Die Praxis der Waldorf- und Montessori-Pädagogik

Ein Vergleich des Menschenbildes der Gründer Steiner und Montessori


Hausarbeit, 2021

27 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Die Suche nach der richtigen Schule für mein Kind

2 Rudolf Steiner
2.1 Biographie
2.2 Sein Menschenbild
2.2.1 Wiedergeburt und Karma
2.2.2 Dreigliederung und die vier Wesensglieder
2.2.3 Jahrsiebte
2.2.4 Sinneswesen
2.2.5 Vier Temperamente
2.3 Die Waldorfpädagogik
2.4 Die Entwicklung der Waldorfschulen

3 Maria Montessori
3.1 Biographie
3.2 Ihr Menschenbild
3.2.1 Das Leben vor der Geburt
3.2.2 Das Kind als sein eigener Baumeister, welcher nach Unabhängigkeit strebt
3.2.3 Die Theorie der sensiblen Phasen und der absorbierende Geist
3.2.4 Die Polarisation der Aufmerksamkeit
3.2.5 Die Entwicklungsstufen
3.3 Die Montessoripädagogik
3.4 Die Entwicklung der Montessorischulen

4 Vergleich
4.1 Schulform
4.2 Lehrplan und Zeugnisse
4.3 Klassenarbeiten
4.4 Stundenplan
4.5 Die einzelne Klasse
4.6 Der Lehrer / Erzieher
4.7 Die Bedeutung der Sinne und das Unterrichtsmaterial
4.8 Leistungserwartung

5 Fazit / Welche Schulart ist denn nun besser?

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang
7.1 Stundenplan Montessorischule Mönchengladbach

1 Die Suche nach der richtigen Schule für mein Kind

Spätestens wenn die eigenen Kinder ins schulpflichtige Alter kommen taucht die Frage nach der richtigen Schulart/-form für das Kind auf. Diese Frage ist sehr komplex, da es in Deutschland eine Fülle an verschiedenen Schularten gibt. Es gibt Regelschulen, Sonderschulen, Gemeinschaftsschulen, Privatschulen,… Die Auswahlkriterien für die richtige Schule sind hier genauso komplex: Standort der Schule, Schwerpunktsetzung, Kosten, Anbindung an das ÖPNV-Netz, Philosophie, … (Bohlken, 2021).

Wenn man sich für eine Privatschule entscheidet wird man sich mit großer Wahrscheinlichkeit mit den Waldorf- oder Montessorischulen auseinandersetzen. Dies liegt einfach schon an der großen Anzahl dieser Schulen. Im Jahr 2019 gab es in Deutschland 232 Waldorfschulen (Statista GmbH, 2021) und im Jahr 2021 ca. 400 Montessorischulen (hier ist es nicht möglich eine genaue Anzahl zu nennen, da die Struktur der Montessori-Einrichtungen nicht einheitlich ist und unterschieden werden muss in reine Primarschulen, weiterführende Schulen und staatliche Schulen, die teilweise Montessori-Zweige anbieten). (Montessori Dachverband Deutschland e.V., 2021).

In dieser Arbeit werde ich mich mit der Frage beschäftigen, worin die Unterschiede im Menschenbild ihrer Gründer liegen und welche praktischen Unterschiede im Schulalltag daraus entstehen.

Zuerst werde ich auf den Gründer der Waldorfpädagogik, Rudolf Steiner, eingehen, in groben Zügen seine Biographie und sein Menschenbild schildern und dann die Waldorfpädagogik und die Entwicklung der Waldorfschulen beschreiben. In einem nächsten Schritt werde ich diese Abfolge bei der Gründerin der Montessoripädagogik, Maria Montessori, durchlaufen und abschließend einen Vergleich der Schulpraxis zwischen den beiden Schularten durchführen.

In dieser Arbeit wird aufgrund der leichteren Lesbarkeit größtenteils nur die männliche Form erwähnt. Dabei werden alle weiteren Formen natürlich mitgedacht.

2 Rudolf Steiner

2.1 Biographie

Rudolf Steiner war der Begründer der Waldorf-Pädagogik. Seine Biographie darauf zu reduzieren wäre aber nicht ausreichend, da er durch seine Arbeit als Philosoph nach einer „ganzheitlichen Betrachtungsweise der Welt“ (Seitz & Hallenwachs, 2007, S. 104) strebte. So durchdringt Steiners Philosophie heutzutage viele verschiedene Lebensbereiche. Die Demeter-Landwirtschaft, die Drogeriemarke dm, die Triodos-Bank, die Kosmetik- und Heilmittelfirma Weleda und viele weitere Firmen beziehen sich auf Steiners Philosophie (Chladek, 08.04.2017).

