Inwieweit beeinflusst die Umweltzerstörung die kindliche Psyche?


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

5 Seiten


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Inwieweit beeinflusst die Umweltzerstörung die kindliche Psyche

Erörterung

Ich vertrete die Ansicht , dass die Zerstörung der Umwelt keine maßgebliche Beeinflussung auf die Psyche von Heranwachsenden habe , wobei man die gesamte Problematik etwas differenzierter sehen sollte , um ein möglichst genaues Bild dieses Standpunktes zu bekommen .

Das Interview mit dem Titel ,,Zerstörung der Innenwelt- Jugendliche geraten durch Umweltprobleme unter psychischen Druck" erschien etwa 1992 in einer Tageszeitung unter dem Thema , in welchen Maße Heranwachsende durch die fortschreitende Zerstörung der Umwelt beeinflusst werden und welche Konsequenzen dies im Bezug auf die kindliche Psyche nach sich zieht . Der Autor des Artikels ist nicht bekannt , jedoch ist der befragte Psychologe , Prof. Dr. Horst Petri , namentlich erwähnt . Dieser ist Arzt für Neurologie und Psychiatrie , vor allem für Kinder- und Jugendpsychiatrie und arbeitet in Berlin als Psychoanalytiker an der FU Berlin und in eigener Praxis.

Prof. Dr. Petri beschreibt vorrangig die psychischen Belastungen der Heranwachsenden durch die gegenwärtige Zerstörung der Umwelt und wie die Jugendlichen darauf reagieren . Er vertritt die Ansicht , dass die Kinder dadurch das Vertrauen in die Erwachsenenwelt verlieren und sich somit gesteigert Angst , Hoffnungslosigkeit, und das Gefühl , hilflos und allein gelassen zu werden , entwickeln .In diesem Zusammenhang legt Prof . Dr . Petri Studien zu Umfragen an der betroffenen Gruppe vor , die sich mit den häufigsten Ängsten der Befragten beschäftigen . Damit will er seine Theorie über den seelischen Schaden der Kinder , die der Erwachsenwelt die Schuld dafür geben und somit den gesellschaftlichen Bruch zwischen den Generationen belegen und untermauern.

Die Argumente , die Der Professor nennt , sind jedoch nicht immer mit einem Beweis belegt , ganz abgesehen davon , dass er in seinen Ausführungen lediglich Sachverhalte anführt , die seine Theorie unterstützen aber eine kritische Betrachtung dieser völlig außer Acht lässt. Beispielsweise behauptet er in seiner Ansprache , die Kinder würden die Zerstörung der Umwelt als eine Bedrohung der Zukunft durch die Erwachsenenwelt sehen und sich dadurch allein gelassen und hilflos fühlen . Doch anstatt dies mit einem Beweis zu belegen , der sehr angebracht wäre , um diesen schweren Anschuldigungen den nötigen Rückhalt zu verleihen , spricht der Professor von einer Studie über die Ängste der Kinder , um somit seine These über Angst um die Unwelt darzulegen . Doch aus der Furcht vor Atomangriffen und der Zerstörung von Lebensgrundlagen lassen sich seine kontroversen Behauptungen nicht beweisen , vielmehr sind sie ein Beleg dafür , dass Kinder und Jugendliche erst stark durch aktuelle Geschehnisse beeinflusst , weitsichtigere Perspektiven jedoch vernachlässigen . Dies lässt sich dadurch demonstrieren , dass in den Studien unter anderem die rasche Zunahme der Angst vor einer Atomverstrahlung erst nach dem Vorfall in Tschernobyl begann , genauer gesehen erst nach einer Konfrontation mit der Katastrophe durch die Medien oder ähnliches . Daraus ergibt sich natürlich die Frage , inwieweit die Heranwachsenden in der Lage sind , bestimmte Zusammenhänge zu erfassen und somit eine konkrete Meinungsbildung auszuüben . Es ist bewiesen , dass Kinder während der Stufe der prä - operationalen Intelligenz ( etwa vom zweiten bis siebenten Lebensjahr ) Sachverhalte nicht aus der Perspektive anderer betrachten können , erst in der Stufe der formal- operationalen Intelligenz ( etwa ab dem elften , zwölften Lebensjahr) wird abstraktes, und hypothetisches Denkvermögen erworben, das nicht mehr an konkretes Anschauungsmaterial gebunden ist . Prof. Dr. Petri stellt in seinen Ausführungen die Behauptung auf , dass zum Beispiel Bilder einer Ölpest Kindern das Gefühl einer grausamen Erwachsenenwelt vermitteln würden , doch die Denkprozesse eines Kindes lassen eine so ausschweifende Überlegung in anfänglichen Phasen oft nicht zu , sie könnten wohl kaum zu so einem Schluss kommen , da schuldtragende Erwachsene nicht gezeigt werden , wenn sie überhaupt die ganze Problematik einer solchen Naturkatastrophe überhaupt verstehen sollten . Nach Prof. Dr. Petris These können sie solch komplexe Denkvorgänge jedoch vollziehen , was er wahrscheinlich mit der , während des Interviews erwähnten Studie nachweisen wollte .Doch angenommen , Kinder könnten solch weitreichende Gedankengänge bewältigen , drängt sich doch die Frage auf , wieso der Hauptteil der befragten Subjekte Angst vor einer Atomreaktorexplosion hat , wobei bedacht werden sollte , dass es bereits ein solches Geschehen gab , wenn sie doch eigentlich laut Prof . Dr. Petri wissen müssten , dass dies auf Sicherheitsmängel, die wiederum auf schlechte Wartung und letztenendes auf die Einsparung von Kosten für solche Projekte durch einen Beschluss des Ausschusses zurückzuführen ist . Demzufolge müsste doch die Hauptangst der Befragten bei korrupten Politikern liegen , die durch eigenen Profit die interkontinentale Sicherheit gefährden , oder einfach nur Angst vor einer Verarmung des Staates . Laut der Studie ist sie das aber nicht und deshalb ist zu klären , wen die Subjekte für diese Geschehnisse verantwortlich machen , wenn sie denn überhaupt in ihrem Entwicklungsstand schon in der Lage sein sollten , diese Vorfälle zu verarbeiten und zu verstehen . In erster Linie erfolgt dabei , besonders in der kindliche Phase eine massive Beeinflussung der sozialen Informationsverarbeitung durch Kultur und soziale Umgebung , z.B. Familie und Freunde , in der Werte und Perspektiven vermittelt werden . Somit bekommen die Kinder , wenn auch unbewusst , ein Muster , an dass sie ihre Gedanken und Schlüsse anpassen . Gerade in der frühen Identitätsentwicklung spielt diese Art der Beeinflussung eine maßgebliche Rolle.

