestoßen sind. Berichte der Griechen und Römer von ,,ultima thule" (in der Antike das weit entfernteste unbekannte Land) könnten sich auf Island beziehen. Dass die Europäer Amerika jedoch vor dem Jahr 1000 erblickt hatten, ist jedoch auszuschließen. Bewiesen ist dagegen ein Expedition von Wikingern, die das heutige Neufundland Anfang des 11. Jahrhunderts erreichten. Archäologen entdeckten Reste einer aus Torfhäusern bestehenden Wikingersiedlung bei L'Anse aux Meadows im nördlichen Neufundland.

Entdeckungsfahrten der Europäer

Ursprung der Entdeckung liegt darin, dass die Europäer einen Seeweg nach den fernöstlichen Ländern suchten. Als Marco Polo Anfang des 14. Jahrhunderts mit exotischen Gütern wie unbekannten Gewürzen, edlen Stoffen, bunten Farben und mit sehr detaillierten Berichten über die fernen Länder zurückkehrte, entfachte es eine Diskussion darüber, wie man den beschwerlichen Landweg durch Asien ersetzen und zeitlich verkürzen konnte. Portugal, die damals führende Seemacht, begann als erster Staat Entdeckungsreisen zu finanzieren. Vor allem unter Herzog Heinrich dem Seefahrer (1394-1460) entdeckten die Portugiesen ferne Ziele wie die Azoren (1418) und das Senegalgebiet (1445).

Spanien übernahm im Laufe des 16. Jahrhunderts die uneingeschränkte Herrschaft des Meeres und erforschte die Neue Welt. Bis Mitte des Jahrhunderts drangen spanische Entdecker weit in den Norden hervor und erreichten Oregon im Westen als auch Labrador im Osten. 1513 erkundete Juan Ponce de León die Küste Floridas. Das Innere des Gebiets durchwanderte der Konquistador Hernando De Soto, der den Mississippi entdeckte. Die 1565 gegründet Festung St. Augustine in Florida gilt als erste europäischer Siedlung auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten. Aber nicht nur Spanien und Portugal waren interessiert an der Neuen Welt. Abenteurer von fast allen westeuropäischen Ländern brachen nach Amerika auf. Der in englischen Diensten Stehende Italiener John Cabot entdeckte 1497 Neufundland. Hier gründete der Engländer Sir Humphrey Gilbert die erste englische Sielung in Nordamerika bei St. John's 1583. Der für Frankreich segelnde Italiener Giovanni da Verrazano erkannte 1524, als er die Ostküste erkundete, den Kontinentalcharakter Amerikas. 1534/1535 befuhr der Franzose Jacques Cartier die Straße von Belle Isle und den St.-Lorenz-Strom bis Montreal. Genaue Erkundungen dieser Gegend machte der Kartograph und Entdecker Samuel de Champlain, der Quebec 1608 gründete. 1574 entdeckte Sir Martin Frobisher die Frobisher- Bay (Baffinland), und Henry Hudson, Engländer in Diensten der Niederlande, 1610 die nach ihm benannte Hudsonbai, die er zunächst für die Nord-West-Passage hielt.

Unterschiede der Kolonisierung in Nord und Süd Spanien konzentrierte seinen Teil der Besiedlung fast ausschließlich auf Südamerika. Somit war der Weg für die Besiedlung Nordamerikas für die anderen europäischen Staaten frei. Während die Spanier auf der einen Seite Meso- und Südamerika besiedelten, waren auf der anderen Seite England, Frankreich und die Niederlande drauf und dran den nördlichen Teil des Kontinents einzunehmen. Von da an gingen beide Seiten einen anderen Weg. Spanien baute sich bis zum Ende des 16. Jahrhunderts ein streng hierarchisches System auf, in dem Monarchie alle Bereiche des öffentlichen Leben sicherte. Es waren kaum Gelegenheiten für Kolonisten da, um eigen Institutionen aufzubauen. Die britische Verwaltung dagegen hatte die Kolonisten mehr Freiheit gelassen. Die Gold- und Silberressourcen der Spanier machten diese anfangs zu einem viel profitableren Unternehmen als die englischen Projekte im Norden, doch dieser leicht erbeutete Reichtum hatte zur Folge, dass sich die Spanier nur wenig um Landwirtschaft kümmerten. Die Engländer waren von Anfang an auf die Landwirtschaft und deren Erträge angewiesen und auf die Nutzung derer eingestellt. Die nordamerikanischen Kolonien erlebten daher einen immensen Bevölkerungszuwachs, während dagegen die Spanier ihre Besitztümer nur wenig bevölkerten.

Die spanischen Kolonien bildeten vorwiegend eine Männergesellschaft, Ehen zwischen Spaniern und Einheimischen kamen häufiger vor als zwischen Engländern und Indianer. Sehr schnell war daher Neuspanien von Menschen gemischter Herkunft, den Mestizen, dominiert.

Erste Besiedlungsversuche der Europäer im Norden

Die Siedler erkannten Rasch die Bedeutung der einheimischen Pflanzen. Kürbisse, Bohnen, Bataten (Süßkartoffeln), Kartoffeln, Tomaten und Paprika tauchten schon im 16. Jahrhundert in der europäischen Küche auf. Vor allem der Tabak sollte bald in ganz Europa große Beliebtheit auslösen. Die Indianer lernten von den Europäern neue Lebensmittel wie Bananen und das Zuckerrohr kennen. Auch Nutztiere wie Kühe, Schweine und Schafe brachten die Europäer mit. Vor allem die Widerbekanntmachung des Pferdes führte einen nochmaligen Wandel bei den Indianerstämmen ein. Die Engländer hielten sich zunächst eng an die Küsten im Nordosten Nordamerikas und vermieden Vermischungen mit den dort lebenden Eingeborenen. Die erste dauerhafte Siedlung Englands wurde 1607 in Jamestown (Virginia) angelegt. Die zwei großen Pioniere Englands waren Sir Humphrey Gilbert und sein Halbbruder Sir Walter Raleigh. Sie erhielten 1578 ein Patent von Königin Elizabeth I., das ihnen sechs Jahre lang das Exklusivrecht einräumte, alle noch nicht eingenommenen fernen Länder zu bereisen und zu besitzen. Wegen Unwettern mussten sie jedoch die Fahrt abrechen und konnten erst 1583 wieder die Segel setzen, um schließlich Neufundland zu entdecken. Gilbert blieb nach einem weiteren Sturm verschollen, aber Raleigh, unbeeindruckt von dem Tod seines Bruders, erhielt ein zweites Patent und erreicht eine Insel in südlicheren Gewässern, von den Indianern Roanoke genannt, die vor der Küste des heutigen North Carolina liegt. Raleigh nannte das gesamte Gebiet Virginia zu Ehren der jungfräulichen Königin Elizabeth.

