Frisch, Max - Stiller


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
7 Seiten

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Gliederung:

1. Direkter historischer Bezug der Handlung

2. Produktionsorientierte Bezüge

3. Thematik - Inhaltsangabe

4. Titel

5. Struktur / Komposition sowie Techniken der fiktionalen Gestaltung

6. Personen, Konstellation, Charakteristik, Konflikte

Direkter historischer Bezug der Handlung

Ein direkter Zusammenhang zwischen den Werk und den historischen Fakten ist nicht herzustellen. Jedoch können gewisse Kleinigkeiten durchaus begründet werden.

Der spanische Bürgerkrieg, eingeleitet durch den Putschversuch von General Francisko Franco am 17./18. Juli 1936, rief wegen des Widerstandes in vielen Teilen Spaniens die Achsenmächte Deutschland und Italien auf den Plan. Da Großbritannien und Frankreich eine Politik des Nichteinmischens vertraten, erhielt die rechtmäßige spanische Regierung nur von der Sowjetunion Unterstützung. Militärisch erlangten die von der Komintern (internationale kommunistische Org.) organisierten internationalen antifaschistischen Kampfverbände, die in Spanien unter sowjetischer Führung gegen die spanischen, deutschen und italienischen Verbände antraten, einen besonderen Ruf. In diesen Brigaden kämpften Freiwillige aus allen Ländern Europas (auch der Schweiz ) für die legale Regierung Spaniens.

Die nach der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches am einsetzende Entnazifizierung führte auch in anderen europäischen Ländern zu einem Zustrom in andere ideologische Richtungen. So erhielten auch die kommunistischen Parteien, zumal es sich hierbei um eine Siegermacht handelte, erheblich viele Sympathisanten. Mit Beginn aggressiver Aktionen seitens der Sowjetunion wie zum Beispiel die Berlin Blockade am oder die Niederschlagung des Arbeiteraufstandes in der DDR am 17.6.1951 kam es zu einer Distancierung und einer zunehmenden Anti - Haltung gegen den Kommunismus, was wiederum zum lückenlosen Aufklären jeglicher Zusammenhänge der Bevölkerung mit sowjetischen Terrorakten, wie zum Beispiel die öfters im Buch erwähnte ,,Smyrnow - Affäre", führte.

Produktionsorientierte Bezüge

Max Frisch wird am 15.05. in Zürich geboren. Nach einer gymnasialen Ausbildung und einem abgebrochenen Studium arbeitete er als Journalist (seit 1931 freier Mitarbeiter der Neuen Z ü rcher Zeitung) und Architekt. Er unternahm in der Zeit von 1951/1952 ausgedehnte Reisen durch Europa, Amerika und Mexiko, welche in vorliegendem Werk verarbeitet werden, indem er öfters in kleineren Geschichten für ihn wesentliche Ausschnitte seiner Reisen erzählt. Nach Auflösung seines Architekturbüros 1955 lebte er als freier Schriftsteller, unter anderem auch in New York, was er ebenfalls in einer Erinnerung aufgreift.

Thematik - Inhaltsangabe

In dem Roman ,,Stiller" geht es um die Selbsterkennung sowie Akzeptierung des eigenen Ichs. Der Inhalt, chronologisch gesehen, gliedert sich wie folgt:

Ludwig Anatol Stiller, ein junger Schweizer, kämpft als Freiwilliger im spanischen Bürgerkrieg gegen die Faschisten. Bei seiner Rückkehr lernt er die Ballettänzerin Julika kennen und heiratet sie ein Jahr später. Durch die sehr verschiedenen Charaktere kommt es in der Ehe zu ersten Spannungen und schließlich zur Krise. In dieser Zeit lernt Stiller Sybille, die Frau seines späteren Staatsanwaltes kennen. Nach anfänglichen Zärtlichkeiten kommt es zu einer Beziehung. Gleichzeitig schwindet in Folge einer Tuberkulose der Gesundheitszustand Julikas so stark, das sie zur Kur nach Davos muß. Durch die Beziehung Stillers mit Sybille und die räumliche Trennung von seiner Frau kommt es zu einer weiteren Entfremdung des Ehepaares. Da das Verhältnis mit Sybille jedoch nicht auf echter Liebe baut, kommt es auch hier zu Spannungen. Nach einen letzten Besuch bei seiner noch immer kranken Frau in Davos trennt sich Stiller von ihr wie auch von Sybille und zieht sich nach Amerika bez. Mexiko zurück. Seitdem gilt er als verschollen. Er kehrt nach 6 Jahren als James White zurück und wird nach einer Identifizierung unter Spionageverdacht verhaftet. Stiller bestreitet seine Identität und schreibt aus der Sicht Whites über sein Leben im Gefängnis. Berichte seiner früheren Freunde über seine Ehe mit Julika, seine Beziehung mit Sybille usw. protokolliert er, bestreitet aber nach wie vor Stiller zu sein. Nach einen Ortstermin in seinem früheren Atelier bekennt er sich jedoch zu seiner Identität. Nach seiner Freilassung zieht er mit seiner Frau an den Genfer See, wo er nach deren Tod sein restliches Leben verbringt.

