Das Zeitverständnis des Augustinus von Hippo in den Confessiones


Hausarbeit, 2020

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wer ist Augustinus?

3. Was sind die Confessiones?

4. Verschiedene Perspektiven des Zeitbegriffes
4.1 Der Zeitbegriff in der Physik
4.2 Der Zeitbegriff in der Philosophie

5. Der Zeitbegriff unter Augustinus

6. Augustinus in der Philosophie des 20. Jahrhunderts
6.1 E. G. A. Husserl und dessen Zeitverständnis
6.2 Heideggers Zeitverständnis

7. Schlusswort

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Augustinus von Hippo war ein im heutigen Algerien geborener Kirchenvater, der sich zwischen der Antike und dem Mittelalter vor allem mit den Werken der Confessiones, zu Deutsch Bekenntnisse, bis heute einen Namen machte und somit als einer der bedeutendsten Verfasser von theologischen Schriften angesehen wird. Die vielen verschiedenen Stationen und Veränderungen in seinem Leben waren ebenfalls ein Grund, weshalb in die 13 Teile der Confessiones viele autobiografische Textpassagen hinein einflossen. Gerade seine Konversion zum Christentum führt dazu, dass der spätere Rhetorikdozent seine Gedanken zu der Religion vertieft1.

Augustinus widmete einen Großteil seiner Werke dem Verständnis der Zeit. Auch heute noch befasst sich die Philosophie und die Wissenschaft mit dem Zeitverständnis, weshalb sich Philosophen wie Heidegger, Wittgenstein und Russel mit den Confessiones ausgiebig befassen und die Werke analysieren und interpretieren.

Im Rahmen der schriftlichen Ausarbeitung soll das Zeitverständnis des späteren Rhetorikdozenten anhand der Confessiones I-XIII dargestellt werden. Ziel ist es, ein allgemeines Verständnis zu schaffen und die wichtigen Theorien bezüglich der Zeitfrage Augustins darzustellen.

Zuerst wird in Kapitel zwei für das bessere Verständnis das Leben des Augustinus im Rahmen einer Kurzbiografie dargestellt, was uns einen Einblick in die Zeit zwischen Antike und dem Mittelalter ermöglicht. Auch werden hier die einzelnen Etappen und Stadien im Leben des Augustinus thematisiert. Im Folgenden wird der allgemeine Aufbau der Confessiones I-XIII erläutert, was uns im späteren Verlauf ermöglicht, die einzelnen Phrasen besser zu verstehen. In Kapitel vier der Ausarbeitung widmen wir uns dem Verständnis der Zeit in der Naturwissenschaft und in der Philosophie der Antike, die als Ausgangspunkt für die Theorien in den Confessiones dienten. Darauf basierend erfolgt das Hauptthema dieser Hausarbeit. Hier steht das Zeitverständnis von Augustinus im Fokus. Noch vor dem Schlusswort blicken wir auf eine Beurteilung des Philosophen Husserl, der sich im 20. Jahrhundert mit den Bekenntnissen mit Fokus auf die Thematik der Zeit beschäftigte. Gefolgt wird dies von einem Schlussteil, welcher eine Zusammenfassung der augustinischen Zeittheorie beinhaltet.

