Zu: "M - eine Stadt sucht einen Mörder" von Fritz Lang


Seminararbeit, 2001

15 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung
0.1 Ziele und Themen des Seminars
0.2 Kombination von Theater und Medien
0.3 Vorgehensweise

1. Der Film
1.1 Historischer Kontext
1.2 Zusammenfassung des Inhalts

2. Szenenanalyse und Rezeptionsprotokoll
2.1 Szene 1: „Elsie“
2.2 Szene 2: „Verhalten der Bevölkerung“
2.3 Szene 3: „Schlußszene“

3. Auseinandersetzung mit der Literatur
3.1 Die Charakterisierung des Mörders
3.2 Die Modellvorstellung vom Publikum
3.3 Der Ton als dramaturgisches Stilmittel

4. Gemeinsamkeiten der drei Filme

5. Persönliches Filmerlebnis

6. Bibliographie

0. Einleitung

0.1 Ziele und Themen

Der Praxis-Grundkurs „Dramen-, Aufführungs- und Filmanalyse“ aus dem Bereich der angewandten Theater- und Medienwissenschaft hat es zum Ziel, die Analyse des Kunstwerks Aufführung bzw. Film zu lehren. Dabei werden Inszenierungen von Theaterstücken und Filmen an Hand ausgewählter Sekundärliteratur und anderen Materialien untersucht, analysiert und in anschließender Diskussion besprochen.

Folgende Themen standen im Sommersemester 2001 zur Auswahl:

1. Elke Platz-Waury: Drama und Theater. Eine Einführung. Tübingen: 1992 (3.Aufl.) Inszenierung: Leander Haußmann, Shakespeare, Romeo und Julia (München 1993).

2. Ulrike Stephan: Text und Szene. Probleme und Methoden aufführungsbezogener Dramenanalyse. München: 1982

Inszenierung: Fritz Kortner, Georg Büchner, Leonce und Lena (München 1964).

3. Ulrich Suerbaum: Shakespeares Dramen. München 1996

Inszenierung: Max Reinhardt, Shakespeare, Ein Sommernachtstraum (1935).

4. Guido Hiß: Der theatralische Blick. Einführung in die Aufführungsanalyse. Berlin: 1993 Inszenierung: Peter Stein, Goethe, Torquato Tasso (Bremen 1969).

5. Franz Wille: Abduktive Erklärungsnetze. Zur Theorie theaterwissenschaftlicher Aufführungsanalyse. Berlin: 1991

Inszenierung: Claus Peymann, Thomas Bernhard, Der Theatermacher (Wien 1990).

6. Siegfried Kracauer: Von Caligari bis Hitler. Eine psychologische Geschichte des deutschen Films. Frankfurt: 1984

Film: Fritz Lang, M – eine Stadt sucht einen Mörder (D 1931).

7. Elisabeth Bronfen: Heimweh. Illusionsspiele in Hollywood. Berlin: 1999

Film: Josef von Sternberg , Der blaue Engel (D 1930).

8. Peter Wuss: Die Tiefenstruktur des Filmkunstwerks. Berlin: 1986

Film: Milos Forman, Einer flog über das Kuckucksnest (USA 1976).

(vgl. kommentiertes Vorlesungsverzeichnis, Sommersemester 2001, S. 5/6)

0.2 Kombination von Theater und Medien

Obwohl es sich hier um die beiden verschiedenen Bereiche Drama und Film handelt, kann die angegebene Literatur zum Teil durchaus nützlich sein für die Analyse des jeweilig anderen Gebiets. Da es sich hier bei den meisten Werken in der Dramenanalyse um Einführungen handelt, erweisen sich diese auch als brauchbar für die Analyse eines Filmkunstwerks. Zum Beispiel die Theorie von Franz Wille „Abduktive Erklärungsnetze“ kann bei der Analyse eines Drehbuchs hilfreich sein.

Gerade diese Kombination des theatralen und medialen Bereichs ist es, die diese Seminar sehr interessant macht und für eine abwechslungsreiche Gestaltung der verschiedenen Themen und Vorträge sorgt.

0.3 Vorgehensweise

Im Folgenden gebe ich eine knappe Übersicht über meine Vorgehensweise in dieser Arbeit.

Zuerst werde ich den Film in seinem historischen Kontext vorstellen und in einem kurzen Abriß den Inhalt wiedergeben. Anschließend analysiere ich einzelne Filmsequenzen, welche mir als besondere Schlüsselszenen aufgefallen sind. Für jede dieser insgesamt drei Szenen habe ich ein entsprechendes Rezeptionsprotokoll erstellt, das in meine Analyse mit einbezogen wird. In einem weiteren Schritt stelle ich die Literatur Siegfried Kracauers vor. Diese diskutiere und vergleiche ich mit meinen eigenen Hypothesen und Gedanken, wobei ich einen Schwerpunkt auf das Element des Tons setze. Zum Schluß erarbeite ich die Gemeinsamkeiten und Zusammenhänge der drei im Seminar behandelten Filme.

Als Ausblick und zugleich als Resümee, möchte ich in einer Zusammenfassung mein persönliches Filmerlebnis wiedergeben.

1. Der Film

1.1 Historischer Kontext

Zu Beginn des Seminars entschied ich mich für den Film „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ von Fritz Lang. Da ich möglichst unbefangen an die Arbeit herangehen wollte, wählte ich den Film aus, den ich noch nicht kannte.

Der 1931 erstmals aufgeführte Film läßt sich historisch in die präfaschistische Zeit (1930 – 1933) einordnen. Diese ist geprägt von der Weltwirtschaftskrise – ausgelöst durch den Börsenkrach vom Oktober 1929 - und den daraus resultierenden Folgen. Massenarbeitslosigkeit und Armut bestimmen den Alltag in Deutschland. Es kommt zur Durchführung zahlreicher reaktionärer Notverordnungen zur Stützung der bürgerlich/sozial–demokratischen Regierungskoalition, zur Verbreitung des Antikapitalismus und zu zunehmender Korruption. Die Reichstagswahlen von 1930 zeigen einen enormen Wählerzuwachs der NSDAP an.

Der Film „ M “ ist durchaus zu lesen als Kommentar zur psychologischen und geschichtlichen Situation dieser Zeit.

Fritz Lang suchte zu Beginn der 30er Jahre einen Neuanfang mit „M“, ein Werk, das tiefer gehen sollte als seine Vorläufer wie „Metropolis“ oder „Die Frau im Mond“ und diese tatsächlich noch an Virtuosität übertrifft. Nicht nur mit der Wahl des für ihn neuartigen Genres des Kriminalfilms, sondern auch mit dem Schritt vom Stummfilm auf seinen ersten Tonfilm, betrat Fritz Lang Neuland. Gerade der bewußte Einsatz des Tons als dramaturgisches Mittel, der gelungene Schnitt und der Szenenwechsel zwischen der Unterwelt und der Polizei, zeichnen diesen Film besonders aus.

Während sich die amerikanische Filmindustrie zu jener Zeit bereits fast ausschließlich auf den Dialogfilm fixierte, entwickelten deutsche Regisseure, wie eben Fritz Lang oder auch Pabst eigene dramaturgische Einfälle, um die Führungsrolle des Visuellen auch im Tonfilm zu erhalten.

1.2 Zusammenfassung des Inhalts

Der Film handelt von einem psychopathischen Kindermörder (gespielt von Peter Lorre), der ganz Berlin in Angst und Schrecken und in einen Zustand der Massenhysterie versetzt.

„M“ beginnt mit dem Verschwinden des Schulmädchens Elsie, welche später ermordet aufgefunden wird. Da diesem Verbrechen schon ähnliche vorausgegangen sind wird sowohl die Polizei Berlins, als auch die Verbrecher der Stadt aktiv. Letztere fühlen sich durch die verstärkten Kontrollen der Polizei in der Abwicklung ihrer illegalen Geschäfte gestört.