Titel

Der Titel steht im direktem Zusammenhang zum Inhalt des Romans. Da dieser sich ausschließlich mit der Person und dem Umfeld Stillers beschäftigt, reit sich auch der Titel in diese Hierarchie mit ein.

Struktur / Komposition sowie Techniken der fiktionalen Gestaltung

Das Buch besteht aus zwei Teilen. Der erste, der den eigentlichen Inhalt des Buches ausmacht, beinhaltet die Aufzeichnungen Stillers im Gefängnis. Er besteht aus sieben Heften, in denen er seine Erlebnisse in Tagebuchform wiedergibt. Der zweite Teil ist der Nachwort des Staatsanwaltes, der Stillers Leben nach seiner Entlassung beschreibt.

Die Handlung wird nicht wie in der Inhaltsangabe chronologisch wiedergegeben sondern kommt erst in den Erzählungen Julikas, des Staatsanwaltes und den Ermittlungen des Rechtsanwaltes, die Stiller in den sieben Heften protokolliert, zum Ausdruck. Das anfangs durch die verweigerten Aussagen Whites sehr eingeschränkte Informationsspektrum wird im Laufe des Buches an verschiedenen Stellen immer weiter ausgebaut. Ähnlich einem Puzzle begreift der Leser mit fortschreitender Handlung die Zusammenhänge der einzelnen Passagen und erhält schließlich zum Schluß des Buches ein vollständiges Bild der Handlung.

Das gesamte Buch, sowohl die Aufzeichnungen Stillers als auch des Staatsanwaltes, sind in der Ich - Perspektive geschrieben. Dies hat, besonders im ersten Teil, einen für den Leser stark eingeschränkten Blickwinkel zur Folge. Doch gerade diese Form des Erzählers hat auch den Effekt, das der Leser sich automatisch mehr Gedanken macht. Man versucht von der ersten Seite des Buches an den unbekannten Faden weiter zu spinnen und Verbindungen zwischen den nur bruchstückhaft zu Tage kommenden Erlebnissen Stillers zu knüpfen. Im Laufe des Lesens werden so manche Theorien durch neue Puzzleteile zerstört oder auch bestätigt, was zu neuen Überlegungen veranlaßt. In dieser Form wird der Leser fast automatisch ein Teil des Buches, da er sich durch die gewählte Erzählperspektive in die Rolle Stillers hineinversetzen muß. Man könnte bei dieser Form des Romans also durchaus von ,,aktivem Lesen" sprechen.

Die Berichte Stillers in den sieben Heften sind untereinander noch einmal aufgesplittet. Die Beschreibung des gegenwärtigen Geschehens wechselt unmittelbar hintereinander mit Schilderungen seines früheren Lebens durch den ihm umgebenden Personen sowie erdachten Geschichten aus Whites vermeintlicher Vergangenheit. Auch dieser Wechsel von Gegenwart, Rückblenden und Geschichten ist keiner Systematik unterworfen sondern gliedert sich nach dem Tagebuch - Stil der Aufzeichnungen. Trotzdem ist eine grobe Tendenz erkennbar. Während im ersten Heft vorwiegend die Gegenwart, also das Leben im Gefängnis beschrieben wird, protokolliert er im zweiten Heft fast ausschließlich die Erzählung seiner Frau Julika. Weiterhin wird zum Beispiel im viertem Heft der Schwerpunkt auf die Berichte seines Staatsanwaltes gesetzt und im ähnlichen Stil in den anderen Heften.

Die Sprache ist infolge der doch ziemlich anspruchsvollen Struktur des Romans nicht zu einfach gehalten. Doch auch diesen Fakt kann man nicht allgemein betrachten. Während in den längeren Erzählungen, Geschichten und Protokollen der Satzbau oft verschachtelt vorliegt sowie die Wortwahl und damit die Ausdrucksweise einen durchaus hohen Anspruch hat, kommen die Sätze in den kurzen Berichten über eben Erlebtes fast stichwortartig und somit sehr einfach verständlich zum Vorschein. Die Zeitform ändert sich je nach Textteil von Präsens zu Präteritum.

