Billy Grahams Verkündung. Homiletisch-biblische Elemente des Evangeliums


Seminararbeit, 2021

40 Seiten, Note: 74


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1 Einleitung

2 Fragestellung und Methodik
2.1 Ein-Satz
2.2 Grundvoraussetzungen und Einschränkungen
2.3 Definition Verkündigen
2.4 Struktur und Methodik

3 Billy Graham
3.1 Biographie
3.2 Epoche
3.3 Zusammenfassung

4 Untersuchung der Verkündigung Grahams
4.1 Theologie
4.2 Botschaft
4.3 Homiletik
4.4 Grahams Homiletik
4.5 Zusammenfassung

5 Kritische Würdigung
5.1 Wilhelm Busch
5.2 Bayless Conley
5.3 Kritische Würdigung

6 Fazit

7 Abkürzungsverzeichnis
7.1 Biblische Bücher
7.2 Allgemeine Abkürzungen

8 Literaturverzeichnis

9 Anhang
9.1 Glaubensbekenntnis der Billy Graham Evangelistic Association
9.2 Glaubensbekenntnis von Bayless Conley
9.3 Predigten von Wilhelm Busch
9.4 Predigten von Bayless Conley

Haftungsausschluss

Die Ansichten, die in dieser Facharbeit geäussert werden, geben nicht unbedingt die Sichtweise des International Seminary of Theology and Leadership wieder.

Abstract

Die Studie befasst sich mit der Frage: Wie können wir anhand der Verkündigungen Billy Grahams homiletisch-biblische Elemente des Evangeliums predigen? Um die Studie durchzuführen, habe ich die Methode „Literaturstudium“ gewählt. Anhand der „Fragestellung und Methodik“ habe ich die Arbeit aufgebaut. Im Kapitel „Billy Graham“ zeige ich einzelne Elemente seines Lebens und seiner Epoche auf und im Kapitel „Untersuchung der Verkündigung Grahams“ erläutere ich die Theologie und Botschaft Grahams, um seien Argumentationen und Aussagen besser verstehen zu können. Des Weiteren habe ich in diesem Kapitel homiletische Elemente ausgearbeitet, auf welche ich Graham untersucht habe. Dann, im letzten Kapitel "Kritische Würdigung", habe ich Graham kritisch gewürdigt anhand der gewonnenen Erkenntnisse aus der Untersuchung und aus der Gegenüberstellung mit den ausgewählten Predigern. Die Studie befasst sich damit, wie wir in unseren Leben Elemente des Evangeliums, wie zum Beispiel Liebe, Sünde oder Glauben verkündigen können, und sie zeigt die Wichtigkeit des Verständnisses dieser Elemente auf. Diese Studie soll dazu beitragen, dass unsere Verkündigung und unsere Botschaft geistlich wie praktisch weiterentwickelt werden und wir so mit ihnen einen Unterschied in unserem Umfeld ausmachen können.

1 Einleitung

In dieser Arbeit habe ich das Thema „Billy Graham – Die verändernde Verkündigung“ analysiert und ausgearbeitet.

Für die Arbeit habe ich die Bibelstellen aus folgender Übersetzung, sofern nichts anderes deklariert wird, verwendet: Altes Testament: Schlachter 2000 Übersetzung (2004), Neues Testament: Neue Genfer Übersetzung (2011).

2 Fragestellung und Methodik

Die Fragestellung und Methodik werden in diesem Kapitel der Arbeit kurz präsentiert.

2.1 Ein-Satz

Ich untersuche die vollmächtige Verkündigung von Billy Graham, weil ich herausfinden will, welche homiletischen Elemente eine vollmächtige Predigt ausmachen, gegenwärtig wie bei Graham, um zu wachsen im persönlichen Dienst durch die neu gewonnenen Erkenntnisse im Bereich «Verkündigung», indem ich die Literatur zu Billy Graham anhand Homiletik-Literatur analysiere und eine Gegenüberstellung zweier Prediger, Willhelm Busch und Bayless Conley anhand gezielter Predigten durchführe.

