Dietrich Jung: Tradition - Moderne - Krieg


Seminararbeit, 2000
43 Seiten, Note: 1

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Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Der Siegelbergsche Ansatz
II. 1 Gewalt und Krieg im historischen Prozess

III. Jungs wissenschaftliche Nutzbarmachung des Siegelgerschen Ansatzes
III. 1 Der Begriff Weltgesellschaft
III.1. 1 Begriffliche Konkretisierung

IV. Leitdifferenz bürgerlich-kapitalisatische Gesellschaft und traditionale Gesellschaft
IV. 1 Der Idealtypus bürgerlich-kapitalistischer Vergesellschaftung
IV. 2 Der Idealtypus traditionaler Vergesellschaftung

V. Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen

VI. Die Bedingungen des gesellschaftlichen Wandels in der Dritten Welt
VI. 1 Die Operationalisierung der „Grammatik des Krieges“
VI. 1. 1 Widerspruch
VI. 1. 2 Krise
VI. 1. 3 Konflikt
VI. 1. 4 Krieg

VII. Hamas: Ein konkretes Beispiel der spezifischen Verknüpfung von Interessen und Ideen
VII. 1 Wichtige Merkmale und Inhalte der Charta

VIII. Zusammenfassung

Bibliographie

Anhang

II. Der Siegelbergsche Ansatz

Grundlage von Jungs Dissertation ist der Siegelbergsche Entwurf über die Theorie des Krieges [1]. In diesem Entwurf haben der Prozess globaler Verge­sellschaftung und die Kategorie Weltgesellschaft fundamentale Bedeutung.

Das wesentliche Problem dieses Entwurfs ergibt sich nach Jung daraus, dass der Siegelbergsche Ansatz hoch abstrakt ist und deshalb nicht in empirischen komparativen Studien verwendet werden kann.

Siegelberg will in seiner Arbeit über die Theorie des Krieges einen umfassen­den Erklärungsrahmen für eine vergleichende Analyse von Kriegsursachen liefern. Sein besonderes Erkenntnisinteresse liegt in den Ursachen der krie­gerischen Konflikte in der Dritten Welt, vor allem auch deshalb, weil die Dritte Welt nach 1945 primärer Kriegsschauplatz war.

Der Fokus der Untersuchung liegt auf der Ebene der kriegsbeteiligten Akteu­re, ist also akteurszentriert. Von den verschiedenen Analyseebenen - Indivi­duum, Staat/Gesellschaft, internationales System - entscheidet er sich für die Ebene Staat bzw. Gesellschaft. Er hat somit einen gesellschaftstheoretischen Zugang. Diese Entscheidung begründet er damit, dass es sich bei den Begrif­fen „internationales System“ und „Individuum“ um Abstraktionen handelt, die nicht als Ausgangspunkt für eine Analyse geeignet sind. Letztendlich, so Siegelberg, entscheiden die handelnden Akteure darüber, ob sich ein Konflikt zu einem Krieg ausweitet oder nicht. Das Individuum selbst sieht Siegelberg als reine Fiktion, weil es den vereinzelten Einzelnen nicht gibt.

Die bürgerliche Gesellschaft dient als Maßstab, um alle anderen Gesellschaf­ten zu vergleichen. Die Marxsche Theorie der bürgerlichen Gesellschaft bildet dabei die gesellschaftstheoretische Grundlage - nicht aber der Marxismus, wie Siegelberg betont. Der Grund für die Verwendung der Marxschen Theorie liegt darin, dass Marx den inneren Zusammenhang dieser historisch spezifi­schen Vergesellschaftungsform herausgearbeitet hat und somit die Kategorien und Begriffe dieser Theorie einen geeigneten Maßstab für den Vergleich bür­gerlicher und vorbürgerlicher Lebensverhältnisse bietet.

Jung bezieht sich auf Siegelbergs Kernthese, die aussagt, dass die Möglichkeit für eine allgemeine Theorie der Kriegsursachen in der Entwicklung der bür­gerlichen Gesellschaft zur Weltgesellschaft liegt[2]. Dieser Vergesellschaf­tungsprozess ist nicht nur die Voraussetzung, um komplexe Kriegsursachen miteinander zu vergleichen, sondern auch selbst der Grund für kriegerische Auseinandersetzungen.

Die Gesellschaftsformen der Länder in der Dritten Welt haben strukturelle Gemeinsamkeiten. Sie sind alle in irgendeiner Weise (Kolonialismus, Imperia­lismus) mit dem Kapitalismus bzw. mit der bürgerlichen Gesellschaftsform in Berührung gekommen. Dadurch sind diese Gesellschaften von einer struktu­rellen Heterogenität gekennzeichnet. Es gibt sowohl nicht- bzw. vorbürgerli­che Elemente als auch bürgerlich-kapitalistische. Große Unterschiede erge­ben sich aus Art, Umfang und Dauer der kapitalistischen Durchdringung dieser Länder und Regionen. Deshalb ist es wichtig, die zeitlich uneinheitliche Durchdringung der Gesellschaften zu analysieren.

Die in solchen Gesellschaften Lebenden sind somit immer in einer bestimmten Form mit Bruchlinien und Erosionsprozessen konfrontiert. Die kapitalistische Durchdringung hat die Tendenz, alle ethnischen, religiösen und sozialen Zu­sammenhänge, darunter auch die Regeln zur Konfliktlösung, einzureißen, ohne an deren Stelle eine neue Identität zu setzen. Folge dieser fehlenden Instituti­onen zur Konfliktlösung ist eine Tendenz zur Privatisierung von physischer Gewalt.

Siegelberg sieht drei strukturelle Konfliktlinien[3]:

1. Konflikte, die aus traditionalen, vorkolonialen Verhältnissen mitgeschleppt werden.
2. Konflikte, die dem Gegensatz kapitalistischer und traditionaler Vergesell­schaftung entspringen.
3. Konflikte, die aus den der kapitalistischen Gesellschaft immanenten Wi­dersprüchen resultieren.

All diesen Konflikte steht nun kein institutioneller Rahmen zu ihrer Lösung gegenüber. Der kapitalistische Weltmarkt führte zu einer Weltstaatenordnung. Aber die bürgerliche Gesellschaft ist noch zu keiner Weltgesellschaft gewor­den. In der Dritten Welt sind Staat und Gesellschaft nicht deckungsgleich. Den vorbürgerlichen und traditionalen Gesellschaften wird ein staatlicher Hand­lungsrahmen aufgezwungen.

Seit dem Ende der Dekolonialisierung vollzieht sich die kapitalistische Um­formung im Inneren dieser Staaten und ist auch zu ihrer inneren Angelegen­heit geworden. Siegelberg nennt diesen Prozeß „nachholende Konsolidierung vorausgesetzter Staatlichkeit“[4].

Siegelberg stellt sich die Frage, ob es ein zugrundeliegendes Entwicklungs­schema gibt, das allen Kriegen gemeinsam ist. Er bejaht diese Frage und ent­wickelt auf ihrer Basis die vier systematischen Stufen der „Grammatik des Krieges“. Anhand dieses Analyseschemas soll die Kausalität historischer Pro­zesse rekonstruiert werden.

Siegelberg betont, dass die vier Stufen der „Grammatik des Krieges“ nicht verstanden werden sollen als handelte es sich hier um ein Analyse- bzw. Es­kalationsschema, das die Aufgabe hätte, empirische Phänomene zu beschrei­ben. Es soll ganz im Gegenteil eine kausale Erklärung anleiten. Die vier Schritte zum Krieg markieren jeweils einen qualitativen Sprung, und dies ist das Hauptmerkmal, das sie von einem zeitlichen Analyseschema unterschei­det.

Die Untersuchung umfasst vier Schritte:

1. Widerspruch'· Wirkliche Widersprüche, wie gegensätzlich Weltbilder oder unterschiedliche Formen der Vergesellschaftung müssen analysiert wer­den. Sie sind der Nährboden für Konflikte.
2. Krise'· Hier geht es um die Frage, wie die Akteure die Widersprüche wahrnehmen. Denn Akteure handeln aufgrund ihrer subjektiv wahrgenom­menen Wirklichkeit. Die objektiven Widersprüche alleine sind noch nicht krisenauslösend, sondern sie müssen erst als solche subjektiv wahrge­nommen werden.
3. Konflikt'· Eine Analyse davon, wie sich die krisenhafte Wahrnehmung von Widersprüchen im konfliktiven Handeln der Akteure umsetzt. Er ist der Umschlag der Verhältnisse in Verhalten. Hier geht es auch darum, die Mechanismen der Konfliktaustragung zu analysieren.
4. Krieg' Sind die Stufen 1-3 durchlaufen, kann es zum kriegerischen Konfliktaustrag kommen.

Für den Untersuchenden ist es wichtig, die „Binnenperspektive“/den sozialen Habitus der Akteure einzunehmen. Die Wahrnehmungs- und Handlungsmuster der Akteure in diesen Übergangsgesellschaften lassen sich wesentlich nicht über die Kategorie des Interesses verstehen. Denn zweckrationales und inter- essensgeleitetes Handeln sind Kategorien der bürgerlichen Gesellschaft. Da diese Gesellschaften aber bereits Momente kapitalistischer Gesellschaften aufweisen, müssen sie in doppelter Perspektive (bürgerlicher und traditiona- ler) wahrgenommen werden. Somit dient die bürgerliche Gesellschaft als Ver­gleichsmaßstab.

