Individualpsychologie nach Alfred Adler. Ablauf, Methodik und Konzept


Ausarbeitung, 2019

15 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Grundbegriffe des individualpsychologischen Menschenbildes
2.1.1. Gemeinschaftsgefühl
2.1.2. Lebensstil
2.1.3. Macht und Minderwertigkeitsgefühl
2.2. Grundprinzipien und Ziele der Individualpsychologie
2.3. Ablauf einer individualpsychologischen Beratung
2.3.1 Diagnose
2.3.2. Umstellung
2.3.3 Die Beendigung der Beratung
2.3.4 Katamnese

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

5. Anhang
5.1. Mitschrift aus der Vorlesung

1. Einleitung

Alfred Adler gilt u.a. neben Sigmund Freud als Pionier der Tiefenpsychologie und ist der Begründer der sogenannten Individualpsychologie. Mit seiner Theorie der Individualpsychologie grenzte sich Adler erstmals von Freuds Vorstellung der Triebpsychologie ab und entwickelte seinen eigenen tiefenpsychologischen Ansatz (vgl. Goddemeier, 2012). Seither zählt die adlerianische Individualpsychologie zu den ältesten Ansätzen und Grundlagenmethoden für die Beratungsarbeit. Sie stellt für zahlreiche verschiedene Richtungen wie z.B. die psychodynamische, systemische, kognitivverhaltenstherapeutische und experimentelle Perspektive, die theoretische Basis dar. Sie kann dementsprechend umgangssprachlich als eine Art „Fundgruppe“ für alle möglichen Richtungen und Ansätze der Psychologie angesehen werden (vgl. Sauer-Schiffer, 2019: 9 [Vorlesungsfolien]). Daraus lässt sich die Individualpsychologie als ein zentraler Meilenstein in der Psychologie und in dem Berufsgebiet „Beratung“ ableiten.

Ich persönlich habe mich während der Vorlesung und bei den Vorbereitungen für die, im Rahmen der Vorlesung geschriebenen, Klausur sehr für diesen Beratungsansatz interessiert und habe es mir zum Ziel gemacht mich in diesem Theory Journal intensiver mit der Individualpsychologie auseinanderzusetzten. Mir ist natürlich bewusst, dass ich in diesem Rahmen nur eine oberflächliche Auseinandersetzung mit der Thematik erreichen werde, da es sich hier lediglich um eine Reflexion bzw. eine intensivere Auseinandersetzung mit dem individualpsychologischen Ansatz handelt. Deshalb werde ich mich im Folgenden darauf konzentrieren den theoretischen Hintergrund mitsamt seinen Grundbegriffen und -prinzipien, sowie Zielen, Schemata und Methodik genauer zu beleuchten. Dabei versuche ich darauf einzugehen inwiefern die adleriansche Individualpsychologie die Beratung und Pädagogik im Allgemeinen beeinflusst hat und welchen Stellenwert sie in der heutigen Zeit einnimmt.

Ziel dieser Arbeit ist es, gewisse Aspekte wie Zielsetzung, Ablauf, Methodik und vor allem auch das Konzept der Individualpsychologie zu erläutern und eine grobe Einordnung in den weiterführenden Rahmen zu geben. Ein persönliches Ziel was ich mir mit dieser Arbeit gesetzt habe ist schlicht und ergreifend eine intensivere Auseinandersetzung mit der Materie und die Gestaltung eines überschaubaren Überblickes über den ungefähren Rahmen dieser tiefenpsychologischen Theorie. Ich habe versucht die zahlreichen Puzzleteile, die über diese Thematik zu finden sind, runterzubrechen um für mich ein klareres, wenn auch recht oberflächliches, Bild der Individualpsychologie darstellen zu können.

