Traum und Traumdeutung


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

5 Seiten, Note: 1


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Traum und Traumdeutung

Was ist Schlaf?

Das Bedürfnis nach Schlaf, der Drang, unsere normale Tätigkeit für ein volles Drittel jedes Tages niederzulegen, ist sehr stark. Wenn dies nicht so wäre, hätten sich die Tiere durch die natürliche Selektion inzwischen schon davon befreit, denn selbst bei leichtem Schlaf sind sie in dieser Zeit besonders gefährdet durch Angriffe von Feinden. Aber der Schlaf hält an fast allem, was sich bewegt, eisern fest. Und für alle gibt es ein gemeinsames Schlafmuster.

Der normale Schlaf folgt bei allen Menschen demselben Muster. Es hängt weder vom Klima noch vom Ort ab. Weder Körper noch Seele sind in den Stunden des Schlafes tatsächlich bewusstlos. Gewiss sind Teile unseres Körpers entspannt, wie jeder weiß, der schon einmal versucht hat, einen schlafenden Menschen zu heben. Dennoch ändern wir im Schlaf von Zeit zu Zeit unsere Lage. Bestimmte Muskeln bleiben gespannt, und diejenigen der Augen und Lider halten die Augen geschlossen. Im großen und ganzen beschränkt sich die Muskeltätigkeit jedoch auf etwa 30 Sekunden jeder im Schlaf verbrachten Stunde. Der Schlafzyklus scheint durch den sogenannten zirkadischen Rhythmus reguliert zu werden, die biologischen Vorgänge, die in Abständen von rund 24 Stunden regelmäßig wiederkehren. Es gibt vier Stufen des Schlafs:

- Stufe eins: Auf dieser Stufe ist der Schlaf am leichtesten. Wir dösen ein, unsere Muskeln entspannen sich, der Herzschlag wird langsamer. Im Laufe eines Nachtschlafs kehren wir mehrmals auf diese Stufe zurück und tauchen immer länger aus den tieferen Schlafstufen auf.

- Stufe zwei: Sie beginnt recht bald nach dem Einschlafen. Rasch nähern wir uns dem wirklich tiefen Schlaf von Stufe vier. Schlafwandeln und -sprechen treten oft auf dieser Stufe auf.

- Stufe drei: Im wachen Zustand werden nur 60 Volt starke elektrische Impulse gemessen, auf Schlafstufe drei jedoch 300 Volt. Jetzt muss man sich schon sehr anstrengen ,um uns aufzuwecken. Wir atmen langsam und regelmäßig, unser Herzschlag hat sich verlangsamt, unsere Temperatur ist gesunken.

- Stufe vier: Jetzt ist der Schlaf am tiefsten. Im ersten Schlafzyklus der Nacht bleiben wir ziemlich lange auf dieser Stufe. Dann schwenken wir zurück auf Stufe eins, die in diesem und den folgenden Schlafzyklen von raschen Augenbewegungen (REM = Rapid Eye Movement) und oft lebhaften Träumen begleitet wird

Was ist der Traum?

Subjektiv betrachtet ist das Wesen des Schlafes geheimnisvoll, und Träume sind sogar ein noch größeres Geheimnis. Es gibt sie, wir alle kennen sie, aber kein Mensch kann den Traum eines anderen sehen. Es ist, als seien alle unsere Leitungen zu Wirklichkeit abgeschnitten, als beträten wir eine Welt, in der es weder Zeit noch Raum gibt: Wir können wieder jung sein, wir können in der Vergangenheit oder Zukunft leben oder irgendwo anders, wo keine von beiden regiert, wir können durch eine Tür in London schreiten und in Indien oder Australien wieder herauskommen oder auch an einem völlig unbekannten Ort.

Viele Träume führen uns in das Land der Märchen, wo sich ein Stein in einen Kuchen verwandelt, eine Mutter in eine böse Hexe und unser schlimmster Feind in unseren Retter. Die Verbindung zwischen Märchen und Träumen wurden von Forschern aufgespürt; beide gestatten Einblick in die Funktionsweise des Unbewussten mit seiner Sprache aus Symbolen und Verwandlungen, beide kennen keine Logik, und beide haben eine geheimnisvolle "subjektive Wirklichkeit".