Die ausschlaggebende Funktion der Trennlinie zwischen vorbürgerli- cher/traditionaler und bürgerlicher Vergesellschaftung ist ihre Rolle als Leit~ differen. Diese Grenze bzw. deren Funktion als Leitdifferenz muss allerdings nach Jung begrifflich-analytisch erfasst werden, um der wissenschaftlichen Forschung dienen zu können.

II. 1 Gewalt und Krieg im historischen Prozess

Schon zuvor wurde die elementare Rolle der Kontrolle physischer Gewalt­samkeit im Vergesellschaftungsprozess erwähnt. Diese Aufgabe ist eine per­manente, da die Machtquelle physischer Gewalt ständig präsent ist. Daher können soziale Ordnungen auch als Versuche zur Bewältigung von Gewalt an­gesehen werden.

Der Transformationsprozess traditionaler zu bürgerlich-kapitalistischen For­men der Vergesellschaftung kann als schrittweiser Entzug der Machtressour­ce physischer Gewalt aus dem sozialen Konkurrenzkampf beschrieben wer­den. Dabei vollzieht sich ein Prozess der Verrechtlichung der Konkurrenz, die dann an formale Regeln gebunden und frei von direkter Gewalt ist. Diesen Prozess beschreibt Siegelberg mit dem Begriff des Formenwandels der Ge­walt. Dieser Formenwandel ergibt sich aus dem Übergang von traditionaler zur bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft.

In der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft erkennen sich die Menschen als gleichberechtigte Eigentümer ihrer Waren an. So verzichten sie auf direkte Aneignung durch Raub, durch offene Gewalt. Also basiert auch die Pazifizie­rung der sozialen Beziehungen auf der bürgerlichen Form des gesellschaftli­chen Vermittlungszusammenhanges. Diese Pazifizierung vollzieht sich aber in einem langfristigen - durch Widersprüche und Ungleichzeitigkeiten gekenn­zeichneten - Prozess, bei dessen Durchsetzung Gewalt auftritt.

Siegelberg teilt die Epoche der Durchsetzung globaler Vergesellschaftung in zwei Phasen. Die erste Phase beschreibt die handelskapitalistische Ausbrei­tung. Sie ist die vorkapitalistische Phase, in der noch traditionale Momente der Vergesellschaftung dominieren. Die zweite Phase ist die eigentlich kapita­listische, weil in ihr das bürgerlich-kapitalistische Syntheseprinzip zur be­stimmenden Größe der Entwicklung wird.

Siegelbergs Untersuchungen beginnen in den norditalienischen Städten des 15. Jahrhunderts. Von dort ausgehend, markieren die dominierenden Mächte Spanien, Portugal und Holland die Durchsetzung der kapitalistischen Produkti­onsweise innerhalb Europas. Wesensmerkmal dieser handelskapitalistischen Phase ist der Zusammenhang von Politik und Ökonomie, der für traditionale Gesellschaften typisch ist. Physischer Gewalt und Krieg kommt noch die Funktion einer Aneignungsressource für materielle Güter zu. Während dieser Phase vollzieht sich in Europa die massive Umwälzung der traditionalen Le­bensverhältnisse und somit die Schaffung der Voraussetzungen für kapitalisti­sche Produktionsverhältnisse. Diese Phase ist durch kriegerische Konflikte geprägt.

Auf der internationalen Ebene sind die koloniale Expansion und die damit ver­bundene gewaltsame Aneignung von Ressourcen und die kriegerische Konkurrenz der handelskapitalistischen Mächte zentrale Merkmale dieser Phase. Diese Konkurrenz wurde mit militärischen, nicht mit ökonomischen Mitteln ausgetragen, war also Krieg - und zwar konkret Kolonialkriege, außereuropäische Handelskriege der europäischen Mächte und die innereuropäischen Kriege.

Die zweite Phase beginnt mit den europäischen Revolutionen und der damit einhergehenden Durchsetzung der neuen sozialen Kräfte des Bürgertums und der Lohnabhängigen sowie mit der nationalstaatlichen Konsolidierung Euro­pas. Sie ist die originär kapitalistische Phase und durch die Dominanz des in­dustriellen Kapitals und dem Aufstieg Englands zur Weltmacht gekennzeich­net.

Die Trennung von Ökonomie und Politik, die für entwickelte bürgerliche Ge­sellschaften typisch ist, war aber noch keineswegs vorhanden. Dieser Um­stand wirkte sich natürlich auf die sozialen Akteure aus. Die Bourgeoisie do­minierte ökonomisch, die alte Herrschaftselite dominierte politisch und militä­risch. Diese zwei Blöcke vereinten sich zu einem Block hegemonialer Kräfte. Diese Hegemonie sozialer Kräfte bildet eine Mischung aus traditionalen und bürgerlichen Momenten der Vergesellschaftung.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges beginnt für Siegelberg die zweite Pe­riode kapitalistischer Entwicklung. Erst nach 1945 bildet sich in den kapitalis­tischen Zentren eine bürgerliche Gesellschaft aus. Die Etablierung formal rationaler, sachlicher Herrschaftsverhältnisse äußert sich auch in dem nahezu vollständigen Verschwinden kriegerischer Konflikte innerhalb der kapitalisti­schen Staaten nach 1945. Das Kriegsgeschehen hat sich in die Regionen der Dritten Welt verlagert.

Die Entwicklung der zweiten kapitalistischen Periode war im internationalen Rahmen durch den Prozess der Dekolonisation von den 40er bis in die 60er Jahre gekennzeichnet. Dieser Prozess der Dekolonisation markiert das Ende der militärischen Staatenkonkurrenz, an dessen Stelle die Konkurrenz der Ka­pitale auf dem Weltmarkt tritt.

Als die Kolonialreiche aufgelöst wurden, entstand eine Neuordnung des inter­nationalen Systems. Diese führte zu einer Weltstaatenordnung. Mit der Garan­tie der staatlichen Souveränität durch die Weltstaatenordnung verlagerte sich aber der konfliktive Transformationsprozess in das Innere der neu entstande­nen Staaten der Dritten Welt.

III. Jungs wissenschaftliche Nutzbarmachung des Siegelbergschen Ansatzes

Ausgehend von diesem, relativ ausführlich beschriebenen Ansatz Siegelbergs, setzt sich Dietrich Jung in seiner Dissertation folgende Ziele:

1. Er möchte den gesellschaftstheoretischen und methodischen Ansatz von Siegelberg begrifflich ausdifferenzieren und somit operationalisieren.
2. Der wegweisende Aspekts des Entwurfes soll verdeutlicht werden, um den geforderten Beitrag zur Vermittlung zwischen Siegelbergs abstrak­ter Theorie und deren forschungspraktischer Umsetzung zu leisten.
3. Letztlich soll die Arbeit zur Theorie kulturvergleichender Sozialfor­schung einen Beitrag leisten.

Jung untersucht, ob in den in der Dritten Welt geführten Kriegen trotz der in­dividuellen Besonderheiten eine Bedingungsstruktur zugrundeliegt, die ihre Ursachen vergleichbar macht.

Die theoretische Prämisse übernimmt Jung von Siegelberg, der, wie oben be­reits ausgeführt, erkannt hat, dass die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Dritten Welt mit der Globalisierung kapitalistischer Vergesellschaftungs­formen Zusammenhängen. Daraus ergibt sich für Jung allerdings auch die Not­wendigkeit, den globalen Vergesellschaftungsprozesses zu analysieren.

III. 1 Der Begriff der Weltgesellschaft

Jung zieht für seine Analyse einige sozialwissenschaftlicher Klassiker wie Karl Marx, Norbert Elias und Max Weber heran. Er begründet dies damit, dass diese implizit oder explizit von einem Prozess der globalen Vergesellschaf­tung ausgehen und somit schon Begrifflichkeiten liefern.

Anlässlich der Definiton des Begriffs „Weltgesellschaft“ bezieht sich Jung kri­tisch auf Immanuel Wallerstein[5], dessen Begriff von Weltgesellschaft mit dem Siegelbergs „auch nur die globale Perspektive“[6] teilt. Für Siegelberg ist der Prozess der globalen Vergesellschaftung nicht nur mit einer Veränderung der Produktions- und ökonomischen Austauschverhältnisse, sondern auch mit der Transformierung der politischen Organisationsformen und der Herrschafts-, Legitmitäts- und Wertvorstellungen verbunden. Nach Jung lässt Wallerstein den Zusammenhang von materiellen und ideellen Reproduktionsformen des Lebens außer Acht.[7]

Der Begriff Weltgesellschaft umfasst einen Prozess, der die vielen auch heute noch existierenden unterschiedlichen sozialen und kulturellen Welten zu einer Welt verbindet. Basis dieses Prozesses ist ein einheitliches Syntheseprinzip, nämlich das der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Die zuvor existie- renden, historisch unterschiedlichen Gesellschaften werden zu einer Gesell­schaft - der Weltgesellschaft - zusammengebunden. Weltgesellschaft ist so das Ergebnis des Prozesses globaler Vergesellschaftung. Während der Begriff Gesellschaft eher statisch konnotiert ist, also als Totalität gedacht wird, stellt der Begriff Vergesellschaftung den dynamischen Prozess heraus, in dem dann die jeweilige Gesellschaft als Totalität erscheint. Weltgesellschaft ist eine Einheit im Werden und als historischer Prozess zu denken.

Die Verwendung des Begriffs Weltgesellschaft hat allerdings eine systemati­sche Funktion und soll nicht zu der Annahme verleiten, Jung würde in der Weltgesellschaft den notwendigen Endpunkt der geschichtlichen Entwicklung sehen.