2.2 Grundvoraussetzungen und Einschränkungen

Ich beschränke mich im Rahmen dieser Studie auf Billy Graham. Des Weiteren schränke ich mich auf die homiletischen Elemente, die ich anhand von Engemann (2020) festlege, ein. Anhand dieser Elemente untersuche ich die Verkündigungen von Graham, Busch und Conley, um die kritische Würdigung von Graham darauf aufzubauen. Für Busch und Conley homiletisch zu untersuchen, werden gezielt drei Predigten pro Person ausgewählt. Weiterführende theologische Aussagen, die ausserhalb der ausgewählten Predigten gemacht wurden, oder zusätzliche Literatur zu dieser Person werden nicht berücksichtig. Ich gehe in meiner Arbeit im Kontext zur Grundvoraussetzung von einem evangelikalen Schriftverständnis aus und sehe Graham als ein Mann Gottes, der durch seinen Dienst viel für das Reich Gottes getan hat.

2.3 Definition Verkündigen

In meinem persönlichen Verständnis steht das Verkündigen, also das öffentliche Bekanntmachen der guten frohmachenden Botschaft durch einen Verkündiger im Zusammenhang mit dem Evangelium des vollbrachten Werkes Christi am Kreuz. Es wird davon ausgegangen, dass es sich um ein aktives Erzählen des Evangeliums und dem Wort Gottes handelt. Coenen (Coenen 2014: 1755) ergänzt das wie folgt: Der Verkündiger, der im Auftrag einer höheren Macht oder hochrangigeren Person eine ihm aufgetragene Nachricht mit deutlich vernehmbarer Stimme ausruft und bekanntmacht. Das Substantiv „Verkündigen“ κηρύσσω [kerysso] beschreibt diese Tätigkeit.

2.4 Struktur und Methodik

In diesem Abschnitt werden die einzelnen Kapitel der Arbeit vorgestellt.

2.4.1 Biographie und Epoche der ausgewählten Person

In diesem Abschnitt der Arbeit lege ich die Biografie von Billy Graham anhand seines Buches „So wie ich bin. Die Autobiografie“ (1998) dar. Um einige Passagen seines Lebens detaillierter zu untersuchen, ziehe ich zusätzliche Literatur (siehe unter Kapitel 6) von Graham hinzu. Für die Epoche, die Zeit, die Billy Graham geprägt hat, von Graham darzulegen, wird die Literatur von Scharpff (1980), Cook (1954) und Barnhart (1973) verwendet.

2.4.2 Untersuchungsgegenstand

Anhand von Homiletik-Grundlagen von Engemann (2020) und Haendler (2017) untersuche ich, wie Graham predigte und verkündigte. Für die Untersuche, wie Graham gepredigt hatte, habe ich die Facharbeit von Thomas (2011) in "Rhetorik, Phonetik und Sprech-Wissenschaft" verwendet. Um das theologische Verständnis und die Fundamentaltheologie kurz und präzise zu erläutern, habe ich Verweyen (2008) verwendet. Für einen prägnanten Standpunkt seiner Botschaft aufzuzeigen, habe ich Grahams eigene Literatur (2018) und Barnhart (1973) untersucht.

2.4.3 Kritische Würdigung

In diesem Abschnitt führe ich eine kritische Würdigung durch. Bei der Aufstellung von Wilhelm Busch und Bayless Conley habe ich bei der Auswahl darauf geachtet, einerseits eine Persönlichkeit auszuwählen, die zur gleichen Zeit wie Graham gelebt hat und anderseits eine Persönlichkeit, die einen Bezug auf die heutige Zeit hat. So stelle ich die zwei Persönlichkeiten kurz und prägnant vor und die ausgewählten Predigten anhand der ausgearbeiteten homiletischen Struktur untersucht. Die gewonnenen Erkenntnisse über diese zwei Persönlichkeiten werden den gewonnenen Erkenntnissen über Graham gegenübergestellt, analysiert und gewürdigt. Im letzten Teil dieses Abschnittes der Studie habe ich die Erkenntnisse aus Teil 1 und Teil 2 auf unsere heutige Gegenwart reflektiert, bezogen auf die Thematik "Verkündigung". Dabei habe ich mithilfe von Graham geschaut, wie wir gewisse Erkenntnisse für unseren Dienst anwenden können.

