ESG-Kriterien im Firmenkreditgeschäft von Banken

Chancen und Risiken von ESG-Ratings


Studienarbeit, 2021

30 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Firmenkreditgeschäft der Banken
2.1 Definition Firmenkunde
2.2 Der Wandel im Firmenkundengeschäft
2.3 Wesentliche Kreditrisiken im Firmenkundenbereich

3 Bedeutung der ESG-Kriterien
3.1 Gesetzliche Rahmenbedingungen
3.2 Definition der ESG-Kriterien
3.3 Berücksichtigung von ESG-risiken im Kreditrating
3.4 Vergleich zwischen Kreditrating und ESG-Rating

4 Chancen und Risiken von ESG-Ratings

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

AML / CTF Anti-Money Laundering and Counter-Terrorism

BaFin Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht

BMU Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

CEO Chief Executive Officer

CRD Capital Requirements Directive IV

CRR Capital Requirements Regulation

CSR Corporate Social Responsibility

CVaR Credit-Value-at-Risk

EBA Europäische Bankenaufsicht

EL expected loss, erwarteter Verlust

ESG Environmental Social Governance

EZB Europäische Zentralbank

IfSG Infektionsschutzgesetz, idF v 21.12.2020 (BGBI. I S. 3136)

KWG Kreditwesengesetz, idF v. 9.12.2020 (BGBI. I S. 2773)

M & A Mergers & Acquisitions

NRO Nichtregierungsorganisation

OECD Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

SDG Strategic Development Goals

S & P Standard &Poor‘s

UL unexpected loss, unerwarteter Verlust

VaR Value-at-Risk

1 Einleitung

Warren Buffet sagte einst: „Es dauert 20 Jahre, um einen guten Ruf aufzubauen, und fünf Minuten, um ihn zu ruinieren.“1 Einen guten Ruf zu besitzen bedeutet, dass das Unternehmen oder das Institut durch seine Marke eine achtbare Position am Markt hat. Heutzutage ist es für eine gute Marktstellung notwendig Nachhaltigkeitsaspekte zu berücksichtigen, da bei bereits einer kleinen Missachtung dieser das Unternehmensansehen sinken kann. Denn die Thematik der Nachhaltigkeit hat in den letzten Jahren mehr Bedeutung in der Gesellschaft erlangt und das nicht nur in betriebswirtschaftlicher Sicht. Die Klimarisken wurden unter anderem schwerpunktmäßig durch das Pariser Klimaabkommen aus dem Jahr 2015 in den Fokus gestellt.2 Wenn die Marke am Markt richtig positioniert sein soll, gilt es sich den gesellschaftlichen Entwicklungen anzupassen und die Nachhaltigkeitsanforderungen zu erfüllen.

Im Finanzsektor finden sich mehrere Ansatzpunkte für eine Integration von Nachhaltigkeitsgedanken, es gibt z. B. zahlreiche Förderprogramme für Investitions- und Forschungsmaßnahmen in Umwelt- und Klimabereichen. Der Investmentbereich bietet gleichermaßen Möglichkeiten an, um seine Geldanlagen nachhaltig zu gestalten. Wenn von Nachhaltigkeit die Rede ist, werden vor allem drei Hauptbereiche betrachtet: die Umwelt, das soziale Auftreten und die Unternehmensführung. Das Akronym für den Fachterminus lautet ESG (Environmental, Social, Governance). Die drei Aspekte wirken sich auf allen Unternehmensebenen aus. Aus Unternehmenssicht gilt es eine Lösung zu finden, die die neuen Anforderungen ganzheitlich erfüllen. Aus Sicht der Banken, als Finanzierungspartner, gilt es die Methoden bei einer Unternehmensbewertung dahingehend anzupassen, dass unter Hinzunahme der ESG-Kriterien eine angemessene Beurteilung vorgenommen werden kann.

Die Implementierung dieser Aspekte im Finanzwesen ist von einem aufsichtsrechtlichen Charakter geprägt, der insbesondere die Risiken in den Fokus stellt. Diese Risiken müssen vorrangig im Kreditgeschäft berücksichtigt werden. Das erfordert eine zwingende Anpassung bei den bisher bestehenden Risikoanalyseverfahren.

