Das Konzept "Mathe-Flip" wird in der vorliegenden Hausarbeit einer genaueren Betrachtung unterzogen und folgende Frage beantwortet: Inwiefern genügt das Unterrichtskonzept "Mathe-Flip" den Ansprüchen eines inklusiven Mathematikunterrichts unter besonderer Berücksichtigung der natürlichen Differenzierung? Im ersten Teil der Arbeit wird das Unterrichtskonzept genauer beschrieben und die drei zur Analyse stehenden Aufgaben vorgestellt. Dabei werden auch die Erläuterungen der Erstellerinnen selbst mit einbezogen, um auch diese mithilfe der Ergebnisse der Hausarbeit zu überprüfen. Der nächste Abschnitt beschäftigt sich mit der genaueren Definition eines inklusiven Mathematikunterrichts, wobei besonders die Rolle der natürlichen Differenzierung dargelegt wird und ihre Merkmale und Kriterien erläutert werden. Danach werden die vorgestellten Aufgaben anhand dieser Merkmale und Kriterien analysiert und auf ihre Tauglichkeit hinsichtlich eines inklusiven Mathematikunterrichts überprüft. Dabei werden die Bedürfnisse von Schüler:innen mit einem FSP Lernen besonders mit einbezogen. Die Ergebnisse dieses Abschnitts werden im Fazit noch einmal pointiert zusammengefasst und
ein abschließendes Resümee hinsichtlich der anfänglichen Fragestellung gezogen.
Inklusion ist ein Thema, mit dem sich alle Studierende in der Lehramtsausbildung beschäftigen müssen – zu Recht, im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Beschulung aller, auch sog. Inklusionskinder, ist im 9. Schuländerungsgesetz verankert. Die Heterogenität von Lerngruppen ist heutzutage stärker als je zuvor. Gleichzeitig gilt der Anspruch jedem Kind die Möglichkeit zu bieten, sich und seine Kompetenzen bestmöglich zu entwickeln und gemeinsam mit und von anderen zu lernen. Jedes Konzept, das für eben jenen inklusiven Unterricht und hier im Speziellen den inklusiven Mathematikunterricht erstellt wurde, sollte diesen Ansprüchen genügen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorstellung des Konzeptes „Mathe‐Flip“ und des Materials
3. Natürliche Differenzierung im inklusiven Mathematikunterricht
3.1 Inklusion und inklusiver Unterricht nach UN‐BRK und KMK
3.2 Natürliche Differenzierung
3.2.1 Der gemeinsame Gegenstand
3.2.2 Offenheit
3.2.3 Komplexität
3.2.4 Kooperatives Lernen
4. Analyse des Materials
4.1 Mit einem Blick
4.2 Flip räumt auf
4.3 Meine Lieblingszahl
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Unterrichtskonzept „Mathe-Flip“ hinsichtlich seiner Eignung für einen inklusiven Mathematikunterricht, wobei der Fokus insbesondere auf dem Prinzip der natürlichen Differenzierung liegt. Es wird analysiert, inwieweit das bereitgestellte Material den Anforderungen an Offenheit, Komplexität und kooperatives Lernen gerecht wird und welche Potenziale für die Förderung von Schüler:innen, insbesondere im Förderschwerpunkt Lernen, bestehen.
- Grundlagen des inklusiven Mathematikunterrichts
- Konzept der natürlichen Differenzierung
- Analyse und Bewertung ausgewählter „Mathe-Flip“-Aufgaben
- Möglichkeiten der Optimierung von Unterrichtsmaterialien
- Berücksichtigung von Schüler:innen mit dem Förderschwerpunkt Lernen
Auszug aus dem Buch
4.3 Meine Lieblingszahl
Aus der Entdecker-Zeit des Unterrichtskonzeptes Mathe-Flip wird im Folgenden die Aufgabe „Meine Lieblingszahl“ genauer analysiert (Anhang 4). Hierbei handelt es sich um eine komplette Unterrichtssequenz, die über mehrere Unterrichtsstunden bearbeitet werden kann. Auch hierbei erhalten alle Kinder die gleiche Aufgabe, nämlich eine blanko DIN A4-Seite zu ihrer Lieblingszahl zu gestalten. Der Kern der Aufgabe liegt in der unterschiedlichen bildlichen und symbolischen Darstellung einer bestimmten Zahl.