3 Billy Graham

In diesem Kapitel der Arbeit stelle ich Billy Graham anhand seiner Biografie und Epoche vor.

3.1 Biographie

Die Biografie gibt eine kurze Zusammenfassung über das Leben des Evangelisten Billy Graham wieder.

3.1.1 Die Anfänge

In idyllischer Landschaft in Nord Carolina kam Billy am 7. November 1918 auf die Welt, vier Tage vor dem Waffenstillstand, der den Ersten Weltkrieg beendete. Billy wuchs mit zwei Schwestern und einem Bruder in einer grossen Verwandtschaft auf (Graham 1998: 27–30). Als Sohn eines Bauern in unterdurchschnittlichen Lebensverhältnissen aufgewachsen, bekehrte Billy sich im 16. Lebensjahr und wurde Mitglied einer Baptistenkirche (vgl. Scharpff 1980: 357). Als Billy mehrmals die Evangelisationsevents von Prediger Dr. Mordecai Folwer Ham besuchte, kam er zum Entschluss, Jesus sein Leben anzuvertrauen (vgl. Graham 1998: 52–53). Nach dieser Entscheidung besuchte Billy regelmässig Veranstaltungen, in welchen Evangelisten oder Prediger über den christlichen Glauben lehrten (vgl. Graham 1998: 56). Als Billy aus der Schule kam, arbeitete er als Verkäufer und ging von Tür zu Tür, um Bürsten zu verkaufen. Dies tat er bis zu seinem 18. Lebensjahr, bevor er an das Bob Jones College ging. Weiter besuchte er das Florida Bibel – Institut und das Wheaton College (vgl. Graham 1998: 64–88).

3.1.2 Die Liebe

Am Wheaton College lernte Billy Ruth Bell kennen. Sie war in China geboren und lebte die ersten 17 Jahre in Asien, bevor sie mit ihrer Familie nach Amerika zog. Ihr Vater, Nelson Bell, war als Missionsarzt in der ostchinesischen Provinz tätig. Sie hatte die Berufung, als Missionarin nach Tibet zu gehen. Doch schnell wurde ihr klar, dass sie sich entscheiden musste zwischen Billy und Tibet: Ruth entschied sich für die Zukunft mit Billy. Die beiden heirateten am 13. August 1948 (Graham 1998: 97–106). Ruth hatte eine grosse Gabe, andere Menschen zu ermutigen. Ihr Leben zeigt, was Ermutigung für positive Auswirkungen in anderen Menschen freisetzt. Ruth war überzeugt, dass der Hauptgrund des Scheiterns, Mangel an Ermutigung war (vgl. Nüesch 2018: 28). Ruth platzierte sich klar in ihrer Rolle als Ehefrau des „grossen Evangelisten“: „Ich möchte eine Assistentin meines Mannes sein. Er kommt zuerst, und ich werde befreit“ (Nüesch 2018: 53). Auf die Frage: „Was macht man als Ehefrau, wenn der eigene Dienst mit dem Dienst des Ehemannes in Konflikt zu geraten scheint?“, gab Ruth folgende Antwort:

„Ich habe das Gefühl, dass mein Ehemann Priorität hat. Und ich habe das Gefühl, ich wurde berufen, um ihm eine Hilfe zu sein. Wenn etwas von mir mit seinen Verantwortungen kollidiert, dann schaue ich mir das zweimal an, und dann gibt es vielleicht etwas, das ich loswerden kann. Ich habe wirklich das Gefühl, dass wir unseren Ehemännern die Priorität einräumen müssen, wenn wir eine Hilfe sein wollen“ (Nüesch 2018: 53).

Die Familie Graham wurde mit Kindern gesegnet. Billy und Ruth bekamen fünf Kinder: Virginia (Gigi), Anne, Ruth, Franklin und Nelson Edman (Ned). Da Billy viel unterwegs war, erzog Ruth die fünf Kinder (vgl. Nüesch 2018: 61–62). Ruth wechselte am 14. Juni 2007 mit 87 Jahren für immer in ihr neues himmlisches Zuhause zu ihrem Herrn (vgl. Nüesch 2018: 29).