2. Wer ist Augustinus?

In der Stadt Thagaste, im heutigen Algerien als Souk Ahras bekannt, wurde am 13. November 354 Augustinus von Hippo geboren. Das Thema Glaube wurde ihm schon von Geburt an in die Wiege gelegt, da sowohl sein Vater, ein nicht-christlicher Beamter, als auch seine Mutter, eine Christin, mit der Religion in Verbindung standen. Nach der Schulzeit, die er in Thagaste und in Madaura verbrachte, begann Augustinus im Jahre 370 das Studium der Rhetorik in der Stadt Karthago, welches er 373 erfolgreich beendete und sein Wissen daraufhin nutzte, um sich als Grammatik - und Rhetoriklehrer den Lebensunterhalt zu finanzieren. Von großer Wichtigkeit war dies gerade deshalb, da der Vater des damals Neunzehnjährigen verstarb und somit der Hauptteil seiner finanziellen Stütze wegfiel. Während seiner Zeit als Student lernte er eine Frau kennen, die später Mutter seines Sohnes Adeodatus wurde. Schon im Jahre 373 befasste sich Augustinus ausgiebig mit dem von Cicero geschriebenen Hortensius. In der Lektüre, von der es heute kein Exemplar mehr gibt, geht es vor allem um das Thema der Philosophie. Nachdem sich der junge Augustinus mit dem Werk Ciceros auseinandersetzte, wagte er sich erstmals an die Bibel heran. Sein Eindruck über die Rhetorik war zunächst eher negativ gestimmt, da er die Qualität im Rahmen des literarischen Aspekts als mangelhaft empfand. Durch das nähere Befassen mit dem Buch Ciceros, fand Augustinus zu der religiösen Glaubensgemeinschaft der Manichäer, bei der es sich um eine abgewandelte Variante der Gnosis mit ihren Wurzeln im orientalischen und hellenistischen Raum handelt. Während seiner Zugehörigkeit zu der Glaubensgemeinschaft des Manichäismus, befasste er sich weiterhin mit der Astrologie, Ästhetik, der Philosophie und auch mit der Astronomie2. Für die Manichäer spielt insbesondere der Dualismus, also die Unterscheidung zwischen Gut und Böse, eine zentrale Rolle. Nach einem Gespräch mit dem bekannten Manichäer Faustus von Mileve und der darauffolgenden inneren Unzufriedenheit, wendet sich Augustinus von dem Manichäismus ab, woraufhin er als Rhetoriklehrer mehrere Städte wie Rom sowie den kaiserlichen Hof von Mailand aufsucht. Nach der endgültigen Ablehnung des Manichäismus, widmete sich Augustinus dem Skeptizismus der „Neuen Akademie", wobei es sich um eine, auf der platonischen Lehre basierende, Schule handelt3.

Auch am kaiserlichen Hof in Mailand beschäftigte Augustinus sich mit der Rhetorik und unterrichtete im Jahre 384 als Rhetorikdozent. Offene Fragen der Philosophie richtete Augustinus nun an den Bischof Ambrosius, welcher in seinen Predigten über die für ihn als unglaubwürdig erscheinden Teile des Alten Testaments aufklärt. Auch spielte der Neuplatonikerkreis für ihn bei Klärung offener Fragen eine wichtige Rolle. Nicht nur der Einfluss von Bischof Ambrosius und des Neuplatonikerkreises sorgten dafür, dass sich Augustinius dem Christentum zuwendet, sondern auch der Druck seitens seiner christlichen Mutter spielte hierbei eine bedeutende Rolle. Aufgrund gesundheitlicher Probleme zieht sich Augustinus im Alter von 32 Jahren immer weiter zurück um sich stärker mit der Philosophie zu befassen4. Er zieht mit seiner Familie nach Cassiciacum, einer Stadt in Norditalien, wo eine Vielzahl der überlieferten Schriften Augustinus entstanden sind. Noch bevor Augustinus beabsichtigt, nach Afrika zurückzukehren und dort ein klösterliches Leben zu führen, lässt er sich in der Osternacht des Jahres 387 taufen. Nach drei Jahren in seinem Geburtsort, wird er dort erst Priester und vier Jahre später Bischof. Dieses Angebot nahm er aufgrund der Unverzichtbarkeit eines Bischofamtes an, wenngleich er sich durch diese monastische Tätigkeit in seinem Leben eingeschränkt fühlte. Durch seine abgeneigte Position zum Manichäismus und zum Donatismus, erlangte er eine Führungsrolle im afrikanischen Episkopat. Während des donastischen sowie dem pelagiastischen Streit, in dessen Augustinus deren Weltanschauung kritisierte, befasste er sich weiterhin mit dem Verfassen von Literatur. Bis kurz vor dem Zusammenbruch des römischen Kaiserreiches im Jahr 476, beschäftigt sich Augustinus mit der Gnadentheologie sowie der Revision einiger seiner Werke5. In der folgenden Abbildung sind auf einer Landkarte von Nordafrika und Italien, die Stationen Augustins Leben zu sehen. Auch die Reisewege sind hierauf erkennbar und aufgezeichnet. Während es sich bei den durchgängigen Linien um verwendete Reisewege handelt, die belegt werden können, lassen die gestrichelten Linien auf vermutete Reisewege schließen6.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Augustinus Stationen auf der Landkarte von Nordafrika und Italien6