Ziel dieser Arbeit ist es zu erkennen inwiefern sich die ESG-Kriterien im Firmenkreditgeschäft der Banken auswirken können und welche Risiken bzw. Chancen sich daraus ergeben.

Die Arbeit beginnt mit einer allgemeinen Betrachtung des Firmenkreditgeschäfts der Banken, als eine Grundlage für die folgenden Kapitel. Im dritten Kapitel folgt die Bedeutung der ESG-Kriterien, mit besonderem Augenmerkmal auf die Regulatorischen Bestimmungen. Eine Darstellung der Möglichkeiten und der Risiken eines ESG-Rating im Firmenkundenkreditgeschäft erfolgt im vierten Kapitel, anhand einer kurzen SWOT-Analyse. Abschließend erfolgt eine kurze Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse mit einem perspektivischen Ausblick.

2 Das Firmenkreditgeschäft der Banken

2.1 Definition Firmenkunde

Eine Bank gruppiert die Gesamtheit aller ihrer Kunden entsprechend ihrer Marktsegmente ein. Bei dieser Marktsegmentierung wird als Ausgangspunkt die Gesamtheit des Marktes betrachtet. Bei der spezifischen Kundensegmentierung steht die Zuordnung der Kunden in verschiedenen Gruppen im Fokus.3 Im Wesentlichen gibt es zwei Hauptkategorien: die Privatkunden und die Firmenkunden. Innerhalb dieser Hauptgruppen können durch weitere Parameter die Zuordnungen verfeinert werden, so entstehen mit Hilfe von Merkmalen wie Haushaltseinkommen und Alter im Privatkundenbereich weitere Unterkategorien, wie vermögende Kunden und weniger stark vermögende Kunden.4

Firmenkunden sind nicht nur eingeschriebene Kaufleute im Handelsregister, wie z. B. Freiberufler und Selbstständige, sondern auch sämtliche juristische Personen des privaten und des öffentlichen Rechts.5 Das Firmenkundengeschäft wird dem Individualgeschäft zugeordnet, da jeder der zu betreuenden Kunden, seine individuellen Ausgangssituationen und Anforderungsansprüche mit sich bringt. An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass klassische Prozesse, wie beispielsweise die Kontoabwicklung, identisch mit der von anderen Kundengruppen ist. Die Ansprüche der Bank gegenüber ihren zu beratenden Firmenkunden orientiert sich unter anderem an deren Unternehmensgröße und der finanziellen Situation. Banken decken in diesem Kundensegment nicht nur das traditionelle Kredit- und Einlagengeschäft ab, sondern bieten daneben die Möglichkeit der Nutzung des Auslands- und Devisengeschäfts an. Je nach Größe der Bank sind weitere Dienstleistungen und Cross-Selling-Ansätze denkbar. Die Optionen reichen von Versicherungen bis hin zu sämtlichen Transaktionsarten im Unternehmensbereich, den sogenannten „Mergers & Acquisitions“ (M&A).6 Durch diese Vielfalt an Produktvariationen und Dienstleistungsarten, ist es möglich einen ganzheitlichen Ansatz in der Kundenbetreuung zu verfolgen und es wird sich nicht nur auf den Finanzierungsteil spezialisiert.