Der Prozess der globalen Vergesellschaftung ist der Ausgangspunkt der Kriegsursachenforschung. Er äußert sich in einem Wandel der ökonomischen und politischen Formen genauso wie in Veränderungen im sozialen Handeln und der Persönlichkeitsstruktur der Menschen. Die Janusköpfigkeit der bür­gerlich-kapitalistischen Vergesellschaftungsform liegt darin, dass sie einer­seits bei ihrer Durchsetzung kriegerische Konflikte verursachte, andererseits aber auch pazifizierende Möglichkeiten schuf. Fetztere ergeben sich aus dem sozialen Habitus, den diese Gesellschaftsform schafft. Die Beziehungen der Individuen sind sachlich und außerdem rechtlich geregelt. Phsyische Gewalt­samkeit ist aus der Privation herausgenommen und dem Staat bzw. seinen Instiutionen vorbehalten.

Jung weist kritisch darauf hin, dass in der bisherigen Kriegsursachenfor­schung in zahlreichen Fallstudien viele verschiedene Gründe für die Entste­hung von Kriegen herausgearbeitetn wurden. Die meisten dieser Bestim­mungsgründe können allerdings materiellen oder ideellen Handlungsmotivatio­nen zugeordnet werden. Es ginge nun darum, diese zielgerichteten Handlun­gen, die schließlich zu einer kriegerischen Auseinandersetzung führen, in Zu­sammenhang mit der Dynamik der globalen Vergesellschaftung zu denken.

III. 1. 1 Begriffliche Konkretisierung

Um zu einer Operationalisierung von Siegelbergs Entwurf zu gelangen, bedarf es eines Apparates zahlreicher Begriffe, mit dem die empirische Forschung in Fallstudien Siegelbergs Thesen überprüfen kann.

Jung greift auf Überlegungen und entwickelte Begrifflichkeiten von Max We­ber, Norbert Elias und Karl Marx zurück, da diese Gemeinsamkeiten haben, die für eine Theorie des Krieges im Prozess globaler Vergesellschaftung nutzbar gemacht werden können. Alle drei Klassiker beschäftigen sich mit der Entwicklung der modernen Gesellschaft und haben eine historisch­systematische Herangehensweise. Alle drei befassten sich außerdem mit der Rolle und Funktion physischer Gewalt in menschlichen Gesellschaften. Jung gesteht allen drei Autoren zu, ein theoretisches Fundament hinsichtlich der Erklärung von Kriegsursachen zu liefern. Außerdem können sie für die Siegel- bergsche Leitdifferenz zwischen Tradition und Moderne nutzbar gemacht werden.

Die Begriffe müssen vier Kriterien erfüllen:

1. Mit ihnen muss die vergleichende Erforschung historisch und und kulturell unterschiedlicher Gesellschaften möglich sein. Dazu müssen diesen Beg­riffe universalen Charakter haben.
2. Es muss durchsichtig werden, welche Beziehung diese Begriffe zum Kon- fliktaustrag mit physischen Mittel, also zum kriegerischen Geschehen, ha­ben.
3. Die abstrakte Leidifferenz - also der Gegensatz zwischen traditionaler und bürgerlich-kapitalistischer Vergesellschaftung - muss am empirsichen Fall verfolgt werden können.
4. Auch eine Analyse des Verhaltens der kriegsbeteiligten Akteure auf einer gesellschaftstheoretischen Grundlage soll durch die Begriffe ermöglicht werden.

Die für Jung geeigneten Begriffe lassen sich in drei verschiedene Begriffsty­pen aufgliedern:

1. Idealtypische Begriffe
2. Universalbegriffe
3. Sozialwissenschaftliche Begriffe

Idealtypische Begriffe:

Bei der Formulierung von idealtypischen Begriffen stützt sich Jung auf Max Weber, der diese von den Gattungsbegriffen unterscheidet [8]. Während Gat­tungsbegriffe einen Komplex von Merkmalen zusammenfassen, die mehreren empirischen Phänomenen gemeinsam sind, zielen idealtypische Begriffe auch auf das Besondere dieser Phänomene. Idealtypisch konstruierte Begriffe er­schließen sich über einen gemeinsamen Sinn der Handelnden in einem sozia­len System, während Gattunsbegriffe nur die Gemeinsamkeiten äußerer Merkmale eines Phänomens erfassen.

Universalbegriffe: Vergesellschaftung, Elementarfunktionen, Figuration

Universalbegriffe drücken aus, was alle menschlichen Gesellschaften gemein­sam haben. Einer der Universalbegriffe ist jener der Vergesellschaftung selbst. Ein unveränderliches Merkmal der Vergesellschaftung ist die Reproduktion menschlichen Lebens. Diese ist eine anthropologische Konstante. Der Begriff Vergesellschaftung steht für die Einheit von Individuum und Gesell­schaft, von individueller und gesellschaftlicher Reproduktion. Die Befriedigung von Grundbedürfnissen zwingt die Menschen zu Interaktionen und somit zur Vergesellschaftung.

Jede menschliche Gesellschaft muss nach Elias drei Elementarfunktionen ge­währleisten. Diese sind Gewaltkontrolle, Sicherung materieller Produktion und die Produktion und Wahrung von Orientierungsmitteln. Sie sollen also grund­legende, vitale Bedürfnisse der Menschen befriedigen.

Die Mittel zur Befriedigung dieser vitalen Bedürfnisse sind aber immer be­grenzt. Deshalb ist ihre Aneignung von Verteilungsunterschieden gekenn­zeichnet. Aber die Ressourcen zur Bedürfnisbefriedigung sind nicht nur quan- tiativ beschränkt, sondern können auch eine andere Form einnehmen, das heißt, sich qualitativ verändern. Diese Veränderungen gehen dann oft mit der Übernahme der Verteilungsmacht durch andere soziale Gruppen einher. Da­durch entsteht nach Elias eine neue Figuration[9]. Elias beschreibt damit das Phänomen der Verflechtung der Menschen untereinander, ihre Abhängigkeiten voneinander und weist darauf hin, dass dieser Funktionszusammenhang die Eigenschaft hat, eine gewisse Autonomie hinsichtlich der Absichten und Handlungsziele der Menschen zu gewinnen. Die Menschen handeln zwar im­mer intentional, also zweckgerichtet, doch haben sie untereinander auch nicht-intentionale, also von ihnen zwar verursachte, aber in gewisser Weiser unabhängige Verflechtungszusammenhänge. Andererseits wirkt diese Figura­tion wiederum auf die Ziele und Zwecke der Handelnden ein.

Die ungleiche quantitative und qualitative Verteilung der Arbeit und der durch diese produzierten Produkte ist ein Strukturmerkmal jeder menschlichen Ge- Seilschaft. Abstrahiert man dieses Strukturmerkmal, kann man erkennen, dass die Ressourcen gesellschaftlicher Reproduktion Quellen von Macht sind.

Entscheidend für die Verteilung der Macht - also für die Machtverhältnisse - ist, wer bzw. welche gesellschaftliche Gruppe die Mittel für die Gewährleis­tung der drei Elementarfunktionen von Gesellschaft in der Hand hat, anders gesagt, wer über physische Gewalt, materielle Mittel zur gesellschaftlichen Reproduktion oder über ideelle Mittel zur gesellschaftlichen Reproduktion verfügt. Macht begründet sich damit durch die Erfüllung von Elementarfunkti­onen. Eine Figuration ist aber nie statisch zu sehen, sondern immer von wechselnden Macht- und Spannungsverhältnissen getragen.

In der Dritten Welt beispielsweise können wir Figurationen beobachten, die von einer Mischung aus traditionaler und moderner Weise der Erfüllung der drei elementaren Funktionen von Gesellschaft gekennzeichnet sind.

Durch den Begriff Vergesellschaftung, verwendet als Kategorie in der wissenschaftlichen Forschung, kann nach Jung die Gattungsgeschichte des Menschen als Strukturgeschichte der menschlichen Geselllschaftsformen gedacht werden. Vergesellschaftung steht dann im grundlegendsten Sinne für die ververschiedenen Arten und Weisen der Erfüllung der drei Elementarfunktionen von Gesellschaft überhaupt.

Jung entscheidet sich für die Verwendung des Begriffes „Figuration“, weil er seiner Ansicht nach den starren Charakter des Wortes Gesellschaft auflöst und prozessorientiert ist. Der Machtbegriff Max Webers dient ihm zur Analyse von Abhängigkeiten der Akteure.

Sozialwissenschaftliche Begriffe:

Sozialer Habitus, Weltbild, Überlebenseinheiten, Wir-Bild, Herrschaft

Auch die sozialwissenschaftlichen Begriffe dienen zur Analyse von kriegsur­sächlichen Prozessen. Physische Gewalt ist ein zentrales Wesensmerkmal von Krieg und weiters eine Machtquelle. Die Kontrolle der physischen Gewalt ist eine elementare Funktion, die jede menschliche Gesellschaft leisten muss.

Weiters ist es für eine Theorie des Krieges notwendig, die Handlungsstrate­gien der kriegsbeteiligten Akteure zu betrachten. Dies geschieht vor dem Hintergrund ihres sozialen Habitus. Dieser Begriff geht auf Norbert Elias zu­rück. Er beschreibt Werte und Persönlichkeitsstrukturen, die eine Gemein­schaft gemeinsam haben und somit den Horizont bilden, auf den sich das sub­jektive Handeln von Einzelnen oder Gruppen bezieht. Die gesellschaftliche Rolle und Bewertung physischer Gewalt ist in den Strukturen des sozialen Habitus verankert.