3.1.3 Qualifizierter

Nachdem Billy wenige Jahre in West Springfield Pastor war, von 1943 bis 1945, bekam er je länger, je mehr Angebote von anderen Gemeinden. Schliesslich nahm Billy im Jahre 1945 eine Stelle bei Jugend für Christus als Organisator an (vgl. Graham 1998: 118–123). Darauf folgten drei Jahre intensive Evangelisationsjahre. Billy reiste durch ganz Amerika und Kanada und sprach auf Tagungen und Konferenzen für Jugend für Christus. Im ersten Jahr bekannten sich bis zu 7`000 Menschen zu Christus. Für diesen Erfolg flog Billy in einem Jahr über 320‘000 Kilometer; mehr Kilometer als jeder andere Fluggast zu seiner Zeit (vgl. Cook 1954: 33). Am Todestag von Dr. W.B. Riley am 5. Dezember 1947 vermachte dieser in seinen letzten Atemzügen die Northwestern Akademie an Billy. Er solle der neue Präsident der Akademie werden. Billy sah sich mit seinem Bachelor-Grad in Anthropologie vom Wheaton College nicht wirklich qualifiziert dafür, um dieses Amt anzutreten; doch er nahm das Amt an. Bis im Februar 1952 leitete Billy die Akademie, bis dass er sein Amt erfolgreich abgab, weil sein „Evangelisations-Movement“ ins Rollen kam und er an die Grenzen seiner Kapazität kam (vgl. Graham 1998: 137–146).

3.1.4 Aufbruch

Denn Grahams grosser Evangelisations-Aufbruch ging im Jahre 1951 los. Er bereiste mehrere Staaten des Ostens und mittleren Westens und hielt einzelne Versammlungen und Konferenzen. Im Februar 1951 nahm Billy an einer vierwöchigen Evangelisation in Texas teil. Diese Versammlung fiel in die grosse Krise des Koreakrieges. Das hatte zur Folge, dass manche Aussagen eindringlicher waren und die Zuhörer aufgeschlossener und empfänglicher machte. Hunderte von Pfarrern wie auch Bibelschulen beteiligten sich an dieser Evangelisation. Während dieser vier Wochen sprach Billy Graham zu 135`000 Menschen. Mehr als über 5`000 Menschen, jung wie alt, entschieden sich für Christus. Graham meinte, wiedergegeben von Cook (1954: 44) folgendes: „Dies ist eine Erweckung, wie ich sie in Amerika noch nicht erlebt habe“. In dieser Stadt sank nach diesem Evangelisationsevent der Alkoholverkauf um 40 Prozent (vgl. Cook 1954: 44). Im darauffolgenden Event im Bundesstaat Tennessee entschieden sich beim Aufruf, Christus nachzufolgen, über 4‘500 Menschen. Da das Interesse der Leute so hoch war, übertrugen etwa zehn Rundfunkstationen die Botschaften von Billy Graham. Im August 1951 kamen im Bundesstaat Washington insgesamt über 443‘000 Menschen zu Billy Grahams Evangelisationsevents. Unter den über 6`000 Leuten, die sich an diesem Event für Christus entschieden hatten, waren Person aus unterschiedlichsten sozialer Schichten: vom hohen Bundesbeamten bis zum einfachen Arbeiter. Die Auswirkungen des Events waren in den Leben der anwesenden Menschen so tiefgehend, dass jeweils mehrere geplante Ehescheidungsprozesse abgesagt wurden und somit Familien wieder zusammenfanden. Im September 1951 kommt der Evangelist in Hollywood an. Der Evangelisations-Event fand im berühmten Hollywood Bowl statt und wurde von 14‘000 Menschen besucht. In dieser Ortschaft wurde kurz darauf der Billy-Graham-Film „Mr. Texas“ vor 25`000 Menschen zum ersten Mal gezeigt. Weiter in seiner „Evangelisationstour“ kam Billy in Nord Carolina an. Verhältnismässig hatte die Stadt „bescheidene“ 73`000 Einwohner. Doch als Graham ein sechswöchiges Event durchführte, kamen mehr als 8`000 zum Glauben. Darunter war auch der damalige Bürgermeister Boyd Morris, der auf dem Event sein öffentliches Zeugnis ablegte, Christus als seinen Erlöser angenommen zu haben (vgl. Cook 1954: 43–46).

