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Der Dandy bei d'Aurevilly und Baudelaire

Title: Der Dandy bei d'Aurevilly und Baudelaire

Term Paper , 2001 , 29 Pages , Grade: 1,2

Autor:in: Karen Hoffmann (Author)

Literature - Comparative Literature
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Summary Excerpt Details

Der Dandy ist ein bis heute vieluntersuchter und verschiedentlich interpretierter Sozialtypus des 19. Jahrhunderts. Balzac schreibt in seinem "Traktat über das elegante Leben", es gäbe drei Arten von Menschen: der Mensch, der arbeitet, der Mensch, der denkt, der Mensch, der nichts tut. Zur letzteren Sorte gehört der Dandy, der in einer Zeit des Umbruchs zuerst in England bezeugt ist, später in Frankreich und Deutschland. Das Dandytum war ein Ausdruck des Protestes einer überkommenen adligen Schicht, die mehr und mehr ihre tragende gesellschaftliche Rolle an das Bürgertum und an die industrielle Massengesellschaft verlor. Äußerlich zeigte sich dies in einer distinguierten Kleidung und in betont vornehmen Umgangsformen, zum Teil auch in Marotten: so ist von Dandys bezeugt, daß sie Schildkröten an der Leine spazieren führten, um so dem Bürgertum ihr Übermaß an Zeit höhnisch zu demonstrieren.
Doch neben diesen anekdotischen Einzelheiten beschäftigten sich einige große Geister des 19. Jahrhunderts, etwa Barbey d'Aurevilly oder Charles Baudelaire, theoretisch mit dem Phänomen des Dandys, der im Innersten von narzißtischer und frauenfeindlicher Kälte geprägt war. Den Gipfel an Provokation erlaubte sich als einer der letzten Dandys der irische Dichter Oscar Wilde, von dem die bewußt absurde Sentenz überliefert ist:
"Ich bin enttäuscht über den Atlantischen Ozean."
Es hatte zu allen Zeiten dem Dandy verwandte Naturen gegeben: etwa den spätrömischen Kaiser Heliogabal, der in Stefan Georges Gedichtband "Algabal" als mythisches Vorbild wiederauferstand, oder im 17. Jahrhundert Kardinal Richelieu und Lord Buckingham. Letztere hatten unter anderem durch ihre auffällige Kleidung, ihr gepflegtes Aussehen und ihre ausgeklügelten, effektheischenden Marotten geglänzt. Von Richelieu etwa heißt es, er habe seine Pferde mit silbernen Hufen absichtlich locker beschlagen lassen, in der Hoffnung, sie lösten sich und er hätte das Vergnügen, den Pöbel sich darum schlagen zu sehen. Und Buckingham habe seine Anzüge mit locker angenähten Edelsteinen verzieren lassen, deren Verlust er großzügig mit einkalkulierte, so seinen Reichtum offen zur Schau tragend.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einige Begriffserklärungen

2.1 Dandy und Dandysmus

2.2 Bohème

2.3 Der Ästhetizismus

3. d’Aurevilly, Brummel und Baudelaire

3.1 Jules Amédée Barbey d’Aurevilly

3.2 George Bryan Brummel

3.3 Charles Baudelaire

4. George Bryan Brummel und der Dandysmus bei d’Aurevilly

4.1 Entstehung

4.2 Der Dandysmus bei Brummel

5. Das Schöne und der Dandy bei Baudelaire

5.1 Das Schöne

5.2 Der Dandy

5.3 Die Frauen

6. Versuch eines Abschlusses

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das Phänomen des Dandy-Typus im 19. Jahrhundert anhand der theoretischen Schriften von Barbey d’Aurevilly und Charles Baudelaire. Dabei wird insbesondere analysiert, wie sich der Dandysmus als Form des individuellen Protests gegen die gesellschaftliche Verbürgerlichung und als Ausdruck einer ästhetischen Lebensführung manifestiert, wobei ein besonderer Fokus auf der begrifflichen Abgrenzung und der spezifischen Modernitätsauffassung Baudelaires liegt.

  • Historische Herleitung des Dandysmus und dessen soziokulturelle Bedeutung.
  • Theoretische Auseinandersetzung mit dem Dandy bei d’Aurevilly und Baudelaire.
  • Die Rolle der Mode als Medium der Distinktion und Rebellion.
  • Das Verhältnis des Dandy zur Frau, zum Schönen und zur modernen Gesellschaft.