Die Hauptrefinanzierungsmöglichkeit auf dem Finanzmarkt stellen Kredite dar. Kredite helfen den Kreditnehmern ihren finanziellen Bedarf abzudecken, wofür sie ihre eigenen Mittel nicht einsetzen können oder wollen. Die Banken als Hauptdarlehensgeber sind dazu verpflichtet, die Kreditsumme bereit zu stellen und die Aufgabe des Darlehensnehmers ist es die Summe zuzüglich Zinsen zurück zu führen.7 Im Bereich der Firmenkredite existieren drei übergeordnete Kategorien: der Betriebsmittelkredit, der Investitionskredit und die Leasingfinanzierung. Der Betriebsmittelkredit ist in den meisten Fällen ein Kontokorrentkredit für kurzfristige Finanzierungen wie in etwa Wareneinkäufe. Durch die im Anschluss generierten Umsätze, der dann verkauften Produkte und ähnlichen Gütern, wird der Kredit getilgt. Wenn ein Unternehmen plant etwas langfristig zu finanzieren, beantragt es in der Regel einen Investitionskredit. Bei der Leasingfinanzierung steht die entgeltliche Vermietung und Verpachtung von un- und beweglichen Gütern, durch entweder dem Hersteller der Güter oder durch die Leasinggesellschaft als solche, im Vordergrund. Alle soeben genannten Kreditarten lassen sich noch detaillierter aufsplitten, dies ist aber nicht für ein weiteres Verständnis der Arbeit notwendig.8

2.2 Der Wandel im Firmenkundengeschäft

Die Handlungen der Unternehmen basieren überwiegend auf marktwirtschaftliche Veränderungen. Wenn ein Unternehmen langfristig am Markt überleben will, darf es die Unternehmensplanung nicht ausschließlich auf die Erreichung der höchstmöglichsten Wohlfahrtsgewinne ausrichten, sondern muss sich an den technisch-wirtschaftlichen Trends der Gesellschaft orientieren.9 Seit Ende des 19. Jahrhunderts existier der Megatrend „die Globalisierung“. Aufgrund der Corona-Pandemie scheint insbesondere der internationale Markt stark eingeschränkt, jedoch sollten die gegenwärtigen Entwicklungen in dieser Ausnahmesituation nicht mit einem Ende der Globalisierung gleichsetzen. Nicht nur, weil sich durch internationale Lieferketten von anderen Unternehmen abhängig gemacht wurde, sondern auch weil durch moderne Trendentwicklung erst viele neue Handelsbeziehungen geschaffen werden konnten.10

Firmenkunden brauchen einen funktionierenden Markt, damit sie eine repräsentative Stellung in diesem einnehmen können. Ein Markt baut überwiegend auf Wettbewerb auf, für welchen es verschiedene statische und dynamische Wettbewerbsfunktionen gibt. Aufgrund der Tatsache, dass viele Trends heutzutage eher kurzlebig sind, ist die Anpassungsfunktion von einer großen Bedeutung geprägt. Diese basiert auf dem natürlichen Wettbewerb am Markt. Unternehmen müssen daher ihre Produktion oder Dienstleistungsangebote stetig an den sich wandelnden Nachfragestrukturen anpassen und zeitgleich politische und wirtschaftliche Sanktionen beachten, wie bspw. bei dem Strukturwandel in der Kohle- und Stahlindustrie.11 Es existieren noch viele weiteren Trends die Unternehmen berücksichtigen müssen. Als abschließendes Beispiel sei die Nachhaltigkeit genannt, auf welche im Folgenden noch näher eingegangen.

2.3 Wesentliche Kreditrisiken im Firmenkundenbereich

Risiken stellen eine negative Zielabweichung dar, unabhängig davon, ob es ursachen- oder wirkungsbezogene sind.12 In dem Firmenkreditgeschäft bilden sich an mehreren Stellen Potentiale für eine Erhöhung der Risiken. Das Firmenkundengeschäft bildet, wie bereits dargestellt, ein erhebliches strategisches Geschäftsfeld von Banken ab. Weil innerhalb der Firmenkunden eine solche Vielfalt aufgrund der Branchendiversifikation möglich ist, können zahlreiche Risiken im Kreditgeschäft zum Tragen kommen. Primär gilt es die Bonitätsveränderungen der zu finanzierenden Firmen zu betrachten.13 Im Allgemeinen entstehen Kreditrisiken aufgrund der Erwartungen, dass die Kreditnehmer nicht ihre vertraglichen Pflichten pünktlich und vollständig erfüllen können.14 In Verbindung mit dem Begriff Kreditrisiko wird für die eben genannten Aspekte oft das Adressenausfallrisiko synonymhaft verwendet. Bei diesem werden explizit die negativen Erfolgsauswirkungen auf die Gegenpartei betrachtet, wenn der Vertragspartner ausfallen sollte.15 In einem weit gefassten Sinne bezieht das Adressenausfallrisiko somit die Bewertung der Kapitaldienstfähigkeit der Firmenkunden mit ein. Die Kapitaldienstfähigkeit ist im Kreditgeschäft eine wesentliche Grundlage für die Kreditvergabe und wird deswegen im Vorfeld geprüft. Darüber hinaus handelt es sich bei den meisten Firmenkunden um hohe Kreditengagements, mit einem Volumen von insgesamt mehr als 750.000,00 Euro oder mehr als 10% des anrechenbaren Eigenkapitals des Instituts. Aufgrund dessen ist es vorgeschrieben, dass ein Institut sich vor einer Kreditvergabe die wirtschaftlichen Verhältnisse durch z. B. Jahresabschlüsse offenlegen lässt.16