3.1.5 Keine Landesgrenzen

Gefolgt von diesen spektakulären Jahren für den Herrn ging es für Billy im Jahre 1956 international in vielen Ländern der Welt weiter: Indien (1956/1972), Iran (1956), Australien (1959), Afrika (1960), Israel (1960), Russland (1959), Polen (1966) und Jugoslawien (1967). Diese sind nur einige der Länder, die Billy Graham mit seinem Team bereiste und in welchen er das Evangelium predigte (vgl. Graham 1998: 680–685). Nicht nur in seiner Heimat und im gewohnten Umfeld sah der Evangelist radikale Auswirkungen des Evangeliums. Als er im Jahre 1959 in Australien in den Städten Melbourne, Sydney, Adelaide, Canberra, Perth und Brisbane evangelisierte, sah Billy, dass Gott auch ebenso auf einem anderen Kontinent der Welt wirken kann. In diesen Städten lebte damals die Hälfte der australischen Bevölkerung. Schon in den Vorbereitungen liess sich draus schliessen, dass etwas Grossartiges für Australien bereitliegen würde. Vor dem Event mobilisierte sein Team in den Vorbereitungen Gebetstreffen für die bevorstehenden Events; alleine in Sydney waren es über 5`000 Leute, die zusammenkamen. Zusätzlich hatten sie eine Telefonschaltung vorbereitet, die in ganz Australien die Botschaften der Events übertragen sollten. Mit diesen Telefonschaltungen erreichten sie etwa 650‘000 Menschen, welche in diesem Zeitraum in den Events waren. Nach dem letzten Evangelisationsevent in Australien, das in Brisbane stattfand, erreichte Graham und sein Team über 3,3 Millionen Menschen davon 150`000 Menschen, die bereit waren, sich auf Jesus einzulassen (vgl. Graham 1998: 314–324).

Vor dem Publikum in Brisbane, in den letzten Tagen seiner australischen Evangelisationstour, sprach Graham folgende Worte:

„Für das, was hier in Australien geschehen ist möchte ich Gott loben und preisen. Ich hoffe dass sie uns [Hervorhebung im Original] bald wieder vergessen haben – ausgenommen, dass sie vielleicht für uns beten. Wenn sie Fotos machen und applaudieren, weiss ich, es ist Ihnen ein Bedürfnis. Aber Sie Applaudieren dem Falschen. Ich bin hier nur Repräsentant von Jesus Christus, dem König der Könige und Herrn aller Herren. Ihm sei Dank, Lob und Ehre“ (Graham 1998: 325).

Cook (1954: 43) zeigt auf, was für eine Grösse und Spannweite Grahams Evangelisationen hatten: „Nur in einem dicken Buch könnte man die achtzehn oder zwanzig grösseren Evangelisationen im Einzelnen beschreiben, die Graham bis Ende 1953 durchführte“.

3.1.6 Einer für Alle – Alle für einen

Billy Graham führte seine Evangelisationen nicht im Alleingang durch. Im Jahr 1950 gründete er die „Billy Graham Evangelistic Association“. Zu seinem Team gehörten unter anderen: George Wilson (ehemaliger Geschäftsführer der Northwestern Akademie), Luverne Gustavson (ehemalige Privatsekretärin von Dr. Riley, weiterhin bei Billy im „Team“), Betty Lowry („ein Verwaltungsgenie“) und Jerry Beavan (Archivar der Northwestern Akademie) (vgl. Graham 1998: 148). Trotz des heftigen Protestes von Billy wollte das Team seinen Namen für die „gemeinnützige Organisation“, der offizielle Namen des Vereins, gebrauchen. Der Evangelist äussert sich in seiner Biografie wie folgt zu dieser hitzigen Debatte:

„Heute, siebenundvierzig Jahre später, wünschte ich immer noch, dass mein Name nicht so in den Blickpunkt gerückt wäre. Es ist Gottes Organisation, nicht meine, und wenn wir diese Tatsache aus den Augen verlieren, wird Gott seinen Segen von unserer Arbeit abziehen“ (Graham 1998: 200).