2. Theoretischer Hintergrund

Bei der Individualpsychologiei von Alfred Adler handelt es sich um eine tiefenpsychologische Theorierichtung, die die sozialpsychologischen Aspekte des menschlichen Verhaltens hervorhebt (vgl. Sauer-Schiffer, 2019: 8 [Vorlesungsfolien]). Der Mensch wird als ein zielgerichtetes, ganzheitliches, soziales Wesen betrachtet, dass die Fähigkeit bzw. das Potenzial besitzt mit seiner Umwelt in Interaktion zu treten und in der Lage ist sich jederzeit zu ändern. Die IP lässt sich also als eine Persönlichkeitstheorie verstehen, die in jedem Menschen die schöpferische Kraft und ein positives Menschenbild sieht (vgl. ebd.: 8). Bereits der Name „Individualpsychologie“ deutet darauf hin, dass der Mensch als Individuum mit eigener Persönlichkeit mitsamt seinen sozialen Beziehungen zu betrachten ist (vgl. Hellgardt, 1989: 59). Ebenfalls weist der Begriff IP darauf hin, dass der Mensch als eine „unteilbare“ Einheit zu verstehen ist, wodurch der Holismus, der zu den zentralen Grundbegriffen der IP gehört, hervorgehoben wird (vgl. ebd.: 48).

Im Folgenden werde ich auf den theoretischen Hintergrund der IP und dabei auf dessen prägenden Grundbegriffe sowie Grundprinzipien des individualpsychologischen Menschenbildes und Zielen der individualpsychologischen Beratung eingehen. Um einen klareren Überblick über einen Beratungsablauf mit individualpsychologischem Ansatz zu bekommen, habe ich mich darauffolgend mit einem allgemeinen Ablaufschema individualpsychologischer Arbeit und dessen Methodik beschäftigt.

2.1. Grundbegriffe des individualpsychologischen Menschenbildes

Geprägt wird die individual- sowie tiefenpsychologische Persönlichkeitstheorie von Adler und dessen zugrundliegendes Menschenbild, von zentralen Grundbegriffen bzw. Basiskonzepten wie zum Beispiel „Lebensstilarbeit“, „Macht und Minderwertigkeit“ sowie „Gemeinschaftsgefühl2“. Bereits in der Einleitung dieses Kapitels habe ich kurz den sogenannten „Holismus“ angesprochen, der als die Lehre der Ganzheit zu verstehen und ebenso ein prägender Grundbegriff der IP ist. Die holistische Betrachtungsweise prägt die oben genannten Basiskonzepte und grenzt die IP von der typischen Psychoanalyse ab, die den Menschen in Einheiten unterteilt betrachtet (vgl. Hellgardt, 1989: 68ff.). An dieser Stelle werden die zentralen Begriffe bzw. die Basiskonzepte „Gemeinschaftsgefühl“, „Lebensstilarbeit“ und „Macht und Minderwertigkeit“, wie Adler sie verstand, erläutert. Dabei verweise ich darauf, dass die Grundbegriffe nicht trennscharf voneinander zu betrachten sind, da sie miteinander einhergehen.

1 Folgend wird Individualpsychologie mit IP abgekürzt.
2 Ich gehe an dieser Stelle nur auf diese drei Basiskonzepte/Grundbegriffe ein, da wir diese in der Vorlesung behandelt haben und es den Rahmen sprengen würde auf jeden Grundbegriff der IP einzugehen.

