Peer-Viktimisierung und Soziale Phobien bei Kindern und Jugendlichen. Inwiefern beeinflussen Sie sich gegenseitig?


Hausarbeit, 2020

18 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 - Einleitung

2 - Peer-Viktimisierung
2.1 - Begriffsbestimmung Peer-Viktimisierung
2.2 - Mögliche Auswirkungen von Peer-Viktimisierung bei Kindern und Jugendlichen

3 - Soziale Phobien bei Kindern und Jugendlichen
3.1 - Begriffsbestimmung soziale Phobie
3.2 - Das kognitive Modell der sozialen Phobie nach Clark und Wells (1995)
3.3 - Mögliche Auswirkungen von sozialen Phobien bei Kindern und Jugendlichen

4 - Peer-Viktimisierung und soziale Phobien bei Kindern und Jugendlichen
4.1 - Soziale Phobie als Prädiktor für Peer-Viktimisierung bei Kindern und Jugendlichen
4.2 - Soziale Phobie als Folge von Peer-Viktimisierung bei Kindern und Jugendlichen

5 - Schlussbetrachtung und Fazit

Literaturverzeichnis

1 - Einleitung

Zugehörigkeit ist ein menschliches Grundbedürfnis. Sie gibt uns das Gefühl von Sicherheit und wurde schon in der Steinzeit von Menschen zur Sicherung des Überlebens genutzt (Beißert & Gutzwiller-Helfenfinger, 2019). Soziale Beziehungen mit Gleichaltrigen ermöglichen Kindern und Jugendlichen besonders wichtige soziale Erfahrungen, die in Beziehungen mit Erwachsenen nicht möglich sind (Beißert et al., 2019). Doch was ist, wenn diese Beziehungen nicht vorhanden sind? Was passiert mit Kindern und Jugendlichen, die von Gleichaltrigen regelmäßig ausgegrenzt werden oder selbst nicht in der Lage sind, positive Peer-Beziehungen zu pflegen?

Die soziale Phobie ist eine der häufigsten Formen der Angststörungen, die im Kindes- und Jugendalter auftreten, und kann weitreichende negative Folgen für die Betroffenen mit sich bringen. Sie macht es den Betroffenen oft kaum möglich, mit anderen Menschen zu interagieren und soziale Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. Wie beeinflussen diese Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion die psychosoziale Entwicklung und den hierarchischen Status in Peer-Beziehungen betroffener Kinder und Jugendlicher?

In dieser Arbeit wird die soziale Phobie in ihrem Zusammenhang mit der Peer-Vikti- misierung und deren Folgen im Hinblick auf die Frage „Inwiefern beeinflussen sich soziale Phobien und Peer-Viktimisierung bei Kindern und Jugendlichen gegenseitig?“ betrachtet.

Die Arbeit beginnt mit einer Klärung des Begriffs der Peer-Viktimisierung und den Auswirkungen, die diese möglicherweise im Kindes- und Jugendalter haben kann. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird der Begriff der sozialen Phobie geklärt und spezifische Faktoren, die zur Aufrechterhaltung sozialer Phobien beitragen anhand eines Modells erklärt. Außerdem werden die Auswirkungen, die diese Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen mit sich bringen können, aufgeführt.

Anschließend führt die Arbeit die beiden Begriffe zusammen und untersucht die gegenseitige Beeinflussung näher.

Mithilfe einer abschließenden Schlussbetrachtung und einem inbegriffenen Fazit wird die Fragestellung erneut aufgegriffen und fundiert beantwortet.

2 - Peer-Viktimisierung

In den folgenden Abschnitten werden der Begriff der Peer-Viktimisierung und die möglichen Auswirkungen regelmäßiger Erfahrung von Peer-Viktimisierung bei Kindern und Jugendlichen näher beleuchtet.

2.1 - Begriffsbestimmung Peer-Viktimisierung

Peer-Viktimisierung, oft auch als „Mobbing" oder „Ausgrenzung" bezeichnet, beschreibt die Viktimisierung einer Person oder einer Personengruppe durch andere, gleichaltrige Personen. Peer-Viktimisierung kann sowohl in offenen Formen - beispielsweise durch das Zufügen körperlicher Schädigung - als auch in verdeckten Formen - beispielweise durch Ablehnung, Rufschädigung oder Ausschluss einer Person - auftreten (Newman Kingery, Erdly, Marshall, Whitaker & Reuter, 2010), wobei indirekte Formen häufiger auftreten als direkte Formen. Beißert & Gutzwiller-Helfenfinger (2019) erwähnen zudem sogenannte relationale Formen von Peer-Viktimisierung, welche insbesondere auf die Schädigung der Beziehungen der viktimisierten Personen abzielen. Als zentrales Merkmal für die Unterscheidung von Peer-Viktimisierung und Konflikten führen sie ein bestehendes Machtungleichgewicht zwischen viktimi- sierenden und viktimisierten Personen an (Beißert et al., 2019). Besonders häufig findet Peer-Viktimisierung im Kontext der Schule statt. Dort lernen Kinder und Jugendliche in einem „hierarchischen Gefüge" (Beißert et al., 2019, S.2), welches im Gegensatz zu den Beziehungen zwischen Schüler*innen und Lehrer*innen auf Gleichwertigkeit basiert (Beißert et al., 2019).