Durch die Auswertung der wirtschaftlichen Unterlagen und der Nutzung von einem standardisierten Ratingmodell, wird die Bonität der Kreditnehmer geschätzt. Da die Bonität der Kunden durch die Kreditwürdigkeitsprüfung größtenteils auf historischen Daten basiert und von äußeren Einflussfaktoren verändert werden kann, wie durch sich ändernde wirtschaftliche Entwicklungen, besteht das Bonitätsrisiko. Dieses wird von der Bank als Gläubiger getragen. Es beschreibt die Höhe der Wahrscheinlichkeit, dass sich die Bonität des Kreditnehmers während der Vertragslaufzeit verschlechtern wird.17 Bei Ratingansätzen für Firmenkunden sind externe Wirkungsfaktoren, wie die Branchenaufstellung auf dem Markt, mögliche Konkurrenzunternehmen, Länder- und Währungsrisiken, mit zu berücksichtigen. Das Ratingergebnis hat eine entscheidende Auswirkung auf die Höhe der Konditionen bei der Kreditvergabe, da der Gläubiger durch das Rating eine Einschätzung des Ausfallrisikos erhält. Wenn Banken keine internen Ratingmodelle verwenden oder eine zweite Wertung zum Vergleich haben möchten, können sie auf externe Ratings von Agenturen wie Standard & Poor’s (S & P) und Moody’s zurückgreifen.18

Beim Risikomanagement von Banken wird im Kreditgeschäft darüber hinaus noch der erwartete Verlust (expected loss, EL) von dem unerwarteten Verlust (unexpected loss, UL) abgetrennt. Der EL bildet einen Durchschnittswert, der sich auf eine Kreditnehmergruppe oder einen einzelnen Kreditnehmer bezieht und auf Basis von historischen Daten den in der Zukunft erwarteten Verlust prognostiziert.19 Die Gegenpartei von diesem Erwartungswert bildet der UL, welcher den Durchschnittswert aller zusätzlichen, nicht erwarteten Kreditausfällen, abbildet. Gleichzeitig wird damit versucht die Unsicherheiten über die tatsächliche Ausfallhöhe zu minimieren. Diese Parameter werden bei der Zinssatzkalkulation für die Kreditvergabe bankseitig berücksichtigt und wirken damit indirekt auf das Firmenkundenkreditgeschäft.20

Der bisherige und noch weitere Verlauf der Corona-Pandemie bringt zahlreiche Risiken mit sich. In der Industriebranche führten die aktuellen Entwicklungen zu einer positiven Kreditentwicklung. Unternehmen konnten, vor allem durch Förderbanken, günstige Konditionen aushandeln. Aufgrund der ungewissen Entwicklung der Pandemie nahmen vor allem die langfristigen Finanzierungen bei den Unternehmen zu. Währenddessen aufgrund der gesetzlichen Bestimmung des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) insbesondere Dienstleistungs- und Freizeitunternehmen hart von dem Lockdown getroffen wurden und an ihrem Existenzminimum lebten.21 Da Banken in diesen Zeiten verstärkt Ausfallrisiken prognostiziert haben, wuchsen die Risikoprämien.22 Aber nicht nur der weitere Verlauf der Corona-Pandemie stellt ein erhebliches Risiko dar, sondern ebenfalls die mangelnde Anpassung an gesellschaftlichen Tendenzen.

