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Eroberung Magdeburgs 1631 als Medienereignis. Publizistische Darstellung von Kriegsgeschehen im 17. Jahrhundert

Titel: Eroberung Magdeburgs 1631 als Medienereignis. Publizistische Darstellung von Kriegsgeschehen im 17. Jahrhundert

Bachelorarbeit , 2018 , 32 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Maximilian Pössinger (Autor:in)

Germanistik - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Eroberung Magdeburgs im Jahr 1631 als Medienereignis. Die Arbeit versteht sich als Analyse der zeitgenössischen Publizistik rund um die Eroberung und Zerstörung von Magdeburg. Politisch-historische Kontexte sind stets zu bedenken, stehen aber nicht im Fokus der Untersuchung. Vielmehr sind die sprachbezogenen und illustrativen Methoden in der Berichterstattung hervorzuheben, die dazu beitrugen, dass sich die Eroberung Magdeburgs für Zeitgenossen als ein besonders bedeutendes Ereignis ins Gedächtnis einbrannte.

Am 10. Mai 1631 stürmte, eroberte und vernichtete die kaiserliche Armee unter dem Befehl der Feldherren Tilly und Pappenheim die Stadt Magdeburg, die im ganzen Reich als standhafte Bastion der Verteidigung des lutherischen Glaubens bekannt gewesen war. Die plündernden Eroberer gingen kompromisslos vor und die Magdeburger Bevölkerung wurde nahezu vollkommen ausgelöscht. Etwa 20.000 Menschen starben, lediglich 449 Einwohner in Magdeburg führte eine amtliche Zählung ein Jahr nach der Eroberung noch auf.

Das Ereignis war als wegweisende Schlacht zwischen Katholischer Liga und Protestantischer Union nicht nur aus politisch-militärischer Sicht eine bedeutsame Episode während des Dreißigjährigen Krieges. Die vollkommene Zerstörung der Stadt wurde für Zeitgenossen, ungeachtet ihrer konfessionellen Gesinnung oder ihres Standes, zum Inbegriff der Kriegsschrecken. Das Ereignis ließ niemanden kalt und das ist wohl eine der vielen Voraussetzungen dafür, dass die Eroberung ein für damalige Verhältnisse kaum gekanntes Medienecho auslöste.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Symbolisch aufgeladene Erwartungshaltungen als Initiatoren des Medienereignisses

3. Zwischen Marienburg und Lucretia – katholische und protestantische Deutungen der Magdeburger Hochzeit

5. Fazit

6. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die publizistische Aufarbeitung der Eroberung Magdeburgs im Jahr 1631 und analysiert, wie dieses Ereignis durch symbolisch aufgeladene Deutungsmuster zum ersten modernen Medienereignis stilisiert wurde, wobei insbesondere die Wechselwirkung zwischen politisch-militärischem Geschehen und medialer Darstellung im Fokus steht.

  • Die Rolle bildhaft aufgeladener Erwartungshaltungen für die Wahrnehmung des Ereignisses.
  • Die Funktion der „Magdeburger Hochzeit“ als zentrale Allegorie in der zeitgenössischen Publizistik.
  • Konfessionell geprägte Deutungshoheit und ihre Wandlung infolge militärischer Ereignisse wie der Schlacht von Breitenfeld.
  • Die instrumentelle Nutzung der Publizistik durch Akteure wie Feldherr Tilly zur politischen Meinungsbildung.
  • Die Bedeutung von Popularitätsaspekten und wirtschaftlichen Zwängen bei der Gestaltung medialer Darstellungen.

Auszug aus dem Buch

3. Zwischen Marienburg und Lucretia – katholische und protestantische Deutungen der Magdeburger Hochzeit

Beschäftigt man sich mit der publizistischen Darstellung der Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 richtet sich der Blick zwangsläufig immer wieder auf dieselbe allegorische Deutung des Ereignisses, sei es in Flugschriften, auf Flugblättern oder in Zeitungsmeldungen: Die Eroberung der Stadt wird als Hochzeit dargestellt. Magdeburg repräsentiert die jungfräuliche Braut, der katholische Feldherr Tilly den Bräutigam. Es gab durchaus zahlreiche alternative Deutungen des Ereignisses, wie etwa das Bild von Magdeburg als feste Burg, eine Anspielung auf Luthers Kampflied, oder das Motiv vom Begräbnis der Stadt, das etwa in einer Flugschrift mit dem Titel „Bustum Virginis“ aufgegriffen wird.