Mit dem sozialen Habitus ist das Weltbild eng verknüpft, insofern als sich ein Weltbild im sozialen Habitus äußert. Das Weltbild bietet den Rahmen, in dem Gruppen und Individuen ihre Wirklichkeit interpretieren. Es erfüllt eine identi­tätsbildende und -sichernde Funktion, indem es Begriffe und Grundannahmen zur Verfügung stellt und somit auch handlungsmotivierend ist. Diese können nicht ohne Identitätsverlust verändert werden.

Zum Verhältnis zwischen gesellschaftlicher Entwicklung und sozialen Habitus ist Folgendes anzumerken: Die gesellschaftlichen Veränderungen bewirken Veränderungen im sozialen Habitus. Diese beiden Veränderungen laufen aber nicht synchron. Daher entspricht die Art und Weise der sozialen Integration nicht mehr der individuellen Identität. Dieses Phänomen prägt stark den Transformationsprozess in den Staaten und Gesellschaften der Dritten Welt.

Ein weiterer sozialwissenschaftlicher Begriff, der ebenso auf Elias zurück­geht, ist jener der Überlebenseinheiten. Wie schon vorher erwähnt, muss jede menschliche Organisationsform die Funktion erfüllen, physische Gewaltsam­keit zu kontrollieren. Indem sie dies tut, entwickelt sie verschiedene Verteidi- gungs- und Angriffspotentiale. Solche Organisationsformen nennt Elias Über­lebenseinheiten. Empirisch betrachtet sind dies Staaten, Stämme, Familien­verbände, Clans usw. Die Bildung von Überlebenseinheiten ist notwendig im Prozess globaler Vergesellschaftung.

Menschen binden sich emotional an Symbole und Personen der Überlebens­einheiten. Jede Überlebenseinheit bildet einen spezifischen sozialen Habitus. Mit diesem verbunden entstehen immer spezifische Verhaltens- und Identifi­kationsmuster, die Elias mit dem Begriff „Wir-Bild“ zusammenfasst. Überle­benseinheiten, sozialer Habitus und Wir-Bild sind integrale Bestandteile menschlicher Identität. Während sich der Begriff „Überlebenseinheit“ der E­lementarfunktion der Gewaltkontrolle zuordnen lässt, gehört der Begriff „so­zialer Habitus“ zur Elementarfunktion der ideellen Reproduktion.

Die Art und Weise der Herausbildung des sozialen Habitus ist immer abhängig von der gesellschaftlichen Machtbalance, da der soziale Habitus ja ein Ergeb­nis der gesellschaftlichen Verflechtungsverhältnisse ist.

Mit der Herausbildung eines bestimmten sozialen Habitus geht eine relativ stabile Herrschaftsordnung einher. Herrschaft bezeichnet bestimmte Vertei­lungsverhältnisse gesellschaftlicher Macht, die durch einen nicht beabsichtig­ten Prozess entstanden sind.

Herrschaft und Macht unterscheiden sich insofern, als Macht jede Chance zur Durchsetzung des eigenen Willens umfasst. Herrschaft hingegen beruht dar­auf, dass der Beherrschte sich den Willen des Herrschers zu Eigen macht und erst infolge dessen seine Handlungen setzt. Herrschaft beruht also auf einer Legitimität. Legitim ist eine Herrschaft deshalb, weil die Beherrschten sub­jektiv von der Rechtmäßigkeit dieser überzeugt sind.

Insgesamt kann gesagt werden, dass gesellschaftliche Machtverhältnisse sich über intersubjektive ideelle Ordnungsvorstellungen als Herrschaft legitimie­ren.

Weber definiert drei Idealtypen legitimer Herrschaft [10]

1. Die charismatische Herrschaft ist stark von einer emotionalen Bindung an den Herrscher gekennzeichnet. Der Person des Herrschers werden be­sondere Qualitäten zugeschrieben.
2. Die traditionale Herrschaft beruht auf dem Glauben einer von jeher gülti­gen Ordnung und Tradition.
3. Die legale Herrschaft fußt auf dem Glauben an der Rationalität und Legali­tät gesatzter Ordnungen. Sie gewinnt ihre Gültigkeit daher durch ihren ra­tionalen Charakter.

Die von Siegelberg entwickelte Leitdifferenz wird durch die Unterscheidung von legaler und traditionaler Herrschaft deutlich.

Charismatische Herrschaft findet sich dort, wo sich Gesellschaften in Krisen bzw. in einem Übergang befinden. Sie kann nicht von Dauer sein, da jede Herrschaftsform dazu neigt, alltäglich zu werden (sich zu stabilisieren) und dadurch ihr Charisma wieder verliert. Während der traditionale und legale Typus von Herrschaft einen Gegensatz bilden, teilt der traditionale Typus mit dem charismatischen Typus den personalen Charakter.

Diese Weberschen Begriffe sind nach Jung sehr hilfreich, insofern sie einen starken formalen Charakter haben und deshalb eine Übertragung auf unter­schiedliche konkrete Herrschaftsverhältnisse erlauben.[11]

IV. Leitdifferenz bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft und traditionale Gesellschaft

IV. 1 Der Idealtypus bürgerlich-kapitalistischer Vergesellschaftung

- Materielle Reproduktion

Für das Thema der materiellen Reproduktion greift Jung auf Marx zurück. Die Grundvoraussetzung für die Form der materiellen Reproduktion, die in der ka­pitalistischen Gesellschaft typisch ist, ist die Loslösung eines Teils der Ge­sellschaft von der Produktion ihrer unmittelbaren Lebensmittel. Dies bedeutet eine soziale Entwurzelung und eine neue Qualität der Reproduktion menschli­chen Lebens. Die kapitalistische Produktion ist nicht nur eine Produktion von Waren, sondern auch eine Produktion von Mehrwert. Somit produziert der Ar­beiter nicht mehr nur für sich, sondern auch für das Kapital. Dadurch verän­dert sich der Zweck der Produktion von der Orientierung am Bedarf hin zur Orientierung am Profit.

- Politische Herrschaft

Schon oben wurde auf die Überlebenseinheiten und ihrer Aufgabe, physische Gewalt zu kontrollieren, hingewiesen. In der bürgerlich-kapitalistischen Ge- Seilschaft erfüllt diese Aufgabe nun der moderne Staat. Dadurch wird er nach Weber „zur alleinigen Quelle physischer Gewaltsamkeit“.[12]

- Formale Rationalität und sozialer Habitus Hier bezieht sich Jung auf Webers Begriff der formalen Rationalität, weil die­ser den Schlüssel zur Erklärung des typischen sozialen Habitus in bürgerlich­kapitalistischen Verhältnissen bietet. Denken und Handeln, sowie das Verhält­nis von Individuum und Gesellschaft sind durch das Prinzip der formalen Rati­onalität strukturiert. Hinter dem Begriff der formalen Rationalität verbergen sich Begriffe wie Verrechtlichung, Versachlichung, Rechenhaftigkeit oder Kalkulierbarkeit der politischen und ökonomischen Verhältnisse. Formale Ra­tionalität orientiert sich an zahlenmäßigen, rechenhaften Überlegungen und nicht an ethischen oder religiösen Postulaten.

Die Veränderungen in der Produktion, die Orientierung am Profit transformie­ren die Lebensführung des modernen Menschen. Der soziale Habitus der Menschen ist vom „Geist des Kapitalismus“ geprägt. Dadurch, dass der Er­werb nicht mehr dazu dient, die materiellen Lebensbedürfnisse zu befriedigen, sondern der Erwerb Zweck des Lebens ist, verändern sich die Handlungsstra­tegien. Das Handeln wird rationalisiert und planmäßig an Interessenslagen an­gepasst und die Beziehungen zwischen den Menschen versachlicht.

Weber unterscheidet das Handeln der Menschen in zweckrationales, wertrati­onales, affektuelles und traditionales. Von Bedeutung sind hier nur zwei Ty­pen, nämlich das zweckrationale und das wertrationale Handeln[13]. Zweckratio­nales Handeln orientiert sich am Zweck. Zweck, Mittel und Nebenfolgen wer­den dabei rational ausgewogen. Wertrationales Handeln ist durch den bewussten Glauben an den unbedingten Wert eines bestimmten Verhaltens orientiert und dabei unabhängig vom Erfolg.

- Verhältnis Individuum - Gesellschaft

In bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaften ist das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft von einer tiefen Differenz geprägt. Elias erklärt dies durch die unterschiedliche Bedeutung der Ich-Identität und der Wir-Identität. In bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaften wird der Ich-Identität, also dem, wodurch sich Menschen unterscheiden, mehr Bedeutung beigemessen als der Wir-Identität, also dem was sie gemeinsam haben. In bürgerlichen Gesell­schaften bestimmt sich die Identität im Bewusstsein der Individuen über indi­viduelle Selbstbeschreibung und nicht über die Zugehörigkeit zu einer sozialen Organisationsform. Die Handlungsstrategien in Wir-Gruppen sind interessens­bestimmt - oder mit Weber: zweckrational.

IV. 2 Der Idealtypus traditionaler Vergesellschaftung

- Materielle Reproduktion

In traditionalen Gesellschaften ist die soziale Gebundenheit von Arbeit und Boden die Voraussetzung für die materielle Reproduktion. Die traditionalen Produktionsverhältnisse sind vom Grundprinzip des gemeinschaftlichen Eigen­tums am Boden geprägt. Die wirtschaftlichen Beziehungen folgen nicht dem Konkurrenzprinzip, sondern dem Prinzip der Reziprozität, der Gegenseitigkeit. Ein weiteres Grundprinzip ist die Produktion für den Eigenbedarf. Produktion und Lagerung von Gütern dient der Befriedigung der Bedürfnisse der Gemein­schaft (also der Familie, des Dorfes etc.).

