Der Kampf gegen die "Stacheldrahtkrankheit" in Japan. Deutsche Kriegsgefangene während des 1. Weltkrieges


Bachelorarbeit, 2020

72 Seiten, Note: 1,3

Iwan Müller-Schmidt (Autor:in)


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung
1.1 Die Gefangennahme der deutschen Garnison in Tsingtau
1.2 Verdammt zur Stacheldrahtkrankheit in japanischen Lagern?
1.3 Weitere Fragestellungen, Ziel, Eingrenzung und Methodik

2 Die Stacheldrahtkrankheit als weltweites Phänomen im 1. Weltkrieg
2.1 Psychische Reaktionsform oder Krankheit?
2.2 Grundlegung durch den Schweizer Mediziner Adolf Lukas Vischer
2.3 Weitere Erkenntnisse über die Stacheldrahtkrankheit
2.4 Der Kampf der deutschen Soldaten in Japan um Lebenselixiere

3 Die Kriegsgefangenschaft deutscher Soldaten in Japan als Sonderfall
3.1 Historische und politische Hintergründe
3.2 Gute Behandlung der Tsingtau-Soldaten: Gründe und Auswirkungen
3.2.1 Die Qualität der Behandlung deutscher Soldaten im Vergleich
3.2.2 Gründe für die gute Behandlung der deutschen Soldaten in Japan
3.2.3 Auswirkungen der guten Behandlung auf die Stacheldrahtkrankheit

4 Kampf gegen die Stacheldrahtkrankheit in Japan: Kommentierte Fälle
4.1 Mit dem Schicksal hadern? Bericht des Offiziers Freiherr v. Kuhn
4.2 Turner bleiben gesund: Bericht des Turnlehrers Engler
4.3 Der Offizier v. Kuhn und der Turnlehrer Engler als Gegentypen
4.4 Der Faktor „Zeit“ beim Kampf gegen die Stacheldrahtkrankheit
4.5 Strukturierung der Zeit durch sportliche und kulturelle Aktivitäten
4.6 Arbeit und ihre Auswirkungen auf die Psyche der Kriegsgefangenen
4.6.1 Verminderung der Bedrohung durch die Stacheldrahtkrankheit
4.6.2 Zwangsarbeit für deutsche Kriegsgefangene?
4.6.3 Anfälligkeit „arbeitsloser” Offiziere für die Stacheldrahtkrankheit
4.6.3.1 Relevanz der Arbeit als Gegenmittel zur Monotonie des Alltags
4.6.3.2 Probleme mangelnder Gegenwarts- und Zukunftsbezogenheit
4.6.3.3 Ermöglichung von Arbeit als Bestandteil guter Behandlung
4.7 Radikale Lösungen des Problems der Stacheldrahtkrankheit
4.7.1 Flucht in die Freiheit
4.7.2 Vorzeitige und endgültige Entlassung
4.7.3 Tod und Selbstmord
4.8 Entfaltung von Männlichkeit nach „ doppelter Entmannung ” ?
4.8.1 Hegemoniale Maskulinität und Fragilität der Männlichkeit
4.8.2 Moralische Überlegenheit trotz angekratzter Männlichkeit?
4.8.3 Die Männlichkeit des in der Männerwelt eingeschlossenen Mannes
4.8.3.1 Dauerhaft fehlender Kontakt zur Damenwelt als Risikofaktor
4.8.3.2 Liebesbeziehungen zwischen deutschen Soldaten und Japanerinnen
4.8.3.3 Homosexualität unter deutschen Kriegsgefangenen in Japan?
4.9 Die Bedeutung von Spiel und Sport: Bericht Ernst v. Raussendorffs
4.10 Kompensation verlorener Männlichkeit durch Turnen und Sport
4.10.1 Verklammerung von Krieg, Männlichkeit und Sport
4.10.2 Turnen und Sport als Garant für Gesundheit und Männlichkeit
4.10.3 Die besondere Rolle des Fußballspiels
4.10.4 Sportbegegnungen mit der einheimischen Bevölkerung
4.11 Bedeutung des Theaters für das Wohlbefinden der Kriegsgefangenen
4.11.1 Theater hinter Stacheldraht als Bestandteil der Lagerkultur
4.11.2 Kompensatorische Rolle des „Theaters ohne Frau“ ?
4.11.3 Theateraufführungen als Medium der Begegnung mit Japanern45 5 Fazit

Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Sekundärliteratur

Internetquellen

1 Einleitung

1.1 Die Gefangennahme der deutschen Garnison in Tsingtau

Wenige Wochen nach Ausbruch des 1. Weltkrieges kam es in dessen Rahmen zum bislang einzigen Deutsch-Japanischen Krieg. 1 Mit der nach Verstreichen eines japanischen Ultimatums am 23.8.1914 erfolgten Kriegserklärung Japans an Deutschland2 war ein Zeichen dafür gesetzt, dass der zunächst europä- ische Krieg auch eine „ ostasiatische Dimension “ anzunehmen begann.3 Eben- falls in den Deutsch-Japanischen Krieg involviert waren britische Truppen auf Seiten der Entente sowie österreich-ungarische Marinesoldaten auf Seiten der Mittelmächte. Die Parteinahme Japans mit den Alliierten der Entente hing insbes. mit dem Wunsch der damaligen Machthaber 4 zusammen, die Gelegen- heit zu stärkerem Einfluss in China nicht zu verpassen. 5 Entgegen der Äuße- rung Kaiser Wilhelms II., dass die Übergabe einer deutschen Festung „ grund- s ä tzlich nicht, [...] keineswegs aber an die gelbe Rasse “6 erfolgen werde, ge- schah genau dies am folgenden Tage, dem 7. 11.1914, in Form der Kapitulation der deutschen Garnison7 in Tsingtau gegenüber den vereinigten britischen und japanischen Truppen. 8 Die dort stationierten Soldaten mussten (abgesehen von fast 100 Schwerverletzten) 9 den Weg in die japanische Kriegsgefangenschaft antreten. Das Pachtgebiet Kiautschou mit Tsingtau als Zentrum (vormals „ Symbol deutscher Pr ä senz in China “) 10 kam unter japanische Oberhoheit.

Parallel zum Kampf um Tsingtau verlor Deutschland die pazifischen Kolonien und Schutzgebiete.11 Menkhaus weist unter Bezug auf deutsche und englische Literatur darauf hin, dass unklar sei, ob dort stationierte Soldaten nach Japan verbracht wurden.12 Eine teilweise Antwort auf diese Frage findet sich in japa- nischer Literatur. Demnach kamen einige deutsche Soldaten in Gefangenenla- ger nach Japan und weitere Soldaten wurden auf Ehrenwort freigelassen.13 Au-

ßerdem kam eine Anzahl von im Pazifikraum stationierten oder auf Schiffen operierenden deutschen Soldaten sowie einige deutsche Zivilisten in Gefange- nen- bzw. Internierungslager nach Australien, Neuseeland und in die USA.14

Nach Ende der eigentlichen Kampfhandlungen dauerte der Kriegszustand noch bis Ende des 1. Weltkrieges. 15 Politisch wurde mit der deutschen Kapitu- lation das Ende einer von imperialistischen Vorstellungen geprägten Ära deut- scher Chinapolitik markiert. 16 Mit dem Prestigeverlust für das Deutsche Reich ging ein Prestigegewinn auf japanischer Seite einher. 17 In der Folgezeit erhielt Japan als expandierende Macht in Ostasien und dem Pazifik großen Auftrieb. 18

1.2 Verdammt zur Stacheldrahtkrankheit in japanischen Lagern?

Mit der Verschiffung nach Japan und der Verteilung auf Internierungslager 19 begann für die deutschen Soldaten 20 eine ungewisse Zukunft. Die Bedingun- gen in den einzelnen Lagern konnten unterschiedlich sein und auch die Soldaten selbst waren ziemlich unterschiedlich (z.B. im Hinblick auf die Stellung im Militär, berufliche Voraussetzungen, Charakter etc.). Jedenfalls sahen sie sich zusätzlich zu den durch die Kriegshandlungen und die Gefan- gennahme bedingten Traumata nun mit den psychischen Belastungen der Gefangenschaft konfrontiert. Eine offene Frage war, ob die deutschen Soldaten Opfer der im 1. Weltkrieg an vielen Orten ausbrechenden Stacheldrahtkrank- heit werden würden oder aber die psychischen Strapazen überstehen bzw. sogar das Beste aus der Lagerzeit machen könnten. Unklar war, ob sie nach Ende der Gefangenschaft als körperliches oder psychisches Wrack heimkehren würden (so wie dies bei vielen von anderen Fronten zurückkehrenden Soldaten der Fall war) oder aber Körper und Geist durch kulturelle und sportliche Aktivitäten etc. fit halten und später in der Heimat 21 als Zivilist ihren Mann stehen könnten.