Diese Deutungen blieben aber hinsichtlich ihres publizistischen Erfolges weit hinter der Deutung der Eroberung als Hochzeit zurück, sie wurden weit weniger rezipiert. Die Hochzeits-Allegorie setzte sich in der Berichterstattung durch und wurde immer wieder aufgegriffen oder in Form von Nachdrucken erweitert. Zahlreiche Flugblätter stellen das Motiv in ihrer Darstellung in den Mittelpunkt. Dem Motiv liegt die Sexualisierung der Eroberung einer Stadt zugrunde, was aus heutiger Sicht auf den ersten Blick merkwürdig anmuten mag. Tatsächlich aber lässt sich eine uralte Tradition dieses Motivs bis in die Antike zurückverfolgen. Ulinka Rublack führt in ihrem Aufsatz über die Bildfunktion des Weiblichen Beispiele für die Sexualisierung von eroberten Städten, Ländern oder Kontinenten an, wie etwa die Kriegszüge des altägyptischen Monarchen Sesostris, der in Städten, die sich ihm kampflos ergeben hatten, Säulen errichten ließ, in die er das Abbild weiblicher Genitalien einmeißeln ließ. Damit sollte offenbar die Feigheit und fehlende Wehrhaftigkeit der Stadtbewohner verspottet werden. „Das Endringen in die Stadt wird damit dem Eindringen in den weiblichen Körper analog gesetzt.“ Diese Erklärung ist als erster Hinweis festzuhalten, um die Eroberung Magdeburgs als sexualisiertes Hochzeitsmotiv verstehen zu können, greift jedoch zu kurz, um das Bild in seinem gesamten Bedeutungsspektrum zu erfassen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die Eroberung Magdeburgs 1631 als ein für die Zeitgenossen außergewöhnliches Medienereignis und definiert den Untersuchungsrahmen der vorliegenden Arbeit.

2. Symbolisch aufgeladene Erwartungshaltungen als Initiatoren des Medienereignisses: Das Kapitel analysiert, wie Magdeburg bereits im Vorfeld der Eroberung durch religiöse und symbolische Erwartungen als zentrale, unbezwingbare protestantische Bastion stilisiert wurde.

3. Zwischen Marienburg und Lucretia – katholische und protestantische Deutungen der Magdeburger Hochzeit: Hier wird die zentrale Hochzeitsallegorie untersucht, mit der beide Konfessionslager das Ereignis im Sinne ihrer eigenen Deutungshoheit instrumentalisierten.

5. Fazit: Das Fazit resümiert die publizistische Wandlungsfähigkeit der Ereignisdeutung und unterstreicht die Rolle der Eroberung als exemplarisches, frühes Medienereignis mit politischer Breitenwirkung.

6. Bibliographie: Das Verzeichnis listet sämtliche herangezogene Primär- und Sekundärquellen der Untersuchung auf.

Schlüsselwörter

Magdeburg, Dreißigjähriger Krieg, Medienereignis, Publizistik, Flugblätter, Flugschriften, Hochzeitsallegorie, Tilly, Pappenheim, Konfessionelle Deutung, Deutungshoheit, Propaganda, Magdeburger Jungfrau, Breitenfeld, Kriegsberichterstattung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die publizistische Reaktion auf die Eroberung und Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 und untersucht, wie dieses historische Ereignis in Flugschriften und Zeitungen medial verarbeitet wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentrale Themen sind die Rolle von Symbolik und Allegorien, der Kampf um die Deutungshoheit zwischen katholischen und protestantischen Lagern sowie die Wechselwirkungen zwischen militärischem Verlauf und publizistischer Darstellung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die publizistische Aufarbeitung des Ereignisses zu analysieren und aufzuzeigen, inwieweit die Eroberung durch spezifische Deutungsmuster zum ersten großen Medienereignis der Moderne stilisiert wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine sprach- und bildanalytische Methode, um die in den Primärquellen (Flugblättern, Flugschriften, Berichten) verwendeten Motive und deren politische Funktion zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Rolle von Erwartungshaltungen im Vorfeld, der intensiven Untersuchung der Hochzeitsallegorie als zentrales Deutungsmuster sowie der publizistischen Konstruktion der Rolle des Feldherrn Tilly.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlagworte sind die Magdeburger Jungfrau, die Hochzeitsallegorie, die Konfessionskonkurrenz, Propaganda im Dreißigjährigen Krieg und der Wandel der Berichterstattung durch militärische Ereignisse.

Wie unterschied sich die protestantische Deutung der Zerstörung von der katholischen Sichtweise?

Während die katholische Seite die Eroberung als „Hochzeit“ und religiöse Reinigung durch die Unterwerfung unter Maria stilisierte, interpretierte die protestantische Seite das Ereignis durch den Lucretia-Vergleich als standhaftes Heldenopfer, bei dem zwar der Körper geschändet, die Seele jedoch rein blieb.

Welche Rolle spielte der Feldherr Tilly in der zeitgenössischen Publizistik?

Tilly wurde von der protestantischen Publizistik gezielt vom gefürchteten Feldherrn zur Sündenbock-Witzfigur herabgestuft, insbesondere nach der militärischen Niederlage in der Schlacht von Breitenfeld, um die Schmach von Magdeburg als moralischen Sieg umzudeuten.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Eroberung Magdeburgs 1631 als Medienereignis. Publizistische Darstellung von Kriegsgeschehen im 17. Jahrhundert
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Deutsche Philologie)
Note
1,3
Autor
Maximilian Pössinger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
32
Katalognummer
V1005130
ISBN (eBook)
9783346391681
ISBN (Buch)
9783346391698
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Magdeburg 1631 Medien Zeitung Flugblatt Tilly Gustav Adolf Dreißigjähriger Krieg Eroberung Symbolik Publizistik Krieg Schlacht Medienereignis
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Maximilian Pössinger (Autor:in), 2018, Eroberung Magdeburgs 1631 als Medienereignis. Publizistische Darstellung von Kriegsgeschehen im 17. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1005130
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Leseprobe aus  32  Seiten
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