Im Jahre 1585 gründete Raleighs Cousin Sir Richard Grenville, eine Siedlung auf der Roanokeinsel. Als Sir Crancis Drake ein Jahr später mit Vorrat aus England in Virginia anlegte, klagten die Kolonisten über Hungernot und Angriffe der Indianer und segelten mit Drake zurück nach England. Raleigh unternahm 1587 einen weiteren Versuch und siedelte 91 Männer, 17 Frauen und 9 Kinder auf der Roanokeinsel an. Kurz danach kam auch das erste in Nordamerika geborene Kind englischer Elgern zur Welt, Virginia Dare. Als drei Jahre später das erste Schiff aus dem Mutterland Virginia wieder erreicht, waren alle Siedler spurlos verschwunden. Nur das in einen Baum geritzte Wort Croatoan, der eines dort ansässigen Indianerstammes, fanden die Besucher vor. Bis heute ist das Schicksal der sagenumwobenen ,,verschollenen Kolonie" ungeklärt Es gelang erst sieben Jahre später einer Handelsgesellschaft, der London-Kompanie, ein vom neuen englischen König James I. ausgestelltes Patent zu bekommen und Raleighs Traum von einer permanenten englischen Kolonie in Virginia in die Tat umzusetzen.

Andere europäische Länder scheiterten ebenfalls zunächst an der versuchten Kolonialisierung. Erst 1608 glückte Samuel Quebec die Gründung der ersten französischen Siedlung in Nordamerika. Die Bevölkerung der französischen Kolonien verlief im Gegensatz zur Englischen sehr langsam und zurückhaltend. Die Franzosen genossen jedoch den Vorteil guter Beziehungen zu den Indianern. Französische Jesuiten zogen schnell ins Inland, um die Indianer zu missionieren, und die berühmten Jäger und Pelzhändler, die Coureurs de Bois, entwickelten weitreichende Handelsbeziehungen zu mehreren Stämmen. Frankreich blieb in den nächsten Jahren auch der Hauptkontrahent Englands im Wettlauf um die Eroberung Nordamerikas, was sich heute noch in den separatistischen Bestrebungen des französischensprachigen Quebec gegenüber den anderen englischsprachigen Provinzen Kanadas widerspiegelt.

Neuengland

Der Begriff Neuengland ist die Bezeichnung für 5 Kolonien der Engländer in Nord-Amerika. Diese 5 Bundesstaaten sind Maine, New Hampshire, Vermont, Massachusetts, Rhode Island und Connecticut. Der territoriale Zusammenschluss dieser amerikanischen Gründerstaaten liegt in der westlichen Region Nord-Amerikas. Die Küste in diesem Bereich gehört heute zu den wichtigsten Wirtschaftsgebieten des Kontinents.

Empire Français

Empire Français ist die Bezeichnung für das französische Kolonialreich bis 1946. Obwohl es sich in erster Linie auf den Ausbau seiner Macht in Europa konzentrierte, wollte Frankreich der Aufteilung der Neuen Welt zwischen Spanien und Portugal um 1500 nicht tatenlos zusehen. Vor allem Franz I. war von dem Gerücht fasziniert, dass China über den Atlantik erreicht werden könne. Er förderte auch die Reisen von Jacques Cartier, der den Sankt-Lorenz-Strom in Kanada erforschte (1534-1543) - zusammen mit den späteren Missionen von Champlain der Anfang der Kolonie Neufrankreich (des heutigen Kanadas), wo sich im 17. Jahrhundert rund 4 000 französische Bauern ansiedelten. Ebenfalls im 17. Jahrhundert ließen sich Franzosen auf Martinique, Guadeloupe und Santo Domingo nieder. Außerdem erforschten die Franzosen den Mississippi und den Golf von Mexiko, nahmen das Land in Besitz und nannten es zu Ehren des französischen Königs Louisiana (1682). Im 18. Jahrhundert besaß Frankreich Kanada, Louisiana, die französischen Westindischen Inseln, einige Handelsstationen im Senegal, die Inseln Mauritius und Réunion im Indischen Ozean sowie Pondicherry, Chandernagore und andere Handelsniederlassungen in Indien (gegründet zwischen 1673 und 1674). In den Kriegen mit England um die Vorherrschaft in der Welt verlor Frankreich jedoch einen großen Teil seiner außereuropäischen Besitzungen, und 1815 bestand das Empire Fran ç ais nur mehr aus Martinique und Guadeloupe, Saint Pierre und Miquelon (vor Neufundland), den Handelsposten im Senegal sowie fünf Niederlassungen in Indien und Réunion. Dazu kam 1817 Französisch-Guayana, das Mitte des 19. Jahrhunderts in eine Sträflingskolonie umgewandelt wurde, und 1830 begann Frankreich mit der Besetzung Algeriens. Unter Napoleon III. suchte Frankreich seine wirtschaftlichen Interessen im Senegal, in China, in Indochina (v. a. in Cochinchina), in Neukaledonien, in Syrien und (ohne Erfolg) in Mexiko durchzusetzen.

Die koloniale Expansion Frankreichs kam erst während der Dritten Republik, nach der französischen Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg, richtig in Gang: Frankreich wollte durch die Schaffung eines großen Kolonialreiches sein Prestige als Großmacht wiederherstellen. Frankreich versprach sich von Kolonien als Rohstofflieferanten und Investitionsräumen große Gewinne und fühlte sich zudem berufen, die einheimische Bevölkerung in den Kolonien zu ,,zivilisieren".

Viele Franzosen waren jedoch der Auffassung, dass die Zukunft Frankreichs von den deutsch- französischen Beziehungen abhinge und dass die Kolonialpolitik Frankreichs Macht schade. Die Nationalisten forderten zudem, sich zuerst auf den Wiedererwerb von Elsass und Lothringen, die Deutschland im Deutsch-Französischen Krieg annektiert hatte, zu konzentrieren, weil keine Kolonie das Elsass und Lothringen ersetzen könne. Ungeachtet solcher und ähnlicher Gegenstimmen setzte Frankreich seine Kolonialpolitik fort. 1871 gab es in Algerien bereits etwa 300 000 französische Siedler; dazu kamen dann noch Flüchtlinge aus dem Elsass und aus Lothringen sowie Einwanderer aus Spanien, Mexiko und Italien, die in ein wirtschaftlich aufstrebendes Land zu kommen glaubten. Algeriens Nachbarstaaten Tunesien und Marokko gewannen jetzt für Frankreich an Bedeutung; 1881 besetzten französische Truppen Tunesien, und zwei Jahre später wurde das Land französisches Protektorat; Marokko kam 1912 unter französische Oberhoheit. In Schwarzafrika fasste Frankreich 1910 seine Besitzungen Gabon, Französisch-Kongo und Gubangui-Chari zu der Verwaltungseinheit Französisch-Äquatorialafrika zusammen. Ähnlich war man bereits in Westafrika verfahren: Hier wurden die Elfenbeinküste (besetzt 1883), Guinea (1896), Dahomey (1892) sowie der Senegal und der Tschad 1895 zu Französisch- Westafrika vereint. Die Annexion der Sahara, der Barriere zwischen Nordafrika und Französisch-Westafrika, scheiterte jedoch an den physischen Gegebenheiten und dem Widerstand der Nomaden. Allerdings besetzten französische Truppen 1899/1900 die großen Oasen.