Die offiziellen Vereinsgründungspapiere erforderten eine Zielformulierung. George fasste diese Zielformulierung klar zusammen: Das Evangelium von Jesus Christus mit allen verfügbaren Ressourcen und Mittel zu verbreiten (vgl. Graham 1998: 200). Eines Tages, als der gegründete Verein noch am Anfang war, bat einer der reichsten Männer Amerikas Billy für ein Gespräch zu sich. Der Kontakt entstand durch seinen alten Mentor vom Florida Bibel Institut, W. T. Watson, der ihn auch zum Gespräch begleitete. Der Mann, der ihn sehr gerne in seinem Dienst unterstützen wollte, bat Billy darum, ihn so finanziell unterstützen zu dürfen, dass Billy sich keine Gedanken mehr um Geld machen müsse. Billy lehnte das Angebot ab und machte dem Mann klar, dass er eine geistliche Aufgabe habe. Billy erklärte ihm, dass sein Verein wöchentlich über 15`000 Briefe erhalte, in denen sich Spenden enthalten würden, doch am allermeisten enthalten die Schreiben der Spender, dass jene fleissig für den Verein beten würden. Für Billy ist das genauso wichtig wie die finanzielle Unterstützung. Daraus zieht Billy die Schlussfolgerung, dass, wenn bekannt würde, dass sein Verein komplett fremdfinanziert wird, nicht nur die Leute aufhören zu spenden, sondern auch aufhören würden für den Verein, sein Team und seinen Dienst zu beten. Trotz des ehrlichen Angebotes des Mannes gestand Billy, dass er es nie bereut hatte, dieses Angebot abgelehnt zu haben. Graham ist sich bewusst, dass das, was er über die Jahre in Bewegung gebracht hatte, er dies nicht alleine zustande gebracht hat. Ihre Unterstützung, ihr guter Rat, ihre Mitarbeit und ihre Gebete all die Jahre hindurch haben alles erst möglich gemacht (vgl. Graham 1998: 605–606).

3.1.7 Technik

Während der Evangelisation „Euro `70“ im April 1970 in Dortmund wurden die Veranstaltungen Live in 36 Städte übertragen. Dies war erst der Anfang, denn die Technik war noch nicht auf ihrem Höhepunkt angekommen. Die Zeit verging und brachte in den 90er-Jahren das Aufkommen neuer Innovationen mit sich: Internet, Fernsehen und Satelliten. Dies hatte auch Auswirkungen auf Billy und sein Team. Mit dem Aufkommen von Satelliten, die ein Signal aus einem Land oder Kontinent aufnehmen und sofort ein anderes übermitteln konnten, machten die Fernseharbeiten von Grahams Team einen grossen Sprung nach vorne. Im März 1995, 25 Jahre später, fand in San Juan in Puerto Rico eine Evangelisation statt, die in 185 Länder übertragen wurde. Geschulte Dolmetscher übersetzen die Inhalte simultan in achtundvierzig Sprachen. Der Vertreter einer grossen Satellitengesellschaft meinte, dass Billys „Projekt“ eine komplexere Angelegenheit sei als die Übertragung von den olympischen Winterspielen in Norwegen. Später wurden von diesem Event Aufzeichnungen über die normalen Fernsehsender ausgestrahlt, womit zusätzlich über 10 Millionen Menschen erreicht wurden. Graham sieht die Technik als Chance, das Evangelium zu verbreiten und bekanntzumachen. Um das geht es ihm (vgl. Graham 1998: 582–587).

3.1.8 Jüngerschaft

Graham liebte es zu evangelisieren, doch er kam zur Erkenntnis, dass nicht nur er für die Evangelisation berufen war:

Die Evangelisation war immer das Herzstück unserer Arbeit – zu ihr hat Gott uns berufen. Doch seit vielen Jahren ist es mir ein Anliegen, andere darin zu schulen, diese Arbeit weiterzuführen (Graham 1998: 589).

Durch diese Erkenntnis entstanden Schulungen für Pastoren und Leiter. Im Jahr 1967 fand in Amerika in Kansas City die erste Schulung an einem Evangelisationsevent statt. Während der nächsten Jahren fanden diese Schulungen nur in Zusammenhang mit den Evangelisationen statt. In den folgenden Jahren wurden die Schulungen an verschiedenen Orten der Welt durchgeführt, um einige von vielen zu nennen: Afrika, Nepal, Malaysia, Kanada und Papua-Neuguinea (vgl. Graham 1998: 589–590).

Billy Graham vollendete am 21.02.2018 mit stolzen 99 Lebensjahren den Lauf und überquerte die „göttliche Ziellinie des Himmels“. Graham gilt als einer der bekanntesten amerikanischen Baptistenpastoren und Erweckungspredigern. Er wird als einer der einflussreichsten Prediger des 20. Jahrhunderts angesehen (vgl. Graham 2018: 4).

3.2 Epoche

Durch die Evangelisation von 1949, nach dem Krieg geschah in der Kirchengeschichte der USA „die Wiedergeburt der Massenevangelisation“, an dem Graham beteiligt war. Denn nach dem Erfolg in Kalifornien erhielt Graham viele Einladungen zu Massenevangelisationen. Ältere evangelikale Werke kamen dadurch zu neuer geistlicher Kraft. Vom Jahre 1949 an hatten die protestantischen Denominationen eine reiche Ernte. So erlebten die Kirchen in USA in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine geistliche Belebung. Aber leider versank sie in einer Welle oberflächlicher Religiosität. Religion wurde bei vielen zu einer „Modesache“. Es war eine Erweckung der grossen Versammlungen und neuer Formen, nicht aber der allgemeinen Erweckungsbewegung. Dennoch bedeuteten gut besuchte Graham- Evangelisationsevents in aller Welt einen Auftrieb der Evangelisation (vgl. Scharpff 1980: 357–358). Politik war in der Zeit von Billy Graham im Kontext zum Jahre 1954 nach dem Krieg ein „heisses Eisen“. Zu jener Zeit begannen die Amerikaner unter anderem auch politisch Unrast zu spüren. Die beiden politischen Seiten, die Linken wie die Rechten, waren nicht freudig aufeinander gestimmt. Die „Verdächtigungsorgien“ gerieten ausser Kontrolle. Es dauerte nicht lange, bis Graham selbst Verdacht auf sich zog und unter Anklage stand, mit Sympathisanten des Kommunismus zu verkehren. Diese versandete mit der Zeit wieder (vgl. Barnhart 1973: 236–237). Zu unserem heutigen Kontext können wir eine Parallele entdecken. Klar ist, dass wir einen anderen zeitlichen Rahmen haben; keinen Zweiten Weltkrieg. Man sieht in der heutigen Zeit, so wie damals, das immer mehr junge Leute von Konferenzen oder „speziellen“ Events (zum Beispiel: Bless2n, Praise Camp oder der Gebetshaus Bewegung) angezogen werden als mit den „üblichen“ Gemeindeprogramm.

[...]

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Billy Grahams Verkündung. Homiletisch-biblische Elemente des Evangeliums
Note
74
Autor
Jahr
2021
Seiten
40
Katalognummer
V1005128
ISBN (eBook)
9783346392657
ISBN (Buch)
9783346392664
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Billy Graham, Bayless Conley, Wilhelm Busch, Kirchengeschichte, Homiletik, Philosophie, Glaube, Wisse, Vernunft
Arbeit zitieren
Lorenzo Schweingruber (Autor), 2021, Billy Grahams Verkündung. Homiletisch-biblische Elemente des Evangeliums, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1005128

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