3. Was sind die Confessiones?

Bei den Confessiones, auf Deutsch Bekenntnisse, handelt es sich um literarische Werke, die Augustinus von Hippo im Laufe seines Lebens verfasste. Diese bestehen aus insgesamt 13 Büchern, welche in einem Monolog Augustins ausgedrückt sind. Vor allem in den Confessiones XI befasst sich der Rhetorikdozent intensiv mit dem Thema der Zeit, weshalb dieser Teil der Reihe auch als Zeittraktat bezeichnet wird7. Auch in anderen Werken aus der Reihe der Confessiones finden sich Theorien über die Zeit, mit denen sich Augustinus einst beschäftigte. So befassen sich zum Beispiel auch die Confessiones XII und XIII mit der Zeit8. Im Rahmen seiner Werke spricht Augustinus in einem inneren Dialog. Beeinflusst ist er von dem Verständnis der damaligen philosophischen Auseinandersetzungen mit dem Thema Zeit, zu dem auch Erlebnisse aus seinem Leben eine wichtige Rolle für seine Meinungsbildung spielen9. In den ersten neun der 13 Bücher befasst Augustinus sich mit seiner eigenen Biografie, dem Wechsel seiner Konfession sowie dem Tod seiner Mutter. das zehnte Buch befasst sich mit dem Thema der Erinnerung und den Gedanken zu dem gegenwärtigen Ich. Im elften Buch reflektiert der Gelehrte über die Zeit, folgend von den Büchern zwölf und 13, in denen die Betrachtung der Genesisverse im Mittelpunkt steht10. Bis heute finden die Auseinandersetzungen mit der Zeit seitens Augustinus in den Confessiones Anklang und werden von Theologen sowie von Philosophen ausgiebig diskutiert. Auch werden die Confessiones als Grundlage oder Baustein verschiedener Interpretationen genutzt11.

4. Verschiedene Perspektiven des Zeitbegriffes

Zum Begriff der Zeit gibt es verschiedene Betrachtungsweisen. So lässt sich über den Zeitbegriff philosophisch diskutieren, aber auch eine naturwissenschaftliche Sichtweise ist sinnvoll. Laut der Enzyklopädie der Religion in Geschichte und Gegenwart handelt es sich hierbei um „verschiedene Weisen einer Einteilung der natürlichen und kulturellen Verlaufsformen und Geschehensabläufe in voneinander abgegrenzte und qualifizierte Teile"12. Im Folgenden werden die verschiedenen Ansichtsweisen am Beispiel der Physik und der Philosophie erläutert, um so andere Betrachtungsweisen neben der Augustinischen Zeitphilosophie herzustellen.

4.1 Der Zeitbegriff in der Physik

A. M. Klaus Müller spricht beispielsweise in seinem Buch über Arten der Zeiterfahrung. Als ersten Punkt spricht er den Bereich der messbaren Zeit an, die wir im Rahmen der Uhrzeit messen. Dieser Bereich ist messbar, weshalb sich auch die Naturwissenschaften tiefer damit befassen können. Des Weiteren zählt er die Zeit in unserer Lebensumgebung auf. Hierbei handelt es sich um Dinge, die im „Laufe der Zeit" geschehen und für uns nicht einsehbar sind. Bei der Vergangenheit handelt es sich um Zeit, die bereits erlebt ist. Der dritte Aspekt, welcher angesprochen wird, ist die Wahrnehmung im Gedächtnis. So kann der Mensch sich durch die Erfahrung aus dem Vergangenen eine Vermutung zu den eventuellen Konsequenzen in der Zukunft aufstellen. Die letzte Art der Zeitauffassung ist der Begriff der Endlichkeit. Bei dieser handelt es sich um eine Zeit, die sich von Lebewesen zu Lebewesen unterscheidet und die Lebenszeit begrenzt. Was auf die weltliche Endlichkeit folgt, hängt vom Glauben oder der Überzeugung des Individuums ab13.