Um Madagaskar stritten sich Großbritannien und Frankreich, und die Bevölkerung von Réunion forderte die Franzosen immer wieder auf, etwas zu unternehmen; 1885 wurde Madagaskar französisches Protektorat. Die anschließenden Aufstände der Madegassen gegen die französische Oberhoheit beantwortete Frankreich mit einem brutalen Krieg und mit der Annexion der Insel 1896.

In Indochina konzentrierte sich Frankreich zunächst auf Tonking, das es als Tor nach China ansah, stieß dabei aber auf den Widerstand des Kaisers von Annam. 1884 wurde Tonking schließlich doch französisches Protektorat, und in der Folge kamen noch Annam, Kambodscha und Cochinchina hinzu, die 1887 zur Indochinesischen Union zusammengefasst wurden; Laos wurde 1893 der Union angegliedert. 1914 hatte das Empire Fran ç ais rund 50 Millionen Einwohner auf etwa zehn Millionen Quadratkilometer Fläche.

Zwischen den beiden Weltkriegen versuchte Frankreich einige Änderungen in seinem Kolonialsystem durchzuführen. 1936, unter der Regierung León Blum, wurde den Kolonialvölkern der Zugang zur französischen Staatsbürgerschaft erleichtert. Auf einer Konferenz über die Zukunft der afrikanischen Territorien 1944 in Brazzaville wurde bereits der künftige Wandel im Kolonialsystem deutlich; de Gaulle betonte aber, dass dies ein langwieriger Prozess sei, der nicht zur Unabhängigkeit führen werde, sondern zu neuen Verwaltungsformen, die den Kolonialvölkern unter der französischen Oberhoheit mehr Mitspracherechte einräumten. Die Verfassung der Vierten Republik von 1946 wandelte das Empire Fran ç ais in die Union Fran ç aise um und betonte zugleich, dass, wie auch immer die Verfassung des einzelnen Kolonien aussehe, stets das Prinzip der Verbundenheit der Kolonien mit dem französischen Mutterland an erster Stelle stehe. Für den Zerfall der Union waren mehrere Faktoren verantwortlich, vor allem aber zwei Kriege, der Indochinakrieg und der Algerienkrieg. 1945 verkündeten die indochinesischen Widerstandskämpfer unter Ho Chi Minh die Unabhängigkeit von Frankreich, und die kommunistische Partei, die Viet Minh, rief die Selbständigkeit der Republiken Tonking, Annam und Cochinchina aus. Im Oktober landeten französische Truppen in Indochina, um die französische Oberhoheit wieder herzustellen. 1947/48 suchte Frankreich das Problem zu lösen, indem es diese Republiken zusammen mit Kambodscha und Laos in die Union Fran ç aise aufnahm. Eine Einigung konnte nicht erzielt werden; es kam zum Krieg.

Der Krieg zog sich ohne klare Entscheidung hin. Am 7. Mai 1954 erlitt die französische Armee in Dien Bien Phu eine schwere Niederlage. Am 17. Juni wurde Pierre Mendès-France französischer Ministerpräsident; er war seit langem gegen diesen Krieg, und nach einmonatigen Verhandlungen konnte in Genf eine internationale Lösung gefunden werden. Der Indochinakrieg war beendet, aber bereits im November 1954 brach der Algerienkrieg aus, der 1962 zur Unabhängigkeit Algeriens führte. Bereits 1960 hatte de Gaulle die Communaut é Fran ç aise (Französische Gemeinschaft), wie die Union seit 1958 hieß, aufgelöst und ihre Mitgliedsländer in die Unabhängigkeit entlassen.

Neuspanien

Bis zum Jahr 1600 hatten die Spanier die Indianerstämme der Großen Antillen, der Halbinsel Florida und des südlichen Mexiko unterworfen. Aus verwaltungstechnischen Gründen wurden die von den Spaniern gegründeten Kolonien dieser Gebiete als Vizekönigreich Neuspanien zusammengefasst. Nachdem sie ihre Herrschaft über Neuspanien ausgebaut hatten, drangen die Spanier allmählich nach Norden vor, vervollständigten die Eroberung Mexikos und nahmen große Gebiete des Südens der heutigen USA ein. Die Kolonialpolitik der Spanier in Nordamerika entsprach in jeder Hinsicht ihrer Kolonialpolitik in Südamerika - sie bestand im Wesentlichen in rücksichtsloser, wirtschaftlicher Ausbeutung der Rohstoffe des Landes, vor allem von Gold und Silber, sowie der Unterdrückung der Indianervölker. Von dieser generellen Tendenz gab es nur wenige Ausnahmen, wie etwa den Dominikanermönch Bartolomé de Las Casas, der sich für die Belange und Interessen der Indianer einsetzte. Die spanische Regierung legte den Kolonien Konfiszierungssteuern auf und hatte ein striktes Handelsmonopol inne; sie verbat sogar Handelsbeziehungen innerhalb der amerikanischen Kolonien. Diese unterdrückende Wirtschaftspolitik und die gleichzeitige politische Tyrannei schufen eine Unzufriedenheit, die schließlich in offene Rebellion überging.

Unabhängigkeit und Staatsgründung

Das Anwachsen des Widerstands

Eine Folge des Krieges waren Gesetzesmaßnahmen zur Durchsetzung der Navigationsakte, die das britische Parlament 1764 verabschiedete. Zur Verbesserung der Finanzlage beschloss das Parlament 1765 die so genannte Stempelakte, der zufolge die amerikanischen Kolonisten zur Legalisierung bestimmter Dokumente, wirtschaftlicher Transaktionen und Kaufhandlungen englische Steuermarken kaufen und auf den Verträgen anbringen mussten. Das neue Gesetz zog weit verbreiteten Widerstand der Kolonisten nach sich. Gehe Ein Jahr später beschloss das Parlament die Townshend-Gesetze, welche u. a. Tee, Papier, Blei, Farbe und Glas mit Zöllen belegten. Der Widerstand der Kolonisten gegen die Townshend-Gesetze umfasste den Boykott britischer Waren, kolonieübergreifende Protestaktionen und - in Massachusetts - offenen Aufruhr gegen die britische Regierung. In Reaktion darauf entsandte Großbritannien 1768 zwei Truppenregimenter nach Boston. Das wiederum verschärfte die antibritische Stimmung. Am 5. März 1770 kam es in Boston zu gewaltsamen Zusammenstößen. Siehe auch Boston Massaker 1770 nahm die britische Regierung alle Townshend-Abgaben mit Ausnahme des Teezolles zurück. Die amerikanisch-britischen Beziehungen normalisierten sich daraufhin bis 1773, als das Parlament die britische Ostindien-Kompanie vor dem Zusammenbruch zu retten versuchte, indem es ihr ein Monopol für Teeverkäufe nach Amerika einräumte. Die Kolonisten, die das Teegesetz als Maßnahme ansahen, um sie der parlamentarischen Besteuerung gefügig zu machen, intensivierten nicht nur den Warenboykott, sondern zerstörten in Boston Schiffsladungen von Tee. Siehe auch Boston Tea Party

Der nordamerikanische Unabh ä ngigkeitskrieg

1774 erließ Großbritannien mehrere Zwangsgesetze, woraufhin sich die Kolonien im Widerstand einigten und den 1. Kontinentalkongress ausriefen. Die Fronten verschärften sich zunehmend. Anfang des Jahres 1775 kam es zu ersten kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen britischen Soldaten und der patriotischen Miliz von Lexington. Der Nordamerikanische Unabhängigkeitskrieg hatte begonnen.