Auszug aus dem Buch

2.1 Dandy und Dandysmus

Das Dandytum - der Begriff "Dandy" leitet sich evtl. vom englischen "to dandle" her, was "tändeln" bedeutet - war also ursprünglich keineswegs eine selbstverliebte, stutzerhafte Zurschaustellung, vielmehr drückte sich darin auf vornehm-zurückhaltende Weise die Krise einer Gesellschaftsschicht in einem staatlichen System des Übergangs aus. Zur Zeit von Brummells Ruhm nämlich unterlag England der von Napoleon verhängten Kontinentalsperre. Diese erzwungene Abschottung von Europa - ursprünglich mit dem Ziel, den Gegner wirtschaftlich in die Knie zu zwingen - zeitigte auch soziologisch gesehen Veränderungen: die Rolle des Adels in England schwand mehr und mehr und das Bürgertum nahm, auch im Zuge der industriellen Revolution, dessen Platz ein. Das Gebaren der Dandys, die überwiegend der Adelsschicht entstammten, war nun ein Protest gegen die Verbürgerlichung und gegen das materialistische und utilitaristische Denken dieser das Kapital ergreifenden Schicht. Der Dandy ist ein Rebell, der sich, ähnlich wie Karl Marx, gegen die Entfremdung in der modernen Industrie- und Massengesellschaft wendet, nur daß er im Gegensatz zum Autor des "Kommunistischen Manifestes" nicht eine Neuverteilung des Besitzes wünscht, sondern eine Rückkehr zu alten Bindungen und Normen. So ist auch das gepflegte Äußere des Dandys mehr als nur Eitelkeit: es ist vielmehr der individuelle Protest gegen die normierte Verbürgerlichung des Mannes.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in den Sozialtypus des Dandy ein und skizziert dessen Entstehung als Protestbewegung des Adels gegen die industrielle Massengesellschaft.

2. Einige Begriffserklärungen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Dandy, Dandysmus, Bohème und Ästhetizismus, um ein fundiertes Begriffsverständnis für die Arbeit zu schaffen.

3. d’Aurevilly, Brummel und Baudelaire: Die Lebensläufe der drei zentralen Figuren werden beleuchtet, um deren persönliche und historische Hintergründe für die spätere Analyse fruchtbar zu machen.

4. George Bryan Brummel und der Dandysmus bei d’Aurevilly: Hier wird der Dandysmus als ästhetische Haltung und gesellschaftlicher Protest dargestellt, wobei Brummel als Prototyp dieser Strömung dient.

5. Das Schöne und der Dandy bei Baudelaire: Dieses Hauptkapitel analysiert Baudelaires Definition von Modernität und Schönheit sowie seine spezifische Sicht auf den Dandy als künstlerisches Konstrukt.

6. Versuch eines Abschlusses: Der Abschluss fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und reflektiert die Rolle des Dandy als Indikator für die pathologische Struktur einer Gesellschaft.

Schlüsselwörter

Dandy, Dandysmus, Charles Baudelaire, Barbey d’Aurevilly, George Bryan Brummel, Ästhetizismus, Modernität, Distinktion, Mode, Gesellschaftskritik, Individuum, Prosa, 19. Jahrhundert, Kunst, Rebellion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Phänomen des Dandytums im 19. Jahrhundert und dessen theoretische Reflexion durch zwei bedeutende Schriftsteller, Barbey d’Aurevilly und Charles Baudelaire.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die soziologische Entstehung des Dandysmus, die Rolle des Dandy in der Moderne, das Verhältnis zwischen Kunst und Leben sowie die Bedeutung von Mode und Distinktion.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, den Dandy als eine tragische Figur der Moderne zu deuten, die durch eine ästhetisierte Lebensführung versucht, sich dem materialistischen Druck der Massengesellschaft zu entziehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten Baudelaires und d’Aurevillys sowie eine Auseinandersetzung mit einschlägiger Sekundärliteratur zur Moderne und Ästhetik.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, die biographische Einordnung der Akteure sowie die detaillierte Analyse der Dandysmus-Konzepte bei d’Aurevilly und Baudelaire, inklusive einer Untersuchung der Frauenbilder.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist maßgeblich geprägt durch Begriffe wie "Ästhetizismus", "Dandysmus", "Modernität", "Distinktion" und das Spannungsfeld zwischen "Individuum" und "Masse".

Wie unterscheidet sich der Dandy bei Baudelaire von dem d’Aurevillys?

Während d’Aurevillys Dandy eher als aristokratische Erscheinung vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umbrüche in England gesehen wird, konzipiert Baudelaire den Dandy als eine intellektualisierte, in den großstädtischen Kontext eingebettete Figur der Moderne.

Welche Rolle spielt die Mode für den Dandy?

Die Mode dient dem Dandy als essentielles Medium der Distinktion, um sich durch bewusste Andersartigkeit und den Verzicht auf bürgerliche Konventionen als Individuum von der grauen Masse abzuheben.

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Details

Title
Der Dandy bei d'Aurevilly und Baudelaire
College
University of Lüneburg  (Sprache und Kommunikation)
Course
Zur Ästhetik der Moderne. Von Wittgenstein zu Warhol und wieder zurück
Grade
1,2
Author
Karen Hoffmann (Author)
Publication Year
2001
Pages
29
Catalog Number
V10047
ISBN (eBook)
9783638166027
Language
German
Tags
Baudelaire Sprachtheorie Dandy
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Karen Hoffmann (Author), 2001, Der Dandy bei d'Aurevilly und Baudelaire, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10047
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