Mortalität und Fertilität. Zwei zentrale Begriffe der Bevölkerungsgeographie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2020

28 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Mortalität und Fertilität - zwei zentrale Begriffe der Bevölkerungsgeographie

3. Mortalität
3.1 Messung der Mortalität
3.2 Internationale Kontraste
3.3. Sterblichkeitsrückgang in Europa
3.4 Interregionale Sterblichkeitsunterschiede

4. Fertilität
4.1 Messung der Fertilität
4.2 Zusammenhang zwischen Heirat und Fertilität
4.3 Vergleich zwischen Industrie- und Entwicklungsländern
4.4 Regionale Fertilitätsunterschiede

5. Fertilität und Mortalität in Deutschland
5.1 Jüngere Entwicklung der Fertilität in Deutschland
5.2 Baby-Boom der Nachkriegszeit
5.3 Kinderlosigkeit
5.4 Lebenserwartung in Deutschland

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Rohe Sterbeziffer in verschiedenen Regionen der Welt, 1950-2015. / Altersspezifische Sterbeziffern für Männer und Frauen in Deutschland und Russland, 2013

Abbildung 2: Lebenserwartung in den Staaten der Erde von 2005 bis 2010

Abbildung 3: Regionale Differenzierung der totalen Fertilitätsrate in Indien und verschiedene Erklärungsvariablen um 2000

Abbildung 4: Zusammengefasste Geburtenziffer, Deutschland von 1871-2010

Abbildung 5: Zusammengefasste Geburtenziffern, West- und Ostdeutschland 1945-2015, Westdeutschland ab 1990 ohne Berlin

Abbildung 6: Altersaufbau der Bevölkerung in Westdeutschland 1968 bis 2028

Abbildung 7: Regionale Unterschiede der Lebenserwartung von Männern und Frauen in den Kreisen Deutschlands 2013/2015

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Fertilitäts- und Mortalitätsziffern ausgewählter Länder

Tabelle 2: Mortality rates, Norway 2013

Tabelle 3: Lebenserwartung laut Periodensterbetafel 2003/2005 in Deutschland sowie in den Bundesländern mit der höchsten und der niedrigsten Lebenserwartung der Männer

Tabelle 4: Heiraten nach dem Alter der Ehefrau für ausgewählte Länder

1. Einleitung

Die Bevölkerungsentwicklung ist in der Literatur gerade seit Mitte des 20. Jahrhunderts ein viel diskutiertes Thema weltweit. Das häufig erwähnte Schlagwort Demographischer Wandel ist ein Phänomen, welches nicht nur in Deutschland, sondern auch in den meisten anderen Industrieländern zu verzeichnen ist. Besonders in Japan und fast allen Staaten Europas ist dies der Fall. Demographische Entwicklungen resultieren über lange Zeiträume. Die natürliche Bevölkerungsbewegung wird durch die zwei wesentlichen Komponenten Fertilität (Fruchtbarkeit) und Mortalität (Sterblichkeit) definiert.1 Im gesamten Bundesgebiet ist die zukünftige demographische Entwicklung durch niedrige Geburtenhäufigkeit und steigende Lebenserwartung geprägt. Die Folgen sind eine Alterung und eine Schrumpfung der Gesellschaft. Dazu kommt, dass in den Industriestaaten und auch in Deutschland diese natürliche Bevölkerungsbewegung seit den Babyboom-Jahren kaum noch zur Veränderung der Bevölkerungszahl beiträgt. Vielmehr ist eine dritte Komponente wesentlich entscheidend - die Wanderungsbewegungen.2 Industriestaaten stellen begehrte Einwanderungsländer für Arbeitsmigranten, Asylbewerber und Flüchtlinge dar. Die daraus resultierende Bevölkerungsstruktur stellt die Grundlage für die weitere Entwicklung eines Landes dar.

