Frauenschicksale in der Zeit des Nationalsozialismus


Facharbeit (Schule), 2001
17 Seiten, Note: 14 P. (1)

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0. Vorwort

Unsere Schule gestaltet im Jahr 2001, am 27. Januar, den „Tag des Erinnerns“. In Vorbereitung dessen fuhr eine Gruppe von Schülern der 12. Klasse in das ehemalige Frauenkonzentrationslager Ravensbrück in den Landkreis Oberhavel. Dort hatten wir die Möglichkeit, drei Tage intensiv im Archiv zu arbeiten. Mein Interesse für diese Reise entstand unter anderem daraus, dass ich zuvor das Buch „Arztschreiber in Buchenwald“ gelesen hatte, was mich innerlich sehr bewegte und mich zum Nachdenken anregte. Außerdem reizte mich die Aussicht, in einem Archiv zu arbeiten, in Originaldokumenten zu lesen und nicht nur eine Besichtigung zu erleben. Unsere Aufgabe bei der Archivarbeit bestand darin, vielfältige Informationen über Frauenhäftlinge und ihre Schicksale zu sammeln und später zum „Tag des Erinnerns“ in Form unterschiedlicher Belegarbeiten interessierten Lesern zu präsentieren. Wir arbeiteten ca. 8 Stunden täglich intensiv im Archiv und lasen in Originaldokumenten, in Zeitzeugenberichten und in Büchern über das grausame Leben im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Man erhielt Informationen über Informationen und mit jedem weiteren Bericht und mit jedem weiteren Dokument wurde es erschreckender und abstoßender. Aus dem Hauptthema „Frauenschicksale in der Zeit des Nationalsozialismus“ wählte ich insbesondere Schicksale von Frauen aus, die in diesem Lager inhaftiert waren und an denen medizinische Experimente unter grausamsten Bedingungen ausgeführt wurden. Was sich mir beim Studium der Dokumente offenbarte, überstieg bei weitem meine Vorstellung und ich hätte von mir nicht erwartet, dass mir diese grausamen Berichte so „unter die Haut“ gehen. Ich hatte mich bis zu diesem Zeitpunkt auch nie wirklich mit den Grausamkeiten in der Zeit des Zweiten Weltkrieges auseinander setzen müssen. Ich wusste nur, dass es Konzentrationslager gegeben hatte und wusste nur oberflächlich um die Dinge, die dort geschehen waren. Als Jugendlicher mit 17 Jahren und 55 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges fehlten mir bis zu diesem Zeitpunkt die Anregung und die Motivation, um mich mit dieser Thematik zu befassen. Die Reise in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück in Verbindung mit der Arbeit im Archiv haben meine Sicht in Bezug auf Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt verändert. Mit dieser Belegarbeit entschied ich mich, etwas „Licht in die Vergangenheit“ zu bringen. Ich möchte gleichzeitig Interesse wecken und vielleicht gibt es ja noch andere, die sich für eine wirkliche Bildungsreise dieser Art entscheiden.

1. Der Anfang

1.1 Das Dritte Reich

Am 30. Januar 1933 ernennt der Reichspräsident Paul von Hindenburg den Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), Adolf Hitler, zum Reichskanzler. Hitler hatte sein Ziel erreicht. Nach dem gescheiterten Putsch in München 1923 befanden sich nunmehr die Nationalsozialisten an der Macht. Die Nationalsozialisten feierten ihren Sieg und Joseph Goebbels sprach von einer „historischen Wende“ für Deutschland. Am Abend marschierten 15000 uniformierte Anhänger in einem Fackelzug vereint durch das Brandenburger Tor, vorbei an dem hell erleuchteten Reichstagsgebäude.

Bereits im März 1933 begannen erste Razzien bei Juden. Es folgten Verhaftungen durch SA und SS und die ersten Juden wurden bereits in so genannte „wilde“ Konzentrationslager eingeliefert. Der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, ließ in der Nähe von Dachau [heutiges Bundesland Bayern, in der Nähe von München] das erste Konzentrationslager (KL, später KZ) einrichten. In diesem Lager bildeten sich die später maßgeblichen Prinzipien der Häftlingsmisshandlung und Organisationsstrukturen heraus. Die Häftlinge waren politische und ideologische Gegner, Homosexuelle, rassisch Verfolgte und Juden.

Zwei Jahre später, 1935 auf dem achten Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg, setzten sich Adolf Hitler und Alfred Rosenberg mit dem „jüdischen Bolschewismus“ auseinander. Die Nationalsozialisten veröffentlichten und verbreiteten die Auffassung der „Existenz einer jüdischen Verschwörung“, die darauf gerichtet war, in allen Staaten die politische Macht zu ergreifen und eine Weltherrschaft anzustreben. Es wurde behauptet, dass es angeblich Protokolle gegeben hat, in denen Juden die Eroberung der Weltherrschaft planten. Das Ziel dieser Propaganda war eindeutig. Es sollte in der breiten Bevölkerung Angst und Verachtung gegenüber den Juden erzeugt werden und gipfelte später in den Vernichtungs- und Deportationswahn der Nationalsozialisten.

Im proklamierten Antisemitismus [Gegner des Judentums, Feind der Juden] verbanden sich für die Nationalsozialisten zwei Auffassungen. Zum einen sahen sie die Juden als „geldgierige Schacherer“ und sprachen von der Macht des „jüdischen Weltkapitals“ und zum anderen stellten sie eine Verbindung zwischen den Juden und den Bolschewisten, ihrem zweiten Feindbild, her. Der Jude war für die Nationalsozialisten die Verkörperung des Bösen, sie machten ihn für alle Missstände im Land und in der Welt verantwortlich. Man hatte einen Sündenbock gefunden. Auf die Juden und die Bolschewisten entlud sich zukünftig alle Aggression und es galt sie alle zu vernichten. Viele Juden, insbesondere junge und wohlhabende Juden, reagierten auf die wachsende Bedrohung mit Auswanderung. Die, die blieben, ereilte das Schicksal in Form von Gettos, Arbeitslagern und Konzentrationslagern.

Vorboten der später folgenden Deportation und Massenvernichtung waren die auf dem Reichsparteitag erlassenen Nürnberger Gesetze. Diese waren das „Reichsbürgergesetz“ und das „Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“. Mit diesen Gesetzen wurden den deutschen Juden jegliche staatsbürgerlichen Rechte abgesprochen und damit ihre Lebensgrundlage entzogen. Es setzte eine Verschärfung antijüdischer Maßnahmen ein. Im Juni 1938 begannen erste Massenverhaftungen von „vorbestraften“ Juden und es folgte ihre Überführung in die Konzentrationslager.

1.2 Die Rassentheorie als Ideologie

„Die nationalsozialistische Ideologie ist von dem Glauben an den Führungsanspruch der nordischen Herrenrasse und die absolute Unterordnung des einzelnen unter das Volk und seinen „Führer“ Adolf Hitler geprägt. Nach dem Willen der Nationalsozialisten soll das deutsche Volk seinen Führungsanspruch in Europa, in der Welt, durchsetzen und sich seinen Lebensraum durch die Unterwerfung „minderwertiger“ Völker, vor allem Osteuropa, sichern.“1

Hitler definierte die Aufgabe seiner Politik dahin gehend, dass die Politik in der „Kunst der Durchführung des Lebenskampfes des deutschen Volkes um das irdische Dasein“2 besteht. Außenpolitik beinhaltete die Schaffung neuen Lebensraumes, also andere Länder zu annektieren und sich fremde Güter einzuverleiben in diesen gewaltsam eroberten Gebieten und das mit allen Mitteln. Die Aufgabe der Innenpolitik bestand in der absoluten Umsetzung der Rassentheorie mit den dafür notwendigen Machtinstrumenten. „Der Rassewert sollte durch bewusste Auswahl gesteigert werden: „Nationalsozialismus ist angewandte Rassenkunde.“ Landwirtschaftsminister Walter Darre’ definiert in einem Aufsatz in „Volk und Rasse“ das „Zuchtziel des deutschen Volkes.“3 Der Gegensatz zur nordischen Herrenrasse, der Idealtyp war groß, blond und blauäugig, war die „minderwertige“ Rasse. Zur minderwertigen Rasse zählten Slawen und Juden, aber auch Homosexuelle und Behinderte. Die Rassentheorie verfolgte zwei wesentliche Ziele, erstens die grundsätzliche Ablehnung des jüdische Blutes und die Anerkennung des germanischen Blutes als Anfang, Grundlage und Zukunft. Zweitens sollte die Geburt von Kindern mit unerwünschten Erbanlagen, sei es jüdisches oder farbiges Blut sowie Erbkrankheiten oder Behinderungen, vermieden werden. Infolge dessen ordnete Adolf Hitler die Euthanasie an. Diese Rassentheorie wurde dann insbesondere in den Konzentrationslagern in Form von Massenvernichtungen und medizinischen Versuchen an Menschen praktiziert.

1.3 Die Anordnung der Euthanasie

Am 1. September 1941 beauftragte Adolf Hitler mittels eines formlosen geheimen Führererlasses den Reichsleiter Philipp Bouhler und seinen persönlichen Leibarzt Karl Brandt mit der Durchführung eines Euthanasieprogramms zur „Vernichtung lebensunwerten Lebens“. Seit der Reform des Strafrechtes von 1933 war die Euthanasie ernsthaft im Gespräch. Dieses Euthanasieprogramm erstreckte sich vor allem auf die Ausrottung unheilbar Geisteskranker und behinderter Menschen sowie auf eine entsprechende Vorbeugung, um die Geburt von behinderten Kindern und Kindern mit zu erwartenden Erbkrankheiten zu verhindern. Der Unterhalt und die Pflege dieser Menschen sollte der Gesellschaft nicht zugemutet und zur Last gelegt werden. Das Euthanasieprogramm wurde unter anderem mit Zwangssterilisationen an Juden und Mischlingen 2. Grades und in den Konzentrationslagern mit medizinischen Experimenten an Menschen umgesetzt.

Der Reichsmarschall Hermann Göring erteilte am 31. Juli 1941 dem Leiter des SS Reichssicherheitshauptamtes, Reinhardt Heydrich, den Auftrag, die „Endlösung der Judenfrage“ organisatorisch vorzubereiten und für eine entsprechende Umsetzung zu sorgen. Der Massenmord an den Juden war beschlossen. Während im Osten die Juden bereits in fahrbaren Gaswagen umgebracht wurden, suchte der Leiter des Judenreferates, Karl Adolf Eichmann, im Reichssicherheitshauptamt nach einer Methode, möglichst schnell und möglichst viele Menschen zu ermorden. Das Gas Zyklon B stellte sich dabei als brauchbar heraus. Im Konzentrationslager Auschwitz wird am 23. September 1941 die erste Vergasung von Menschen mit dem Gas Zyklon B ausgeführt. In der darauf folgenden Zeit werden die Vernichtungslager Auschwitz, Birkenau, Chelmno, Belzec, Sobibor, Majdanek und Treblinka ausgebaut und mit Gaskammern „aufgerüstet“.

Im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück wurden unter Leitung der Lagerärztin Frau Dr. Herta Oberheuser und des Lagerarztes Percival Treite medizinische Experimente in Form von Sterilisationen, experimentellen operativen Eingriffen, Gonorrhoe [bakterielle Trippererreger] - Versuchen, Sulfonamid [chemotherapeutisches Arzneimittel]- Versuchen und Versuchen mit Hormonpräparaten durchgeführt.

Das Wort Euthanasie stammt aus dem Griechischen und bedeutet „bewusste Herbeiführung des Todes“, im medizinischen Sinn auch die „Erleichterung des Sterbens“, zum Beispiel durch Narkotika. Was im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück geschah, war die bewusste und gewollte Herbeiführung des Todes, mit anderen Worten, es war heimtückischer und grausamer Menschenmord.

Mit den späteren in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen und Militärgerichten bagatellisierten Äußerungen und Beteuerungen, lediglich zur Erleichterung des Sterbens bei schwerer Krankheit zum Beispiel im Arbeitsdienst beigetragen zu haben, hatte es nichts mehr gemein, genau so wenig wie der geschworene hippokratische Eid beider Ärzte als Grundlage der ärztlichen Ethik und Moral im Sinne eines humanistischen Glaubensbekenntnisses.

2. Entstehung, Geschichte und Entwicklung des Frauenkonzentrationslagers

In der folgenden Darstellung zur Geschichte des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück beziehe ich mich auf ein Archivdokument nach den Recherchen von Monika Herzog und Bernhard Strebel, da ein großer Teil der Lagerakten von der SS kurz vor der Befreiung vernichtet wurde, so wie sicherlich viele solcher Akten, um die Geschehnisse der SS in den vorbenannten Lagern kurz vor Kriegsende zu vertuschen. Die Geschichte von Ravensbrück konnte nur noch an Hand weniger erhaltener Akten und Aussagen von ehemaligen überlebenden Häftlingen sowie Mitarbeitern des SS- Personals rekapituliert werden. Ravensbrück war das größte Frauenkonzentrationslager im ehemaligen Reichsgebiet mit weit über 100.000 inhaftierten Frauen, Mädchen und Kindern aus über 20 Ländern.

Die Geschichte von Ravensbrück begann in Moringen bei Göttingen. Dort wurde im Herbst 1933 die erste Internierungsstätte für weibliche politische Gegner des Regimes eingerichtet. Ab 1935, nach dem Erlass der Nürnberger Gesetze in Verbindung mit der schon beschriebene Rassentheorie Adolf Hitlers erfolgte die Einlieferung rassisch Verfolgter. Im Gegensatz zu den späteren Konzentrationslagern war Moringen noch nicht der SA und der SS unterstellt, sondern der Provinzverwaltung Hannover und es kam noch häufig zu Entlassungen. Im Herbst 1937 wurde die Lichtenburg bei Prettin für weibliche Häftlinge genutzt, nachdem die zuvor männlichen Häftlinge in das fertiggestellte Konzentrationslager Buchenwald überführt wurden. Auf Grund der Struktur dieses Lagers, des Bewachungspersonals durch die SS und der zahlenmäßigen Belegung galt Lichtenburg als das erste wirkliche Frauenkonzentrationslager, und es war bereits der zentralen Inspektion der Konzentrationslager unterstellt.

In den Jahren 1938 und 1939 entstand in der Nachfolge von Lichtenburg das Frauenkonzentrationslager in Ravensbrück, insbesondere bevorzugt wegen seiner günstigen Verkehrsanbindungen. Der Aufbau des Lagers erfolgte durch 500 männliche Häftlinge aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen, die zu diesem Zweck nach Ravensbrück überstellt wurden. Das Lager war vorerst für 3000 weibliche Häftlinge vorgesehen. Die Organisation sowie der Verwaltungs- und Bewachungsaufbau waren mit den Männerkonzentrationslagern identisch. Eine Abweichung gab es nur im Lagerinnendienst, der von SS- Aufseherinnen wahrgenommen wurde. Gleichzeitig diente Ravensbrück als Ausbildungslager für SS- Aufseherinnen. Für die weiblichen Häftlinge in Ravensbrück wurden ähnliche Strafverfahren wie bei den Männern in den anderen Lagern angewandt. Vollstreckt wurden die Strafen im Lagergefängnis, in dem sogenannten „Bunker“ und später in dem zusätzlich errichteten Strafblock. Dort erfuhren die Häftlinge zusätzliche Demütigungen und Repressalien, zum Beispiel gekürzte Essenrationen, Nahrungsentzug, besonders schwere Arbeit, stundenlanges Stehen, Dunkelarrest in Einzelzellen und Gewaltexzesse durch Aufseherinnen. Die Sterblichkeit war dort höher als im übrigen Lager.

Bis 1940 umfasste das Lager ein Areal von ca. 20.000 Quadratmeter, war mit einer vier Meter hohen Mauer und mit einem unter Starkstrom stehenden Stacheldraht umbaut. Auf dem Areal befanden sich Wirtschaftsbaracken, 14 Wohnbaracken für die Häftlinge, gegenüberliegend in der sogenannten Lagerstraße, und 2 Krankenbaracken. Eine Wohnbaracke war eingeteilt in 2 Schlafräume mit anfangs 135 Schlafstellen in dreistöckigen Holzliegeflächen, 2 Speiseräume, 1 Waschraum und 1 Dienstzimmer.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges 1941, dem Überfall auf Polen und der Besetzung weiterer europäischer Länder, kamen zahlreiche Frauen, Mädchen und Kinder nach Ravensbrück, sofern sie den Transport dorthin überlebten. Im Zeitraum zwischen Februar und Juli 1944 wurden allein 12.000 polnische Frauen und Kinder von Polen nach Ravensbrück deportiert. Das Lager wurde Mitte des Jahres 1942 auf Grund der zahlreichen Zugänge um das „neue Lager“ erweitert. Zusätzlich entstanden 25 Wohnbaracken, 7 Krankenbaracken und 3 Krankenrevierbaracken. In diesen Krankenrevieren wurden Zwangssterilisationen und Experimente mit Hormonpräparaten ausgeführt. Allein im Zeitraum von August 1942 bis August 1943 wurden an 74 Polinnen und 12 Frauen unterschiedlicher Nationalitäten experimentelle Testreihen vorgenommen. Es handelte sich dabei um Operationen, die Infektionen hervorrufen sollten, um daran die Wirkung von Sulfonamiden zu erproben. Weiterhin wurden operative Knochen-, Muskel- und Nervenexperimente ausgeführt. Im Lagerjargon nannte man diese Frauen „Versuchskaninchen“.

Daniel Jonah Goldhagen beschreibt in seinem Buch „Hitlers willige Vollstrecker“ im Kapitel „Die Maschinerie der Vernichtung“ das Lagersystem wie folgt:

1. „Es war eine Welt, in der Deutsche eine bestimmte Praxis der Gewalt ausübten und eine Reihe konkreter Ziele verfolgten.
2. Es war eine Welt, in der Deutsche uneingeschränkt zu Herren werden konnten, unbelastet durch bürgerliche Hemmungen, die der Nationalsozialismus zügig durch eine neue antichristliche Moral ersetzte.
3. Es war eine Welt, in der Deutsche ihre Opfer neu „formten“, damit sie dem Bild entsprachen, das sie sich von ihnen gemacht hatten. Das wiederum bestätigte ihre Weltsicht.
4. Es war eine revolutionäre Welt, in der die soziale Transformation und die Umwandlung der Werte, beides Kernstücke des Nationalsozialistischen Programms, am beharrlichsten umgesetzt wurden.“4

„Die Entmenschlichung einer Person [Nummern statt Namen], die Formung einer undifferenzierten Masse durch Entzug ihrer Individualität [Haare ab, einheitliche Anzüge], und durch Angleichung aller Körper war nur der erste Schritt. Die Deutschen trieben die Bewohner der Lagerwelt in einen Zustand schlimmster körperlicher, geistiger und emotionaler Entbehrungen.“5

Generell wurden die Häftlinge unzureichend ernährt und bekleidet, sie wurden bei schwerster Arbeit zu unerträglichen langen Arbeitszeiten gezwungen, sie wurden auf engstem Raum in den Unterkünften zusammengepfercht und erhielten keine medizinische Versorgung. Sie waren zusätzlich den ständigen Schikanen und den Folterungen an Körper und Seele durch die Aufseher ausgeliefert.

Ihr äußeres Erscheinungsbild war geprägt durch extreme Abmagerung, Verwahrlosung und Krankheit wie vereiterte offene Wunden oder Seuchen. Somit erschienen sie wohl auch sichtbar als „lebensunwerte Untermenschen“ und vermittelten den SS- Aufsehern und „Ärzten“ offensichtlich das Recht, sie als „Versuchskaninchen“ zu missbrauchen.

3. Lagerärzte und deren medizinische Experimente an Häftlingen

3.1 Die Lagerärztin Dr. Herta Oberheuser

Die Lagerärztin Dr. Herta Oberheuser wurde in Ravensbrück die „Bestie von Ravensbrück“ genannt. Ihr wurden insbesondere Sulfonamidversuche, Versuche zur Regeneration von Muskeln und Nerven, Versuche zur Knochenregeneration sowie experimentelle operative Eingriffe angelastet.

Dr. Herta Oberheuser wurde am 15. Mai 1911 in Köln geboren. Sie studierte von 1931 bis 1933 an der Bonner Universität und anschließend bis 1937 in Düsseldorf. Im Jahr 1937 erhielt sie in Bonn ihr Doktordiplom. Dr. Oberheuser arbeitete zuerst in der Düsseldorfer Medizinischen Klinik und später in der dortigen Hautklinik. Sie trat 1935 in den Bund Deutscher Mädchen (BDM) ein und wurde 1937 Mitglied der NSDAP. Im Rahmen ihrer Tätigkeit als Ärztin arbeitete sie in der Organisation des BDM als so genannte „Ringärztin“ im Raum Düsseldorf . Im Jahr 1941 nahm sie ihre Tätigkeit als Fach- und Lagerärztin im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück auf. Während dieser Tätigkeit als „Ärztin“ lehnte sie grundsätzlich die Krankenbehandlung von Jüdinnen ab. Bei anderen Häftlingen erfolgte nur eine Behandlung, wenn sie mindestens 39 Grad Fieber hatten oder eine Lungenerkrankung vorlag.

Im Lager lernte sie Prof. Dr. Gebhardt und den Arzt Percival Treite kennen. Mit ihnen unternahm sie im Lager zahlreiche medizinische Experimente. Im Zeitraum von August 1942 bis ca. März 1943 wurden an 75 überwiegend polnisch- jüdischen Frauen und Mädchen Sulfonamidexperimente an offenen Wunden vorgenommen, um die Wirkung von Sulfonamiden bei Gasbrandwunden zu erproben. Die dabei erfassten Todesopfer beliefen sich auf 6 Häftlinge. Weiterhin wirkte sie im Zeitraum zwischen 1942 und 1943 bei Sterilisationen, mindestens 10 Versuchen zur Regeneration von Muskeln und Nerven sowie bei 24 Versuchen zur Knochenregeneration mit. Bei allen diesen Versuchen sind die Zahlen der Todesopfer nicht bekannt.

Dr. Herta Oberheuser verließ das Konzentrationslager 1943 und leitete ein Krankenhaus in der Nähe von Hohen- Lychen. Später arbeitete sie mit Prof. Dr. Gebhardt, den sie zuvor im Konzentrationslager Ravensbrück kenngelernt hatte, in einer Heil- und Pflegeanstalt des Roten Kreuzes.

Erst im Jahr 1947, zwei Jahre nach Kriegsende, wurde Dr. Herta Oberheuser vor dem Nürnberger Militärgerichtshof angeklagt und gemäß der gegen sie erhobenen Beschuldigungen der Kriegsverbrechen und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft verurteilt. Wegen guter Führung wurde sie bereits nach 6 ¾ Jahren aus der Haft entlassen und ab 1956 betrieb sie in Stocksee bei Plön eine eigene Arztpraxis. Trotz öffentlicher Proteste und einem nachträglich ausgesprochenem Berufsverbot praktizierte sie weiter, da ihre eingelegte Berufung Erfolg hatte.

Frau Dr. Herta Oberheuser, die für die Ausführung von grausamen und mörderischen medizinischen Experimenten, die ohne Zustimmung der betreffenden Opfer vorgenommen wurden, verantwortlich war, bezeichnete später ihre eigene schriftliche Aussage vor dem Nürnberger Militärgerichtshof als Erpressung und behauptete, dass sie nur auf besonderen Wunsch der Patienten in einigen Fällen Sterbehilfe geleistet hätte.

Weiterhin war sie der Überzeugung, dass sie zu Unrecht verurteilt wurde, dass sie keine Kenntnis hatte in einem Konzentrationslager gearbeitet zu haben, dass sie nur aus finanziellen Überlegungen heraus in Ravensbrück tätig war und persönlich darunter gelitten hatte, weil sie mit den dort tätigen Ärzten angeblich nicht zurecht kam und ständig mit den Gefangenen zusammen sein musste. Dr. Herta Oberheuser starb am 24. Januar 1978.

3.2 Der Lagerarzt Dr. Percival Treite

Dr. Percival Treite trat erst 1943, zwei Jahre vor Kriegsende, als Angehöriger der Waffen-SS seinen Dienst als Lagerarzt im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück an. Dort übernahm er die Leitung und die Verantwortung für die Ambulanz und die OP-Abteilung. Er wirkte als Gynäkologe bei Sterilisationsversuchen, Typhusversuchen und an experimentellen operativen Eingriffen mit und als vorgebildeter Chemiker auch an chemischen Versuchen mit Pulverpräparaten. Seine unmittelbare Mitwirkung an Gonorrhoe- Versuchen ist nicht bekannt.

Er wurde am 10. September 1911 in Berlin geboren. Im Jahr 1931 legte er an der Kant-Schule in Berlin- Karlshorst seine Reifeprüfung ab und studierte anschließend an der Berliner Universität Medizin und einige Semester Chemie. Noch während des ersten Studiums trat er 1933 mit 22 Jahren in die allgemeine SS ein. Nach seinem Staatsexamen 1936 war er als Medizinal- Praktikant an der II medizinischen Klinik der Charite´ bei Professor von Bergmann und an der Universitätsfrauenklinik Berlin bei Geheimrat Stoeckel tätig. Während dieser Zeit absolvierte er bei Stoeckel eine zusätzliche Ausbildung als Gynäkologe und Geburtshelfer und war dessen hoch geachteter Assistent.

Im Januar 1938 erhielt er seine staatliche Zulassung als Arzt. Er arbeitete weiterhin als Assistenzarzt bei Stoeckel und am Pathologischen Institut dieser Klinik unter Leitung von Professor Meyer. Bereits im Dezember 1938 promovierte Treite. In den Jahren von 1940 bis 1943 arbeitete er weiter an der Universitätsfrauenklinik Berlin als Gynäkologe und war ebenfalls in der Strahlenabteilung der Klinik tätig.

Im Februar 1943 erwarb er die Lehrberechtigung an Hochschulen und dozierte wenig später an der Berliner Universität. Dr. Treite war zu dieser Zeit gerade einmal 32 Jahre alt und hatte als Mediziner bereits eine beispielhafte Karriere hinter sich.

Am 1. April 1943 wurde Dr. Treite zur Waffen- SS eingezogen und er wurde Stabs- und Lagerarzt im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Seine „medizinischen Studien“ bezogen sich insbesondere darauf, wie man bei Sinti, Roma, Juden und anderen Völkergruppen, die nicht der arischen Rasse entsprachen, eine dauerhafte und endgültige Zeugungsunfähigkeit erreichen kann, um damit deren Ausbreitung zu verhindern. Die Lagerärzte Dr. Treite, Dr. Brach und Professor Clauberg entwickelten die Methode der Massenkastration- und sterilisation mit Hilfe der Röntgenstrahlung. Dr. Brach schrieb daraufhin einen Brief an den SS- Obersturmführer Brandt über die entwickelte Methode zur „Verhinderung der Ausbreitung des Judentums“ und teilte mit, dass die Forschungen zur Röntgenkastration- und sterilisation sicher und wissenschaftlich abgeschlossen sind. Die Methode beinhaltete folgende Theorie. Die Kastration/ Sterilisation gelingt lediglich dann, wenn die Konzentration der Röntgenstrahlen überdurchschnittlich hoch ist. Dabei treten erhebliche Nach- und Nebenwirkungen auf. Durch die hohe Konzentration von Strahlen findet eine Vernichtung der inneren Sekretion des Eierstockes bzw. des Hodens statt. Folgeschäden dieser Methode sind das Ausbleiben der Periode, klimatische Veränderungserscheinungen, Veränderungen der Behaarung und Stoffwechselveränderungen. Dr. Percival Treite war für die Berechnung der Röntgenanlage im Zusammenhang mit der Berechnung der zu kastrierenden Personenanzahl zuständig. Er berechnete, dass man pro Tag mit 2 Röhrenanlagen ca. 150 - 200 Personen kastrieren bzw. sterilisieren kann und er fügte hinzu, dass man doch mit 20 solcher Anlagen ca. 3000- 4000 Personen um ihre Fruchtbarkeit bringen könnte. Eine solche Anlage würde um die 20000- 30000 Reichsmark kosten. Diese Kosten für eine derartige Röntgenanlage waren für das Deutsche Reich jedoch nicht tragbar. Deshalb wurde auf die Massenkastration im weitesten Sinne dieser Methode verzichtet. Sterilisationen an Gefangenen wurden daraufhin in Ravensbrück in gleicher Vorgehensweise, aber nicht in dieser Konzentration unternommen.

Im Zeitraum zwischen Herbst 1943 und erstes Halbjahr 1945 wurden mindestens 120 Sterilisationen an Frauen und Mädchen vorgenommen. Die Zahl der Todesopfer ist nicht bekannt. Dr. Percival Treite unternahm zwischen 1943 und 1944 weiterhin mindestens 30

Typhusversuche mit unbekannten Todesopferzahlen, 1944 mindestens 80 Versuche mit chemischen Pulverpräparaten mit 80 Todesopfern sowie 6 experimentelle operative Eingriffe mit 4 Todesopfern.

Am 30. April 1945 desertierte Dr. Percival Treite aus Ravensbrück, wurde aber am 11. Mai von den Britischen Alliierten verhaftet und am 3. Februar 1947 zum Tode verurteilt. Nach der Urteilsverkündung beging Dr. Treite Selbstmord und stahl sich somit aus seiner Verantwortung.

4. Medizinische Experimente- Zwangssterilisationen und Abtreibungen

Im Frühjahr 1942 begannen in Ravensbrück offiziell die Zwangssterilisationen. Professor Dr. Carl Clauberg wurde im Auftrag des Reichsführers der SS aufgefordert sich in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück zu begeben und nach seinem Ermessen Sterilisationen an Jüdinnen vorzunehmen. Die Sterilisationen erfolgten mit Hilfe von Injektionen mit „besonderen Inhaltsstoffen“.

Die sogenannte „Clauberg Methode“ bestand darin eine Kontrastlösung und eine Argentnitratlösung in die Eileiter zu spritzen. Das hatte eine schwere Entzündung der Eileiter und sicher auch der gesamten Bauchhöhle zur Folge. Die Eileiter verwuchsen miteinander und es entstand eine Art Verschluss. Somit wurde eine lebenslange Sterilisation erreicht. Prof. Dr. Clauberg spritzte insgesamt eintausend Jüdinnen, Sinti und Roma Frauen und Mädchen im Alter zwischen 8-18 Jahren diese Lösung. Jedoch gelangte diese Lösung bis in die Bauchhöhle und die „Patientinnen“ mussten unter größten Schmerzen und Qualen dahinsiechen. Doktor Percival Treite sterilisierte später mit dieser Methode der Eileiterunterbindung einhundert Kinder. Das Operieren dieser Kinder vollzog er in der Zeit vom 4. bis zum 7. Januar 1945.

Für den Lagerarzt Dr. Ralf Rosentahl waren insbesondere schwangere Frauen ein „besonderes Objekt“, an denen er Zwangsabtreibungen noch im achten und neunten Schwangerschaftsmonat vollzog. Hierbei interessierte er sich besonders für das Verhalten der Frauen während der Abtreibung und er schreckte dabei vor nichts zurück. Mit chemischen Mitteln, Bestrahlungen, chirurgischen Eingriffen, Tabletten und Schlägen nahm er den noch ungeborenen Kindern das Leben, noch bevor es für sie begann. Die erste Abtreibung versuchte Dr. Ralf Rosentahl mit Tabletten und Bestrahlungen vorzunehmen. Als dies jedoch fehlschlug und die Frau einen gesunden Sohn zur Welt brachte, erstickte und verbrannte er den Jungen vor ihren Augen. Aus einem anderen Fall geht hervor, dass Dr. Rosentahl einer ebenfalls im achten Monat schwangeren Frau das Kind aus dem Leib stückelte. Die Frau starb kurze Zeit darauf an Typhus. Die beiden Ärzte Dr. Schildlawsky und Dr. Oberheuser wichen dem Oberarzt Dr. Rosentahl aus Interesse nicht von der Seite. Nach Kriegsende gestand Dr. Ralf Rosentahl 34 Fälle von Abtreibung an gefangenen Frauen und Mädchen.

5. Frauenschicksale

5.1 Häftlingsbericht von Hilde Boy- Brandt

„Die erste Tätigkeit, die der Arzt bei jedem Häftling ausübte, war die Zugangsuntersuchung. Sie bestand aus 2 Etappen. Wenn man ankam, wurde man sofort (wenigstens damals noch) in das Bad - bestehend aus Duschen - gebracht. Nach Entlausung und Baden begann dann die Parade der nackten Frauen - eine haarscharf hinter der anderen stehend - vor dem Arzt, der frech und provozierend auf einer Tischecke saß. Seine Aufgabe war offiziell bei diesem ersten Teil nach Krätze und anderen ansteckenden Krankheiten zu schauen bzw. die Schwerkranken gleich ins Revier aufzunehmen. Das besorgten aber bereits die dabeistehenden Revierarbeiterinnen, so dass er sich nur noch auf Fragen folgender Art spezialisierte: „Warum eingesperrt?“ (dabei eine Musterung von oben bis unten, die unerträglich war), wenn die Frau dann sagte, wegen Verkehr mit einem Ausländer, erfolgte automatisch die Frage: „Wie oft?“ und ähnliches und wenn die Frau darauf nicht antwortete, musste sie sich hinten noch einmal anstellen, um eine andere Antwort zu geben. Die nähere Untersuchung erfolgte dann im Revier etwas eingehender, durfte aber auch nicht länger als höchstens 2 Minuten dauern. 3 Tage später war bereits eine Liste in der Revierschreibstube mit Namen all der Zugänge, die wegen Verkehrs mit Ausländer da waren und sofort geschoren werden sollten. Dabei spielte sich auch so manche Tragödie ab. Das Scheren erfolgte in Abständen von 3 Monaten 3 mal hintereinander.“6

5.2 Häftlingsbericht von Eva v. Lützow

„ ... und waren alles Frauen, deutsche Frauen. Mütter! Sie schienen alle so stumpf, dass sie gar nicht begriffen, warum „die Neue“ an der Tür stand und so bitterlich weinte. Doch, doch- sie begriffen es: sie, die todmüde, erschöpft bis zur Kraftlosigkeit waren, boten mir die einzige Kostbarkeit an, die sie im Augenblick zu vergeben hatten- die Ecke eines Schemels. Sie rückten zusammen und boten mir Platz. Ich war aufgenommen in ihre Gemeinschaft.“7

5.3. Häftlingsbericht von Hedwig Müller

„ Zehn Tage dauerte die Reise nach Ravensbrück. Zusammengepfercht in kleinen Zellen wurden wir von einem Durchgangsgefängnis in ein anderes geschleppt. Die Zustände und die Behandlung in denselben liess uns ahnen, was uns erst in Ravensbrück erwartete. Von den einzelnen Bahnstationen bis in die Gefängnisse wurden wir unter schwerer Bewachung wie Schwerverbrecher abgeführt. In Bremen war es besonders schlimm, dort wurden wir u. a. mit „Ihr Volksverräter“ tituliert. Auf der Fahrt nach Berlin wurden wir während eines Grossangriffes angehängt und auf freier Strecke über 2 Stunden stehen gelassen. Mitten in der Nacht kamen wir im Lager an. Obwohl wir 24 Stunden ausser einem kleinen Stückchen Brot, nichts zu essen und zu trinken bekommen hatten, bekamen wir erst am anderen Tage ein Stückchen Brot und etwas Kaffee.

Durch den Empfang und Unterkunft wurden alle unsere Befürchtungen übertroffen. In einem Bad wurden wir „lagermäßig“ eingekleidet. Wir erhielten schmutzige Wäsche und ein dünnes gestreiftes Lagerkleid. Wir wurden mitten im Winter ohne Strümpfe, Kopftuch, Handschuhe und Mäntel dann einem Zugangsblock zugewiesen.“8

6. Schlusswort

Die Projektfahrt in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück und die vorliegende Belegarbeit waren eine Herausforderung für mich, sich zum ersten mal so intensiv mit der Thematik des Nationalsozialismus in der Zeit des Dritten Reiches zu beschäftigen. In Ravensbrück erarbeiteten wir uns neue Erkenntnisse über diese grausame Zeit, in der unschuldige Menschen grundlos inhaftiert, gequält, missbraucht und ermordet wurden. Die Thematik, die uns in Ravensbrück am meisten beschäftigte, waren die Schicksale der dort inhaftierten Frauen, Mädchen und Kinder. Wir erfuhren auf sehr einfühlsame Weise, wie sich ihr Tagesablauf im Lager vollzog, wie sie in diesem Lager lebten bzw. vegetierten, wie sie für pseudomedizinische Experimente missbraucht wurden und wie sie letztendlich ermordet wurden. Diese grausame und für mich erschütternde Seite des Nationalsozialismus war mir bis dahin weitestgehend unbekannt.

Beim Studium der Archivdokumente war es sehr bewegend zu erfahren, wie Menschen wie du und ich auf perversester Art und Weise als „Versuchskaninchen“ im Namen der Wissenschaft missbraucht wurden. Wie im Vorwort schon einmal dargestellt, habe ich durch diese neuen Erkenntnisse eine andere Sicht auf die momentan aktuelle Thematik des Rechtsradikalismus in Deutschland gewonnen. Ich konnte es noch nie nachvollziehen, wie jemand immer noch an Personen wie Hitler, Himmler, Göhring oder andere Verbrecher des Nationalsozialismus glauben kann, deren Verbrechen negiert und sie sich als „Idole“ annimmt.

Nach diesen prägenden und emotional bewegenden Eindrücken in Ravensbrück ist meine Ablehnung jeglichen rechtsradikalen Gedankenguts wesentlich gefestigt worden. Die Tage in Ravensbrück waren für mich eine neue und wichtige Erfahrung.

Am letzten Tag legten wir im Gedenken und in Erinnerung an tausende tote und gequälte deutsche, jüdische und ausländische Frauen, Mädchen und Kinder Rosen in den Schwedtsee nieder und verabschiedeten uns von Ravensbrück in würdiger Weise.

[...]


1 Chronik der Deutschen, 1996, S. 876

2 Chronik der Deutschen, 1996, S. 876

3 Chronik der Deutschen, 1996, S. 876

4 Goldhagen, Daniel Jonah: Hitlers willige Vollstrecker, S. 210

5 Goldhagen, Daniel Jonah: Hitlers willige Vollstrecker, S. 214

6 Sammlung der MRG/ StBG, Bd 15, Bericht 17

7 Sammlung der MRG/ StBG, Bd 18, Bericht 98

8 Sammlung der MRG/ StBG, Bd 29, Bericht 520

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Frauenschicksale in der Zeit des Nationalsozialismus
Veranstaltung
Tag des Erinnerns
Note
14 P. (1)
Autor
Jahr
2001
Seiten
17
Katalognummer
V100598
Dateigröße
366 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
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Schlagworte
Frauenschicksale, Zeit, Nationalsozialismus, Erinnerns
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Christian Schmeer (Autor), 2001, Frauenschicksale in der Zeit des Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100598

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Titel: Frauenschicksale in der Zeit des Nationalsozialismus


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