Trotzdem werde ich in dieser Biographie größtenteils nur die für die „Pädagogik“ relevanten Punkte herausarbeiten, da eine umfängliche Biographie diesen Rahmen sprengen würde. (Es gibt über 230 Bände von Steiners Schriften, eine große Zahl an Büchern, Mitschriften seiner Reden und weiteres Material (Ulrich, 2015, S. 91f)). Darüber hinaus gibt es zum Teil erhebliche Abweichungen in den Biographie-Werken über Steiner.

Rudolf Steiner wurde im Jahre 1861 in Kraljevec (heutiges Kroatien) als Ältester von drei Geschwistern geboren (Lindenberg, 2011, S. 24). Im Alter von sieben Jahren nahm er (nach eigenen Aussagen) das erste Mal übersinnliche Erlebnisse war. In der Schule war er sehr gut, wurde von seinem Dorflehrer zusätzlich gefördert und interessierte sich schon früh für die Geometrie und Philosophie (zum Beispiel von Kant).

Nach seinem Abschluss 1879 an der Oberrealschule in der Wiener Neustadt (wo er seinen Mitschülern auch Nachhilfe gab) studierte er an der Technischen Hochschule Wien Naturwissenschaft und besuchte Vorlesungen zur Philosophie. Hier traf er unter anderem auch Menschen, mit denen er über seine übersinnlichen Erlebnisse redete. Während des Studiums beschäftigte sich Steiner auch mit den Schriften von Goethe und war als Nachhilfelehrer für eine Wiener Kaufmannsfamilie tätig. Hier wirkte er mehrere Jahre lang als Erzieher der vier Kinder.

Nach und teilweise bereits während dem Studium wurde er als Schriftsteller tätig. Er war Mitherausgeber einer Schriftenreihe über Goethe und schrieb seine ersten philosophischen Bücher, unter anderem die „Philosophie der Freiheit“ (1893).

Nach einem Umzug nach Weimar (um an Goethes Schriften zu arbeiten) zog er um 1900 nach Berlin. Hier war er unter anderem als Lehrer in der Arbeiterbildungsschule (von Wilhelm Liebknecht gegründet) tätig, wo er aber seine eigene Weltanschauung und nicht die der Sozialisten lehrte. Weiterhin hielt er sich im Kreise der Theosophischen Gesellschaft auf (Theosophie ist eine „religiöse Lehre, nach der eine höhere Einsicht in den Sinn aller Dinge nur in der mystischen Schau Gottes gewonnen werden kann“ (Bibliographisches Institut GmbH, 2021)) und gab hier Vorlesungen zu seiner Weltanschauung. (Eine genaue Beschreibung seiner zum Teil esoterischen Weltanschauung würde den Rahmen sprengen. Teile davon werden im Kapitel 2.2 beschrieben.) Zeitweise war er sogar Generalsekretär der Theosophischen Gesellschaft, bis er daraus seine eigene Philosophie, „die Anthroposophie“ , entwickelte und sich 1913 endgültig von der Theosophischen Gesellschaft löste. Im Jahr 1907 entstand sein wichtiges Werk, worauf die Waldorfpädagogik aufbaut, „ Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft“.

In Dornach in der Schweiz gründeten die Anhänger der Anthroposophie 1913 ihren Hauptsitz, das „Goetheanum“.

Eher zufällig entstand aus den Lehren von Steiner eine konkrete Schule. Der Firmeninhaber der Zigarettenfabrik Waldorf-Astoria, Emil Molt, ging auf Steiner zu und bat ihn darum eine Schule für seine Fabrikarbeiterkinder zu gründen (diese Entwicklung wird in den Kapiteln 2.3 und 2.4 genauer beschrieben). Deshalb auch der Name „Waldorfschule“. Da man sich aber nicht auf einen Namen einigen konnte, heißen manche Schulen auch „Rudolf-Steiner-Schule“ (Frielingsdorf, 2019, S. 68f).

In der Zeit nach 1913 entstanden aus den Lehren Steiners die vielfältigsten Bewegungen wie zum Beispiel die anthroposophische Medizin, die Waldorfkindergärten, eine eigene Religion „die Christengemeinschaft“ oder die biologisch-dynamische Landwirtschaft (Demeter).

1925 starb Steiner in Dornach.

Dieser Abschnitt bezieht sich hauptsächlich auf folgende Quellen: (Seitz & Hallenwachs, 2007, S. 103-107) und (Frielingsdorf, 2019, S. 25-29, 41, 45).