Der 2. Kontinentalkongress trat am 10. Mai 1775 in Philadelphia zusammen. Der Kongress beschloss den Aufbau einer eigenen Armee, ernannte George Washington zu deren Oberbefehlshaber, erlaubte die Ausgabe von Papiergeld und übernahm weitere Hoheitsrechte der exekutiven Gewalt über die Kolonien. Der Kongress appellierte darüber hinaus an die britische Regierung zur friedlichen Beilegung der Krise. Im August jedoch antwortete Georg III. mit einer Proklamation, in der er seine ,,loyalen Untertanen" dazu aufrief, ,,Rebellion und Aufruhr (in Nordamerika) niederzuschlagen". Zwischenzeitlich war das von den Briten gehaltene Fort Ticonderoga von der amerikanischen Miliz Green Mountain Boys unter Ethan Allen eingenommen worden. In der Folge der Schlacht von Bunker Hill erklärte der 2. Kontinentalkongress am 2. Juli 1776 die Loslösung von der britischen Krone und nahm zwei Tage später die von Thomas Jefferson entworfene Unabhängigkeitserklärung an. Mit Unterzeichnung des Friedens von Paris (1783) endete der Nordamerikanische Unabhängigkeitskrieg. Großbritannien erkannte die Unabhängigkeit an und trat seine Gebiete, bis auf Kanada, an die junge Nation ab.

Die Vereinigten Staaten von Amerika

Zwischen 1776 und 1789 gaben sich die elf Einzelstaaten neue Verfassungen, welche die Grundrechte garantierten und Gewaltenteilung vorsahen. 1781 schlossen sie sich zusammen, ohne jedoch ihre Souveränität aufzugeben. Gesetzlicher Rahmen waren die Konföderationsartikel, die jedoch wenig Kompetenzen zuließen. Daraufhin beschloss der Kongress 1787 eine Versammlung von Vertretern sämtlicher Einzelstaaten, die eine neue Verfassung ausarbeiten sollte. Das Ergebnis war ein Bundesstaat mit einem Präsidialsystem, dem weiter reichende Kompetenzen zugesprochen wurden. 1788 wurde die erste Verfassung der Vereinigten Staaten ratifiziert. Erster Präsident war George Washington, der von 1789 bis 1797 amtierte.

Die Finanzpolitik von US-Finanzminister Alexander Hamilton zog die Opposition derer auf sich, die die Interessen der Agrarier vernachlässigt sahen zugunsten der Bankiers und Unternehmer. Die Parlamentsdebatten von 1790/91 über Hamiltons Gesetze spalteten die Nation und führten schließlich zur Bildung der beiden ersten wichtigen politischen Parteien der US-Geschichte: der Föderalisten und der Republikaner. Siehe auch James Madison; Thomas Jefferson.

1800 wurde Jefferson US-Präsident. Wichtigstes Ereignis seiner Amtszeit war der Kauf von Louisiana und weitere territoriale Ausdehnungen nach Westen. Dabei kam es immer wieder zu Kämpfen mit Indianern. 1804 wurde Jefferson wieder gewählt. Seine zweite Amtszeit war vor allem durch wachsende außenpolitische Spannungen geprägt. Großbritannien wie auch Frankreich hatten in ihren Kriegen gegeneinander Handelsbeschränkungen in Kraft gesetzt, die den Handel neutraler Mächte, insbesondere der USA, schädigten. Unter Jeffersons Amtsnachfolger James Madison, ebenfalls Republikaner, kam es von 1812 bis 1814 zu einem Krieg mit Großbritannien. Der Friede von Gent brachte 1814 nur die Wiederherstellung der Machtverhältnisse von vor dem Krieg.

In den folgenden Jahren vergrößerte sich das Staatsgebiet der USA, da Spanien 1819 Florida (damals Ostflorida) an die USA abtrat. Westflorida, ein Landstreifen entlang des Golf von Mexiko, hatten sich die USA 1810 mit Gewalt angeeignet. Die national geprägte US- Außenpolitik fand ihren Ausdruck in der Monroedoktrin.

Die Vergrößerung des Territoriums durch die Ausdehnung nach Westen führte zu einem starken Wirtschaftswachstum. Das große Land wurde durch Straßen, Schienen und Kanäle erschlossen. Dadurch trat die regionale Spezialisierung noch stärker in den Vordergrund. Im Norden und Osten wurden Banken und Aktiengesellschaften gegründet; erste Industrie entstand. Im Süden florierte der Baumwollanbau. Neue Maschinen erlaubten eine erhebliche Ausdehnung, die den Bedarf an Sklaven weiter steigerte. Der Westen schließlich wurde durch die Landwirtschaft dominiert. Hier wurde der größte Teil der Lebensmittel produziert. Diese Phase nationaler Einheit, oft als Zeitalter der Zuversicht bezeichnet, leitete zu Spannungen zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen Amerikas über.

Der Bürgerkrieg

Im Jahre 1849 rückte nach Abschluß der Expansion (=Territoriumsausweitung) in Nord- Amerika der Konflikt um die Sklaverei in den Vordergrund. Im Norden wuchs zu dieser Zeit die moralische Kritik und die Gesellschaftspolitik, dagegen stützte sich der von der Kritik betroffene Süden auf Auszüge der Verfassung, die ihn zur damaligen Zeit schützten. In der Kritik ging es um die nicht menschenwürdige Sklaverei, auf die die Wirtschaft des Südens zu dieser Zeit mit seinen Plantagen und seiner aristokratischen Regierung aufbaute. Nachdem sich die Regierungen der beiden Parteien nun mehr und mehr von einander entfernten kam es nach und nach im Laufe der Zeit im Jahre 1850 zu einem strategischgeführten Krieg. Die Anführer beider Seiten sind der sich hochgearbeitet habende Abraham Lincoln im Norden und verschiedene Staatsoberhäupter im Süden.