Diese Aufgabe ist von den zur Analyse ausgewählten, die mit dem höchsten Öffnungsgrad (vgl. Krauthausen & Scherer 2014, S. 47f.). Die Eingangsschwelle für diese Aufgabe ist insofern abgesenkt, als zu Beginn der Unterrichtssequenz unterschiedliche Darstellungsformen von Zahlen an der Tafel gesammelt wurden, wodurch die Schüler:innen Anregungen zu Gestaltung ihrer eigenen Arbeit erhalten. Einer Handlungsunfähigkeit durch die Einschüchterung einer leeren Seite wird damit entgegengewirkt. Das weiße Blatt Papier ist gleichzeitig auch ein weiterer Indikator für die weite Öffnung der Aufgabe, da die Kinder, wie die Aufgabe es auch fordert, frei in der Darstellungsweise ihrer Ideen sind. Zudem ist der ZR in dem sich die Lernenden bewegen nicht vorgegeben. Je nach Kenntnis- und Kompetenzstand, können die Schüler:innen eine Zahl wählen, mit der sie sich näher beschäftigen möchten und können. Dieser Umstand macht eine jahrgangsübergreifende Bearbeitung ebenfalls möglich und auch Kinder mit einem FSP Lernen können diese Aufgabe im Rahmen ihrer Möglichkeiten bearbeiten, ohne eine gesonderte Stellung einzunehmen oder dem Gefühl einer Minderwertigkeit ihrer Lösung zu erliegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema Inklusion in der Lehramtsausbildung und formuliert die Forschungsfrage zur Eignung des „Mathe-Flip“-Konzepts für den inklusiven Mathematikunterricht.
2. Vorstellung des Konzeptes „Mathe‐Flip“ und des Materials: Dieses Kapitel erläutert die Entstehungsgeschichte, die Zielsetzungen und den strukturellen Aufbau des Konzepts „Mathe-Flip“ sowie die Auswahl der für die Analyse herangezogenen Aufgaben.
3. Natürliche Differenzierung im inklusiven Mathematikunterricht: Es werden die theoretischen Grundlagen des inklusiven Unterrichts sowie die vier Merkmale der natürlichen Differenzierung – gemeinsamer Gegenstand, Offenheit, Komplexität und kooperatives Lernen – dargelegt.
4. Analyse des Materials: In diesem Hauptteil werden die Aufgaben „Mit einem Blick“, „Flip räumt auf“ und „Meine Lieblingszahl“ anhand der Kriterien der natürlichen Differenzierung kritisch untersucht.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und bewertet das Potenzial von „Mathe-Flip“ als Basis für einen inklusiven Mathematikunterricht bei notwendigen Modifikationen.
Schlüsselwörter
Inklusion, Mathematikunterricht, Natürliche Differenzierung, Mathe-Flip, Förderschwerpunkt Lernen, Binnendifferenzierung, Offener Unterricht, Lernstandorientierung, Komplexität, Kooperatives Lernen, Unterrichtsgestaltung, Grundschule, Bildungsanspruch, Didaktik, Aufgabenanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Evaluation des Unterrichtskonzepts „Mathe-Flip“ hinsichtlich seiner Eignung für einen inklusiven Mathematikunterricht unter Anwendung des Prinzips der natürlichen Differenzierung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Inklusion im Mathematikunterricht, die theoretische Fundierung der natürlichen Differenzierung und die empirische Analyse von unterrichtspraktischem Material.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu klären, inwiefern das „Mathe-Flip“-Konzept den Ansprüchen eines inklusiven Unterrichts gerecht wird und wo Optimierungspotenziale liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine didaktische Analyse auf Basis aktueller Fachliteratur durchgeführt, bei der spezifische Aufgaben des Konzepts anhand festgelegter Kriterien bewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Analyse dreier Aufgaben aus den Bereichen „Flip-Zeit“ und „Entdecker-Zeit“ hinsichtlich ihrer Offenheit, Komplexität und Eignung für kooperatives Lernen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Inklusion, Natürliche Differenzierung, Mathematikdidaktik und sonderpädagogische Förderung definiert.
Warum schneidet die Aufgabe „Meine Lieblingszahl“ besser ab als „Mit einem Blick“?
„Meine Lieblingszahl“ bietet einen deutlich höheren Öffnungsgrad und lässt den Kindern mehr Raum für eigene Lösungswege und Komplexitätsstufen, wodurch sie besser für heterogene Lerngruppen geeignet ist.
Welche Rolle spielt der Förderschwerpunkt Lernen in der Untersuchung?
Der Förderschwerpunkt Lernen wird explizit berücksichtigt, um zu prüfen, ob die Aufgaben eine aktive Teilhabe ohne Ausgrenzung ermöglichen und ob sie zählendes Rechnen vermeiden oder fördern.
- Arbeit zitieren
- Laura-Marie Siebert (Autor:in), 2021, Natürliche Differenzierung im inklusiven Mathematikunterricht. Eine Analyse des Unterrichtskonzeptes "Mathe-Flip", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1005514