Um zu verstehen, dass die Physik das Verständnis zum Thema Zeit nicht komplett entschlüsseln kann, muss zuerst verstanden werden, wie die Physik funktioniert. Die Physik arbeitet mit Modellen, die unter anderem Ansätze aus der Mathematik beinhalten. Da auch neue Erkenntnisse in der Wissenschaft Modelle aus der Physik verändern können, handelt es sich bei der Physik um eine Wissenschaft, die wandelbar sein kann14. Die Zeit in der Physik wird mittels einer Uhr gemessen. Je genauer die Uhr ist, desto präziser lassen sich Aussagen über die Zeit treffen. Dies weist jedoch schon auf das Problem hin, dass wir auch heute noch nicht in der Lage sind, die genauesten Uhren zu entwerfen. Nachdem die Erdrotation bis 1940 als Maßeinheit verwendet wurde, zählen heute die Atomuhren als die explizitesten Uhren. Durch Funkuhren können wir diese Uhrzeit auch im Alltag abrufen. Offen bleibt jedoch, ob es nicht möglicherweise genauere Uhren als die Atomuhr gibt, welche bisher dem menschlichen Denken verborgen sind15. Anders als zum Beispiel die Lichtgeschwindigkeit, ist die Zeit nach Einstein relativ. Das heißt, dass die Dauer zwischen zwei Ereignissen für eine stehende Person schneller vergeht als für eine sich bewegende Person, weshalb nach der Theorie Einsteins Uhren in der Bewegung langsamer sind. Der Effekt wird in einem Projekt mit Zwillingen gut ersichtlich. Sobald sich einer der Zwillinge im Weltraum schnell bewegt und der andere Zwilling auf der Erde verweilt, vergehen für den Menschen auf der Erde 20 Jahre, während auf der Uhr der reisenden Person erst zehn Jahre vergangen sind16.

[...]


1 Vgl. Horn, Christoph: Augustinus. München 1995, S. 17

2 Vgl. Horn, Christoph: Augustinus. München 1995, S.14.

3 Vgl. ebd., S.15

4 Vgl. ebd., S. 17

5 Vgl. ebd., S. 18

6 Vgl. ebd., S. 21

7 Vgl. Flasch, Kurt: Was ist Zeit? Augustinus von Hippo. Das XI. Buch der Confessiones. Historisch-philosophische Studie. Frankfurt am Main 1993, S.76

8 Vgl. ebd., S. 92

9 Vgl. Gander, Hans-Helmuth: Zeit und Erkenntnis. Überlegungen zu Augustinus: „Confessiones XI“. In: Figal, Günther (Hrsg.): Internationales Jahrbuch für Hermeneutik. Tübingen 2002, S.301

10 Vgl. Kragl, Florian/ Schneider, Christian: Erzähllogiken in der Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Heidelberg 2011, S.46

11 Vgl. Flasch, Kurt: Was ist Zeit? Augustinus von Hippo. Das XI. Buch der Confessiones. Historischphilosophische Studie. Frankfurt am Main 1993, S.196

12 Mohn, Jürgen/ Koch, Klaus/ Frey, Jörg/ Zachhuber, Johannes/ Mesch, Walter/ Schwöbel, Christoph/ Schweitzer, Friedrich /Gerhards, Albert, "Zeit/Zeitvorstellungen”, in: Religion in Geschichte und Gegenwart. Verfügbar über: https://referenceworks.brillonline.com/search?s.f.s2_parent=s.f.book.religion-in-geschichte-und- gegenwart&search-go=&s.q=. (aufgerufen am 24.09.2020)

13 Vgl. Hägele, Peter: Was versteht ein Physiker unter Zeit? in: Zeitschrift der Studentenmission in Deutschland (SMD). Nr. 62 (1998). S. 2

14 Vgl. ebd., S. 3

15 Vgl. ebd., S. 5

16 Vgl. ebd., S. 7

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Zeitverständnis des Augustinus von Hippo in den Confessiones
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
16
Katalognummer
V1005706
ISBN (eBook)
9783346389374
ISBN (Buch)
9783346389381
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Augustinus, Hippo, Confessiones, Zeit, Zeitverständnis, Religion, Philosphie, Physik
Arbeit zitieren
Mine Göksungur (Autor:in), 2020, Das Zeitverständnis des Augustinus von Hippo in den Confessiones, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1005706

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