In dieser Arbeit sollen ausschließlich die Begrifflichkeiten der Fertilität und der Mortalität näher betrachtet werden. Die Fertilität einer Bevölkerung ist die wichtigste Komponente in der Bevölkerungsentwicklung. Sie sollte die Mortalität eines Landes übersteigen, sodass Generationen vollständig ersetzt werden können. Dies ist in Deutschland seit den 1970er Jahren nicht mehr der Fall. Seitdem ist die zusammengefasste Geburtenziffer, die durchschnittliche Zahl an Kindern, die eine Frau lebend zur Welt bringt, kleiner als 2,1, dem Wert, der zur vollständigen Ersetzung einer Generation notwendig ist.

So wird zuerst auf die Messungsmöglichkeiten der Mortalität eingegangen, und diese dann international und interregional vergleichen und ausgewertet.

Folgend soll auch die Messung der Fertilität erklärt und diese im Zusammenhang mit der Heirat erläutert werden. Danach werde ich darauf eingehen, wie die Fertilität in Industrie- und Entwicklungsländern variiert und welche regionalen Unterschiede auftreten.

Zuletzt sollen die beiden Phänomene der Fertilität und der Mortalität mit dem Fokus auf Deutschland erarbeitet werden. Ich werde diese von der jüngeren Entwicklung aus, über den Baby-Boom der Nachkriegszeit, die Kinderlosigkeit bis zur Entwicklung der zukünftigen Lebenserwartung der Bundesrepublik betrachten.

2. Mortalität und Fertilität - zwei zentrale Begriffe der Bevölkerungsgeographie

Die Mortalität, auch als Sterblichkeit bezeichnet, ergibt sich aus der Zahl der Gestorbenen einer Bevölkerung in einer Region für einen bestimmten Zeitabschnitt, welcher in der Regel das Kalenderjahr ist. Sie beeinflusst mit der Fruchtbarkeit, der Fertilität, die natürliche Komponente der natürlichen demographischen Entwicklung. In geographischen Studien werden die Sterblichkeit und ihre Veränderungen in sehr verschiedenen Bereichen analysiert.3 Im Gegensatz zu der Geburt von Kindern, stellt die Mortalität einen unvermeidlichen Prozess im Leben des Menschen dar. Der Großteil unserer heutigen westlichen Gesellschaft stirbt nicht plötzlich und unerwartet in jungen Jahren, sondern nach einem durchschnittlich immer länger werden Leben infolge eines natürlichen Todes.4 Von besonderer Bedeutung bei dem Fall der Mortalität ist der Eintritt dieses Ereignisses. Mit dem Fortschreiten der medizinischen Technik hat sich auch das Kriterium des Todes verändert. Vom Aussetzen der Atmungs- und Herztätigkeit bis zur Aufrechterhaltung dieser lebensnotwendigen Körperfunktionen, hat sich der Gehirntod in der westlichen Welt als Indikator durchgesetzt. Doch im Gegensatz zu Medizinern und Juristen muss man sich in der Bevölkerungsgeographie keine Gedanken über den genauen Zeitpunkt des Todes machen. Hier gilt der Mensch als verstorben, sobald die Sterbeurkunde des Verstorbenen ausgestellt wurde. Industrieländer verfügen über ein nahezu vollständiges Verzeichnis der Verstorbenen, da beispielsweise die Beerdigung oder andere Bestattungsmöglichkeiten erst zulässig sind nach Vorlage einer amtlichen Sterbeurkunde. In Ländern ohne einem amtlichen Sterberegister, wird die Zahl der Sterbefälle nach der Residualmethode ermittelt. Hierbei werden die Angaben der Altersklassen zwischen zwei Volkszählungen verglichen.5