Verlauf des Krieges (Zeitdaten):

Wegen des Antrages Kaliforniens als sklavenfreier Staat wird ein Kompromis abgeschloßen in dem es heißt, dass jeder Staat selber darüber entscheiden darf ob es Sklaverei in seinem Staat geben darf. (Missourikompromiss)

Die Vereinigten Staaten von Amerika kaufen dem Land Mexiko wegen des Eisenbahnbaus Land ab indem die Sklaverei legal ist. (Der Konflikt entbrennt)

Ein neues Gesetz wird erlassen, das die Wirkung des Missourikompromises aufhebt. In Kansas siedeln nun Pro- und Antisklavereisiedler an. Dort werden 2 Verfassungen formuliert und 2 rivalisierende Regierungen gebildet.

Unterstützt vom Norden und Süden bekämpfen sich die beiden Parteien in Kansas militärisch. (Bleeding Kansas)

1857/8

Überhitzte Boden und Eisenbahnspekulationen führen zu einer Wirtschaftskrise die von einer Panik im Volk begleitet wird.

Ein Trupp unter der Leitung eines Abolitionisten (=Nordstäter der gegen Sklaverei kämpf) überfällt ein Waffendepot in Virginia und will einen Staat ohne Sklaverei gründen. Dieser Trupp wird jedoch vom Militär überwältigt, verurteilt und hingerichtet.

9. November 1860

Der Rechtsanwalt Abraham Lincoln der im Staate Illinois lebt wird zum Präsidenten gewählt.

20. Dezember 1860

South Carolina stellt wegen sklavenfreier Haltung im Norden einen Anspruch auf eine Staaten Soveränität (=Antrag für legale Sklavenhaltung). Nach einiger Zeit schlossen sich dann Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisianna und Texas an. (Diese bildeten nun eine Gruppe die sich selber die Konföderierten nannten)

8. Februar 1861

Virginia, Arkansas, Tennesse und North Carolina stärken mit ihrem Beitritt die

Konföderierten, hingegen blieben die Grenzstaaten Delaware, Maryland, Kentucky und Missouri der Union Amerikas treu.

1861-1865

Im militärischen Bürgerkrieg wehrten sich die Konföderierten trotz klarer Überlegenheit der Union Amerikas. Die Union versuchte im Bürgerkrieg die Vereinigten Staaten wieder zu vereinen, hingegen kämpften die Südstaaten für ihre Unabhängigkeit im Punkte Sklaverei.

12. April 1861

Mit der Beschießung des Bundesforts Sumter im Staat Virginia, in dem viele kriegsentscheidende Ererignisse passierten, begannen massenhafte Kampfhandlungen.

Dieser wurden speziell durch diese Beschießung durch die Konföderierten ausgelöst.

15. April 1861

Präsident Lincoln arrangiert eine Blockade der südstaatlichen Häfen, worauf sich Groß Britanien für NEUTRAL erklärt, aber die Konföderierten als die kriegführende Partei indirekt a der Sklaven alle Sklaven frei. Zu diesem Zeitpunkt kämpfen die Unionstruppen speziell für die Befreiung der Sklaven die im Süden der Vereinigten Staaten gehalten werden. Dadurch gewinnen die Vereinigten Staaten einen großen Sympathiebonus bei den Europäern.

21. Juli 1861

Die Konföderierten stoppen einen großen Truppenvormarsch in Virginia am Fluß Bull Run.

26. April 1862

Während der Besatzung New Orleans durch Marineeinheiten stößt eine Lanze (=Größeneinheit für Kriegsheere) einfacher Infantristen und schwere Kanoniere unter Leitung des Generals Ulysses S. Grant entlang des Mississippi in Richtung Süden vor und teilt die Territorien der Konföderierten.

1. Januar 1863

Ein Gericht der Union spricht nach langen Verhandlungen über die Rechte der Sklaven, die im konföderierten Süden gehalten wurden, alle Sklaven frei. Zu diesem Zeitpunkt kämpfen die Unionstruppen speziell für die Befreiung der Sklaven, dadurch gewinnen die Vereinigten Staaten von Amerika einen großen Sympathiebonus in Europa.

1.-3. Juli 1863

3.000 Soldaten unter der Führung der Konföderierten, General Robert Edward Lee, werden bei Gettisburg in eine Art Hinterhalt gelockt und zurückgestoßen, obwohl sie in der Größe überlegen waren.

Unionstruppen unter der Führung von General William Tadeus Sherman unternehmen einen Zerstörungsfeldzug durch Gorgia und erreichen dabei die Antlantikküste im Süden. Nachdem sie dies vollbracht hatten zerstörten sie die Stadt Columbus in South Carolina.

9. April 1865

General Lees Truppen kapitulieren in Virginia.

In den darauffolgenden Wochen ergeben sich ebenfalls die anderen Konföderierten Streitkräfte und damit endet der Bürgerkrieg mit dem Sieg der Union.

14. April 1865

Der wiedergewählte Präsident Lincoln wird von John Wilkes Booth, einem fanatischen Südstaatenanhänger ermordet.

Zusammenfassung des Konfliktes:

Der Konflikt zwischen der Kaufmannsaristokratie des Nordostens, der Agrararistokratie des Südens und den Siedlern des Westens schlug sich erstmals in der Präsidentschaftswahl von 1824 nieder. Er entzündete sich überwiegend an der Frage der Sklaverei. Dies war bereits bei der Gründung des amerikanischen Nationalstaates Gegenstand scharfer Kontroversen gewesen. Mitte des 19. Jahrhunderts beherrschte dieses Thema alle Bereiche der amerikanischen Gesellschaft - immerhin gab es um 1860 etwa vier Millionen schwarze Sklaven in den USA bei einer Gesamtbevölkerung von etwa zwölf Millionen. Die Sklaverei war zwar in allen Staaten erlaubt, aber aufgrund der hohen Nachfrage auf den Baumwollfeldern des Südens war sie besonders dort verbreitet. Den Norden einte die Verurteilung dieses Vorgehens, bis schließlich gegen Ende des 18. Jahrhunderts alle Staaten nördlich von Maryland mit Ausnahme New Jerseys die Abschaffung der Sklaverei beschlossen. In der Verfassung der USA war zwar der Sklavenhandel, aber nicht die Sklaverei verboten, und der Kongress hatte manchmal dafür und manchmal dagegen votiert. Die Kontroverse verschärfte sich mit dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg (1846-1848). Siehe auch Gadsden-Vertrag

1854 wurde der Kansas-Nebraska-Act verabschiedet. Danach sollte diese Zentralregion aus dem Louisiana-Kauf in zwei Territorien aufgeteilt werden, wobei Nebraska dem Norden und Kansas dem Süden zugeschlagen wurde. Darüber hinaus sah das Gesetz vor, dass die Einwohner der Territorien selbst über die Frage der Sklaverei abstimmen sollten. Der Kansas- Nebraska- Act sorgte in Kansas für bürgerkriegsähnliche Zustände, in denen sich Gegner und Anhänger der Sklaverei auf das heftigste bekämpften. Aus den Gegnern gründete sich unter der Führung Abraham Lincolns die Republikanische Partei. Ihre Anhänger verlangten die Zurücknahme des Kansas-Nebraska-Acts und der Gesetze zur Rückführung entlaufener Sklaven.