Der Begriff „Gemeinschaftsgefühl“ hat eine zentrale Bedeutung in der IP. Er stellt die Begrifflichkeit für das „[...] Gefühl der individuellen Übereinstimmung mit dem Leben im Ganzen der Natur und der zwischenmenschlichen Beziehung [...]“ (Hellgardt, 1989: 63) dar. Grundsätzlich ist das Gemeinschaftsgefühl wesentlich mehr als schlicht weg ein Gefühl, laut Adler wird es als eine Art „Lebensform“ betrachtet (vgl. Adler, 1928: 224), die tiefenpsychologisch zu verstehen ist. Die Basis des Gemeinschaftsgefühls entwickelt sich unbewusst in der pränatalen sowie frühkindlichen Phase und geht einher mit der Entwicklung eines individuellen Lebensstils sowie der Ich-findung/-bildung des Individuums in- und außerhalb seines sozialen Umfeldes (vgl. Hellgardt, 1989: 63). Adler ist der Auffassung, dass sich das Gemeinschaftsgefühl unbewusst aus dem Zärtlichkeitsbedürfnis, also einer angeborenen Anlage, die auf die primäre Bezugsperson gerichtet ist, entwickelt. Dementsprechend ist die Befriedigung dieser Anlage von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung dessen (vgl. ebd.: 64). Im Gegensatz zu angeborenen Funktionen wie z.B. das Atmen, die automatisch ohne äußere Einflüsse funktionieren, kann sich das Gemeinschaftsgefühl erst im sozialen Gefüge entfalten und benötigt Einfluss von außen (vgl. ebd.: 63). „Die wahre Selbstverwirklichung des Einzelnen ist nach Adler nur im sozialen Zusammenhang möglich.“ (Hellgardt, 1989: 65). Hierbei handelt es sich nach Adler um einen Zustand der Vollkommenheit der Menschheit, welche das Individuum anstreben soll, auch wenn dieser nicht erreicht werden kann, es handelt sich also eher um eine utopische Ansicht der Vollkommenheit (vgl. ebd.: 65). Das Gemeinschaftsgefühl soll dem Menschen die Möglichkeit geben sich anderen Individuen und Dingen gegenüber empathisch zu verhalten, es soll zur Weiterbildung des großen Ganzen beitragen (vgl. ebd.: 65ff.). Merkt ein Mensch, dass er Teil einer Gemeinschaft ist bzw. des großen Ganzen, so hegt er Interesse sich, aufgrund seines Zugehörigkeitsgefühls, mit einzubringen. Das Gemeinschaftsgefühl kann also als ein Indikator für die psychische Gesundheit angesehen werden, dementsprechend kann ein ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl, negative Gefühle wie Minderwertigkeitsgefühle mindern (vgl. ebd.: 67f.). Adler begreift das Gemeinschaftsgefühl als eine Kompetenz, die das Individuum braucht, um soziale Beziehungen und die Kooperation mit anderen Menschen, dem Beruf sowie dem Umgang mit Liebe und Sexualität zu erreichen. Dies seien die drei zentralen Lebensaufgaben in der IP (vgl. ebd.: 65f.). Zur Bewältigung der dieser drei Lebensaufgaben ist das Gemeinschaftsgefühl also unabdinglich.

2.1.2. Lebensstil

Der Lebensstil entwickelt sich bereits in der frühen Kindheit auf Basis von subjektiven Wahrnehmungen der sozialen Umwelt (vgl. Hellgardt, 1989: 76). Das Kind entwickelt unbewusst „[...] in der Auseinandersetzung mit den Bedingungen von Anlage un d Umwelt seinen individuellen Lebensstil mit dem fiktiven Ziel der Überwindung von Unsicherheit, Mangelsituation und Minderwertigkeitsgefühl.“ (Hellgardt, 1989: 75). Der Lebensstil eines Menschen bestimmt sein Fühlen und Handeln, sein Denken sowie alle weiteren Funktionen und macht ihn dadurch zu einem ganzheitlichen Wesen. Jede Regung und Intention dessen wird als auf ein Ziel führend, sowie als ein Teil des großen Ganzen betrachtet, wodurch wieder der Holismus und der Aspekt der Vollkommenheit deutlich werden. Ein wichtiger Punkt, den Adler betont ist der individuelle Aspekt des Lebensstils, denn dieser sollte möglichst einzigartig sein (vgl. Hellgardt, 1989: 76). Neben diesem individuellen Lebensstil unterteilt Adler Lebenstile in verschiedene Typen und akzeptiert auch gewisse Ähnlichkeiten untereinander, auf die ich allerdings in diesem Theory Journal nicht weiter eingehen werde.

2.1.3. Macht und Minderwertigkeitsgefühl

Der Lebensstil eines Erwachsenen wir in der Entwicklungspsychologie so verstanden, dass er aus der Unerfahrenheit und Unsicherheit der frühen Kindheit, die den ersten fünf Lebensjahren eines Individuums entspricht, entsteht. Diese Unsicherheit/Unerfahrenheit wird vor allem gefühlsmäßig als Minderwertigkeitsgefühl verstanden (vgl. Hellgardt, 1989: 75). Das Individuum kommt als hilfsbedürftiges Wesen auf die Welt und setzt sich automatisch mit der Erwachsenenwelt auseinander, indem es unbewusst Vergleiche zieht und miteinander in Beziehung setzt, die in ihm Minderwertigkeitsgefühle auslösen. Es ist eindeutig, dass der Säugling/das Kind von den Erwachsenen abhängig und ihnen damit deutlich unterlegen ist. An dieser Stelle spielt wieder das Gemeinschaftsgefühl eine entscheidende Rolle, denn würden seine Mitmenschen dem Individuum dieses Gefühl nicht vermitteln, würde dies fatale Folgen haben.