Wenn Prof. Dr. Petri jedoch von einer Entwicklung von Aggression in der jüngeren Generation spricht , hat er sicherlich nicht ganz unrecht , denn schließlich ist dies mit zahlreichen Statistiken über die Gewaltbereitschaft und Straftaten bei Jugendlichen , die momentan einen Anstieg verzeichnen , entsprechend dargelegt , doch diese entwickeln sich nicht aus der Besorgnis um die Umwelt heraus. Durch die neuen Wertvorstellungen , die sich aus der Manipulation der jüngeren Generation durch die Medien entwickelt werden und somit nicht nur das Interesse der Jugend , sondern auch die gesamte gesellschaftliche Situation unter diesem Gesichtspunkt verschiebt , wie z. B. der Boom des Internet und gewaltverherrlichender Spiele , die breite Produktpalette gewinnorientierter Großkonzerne und das Voranschreiten der gesellschaftlichen Dekadenz durch verstärkte Entwicklung einer angeblich weit entwickelten Zivilisation , in der einerseits eine vorrangige Forderung nach Höchstleistungen gestellt doch parallel dazu eine Förderung von intellektuellen Fähigkeiten der jüngeren Generation geradezu vernachlässigt wird und eher eine Art ,, systematische Volksverdummung" stattfindet , verliert die Natur auch schon bei Kindern und Jugendlichen, die Prof. Dr. Petri als sehr naturverbunden darstellt , an Bedeutung. Vielmehr sehen sich schon Heranwachsende oft als eine Opfer der Ausbeutung durch die vorherrschende Regierung im Land , ohne Hoffnung auf eine sichere Zukunft . Viele Jugendliche haben das Gefühl , wie Prof. Dr. Petri in seinen Ausführungen richtig bemerkt , in der Politik übergangen zu werden , z.B. durch die teilweise vernachlässigte Bildungspolitik , in der sich die Jugendlichen , die eigentlich zur erfolgreichen Zukunft des Landes beitragen sollten , durch Kürzungen und ähnliches immer wieder in ihren Rechten übergangen werden . Noch deutlicher sehen sie dies jedoch auch am elterlichen Vorbild, das, wie schon erwähnt , die soziale Informationsverarbeitung beeinflusst . Viele Heranwachsende suchen deshalb die Lösung der Probleme entweder im völligen Verzicht auf politische Aktivität oder auch in sogenannten radikalen Parteien . Prof. Dr. Petris Idee , die Kinder in den Demokratisierungsprozess einzubeziehen , ist grundlegend zu unterstützen . Damit könnte man versuchen , Jugendlichen das Vertrauen in die Politik wiederzugeben und ihnen klarmachen , dass sie durchaus nicht rechtlos sind und ihnen bei der Integrierung in das politische System verhelfen oder sie zumindest in einige politische Komplexe einführen , um ihnen die Nötigkeit verschiedener Handlungsweisen zu verdeutlichen. Hingegen ist die Meinung , es wäre förderlich , das Mindestalter für das Wahlrecht herabzusetzen oder extra - Stimmen für Familien mit Kindern einzuführen , nicht zustimmenswert . Als ein gegen die Aussage wäre zum einen zu nennen , dass Jugendliche gerade in ihrer Entwicklungsphase sehr leicht zu beeinflussen sind und Parteien , die generell eine sehr ,,eigene" Art besitzen, um Wähler zu gewinnen, würden so einen neuen Wählertyp vorgesetzt bekommen , der leicht zu manipulieren und für sich eingenommen werden könnte . Ein weitere Argument gegen solche Maßnahmen wäre, dass ein großer Teil der Jugendlichen nicht einmal das Interesse hätte, sich mit Politik zu beschäftigen. Umfragen ergaben , dass durchschnittlich 2/3 der unter-18- jährigen kein Interesse an Politik haben , wobei diese Zahl in verschiedenen Bundesstaaten und unterschiedlichen Bildungsinstitutionen durchaus abweichen kann . Dies beweist nur zu gut , dass die bisherigen Wahlbestimmungen durchaus eine tiefere Bedeutung haben und auch nicht geändert werden sollten.