1860 gewannen die Republikaner mit ihrem Kandidaten Abraham Lincoln, der sich für eine Kontrolle der Sklaverei durch den Kongress stark gemacht hatte, die US-Präsidentenwahl. Unmittelbar darauf, am 20. Dezember 1860, trat South Carolina aus der Union aus. Wenige Tage danach belagerten Truppen dieses Staates die US-Garnison von Fort Sumter im Hafen von Charleston (South Carolina). Nach und nach verließen die Staaten Mississippi, Florida, Alabama und Georgia die Vereinigten Staaten von Amerika; es folgten Louisiana, Texas, Virginia, Arkansas, North Carolina und Tennessee.

Am 4. Februar 1861 tagten Vertreter aus sechs der ausgetretenen Staaten, um eine provisorische Regierung der Konföderierten Staaten von Amerika zu bilden. Lincoln hatte seine Position in seiner Antrittsrede klargemacht: Es werde keine Eingriffe in die Sklaverei dort geben, wo sie bereits bestehe; kein Staat dürfe allerdings die Union verlassen, wann es ihm passe. Am 12. April begannen die Belagerer Fort Sumters mit der Beschießung der Festung. Nach zwei Tagen musste sie kapitulieren. Am 15. April rief Lincoln die loyalen Staaten zur Entsendung von 76 000 Freiwilligen auf, um die Union zu verteidigen. Der Amerikanische Bürgerkrieg hatte begonnen.

Der Amerikanische Bürgerkrieg endete 1865 mit der Kapitulation der Südstaaten und der nationalen Einigung. Bereits 1862 hatte der Kongress Gesetze zur Abschaffung der Sklaverei in den Territorien erlassen. Am 1. Januar 1863 erfolgte Lincolns Emanzipationserklärung. Sie erklärte sämtliche Sklaven in den rebellischen Staaten für frei. Am 6. Dezember 1865 wurde die Sklaverei mit dem 13. Zusatz in der amerikanischen Verfassung abgeschafft.

Wirtschaftskrise und Soziale Konflikte

Die Amtszeit Clevelands war durch die Formierung der Arbeiterbewegung als organisierte politische Macht geprägt. Zwischen 1861 und 1866 wurden mehrere Gewerkschaften gegründet. 1866 versuchte man, mit der National Labor Union alle Gewerkschaften in einem einzigen Gewerkschaftsbund zusammenzuschließen. Dieser Bund löste sich 1872 wegen interner Spannungen wieder auf. Nachfolgeorganisation waren die 1869 gegründeten Knights of Labor (Ritter der Arbeit), die bis 1886 zu einer landesweiten Organisation mit über 700 000 Mitgliedern herangewachsen waren. In mehr als 3 000 Streiks erstritten die Gewerkschaften in den Jahren 1886/87 höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten.

In Clevelands zweiter Amtszeit (1893-1897) verschärften sich die Auseinandersetzungen zwischen den Interessen der Agrarreformer mit ihren Anhängern im Westen und denen der großen Bankiers und Unternehmer, deren Institute und Firmen ihren Sitz überwiegend im Osten hatten. Darüber hinaus musste die Regierung mit der Rezession, hohen Preisen, Arbeitslosigkeit und Streiks fertig werden. Der bedeutendste Streik fand 1894 in Chicago statt und wurde von den Arbeitern der Pullman Company durchgeführt, die Eisenbahnwagen herstellte. Sie waren in der American Railway Union organisiert. Der Streik richtete sich gegen schlechte Arbeitsbedingungen und führte zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen einige Arbeiter ums Leben kamen.

Während der Wirtschaftskrise verstärkte sich auch die Benachteiligung von Minderheiten, vor allem der Schwarzen. Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte eine strikte Rassentrennung in Schulen, Bussen, Gaststätten ebenso wie ein Ausschluss an der Teilnahme am politischen Leben. Für die Beteiligung an Wahlen wurden Steuern erhoben und Bildungstests durchgeführt. Durch den Rückgang der Baumwollindustrie wurde die schwarze Bevölkerung mehr und mehr ins soziale Abseits gedrängt.

Die nationale Unzufriedenheit fand in der Wahl des Republikaners William McKinley ihren Niederschlag, der 1897 Präsident wurde. Das Hauptereignis in McKinleys erster Amtszeit war der Spanisch-Amerikanische Krieg (1898). Der Sieg der USA führte zur Aneignung Kubas, der Philippinen, Guams und Puerto Ricos. Als McKinley im September 1901 ermordet wurde, trat sein bisheriger Vizepräsident Theodore Roosevelt das Präsidentenamt an.

Wichtige Wegpunkte in der Geschichte der USA

Spanien: Don Francisco Coronado

Im Jahre 1492, als Christoph Kolumbus die Insel San Salvador betrat, wurde damit eine Welle von Eroberungszügen ausgelöst, die weit bis in unser Jahrhundert anhielten. Die Spanier und Portugiesen schafften es, innerhalb von nur wenigen Jahren Siedlungen und Stützpunkte zu errichten und das Land bis hinauf nach Mexiko unter ihre Kontrolle zu bringen, wenigstens an den Küstenlinien entlang.

Nachdem die Suche nach dem legendären "El Dorado" und anderen Goldstädten mit sagenhaftem Reichtum erfolglos geblieben war, wandte sich das Interesse mancher Spanier nach Norden, in Richtung des nordamerikanischen Kontinents. Angetrieben von der Gier nach Gold, setzte sich im Jahre 1540 eine Expeditionstruppe von 336 Soldaten unter der Führung Don Francisco Coronados, einem Freund des mexikanischen Vizekönigs, von der Stadt Culiacán aus in Bewegung, um im Norden nach Gold zu suchen. Coronado überschritt die Grenze zum Gebiet der heutigen USA und suchte zwei Jahre lang nach goldenen Städten, die, seiner Meinung nach, irgendwo im mittleren Westen existieren mußten. Während seiner Streifzüge, die ihn bis ins heutige Kansas führten, traf er auf viele Indianerstämme. Die meisten Begegnungen verliefen ohne Kampf, da er nie die Hoffnung aufgab, die Indianer könnten etwas über die Lage des Goldes wissen. Coronados Interesse an der Landschaft war hingegen gleich Null. Es war ihm kaum eine Erwähnung im Tagebuch wert, daß er den Grand Cañyon entdeckt hatte. Eines beeindruckte ihn aber sehr: die enorme Größe der Büffelherden in der Prärie.

Als Coronado nach Mexiko zurückkehrte, wurde er nicht als Held, sondern als Versager empfangen. Obwohl er so weit in das Gebiet der heutigen USA vorgedrungen war, zählte für den Herrscher allein die Tatsache, daß er kein Gold für die spanische Krone fand. Er starb wie Christoph Kolumbus, verarmt und einsam.