2.2 Sein Menschenbild

Um die Waldorfpädagogik zu verstehen, muss man sich im Groben die Anthroposophie von Rudolf Steiner anschauen. Darunter versteht er: „Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte" (Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V., 2021).

Damit sagt er aus, dass es in jedem Menschen etwas Geistiges gibt. Hinter der für uns sofort sichtbaren und materiellen Welt gibt es damit eine unsichtbar wirksame Welt, welche es „zu entdecken und zu erforschen gilt“ (Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V., 2021). Jeder Mensch könnte dabei, wenn er bestimmte Erkenntnisorgane schult, diese höhere Welt erforschen (Ulrich, 2015, S. 95). Die materielle Welt sei dabei nur eine Hälfte. Die andere Hälfte bestehe aus den Ideen, „die durch das Denken […] Gegenstand der Erfahrung werden könnten.“ (Frielingsdorf, 2019, S. 31)

Steiner stellte seine „Wissenschaft“ auf eine gleiche Stufe wie die moderne Naturwissenschaft, wobei seine „Geisteswissenschaft“ kein Gegensatz zur Naturwissenschaft sein soll. Vielmehr ist die Naturwissenschaft Teil der einen materiellen Welt. Die Welt bildet dabei eine Einheit und „der Mensch trennt sich durch sein Bewusstsein in eine Außen- und Innenwelt“ (Esterl, 2000, S. 17ff).

Dieses Menschenbild wird immer wieder kritisiert, da es nicht wissenschaftlich erforscht / bewiesen sei. Teilweise geht die Kritik sogar so weit, dass von einer Art „Ersatzreligion“ gesprochen wird (Ulrich, 2015, S. 126f).

2.2.1 Wiedergeburt und Karma

Steiner war der Auffassung, dass der Mensch nicht einfach mit der Geburt entsteht und das Leben nach dem Tod vorbei ist. Nach dem Tod würde die Seele des Menschen einen Lern- und Läuterungsweg durchlaufen und dann in einem neuen Körper wiedergeboren werden (Seitz & Hallenwachs, 2007, S. 109). Somit bringt das Neugeborene auch Erfahrungen von früheren Leben mit. Diesen Gedanken nennt man Reinkarnation. Durch die Vorerfahrungen hat das Kind sozusagen schon ein Schicksal (Karma) (Esterl, 2000, S. 28f).

2.2.2 Dreigliederung und die vier Wesensglieder

Steiner war der Ansicht, dass der Mensch aus drei Gliedern besteht: Dem Leib, dem Geist und der Seele. Mit dem Leib gehört er der rein materiellen Welt an, der Geist gehört in die geistige Heimat/Welt hinein (Stichwort Wiedergeburt) und die Seele ist das Bindeglied dazwischen (Seitz & Hallenwachs, 2007, S. 110f).

Auch der Mensch an sich hat eine Dreigliederung: 1. das Nerven- und Sinnessystem, 2. das rhythmische System (Atem- und Blutkreislauf), 3. das Stoffwechselsystem (Richter, 2016, S. 31).

Mit der Dreigliederung hängen die vier Wesensglieder (die verschiedenen Leibe) zusammen. Das rein materiell Erfassbare ist der physische Leib. Aus dem rein Materiellen (die Körperzellen) formt und baut der Leib den Ätherleib. Der Teil, der Gefühle wahrnimmt, ist der Astralleib. Über diesen drei Leiben steht als viertes Wesensglied das „Ich“ (Seitz & Hallenwachs, 2007, S. 111).

2.2.3 Jahrsiebte

Diese vier Wesensglieder sind laut Steiner bei der Geburt noch nicht alle vorhanden und bilden sich erst mit der Zeit aus. Sie entwickeln sich in einem Rhythmus von sieben Jahren (Denjean, 2008, S. 28-32). Beim Neugeborenen gibt es zuerst nur den physischen Leib, es lernt direkt von Sinneseindrücken. Nach dem Zahnwechsel beginnt das zweite Jahrsiebt und der Ätherleib wird geboren. Das Kind lernt, indem es nun bewusst jemandem nachfolgt. Mit der Geschlechtsreife kommt es zum dritten Jahrsiebt, jetzt findet die „Erdenreife“ statt und der Ätherleib wird geboren. Nun entwickelt man ein eigenes selbstbestimmtes Handeln. Mit 21 Jahren wird das Ich geboren und der Mensch ist erwachsen (Seitz & Hallenwachs, 2007, S. 111f).

2.2.4 Sinneswesen

Steiner unterscheidet zwischen drei Wahrnehmungsbereichen. Damit verwendet er ein anderes Sinnesorgansystem als das üblich bekannte.