1.3 Weitere Fragestellungen, Ziel, Eingrenzung und Methodik

Ausgehend vom klassischen Standardwerk Vischers zur Stacheldrahtkrankheit wird in Kap. 2 dieselbe als weltweite Erscheinung im 1. Weltkrieg dargestellt sowie die zu ihrer Entstehung führenden Faktoren aufgezeigt. Die Situation der deutschen Kriegsgefangenen in Japan ist auch vor dem Hintergrund von in Kriegsgefangenenlagern anderer Länder ebenfalls anzutreffenden Fragestellun- gen zum Themenkreis „Stacheldrahtkrankheit der Kriegsgefangenen“ zu sehen (z.B. sinnvoller Umgang mit der scheinbar unendlichen Zeit, Sport, Kul- tur, Arbeit etc.). Auf der Basis insbes. von Erinnerungen von Kriegsgefange- nen mit ihren vor Ort gemachten Erfahrungen und Eindrücken soll untersucht werden, wie die nach der Gefangennahme der deutschen Garnison in Tsingtau nach Japan verbrachten Soldaten gegen die von der Stacheldrahtkrankheit ausgehende Bedrohung ankämpften. Des Weiteren wird in Kap. 4 anhand von drei typischen Berichten eine Kategorisierung vorgenommen. Hierbei erfolgt auch eine Kommentierung der Fälle unter Auseinandersetzung mit entspre- chender Literatur. Es soll u.a. darüber reflektiert werden, wofür die Fallbei- spiele stehen und welche Aspekte dabei zum Tragen kommen. Wovon hing das Gelingen des Kampfes der in japanischen Lagern internierten deutschen Sol- daten gegen die Stacheldrahtkrankheit ab? Da dieser Prozess in z.T. unter- schiedlicher Weise verlief bzw. erfahren wurde, stellt sich die Frage, welche Rolle einerseits unterschiedliche objektive Bedingungen in den einzelnen japanischen Kriegsgefangenenlagern spielten. Welche Rolle spielten anderer- seits das subjektive Empfinden und die Art und Weise der Reaktion (oder Nichtreaktion) auf die von der Stacheldrahtkrankheit ausgehenden Bedro- hungen? Hierbei soll thematisiert werden, wie die meisten Kriegsgefangenen diesen Kampf weitgehend erfolgreich durchstehen konnten und quasi nebenbei die deutsch-japanischen Beziehungen durch den Kampf gegen die Stachel- drahtkrankheit weiter ausgebaut werden konnten (was wiederum positive Aus- wirkungen auf die psychische Gesundheit der deutschen Soldaten hatte).

Wenn von internierten Kriegsgefangenen die Rede ist, wird von manchen Au- toren der Verlust an Männlichkeit fokussiert.22 Inwiefern trifft dies auf die in Japan internierten deutschen Soldaten zu bzw. wie kam dies in Bezug auf das Handeln und Verhalten der deutschen Kriegsgefangenen während der Kriegs- gefangenschaft in Japan zum Ausdruck? Konnte die durch traumatische Erfahrungen von Kriegshandlungen und den Akt der Gefangennahme verletzte und durch die fortdauernde Kriegsgefangenschaft weiter erschütterte Männ- lichkeit der Tsingtau-Soldaten kompensiert oder gar revitalisiert werden? In- wiefern kommen mit Kriegsgefangenschaft und Männlichkeit zusammenhän- gende Aspekte auch im Hinblick auf die Erzählstrategie deutscher Kriegsge- fangener zum Tragen? Vor dem Hintergrund solcher Fragen soll auch eine Ein- ordnung der vorliegenden Arbeit in den Rahmen der Geschichte der Männ- lichkeiten erfolgen. Dieser Ansatz mag auch dazu dienen, in Bezug auf Han- deln und Verhalten der Soldaten in japanischen Kriegsgefangenenlagern sowie deren Erzählstrategie eine breitere Erklärungsgrundlage zu bekommen. 23

Gelegentlich wird auch ein Blick über den Tellerrand der Lage der deutschen Kriegsgefangenen in Japan geworfen. Historische und internationale Verglei- che sollen eine Einordnung in die Gesamtsituation des 1. Weltkrieges erleich- tern. Auch sollen Besonderheiten sichtbar gemacht werden (z.B. im Hinblick darauf, inwiefern die Kriegsgefangenschaft deutscher Soldaten in Japan und insbes. deren Kampf gegen die Stacheldrahtkrankheit als „Sonderfall“ 24 gelten kann). So soll gezeigt werden, wie auch auf Grund dieser besonderen Lage die deutschen Soldaten den Kampf gegen die Stacheldrahtkrankheit gewinnen konnten. Sofern bei diesem Kampf weitere kulturwissenschaftlich relevante Aspekte (z.B. Kulturtransfer etc.) zum Tragen kommen, sollen diese ggfs. aufgezeigt werden. Untersuchungszeitraum sind schwerpunktmäßig die Jahre 1914-1920. Stellenweise wird der Blick aber auch in die Zukunft, in die Ver- gangenheit oder über Ländergrenzen hinweg gerichtet. Es existiert eine Reihe von oft länderbezogener Literatur über Kriegsgefangene im 1. Weltkrieg, wo auch über die Stacheldrahtkrankheit geschrieben wird. Meist handelt es sich um Abschnitte der jeweiligen Werke. Alleinstellungsmerkmal der vorliegenden Arbeit ist die Fokussierung auf die Lage deutscher Soldaten in Japan in Ver- bindung mit punktuellen Blicken auf die historische und internationale Bühne.

Statt japanischer Schriftzeichen wird grundsätzlich das „ Hepburn- Sy stem “ z ur Transkription japanischer Termini und Eigennamen angewendet. 25 Internetquellen wurden am 21.11.2020 überprüft. Im Hinblick auf Abkür- zungen wird auf www.abkuerzungen.de bzw. den Duden verwiesen.

2 Die Stacheldrahtkrankheit als weltweites Ph änomen im 1. Weltkrieg

2.1 Psychische Reaktionsform oder Krankheit?

Die Stacheldrahtkrankheit verdankt ihren Namen vordergründig der Umzäu- nung von Kriegsgefangenenlagern. Im Hintergrund steht Folgendes: „Stachel- draht fungierte als Symbol für das Unglück der Gefangenen.“ 26 Es ist eine Frage der Definition, ob man eine selbständige Krankheit annimmt oder nur von einer „typischen psychischen Reaktionsform in der Gefangen- schaft“ spricht.27 So meint Hemsing ausgehend von der Nichtexistenz der Sta- cheldrahtkrankheit, es gebe keine krankhafte Persönlichkeitsveränderung, de- ren alleinige Ursache die Kriegsgefangenschaft ist; vielmehr würden nur An- lagen zu krankhaften Zuständen in bzw. durch die Gefangenschaft verstärkt.28 Jedoch ging der Schweizer Chirurg Vischer in seiner Beschreibung dieses Zustandes von der Existenz einer solchen „Stacheldraht-Krankheit“ aus.29