Nach dem Sieg der englischen Flotte über die spanische Armada im Jahre 1588, verloren die Spanier ihre bisherige Vormachtstellung in der Welt. Um ihren Einfluß im Westen der heutigen USA nicht zu verlieren, erließ König Philipp II. die Anweisung, die Gebiete von Neumexiko und Kalifornien zu kolonialisieren. Da aber das Militär die meiste Zeit damit verbrachte, nach Städten aus Gold und Edelsteinen, deren Bewohner sich mit Goldstaub puderten und in silbernen Wagen fuhren, zu suchen, fiel diese Aufgabe dem Klerus zu. Vor allem auf die Franziskanern geht der spanische Einfluß auf diese Regionen zurück. Sie gründeten zahlreiche Städte und bauten überall Missionsstationen. Orte mit Namen wie San Francisco, Los Angeles, Santa Fé oder San Diego zeugen noch heute von dieser Vergangenheit.

Frankreich: Paul und Pierre Mallet

Eine andere Nation, die sich in der Erschließung des Westens hervortat, war Frankreich. Ein Jahrhundert nach ihrer Gründung durch die Spanier hatte sich Santa Fé zu einem wichtigen Außenposten des sterbenden spanischen Imperiums entwickelt. Durch Gerüchte gelockt, machten sich die Brüder Paul und Pierre Mallet 1739 von Neufrankreich, dem heutigen Kanada, auf, um über die Großen Seen, den Illinois und den Mississippi auf dem Missouri nach Santa Fé zu gelangen. Der Westen war kartographisch noch immer so unerforscht, daß die Mallets glaubten, auf diesem Weg an ihr Ziel zu gelangen. Nach einigen Tauschgeschäften mit Indianern, die wußten, wo Santa Fé lag, schlugen sie den richtigen Weg ein und gelangten so an ihr Ziel. Die Gebrüder Mallet waren die ersten Europäer, die das bis dahin unerforschte Gebiet zwischen Kanada und Neumexiko durchquerten. Da die Spanier sie jedoch für Spione hielten, wurden sie hingerichtet, indem man ihnen vom Rücken her das Herz aus dem Körper schnitt.

Frankreich: Louis-Joseph und Francois Vérendrye

Ein anderes französisches Gebrüderpaar, Louis-Joseph und François Vérendrye waren 1742 darauf aus, den Pazifik zu erreichen. Nachdem sie vergeblich knapp zwei Jahre damit verbrachten, einen Weg zu diesem westlichen Meer zu finden, gaben sie auf. Allerdings nicht, ohne vorher das gesamte Gebiet des mittleren Westens im Namen von König Ludwig XV. zu annektieren. Nach Beendigung des englisch-französichen Kolonialkrieges, 1763, mußte Frankreich seine nördlichen Territorien an England und alles Land westlich des Mississippi an Spanien abtreten. Im Jahre 1800 gab Spanien diese Gebiete allerdings wieder an Frankreich zurück. Drei Jahre später erklärte sich Frankreich, jetzt unter Napoleon Bonaparte, dazu bereit, nicht nur das von den Amerikanern geforderte New Orleans, sondern das gesamte französische Territorium für 15 Millionen zu verkaufen. Der amerikanische Präsident Thomas Jefferson vergrößerte damit das Gebiet der USA um mehr als fünfhundert Millionen Morgen Land auf das Doppelte. Für einen Preis von weniger als drei Cent pro Morgen.

Thomas Jefferson / Captain Meriwether Lewis

Ein Haupziel war es nun, dieses neue Land zu erkunden. Jefferson war entschlossen eine Expedition bis zum Pazifik zu schicken, um die Westküste des Kontinents für die USA in Besitz zu nehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde dieses Gebiet nämlich noch von Großbritannien und Rußland beansprucht. Allerdings hatte keine dieser Nationen es für nötig gehalten, dort Siedlungen zu errichten. Der Präsident legte aufs genaueste die Ziele der Expedition fest: Erkundung der Rocky Mountains und deren Flora und Fauna, Aufnahme von Kontakten zu den ansässigen Indianerstämmen und Erforschung ihrer Kultur und Bräuche, Kartographierung wichtiger Geländepunkte und das Finden eines geeigneten Zugangs zum Pazifik. Diese Forschungsreise war die erste, rein wissenschaftlich orientierte, die es bis dahin gegeben hat. Im Jahre 1804 machte sich Captain Meriwether Lewis mit ca. 30 Männern auf den Weg. Sie fuhren mit drei Booten den Missouri entlang, bis sie den Beaverhead erreichten. Freundliche Indianer halfen ihnen, zu Fuß die Rocky Mountains zu überqueren. Über den Columbia River erreichten sie schließlich das Meer, wo sie überwinterten. Auf demselben Weg, den er gekommen war, erreichte Meriwether Lewis nach zwei Jahren und neun Monaten und einer Wegstrecke von über fünfzehntausend Kilometern wieder den Ausgangspunkt seiner Fahrt, St. Lewis.

Pelzkriege und Fallensteller

Durch die Berichte Meriwethers, über die großartige Schönheit der Rocky Mountains, und ihren Reichtum an Tieren wurden viele Fallensteller angelockt. Es begann die Zeit der Pelzkriege. Mächtige Handelsgesellschschaften kämpften verbissen um die reichen Jagdgründe, da das Geschäft mit Pelzen ebenso lukrativ war wie heute der Handel mit Öl. Jede Gesellschaft repräsentierte die Interessen eines Landes. Namen wie "American Fur Company", "Northwestern Company" oder "Hudson's Bay Company" wurden zu mächtigen und einflußreichen Namen im neu erforschten Westen. Diese Gesellschaften gründeten überall im Gebiet der heutigen Staaten Idaho, Washington, Montana und Wyoming Handels- und Nachschubstationen, aus denen sich bald kleine Städte entwickelten. Zwar fielen während des amerikanisch-englischen Krieges von 1812-14 einige dieser Posten unter englische Kontrolle, die Jagd und der Handel ging jedoch unvermindert weiter. Die Trapper, die im Auftrag der Pelzkonzerne die Wildnis durchstreiften und sich oft Jahrelang in ihr aufhielten, trugen viel zur weiteren Erkundung des Westens bei. Daß dieses sehr einträgliche Geschäft die fast vollständige Ausrottung der Biber zur Folge hatte, beunruhigte aber niemand.

Rocky Mountain Fur Company unter Jedediah Smith

Nachdem die Reserven an Pelztieren langsam zur Neige gingen, beschloß 1826 die "Rocky Mountain Fur Company" unter Jedediah Smith, das Gebiet des heutigen Kaliforniens zu erkunden, das immer noch in spanischer Hand war. Sie durchquerten Utah auf dem Colorado River, folgtem ihm durch Arizona bis zur Grenze Kaliforniens, wo ihnen Mojave Indianer dabei halfen, die Wüste zu durchqueren. Als sie aber an der Missionsstation San Gabriel ankamen, erging es ihnen wie den Gebrüdern Mallet vor knapp einem Jahrhundert. Sie wurden vom spanischen Gouverneur der Spionage beschuldigt und ausgewiesen.