1. Sinnesorgane, um seine Leiblichkeit wahrzunehmen: Gleichgewichtssinn, Eigenbewegungssinn, Lebenssinn, Tastsinn.
2. Sinnesorgane, mit denen die Qualität der Umwelt wahrgenommen wird: Wärmesinn, Geschmackssinn, Geruchssinn, Sehsinn.
3. Sinnesorgane, um die geistige Welt wahrzunehmen: Hörsinn, Wort-/Sprachsinn, Gedankensinn, Ich-Sinn.

2.2.5 Vier Temperamente

Bei Steiner werden die Kinder in vier Temperamente eingeteilt (Kiersch, 2015, S. 24f):

1. Melancholisches Temperament: wenig Erregbarkeit, viel Stärke.
2. Cholerisches Temperament: Stärke und Erregbarkeit am größten.
3. Sanguinisches Temperament: viel Erregbarkeit, wenig Stärke.
4. Phlegmatisches Temperament: Stärke und Erregbarkeit am geringsten.

2.3 Die Waldorfpädagogik

In diesem Abschnitt wird in groben Zügen erklärt, was das Menschenbild Steiners für die konkrete Umsetzung in der Waldorfpraxis bedeutet.

Dabei ist es wichtig zu betonen, dass in der heutigen Waldorfpädagogik längst nicht alle Lehrer an die Anthroposophie glauben. Auch hat sich aufgrund veränderter Bedingungen und staatlicher Einflüsse von außen die Waldorfpädagogik immer wieder verändert (Esterl, 2000, S. 8f). Auf diese Besonderheiten kann hier allerdings nicht eingegangen werden.

Steiner gab vor der Schulgründung den zukünftigen Lehrern (damals noch alles Anthroposophen) mehrere Vorträge, in denen er seine Vorstellungen zu Erziehung und Schule schilderte (Frielingsdorf, 2019, S. 60ff). Dabei ist die Anthroposophie die Grundlage der Waldorfpädagogik, aber nicht Inhalt des Unterrichts (Esterl, 2000, S. 8f). Die konkrete Umsetzung bezieht sich dabei auch nur zum Teil auf das Menschenbild Steiners.

Das Bild vom Kind ist wichtig für den Grundgedanken, wie sich der Lehrer zum Schüler verhält (Esterl, 2000, S. 28). Da das Kind eine „Geistige Herkunft“ (Stichwort Wiedergeburt) hat, kann es nicht als biologisches Mängelwesen gesehen werden und der Lehrer muss Ehrfurcht vor dem Kind haben (Seitz & Hallenwachs, 2007, S. 113).

Die Entwicklung des Kindes (Stichwort: 7-Jahre-Rhythmus) spielt eine Rolle für das Rollenverständnis des Lehrers. Da das Kind im zweiten Jahrsiebt aufgrund der natürlichen Veranlagung einem Vorbild folgt und nacheifert und es mit Achtung und Respekt auf die ältere Generation schaut, um zu sehen, was diese erreicht hat, ist der Unterricht zum Teil stark lehrerzentriert ausgerichtet (Frielingsdorf, 2019, S. 61). Damit dieses „Nacheifern“ besser gelingt, gibt es von der 1. bis zur 8. Klasse einen Klassenlehrer, der als „Klassenpapa oder Klassenmama“ fungiert (Kiersch, 2015, S. 46f).

Die Sichtweise auf die Entwicklungsstufen des Kindes führt auch dazu, dass man davon ausgeht, dass bestimmte Dinge noch nicht verstanden werden können, wenn bestimmte Leibe noch nicht „geboren“ sind. Somit sollten bestimmte Lehrstoffe dann auch noch nicht in der Schule behandelt werden, denn eine verfrühte Einführung bestimmter Lerninhalte könnte zu Schäden beim Kind führen (Esterl, 2000, S. 30f). Dieser Aspekt wird auch nochmal beim Lehrplan wichtig.

Weil es somit auf die natürlichen Entwicklungsstufen des Kindes, und nicht auf das konkrete Faktenwissen, ankommt, gibt es das Prinzip des Sitzenbleibens nicht(Denjean, 2008, S. 32). Aus diesem Grund gibt es auch in den unteren Klassen keine Notenzeugnisse, sondern umfassende Textzeugnisse, die den Entwicklungsstand beschreiben (Kiersch, 2015, S. 48). Eine Konsequenz daraus ist auch die Konzipierung als Gesamtschule, in der alle gemeinsam lernen, egal welches Geschlecht, welche Herkunft oder welche Begabung die Kinder haben (Kiersch, 2015, S. 46).

Der Lehrplan der Waldorfschule wurde nicht direkt von Steiner veröffentlicht, da er bis zu seinem Lebensende nicht mehr dazu kam. Aus Steiners Aufzeichnungen wurde später ein grobes Modell dazu entwickelt. Hierbei spielt der 7-Jahre-Rhythmus auch eine Rolle. Die einzelnen Waldorfschulen passen dieses Prinzip spezifisch an, was wiederum gut in das „Freiheitsdenken“ von Steiner passt. Somit wird der Individualität der Schüler und Lehrer Rechnung getragen (Richter, 2016, S. 21f). Auf folgender Website befindet sich der Lehrplan : Bund der Freien Waldorfschulen (https://www.waldorfschule.de/paedagogik/lehrplan/, Stand 22.02.2021).

Wie schon oben beschrieben geht es beim Lernen nicht nur um das einzelne Faktenwissen, sondern um das große Ganze. Gegenstand des Unterrichts ist der gesamte Kosmos (Rieken, 2009, S. 5). Lernen soll damit ein ganzheitlicher Prozess sein (Richter, 2016, S. 33). Somit wird auch das „Geistige“ (siehe 2.2) gefördert. Aus diesem Grund spielen die Fächer Kunst, Musik, Handwerken, Gartenbau, Schmieden, Theater oder Eurythmie (eine Körperausdrucksform) eine wichtige Rolle. Bei all diesen Unterrichtsfächern spielen die Sinne eine wichtige Rolle (siehe 2.2.4). Die Sinne zu schulen ist damit ein wichtiges Anliegen der Waldorfpädagogik (Esterl, 2000, S. 37). Im Unterricht sollen die Kinder mit all diesen Sinnen in Berührung kommen und diese dabei stärken.

Steiner plädiert für den so genannten „Epochenunterricht“. Dabei wird über drei bis vier Wochen an jedem Tag in den ersten eineinhalb Stunden das gleiche Fach unterrichtet. Somit gelangt man hier in kurzer Zeit zu einem relativ tiefen Verständnis (Frielingsdorf, 2019, S. 61f).

Des Weiteren wird bei der Waldorfpädagogik ein Schwerpunkt auf das Rezitieren / Nachsprechen von Gedichten gelegt, was als Grundlage hat, dass die Schüler dem Lehrer nachfolgen sollen (Rieken, 2009, S. 5).

Wie die Kinder in der Klasse verteilt sitzen, hat den Ursprung beim Gedanken der Temperamente (siehe 2.2.5). Steiner empfiehlt, Kinder mit dem gleichen Gemüht nebeneinander zu setzen, damit sich diese Extreme mit der Zeit korrigieren (Kiersch, 2015, S. 34f).

Die Einführung von zwei Fremdsprachen schon in der ersten Klasse hat nichts mit dem Menschenbild Steiners zu tun. Viel eher ging es Steiner um eine frühzeitige Völkerverständigung nach den Erfahrungen des ersten Weltkrieges (Frielingsdorf, 2019, S. 62).

2.4 Die Entwicklung der Waldorfschulen

Nachdem die Pädagogik der Waldorfschule beschrieben wurde folgt in diesem Kapitel eine kurze geschichtliche Entwicklung der Waldorfschulen.

Nach der ersten Waldorfschule, welche durch die Initiative von Emil Molt für die Kinder seiner Arbeiter 1919 in Stuttgart gegründet wurde(Verein für ein Freies Schulwesen, Waldorfschulverein e.V., 2021), entstanden bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges weitere 34 Waldorfschulen in 9 verschiedenen Ländern. Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurden die Waldorfschulen im deutschen Einflussbereich geschlossen (Göbel, 2021).

Nach dem zweiten Weltkrieg nahm die Anzahl der Waldorfschulen kontinuierlich zu und wird in einigen Ländern (unter anderem auch in Deutschland) staatlich unterstützt. Mit heutzutage ca. 1.100 Schulen weltweit ist die Waldorfbewegung die größte freie Schulbewegung weltweit (Göbel, 2021).

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Praxis der Waldorf- und Montessori-Pädagogik
Untertitel
Ein Vergleich des Menschenbildes der Gründer Steiner und Montessori
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg  (Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Grundfragen der allgemeinen Pädagogik
Note
2,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
27
Katalognummer
V1006223
ISBN (eBook)
9783346388247
ISBN (Buch)
9783346388254
Sprache
Deutsch
Schlagworte
praxis, waldorf-, montessori-pädagogik, vergleich, menschenbildes, gründer, steiner, montessori
Arbeit zitieren
Benedikt Häußler (Autor), 2021, Die Praxis der Waldorf- und Montessori-Pädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1006223

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