Vor allem in Krisensituationen sind Unternehmen darauf angewiesen, dass ihre Geschäftsidee, einschließlich ihrer Produkte und Dienstleistungen, am Markt zu einem kostendeckenden Gewinn führen. In den meisten Fällen entsteht ein solcher Profit ohne das nachhaltig gewirtschaftet wird. Wenn eine Unternehmung versucht die Nachhaltigkeitskriterien zu berücksichtigen, können enorm hohe Kosten entstehen, die das Geschäft unrentabel wirken lassen. Allerdings kann die Außerachtlassung dieser Kriterien langfristig dazu führen, dass die Unternehmung in der Zukunft, im Vergleich mit ESG-konformen Unternehmen, geringere finanzielle Renditen erwirtschaften wird. Wenn es geplant ist eine neue Projektfinanzierung zu starten, kann es von Vorteil sein, sich mit Nachhaltigkeitsaspekten sowie den ESG-Risiken zu befassen. Da Risiken von dieser Art immer stärker bei der Unternehmensbewertung, zusätzlich zu den finanziellen Aspekten, berücksichtigt werden.23 Wie bereits erwähnt ist das Firmenkundengeschäft einem ewigen Wandel des Marktes ausgesetzt. Aufgrund dessen, werden sie nicht von den ESG-Entwicklungen verschont bleiben und müssen die entsprechenden Maßnahmen, die sich durch die Anforderungen ergeben, ergreifen.

3 Bedeutung der ESG-Kriterien

3.1 Gesetzliche Rahmenbedingungen

Durch die Pariser Klimakonferenz wurde die offizielle Ära des Kilmaschutzes eröffnet und es wurden Pläne verabschiedet, die unter anderem ein Wirtschaften unter Berücksichtigung der Schonung von natürlichen Ressourcen beinhaltet. Mittels des Pariser Abkommens wurden alle Staaten in Verpflichtung gesetzt, sich an der Zielerreichung zu beteiligen. Es dreht sich aber nicht ausschließlich um die Verringerung von Schadstoffemissionen, sondern außerdem um die finanzielle Unterstützung von Projekten, die die Klimawandel bedingten Schäden mindern sollen. Überwiegend wurde sich hier auf Entwicklungsländer gestützt, jedoch ist die Thematik mehr in den Mittelpunkt der Gesellschaft gerückt, so dass diese klimatischen Berücksichtigungen bereits auf Einzelkreditnehmerebene bei den Finanzakteuren berücksichtigt werden müssen.24 Es gilt nicht nur die Anforderungen des Abkommens zu berücksichtigen, sondern ebenfalls jene des EU-Aktionsplanes „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ von März 2018. Das Hauptziel dieses Planes ist einerseits Nachhaltigkeit mehr in den Risikomanagementsysteme zu implementieren und andererseits die Kapitalströme auf eine nachhaltige Wirtschaft auszurichten, sowie die Transparenz nachhaltiger Finanzprodukte zu gewährleisten.25

Deshalb reagiert die Europäische Bankenaufsicht (EBA) mit den „Draft Guidelines on loan origination and monitoring“ im Juni 2019 auf den EU-Aktionsplan und dessen Forderungen und versucht neben den Klimaaspekten weitere aktuelle Forderungen der Nachhaltigkeit ganzheitlich zu berücksichtigen.26 Mit dem Konsultationspapier über den Richtlinienentwurf zur Kreditaufnahme und -überwachung berücksichtigt die EBA die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen für ein gesteigertes Interesse an Umwelt-, sozialen und Führungsstrukturen im Zusammenhang mit dem Kreditgeschäft. Im Hauptfokus der Richtlinie liegen die Bereiche interne Unternehmensführung, Risikomanagement und die interne Risikokontrolle der Finanzinstitute. Die Umsetzung der Richtlinie soll dem Proportionalitätsprinzip, entsprechend der Größe und Komplexität der jeweiligen Institute, gerecht sein.27