Alle Menschen träumen. Ein normaler Nachtschlaf enthält stets nicht nur eine sondern mehrere Traumperioden. Das haben Experimente zweifelsfrei bewiesen. Einige Menschen vergessen jeden Traum und behaupten, sie träumen nie. Andere behalten ihre Träume fast ganz, doch die meisten erinnern sich an ein paar Bruchstücke und Träumen nur hin und wieder einen Traum, der in allen Einzelheiten haften bleibt und ihnen aus irgend einem Grund besonders eindrucksvoll, besonders wichtig erscheint.

Der Glaube an das Gewicht der Träume hat die Zeiten, da man sie für Botschaften der Götter hielt weit überlebt. Das Werk Freuds, Jungs und anderer hat die Traumdeutung zu einem wichtigen Bestandteil der Psychotherapie erhoben und unsere Einsicht in das Unbewusste vertieft. Seit etwa 35 Jahren wird eifrig in Traumlaboratorien experimentiert. Es wird wissenschaftlich untersucht, ob die schlafenden Versuchspersonen träumen, und wenn, wie häufig und was. Dauer und Art der Träume werden mit physischen und physiologischen Vorgängen, die beim Schlafen und Träumen auftreten verglichen. Die Versuche auf diesem Gebiet weisen neue Wege der Traumdeutung.

Es war im Jahr 1900, als der Psychologe Sigmund Freud (1856 - 1931) sein Werk "Die Traumdeutung" veröffentlichte. Darin behauptet er, Träume seien keinesfalls zufällige, vielleicht sogar durch äußere Reize ausgelöste Irrungen, sonder im Gegenteil äußerst wichtige Offenbarungen unseres Innenlebens - verschleierte Erfüllungen der manchmal geheimsten Wünsche, die er sich im wachen Zustand oftmals nicht eingestand. Gewiss gab es da eine Art Gerüst aus wirren und möglicherweise sinnlosen Bildern (die er den manifesten Inhalt des Traumes nannte), aber dieses Gerüst stützte "Traumgedanken" - den latenten Inhalt - , die völlig logisch waren und bei einer Psychoanalyse interpretiert werden konnten. Freud zufolge vereinigten Träume zwei Funktionen: Sie erlaubten, dass verlorene Wünsche in verschleierter Form ausgedrückt wurden, und indem sie wahre Natur dieser Wünsche eingestanden, ließen sie den Schäfer oder Träumer ungestört weiterschlafen. Der Traum, sagte Freud, ist der Wächter der Schlafes.

Die Frage, die man sich Freud zufolge über einen Traum stellen muss, lautet: "Warum habe ich ihn geträumt?" Wenn das so einfach wäre, dann brauchte man natürlich kein Geheimnis mehr zu entschleiern. Aber in Wahrheit sei es doch wohl so, meinte Freud, dass wir alle einen Zensor hätten ,der in unserem aller Innersten sitze und es uns verbiete, über einige unserer tiefsten Gefühle und Neigungen nachzudenken, oder sie uns einzugestehen. Dieser Zensor, sagte er, verbiete es solch intime Gedanken, in unser Bewusstsein vorzudringen, es sei denn, sie wären so verschleiert, dass ihre wahre Bedeutung nicht zu erkennen sei. Oft würden "unwahre" Gedanken durchgelassen, während "wahre" unbewusst blieben.