Die Verbrecher organisieren die Bettler der Stadt zu einem Netz unauffälliger Beobachter und entlarven den Mörder mit Hilfe eines blinden Luftballonverkäufers. Dieser erkennt den Mörder auf Grund der von ihm des öfteren gepfiffenen Melodie wieder. Während die Polizei den Mörder als einen ehemaligen Insassen einer Irrenanstalt ausfindig macht, ergreift ihn die Verbrecherbande bereits, als sie gewaltsam in das Bürogebäude eindringen, in welchem der flüchtige Kindermörder Schutz gesucht hat.

Schließlich bringen ihn die Ganoven (angeführt von Gustaf Gründgens), in eine verlassene Fabrikhalle, um vor der versammelten Bevölkerung Gericht über den Mörder zu halten und ihn schließlich zum Tode zu verurteilen. In letzter Minute erscheint die Polizei, um die Lynchjustiz zu verhindern und ihn rechtmäßig den Behörden zu übergeben.

2. Szenenanalyse und Rezeptionsprotokoll

Im Folgenden gehe ich nun genauer auf einzelne Filmausschnitte ein, welche mir persönlich als besonders wichtig für die Analyse und die Gesamtbetrachtung des Werks erscheinen.

An Hand eines Rezeptionsprotokolls werde ich die jeweilige Schlüsselszene auf Assoziation, Handlung, Verbindung von Assoziation und Handlung und auf filmspezifische Mittel hin untersuchen. In Bezug darauf möchte ich erläutern, warum diese jeweilige Szene von mir als Schlüsselszene betrachtet wird, welche Wirkung sie auf mich hat und warum. Aus formalen Gründen befindet sich das entsprechende Rezeptionsprotokoll auf den anschließenden Seiten.

2.1 Szene 1: „Elsie“ (Rezeptionsprotokoll S. 9/10)

Ich wählte diese Szene aus dem Anfang des Films, da sie gleich zu Beginn wichtige Informationen für den Zuschauer liefert, nicht zuletzt die Vorstellung des Mörders. Die Kombination des Zeitungsplakats mit dem sprechenden Schatten eines Mannes macht offensichtlich, daß es sich bei dieser Person um den auf dem Plakat gesuchten Mörder handelt. Nicht nur die Thematik wird in dieser Szene klar gemacht, sondern es werden auch allgemeine Einblicke in das Leben jener Zeit gegeben.

Der Schauplatz wechselt zwischen dem Erleben Elsies, den Geschehnissen draußen auf der Straße und dem einsamen Warten der Mutter in ihrer Wohnung. Alleine über Wohnung gewinnt der Zuschauer Einblicke über die soziale Situation der Personen. Es scheint sich um einfache, bürgerliche Menschen zu handeln, wie man auf Grund der spärlichen Einrichtung und des Holzmobiliars erschließen kann. Auch die einfache Kleidung der Mutter läßt nicht an bessere Verhältnisse denken. Daß sie ganz alleine auf ihre Tochter wartet, legt nahe, daß es sich hier um eine Familie ohne Vater bzw. Ehemann zu handelt. Diese Frau wirkt auf mich so, als ob die einzige Freude in ihrem Leben, das einzige, was ihr wirklich lieb ist, ihre Tochter Elsie sei. Doch als gerade diese an jenem Tag nicht von der Schule nach Hause kommt, weiß sie nicht was zu tun ist. Sie wirkt hilflos und macht einen unselbstständigen Eindruck, was dem Frauenbild zu jener Zeit entsprechen könnte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Zu: "M - eine Stadt sucht einen Mörder" von Fritz Lang
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Theater- und Medienwissenschaften)
Veranstaltung
Proseminar
Autor
Jahr
2001
Seiten
15
Katalognummer
V10052
ISBN (eBook)
9783638166065
ISBN (Buch)
9783640932511
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schwerpunktthema: Der virtuose und innovative Einsatz des Tons von Fritz Lang. 148 KB
Schlagworte
M-eine Stadt sucht einen Mörder, Fritz Lang, Ton, Tonfilm, Filmanalyse
Arbeit zitieren
Magister Christiane Hagn (Autor), 2001, Zu: "M - eine Stadt sucht einen Mörder" von Fritz Lang, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10052

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