Die Fertilität, auch als Fruchtbarkeit bezeichnet, ergibt sich aus der Zahl der Geburten je Frau in einer Bevölkerung. Sie ist geprägt über mehrere individuelle Entscheidungen, ob und wie viele Kinder eine Frau in ihrem Leben gebärt. Faktoren, die diese Fruchtbarkeit beeinflussen wären die Fähigkeit Nachkommen zu bekommen, ebenso wie die Dauer der Schwangerschaft aber auch soziale Faktoren wie das Heiratsverhalten oder der Bildungsstand. Zusammen mit der Mortalität wirkt sich die Fertilität auf die natürliche demographische Entwicklung eines Landes und dessen Altersstruktur aus.6 Im Gegensatz zur Biologie, bei der bereits die potentielle Fähigkeit der Reproduktion als Fertilität angesehen wird, bezeichnet der Begriff in der Bevölkerungsgeographie nur die tatsächliche Geburtenhäufigkeit einer Bevölkerung, Gruppe oder Person. Aus der Perspektive eines Kindes ist der Prozess der Geburt ein einmaliges Ereignis. Dagegen kann diese Erfahrung für eine Mutter multipel sein, was bedeutet, dass sie mehrere Kinder zur Welt bringen kann.7

3. Mortalität

3.1 Messung der Mortalität

Die konkreten Zahlen der Gestorbenen werden in den meisten Ländern exakt aufgefasst. Dies hilft besonders um Statistiken für die Mortalität aufzustellen. Erklärt werden diese Statistiken durch die in ihnen aufgefassten Muster und Tendenzen. Die Messung der Mortalität beschafft die Möglichkeit des internationalen, nationalen, aber auch historischen Vergleichs.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Rohe Sterbeziffer in verschiedenen Regionen der Welt, 1950-2015. / Altersspezifische Sterbeziffern für Männer und Frauen in Deutschland und Russland, 2013. (ENGELHARDT 2016: 294/296).

Vier statistische Maßnahmen haben sich besonders herauskristallisiert.8 Zuerst ein Blick auf die einfachste Maßzahl, die als rohe Sterberate (Crude Death Rate (CDR)) bezeichnet wird. Berechnet wird diese Zahl in Sterbefällen D in einem Untersuchungszeitraum bezogen auf die jeweilige Bevölkerungsgröße P.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Multiplikation mit dem Faktor 1000 wird verwendet, um sich auf die Aussage der Gestorbenen pro 1000 Einwohner zu beziehen. Genauer wird die Berechnung indem die Anzahl der Sterbefälle auf die gelebten Personenjahre in einer Untersuchungsperiode verwendet wird. Die rohe Sterberate jedoch ist im geografischen und zeitlichen Vergleich nur bedingt aussagekräftig, aufgrund ihrer starken Abhängigkeit der Altersstruktur der jeweiligen Population, sowie der fehlenden Informationen wer und zu welchem Zeitpunkt dieser verstirbt. Ein Beispiel dieser geringen Aussagekraft ist die rohe Sterbeziffer Deutschlands seit Beginn der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts, die über der Zahl der weniger entwickelten Ländern liegt. Fälschlicherweise könnte man daraus eine höhere Mortalität schließen. Diese Zahlen generierten sich aber nicht durch einen schlechten Gesundheitszustand, sondern aufgrund der fortschreitenden Alterung der Bevölkerung. Umgekehrt wiederum liegt die rohe Sterberate einer jüngeren Population mit einer höheren Geburtenrate, trotz geringerer Lebenserwartung gegebenenfalls niedriger, als in einer älteren Bevölkerung mit höherer Lebenserwartung.

Um die Altersstruktur der Bevölkerung zu berücksichtigen, können die Sterblichkeitsraten angepasst oder standardisiert werden (vgl. Abb. 1). Daher ergibt sich die zweite Methode der Messung der Mortalität: Die altersspezifische Sterberate (Age Specific Death Rate (ASDR)). Definiert ist diese über die Anzahl der Sterbefälle in einer Altersgruppe und die durchschnittliche Bevölkerungsgröße in dieser Altersgruppe eines betrachteten Zeitraumes.9 Diese Statistik wird Fünf-Jahres-Gruppierungen berechnet.

