Der Diakonissenbunker in Bremen-Walle. Das Foto als historische Quelle

Sind Bunker stumme Zeitzeugen?


Hausarbeit, 2018

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fotografien als historische Quellen

3. Die Diashow als moderne Ausstellungsform
3.1 Ganz allgemein - Die Ausstellung
3.2 Die Diashow

4. Eine kleine Bildauswahl - Der Diakonissenbunker in Bremen-Walle
4.1 Die Auswahlkriterien
4.2 Die Bilder

5. Schlussbetrachtung

6. Bilder- und Literaturverzeichnis
6.1 Bildverzeichnis
6.2 Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

In der Nacht vom 25. auf den 26. August 1940 flog die britische Luftwaffe den ersten geschlossenen Luftangriff auf Berlin und löste damit die „Planung des größten zweckgebundenen Bauprojekts der Menschheitsgeschichte aus“1: Am 10. Oktober 1940 erließ Hitler das sogenannte Führer-Sofortprogramm. Im Eilverfahren wurden in den größeren Städten Deutschlands Luftschutzbunker errichtet, die Schutz für die Zivilbevölkerung und besonders auch für Industrie- und Militäranlagen bieten sollten. Bremen war eine der von den Angriffen am schwersten betroffenen Städte und gehörte zu den Luftschutzorten I. Ordnung.2 Die erbauten Bunkeranlagen sollten nach dem Kriegsende gesprengt werden, blieben häufig aber noch wegen dem Nachkriegswohnungsmangel weiter genutzt und wurden teilweise im Kalten Krieg in Zivilschutzbunker umgerüstet.3 Heute prägen diese stummen Zeugen der Vergangenheit das Bremer Stadtbild mit und je nach dem persönlichen Empfinden der Bürger werden sie als Schandflecke, Mahnmale oder eben auch als Orte der Geschichte und Kunst gesehen. Die Stadt Bremen steht, wie viele andere auch, oft vor der Frage, wie und ob aus diesen Betonkolossen nutzbare Räume geschaffen werden können. Sollen die grauen Riesen bemalt werden und als Clubs oder Szenetreffpunkte umfunktioniert werden oder sollen sie Erinnerungsstätten bleiben?4

Beides soll in dem Hochbunker an der heutigen Hans-Böckler-Straße verwirklicht werden. Deswegen beschäftigt sich das Seminar „F97 - Vom Krankenhausbunker zum Kulturclub: Bunkergeschichte erforschen und ausstellen“ unter der Leitung von Frau Dr. Sonja Kinzler mit der Frage, wie die Geschichte des Krankenhausbunkers BK6 oder später F97 in Bremen-Walle ihren Platz in einem Kulturclub finden kann. Das erste Semester galt der Sammlung und Beschaffung von Informationen, die dann im nächsten Abschnitt zu einer Ausstellung ausgebaut werden sollen. In dieser kleinen Hausarbeit wird das Foto als historische Quelle betrachtet, die Diashow kurz als moderne Ausstellungsform erklärt und es werden Bilder und Fotos bestimmt, die sich für eine Ausstellung, bzw. Diashow-Projektion eignen.

2. Fotografien als historische Quellen

Als Quellen werden in der Geschichtswissenschaft alle Texte, Gegenstände oder Tatsachen aus denen ein Historiker Kenntnisse über die Vergangenheit gewinnen kann, bezeichnet. Dazu gehören neben den immer noch hauptsächlich genutzten, schriftlichen Quellen auch Baureste, archäologische Funde und Bilder.5

Bei den bildlichen oder visuellen Quellen nehmen Fotografien einen besonderen Stellenwert ein. Sie ermöglichen für Laien auf den ersten Blick zwar eine stärkere Annäherung an vergangene Wirklichkeit als andere Bildarten, den Historiker jedoch stellen sie vor eine Vielzahl von quellenkritischen Problemen.6 Daher werden Fotografien von Historikern bisher sehr häufig nur zur Veranschaulichung von Fakten herangezogen, die zuvor aus Texten rekonstruiert wurden. Doch „gerade als nonverbales Medium mit primär affektiver Wirkung erscheinen sie geeignet als Ergänzung und Korrektiv zu schriftlichen Quellen“.7