2.2 Grundlegung durch den Schweizer Mediziner Adolf Lukas Vischer

Vischer schrieb 1918 Erfahrungen und Erkenntnisse mit von der „Stachel- draht-Krankheit“ betroffenen Kriegsgefangenen in seiner zum Standardwerk gewordenen Monographie nieder. Bis heute gilt er in der Fachwelt als Autorität.30 Vischer begann seine Ausführungen wie folgt: „ Es hat sich im Verlaufe des Weltkrieges gezeigt, dass bei Kriegsgefangenen nicht selten nervöse Störungen auftreten. Kriegsge fan ge ne, die wegen schwerer Körper - beschädigung nach der Heimat ausge tauscht, andere, die im neutralen Lande interniert wurden, bringen die Kunde, dass viele ihrer Kameraden seelisch schwer leiden, ja sie tragen nur zu oft an sich selbst deutliche Spuren und Merkmale von Nervosität. “ 31 Vischer beschreibt Symptome: „ Voranzustellen ist die erhöhte Reizbarkeit. Die Leute e rtragen nicht den geringsten Wi - derspruch [...] . Hand in Hand geht die Sucht zu diskutieren, den Argumenten, die bei solchen Diskussionen herbeigeholt werden, fehlt das gesunde Urteil. Im gegenseitigen Verkehr sind sie ungemein kleinlich und stets auf den eigenen Vorteil bedacht. Sehr schwer wird es den Leuten, sich auf eine bestimmte Sache zu konzen trie ren; [,,,] sie haben in ihrem Tun und Lassen etwas Ruheloses. Sehr häufig klagen sie über rasch einsetzende geistige Ermüdung. “ 32

Die Ursachen für dieses Krankheitsbild bei Kriegsgefangenen und Internier- ten waren vielfältig. Von großer Bedeutung erscheint die Unbestimmtheit der Zeit, während der der Kriegsgefangene seiner Freiheit beraubt ist.33 Vischer erachtet auch Folgendes für wichtig: „ Des Weiteren kann der Kriegsgefan- gene [...] seine Bedürfnisse [...] nur in Gesellschaft verrichten. Nie mals kann er allein sein . “ 34 Und weiter: „ Einen ansehnlichen Platz in seiner Seele nimmt

auch das Warten auf Nachrichten aus der Heimat ein, [...] die meistens unregelmässig eintreffen . “ 35 Vischer thematisiert auch Kontakte zu Frauen: „ ... von seiner Frau ist er getrennt, Gelegenheit zum sexuellen Verkehr gibt es nicht.36 [...] In der ersten Zeit suchen die Leute die Erinnerung an das Weib [...] wach zu halten und verschaffen sich dadurch gewisse Befriedigung. Es ist dies [...] ein Suchen nach Ersatz des normalen Geschlechtsverkehrs. Die Gefangenen schmücken ihre Behausungen mit pikanten Bildchen, und in der Unterhaltung nimmt die Erotik einen grossen Platz ein. Sehr beliebt sind Bälle, bei denen sich die eine Hälfte der Teilnehmer als Damen kostümiert.“37

2.3 Weitere Erkenntnisse ü ber die Stacheldrahtkrankheit

Bei der Umschreibung des o.a. Krankheitsbildes mit „ Stacheldrahtkrank- heit “ sind auch Zeitbezogenheit und Zeitgebundenheit dieses Begriffs zu be- rücksichtigen.38 Der Begriff „Stacheldrahtkrankheit“ wird zwar besonders, aber nicht ausschließlich auf den 1. Weltkrieg bezogen. 39 Fest steht, dass das Massenphänomen der Stacheldrahtkrankheit und die Ausprägung dieses Begriffes im 1. Weltkrieg entstanden. Wie nie zuvor in der Weltgeschichte erfolgte im Verlaufe des „ Great War “ eine Gefangennahme und Internierung von Millionen von Soldaten.40 Des Weiteren wurde eine große Anzahl von Zivilisten interniert.41 Von der Stacheldrahtkrankheit konnten so nicht nur Sol- daten, sondern auch Zivilisten betroffen sein.42 Die Charakteristik der Stachel- drahtkrankheit in Kriegsgefangenenlagern im 1. Weltkrieg bringt Stachelbeck auf einen Punkt: „In den Kriegsgefangenenlagern selbst war das Alltagsleben vorwiegend von Eint ö nigkeit und Langeweile gepr ä gt. Viele Insassen litten unter der » Stacheldrahtkrankheit «, deren Symptome sich in ständiger Müdigkeit und Apathie bis hin zu schweren Depressionen ä u ß erten.“ 43 Hinz verbindet die „traumatische Erfahrung“ der Kriegsgefangenschaft mit der „ im Krieg international etablierte (n) Begrifflichkeit für eine spezifisch psychische Lagerkrankheit: ,Barbed wire disease', ,cafard' oder ,Stacheldrahtkrankheit' bezeichnete in verschiedenen Sprachen das gleiche Phänomen: einen über Heimweh und ,Lagerkoller' weit hinausreichenden Zustand der Depression. “ 44

Elsa Brändström45 fand als ein Charakteristikum der von Psychose in Lagern Betroffenen „ ein hoffnungsloses Mi ß trauen gegen alle und alles, das ihr Dasein vergiftete“. 46 Im Unterschied zu Zivilinternierten kam bei Kriegs- gefangenen hinzu, dass diese nicht nur das Trauma der Lagererfahrung zu verarbeiten hatten, sondern vorherige Traumata fortwirkten. In den Lagern war „ eine größere Anzahl von Soldaten versammelt [...] , die schreckliche Fronter - lebnisse zu ertragen gehabt hatte“ . 47 Daher sind „ Symptome der Stachel draht- krankheit - etwa [...] Lethargie und Schlafsucht, gefolgt von [...] unbegrenzter Emphase und aufbrausender Feindseligkeit - nicht mehr nur von den negativen Konsequenzen des Lagerlebens, der eingeschränkten Bewe g ungs f reiheit und ständigen Eingliederung in die Gemeinschaft, herzuleiten“ . 48

Vischer hatte seine Erkenntnisse zur Stacheldrahtkrankheit mit Soldaten von europäischen Kriegsschauplätzen gesammelt. Diese Krankheit gab es aber als fast weltweites Phänomen auch außerhalb Europas.49 Örtliche Besonderheiten konnten sich auf Verlauf oder Schwere der Krankheit auswirken.50

2.4 Der Kampf der deutschen Soldaten in Japan um Lebenselixiere

Die Isolierung von der Welt außerhalb des Stacheldrahts der Lager bedeutete für die meisten Kriegsgefangenen, dass sie außer der Kommunikation unter sich selbst nur einen „ begrenzten Kontakt “ zur Außenwelt hatten.51 In der Re- gel hatten sie nur „Kontakt mit der Wachmannschaft oder Zivilisten, die als Zu - lieferer das Lager betreten durften “. 52 Dies veranlasst Habermehl zu folgender pessimistischen Schlussfolgerung: „ Früher oder später traf jeden die ’ Sta chel- drahtkrankheit ’ ; einige dürfte die Depression in den Freitod getrieben ha - ben. “ 53 Der Verfasser des 1918 im Dresdner Anzeiger erschienenen Artikels „Die Stacheldrahtkrankheit“ sieht Ursachen dafür in für den Mensch als so- ziales Wesen eine bedeutende Rolle spielenden Dingen: „ Es fehlt ihnen an Ge le gen heit zu nützlicher Arbeit, es fehlt das sexuelle Lebensmoment, es fehlt der Kontakt mit der Außenwelt mit seinen [...] Anregungen und Wider - ständen. “ 54 Die Berichterstattung über die von Vischer beschriebene Stachel- drahtkrankheit wurde auch von den deutschen Soldaten in Japan verfolgt. So war der o.a. im Dresdner Anzeiger erschienene Artikel den Aufzeichnungen des in Aonogahara internierten Funkentelegraphiegasts 55 Jarling beigefügt. 56 In den folgenden Abschnitten soll u.a. aufgezeigt werden, wie deutsche Soldaten bei der Bekämpfung der Stacheldrahtkrankheit gegen das Fehlen der o.a. drei Lebenselixiere ankämpften und dabei (auch durch das Wohlwollen von japanischer Seite) positive und nachhaltige Resultate erzielen konnten. Als Kernpunkte des Kampfes wurde Folgendes herausgestellt: „ Kampf gegen die grauen Gespenster, die da von allen Seiten sich an die Kriegsgefangenen heranschleichen: Kampf gegen Stumpfheit und geistige Ver ö dung, gegen Willenlosigkeit und Teilnahmelosigkeit gegenüber allem, was außerhalb des Stacheldrahtes im allgemeinen und des eigenen Ichs im besonderen liegt.“ 57