2.2 - Mögliche Auswirkungen von Peer-Viktimisierung bei Kindern und Jugendlichen

Soziale Zugehörigkeit stellt für Menschen „einen wichtigen Aspekt für Wohlbefinden und Gesundheit" (Beißert et al., 2019, S.1) dar. Ist diese Zugehörigkeit nicht gegeben und werden Kinder und Jugendliche wiederholt von Gleichaltrigen zurückgewiesen, kann das sowohl kurz- als auch langfristige negative Folgen für die psychische und geistige Gesundheit dieser Personengruppe nach sich ziehen (Beißert et al., 2019). Newman Kingery, Erdley, Marshall, Whitaker und Reuter (2010) beziehen soziale Beziehungen auf die Befriedigung zwischenmenschlicher Bedürfnisse. Ein Ausbleiben dieser Befriedigung führt zu Gefühlen von Einsamkeit, Unsicherheit und Angst. Sie weisen außerdem auf den signifikanten Einfluss von Peer-Erfahrungen wie Akzeptanz, Freundschaften, Zurückweisung oder Viktimisierung auf das Risiko für Einsamkeit und Depression bei Jugendlichen hin (Newman Kingery et al., 2019). Als womöglich häufigste direkte Folge von Peer-Viktimisierung lässt sich hier der soziale Rückzug der Kinder und Jugendlichen innerhalb der Peer-Group nennen (Newman Kingery et al., 2010). Auch bereits bestehende psychische Probleme können durch Ausgrenzung von Peer-Groups verstärkt werden (Newman Kingery et al., 2010).

Betroffene befinden sich nicht selten in einem Zustand, der dem eines Teufelskreises nahekommt. Peer-Viktimisierung führt häufig zu sozialem Rückzug und zur Entwicklung von Defiziten in der Bildung und Pflege sozialer Beziehungen (Dempsey & Storch, 2008). Diese Beziehungen könnten hilfreich im Umgang mit Peer-Viktimisie- rung sein, ihr Fehlen hingegen erhöht das Risiko, von Gleichaltrigen abgelehnt und ausgegrenzt zu werden. Dies wird auch durch Beißert & Gutzwiller-Helfenfinger (2019) bestätigt, die Ausgrenzung und Isolation nicht nur als Teil von Peer-Viktimisierung, sondern auch als häufige Folge dieser nennen. Diesen Teufelskreis zu durchbrechen, stellt für Kinder und Jugendliche eine enorme Herausforderung dar, deren Bewältigung ihnen oft nicht oder nur schwer möglich ist.

Die Studie „Relational Victimization“ (2008) von Dempsey und Storch hat sich mit dem Zusammenhang von relationaler Peer-Viktimisierung im Jugendalter und späteren Symptomen von Depression, Einsamkeit und sozialen Ängsten im frühen Erwachsenenalter beschäftigt und geht somit auch auf langfristige Folgen von Peer-Viktimi- sierung ein. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass wiederholte relationale Vikti- misierung im Jugendalter mit depressiven Symptomen, Angst vor negativer Beurteilung durch andere und zunehmendem Vermeidungsverhalten von Situationen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Viktimisierung mit sich bringen können, zusammenhängen. Als Beispiele für solche langfristigen Folgen führen Beißert und Gutzwiller-Helfenfin- ger (2019) außerdem ein „erhöhtes Stressempfinden und Depressionsrisiko, größere Ängstlichkeit, schlechtere Leistungsfähigkeit oder verstärkte Aggressivität“ (Beißert & Gutzwiller-Helfenfinger, 2019, S.1) an.

Soziale Beziehungen in der Kindheit und Jugend legen den Grundstein für die sozialen Beziehungen und die mentale Gesundheit im Erwachsenenalter (Bagwell, Newcomb, & Bukowski, 1998, zitiert nach Newman Kingery et al., 2010).

Die für diese Arbeit bedeutendste Folge von Peer-Viktimisierung ist sicherlich die Erhöhung eines Risikos für das Auftreten sozialer Phobien bei betroffenen Personen. (Newman Kingery et al., 2010). Auf diesen Punkt wird im späteren Verlauf der Arbeit näher eingegangen.

3 - Soziale Phobien bei Kindern und Jugendlichen

Im folgenden Teil dieser Arbeit werden der Begriff der sozialen Phobie, das kognitive Modell nach Clark & Wells (1995) und die Auswirkungen einer sozialen Angststörung näher betrachtet.