Bei historischer Betrachtung fallen Momente des marktförmigen Tausches in traditionalen Gesellschaften bekanntlich bereits auf, aber der Markt war räumlich isoliert genauso wie Händler und Kaufleute sozial isoliert waren.

- Politische Herrschaft

Während im modernen Staat eine absolute Gewaltkontrolle besteht, findet die Kontrolle physischer Gewalt in traditionalen Gesellschaften auf unterschiedli­chen Ebenen statt, ist also rivalisierend. Dies liegt daran, dass es keine reinen politischen Institutionen gibt. Politische und wirtschaftliche Elemente sind nicht trennbar.

Traditionale Herrschaft legitimiert sich kraft des Glaubens an die Heiligkeit von jeher vorhandenen Ordnungen. Weber sieht in der patriarchalischen Herr­schaft die reinste Form traditionaler Herrschaft. Die Normen beruhen auf der Tradition, auf der Heiligkeit traditionalen Rechts. Formal gesatztes Recht fehlt.

Das Verhältnis zwischen Herrscher und Beherrschten ist von einem Neben­einander von streng traditionsgebundener und freier Sphäre, sprich freier Gnade und Willkür des Handelns des Herrschers gekennzeichnet. Politische und ökonomische Machtmittel sind stark in den Händen des Herrschers kon­zentriert.

- Traditionalismus und sozialer Habitus Weber formulierte das „Leitmotiv präkapitalistischer Arbeit“[14] Dieses Leit­motiv gründet in einer Handlungsmotivation, die nicht am persönlichen Ge­winnstreben, sondern am konkreten Gemeinwesen und dessen Erhalt orien­tiert ist.

Eine weitere Handlungsmotivation ist an der Heiligkeit altüberlieferter Ord­nungen orientiert. Dabei sind Werte und Zwecke, nach denen sich das Handeln richtet durch das konkrete Gemeinwesen sozial bestimmt und interaktionsbe­zogen.

Religiöse Ordnungen sind typische Formen kollektiver Ordnungen in traditio- nalen Gesellschaften. Religion liefert Ordnungsvorstellungen und Handlungs­anleitungen und gründet den sozialen Habitus der Menschen.

- Verhältnis Individuum - Gesellschaft In traditionalen Gesellschaften sind die Ich-Identität und die Wir-Identität nur schwach differenziert. Das einzelne Individuum ist bloß ein Teil einer Einheit, einer Familie oder eines Stammes beispielsweise. Es besteht also eine Einheit von Individuum und Gesellschaft, wobei die Gemeinschaft die kollektive Ver­antwortung trägt.

In traditionalen Gesellschaften bilden Haus und Familie die Keimzellen, sie sind eine Rechtseinheit und Lebensgemeinschaft. Haus und Familie stehen für die ökonomische Einheit von Produktion und Konsumtion, genauso wie für ei­ne politische Herrschaftsform.

V. Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen

Siegelberg spricht vom Strukturmerkmal der Gleichzeitigkeit des Ungleichzei­tigen als Resultat des gesellschaftlichen Transformationprozesses in allen Ländern der Dritten Welt[15]. In diesen Gesellschaften sind also die zuvor be­schriebenen Momente traditionaler und kapitalistischer Vergesellschaftung vermischt.

Die Kategorie Ungleichzeitigkeit soll dabei verdeutlichen, dass es sich nicht um einen linearen Übergang von einem früheren Zustand in einen späteren handelt, sondern um unterschiedliche Entwicklungsschritte. Dies hat nichts mit einer „Zurückgebliebenheit“ zu tun, sondern soll nur zeigen, dass Einstellungen, Verhaltensmuster, Rechtsformen etc. eine eigene Zeit haben lungen, Verhaltensmuster, Rechtsformen etc. eine eigene Zeit haben können, die mit der gesellschaftlich dominierenden nicht übereinstimmt. Die gesell­schaftlich dominierende Zeit ist dabei die bürgerlich-kapitalistische Epoche. Sie dient als Grundlage, von der aus die Ungleichzeitigkeit erkannt wird.

Die Kategorie Ungleichzeitigkeit bietet einen methodischen Zugang. Sie ord­net den Prozess zwischen den idealtypischen Gegenpolen traditionaler und bürgerlich-kapitalistischer Vergesellschaftung.

Obwohl der Transformationsprozess nicht einfach traditionale Formen durch bürgerliche ablöste, sondern ein Mischungsverhältnis beider Momente besteht, lassen sich nach Jung doch einheitliche Tendenzen feststellen. Diese einheitlichen Tendenzen sind Individualisierung, Distanzierung, Rationalisierung und Monetarisierung. Sie sind Strukturmerkmale, mit denen Menschen in traditionalen Gesellschaften konfrontiert werden, wenn sie zu einer bürgerlichen Gesellschaft vergesellschaftet werden.

Die Tendenz der Individualisierung ist insofern entscheidend, da sich Perso­nen in traditionalen Gesellschaften zu „bürgerlichen Individuen“ entwickeln müssen. Sie sind mit einer zunehmenden Differenzierung der Wir- und Ich- Identität konfrontiert.

Die Tendenz zur Distanzierung meint vor allem die Distanzierung der Men­schen zur Natur. Welt und Natur sind nicht mehr deckungsgleich, sondern werden zum Objekt der Erkenntnis, zum sachlich erfassbaren Gegenstandsbe­reich. Was die Monetarisierung betrifft, so steht die Ausbreitung des Geldme­chanismus für den historischen Übergang zu einem völlig neuen gesellschaftlichen Syntheseprinzip. Geld wird als Schlüssel zur Erklärung der Auflösung traditionaler Gesellschaften gesehen. Da Geld zum Herrschaftsmittel wird, löst es die traditionalen Herrschaftsinstanzen auf.

VI. Bedingungen des gesellschaftlichen Wandels in der Dritten Welt

Die Dynamik der kapitalistischen Vergesellschaftung verlief in Europa in ei­nem jahrhundertelangen Prozess. In der Dritten Welt hingegen drang diese einerseits von außen induziert und andererseits extrem schnell ein.

Betrachten wir die kapitalistische Transformation in der Dritten Welt hinsicht­lich der drei Elementarfunktionen einer Gesellschaft:

- Materielle Reproduktion

Bezüglich der materiellen Reproduktion ist nicht - wie in Europa - eine Konstitution des Weltmarktes als Abschluss einer eigenständigen Entwicklung zu beobachten, sondern eine Weltmarktintegration. Die Orientierung am Welt­markt erschwert dabei die Herausbildung eines nationalen Marktes. Nicht die Akkumulation von Kapital durch nationale Unternehmen, sondern die Kapital­flucht von ausländischen Firmen war und ist Realität.

- Ebene der Gewaltkontrolle

Zentrale Rahmenbedingung auf der Ebene der Gewaltkontrolle ist die von Sie­gelberg als nachholende Konsolidierung vorausgesetzter Staatlichkeit be- zeichnete Entwicklung. Die staatliche Verfasstheit wird vorausgesetzt, ohne dass diesem Staat ein gewachsenes gesellschaftliches Äquivalent gegeben wäre. Mehrere Überlebenseinheiten kämpfen um das staatliche Gewaltmono­pol, ohne dass ein solches sich je schon herausgebildet hätte. Ausdruckswei­sen dieser Entwicklung sind die Privation der physischen Gewalt und inner­staatliche Kriege.

- Ideelle Reproduktion

Auch hinsichtlich der ideellen Reproduktion ist ein Kampf mehrerer Überle­benseinheiten erkennbar. Unter einem Staat sind Gruppen mit unterschiedli­chem sozialen Habitus und verschiedenen Wir-Identitäten zusammengefasst. Diese Widersprüche äußern sich in Phänomenen wie Korruption, Patronage und Klientelismus.

Eine Aufgabe der Untersuchung von Entwicklungsgesellschaften liegt nach Jung darin, die Ausgangsbestimmungen zu rekonstruieren und zu bestimmen, wie die kapitalistische Durchdringung der traditionalen Figuration spezfisch stattgefunden hat bzw. stattfindet.

Hierbei unterscheidet Jung zwischen äußeren und inneren Faktoren[16]:

- Äußere Faktoren:

Es bestehen beispielsweise Unterschiede hinsichtlich der Art und Weise der kapitalistisch-bürgerlichen Durchdringung traditionaler Gesellschaften.

Der vorkapitalistische Raub- und Plünderungskolonialismus Portugals und Spaniens in Südamerika ging mit der weitgehenden Vernichtung der autochtonen Bevölkerung und damit ihrer traditionalen Kultur einher. Die Teile Asiens und Afrikas wurden durch die Kolonialisierung durch Holland, Frankreich und Großbritannien zu Rohstofflieferanten und Importeuren von Fertigprodukten. Eine weitere Form des Kolonialismus bildet der Siedlerkolonialismus in Südafrika, in den USA, in Australien, Algerien und Palästina.

- Innere Faktoren:

Hinsichtlich der materiellen Reproduktion macht es einen Unterschied, ob es sich um eine Gesellschaft der Subsistenzproduktion handelt oder ob ausge­prägte Handelsbziehungen bestehen. Der Grad der Monetarsisierung der Wirt­schaft und die soziale Organisationsform spielen außerdem eine Rolle.

Besonderes Augenmerk muss auf die traditionalen Herrschafts- und Legitimi­tätsmuster gelegt werden. Es geht hier um die Frage, ob die moderne Staats­form an die traditionale Herrschaftsstruktur anknüpfen konnte oder nicht.