Statt Kalifornien zu verlassen, war Smith entschlossen, das Land in nördlicher Richtung zu erforschen, und schaffte dies auch, nachdem er mit seiner Truppe von Fallenstellern und Jägern fast zwei Jahre an den Rocky Mountains entlang nach Norden gezogen war, immer von den spanischen Behörden verfolgt, um schließlich auf die Handelsposten im amerikanischen Nordwesten zu stoßen.

1829 Weg für Planwagen über die Rocky Mountains. Go West

Viele Leute wie er, Fallensteller und sogenannte "Mountain Men", durchstreiften die Wildnis des Westens. Sie beuteten die Schätze der Natur aus, und schürten mit ihrem Verhalten den Haß der Indianer auf die Weißen, die nun in immer größerer Zahl in den Westen strömten. Eine entscheidende Voraussetzung für die schnelle Besiedelung des Westens war das Finden eines für Planwagen geeigneten Weges über die Rocky Mountains. Bis zum Jahr 1829 hatte man es für völlig ausgeschlossen gehalten, diese natürliche Barriere auf dem Weg zur Westküste mit einem Wagen überqueren zu können. In diesem Jahr allerdings tat ein Partner Smith´s genau das. Er fuhr mit zehn Wagen von St. Louis durch die Plains über den South Pass bis zum Columbia River. Die Zeitungen berichteten, daß damit der Beweis erbracht sei, das der Vormarsch des amerikanischen Volkes in Richtung der Westküste durch nichts mehr aufzuhalten sei. Und das war er auch nicht mehr. Die Siedler strömten immer weiter ins Land hinein. Überall entstanden neue Dörfer, die durch den ständigen Zuzug aus dem Osten bald zu kleinen Städten wurden. Die Außenposten wurden immer weiter vorverlegt, und die Indianer mußten immer weiter zurückweichen. Als Mexiko um 1830 seine Unabhängigkeit von Spanien erhielt, konnte nun der Handel mit diesem Land aufgenommen werden, was von den Spaniern immer abgelehnt wurde. Jedediah Smith war einer der ersten, der eine Handelsexpedition in den Südwesten Richtung Santa Fé leitete. Er fuhr mit 74 Mann und 22 Wagen nach Mexiko. Auf dem Weg dorthin wurde er von Comanchen getötet.

Krieg gegen Mexiko

Erforscht und von Weißen bereist war nun nahezu der ganze Westen. Eigentum der USA, wie wir sie heute kennen, war er allerdings noch nicht. Kalifornien und die Gebiete des heutigen Texsas, Neu Mexiko, Utah, Nevada sowie Teile von Arizona und Colorado waren immer noch im Besitz Mexikos. Durch den Krieg von 1812 hatten die Amerikaner deutlich gemacht, daß sie nicht dazu bereit waren, den Kontinent mit einem anderen Land zu teilen. Im Jahre 1846 annektierten sie deshalb diese Gebiete, und führten zwei Jahre lang einen Krieg mit Mexiko um sie. Damit hatte Amerika seine jetzige Ausdehnung auf dem Nordamerikanischen Kontinent erreicht.

Goldrausch in Kalifornien

Als schließlich 1848 die Nachricht von Goldfunden in Kalifornien durchs Land ging, fand der Zug der westwärtsziehenden Siedler seinen Höhepunkt. Die eher übertriebenen Schilderungen erinnern an die Zeit Coronados, der vergeblich nach dem Gold Amerikas gesucht hatte. Entlang der Flüsse im Norden Kaliforniens enstanden schäbige Zeltstädte. Alle machten sich dorthin auf, um reich zu werden. Die Armee hatte große Probleme mit Deserteuren und mit den Soldaten, die sie zurückholen sollten, weil sie ebenfalls dem Goldfieber erlagen.

Telegrafenleitung

Zu diesem Zeitpunkt dauerte die Durchquerung der USA bis zu vier Monaten, da es weder eine durchgehende Eisenbahnverbindung noch eine richtige Straße gab. Ein Anfang, zur ständigenVerbindung der beiden Küsten wurde mit dem Bau einer durchgehenden Telegrafenleitung gemacht. Von 1860-62 dauerte ihr Bau. Durch sie schmolz die riesige Entfernung zusammen. Eine Nachricht aus Kalifornien war nun nicht mehr drei Monate unterwegs, sondern konnte sofort übermittelt werden.

Eisenbahn

Das Ende der Erschließung des Westens kam mit der Eisenbahn. Am zehnten Mai 1869 vereinigten sich die von Westen und Osten kommenden Bahntrassen nördlich von Salt Lake. Damit war es möglich, den Kontinent in relativ kurzer Zeit relativ sicher zu durchqueren. Die Indianer fingen erst jetzt an, sich gegen die brutale Landnahme und die Vertragsbrüche in größerer Zahl und organisiert zu wehren. Allerdings kamen sie damit zu spät. Ihre gelegentlichen Siege machten alles nur schlimmer, denn dadurch wuchs der Haß der Amerikaner auf sie nur. Ganze Armeen wurden entsandt, um die Indianer zu vernichten. Die wenigen Überlebenden wurden in häßliche, viel zu kleine Reservate eingesperrt. Heute stellen die Indianer die Bevölkerungsgruppe mit der höchsten Arbeitslosigkeit, Alkoholabhängigkeit und Selbstmordrate. Sie hatten und haben im expansionistischen Weltbild der Amerikaner keinen Platz.

Der Westen oder Wilde Westen prägte die USA nachhaltig. Der Wunsch, sich immer weiter auszubreiten, die Grenze immer noch ein Stück weiter nach vorn zu rücken, ist noch heute ein Grundzug ihrer Mentalität. Die Zeiten des Westens scheinen noch greifbar in der Gesetzgebung der USA, die den Besitz von Waffen jedem Bürger gestattet. Die Justiz ist noch im beginnenden 21. Jahrhundert in der Lage, Menschen zu erschießen, zu erhängen, zu vergasen, zu vergiften und elektrisch zu grillen. Und das in einem der fortschrittlichsten Länder der Erde.

26 von 26 Seiten

Details

Titel
Nordamerikanische Geschichte - Die groben Züge
Autor
Jahr
2001
Seiten
26
Katalognummer
V100447
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nordamerikanische, Geschichte, Züge
Arbeit zitieren
Daniel Weyel (Autor), 2001, Nordamerikanische Geschichte - Die groben Züge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100447

Kommentare

  • Gast am 30.1.2002

    kommentar.

    Verdammt lang!!!

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Titel: Nordamerikanische Geschichte - Die groben Züge



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