Diese Richtlinien gelten offiziell als rechtverbindlich ab dem 30. Juni 2021. Damit wird bankenseits zu beachten sein, dass bei der Neukreditvergabe alle Bedingungen eingehalten werden, sofern das Institut durch die Verhältnismäßigkeit zur Umsetzung verpflichtet ist.28 Die EBA ist als Aufsichtsbehörde nach Artikel 8 Abs. 1 a der EBA-Gründungsverordnung dazu berechtigt, die Integration der drei Themenschwerpunkte vorzunehmen und zu verlangen. Somit enthalten alle soeben genannten Anforderungen einen rechtlichen Anweisungscharakter.29

Die „grünen Kreditvergabe“ schließt an die Bewegung „Green Finance“ an und somit an den Trend das bei Finanzinstrumenten und Investitionen die positiven Auswirkungen auf das Klima und die Umwelt im Fokus stehen. Das heißt, dass bei dem Kreditvergabeprozess Klima- und Umweltkriterien berücksichtigt werden müssen.30 Dieser Aspekt setzt bei der Kreditrisikokultur an, denn hier wird das Fundament dafür gelegt, an welche Kreditnehmer Mittel gewährt werden oder welche aufgrund von Negativ-Faktoren eine Ablehnung erhalten. Die Umsetzungsanpassungen betreffen somit die Risikomanagementrichtlinien, die Kreditrisikopolitiken und Verfahren. In dem ersten Schritt geht es um die Informationssammlung und die Begutachtung der Ziele von den Kreditnehmern, als nächstes soll eine angemessene Beurteilung des Vorhabens geschehen im Hinblick auf die Erfüllung eines „grünen“ Projektes bzw. einem sozial-gerechtfertigten Vorhabens. Im dritten Teilschritt wird die Kapitaldienstfähigkeit des Kreditnehmers bewertet und die Transparenz hinsichtlich der Berichterstattung geprüft. Zu guter Letzt erfolgt in regelmäßigen Abständen die übergeordnete Überwachung des Kreditengagements.31

Die Institute sind nicht nur dazu angehalten die Klima- und Umweltrisiken zu beachten, sondern aus ethnischen Gründen weiterhin die Verfahren zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung (AML / CTF) zu berücksichtigen. Hierbei muss geprüft werden das Verpflichtungen aus den Finanzierungsanforderungen erfüllt werden und entsprechende Risiken frühzeitig mittels der internen Kontrollverfahren erkannt werden.32 Bei der Beurteilung dieser Aspekte ist Bezug zu nehmen auf die stetige Berichterstattung und die damit entstehende Transparenz. Durch die Offenlegung dokumentiert ein Unternehmen langfristig sein Verhalten – nicht nur in Klimarisikosituationen, sondern es wird darüber hinaus Stellung zu den Handlungsweisen genommen und die jeweils getroffenen Entscheidungen werden begründet. Umso mehr Informationen veröffentlicht sind, desto verantwortungsbewussterer können Investitionsentscheidungen seitens der Kreditgeber getroffen werden.33

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat zu den möglichen Auswirkungen und Vorsorgemaßnahmen der Klima- und Umweltrisiken 13 zentrale Erwartungen veröffentlicht. Diese Ansprüche sind in einem Leitfaden niedergeschrieben und sind nicht für die Institute verpflichtet, sondern stellen vielmehr eine Hilfestellung für die Auseinandersetzung mit den aufsichtlichen Grundlagen der z.B. EBA dar. Die Erwartungen der EZB zentralisieren überwiegend die Integration der Klima- und Umweltrisiken in der ganzheitlichen Geschäftsstrategie und geben Anregungen für den Einsatz geeigneter Risikobestimmungsfaktoren. Es wird betont, dass jene Risiken während des gesamten Kreditgewährungsprozesses zu berücksichtigten seien und auf (Kredit-)Portfolioebene begutachtet werden müssten.34