Ein besonderes Augenmerk sollte man bei dieser Methode auf die Säuglingssterblichkeitsrate (Infant Mortality Rate (IMR)), also die altersspezifische Sterberate der unter Einjährigen legen. Die Säuglingssterblichkeit ist einer der stärksten Indikatoren für das Wohlergehen eines Landes, da sie die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Bedingungen widerspie-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1 (WEHRHAHN & SANDNER LE GALL 2016: 44).

gelt, unter denen Kinder einschließlich ihrer Gesundheitsversorgung leben.10 Die Säuglingssterberate berechnet sich durch die Anzahl der Sterbefällen in der jeweiligen Periode dividiert durch die Anzahl der Geburten im jeweiligen Jahr. Wie bereits bei der altersspezifischen Sterberate wird auch die Säuglingssterblichkeit in mehrere Phasen aufgeteilt. Die neonatale Sterberate, welche die ersten 28 Lebenstage einschließt, mit der Früh- und Spätneonatalsterberate sowie die daran anschließende postneonatale Sterberate, die ab Tag 28 bis zum vollendeten ersten Lebensjahr anhält. Zusammen mit der rohen Sterbeziffer wird die Säuglingssterblichkeit üblicherweise für internationale Vergleiche benutzt (vgl. Tab. 1).11 Letztere ist besonders wertvoll für Prognosen künftiger Lebenserwartungen, da durch ihre Einschränkung auch die allgemeine Sterblichkeit drastisch reduziert wird. Zudem ist die Säuglingssterblichkeit wie bereits zuvor erwähnt ein guter Indikator für das öffentliche Gesundheitssystem und die hygienischen Verhältnisse in einem Land.12

Das dritte Maß nach BARCUS & HALFACREE (2018: 280)13, die altersstandardisierten Mortalitätsraten (Age Adjusted Death Rate (AADR)), ergibt sich aus der Summe aller ASDR, gewichtet nach dem Anteil der Gesamtbevölkerung innerhalb dieser Altersgruppe. Die AADR liefert ein klareres Bild der Gesamtmortalität in den verschiedenen geographischen Gebieten. Ermöglicht wird ein aussagekräftigerer Vergleich zwischen zwei Bevölkerungsgruppen, indem die Bevölkerungsstruktur berücksichtigt wird. Erklärt wird dies am Beispiel von Norwegen. Die AADR zeigt, dass norwegische Männer niedrigere CDRs haben als norwegische Frauen, was zu der Vermutung führen könnte, dass Männer ein gesünderes Leben führen. Die ASDR-Analyse legt jedoch das Gegenteil nahe. Sie zeigt, dass mit Ausnahme der sehr jungen Menschen, bei denen die Jungen und Mädchen eine ähnliche Sterblichkeitsrate aufweisen, Männer eine konstant höhere Sterblichkeitsrate haben. Dieser Geschlechtsunterschied ist weltweit üblich. Hier ist der Anteil der norwegischen Frauen in den Alterskategorien, in denen die Sterbeziffer für beide Geschlechter extrem hoch ist, wesentlich mehr. Mit anderen Worten: Die höhere weibliche CDR erklärt sich aus der zahlenmäßigen Überlegen-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2 (BARCUS & HALFACREE 2018: 281).

heit der Männer, vor allem in älteren Bevölkerungsschichten. Diese Schlussfolgerung wird durch die hohe AADR der norwegischen Männer verstärkt (vgl. Tab. 2).

Das vierte statistische Maß, welches zur Veranschaulichung der Mortalität oft verwendet wird, ist die Lebenserwartung bei Geburt. Sie wird in Jahren für die jeweiligen Geburtsjahrgänge berechnet. Die Lebenserwartung steigt mit dem Alter durch Wegfallen bereits verstorbener an, sowie die Überlebenden die kritischen Phasen bereits überstanden haben. Dies bedeutet, zur Geburt ist die Lebenserwartung am geringsten. Vor allem in Entwicklungsländern unterscheidet sie sich in jüngeren Jahren sichtbar von jener der Erwachsenen je nach Höhe der Säuglingssterblichkeit als wichtigster Einflussfaktor der Mortalität. In Deutschland hingegen steigt die Wahrscheinlichkeit, ein höheres Alter zu erreichen, besonders bei bereits

Lebenserwartung laut Periodensterbetafel 2003/2005 in Deutschland sowie in den Bundesländern mit der höchsten und der niedrigsten Lebenserwartung der Männer.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 3 (WEHRHAHN & SANDNER LE GALL 2016: 51).

älteren Personen. Um dies zu veranschaulichen hilft das Beispiel aus Deutschland bezüglich der Lebenserwartung der Mädchen bei der Geburt mit 83 Jahren, verglichen zu der Lebenserwartung 40-jähriger Frauen, die bei 84 Jahren liegt und die weiter steigende Lebenserwartung bei 80-jährigen Frauen mit 89 Jahren (vgl. Tab. 3).14

Zum Abschluss des Kapitels ein Blick auf einen weiteren wichtigen Faktor, den Todesursachen. Jürg A. Hauser (1983: 159ff.) fasst die mortalitätsrelevanten Faktoren in fünf noch heute aussagekräftige Faktorengruppen zusammen, die untereinander systematisch verknüpft sind. Diese teilt er in genetische und biologische, umweltspezifische, sozio-ökonomische, sozio-kulturelle Faktoren und in spezifisches Verhalten auf. Das erste Faktorenbündel beinhaltet die Einflüsse genetischer und biologischer Faktoren auf die maximale Lebensdauer, ebenso wie die Anfälligkeit unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen auf bestimmte Krankheiten. Durch genetische Mutationen von Krankheitserregern können neue, virulente Epidemien entstehen. AIDS ist hierfür in der jüngeren Vergangenheit besonders herausstechend. Ein aktuelles Beispiel für ein solches Virus ist die im Dezember 2019 ausgebrochene und sich weltweit verbreitende Covid-19-Pandemie. Aufgrund genetischer Anpassungsprozesse haben Infektionskrankheiten im Verlauf der letzten Jahrhunderte an Tödlichkeit eingebüßt. Für europäische Länder bedeutete dies, dass Infekte wie Masern oder Windpocken sich zu relativ harmlosen Kinderkrankheiten wandelten. In weniger entwickelten Ländern, denen eine flächendeckende Gesundheitsversorgung fehlt, stellen diese Infektionen weiterhin große Risiken für gewisse Bevölkerungsgruppen dar.

Umweltspezifische Faktoren gelten als eine weitere todbringende Ursache. Hier beeinflussen unkontrollierbare Naturgewalten wie zum Beispiel Erdbeben, Vulkanausbrüche und Überschwemmungen die Sterblichkeit von Menschen. Auch die Belastung ökologischer Systeme durch Luft- und Wasserverschmutzungen oder Schadstoffe in Nahrungsmitteln können die Zahlen der Morbidität und der Mortalität bestimmen.

Sozio-ökonomische Faktoren geben den Einfluss der Lebensbedingungen auf die Lebenserwartung des Menschen wieder. Wie schon in der langen Geschichte der Menschheit gilt auch noch heutzutage: Reiche Menschen leben länger als Arme. Dies beinhaltet vor allem die Deckung des Grundbedarfes an Nahrung. Gut ernährte Menschen sind weniger anfällig gegenüber vielen Infektionskrankheiten.15 Weitere Faktoren wie bessere Wohnverhältnisse, eine gute Wasser- und Abfallversorgung führen zu einer höheren Lebenserwartung und einer Verringerung der Säuglings- und Kindersterblichkeit.

Die sozio-kulturellen Faktoren spiegeln sich in Kenntnissen über Krankheitsursachen und die gesellschaftlich akzeptierten und sozial geforderten Verhaltensweisen bezogen auf Hygiene, gesundheitliche Prävention und medizinische Versorgung wieder. Des Weiteren ist die gesellschaftliche Stellung der modernen, präventiven Medizin und besonders ihre Akzeptanz in der Bevölkerung sehr wichtig. Sehr großen Fortschritt hierbei erreichte man durch die Herstellung von Impfstoffen, welche jedoch heutzutage von der sogenannten „Impfgegnerschaft“ widersprüchlich der wissenschaftlich belegten präventiven Wirksamkeit angezweifelt werden. Als letzter Faktor gilt das spezifische Verhalten der Gesellschaft. Darunter zählen Verhaltensmuster wie der Umgang mit Genuss- und Suchtmitteln, das eigene Ess- und Schlafverhalten oder bewusste gesundheitsfördernde Aktivitäten. Der Mensch ist in seinem Alltag beruflichen und privaten Gefahren ausgesetzt, zum Beispiel als Verkehrsteilnehmer. Nicht in

Vergessenheit soll aber auch die häusliche Erziehung der Kinder geraten, welche einen großen Einfluss auf die zukünftige Gestaltung des Lebens der Heranwachsenden bedeutet.

3.2 Internationale Kontraste

Wie bereits im vorherigen Teil beschrieben, fehlen für den internationalen Vergleich der natürlichen Bevölkerungsbewegung zuverlässige statistische Daten. Deswegen werden für die Erhebung von aussagekräftigeren Ergebnissen Schätzwerte für die mittlere Lebenserwartung zusammen mit denen der Säuglingssterblichkeit verwendet. Somit lassen sich in der folgenden Abbildung (Abb. 2) vier Ländergruppen erkennen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Lebenserwartung in den Staaten der Erde von 2005 bis 2010. (BÄHR 2010: 155).

Hier teilen sich die Staaten in Länder mit extrem niedriger Lebenserwartung, welche unter 50 Jahren liegt und einer Säuglingssterblichkeit von über 100%o. Betroffen davon ist das tropische Afrika. Die nächste Gruppe ist die der Länder mit niedriger Lebenserwartung von 50-60 Jahren und einer hohen Säuglingssterblichkeit um die 70%. Auch ihnen gehören überwiegend afrikanische sowie süd- bzw. südostasiatische Länder an. Die dritte Ländergruppe ist die mit einer mittleren Lebenserwartung von 60-70 Jahren und einer Säuglingssterblichkeit um die 30%. Besonders verbreitet ist diese Gruppe in Asien. Die letzte Ländergruppe sind Länder mit hoher Lebenserwartung. Diese liegt bei über 70 Jahren und einer Säuglingssterblichkeit von meist unter 20%. Dazu zählen fast alle europäischen Länder, Nordamerika, Australien, Neuseeland und Japan.16 Zusammengefasst lässt sich erkennen, dass die Unterscheidung nicht unbedingt nur zwischen Industrie- und Entwicklungsländern erfolgt. Es beläuft sich eher auf dem Gegensatz zwischen Europa und der gesamten Neuen Welt, gegenüber dem afrikanischen-südasiatischen Raum. Es sind teilweise Differenzen von 40 Jahren der Lebenserwartung in diesen Großräumen abzulesen. Dem hingegen bewegen sich die Unterschiede zwischen Entwicklungs- und Industrieland nur im Zehn-Jahresbereich.

Die schnelle und kontinuierliche Senkung der Dritten Welt resultiert hauptsächlich durch exogene Einwirkungen. Dank moderner Technik und Medizin konnte man endemische und epidemische Krankheiten wie Malaria, Cholera oder die Pocken kontrollieren. Einen weiteren Faktor bilden Impfstoffe, welche gut durch Staaten, Religion und Kultur angenommen wurden. Durch Finanzhilfen internationaler Organisationen und dem Einsatz geschulten Personals konnte man diese eingeleiteten Maßnahmen sichern. Das gleiche gilt auch für Hungersnöte und ähnliche Katastrophen, die durch Hilfsaktionen gebessert wurden. Diese exogenen Einwirkungen haben jedoch in der heutigen Zeit weniger Gewichtung. Es bedarf einer Verbesserung der endogenen Voraussetzung der einzelnen Länder. Dies ist nicht nur in den Bereichen Ernährung, Hygiene, Wohnverhältnissen und Kleidung unentbehrlich, sondern auch in Bezug auf Bildungsniveaus und der Stellung der Frau und Müttern.17

3.3. Sterblichkeitsrückgang in Europa

Generell lässt sich der Wandel der Sterblichkeitsverhältnisse in drei Hauptphasen unterteilen.