3 Die Kriegsgefangenschaft deutscher Soldaten in Japan als Sonderfall

3.1 Historische und politische Hintergr ü nde

Nach Tauber ist die Kriegsgefangenschaft deutscher Soldaten im 1. Weltkrieg in Japan in mancher Hinsicht als Sonderfall anzusehen.58 Wie ist diese Ansicht einzuschätzen? Nach der Kapitulation und kurz vor der Verschiffung der deutschen Soldaten nach Japan erfolgte ein Treffen zwischen dem japanischen Oberbefehlshaber und dem deutschen Gouverneur, wobei diese höchsten vor Ort anwesenden Vertreter der kriegführenden Staaten sich den gemeinsamen Genuss von Champagner und Zigarren genehmigten. 59 Darüber hinaus wurde bei den Übergabeverhandlungen den Besiegten von japanischer Seite Hochach- tung für ihre militärischen Leistungen entgegengebracht. 60 Rademacher weist unter Bezug auf den Bericht des deutschen Soldaten Krüger 61 zur guten Be- handlung der deutschen Soldaten unmittelbar nach ihrer Gefangennahme durch japanische Soldaten darauf hin, dass sich bereits in diesem Vorstadium der Kriegsgefangenschaft deren Eigenschaft als Sonderfall abzeichnete. 62 Krüger beschrieb, wie mit dem Ende der Kämpfe auch das Ende der im Wesentlichen auf die militärischen Auseinandersetzungen beschränkten deutsch-japanischen

Gegnerschaft begann: „ Kapit ä nleutnant Wittmann rief uns zu: ‘Feuer sofort einstellen. Der Gouverneur hat wegen Ersch ö pfung aller Verteidigungsmittel die Einstellung des Kampfes angeordnet.’ [...] Da polterte auch schon eine Abteilung japanischer Soldaten die Treppe zu uns hinunter, die Gewehre mit aufgepflanztem Bajonett [...]. keiner von ihnen hat irgendeinem von uns irgend etwas zu Leide getan. [...] Als wir [...] aus unseren Kasematten herauskamen, ar nirgends mehr ein Schu ß zu h ö ren. [...] und lachten […] Ich habe keinerlei unfreundliche Handlung der japanischen Soldaten […] feststellen können.“ 63

Das Bild einer nach Ende der Kämpfe wiederauflebenden deutsch- japanischen Freundschaft kommt in Krügers Bericht allenthalben zum Vorschein: „ Drau ß en sahen wir unsere Verwundeten wieder. Sie waren alle [...] guter Dinge. [...] Als ein japanischer Offizier dazugekommen sei, habe dieser daf ü r gesorgt, dass die Verwundeten an eine ungef ä hrdete Stelle gelegt wurden. Auf Deutsch soll er gesagt haben: ‘Kinder, bleibt hier sch ö n liegen, damit ihr nicht noch einmal getroffen werdet.’ “ 64 Die positiven Ersteindrücke Krügers setzten sich fort, als er mit einer Gefangenengruppe in Fukuoka ankam: „ Studenten [...] sangen [...und brachten uns ein St ä ndchen dar, indem sie vor unseren H ä usern stehenblieben und deutsche Volkslieder sangen [...] sogar mit deutschem Text. Wir konnten ü berhaupt feststellen, da ß die japanische Bev ö lkerung [...] uns deutlich sp ü rbare Sympathie entgegenbrachte. “ 65

Die kriegsbedingte Gegnerschaft zu Japan war keinesfalls in den Herzen der meisten deutschen Soldaten verwurzelt. So sahen deutsche Soldaten in Tsing- tau unmittelbar nach ihrer Niederlage einer Parade von japanischen Soldaten mit Interesse zu, gaben aber gleichzeitig ihrer Anglophobie 66 gegenüber anwe- senden britischen Soldaten Ausdruck: „ The hatred of the British shown in Tsingtao by the Germans was very marked, the enemy officers even going so far as to spit in the faces of the British. “ 67 Diese mit einer anglophoben Hal- tung einhergehende Japan-freundliche Haltung von nach dem verlorenen Kampf gegen die Alliierten 68 in japanische Kriegsgefangenschaft gehenden deutschen Soldaten steht in deutlichem Gegensatz zur Haltung deutscher Sol- daten an anderen Fronten des 1. Weltkrieges und verdeutlicht vor einem sol- chen Hintergrund die Besonderheit des deutsch-japanischen Verhältnisses. Ob- wohl England von der deutschen Kriegspropaganda als Feind deklariert wurde, gab es bei manchem deutschen Soldaten eine „ auf der Gemeinsamkeit als wei- ß e Europ ä er “ basierende „ positive Grundhaltung gegen ü ber den Briten “ . 69 Bei deutschen Soldaten in Ägypten war dies der Fall, weil vor dem Hinter- grund einer kulturellen Distanz gegenüber den verbündeten Türken die kultu- relle Nähe zu den Engländern auf gefühlsmäßiger Ebene zum Tragen kam. 70

Nach der Verteilung der deutschen Kriegsgefangenen auf Lager in Japan kam es zu einer seltsam anmutenden Szene, als sich der als Kommandeur des Lagers Tokyo-Asakusa/Higashi Honganji fungierende Oberstleutnant Graf Saigo, der einst an einer deutschen Militärakademie studiert hatte, gegenüber den deutschen Soldaten dafür entschuldigte, dass er als japanischer Schüler nun seine in Kriegsgefangenschaft geratenen deutschen Lehrer bewachen müsse. 71

Gerade auch solche zu Beginn der Kriegsgefangenschaft der deutschen Solda- ten in Japan stehende Szenen veranschaulichen, wie trotz des durch Zerstö- rung, Verwundung und Tod geprägten äußeren Rahmens der Kriegsfeind- schaft der Kern der durch den Krieg beschädigten, traditionell jedoch guten deutsch-japanischen Beziehungen erhalten blieb. Wie ein exemplarisches Leit- motiv prägten diese Situationen auch die langen Jahre des Kampfes der deut- schen Kriegsgefangenen gegen die Stacheldrahtkrankheit. Allerdings konnte die durch den Kriegszustand nicht völlig zerstörte traditionell positive Stimmung im deutsch-japanischen Verhältnis wegen der gegebenen politischen Konstellationen nicht in Richtung auf einen Sonderfrieden zwischen Japan und Deutschland fruchtbar gemacht werden. 72

3.2 Gute Behandlung der Tsingtau-Soldaten: Gründe und Auswirkungen

3.2.1 Die Qualit ä t der Behandlung deutscher Soldaten im Vergleich

Seit alters her stellt sich Kriegführenden die Frage, wie nach der Gefangen- nahme von Soldaten des Gegners mit diesen umzugehen sei. Eine humane Be- handlung war keinesfalls zu allen Zeiten und auf allen Kriegsschauplätzen üblich. Schon im Altertum gab es viele Beispiele für eine grausame Behand- lung oder gar Tötung von in die Hände des Kriegsgegners geratenen Solda- ten.73 Die im Hintergrund stehende Problemstellung und Motivationslage wird durch folgendes pointiert zugespitztes Statement klar: „ A pri soner of war is a man who tries to kill you and fails, and then asks you not to kill him . “ 74

Als objektiver Indikator für die Qualität der Behandlung von Kriegsgefange- nen kann nach Nachtigal deren Mortalitätsrate während der Gefangenschaft herangezogen werden.75 Einschränkend weist Nachtigal jedoch darauf hin, dass dies nur ein Indikator sei, daneben müssten u.a. der physische Zustand bei Gefangennahme sowie die Dauer der Gefangenschaft berücksichtigt werden. 76 Aus einem von Nachtigal vorgenommenen Vergleich von Mortalitätsraten kriegsgefangener Soldaten der Entente und der Mittelmächte in den Gewahr- samsstaaten geht hervor, dass die niedrigste Mortalitätsrate mit 2,8% die in England internierten deutschen Soldaten aufwiesen. Daraus folgert Nachtigal, „dass die Deutschen in England die beste Behandlung in der Hand eines Gegners erfuhren.“ 77 Bemerkenswerterweise tauchen jedoch in den bei Nach- tigal aufgeführten Statistiken die in Japan internierten deutschen Soldaten nicht auf. Unter Bezug auf japanische Quellen schreibt Schmidt zur Zahl der in Japan Verstorbenen: „Von den Gefangenen [...] sind zwischen 1914 und 1920 nur 2% gestorben. [...] Alles in allem starben 82 deutsche und 5 ö sterreichisch- ungarische Soldaten w ä hrend der Gefangenschaft und 5 auf der Heimreise.“ 78

Wie Nachtigal zu Recht betont, kann allerdings die geringe Mortalitätsrate nur als ein Indikator für eine gute oder schlechte Behandlung dienen. Speziell bei den deutschen Kriegsgefangenen in Japan tritt die Schwierigkeit auf, dass nach der Schlacht um Tsingtau nicht alle der kapitulierenden deutschen Soldaten in japanische Kriegsgefangenschaft kamen. Auf Verlangen der bei den Kämpfen indirekt involvierten Briten, welche auf Grund dieser nur indirekten Beteili- gung selbst keine Gefangenen gemacht hatten, wurden diesen eine Anzahl deutscher Soldaten überstellt. Dannemann erwähnt knapp 100 Schwerverwun- dete, welche nach einiger Zeit der Pflege transportfähig gemacht und in die britische Kronkolonie Hongkong gebracht wurden.79 Von dort fanden diese deutschen Tsingtau-Soldaten den Weg in die Kriegsgefangenschaft nach Au- stralien.80 Erfahrungsgemäß besteht bei zum Zeitpunkt ihrer Gefangennahme schwer verwundeten Soldaten eine höhere Mortalität als beim Durchschnitt der kriegsgefangenen Soldaten. Da die schwerverwundeten Deutschen nicht den

Weg in die japanische Kriegsgefangenschaft antraten, hat dies zur niedrigen Mortalitätsrate mit beigetragen. Andererseits war die Dauer der Gefangenschaft bei den in Japan internierten deutschen Soldaten i.d.R. wesentlich länger als dies bei anderen Gefangenen in anderen Gewahrsamsstaaten der Fall war.

Auch wenn Vergleiche von Mortalitätsraten von Kriegsgefangenen vor o.a. Hintergrund mit Vorsicht zu genießen sind, erscheint die Behandlung der deut- schen Kriegsgefangenen in Japan besser als in anderen Gewahrsamsstaaten und in anderen Zeiten. Mit „Hunger, Schmutz und Kälte“ und Rückwirkungen „vom K ö rperlichen aufs Geistige “ hatten die deutschen Soldaten in Japan nicht zu kämpfen. 81 Allerdings konnten die Bedingungen in den einzelnen Lagern recht unterschiedlich sein. Einerseits wurde über weniger gute Bedingungen z.B. im Kriegsgefangenenlager Kurume berichtet. 82 Andererseits sind insbes. im Kriegsgefangenenlager Bando die Bedingungen auf Grund guter Beziehungen zwischen den Internierten und der Lagerleitung als gut bewertet worden. 83 Unter dem Lagerkommandanten Matsue entfaltete sich eine fruchtbare deutsch-japanische Zusammenarbeit.84 Masashi Nakato, stellvertre- tender Leiter des als Erinnerungsstätte an die deutschen Soldaten dienenden Deutschen Hauses in Naruto, würdigte Matsue: „ Matsue respected his enemies and ordered his men to provide as much hospitality as possible although the central government was critical of him for being too lenien t. “ 85 In diesem Klima gediehen gute Beziehungen zur einheimischen Bevölkerung: „ Lasting friendships were forged between the German prisoners and the Japanese villagers [...] German soldiers reciprocated by teaching local residents how to [...] bake bread and build Western-style houses and stone bridges . “ 86

Die gute Behandlung der deutschen Soldaten während ihrer Gefangenschaft in Japan steht in Gegensatz zur japanischen Behandlung von Kriegsgefangenen im 2. Weltkrieg. 87 Bemerkenswert ist auch, dass die Situation der deutschen Soldaten in Japan im Kontrast zu der von „ Missachtung [...] und Drangsalie- erungen “ gekennzeichnete Behandlung der sich im Deutschen Reich aufhal- tenden und nach Kriegsbeginn internierten ca. 1000 japanischen Zivilisten stand. 88 Die im Vergleich zu in Deutschland internierten englischen und fran- zösischen Zivilisten strengere Behandlung der Japaner stellte wohl eine „ Ret- ourkutsche “ zur aus der Sicht des Deutschen Reiches (ehemaliger Lehrmeister) enttäuschenden Hinwendung Japans (ehemaliger Schüler) zu den Alliierten dar. 89 Auswirkungen auf die Behandlung der deutschen Soldaten in Japan gab es aber offenbar nicht. Dies mag u.a damit zusammenhängen, dass die inter- nierten Japaner Deutschland Ende 1914 über die Schweiz verlassen konnten. 90

3.2.2 Gründe für die gute Behandlung der deutschen Soldaten in Japan

Im Folgenden soll der Frage nachgegangen werden, wie sich die als Sonder- fall gestaltende Kriegsgefangenschaft der deutschen Soldaten in Japan auf die Behandlung derselben auswirkte und welche Faktoren maßgebend waren.

Die gute Behandlung der deutschen Kriegsgefangenen ist auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen. Zum einen war die japanische Seite im Hinblick auf ihr internationales Ansehen bestrebt, die Bestimmungen der Haager Konven- tion einzuhalten und wies auf das Wohlergehen der in ihrer Obhut befindlichen deutschen Soldaten hin: „Except for German beer and free outing, the German prisoners suffer no privation at all. [...] At present they are all pleased that the cold in this country is not so rigorous as in their Fatherland!“ 91 Des Weiteren war die Konstellation von Japan und Deutschland als Gegner im 1. Weltkrieg keineswegs auf Hass zwischen den Völkern etc. zurückzuführen. Vielmehr ist das japanische Bündnis mit den Alliierten mit machtpolitischen Erwägungen zu erklären. Der Deutsch-Japanische Krieg stand also in Zusammenhang mit dem japanischen Bestreben, eine präzedenzlose Chance zur Erweiterung der eige- nen Interessensphäre in Ostasien wahrzunehmen. 92 Zu denken ist auch an den das damalige japanische Militär prägenden Bushido-Geist „ mit seiner Scheu gegen alles Unrecht und dem Gef ü hl, recht zu tun. “ 93 In diesem Zusammenhang erwähnt Thilo auch die gute Behandlung russischer Kriegsgefangener nach dem Russisch-Japanischen Krieg (1905-06). 94 Die für das Rote Kreuz tätige Britin Richardson schrieb hierzu: „ The Japanese treated them more as honoured guests than as prisoners and they seemed to appreciate the kindness shown them. “ 95 Japan wollte sein internationales Ansehen nicht nur durch den siegreichen Ausgang dieses Krieges, sondern auch durch die humane Behandlung der ca. 70000 96 russischen Kriegsgefangenen steigern. Die gute Behandlung der deutscher Soldaten in Japan erscheint so als Fort- führung einer mit dem Russisch-Japanischen Krieg begründeten Tradition. 97

3.2.3 Auswirkungen der guten Behandlung a uf die Stacheldrahtkrankheit

Nachfolgend soll der Frage ein Augenmerk gewidmet werden, ob bzw. inwie- weit die relativ gute Behandlung der deutschen Soldaten in Japan Auswirkun- gen auf die Stacheldrahtkrankheit bei deutschen Lagerinsassen hatte. Trotz der im Vergleich zu den Bedingungen der deutschen Kriegsgefangenen in anderen Ländern günstigen Verhältnisse in japanischen Kriegsgefangenenlagern hatten auch dort die deutschen Soldaten mit der Stacheldrahtkrankheit zu kämpfen. So findet sich in den Tagebuchaufzeichnungen von Oberst Kuhlo u.a. die bezeich- nende Äußerung „ Wir wa ren dem Wahnsinn nah “. 98 Dies kann man bestätigt sehen durch den Inspektionsbericht des vom IKRK beauftragten Schweizer Arzt Paravicini. Danach litten 78 deutsche Soldaten in Japan an Nervenkrank- heiten. 99 Es kam nicht nur darauf an, wie gut oder schlecht die Behandlung der Kriegsgefangenen war. Pörzgen weist darauf hin, dass die „ Behandlung [...] nur ein geringer Faktor im Hinblick auf die Summe der Leiden, die Unfreiheit, Einschlie ß ung und Massendasein hervorbrachten “ , gewesen sei und folgert: „ Gute Behandlung verhinderte nicht die Stacheldrahtkrankheit.“ 100 Selbst bei guten Bedingungen wie im Gefangenenlager Bando konnte die Stimmung der deutschen Soldaten gedrückt sein. Dies war insbes. 1918 der Fall, als die sich anbahnende Kriegsniederlage Deutschlands mit der Spanischen Grippe, welche auch unter den deutschen Soldaten viele Todesopfer forderte, zusammenfiel.101

Eine Garantie im Hinblick auf das Nichtentstehen der Stacheldrahtkrankheit bestand also selbst bei guter Behandlung nicht. Andererseits finden sich im Bericht Paravicinis Hinweise darauf, wie eine weniger gute Behandlung au- ßer dem körperlichen auch den psychischen Zustand verschlechtern konnte. Nach in einem japanischen Gefängnis verbüßter Haft ins Kriegsgefangenenla- ger zurückgekehrte Soldaten hätten von einer unzureichenden Ernährung, Ungeziefer und Ratten in der Zelle berichtet. Die Beschwerde eines Soldaten über das Essen habe dazu geführt, dass er in Ketten gelegt wurde. 102 Para- vicini resümiert: „ Die nach längerer Strafe zur ü ckgekehrten Leute waren k ö r- perlich und seelisch v ö llig heruntergekommen.“ 103 Hier erfolgte also eine we- niger gute Behandlung mit weniger guten Folgen auch für die Psyche. Jedoch können solche Beispiele von nach japanischem Recht straffällig gewordenen deutschen Kriegsgefangenen nicht verallgemeinert werden. So berichtet Hun- ziker 104 von seinen Zuchthausbesuchen, dass dort inhaftierte deutsche Kriegs- gefangene gesundheitlich „ in ordentlichem Zustande“ gewesen seien. 105 Aber er schränkt ein: „ Dass die Einsamkeit und die ganz andere, fast unzureichende Nahrung auf den Gem ü tszustand recht nachteilig wirkt, kann man sich leicht denken.“ 106 Auch fand Hunziker „ einen der Insassen in den Nerven v ö llig ersch ü ttert, er litt infolgedessen auch an Verdauungsbeschwerden.“ 107

Die o.a. Gedanken zu den Auswirkungen der Behandlung von Kriegsgefange- nen sollen gelegentlich auch in den folgenden Abschnitten wieder aufgegrif- fen werden. So soll der Frage ein Augenmerk gewidmet werden, ob eine von japanischer Seite ermöglichte positive Grundstimmung zum Ausgang des Kam- pfes der deutschen Soldaten gegen die Stacheldrahtkrankheit beitragen konnte.

4 Kampf gegen die Stacheldrahtkrankheit in Japan: Kommentierte F ä lle

4.1 Mit dem Schicksal hadern? Bericht des Offiziers Freiherr v . Kuhn

„ Aber je l ä nger die Gefangenschaft dauerte, umso schwerer wurde es, sie auszuhalten. Wenn es da tagelang und wochenlang ununterbrochen regnete, [...] da wurde es einem sehr schwer, etwas mit der Zeit anzufangen. Die mei - sten begannen Sprachen zu lernen. Da zeigte es sich bald, daß das geflügelte Wort [...] "Aller Anfang ist schwer", falsch ist . [...] Am Anfang lernten alle 8 bis 1 0 Stunden täglich, aber mit den Jahren wurden es immer weniger, die da - bei aushielten und immer größer die Zahl jener, die der "Stacheldrahtkrank - heit" zum Opfer fielen . Ihre Symptome, meist völlige Stumpfsinnigkeit und äu - ßerste Reizbarkeit, sind wohl jedem, der in Kriegsgefangenschaft war, bekannt. Ich glaube, keiner ist von ihr verschont geblieben. Typisch ist z. B. folgende Erscheinung, die ich an mir selber beobachtet habe. Ich war mit einem Kameraden zusammen in einem Zimmer untergebracht. Als wir Offiziere uns gegenseitig schon gar nicht mehr sehen konnten, baten wir die Lagerbehörde um die Erlaubnis, unsere Zimmer durch eine Holzwand auf eigene Kosten in zwei Teile zu teilen. Dies wurde bewilligt. Wir beide beschlossen, in unsere

Scheidewand eine Schiebetür einzubauen . [...] Aber das bloße Bewußtsein , daß man sich, wenn man wolle, von dem anderen absperren könne, daß man einen Raum für sich allein habe, genügte, um die Nerven [...] zu beruhigen. “ 108

Kuhn wandte sich auch gegen die u.a von Lafcadio Hearn ausgegangene ro- mantische Verklärung Japans.109 Es gab offenbar Vorstellungen von einer „ gemütlichen Kriegsgefangenschaft“ 110 in Japan: „ Ich bin ü berzeugt, da ß mancher brave B ü rger, der [...] Japan nur aus [...] Hearnschen B ü chern kannte, uns im Stillen um unser herrliches Leben beneidete und der felsenfesten Ansicht war, da ß wir dort in reizenden kleinen Papierh ä uschen wie der Herrgott in Frankreich lebten, umgeben von den sch ö nsten Geisha’s.“ 111

4.2 Turner bleiben gesund: Bericht des Turnlehrers Engler

Während sich Kuhn in der japanischen Kriegsgefangenschaft sozusagen wie ein Fisch auf dem Trockenen fühlte, gab es offenbar auch Kriegsgefangene, die sich wie ein Fisch im Wasser fühlten, m.a.W. eine Art Gegentyp zu Kuhn. Dies war z.B. bei dem Turnlehrer und Vizefeldwebel der Reserve Engler der Fall, der in Japan weiterhin eine Lehrfunktion ausüben konnte (wenn auch in etwas anderer Form als in der Heimat). Bei den deutschen Soldaten bestand ein Be- darf an fachkundiger Anleitung zum Turnen. Engler berichtete über das Leben als Kriegsgefangener im japanischen „ Konzentrationslager “ 112 (sic!) Kurume, wo er als Barackenältester und Organisator des Turnens fungierte. 113 Beschreibungen von Turnübungen und Wettkämpfen mit vielen Teilnehmern zeigen ein Bild von Aktivität und Zufriedenheit. Er berichtet auch von einer „ Alte-Herren-Riege [...] ältere Reservisten, denen das Bäuchlein doch endlich lästig geworden ist. “ 114 Die psychische Belastung des Lagerlebens kommt nur am Rande andeutungsweise zum Vorschein: „Aber in seiner Gesamtheit ist das Leben doch recht eint ö nig, und Sie k ö nnen sich denken, dass unsre Sehnsucht nach endlicher Erl ö sung aus dieser Gefangenschaft sehr gro ß ist.“ 115

4.3 Der Offizier v. Kuhn und der Turnlehrer Engler als Gegentypen

Während der Turnlehrer Engler als Beispiel für eine im Rahmen der begrenz- ten Möglichkeiten des umgrenzten Lagerlebens gelungene Art der Zeitge- staltung erscheint, veranschaulicht der Fall des Offiziers Kuhn die Folgen eines dauerhaft unstrukturierten Tagesablaufs für die psychische Gesundheit.