Ein weiterer wichtiger Untersuchungsgegenstand sind die traditionalen Ord­nungsmuster und handlungsleitenden Ideen. Wie bereits erwähnt, ist es tat­sächlich so, dass der traditionale soziale Habitus, der sich aus dem kollektiven Gedächtnis und einer Wir-Identität speist auch dann noch interpretations- und handlugsanleitend ist, wenn die sozialen Ordnungen bereits zerstört sind.

Jung fasst nun die Fragen zusammen, die sich bei einer Analyse dieser histo­rischen Prozesse stellen[17] Stark gekürzt sind dies folgende Themen:

1. Der Charakter der jeweiligen Gesellschaftsform muss erklärt werden·'
- Was sind die primären Formen der materiellen Reproduktion?
- Welche Formen der Gewaltkontrolle sind ausgebildet?
- Welche sozialen Akteure sind in Besitz der Machtressourcen?
- Welches Weltbild ist handlungsleitend?

2. Klärung der Struktur und Ideenwelt der traditionalen Formation·'

- Welche Ebene der Elementarfunktionen wurde bei der kapitalistischen Durchdringung zuerst angegriffen?
- Gab es eine länger andauernde militärische Besetzung des jeweiligen Ge­bietes und wurden Institutionen geschaffen, die auf eine politische Durch­dringung der Gesellschaft hinweisen? Oder geschah eine indirekte Infiltration mit modernen Elementen?
- Welche neuen Machtressourcen und damit verbundene soziale Gruppen entstanden im Zuge des Transformationsprozesses? Von welchen Herr­schafts- und Legitimitäsmustern wurde diese angeleitet?

Für die Kriegsursachenforschung spielen dabei die Entwicklungen der Ge­waltkontrolle und die Art und Weise ihrer Legitimierung eine zentrale Rolle.

Die Analyse muss, so Jung, von prozesssoziologischer Art sein. Diese macht sich zur Aufgabe, „politische, ökonomische und soziale Entwicklungen in ihrer Interdependenz zu analysieren“.[18] „Gesellschaft“ wird dabei als eine Totalität in ständigem Wandel begriffen. Der Maßstab dieser prozesssoziologischen Methode ist dabei die von Siegelberg entwickelte Leitdifferenz zwischen tra- ditionalen und modernen Vergesellschaftungsformen.

VI. 1 Die Operationalisierung der „Grammatik des Krieges“

Die vier Untersuchungsschritte Siegelbergs, die wir schon oben erläutert ha­ben, werden nun von Jung empirisch nutzbar gemacht.

VI. 1. 1 Widerspruch

In traditionalen Gesellschaften können hinsichtliche der politischen Wider­sprüche, also der Gewaltkontrolle, Gegensätze zwischen den verschiedenen sozialen Gruppen erkannt werden.

Im Bereich der ideellen Reproduktion finden sich die Gegensätze zwischen den Wir-Identitäten, die sich an religiösen, stammesförmigen oder familialen Identitätsbezügen orientieren

Entlang der strukturellen Konfliktlinie, die der bürgerlich-kapitalistischen Ge­sellschaftsform immanent ist, gruppieren sich die Gegensätze um den Wider­spruch, der der kapitalistischen Gesellschaft selbst immanent ist - der Gegen­satz zwischen Lohnarbeit und Kapital.

Für diese Analyse sind die Gegensätze von zentraler Bedeutung, die aus der Durchsetzung bürgerlich-kapitalistischer Vergesellschaftungsmomente gegen die traditionalen Verhältnisse sich ergeben.

Bezüglich der materiellen Reproduktion sind dies die Widersprüche zwischen der sozialen Gebundenheit der Arbeit und des Bodens und der freien Lohnar­beit, von Subsistenzproduktion und Warenproduktion, von der Orientierung an sozialem Prestige und der an Profit und von Ehre und Geld.

Hinsichtlich der politischen Dimension stehen auf der einen Seite die traditio- nale Herrschaft, das Eigenrecht an Gewaltmitteln, die spezifische Rechtsauf­fassung, die ständische Verwaltung und patriarchale Legitimitätsvorstellungen und auf der anderen die legale Herrschaft, das staatliche Gewaltmonopol, das formale Recht und die bürokratische Verwaltung.

Und nicht zuletzt stehen Ideen, die in traditionalen Weltbildern verwurzelt sind Ideen gegenüber, die sich am formalen Rationalismus orientieren.

Vor allem der Trennungsprozess von Politik und Ökonomie in traditionalen Figurationen birgt eine hohe Wahrscheinlichkeit zur Freisetzung von Gewalt­potentialen. Diesen Gegensätzen fehlt allerdings erstens das ursächliche und zweitens das konfliktive Moment.

VI. 1. 2 Krise

Der hier gemachte qualitative Sprung ergibt sich daraus, dass die objektiv ge­gebenen Widersprüche von den sozialen Akteuren auch als solche wahrge­nommen werden. Die objektiv gegebenen Bedingungen werden so zum Grund einer Handlung. Krise ist so nicht eine eindeutig und zeitlich umrissene Phase eines empirischen Geschehens sondern sie bringt das Verknüpfen von objek­tiven Grundlagen und subjektiven Sinnbezügen zu einem handlungsanleitenden Grund zum Ausdruck.

Ein Problem auf dieser Stufe ergibt sich dadurch, dass Siegelberg verlangt, die „Binnenperspektive“ der sozialen Akteure einzunehmen. Die Sinnbezüge der sozialen Akteure können durch die Analyse des sozialen Habitus klarer gemacht werden. Es werden dabei zwei idealtypische Habiti herangezogen:

a) Der durch das Merkmal formaler Rationalität geprägte Habitus der kapi­talistisch-bürgerlichen Gesellschaft.
b) Der Idealtypus des traditionalen sozialen Habitus, in dem das Handeln an einem konkreten Gemeinwesen orientiert ist.

Der Untersuchende hat hierbei eine doppelte Perspektive einzunehmen. Die Sinnbezüge traditional motivierten Handelns werden dabei immer als Abwei­chung vom Idealtypus des planmäßigen, interssengeleiteten Handelns erkannt.

Natürlich bleibt der Beobachter an die Begriffe und Kategorien des bürgerli­chen Denkens gebunden, wenn er sich mit dem sozialen Habitus, dem Weltbild und den gesellschaftlichen Verflechtungen in der Dritten Welt beschäftigt. Wir wissen, dass unser Erkenntnisvermögen historisch und gesellschaftlich be­dingt ist. Dies ist ja auch der Grund, warum die Einnahme der Binnenperspek­tive der sozialen Akteure in der Dritten Welt zum Problem wird.

Es war aber auch zu erkennen, dass durch die globale Vergesellschaftung die Sinnbezüge und die Denk- und Wahrnehmungsmuster der bürgerlich­kapitalistischen Gesellschaft auch in der Dritten Welt beginnen, sich auszu­breiten. Diese Sinnbezüge sind es dann auch, die als Vergleichsmaßstab die­nen.

Es gilt auf der Stufe Krise nun, die konkreten Strukturen des sozialen Habitus der jeweils handelnden Akteure zu erkennen. Mit der Durchsetzung bürger­lich-kapitalistischer Lebensverhältnisse tritt die Kategorie des Interesses als Bedingung menschlichen Handelns auf. Interessenlagen ergeben sich - analy­tisch betrachtet - aus der Verfügung über gesellschaftliche Machtressourcen. Es handelt sich bei den politischen, ökonomischen und ideellen Widersprüchen in Wahrheit um Interessengegensätze. Die ideellen Bedürfnisse wecken ideelle Interessen, die handlungsanleitend werden und den materiellen Bedürfnissen entsprechen materielle Interessen, die ebenfalls das Handeln anleiten.

Jung bezieht sich an dieser Stelle[19] wieder auf Max Weber, der erkannt hat, dass es Interessen sind, die das Handeln der Menschen beherrschen. Die Weltbilder, die durch Ideen geschaffen wurden, haben allerdings allzu oft als Weichensteller gedient und das interessengeleitete Handeln dann in bestimm­te Bahnen gelenkt, die im Voraus nicht eingeplant waren. Nach Jung muss auf der Stufe Krise „die Analyse dieser Weichenstellung“[20] geleistet werden.

Die spezifische Verknüpfung von Interessen und Ideen leitet das konfliktive Handeln der sozialen Akteure. In der Dritten Welt findet sich in diesem Zu­sammenhang eine eigentümliche Struktur: Interessengegensätze, die sich in politischen, ökonomischen und ideellen Widersprüchen äußern, werden mittels Ideen im kollektiven Bewusstsein aktualisiert. Diese Ideen haben ihren Ur­sprung allerdings in dem Prinzip traditionaler Vergesellschaftung. Die sozialen konfliktbeteiligten Akteure in der Dritten Welt nehmen das ihnen gegenüber­tretende Geschehen durch traditionale Weltbilder wahr. Dies führt zu dem Phänomen, dass Interessengegensätze entlang traditionaler Gegensätze zum Konflikt werden.

VI. 1. 3 Konflikt

Hier geht es darum zu analysieren, wie sich die strukturellen Konfliktgrundla- gen im Handeln der Akteure umsetzen. Nach Siegelberg [21] stellen sich hier zwei Fragen. Erstens: wie gewinnen die Akteure ihre Konfliktfähigkeit?