3.1 - Begriffsbestimmung soziale Phobie

Eine soziale Phobie (auch: soziale Angststörung) ist ein Subtyp der klinisch relevanten Angststörungen, bei der Betroffene große Angst vor sozialer Interaktion oder Situationen, in denen sie bewertet werden könnten, haben.

Die DSM-IV unterscheidet zwei verschiedene Formen der sozialen Phobie:

1) Die nicht-generalisierte soziale Phobie, bei der Betroffene nur in einigen konkreten sozialen Situationen unter Angstsymptomen leiden
2) Die generalisierte soziale Phobie, bei der Betroffene in nahezu allen sozialen Situationen unter Angstsymptomen leiden (DSM-5, 2013).

Soziale Phobien zeigen sich in zwei verschiedenen Symptombereichen. Zum einen äußern sie sich in der Angst vor fremden Personen. Bei betroffenen Kindern und Jugendlichen tritt diese Angst und folglich „ängstlich vermeidendes Verhalten [...] so häufig und intensiv auf, dass sich schwer oder nur wenige soziale Beziehungen entwickeln können" (Lange, 2020, Folie 2). Dieser Symptombereich tritt häufig schon im frühen Kindesalter auf (Lange, 2020).

Der zweite Symptombereich bezieht sich auf die Angst vor Situationen, in denen Betroffene durch andere Menschen bewertet werden könnten. Sie haben Angst, sich vor anderen Menschen zu blamieren, „als schwach oder unzulänglich wahrgenommen zu werden" (Lange, 2020, Folie 2) oder sich nicht angemessen zu verhalten. Dieser Symptombereich festigt sich erst im späteren Alter (Lange, 2020).

Zentrales Merkmal für die Unterscheidung von Schüchternheit und klinisch relevanter sozialer Phobie sind Häufigkeit und Intensität der Ängste. Sind die Betroffenen durch die Ängste in ihrem familiären, schulischen und Freizeitaktivitäten stark eingeschränkt, überschreitet dies die Grenze von der Schüchternheit zur pathologischen Angst (Lange,2020).

Die Symptome einer sozialen Phobie äußern sich, wie andere Angstsymptome auch, auf drei verschiedenen Ebenen. Die erste Ebene ist die kognitive Ebene. Hier zeigen sich bei Betroffenen hauptsächlich negative Kognitionen, Gedanken an „Versagen, Blamage oder Peinlichkeit" (Stangier, Heidenreich, Peitz, 2009, S.6). Es bilden sich zwei Kernaspekte dieser Kognitionen heraus:

1) „Die Erwartung, mit eigenem Verhalten oder körperlichen Angstsymptomen die geltenden Bewertungsstandards nicht zu erfüllen" (Stangier et al., 2009, S.6)
2) Die Angst, „dass dies von anderen wahrgenommen und negativ bewertet wird" (Stangier et al., 2009, S.6)

Die zweite Ebene ist die der körperlichen Symptome. Besonders kennzeichnend für soziale Phobien sind auf dieser Ebene Symptome wie „Zittern, Schwitzen, Erröten" (Stangier et al., 2009, S.6), die von Betroffenen deutlich stärker wahrgenommen werden, als sie es objektiv betrachtet sind. Sozialphobiker befürchten, andere könnten diese Symptome bemerken und sie anhand dessen negativ bewerten (Stangier et al., 2009).

Auch auf der verhaltensbezogenen Ebene äußern sich die Symptome einer sozialen Phobie. Am häufigsten tritt hier Vermeidungs- und sogenanntes Sicherheitsverhalten auf, welches von Betroffenen zur Vermeidung der „vermeintlichen Blamage" (Stangier et al., 2009, S.8) genutzt wird.

Auslösende Situationen für die Symptome einer sozialen Phobie sind einerseits „Leistungssituationen" (Stangier et al., 2009, S.9), in denen betroffene Personen Leistungen erbringen und für diese bewertet werden könnten und „Interaktionssituationen" (Stangier et al., 2009, S.9), in denen sie mit anderen Personen interagieren müssen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Peer-Viktimisierung und Soziale Phobien bei Kindern und Jugendlichen. Inwiefern beeinflussen Sie sich gegenseitig?
Hochschule
Technische Universität Dortmund  (FAK Rehabilitationswissenschaften)
Note
1,3
Jahr
2020
Seiten
18
Katalognummer
V1005486
ISBN (eBook)
9783346384935
ISBN (Buch)
9783346384942
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Phobien, Peer-Viktimisierung, Mobbing
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Peer-Viktimisierung und Soziale Phobien bei Kindern und Jugendlichen. Inwiefern beeinflussen Sie sich gegenseitig?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1005486

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Peer-Viktimisierung und Soziale Phobien bei Kindern und Jugendlichen. Inwiefern beeinflussen Sie sich gegenseitig?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden