In dieser Hausarbeit werden im Folgenden die Grundlagen der Bewertung und Bilanzierung sowie verschiedene Rechtsprechungen in Form von Fallstudien beleuchtet und kritisch hinterfragt. Teilwertabschreibungen bei Wertminderungen von Finanzanlagen können aufgrund der regelmäßigen Änderungen in der Rechtsprechung Probleme in der Praxis hervorrufen. Der Disput zwischen der Finanzverwaltung als auch dem Bundesfinanzhof hat diese Situation nur noch weiter unterstützt.
Das Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Unterschiede zwischen Handels- und Steuerrecht aufzuzeigen sowie die rechtliche Entwicklung der Bewertungsvorschriften und Rechtsprechungen darzustellen. Die Erläuterungen bauen hierbei aufeinander auf, sodass die Hausarbeit stringent aufeinander aufbaut. Zur Erreichung dieses Ziels werden zunächst in Kapitel 2 allgemeine handels- und steuerrechtliche Grundlagen, in Bezug auf die Bewertungsvorschriften und die Differenzen innerhalb der Finanzanlagen, gegeben, welche ein besseres Verständnis der Situation ermöglichen sollen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise in der Arbeit
2 Grundlagen
2.1 Bilanzierung des Anlagevermögens
2.2 Abschreibungen
3 Teilwertabschreibungen
3.1. BFH-Urteil 2007
3.2 BMF-Schreiben 2009
3.3 BFH-Urteil 2011
4 Fallstudien
4.1 Situation Nr. 1: Lage vor dem Urteil von 2007
4.2 Situation Nr. 2: Lage zwischen den Urteilen von 2007/2011
4.3 Situation Nr. 3: Lage nach dem Urteil von 2011
5 Kritische Auseinandersetzung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Problematik von Teilwertabschreibungen auf Wertpapiere und Finanzanlagen im Anlagevermögen durch einen kritischen Vergleich zwischen den handelsrechtlichen Vorschriften und der steuerrechtlichen Praxis, unter besonderer Berücksichtigung wegweisender BFH-Urteile.
- Bilanzierung und Bewertung des langfristigen Anlagevermögens
- Rechtliche Unterschiede zwischen Handels- und Steuerrecht bei Wertminderungen
- Analyse der BFH-Rechtsprechung (2007, 2011) und des BMF-Schreibens 2009
- Praktische Fallstudien zu verschiedenen Bewertungszeitpunkten
- Kritische Würdigung der Bagatellgrenzen und Bilanzierungsprinzipien
Auszug aus dem Buch
3.1. BFH-Urteil 2007
Der BFH traf in seinem Infineon-Urteil vom 26.09.2007 (I R 58/06) eine wegweisende Entscheidung für die Bewertung börsennotierter Aktien. Eine GmbH erwarb 2001 eine Infineon-Aktie, welche bis zum 31.12.2001 einen Kursverlust von ca. 50 % erlitt. Die GmbH wollte diese Aktie durch eine Teilwertabschreibung im Jahresabschluss abwerten, jedoch teilte die Finanzverwaltung diese Ansicht nicht. Diese begründet ihre Beanstandung der Teilwertabschreibung damit, dass Kursschwankungen keine dauerhafte Wertminderung herrufen können. Gegen diese Begründung prozessierte die GmbH mit Erfolg, denn die Richter des I. Senates des BFH gaben dem Kläger Recht. Laut diesem Urteil ist dann von einer dauerhaften Wertminderung bei börsennotierten Wertpapieren auszugehen, wenn der Börsenwert resp. Wertpapierkurs unter die Anschaffungskosten gesunken ist und keine Anzeichen für eine baldige Wertaufholung zu verzeichnen sind.