Es ist zu unterscheiden zwischen materiellen und psychosozialen Vorausset­zungen. Auf diesen beiden beruht die Konfliktfähigkeit. Materielle Vorausset­zungen sind zB. die Formung der Akteure, der Aufbau organisatorischer Strukturen, die Verfügung über Ressourcen wie zB. Waffen oder die Mobilisierung der Anhänger. Der psychosoziale Wandlungsprozess bezieht sich auf die Wahrnehmung des Geschehens und den kriegsursachenrelevanten Umschlagepunkt von friedlichem zum gewaltsamen Konflikt.

Zweitens: Wodurch sehen sich die Akteure zur Anwendung physischer Gewalt genötigt? Wie stellen sie die Gewaltbereitschaft her und warum gerade ist dieser Adressat der Kriegsgegner?

Die Gewaltbereitschaft ist eben nicht aus einer linearen Verlängerung der zugrundeliegenden Bedingungen zu erklären, sondern sie birgt eine neue Qua­lität des Konfliktaustrags. Der Umschlag in gewaltsames Handeln bedarf eines spezifischen Sinnbezugs der handelnden Akteure.

Der Begriff „Konflikt“ verfügt über eine logisch-operative und klassifizieren­de Dimension. Er beschreibt einerseits ein empirisches Geschehen (es gibt eine beschreibbare Phase des kriegsursächlichen Prozesses), andererseits bezieht sich der Begriff in der Kausalanalyse auf zwei Umschlagepunkte: Ers­tens auf den Sprung vom passiven Wahrnehmen der Widersprüche zum akti- ven Handeln, zweitens auf den Sprung vom friedlichen zum gewaltsamen Kon- fliktaustrag.

Luhmann hat darauf hingewiesen, dass Konflikte die Struktureigentümlichkeit haben, sich alle zur Verfügung stehenden Machtressourcen einer Gesellschaft anzueignen.[22] Werden dieser Integration von Machtressourcen in das konflik- tive Handeln keine Schranken gesetzt, so greift der Konflikt auch auf das Mit­tel der physischen Gewalt zurück. Es darf allerdings nicht übersehen werden, dass Konfikte durchaus auch eine gestalterische Funktion haben können. Sie sind ein Faktor im Prozess des sozialen Wandels.

Konflikte werden von Jung als Verteilungskämpfe um die sich im Zuge des Vergesellschaftungsprozess verändernden quantitativen und qualitativen Machtressourcen verstanden. Das ständige Schwanken der strukturellen Machtbalance muss gesellschaftlich verarbeitet werden. Dies geschieht im Konflikt. Er macht gesellschaftliche Widersprüche kommunizierbar und somit auch lösbar. Die Art und Weise ihrer Lösung kann allerdings friedlich oder aber auch gewaltsam sein.

Die Grundbedingung, Konflikte auszutragen, besteht darin, dass das Mittel der physischen Gewalt der allgemeinen Verfügung entzogen ist. Der Übergang vom Konflikt zum Krieg ist deshalb auch kein linearer, sondern ist mit einem qualitativen Sprung verbunden.

Die Analyse der Verknüpfung von Bedingungen und Handlungsgründen, von Interessen und Ideen muss sich auf dieser Stufe auf die Gewaltfrage konzent- rieren[23]. Auch hierfür muss wieder die Binnenperspektive der Akteure einge­nommen werden, um herauszufinden, mittels welcher Ideen der Gewaltbereich als legitim und notwendig erscheint. Der Schritt zur Gewalt wird nur dann als notwendig erscheinen, wenn die Überlebenseinheit als Ganzes bedroht er­scheint. Diese Bedrohungswahrnehmung ist allerdings subjektiv und bedarf einer spezifischen Interpretation.

Die Schwierigkeit auf dieser Stufe ergibt sich daraus, dass man den identitätskonstitutiven Raum der sozialen Akteure bestimmen muss, um herauszufinden, woher die handlungsleitenden Ideen kommen.

VI. 1. 4 Krieg

Der auf der Stufe des Konflikts einsetzende Wandlungsprozess, der die An­wendung physischer Gewalt als legitim erscheinen lässt, ist das Verbindungs­glied zur Stufe Krieg.

Trotzdem spricht Siegelberg auch dieser Stufe eine neue Qualität zu, denn: „Die Gewalt wird zum Motor des Krieges“[24]. Man kann den Übergang vom Konflikt zum Krieg auch als Verselbständigung des Mittels zum Zweck verste­hen. Der Krieg hat die Tendenz, sich gegenüber seinen ursprünglichen Ursa­chen und Zielen zu verselbständigen. Dies kann so weit gehen, dass der Krieg zur Lebensgrundlage ganzer Bevölkerungsgruppen wird.

Der Krieg selbst kann zu einer Quelle neuer gesellschaftlicher Widersprüche und Gegensätze werden, die, wenn konfliktiv wahrgenommen, auch kriege­risch ausgefochten werden. So wird die Verfügung über gesellschaftliche Ressourcen nur noch über das Mittel der Gewalt ausgehandelt.

Es wird in dieser Entwicklung die Grundvoraussetzung des Zivilisationspro­zesses, nämlich, dass dem gesellschafltichen Machtkampf um Ressourcen das

Mittel der physischen Gewalt nicht zur Verfügung steht, vernichtet. So werden sowohl gesellschaftliche Standards als auch die der Individuen zerstört.

Wenn die Gewalt selbst das Handeln anleitet bzw. diktiert, so gewinnen wie­der traditionale Identitäten die Macht über das Verhalten. Jung verneint aber natürlich nicht, dass nicht auch zweckrationale Motivationen für kriegerisches Handeln gegeben sind. Aber Krieg lässt sich eben nicht wesentlich über Inte­ressen erklären.

Das Problem ist, dass sich das an Rationalität orientierte Handeln seiner eige­nen Grundlage beraubt, wenn es zum Mittel der Gewalt greift. Ob als Aus­druck von staatlicher Interessenpolitik oder in der Absicht eines Mediators, der Einsatz physischer Gewalt macht aus den Akteuren Kampfteilnehmer, de­nen der Krieg selbst das Gesetz des Handelns aufzwingt.

Wenn physische Gewalt in sozialen Konflikten überhaupt eine Funktion zuge­schrieben werden kann, dann die, zivilisatorische Standards zu zerstören, d. h. den auf Rationalität basierenden Konfliktaustrag zu verunmöglichen.

VII. Hamas: Ein konkretes Beispiel der spezifischen Verknüpfung von Interessen und Ideen

Ein Beispiel für das Phänomen der Verknüpfung von Interessen und Ideen bie­tet die Interpretation des Palästinakonfliktes durch die islamistische Hamas. Auslöser für die Gründung der Hamas war die im Dezember 1987 begonnene Intifada, der Aufstand der Palästinenser in den von Israel besetzten Gebieten. Die Muslim-Bruderschaft bildete in Folge dessen die Hamas.

Die sozialen Veränderungen, die zu gesellschaftlichen Widersprüchen führten, die sich der theoretische Leitdifferenz zuordnen lassen, waren u. a. folgende:

Durch die israelische Siedlungspolitik kam es zur Proletarisierung der palästi­nensischen Bauern, wodurch sich die Strukturen der traditionalen Agrarge­sellschaft auflösten. Über 100 000 Palästinenser arbeiteten Ende der 80er Jahre in rechtlich unsicheren Verhältnissen in Israe[25]. Die Zukunftsaussichten der Jugendlichen, die einen großen Teil der palästinensischen Bevölkerung ausmachen, und der Bildungsstand sind sehr schlecht. Die beruflichen Chan­cen der Mittelschicht waren durch die Israelis eingeengt und die politischen Mitwirkung nahezu ausgeschlossen.

Die Hamas entwickelte sich bald zum stärksten Konkurrenten der Fatah, die vom PLO-Vorsitzenden Yassir Arafat geführt wurde. Die Hamas rief wie die PLO die Bevölkerung zu Widerstandsaktionen auf und übte auch Druck aus, indem sie zB. Streikbrecher verprügelten und verfolgten. Politische Aktionen der Hamas äußerten sich an der Beteiligung an Wahlen zu Berufs- und Stu­dentenverbänden, außerdem waren sie in der Handelskammer vertreten.

Auf der ideellen Ebene ist die Hamas von einer radikalen Ideologie gekenn­zeichnet, die die Basis für die Ermöglichung eines gewaltsamen Konfliktaus- trages darstellt. Sie besteht aus einer Mischung islamischer Symbolik und ko- ranischen Grundsätzen mit historischen Versatzstücken von Erfahrungen mit dem Staat Israel, den Kreuzzügen und der kolonialen Durchdringung des Na­hen Ostens. In der Charta der Hamas lässt sich die spezifische Wahrnehmung des Geschehens durch die Hamas gut erkennen. Sie dient Jung als Deutungs­schema.

VII. 1 Wichtige Merkmale und Inhalte der Charta

Die eigenen Aussagen werden mittels willkürlich ausgewählter religiöser Zita­te bekräftigt. Beispielsweise wird die islamischer Urgemeinde Medina hier als die beste aller Gemeinschaften bezeichnet - alle anderen Gesellschafts- oder Glaubensformen werden als feindlich betrachtet.

Die Hamas artikuliert den Palästinenserkonflikt ausschließlich entlang der jü­disch-islamischen Konfliktlinie. Das Territorium Palästinas wird als islami­sches Gebiet betrachtet und Jerusalem als eine der drei heiligen Städte. Die Existenz eines jüdischen Staates auf islamischem Gebiet stellt eine ständige Provokation des islamischen Suprematieanspruchs der Hamas dar. So wird der Staat Israel als permanenter Widerspruch zur idealen religiösen Ordnung wahrgneommen.