Auf Ebene der Gesamtbanksteuerung gibt es noch weitere Regelwerke, die sich mit der komplexen Berücksichtigung von der Nachhaltigkeit beschäftigen, wie etwa Ansätze aus Basel III, der Capital Requirements Directive (CRD IV) und Artikeln aus der Capital Requirements Regulation (CRR). Der Fokus dieser Bestimmungen liegt hauptsächlich bei der Betrachtung der Auswirkungen von Alt- und Neugeschäften. Insbesondere in dem Hinblick auf eine nachhaltige Ertragserzielung und eine Verminderung von negativen Risikoauswirkungen, mittels einer langfristigen und nachhaltigen Gesamtbanksteuerung.35

[...]


1 Vgl. Börse Express GmbH (Hrsg.) (2019), These 7.

2 Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (Hrsg.) (2017), These 8 - 11.

3 Vgl. Faust, Martin (2019), S.4f.

4 Vgl. Braun, Werner (2016), S.90f.

5 Vgl. Gramlich, Ludwig u.a. (Hrsg.) (2020), S. 1151.

6 Vgl. Bergwanger, Jörg u. a. (2019), S. 58.

7 Vgl. BaFin (Hrsg.) (2020), These 1.

8 Vgl. Grundmann, Wolfgang (2020), S. 173.

9 Vgl. Conrad, A. Christian (2020), S.122.

10 Vgl. Gummersbach, Jörg Michael / Kehr, Henning (2020), S.7f.

11 Vgl. Conrad, A. Christian (2020), S. 150-153.

12 Vgl. Hager, Peter / Romeike, Frank (2020), S. 59.

13 Vgl. Hofmann, Jonathan u. a. (2020), S. 20.

14 Vgl. Gischer, Horst u.a. (2020), S.119.

15 Vgl. Hartmann-Wendels, Thomas u. a. (2019), S. 534f.

16 Vgl. § 18 KWG.

17 Vgl. Gramlich, Ludwig u.a. (Hrsg.) (2020), S. 354-356.

18 Vgl. Schuster, Thomas / Uskova, Margarita (2018), S. 73.

19 Vgl. Horsch, Andreas / Kaltofen, Daniel (2020), S. 141.

20 Vgl. Horsch, Andreas / Kaltofen, Daniel (2020), S.141.

21 Vgl. § 28a IfSG.

22 Vgl. Deutsche Bank AG (Hrsg.) (2020), These 1.

23 Vgl. Weber, Johannes / Wendt, Karen (2016), S. 240f.

24 Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (Hrsg.) (2017), These 8 - 11.

25 Vgl. Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (Hrsg.) (o. j.), Abschnitt 1f.

26 Vgl. EBA (Hrsg.) (2019), S. 7.

27 Vgl. EBA (Hrsg.) (2019), S. 6.

28 Vgl. EBA (Hrsg.) (2020), S. 11.

29 Vgl. EBA (Hrsg.) (2020), S. 7.

30 Vgl. EBA (Hrsg.) (2019), S. 17.

31 Vgl. EBA (Hrsg.) (2019), S. 19 – 24.

32 Vgl. EBA (Hrsg.) (2019), S. 23.

33 Vgl. EUR-Lex (Hrsg.) (2018), Abschnitt 1.3.

34 Vgl. Europäische Zentralbank (Hrsg.) (2020), S. 4.

35 Vgl. Zeranski, Stefan / Nocke, Franziska (2018), S. 263f.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
ESG-Kriterien im Firmenkreditgeschäft von Banken
Untertitel
Chancen und Risiken von ESG-Ratings
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
30
Katalognummer
V1005032
ISBN (eBook)
9783346393166
Sprache
Deutsch
Schlagworte
esg-kriterien, firmenkreditgeschäft, banken, chancen, risiken, esg-ratings
Arbeit zitieren
Katharina Hauff (Autor), 2021, ESG-Kriterien im Firmenkreditgeschäft von Banken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1005032

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