Diese Minderwertigkeitsgefühle sind bedeutend, da die Überwindung dieser maßgeblich zur Entwicklung des Lebensstils beiträgt. Dementsprechend kann das Minderwertigkeitsgefühl anstatt negativ behaftet, als eine Art Motivation angesehen werden, durch die das Gefühl der Unterlegenheit überwunden werden kann. Es kann also eher als Antrieb für die Entwicklung des Individuums angesehen werden (vgl. Hellgardt, 1989: 75ff.). Allerdings kann das Minderwertigkeitsgefühl auch in eine andere Richtung umschlagen und in einem übertriebenen Machtstreben bzw. einer Neurose enden. Mit dem einher gehen ein niedriges Gemeinschaftsgefühl und ausgeprägte Minderwertigkeitsgefühle. Es ist die Aufgabe der Bezugspersonen des Individuums diesem Überschuss an Minderwertigkeitsgefühl vorzubeugen durch die Steigerung des Gemeinschaftsgefühls (vgl. Hellgardt, 1989: 79f.).

2.2. Grundprinzipien und Ziele der Individualpsychologie

Zu den Grundprinzipien der Individualpsychologie zählt das Verstehen des menschlichen Verhaltens sowie die Ermutigung zur eigenen Handlungsfähigkeit. Das Individuum soll seine eigene Logik sowie seinen Lebensstil erkennen, um zu einer eigenständigen Problemlösung durch Selbsterkenntnis zu gelangen (vgl. Sauer-Schiffer, 2019.:12f. [Vorlesungsfolien]).

Die obersten Ziele, die in der Individualpsychologie aufgefasst werden sind unter anderem die Steigerung der Kooperationsfähigkeit und des Gemeinschaftsgefühls des Ratsuchenden, die Überwindung des Gefühls von Entmutigung, die Reduktion von Minderwertigkeitsgefühlen, die Entwicklung des Gefühls der Gleichwertigkeit mit Anderen, das Erkennen von unbewussten Zielen und Motivationen, die ein positives und zufriedenes Leben verhindern, die Ermutigung zur aktiven, kooperativen Teilnahme am Leben sowie Hilfestellungen für zufriedenstellende Beziehungen zu bieten (vgl. ebd.: 14f.)

2.3. Ablauf einer individualpsychologischen Beratung

Im Folgendem werde ich versuchen das individualpsychologische Ablaufschema im Rahmen einer Beratung/Therapie und dessen Grundzüge etwas genauer zu erläutern. Hierbei handelt es sich um ein allgemeines Ablaufschema individualpsychologischer Arbeit im Überblick, welche durchaus noch tiefer erläutert und interpretiert werden kann. Ich möchte an dieser Stelle allerdings nur einen kleinen tieferen Einblick in den gesamten Beratungsprozess geben, um diesen etwas besser zu veranschaulichen, da ich selber mir die Frage gestellt habe, wie genau so ein Beratungsgespräch mit individualpsychologischen Aspekten wohl aussehen könnte.

Der Ablauf einer individualpsychologischen Beratung teilt sich demnach in vier Abschnitte auf, die sich auch als Diagnose, Umstellung, Beendigung der Therapie und Katamnese beschreiben lassen (vgl. Antoch, 1989: 353ff.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Individualpsychologie nach Alfred Adler. Ablauf, Methodik und Konzept
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,7
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V1005516
ISBN (eBook)
9783346387172
ISBN (Buch)
9783346387189
Sprache
Deutsch
Schlagworte
individualpsychologie, alfred, adler, ablauf, methodik, konzept
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Individualpsychologie nach Alfred Adler. Ablauf, Methodik und Konzept, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1005516

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