Um sich auf die eigentliche Problematik zu besinnen , kann man zusammenfassen sagen , dass sich die Umweltzerstörung generell nicht auf die kindliche Psyche auswirkt und somit auch keine Verurteilung der Erwachsenenwelt als grausam zugelassen werden kann , wobei man Einzelfälle natürlich nie ausschließen sollte . Dennoch entwickeln sich andere Probleme , die von Prof. Dr. Petri im Verlauf von Enttäuschung , beschrieben wurden , wie Aggression , Angst oder politische Desorientierung. Rückblickend auf die gesamte Argumentation lässt sich feststellen , dass sich die zu Beginn aufgestellte These durchaus bewährt hat , sodass keine Korrektur an der ursprünglichen Meinung vorgenommen werden muss.

Meiner Ansicht nach ist die Theorie von Prof. Dr. Petri auf die heute heranwachsende Generation nicht mehr anwendbar , da durch die aktuellen gesellschaftlichen Strömungen andere Dinge an Bedeutung gewonnen haben, während die Beziehung zur Natur schon bei Kindern nach und nach verloren geht , sollte sie jemals vorhanden gewesen sein . Durch das zunehmende Desinteresse der Menschen an Dingen , die sie offensichtlich nicht persönlich betreffen, seien es andere Menschen oder die Natur , werden auch lebensnotwendige Aspekte wie die Erhaltung der Umwelt oft nicht ernstgenommen , da in unseren Breitengeraden so gut wie keine deutlichen Folgen dieses voranschreitenden Verfalls auftreten und somit keine direkte Konfrontation mir diesem Problem entsteht , sprich Naturkatastrophen oder ähnliches .

Ich sehe gerade dieses Desinteresse für Dinge die oft so unpersönlich erscheinen , bei genauerer Betrachtung jedoch ein ungeahntes Ausmaß an Zerstörung für alle Menschen mit sich bringen , als einen gewaltigen Rückschritt in der Entwicklung der modernen Zivilisation , in der Dinge wie Akzeptanz , Respekt und die gegenseitige Rücksichtnahme zumindest theoretisch groß geschrieben werden . Ganz offensichtlich sind nicht die Erwachsenen an dem Riss zwischen den Generationen schuld , sondern die heutigen Moralvorstellungen und deren Umsetzung , die das gesellschaftliche Verhalten prägen und bei jung und alt gleichermaßen Schaden anrichten . Das Problem sind nicht spezifische Altersgruppen , sondern das System , das als Fundament dient , auf dem aktuelle Wertvorstellungen aufgebaut werden. Es muss nicht geklärt werden , wieso diese und auch folgende Generationen das Vertrauen in die bestehenden Normen verlieren und in Hoffnungslosigkeit und Aggressionen förmlich ,,ersticken" werden , denn diese sind nun zureichend bekannt . Die Frage , warum es soweit gekommen ist , steht an erster Stelle .

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Details

Titel
Inwieweit beeinflusst die Umweltzerstörung die kindliche Psyche?
Autor
Jahr
2001
Seiten
5
Katalognummer
V100496
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inwieweit, Umweltzerstörung, Psyche
Arbeit zitieren
Christine Seidel (Autor), 2001, Inwieweit beeinflusst die Umweltzerstörung die kindliche Psyche?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100496

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