Aber es sei gewiss der Mühe wert, die Wahrheit unter dem Schleier des Traumes zu suchen, denn während wir schlafen, meinte Freud, sei unser Bewusstsein so entspannt, dass es Träume erlaube, die mehr über unser wahres Wesen verrieten, als jeder bewusste Gedanke. Die Schwierigkeit beim Deuten unserer Träume liegt natürlich darin ,dass wir unser eigener Zensor sind, und je eifriger wir versuchen, die wahre Bedeutung unsere Träume zu finden ,um so stärker versucht die Zensur, dies zu verhindern; sie lässt uns wichtige Teile unserer Träume vergessen, oder sie lässt sie immer sinnloser oder lächerlicher erscheinen. Freud behauptete, bei einer Analyse könne herausgebracht werden, dass jeder Teil eines Traumes in irgendeinem Sinn wahr sei. Wenn er mit einem Patienten auf seiner Couch sprach suchte er sich zuerst eine besonders auffällige Episode aus einem Traum aus, und begann dann, den Träumer danach auszufragen, indem er ihn aufforderte, darüber zu reden, wie es gerade kam, das heißt, ohne verzweifelt zu versuchen, ihr irgend einen Sinn zu geben. Er glaubte, die wahre Bedeutung des Traumes würde sich herausstellen, währen der Patient jeden Teil davon allmählich immer mehr mögliche Bedeutung zuschrieb.

Wie seine anderen Schriften, löste auf Freuds Werk über Träume Kritik aus. Aber sein Wert war unbestritten ,und wir daher noch erhöht, dass seit seiner Veröffentlichung fast jedes andere Werk über Träume gebraucht davon machte und in gewissem Grad davon inspiriert wurde. Man kann mit ruhigem Gewissen sagen, dass heute fast jeder, der auf diesem Gebiet arbeitet, einen Aspekt daraus ablehnt, nämlich Freuds Überzeugung, dass bestimmte "Symbole" immer dasselbe bedeuten. So behauptet er zum Beispiel, dass "alle komplizierten Maschinen und Apparate in Träumen Genitalien bedeuten" oder "es besteht kein Zweifel, dass alle Waffen und Werkzeuge als Symbole für das männliche Glied verwendet werden." Solche Theorien wirken heute viel zu schablonenhaft, dies bedeutet allerdings nicht, dass sie sich in vielen Fällen als richtig erweisen können.

Carl Gustaf Jung: Ein weiterer großer Psychologe, dessen Werk über Träume nichts von seiner großer Bedeutung verloren hat, ist C. G. Jung. Mit 79 Jahren schrieb er, er habe viele Jahre "alljährlich etwa 2000 Träume sorgfältig analysiert" und dabei ein gewisses Maß an Erfahrung erworben.

Obwohl Jung ein Bewunderer und zeitweiliger Anhänger Freuds war, vertrat er trotzdem in mancher Hinsicht eine andere Meinung:

Ich habe Freud nie Recht geben können, dass der Traum eine Fassade sei, hinter der sich sein Sinn versteckte; ein Sinn, der schon gewusst ist, aber sozusagen boshafterweise dem Bewusstsein vorenthalten werde. Für mich sind Träume Natur, der keine Täuschungsabsicht innewohnt, sondern die etwas aussagt, so gut sie eben kann - wie eine Pflanze, die wächst, oder ein Tier, das seine Nahrung sucht, so gut sie eben können.

Jung war der Ansicht, dass es innerhalb der normalen Ebene des menschlichen Bewusstseins eine weitere Schicht liegt, nämlich die unseres "Unbewussten", und dass sich darunter eine noch tiefere Schicht befindet, "die Welt des primitiven Menschen in uns selbst". Diese tiefste Ebene unseres Bewusstseins ist allen Männern und Frauen aller Rassen, Konfessionen und Kulturen gemein - dass "kollektive Unterbewusste", das eine so große Rolle in seiner psychologischen Theorie spielen sollte.

Jung war in seiner Traumdeutung viel zurückhaltender als Freud. Er war sich der Schwierigkeit bewusst und hob sie sogar hervor: "Ich habe keine Traumtheorie" schrieb er einmal vielleicht nicht ganz aufrichtig.

"Große Träume", die "größten", "bedeutungsvollsten" kämen aus der tiefen Schicht des kollektiven unbewussten. "Große Träume" stecken voller Symbole. Man träumt sie gewöhnlich, wenn man noch sehr jung ist, in der Pubertät, wenn man vor den Krisen der mittleren Jahren steht oder kurz vor dem Tod.

5 von 5 Seiten

Details

Titel
Traum und Traumdeutung
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
5
Katalognummer
V100536
ISBN (eBook)
9783638989619
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Traum
Arbeit zitieren
Thomas Hector (Autor:in), 2000, Traum und Traumdeutung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100536

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