Mit der Entwicklung der Fotografie und ihrer Durchsetzung als Massenmedium im frühen 20. Jahrhundert hat, seit Erfindung des Buchdrucks, eine zweite Medienrevolution begonnen, die seit Mitte der 80er Jahre auch in Deutschland ein Umdenken in der Geschichtswissenschaft hervorgebracht hat. Das Interesse der Historiker an Fotografien als historische Quellen hat seit den späten 70er Jahren immer mehr zugenommen. Sie haben ihre Erkenntnisinteressen und Themen angepasst und verändert und beginnen neue Ar- beits- und Präsentationsformen zu entwickeln. Besonders für die Vermittlung von Geschichte im schulischen Unterricht oder in Museen setzen sich Historiker zunehmend mit der Bedeutung und dem Aussagewert von Fotografien auseinander.8

3. Die Diashow als moderne Ausstellungsform

3.1 Ganz allgemein - Die Ausstellung

Eine Ausstellung soll mithilfe von Exponaten, Wissen weitergeben, vermitteln. Deswegen wird sie als Wissensmedium bezeichnet. Die Präsentation gesammelter „Dinge“ zusammen mit erklärenden oder erläuternden Medien transportiert reflektierte Phänomene und Prozesse zu den Besuchern. Häufig beschäftigen sich Museen mit der Aufgabe der Ausstellung. Demzufolge „ist das Museum [...] eine Bildungseinrichtung, bei der das Ausstellen im Dienste einer Vermittlung von Wissen steht“9.10

Eine Ausstellung kann, neben dem oben genannten präsentierenden, belehrenden auch einen kulturstiftenden und unterhaltenden Charakter haben. Bei dem Projekt, mit dem Frau Dr. Kinzler betraut wurde und welches im Seminar zusammen erarbeitet wird, bietet sich zum Beispiel die Möglichkeit, Menschen auf den Hochbunker an der Hans-Böckler- Straße aufmerksam zu machen und dorthin zu „locken“. An diesem Ort können sich die Besucher dann mit dem Bunker und seiner Geschichte geistig auseinandersetzen und ihn in gewisser weise auch konsumieren.11

Ausstellungsorte, ganz gleich ob Museen oder anderweitige Kultureinrichtungen, stehen heutzutage in enormer Konkurrenz mit anderen Freizeiteinrichtungen (Kinos, Freizeitparks etc.) und müssen in diesem Wettkampf ständig neue Sensationen liefern. Sehr oft oder gerade deshalb bedienen sie sich immer mehr modernen Ausstellungsformen mit technischen Ergänzungen oder audio-visuellen Medien. Auch die Möglichkeit des Erlebens und Anfassens oder Mitmachens ist bei fast keiner Ausstellung mehr wegzudenken. „So wird die Ausstellung zu einer echten Kommunikation zwischen Produzenten und Rezipienten“.12

3.2 Die Diashow

Die analogen Vorgänger haben mit den heutigen digitalen Diashows nichts mehr gemeinsam. Die Entwicklung der digitalen Techniken bietet immer interessantere Ausstellungsund Gestaltungsmöglichkeiten. So ermöglichen die neuen Techniken dem Besucher „lebendige“, interaktive Augenblicke, die sie teilweise durch ihr Verhalten (z.B. Berührung oder Bewegung) steuern oder mitbestimmen können. Die Präsentation, vor allem in künstlerischen Ausstellungen erfolgt über Beamer, die die digitalen Bilder auf eine große Projektionsfläche werfen. Die Bilder werden dazu grafisch optimiert und bearbeitet und erscheinen nicht einfach nur. Speziell dafür entwickelte Software ermöglicht neben verschiedenen Übergangsfiltern und Texteffekten eine Vielzahl von Präsentationshighlights. Von akustischer Untermalung bis hin zu fühlbaren Sinnesanregungen13 ist alles möglich.14

4. Eine kleine Bildauswahl - Der Diakonissenbunker in Bremen-Walle

4.1 Die Auswahlkriterien

Die Bildersuche gestaltete sich schwierig, da generell nur wenige Fotos des Bunkers zu existieren scheinen. Zu Kriegszeiten war das Fotografieren streng geregelt. Militärgebiete oder -anlagen unterlagen sogar einem Fotografier-Verbot und die verängstigte und arme Bevölkerung hatte in der Nachkriegszeit andere Sorgen, als Fotos von der Zerstörung zu machen.15

In Bezug auf die geplante Diashow mussten jedoch nicht nur einfach Fotos gefunden werden, sie mussten auch der Quellenkritik entsprechen und auf ihre Eignung als Präsentationsobjekte und Vergrößerungsmöglichkeiten hin untersucht werden. Viele Bilder sind aufgrund ihres Alters oder der minderen Qualität nicht vergrößert nutzbar, andere sind zu hell oder dunkel, teilweise auch beschädigt gewesen.