Personen, Konstellation, Charakteristik, Konflikte

In der zentralen Position des Romans steht, wie der Titel schon sagt, die Person Stiller. Während seines Aufenthaltes im Gefängnis reihen sich nach und nach weitere Personen, sowohl aus seiner Vergangenheit als auch aus dem gegenwärtigem Geschehen um ihn. Die erste Person, die für ihn nachhaltig eine Rolle spielt, ist sein persönlicher Verteidiger, der Rechtsanwalt. Sein Verhältnis zu ihm ist von Anfang an etwas problematisch, da der Rechtsanwalt bei allen Gesprächen keinen Zweifel offen läßt, das White der gesuchte Stiller ist. Da dieser sich immer wieder energisch weigert, gestalten sich die Gespräche oft sehr schwierig. Während der Verteidiger Fakten hören will, antwortet ihm Stiller mit Berichten aus seiner vermeintlichen Heimat Amerika. So führen die Gespräche meist zu einen ergebnislosen Ende. Die Beziehung wird weiterhin dadurch belastet, daß der Rechtsanwalt Stillers ironischen gegen die Schweiz Bemerkungen nicht mit seiner Liebe bzw. mit seinen Stolz zu seinem Vaterland unter einen Hut bringt.

Der Gefängniswärter spielt ebenfalls eine nicht zu verachtende Rolle. Er ist der einzige, der voll und ganz (zumindest am Anfang) von Mr. Whites Identität überzeugt ist. Über dies hinaus interessiert er sich für dessen Vergangenheit. Stiller überhäuft ihn so mit abenteuerlichen Geschichten, vorwiegend über Morde. Da der Wärter alles, aber auch alles glaubt, gibt dies Stiller ein gewisses Gefühl von Bestätigung, die er zunächst bei sonst niemand findet.

Mit der Gegenüberstellung zu seiner Frau Julika tritt eine weiter wichtige Person auf. Trotz ihrer Überzeugung, das sie ihren Mann wiedergefunden hat, geht sie diese Problematik schonender an als der Rechtsanwalt. Die an vielen Stellen erwähnte Liebe zu Stiller zeigt sich auch hier, nach sechs Jahren alleingelassensein von ihren Mann. Im Laufe des Buches belästigt sie ihn nicht mit drängelnden Fragen, sondern versucht lediglich, ihn durch gemeinsame Ausflüge und Gespräche an ihre gemeinsame Vergangenheit zu erinnern. Diese Vorgehensweise verschafft ihr von ersten Augenblick an eine besondere Stellung bei Stiller. Als letzte wichtige Person im Roman tritt der Staatsanwalt auf. Nach anfänglicher Skepsis kommt Stiller zu der Überzeugung, daß er sich mit seinem Ankläger weitaus besser versteht als mit seinem Verteidiger. Da sich der Staatsanwalt auch seinerseits öffnet und vor allem über Stillers Verhältnis mit seiner Frau Sybille berichtet, fühlt sich dieser fast als Seelsorger und es führt dazu, das er sich mehr und mehr mit der Persönlichkeit Stillers, also seiner Persönlichkeit, auseinandersetzt.

Da er die zentrale Figur in diesen Roman darstellt, ja eigentlich den ganzen Inhalt des Buches ausmacht, sind seine charakterlichen Züge von großer Bedeutung.

Schon mit dem ersten Satz des Buches ,,Ich bin nicht Stiller !" läßt sich eine gewisse Sturheit vermuten. Dieser Verdacht bestätigt sich in der Tatsache, das er am Anfang keine Aussage ohne Whisky machen will. Durch diese Überzeugung läßt sich der Leser dazu verleiten, an Whites Identität zu glauben. Im ganzen gesehen deutet dieses überzeugt sein von sich selbst nur auf den Wunsch hin, auf keinen Fall mit seiner eigentlichen Persönlichkeit verwechselt zu werden. Die Gespräche mit dem Wärter geben ihm in der Weise recht, da er beständig an Whites Existenz glaubt. In den erzählten Geschichten zeigt sich, das Stiller eine blühende Phantasie besitzt. Gleichzeitig spiegelt sich aber auch darin sein Charakter wieder. Ein Beispiel: auf der einen Seite schwärmt er von der menschenleeren Wüste, in der er, nur mit sich selbst allein, sich richtig wohl fühlt. Auf der anderen Seite erzählt er die Geschichte von der heldenhaften Entdeckung und Erforschung einer Höhle, in der er in einen Überlebenskampf seinen Freund tötet und später als großer Held auf einer Steinplatte verewigt wird. Hierin erkennt man seine Unzufriedenheit mit sich selbst, er möchte sich am liebsten vor den Herausvorderungen der Welt verstecken oder aber die Qualitäten eines ,,echten Mannes" haben. Bei den Gesprächen mit seiner Frau Julika beschäftigt er sich erstmals mit seiner eigentlichen