Kuhn ist zwar zu konzedieren, dass trotz im Vergleich zur Situation von Kriegsgefangenenlagern in anderen L ä ndern und zu anderen Zeiten günstiger Bedingungen das Lagerleben in Japan nicht immer angenehm war.116 Insge- samt stehen seine Ausführungen aber für solche Soldaten in Japan, die ihren Aufenthalt nicht als fruchtbar ansahen und nur wenig taten, um dies zu ändern. Es stellt sich vor diesem Hintergrund die Frage, warum dies so war und welche Auswirkungen dies auf die Stacheldrahtkrankheit insbes. unter Offizieren hatte.

Demgegenüber ist festzustellen, dass Internierte wie der Turnlehrer Engler als Gegentyp zu dem vom Offizier Kuhn dargestellten Typus betrachtet werden können. Dieser Gegentyp war weniger anfällig für die Stacheldrahtkrankheit, weil deren Vertreter als wesentliche Voraussetzung für das Wohlbefinden nicht in Grübeleien versanken, sondern aktiv waren. Nicht unwichtig erscheint, dass es sich bei solchen Aktivitäten keinesfalls um puren Aktionismus handelte; vielmehr stellten sie einen Wert auch für die Mitgefangenen dar. Auch soweit z.B. bei Turnfesten, Wettkämpfen etc. japanische Aufseher oder die einheimi- sche japanische Bevölkerung als Zuschauer oder Wettkämpfer involviert waren, resultierte der von diesen empfundene kulturelle Wert solcher Aktivitäten in einer gesteigerten Wertschätzung gegenüber den deutschen Soldaten, was dabei helfen konnte, die Stacheldrahtkrankheit zu lindern oder gar zu verhindern.

[...]


1 Vgl. i.e. Pöcher (2014); Nebelung (2004); Stephenson (2017) sowie Burdick (1976).

2 Kurz danach befanden sich auch Österreich-Ungarn und Japan im Kriegszustand (zum Ablauf der Ereignisse vgl. Donko, 1914, S. 11ff.).

3 Schmidt (2014).

4 Vgl. Dickinson (1999), S. 33ff. zu den japanischen Machtbestrebungen und deren Akteuren.

5 Vgl. Jones (1915), S. 3ff. („ Japans Dream of Domination “) sowie S. 170ff. („ Japan and her Game in China “) sowie Murphy (2014), S. 129: „ once-in-a-century opportunity for the Japanese to gain greater influence in China “.

6 Peter (1965), S. 172 (m.w.N.); zu Ressentiments gegen China („ Gelbe Gefahr “) s. Gollwitzer (1962).

7 Nach Pöcher (2011), S. 94 bestand diese aus ca. 4730 deutschen Soldaten sowie ca. 330 Soldaten aus Österreich-Ungarn. Je nach Quelle variieren die Zahlenangaben etwas (s.a. Krebs, 1998, S. 196ff.).

8 Pöcher (2011), S. 84ff.

9 Zu deren Schicksal vgl. i.e. Kap. 3.2.1 der vorliegenden Arbeit.

10 Popp (2014), S. 274.

11 Gebiete nördlich des Äquators wurden von Japan besetzt. Weitere Teile der pazifischen Schutzgebiete kamen unter Oberhoheit von Australien, Neuseeland und den USA (Menkhaus, 2020, S. 20, m.w.N.).

12 Menkhaus (2020), S. 20.

13 Vgl. i.e. Matsuo (2004), S. 35ff. (m.w.N.) sowie Seto (2006), S. 74f.

14 Vgl. Leipold (2020); Fischer (1989) sowie Hiery (1995), S. 42ff.

15 Die Kampfhandlungen des 1. Weltkrieges wurden mit dem Waffenstillstand von Compiègne am 11.11.1918 eingestellt; auf völkerrechtlicher Ebene wurde der Kriegszustand aber erst durch den Friedensvertrag von Versailles (unterzeichnet am 28.6.1919 und ratifiziert am 20.1.1920) beendet.

16 Peter (1965), S. 172.

17 Vgl. auch Murphy (2014), S. 129 zu einer angeblichen Äußerung Kaiser Wilhelms II., wonach ein Verlust Tsingtaus an Japan schwerer wiege als ein Verlust Berlins an die Russen.

18 Pöcher (2011), S. 92.

19 Anfangs gab es 12, nach Zusammenlegungen 6 Internierungslager (vgl. i.e. Tomita, 1991, S. 44ff.).

20 Gemeint und einbezogen sind auch die Soldaten aus Österreich-Ungarn; zwecks Vereinfachung der Terminologie gilt dies auch für die gesamte vorliegende Arbeit. Dies schließt jedoch nicht aus, dass ggf.eine ausdrückliche Erwähnung als „Ö sterreich-Ungarischer Soldat “ etc. erfolgt.

21 Mehrere Hundert deutsche Kriegsgefangene kehrten allerdings aus eigenem Entschluss nicht nach Deutschland zurück. Einige von ihnen blieben in Japan und andere gingen wieder nach China oder in ein anderes Land ihrer Wahl (vgl. i.e. Krebs, 1999, S. 333f. sowie Miyata, 2011, S. 209ff.).

22 Pöppinghege (2006b), S. 1 spricht von „entmannte(r) Männergesellschaft“; vgl. auch ders. (2006a), S. 165; Reiss (2012), S. 1f. sowie ders. (2015), S 296ff.

23 Vgl. Dröge (2015), S. 25ff. (Kap. 1.4 „ Verortung: Biographieforschung in kulturgeschichtlicher Erweiterung “).

24 Vgl. Tauber (2008), S. 305 sowie Rademacher (02.06.2015). Klein (1993) hebt die Eigenschaft „ Sonderfall “ bereits im Titel ihrer Schrift über deutsche Kriegsgefangene in Japan hervor.

25 Vgl. Coulmas (2007), S. 6; gelegentlich aber auch andere Transkriptionen bei Literaturangaben etc.

26 Panayi (2006), S. 141 unter Bezug auf Vischers „ Barbed Wire Disease “ (1919).

27 Strotzka (1958), S. 76.

28 Hemsing (1949), S. 10.

29 So auch der Titel dieses ausführlichen und systematischen Standardwerk von Vischer (1918).

30 Bleuler (1920), S. 402 spricht sogar von der „ VISCHERschen Stacheldrahtkrankheit “.

31 Vischer (1918), S. 3.

32 Vischer (1918), S. 25.

33 Vischer (1918), S. 7.

34 Vischer, ebd.

35 Vischer (1918), S. 10.

36 Vischer (1918), S. 7.

37 Vischer (1918), S. 16.

38 Vgl. Figge (2015), S.165 unter Bezugnahme auf Goltermann (2009), S. 18.

39 Ähnliche die Psyche der Soldaten betreffenden Krankheitsbilder traten bereits in früheren Zeiten lange vor dem 1. Weltkrieg auf (vgl. i.e. Ohry/Solomon, 2013, S. 16ff., m.w.N.).

40 Zur Anzahl der weltweit gemachten Kriegsgefangenen im 1. Weltkrieg existieren unterschiedliche Daten. Nach Hinz (2006), S. 9 belaufen sich die Schätzungen zwischen 6,6 und 8,4 Millionen; Nachtigal (2008), S. 348 geht von „ wahrscheinlich gegen 9 Millionen “ Soldaten aus, die das Schicksal der Kriegsgefangenschaft erlitten.

41 Deren Gesamtzahl belief sich nach Stibbe (2014, m.w.N.) auf 400000 Personen; vgl. auch ders. (2019).

42 Vgl. Habermehl (23.10.2018); diese Krankheit konnte auch bei Insassen von anderen geschlossenen Einrichtungen wie z.B. Gefängnissen, Nervenheilanstalten (Kielholz, 1944, S. 201ff.) oder Konzentrationslagern (Frankl, 1961, S. 743ff.) auftreten.