Trotz allem ist es gelungen eine kleine, aber feine Erstauswahl an Bildern für die kommende Ausstellung zusammen zu stellen.

4.2. Die Bilder

Abbildung 1:

Der Hochbunker verschmilzt mit dem davor liegenden Diakonissenhaus. Auf den ersten Blick könnte der Betrachter denken, er würde ein Teil des Gebäudekomplexes sein. Erst bei genauerer oder längerer Betrachtung wird der riesige Bunker präsenter und löst sich immer mehr aus dem Gesamtbild heraus. Das Bild strahlt eine gewisse Stille aus. Ohne Menschen wirkt es wie eine Filmkulisse, die erst durch die Schauspieler zum Leben erweckt wird. In einer Projektion wäre vielleicht ein langsames Heranzoomen an den Bunker interessant.

Abbildung 2:

Dieses Bild ist das Gegenstück zu dem vorherigen. Es zeigt Bunker und Diakonissenhaus nach dem verheerenden Luftangriff im August 1944, nur von der anderen Seite. Der Bunker ist sofort präsent und diesmal verschmilzt das restliche Diakonissenhaus mit ihm. Die Männer auf diesem Bild lassen es lebendig wirken. Eine akustische Untermalung mit Gesprächsfetzen würde dazu gut passen und die Lebendigkeit des Bildes unterstreichen. Es ist das einzige Bild auf dem Menschen und Bunker zu sehen sind.

Abbildung 3:

Von diesem Bild geht eine enorme Faszination aus. Der Bunker steht unberührt in einer völlig zerstörten Umgebung. Wie ein Fels in der Brandung, eine gigantische Trotzburg hielt er den Angriffen stand. Seine Größe und die hier gut sichtbare Architektur sowie der gepflasterte, geschwungene Weg zu seinem Eingang erinnern an die alten Burgen vergangener Zeiten. Nicht einmal viel Ruß oder Beschädigungen sind an ihm zu erkennen. Das wahnsinnige Gebäude strahlt weiß wie ein gigantischer Schutzengel. Der Baum könnte als Zeichen des Lebens gedeutet werden. Vielleicht hat er, wie viele andere Bäume in den zerstörten Städten, im Frühling geblüht.

[...]


1 Foedrowitz, Michael: Bunkerwelten. Luftschutzanlagen in Norddeutschland, Berlin 1998, S. 9.

2 Ebd., S. 80.

3 Foedrowitz, Michael: Bunkerwelten, S. 168ff.

4 Ebd., S. 7f.

5 vgl. Arnold, Klaus: Der wissenschaftliche Umgang mit den Quellen, in: Geschichte. Ein Grundkurs, hg.v. Hans-Jürgen Goertz, Reinbek 1998, S. 42ff.

6 vgl. Jäger, Jens u. Knauer, Martin: Bilder als historische Quellen? Ein Problemaufriss, in: Bilder als historische Quellen? Dimension der Debatten um historische Bildforschung, München 2009, S. 7-23.

7 s. Paul, Gerhard: Von der historischen Bildkunde zur Visual History. Eine Einführung, in: Visual History. Ein Studienbuch, Göttingen 2006, S. 8.

8 Ebd., S. 7.

9 s. Standards für Museen, hg. v. Deutschen Museumsbund u. ICOM-Deutschland, Kassel/Berlin 2006.

10 vgl. Aumann, Philipp u. Duerr, Frank: Ausstellung machen, Paderborn 2014, S. 18.

11 Ebd., S. 20.

12 Ebd., S. 36.

13 Beispiele dafür sind „Der Erdbebenraum“ im Universum Bremen oder auch die Klimazonen im Klimahaus Bremerhaven.

14 vgl. Locker, Pam: Ausstellungsdesign. Konzept-Planung-Umsetzung, München 2011, S. 92ff.

15 Erklärte Wolfgang Tonn, Mitglied des Kulturvereins Bremen-Walle, Brodelpott e.V.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Diakonissenbunker in Bremen-Walle. Das Foto als historische Quelle
Untertitel
Sind Bunker stumme Zeitzeugen?
Hochschule
Universität Bremen  (Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
Vom Krankenhausbunker zum Kulturklub - Bunkergeschichte erforschen und ausstellen
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V1006238
ISBN (eBook)
9783346398116
ISBN (Buch)
9783346398123
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bunker, Bunkergeschichte, Bremen, Bilder, Geschichte, Zweiter Weltkrieg
Arbeit zitieren
Wiebke Schwind (Autor:in), 2018, Der Diakonissenbunker in Bremen-Walle. Das Foto als historische Quelle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1006238

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