Persönlichkeit. In seinen ersten Ausflügen mit ihr ( in der Gegenwart ) verliebt er sich nach eigenen Angaben in diese ihm unbekannte Frau. Bei einer Unterhaltung, in dem er ihr seine Liebe gesteht, jedoch nur eine Reaktion des Wiedererkennens von Stillers Persönlichkeit von Julika erntet, spricht er wie folgt: ,, ..., und jede Handlung, die mir jemals einfallen mag, ist schon im Voraus gedeutet, meinem augenblicklichem Wesen entfremdet, indem sie in jedem Fall nur als eine [...] Handlung des verschollenen Stillers erscheinen wird , nie als die meine. Nie als die meine!". In diesem Zitat wird dem aufmerksamen Leser zum ersten mal deutlich, daß es sich bei White dazächlich um den verschollenen Stiller handelt, da ihn in Wirklichkeit sein eigentlicher Charakter abstößt.

In den Protokollen findet man immer wieder zum Teil harte Kritiken an ,,diesen Stiller" und er hält sich im übertriebenen Maße auf Julikas Seite. Dieses Verhalten macht einmal mehr deutlich, das er mit seiner eigentlichen Identität nichts zu tun haben will. Gründe dafür sind zum Beispiel die oft erwähnte Geschichte mit dem russischen Gewehr. Seine durchaus gerechtfertigte Entscheidung, nicht auf einen anderen Menschen zu schießen, betrachtet er als eine ,,Tat eines Feiglings". Stiller glaubt, es würde mehr von ihm erwartet. In diesem Sinne besitzt Stiller eine große Willensstärke, nämlich die eigenen Schwächen (in der Geschichte nicht einmal eine Schwäche) auf keinen Fall zu akzeptieren. Nun fand er in Julika eine Frau, die ihn so liebte, wie er ist. Doch zu akzeptieren, das er vollständig geliebt wird, bedeutete ja gleichzeitig, sich selbst anzuerkennen. Deshalb blieb er immer der Überzeugung, er würde den Frauen nicht genügen. Dies machte automatisch seine Beziehung mit Julika sehr schwierig. Er ist ebenfalls ein ausgesprochener Moralist. So versucht er zum Beispiel in seiner Ehe allen Ansprüchen der Gesellschaft gerecht zu werden, also perfekt zu sein, was ihn selber nur noch mehr Last aufbürdet. In dieser Weise besitzt er aber auch einen gewissen Charme: Da er fast immer versucht, einer offenen Konfrontation aus dem Weg zu gehen und den Frauen mit Nachsicht gegenübertritt, fühlen diese sich bei ihm verstanden. Dies macht ihm im groben den Umgang mit Frauen viel leichter als mit Männern, was auf einen femininen Charakter schließen läßt. Für diese Eigenschaft spricht auch, das im ganzen Buch seine einzige Beziehung zu einem Mann in der Freundschaft zu seinem Staatsanwalt besteht, der ihm ja auch seinerseits Gefühle und Schwächen offenbart. Seinen Beziehungen zu Frauen sind aber, wie oben schon erwähnt, in soweit Grenzen gesetzt, das, wenn er mit seinen ,,Charme" nicht mehr weiter kommt, in inneren Schwermut fällt.

Der schon geschilderte innere Konflikt mit sich selbst steigert sich gegen Ende des Buches bis zu einem Selbstmordversuch, der aber mißlingt. Durch dieses einschneidende Erlebnis wandelt sich Stillers Charakter von Grund auf. Er lernt, sich selbst mit allen Stärken und Schwächen in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart zu akzeptieren und darf in seinem weiteren Zukunft ein für ihn völlig neues Leben beginnnen.

Quellenangabe:

Originaltext (Frisch, Max; Stiller; Suhrkamp Taschenbuch) Lexikon Microsoft Encarta 98

Diese Arbeit wurde selbständig angefertigt.

7 von 7 Seiten

Details

Titel
Frisch, Max - Stiller
Autor
Jahr
2001
Seiten
7
Katalognummer
V100515
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frisch, Stiller
Arbeit zitieren
Frank Bergmann (Autor), 2001, Frisch, Max - Stiller, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100515

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