Die Bundesrichter begründeten das Urteil damit, dass die Frage nach dem nachhaltigen Sinken des Teilwertes auf die Eigenarten des jeweils betroffenen Wirtschaftsguts angepasst werden müssen. Dabei muss der Steuerpflichtige alle zu berücksichtigen Prognosen resp. prognostischen Möglichkeiten ausnutzen, welche dem bilanzierenden Unternehmen zum Jahresabschluss zur Verfügung stehen. Ein verbreitetes Missverständnis bei der Begründung der Dauerhaftigkeit von Wertminderung ist, dass eine Wertsteigerung in der Zukunft nicht möglich sein dürfte, jedoch gilt nur der Konsens, dass „mehr Gründe für ein Andauern der Wertminderung sprechen [müssen] als dagegen.“ Die Begründung der Richter geht damit weiter, dass der Börsenkurs am gegebenen Stichtag die Erwartungen einer großen Zahl von Marktteilnehmern einer Einschätzung der Anleger resp. des Marktes widerspiegeln, d. h. dass es die zukünftige Entwicklung verkörpert, sodass ein Kurs unter den ursprünglichen Anschaffungskosten einen voraussichtlich dauerhaften Charakter darstellt. Als Voraussetzung muss ein funktionierender Informationsfluss vorausgesetzt werden, welcher durch die Eigenschaften eines Marktes erfüllt wird. Denn alle am Kapitalmarkt beteiligten Personen tragen in Form ihrer Angebote und des jeweils gebildeten Börsenkurses ihre Informationen über eine Aktie zusammen, wobei die künftigen Risiken, Erfolgsaussichten etc. des Unternehmens wiedergegeben werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definiert die Problemstellung und die Vorgehensweise hinsichtlich der Bewertung von Finanzanlagen und der kritischen Auseinandersetzung mit der Rechtsprechung.
2 Grundlagen: Erläutert die Bilanzierung von Anlagevermögen und die rechtlichen Rahmenbedingungen für Abschreibungen im Handels- sowie im Steuerrecht.
3 Teilwertabschreibungen: Analysiert die historische Entwicklung der Rechtsprechung durch BFH-Urteile und das BMF-Schreiben von 2009.
4 Fallstudien: Illustriert anhand von drei verschiedenen zeitlichen Szenarien die praktischen Auswirkungen der BFH-Rechtsprechung auf die Bewertung von Wertpapieren.
5 Kritische Auseinandersetzung: Diskutiert die Auswirkungen der Bilanzmodernisierung und die Rolle der Rechtsprechung im Vergleich zur Finanzverwaltung.
6 Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die BFH-Urteile als positive Entwicklung für eine realistischere, am Vorsichtsprinzip orientierte Bilanzierung.
Schlüsselwörter
Teilwertabschreibung, Finanzanlagen, Handelsrecht, Steuerrecht, BFH-Urteil, Anlagevermögen, Bilanzierung, Wertminderung, Maßgeblichkeitsprinzip, Kursverlust, Bagatellgrenze, Wirtschaftsgut, Börsenkurs, Dauerhaftigkeit, Vorsichtsprinzip
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Problematik der Bewertung von Finanzanlagen bei Wertminderungen und den Disput zwischen Handels- und Steuerrecht hinsichtlich der Teilwertabschreibung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Bilanzierung von Anlagevermögen, gesetzliche Anforderungen an Abschreibungen und die Entwicklung der Rechtsprechung durch den Bundesfinanzhof (BFH).
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Auswirkungen der BFH-Rechtsprechung auf die Praxis der Unternehmensbewertung kritisch zu beleuchten und den Vergleich zwischen handelsrechtlicher Behandlung und steuerrechtlichen Vorgaben aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Literaturanalyse sowie eine qualitative Auswertung von Fallstudien genutzt, um die Entwicklung und Wirkung der Rechtsprechung im Zeitverlauf darzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen des Anlagevermögens, die Analyse der BFH-Urteile (2007, 2011) sowie praxisnahe Fallbeispiele zu unterschiedlichen Bewertungszeiträumen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Teilwertabschreibung, Finanzanlagen, BFH-Urteile, Wertminderung, Anlagevermögen und das Maßgeblichkeitsprinzip.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen vorübergehender und dauerhafter Wertminderung eine so große Rolle?
Da die Finanzverwaltung lange Zeit extrem strenge Kriterien an die "Dauerhaftigkeit" stellte, waren notwendige steuerliche Abschreibungen in der Praxis häufig nicht zulässig, was zu einer verzerrten Darstellung der wirtschaftlichen Lage führte.
Was hat das BFH-Urteil von 2011 konkret verändert?
Das Urteil präzisierte die Voraussetzungen für Teilwertabschreibungen, führte eine Bagatellgrenze von 5 % ein und entmachtete die restriktiven Schwellenwerte der Finanzverwaltung.
- Arbeit zitieren
- Tim Niklas Buchholz (Autor:in), 2019, Teilwertabschreibungen bei Wertminderungen von Wertpapieren, Beteiligungen und Anteilen an verbundenen Unternehmen des Anlagevermögens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1005612