43 Stachelbeck (2013), S. 196.

44 Hinz (2006), S. 11.

45 Diese schwedische Philanthropin (bekannt als „ Engel von Sibirien “) engagierte sich für in russischen Lagern internierte deutsche und österreichische Kriegsgefangene (vgl. Moritz/Leidinger, 2008, S. 8.).

46 Brändström (1922), S. 50.

47 Leidinger/Moritz (2013), S. 171.

48 So zu Recht Leidinger/Moritz, ebd.

49 Vgl. z.B. Ariotti (2018), S. 45ff. (Stacheldrahtkrankheit bei in der Türkei kriegsgefangenen australi- schen und neuseeländischen Soldaten).

50 So soll nach Stein (2018), S. 128f. bei deutschen Kriegsgefangenen in Ägypten die Eintönigkeit der Wüste das psychische Unwohlsein der Soldaten verstärkt haben.

51 Habermehl (2018).

52 Habermehl, ebd.

53 Habermehl, ebd.

54 O.V. (1918), Die Stacheldrahtkrankheit, S. 2.

55 Dienstgrad in der Kaiserlichen Marine.

56 Schmidt (2002ff.), Auszug aus dem “Dresdner Anzeiger“ vom 31. August 1919.

57 Günther (2005), S. 26 (m.w.N.).

58 Tauber (2008), S. 305 (m.w.N.).

59 Tauber (2008), ebd.

60 Nebelung (2004), S. 20.

61 Karl Krüger war Artilleristenmaat und bei den Gefechten um Tsingtao Geschützführer; im Zivilleben war er bei Polizei und Justiz beschäftigt (vgl. i.e. Schmidt, 2002ff., Kurzbiographien).

62 Rademacher (02.06.2015).

63 Krüger (2001), S. 167ff.

64 Krüger (2001), S. 168.

65 Krüger (2001), S. 180ff.

66 Vgl. i.e. zur deutschen Anglophobie im 1. Weltkrieg Stibbe (2001).

67 O.V. (1914), The China Fight, S. 8.

68 Krüger (2001), S. 172 weist darauf hin, dass vor Tsingtau auch 1500 britische Soldaten (Krüger: „ 500 wei ß e und 1000 farbige (Inder) Engl ä nder “) lagen, er und seine Kameraden hätten diese aber bei den Kämpfen niemals zu Gesicht bekommen. Daraus folgert Krüger (ebd.): „ Sie haben sich wohl ge- schont und die blutige Arbeit lieber den Japanern ü berlassen. “ Als eines der Dokumente, das Auf- schluss über die Art der britischen Beteiligung an der Schlacht um Tsingtau gibt, erwähnt Opalinski (2014) ein „ gestellte(s) Foto “ mit folgendem Kommentar: „angeblich britische Scharfschützen auf einem Baum in der Bucht der Stadt“ . Eine etwas andere Interpretation zu diesem Foto liefert Seelmann (2015): „Japanische Baumschützen schiessen in Tsingtau auf deutsche Flieger“ .

69 Stein (2018), S. 120.

70 Stein (2018), S. 121 (m.w.N.).

71 Vgl. i.e. Bormann (o.J., Colonel Paul Kuhlo) unter Bezugnahme auf (unveröffentlichte) Tagebuchaufzeichnungen dieses deutschen Offiziers.

72 Vgl. i.e. die Untersuchung von Hayashima (1982).

73 Vgl. Kleinhubbert (2020) zum Beispiel der Varusschlacht (Hermannsschlacht) im Jahre 9 n. Chr.

74 Vgl. Langworth (2017), S. 217 zu dieser Winston Churchill zugeschriebenen Äußerung. .

75 Nachtigal (2008), S. 348..

76 Nachtigal, ebd.

77 Nachtigal (2008), S. 374.

78 Schmidt (2002ff.), In Gefangenschaft oder auf Heimreise gestorbene Soldaten.

79 Dannemann (2018), S. 107; genauere und aufgeschlüsselte Zahlenangaben bei Matsuo (2004), S. 35.

80 Vgl. i.e. Dannemann (2018), S. 87ff., 119ff. sowie Fischer (1989).

81 Vgl. den Bericht von Hassenstein (1959, S. 5ff.) zu einem Kriegsgefangenenlager im 2. Weltkrieg.

82 Vgl. Pöcher/Togashi (2019), S. 54f.

83 Vgl. i.e. Tamura (2011); Düsselder (2017); Schaarmann (2009); Muneta (2006).

84 Burdick/Mössner (1984), S. 73ff.

85 O.V. (2004), Taipei Times, S. 16.

86 O.V. (2004), ebd.

87 Clarke (1998), S. 217f.: „ culture clash that could never be surmounted “ (zit. nach Heinke, 2005, S. 210).

88 Düsselder (2017), m.w.N.

89 Düsselder, ebd. m.w.N.

90 Düsselder. ebd., m.w.N.

91 O.V. (1915), GERMAN PRISONERS DO THEMSELVES WELL, S. 1.

92 Burkman (2013), S. 288.

93 Thilo (1906), S. 49.

94 Thilo (1906), S. 49.

95 Checkland (1994), S. 68 (m.w.N.).

96 Checkland (1994), S. 62.

97 Vgl. auch Checkland, ebd.

98 Vgl. den Vortrag von Bormann (2014), „Wir waren dem Wahnsinn nah“ .

99 Paravicini (1931), S. 84 (allerdings ohne nähere Aufschlüsselung der Art der Leiden).

100 Pörzgen (1933), S. 53.

101 Vgl. Arauner ( (2018).

102 Paravicini (1919), S. 42.

103 Paravicini, ebd.

104 Dieser Schweizer Pfarrer war Missionar des „Allgemeinen evangelisch-protestantischen Missions - vereins“ (heute:„Deutsche Ostasienmission“). Er betreute in Japan auch deutsche Kriegsgefangene (vgl. i.e. Hunziker, o.J., Erster Bericht über die Eindrücke der 5. Lagerreise).

105 Hunziker. ebd.

106 Hunziker. ebd.

107 Hunziker. ebd.

108 Kuhn (1931), S. 78.

109 Solche Tendenzen bei Hearn (1907) sowie Loti (1887 u. 1889) sorgten für Missverständnisse: „ image of Japan as a land of geisha girls, rickshaws, and paper houses. “ (Sargent/Wiltshire, 1993, S. 111).

110 Krebs (1998), S. 196ff.

111 Kuhn (1931), S. 70.

112 Der Begriff „ Konzentrationslager “ als Bezeichnung für Kriegsgefangenenlager existierte noch frei vom durch Naziterror hervorgerufenen negativen Konnotationen (vgl. auch Pörzgen, 1933, S. 51ff.).

113 Engler (1916), S. 646.

114 Engler, ebd.

115 Engler, ebd.

116 Vgl. z.B. den Inspektionsbericht von Paravicini (1931), S. 82ff., der neben positiv zu bewertenden Zuständen aber auch auf eine Reihe von Missständen in den Lagern hinwies.

Ende der Leseprobe aus 72 Seiten

Details

Titel
Der Kampf gegen die "Stacheldrahtkrankheit" in Japan. Deutsche Kriegsgefangene während des 1. Weltkrieges
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Institut für Geschiche und Biographie)
Veranstaltung
Abschlussarbeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
72
Katalognummer
V1006179
ISBN (eBook)
9783346393760
ISBN (Buch)
9783346393777
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
 
Schlagworte
Stacheldrahtkrankheit, Erster Weltkrieg, Liebesbeziehungen, Krieg und Männlichkeit, Männlichkeit und Sport, Männlichkeit, Kompensatorische Rolle des Theaters, Entmannung, Hegemoniale Maskulinität, Fragile Männlichkeit, Theater ohne Frau
Arbeit zitieren
Iwan Müller-Schmidt (Autor:in), 2020, Der Kampf gegen die "Stacheldrahtkrankheit" in Japan. Deutsche Kriegsgefangene während des 1. Weltkrieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1006179

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