Die Gegenwartsbeschreibung der Hamas lässt die traditionale Wahrnehmung des gesellschaftlichen Transformationsprozesses erkennen. Die Gegenwart wird als das „Reich der Falschheit“[26] empfunden. Weiters werden alle ökono­mischen und politischen Gegensätze, die Folge der sozialen Differenzierung sind, als Folge der Zerstörung des islamischen Ordnung empfunden. Das Ziel der Hamas ist daher die Wiederherstellung des „Reichs der Wahrheit“[27], also der alten Ordnung.

Da die religiösen Ordnungsvorstellungen und das Territorium Palästinas im Denken der Hamas eine untrennbare Einheit bilden, lässt sich ein Kompromiss wie „Fand gegen Frieden“ nicht eingehen.

Die Hamas argumentiert außerdem antisemitisch. Sie zeichnet das Bild einer jüdischen Weltverschwörung. Die Formulierung „Jüdischer Nazismus“ ist in diesem Zusammenhang eine besonders merkwürdige Wortschöpfung. Die Ha­mas schafft sich somit ein einziges Feindbild - die „zionistische Weltver­schwörung“, das der Adressat für all die objektiv gegebenen, aber von der Hamas traditional interpretierten gesellschaftlichen Widersprüche ist.

Das personifizierte Prinzip, durch das die abstrakte Vergesellschaftung über den Wert in das Bewusstsein der sozialen Akteure dringt, ist ein charakteristisches Merkmal einer an traditionalen Kategorien orientierten Wahrnehmung.

Die politische Sprengkraft der Hamas liegt nun nach Jung darin, dass sich die von ihr propagierte Weltsicht in der Struktur des traditionalen Bewusstseins verankern lässt[28]. Damit behält diese Weltsicht auch in Zukunft eine hand- lungsanleitende Funktion.

VIII. Zusammenfassung

In der vorliegenden Arbeit haben wir versucht, Jungs extrem dichte und u. E. fundamental argumentierende Disseration in groben Zügen zu umreißen. Dabei war es unerlässlich, den Siegelbergschen Entwurf einer „Grammatik des Krie­ges“ voran zu stellen. Durch den Vergleich des Idealtypus der traditionalen Gesellschaft mit dem der bürgerlich-kapitalistischen sollte die Funktion der „Leitdifferenz“ für die Untersuchung kriegsursächlicher Prozesse in den Blick rücken.

Es scheint uns wichtig, nocheinmal auf den anspruchsvollen Begriff des kapi­talistischen Vergesellschaftungsprozesses bei Jung hinzuweisen. Zum einen erarbeitet sich Jung einen differenzierten Begriff von Gesellschaft. Er weist darauf hin, dass dieser doppelt gefasst werden kann. „Gesellschaft“ kann ei­nerseits verstanden werden als Inbegriff des aktuell-sozialen Handelns der Individuen, andererseits aber als Handlungsschema, das in Institutionen ge­schichtlich aktualisiert wird.[29] Gesellschaft ist so nicht nur ein systematischer Begriff, sondern ebenso „historische Realität“[30].

Jungs Begriff der kapitalistischen Vergesellschaftung ist - wie in Kapitel III ausgeführt - nicht deckungsgleich mit dem Wallersteinschen. Letzterer ist nach Jung erstens „deskreptiv“[31], und zwar hinsichtlich dessen, dass er in seiner funktionalen Dimension für die wissenschaftliche Untersuchung nicht aufgedeckt wird, und zweitens „uneinheitlich [32], weil Wallerstein mehrere De­finitionen verwendet.[33] Siegelberg, und mit diesem Jung, wollen den bürger- lich-kapitalistischen Vergesellschaftungsprocess in seine Beeinflussung aller Aspekte der gesellschaftlichen Totalität verstehen. Dies ermöglicht außerdem die Erkenntnis, dass der bürgerlich-kapitalistische Prozess der Vergesell­schaftung widersprüchlich ist: Einerseits verursacht(e) er bei seiner Durch­setzung kriegerische Konflikte, andererseits erwächst aus ihm ein sozialer Habitus, der pazifizierende Wirkung innerhalb der Gesellschaft hat. Die „Ver­gesellschaftung über den Wert“ (Marx) versachlicht die Beziehungen der Indi­viduen untereinander und war außerdem beteiligt an der Schaffung der Mög­lichkeit der friedlichen Konfliktbeilegung durch das institutionelle Gewaltmo­nopol des Staates.

Der Versuch, Krieg unter Zuhilfenahme des Begriffs „Interesse“ zu erklären, greift nach Jung zu kurz und kann das Phänomen nicht wesentlich erklären. Obwohl es natürlich absurd wäre, zweckrationales kriegerisches Handeln völ­lig zu negieren, so ist es doch unerlässlich, anhand der „Leitdifferenz“ die un­terschiedlichen geschichtlich gewachsenen Wir-Bilder, die identitätsstiftenden Ideen, die sozialen Habiti, die Art und Weise der Konfliktaushandlung zu un­tersuchen, um die Kriege in der Dritten Welt verstehen zu können.

Bibliographie

Basisliteratur:

Jung, Dietrich: Tradition - Moderne -Krieg. Grundlegung einer Methode zur Erforschung kriegsursächlicher Prozesse im Kontext globaler Vergesellschaf­tung. Münster/Hamburg, Univ., Diss., 1995

Ergänzende Literatur:

" Luhmann, Niklas! Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie, Frankfurt am Main 19874

- Marx, Karl: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Bd. 1-3, MEW 23 - 25, Berlin 198930

- Siegelberg, Jens: Kapitalismus und Krieg. Eine Theorie des Krieges in der Weltgesellschaft. Hamburg/Münster 1998.

- Wallerstein, Immanuel: The capitalist world-economy: essays. Cambridge 1980.

- Weber, Max! Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, hrsg. Von J. Winckelmann, Tübingen 1985

- Weber, Max! Gesammelte Politische Schriften, Tübingen 1988°

- Weber, Max! 1972: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriß der Verstehen­den Soziologie, Studienausgabe, Tübingen 1985°

Anhang

Leitdifferenz Idealtypus der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft und der traditio- nalen Gesellschaft:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1

2 Vgl. Jung, a. a. O. S. 29

3 Vgl. Ebd., S. 31 (Jung bezieht sich hier auf: Siegelberg, Jens; Schritte zu einer Theorie des Krieges. Ein gesellschaftstheoretischer Entwurf für die vergleichende Kriegsursachenforschung. Arbeitspapiere Nr. 42 der Forschungsstelle Kriege, Rüstung und Entwicklung, Universität Hamburg., S. 86 - Original­quelle in Österreich nicht beziehbar.)

4 Ebd. S. 32

5 zum Wallersteinschen Begriff vgl. u. a.: Wallerstein, Immanuel; The capitalist world-economy: es­says. Cambridge 1980.

6 Ebd. S. 39

7 Vgl. ebd. S. 39

8 Vgl. Weber, Max; Gesammelte Ausätze zur Wissenschaftslehre, hrsg. Von J. Winckelmann, Tübin­gen 1985, S. 194

9 Vgl. Jung, a. a. O., S. 85

10 Vgl. Weber, Max; 1972: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriß der Verstehenden Soziologie, Stu­dienausgabe, Tübingen 19855, S. 542ff. und Jung, a. a. O., S. 103ff.

11 Für einen raschen Überblick der beiden Idealtypen siehe die Tabelle I im Anhang, S. 41

12 Weber, Max; Gesammelte Politische Schriften, Tübingen 19885, S. 506

13 Vgl. Jung, a. a. O., S. 130f.

14 Zitiert in ebd., S. 143

15 Vgl. ebd. S. 159

16 Vgl., ebd. S. 188ff.

17 Vgl. ebd. S. 191

18 Ebd. S. 193

19 Vgl. ebd. S. 226

20 Ebd. S. 226

21 Vgl. Siegelberg, a. a. O., S. 191

22 Vgl. Luhmann, Niklas; Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie, Frankfurt am Main 19874, S. 533ff.

23 Vgl. hierzu unser Beispiel auf S. 36 - 38

24 Siegelberg, a. a. O., S. 192

25 Flores, Alexander; Intifada. Aufstand der Palästinenser. Berlin 1989, S. 93 zitiert in: Jung, a. a. O.: S. 229 (Originalquelle nicht verfügbar.)

26 aus der Charta zitiert Jung, a. a. O., S. 231

27 ebd., S. 231

28 Vgl. ebd. S. 235

29 Vgl. ebd. S. 41

30 Ebd. S. 41

31 Ebd. S. 38

32 Ebd. S. 38

33 Einmal beschreibt Wallerstein die kapitalistische Weltwirtschaft als die ab dem 16. Jh. beginnende Ausbreitung von Warenketten, ein anderes Mal spricht er von einer Produktion zum Zwecke des Ab­satzes auf einem Markt, mit dem Ziel, den größtmöglichen Profit zu realisieren, ein weiteres Mal cha­rakterisiert er die kapitalistische Weltwirtschaft als eine einzige Arbeitsteilung bei vielfältigen Ge­meinschaften und Kulturen. (Jung, S. 38)

43 von 43 Seiten

Details

Titel
Dietrich Jung: Tradition - Moderne - Krieg
Hochschule
Universität Wien
Veranstaltung
SE
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
43
Katalognummer
V100606
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dietrich, Jung, Tradition, Moderne, Krieg
Arbeit zitieren
Britta Mallinger (Autor), 2000, Dietrich Jung: Tradition - Moderne - Krieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100606

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