Erstens in die Zeit hoher und stark fluktuierender Mortalität. Eine sehr hohe Zahl der Sterblichkeit überall auf der Welt lässt sich bis Mitte des 18. Jahrhunderts feststellen. So hält sich die Zahl auch trotz relativ starken unregelmäßigen Schwankungen auf einem konstant hohen Niveau. Zweitens ist die Übergangsphase von hoher zu niedriger Mortalität zu erwähnen. Diese lässt sich wiederum in zwei Phasen, dem Rückgang der Krisenmortalität und in den kontinuierlichen Mortalitätsrückgang, unterteilen. Erstere Phase ist gekennzeichnet durch den Rückgang und das Ausbleiben großer Seuchen, in der viele davon zu nunmehr lediglich Kinderkrankheiten wandelten. Daraus folgend stabilisierten sich die Verhältnisse auf einem noch immer recht hohen Niveau. Folglich bestimmte die Phase des kontinuierlichen Mortalitätsrückgangs die Zeit. Dank des Ausbleibens der katastrophalen Ereignisse kam es zu einer Steigung der Lebenserwartung. Diese machte sich besonders bei den jüngeren Altersklassen bemerkbar. Im Gegensatz zu dieser zahlenmäßigen Besserung, machten sich die Auswirkung bei den anderen Klassen nur gemäßigt bis kaum sichtbar. Die letzte Phase, die Zeit gleichbleibend niedriger Mortalität, folgte darauf. Die zuvor bemerkbare schnelle Verbesserung der Sterblichkeitsverhältnisse wurde von einer bis heute andauernden Phase geringfügiger Fortschritte abgelöst. Wesentlich auffallend sind nur Verbesserungen in der Säuglingssterblichkeit und insbesondere in der Alterssterblichkeit.18

[...]


1 (vgl. BÄHR 1997: 174)

2 (vgl. BÄHR 1997: 10)

3 (vgl. SPEKTRUM).

4 (vgl. OEPPEN & VAUPEL 2002).

5 (vgl. ENGELHARDT 2016: 289f.).

6 (vgl. SPEKTRUM).

7 (vgl. ENGELHARDT 2016: 247f.).

8 (vgl. BARCUS & HALFACREE 2018: 280).

9 (vgl. ENGELHARDT 2016: 293f.).

10 (vgl. BARCUS & HALFACREE 2018: 280).

11 (vgl. ENGELHARDT 2016: 297).

12 (vgl. WEHRHAHN & SANDNER LE GALL 2016: 51).

13 (vgl. BARCUS & HALFACREE 2018: 280).

14 (vgl. WEHRHAHN & SANDNER LE GALL 2016: 53).

15 (vgl. HÖPFLINGER 1997:145).

16 (vgl. BÄHR 2010: 156).

17 (vgl. BÄHR 2010: 160ff.).

18 (vgl. BÄHR 2010: 162ff).

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Mortalität und Fertilität. Zwei zentrale Begriffe der Bevölkerungsgeographie
Hochschule
Universität Passau
Note
2,0
Jahr
2020
Seiten
28
Katalognummer
V1005536
ISBN (eBook)
9783346386885
ISBN (Buch)
9783346386892
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mortalität, Fertilität, Bevölkerungsgeographie, Demographie, Sterberaten, Geburtsraten, Lehramt, Geographie
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Mortalität und Fertilität. Zwei zentrale Begriffe der Bevölkerungsgeographie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1005536

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