Innerhalb dieser Seminararbeit soll der Frage nachgegangen werden, ob die Haftungsbegrenzung bei fahrlässigem Fehlverhalten von Abschlussprüfern in Deutschland auf- oder angehoben werden sollte oder ob sie so bestehen bleiben sollte, wie sie im Moment ist. Zu Beginn der Seminararbeit werden die Berufspflichten der Abschlussprüfer (AP) erläutert und aufgezeigt, wo diese gesetzlich geregelt sind. Im Anschluss werden die Haftungsvoraussetzungen beschrieben und ermittelt, wem gegenüber die AP im Falle eines verursachten Schadens zur Haftung verpflichtet sind. Im Folgenden werden die Pro- und Kontra-Argumente einer absoluten Haftungshöchstsumme einander gegenübergestellt und kritisch hinterfragt. Abschließend soll ein begründetes Fazit gezogen und ein Ausblick gegeben werden, welche Fragen offenbleiben und wie sich die Haftung der AP in Zukunft entwickeln könnte. Ziel der Seminararbeit ist es, eine argumentativ begründete Empfehlung darüber abzugeben, ob die Haftungsbegrenzung in Deutschland beibehalten, verändert oder aufgehoben werden sollte.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung, Gang der Untersuchung und Zielsetzung
2 Berufspflichten eines Abschlussprüfers
3 Haftung eines Abschlussprüfers
3.1 Haftung gegenüber der geprüften Gesellschaft
3.2 Haftung gegenüber Dritten
4 Diskussion
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die kontroverse Debatte um die Haftungsbegrenzung von Abschlussprüfern in Deutschland bei fahrlässigem Fehlverhalten. Ziel ist es, die bestehenden Haftungsregelungen kritisch zu hinterfragen, die Argumente für eine mögliche Aufhebung oder Anhebung der Haftungshöchstsummen zu evaluieren und auf Basis einer ökonomischen und rechtlichen Analyse eine fundierte Empfehlung für das weitere Vorgehen abzuleiten.
- Berufspflichten und rechtliche Grundlagen für Abschlussprüfer
- Differenzierung der Haftung gegenüber Mandanten und Dritten
- Analyse der Pro- und Contra-Argumente zur Haftungsbegrenzung
- Marktauswirkungen bei einer Ausweitung des Haftungsrisikos
- Vergleich der Haftungssituation im internationalen Kontext
Auszug aus dem Buch
3.1 Haftung gegenüber der geprüften Gesellschaft
Die Haftung des APs bei Pflichtprüfungen i. S. d. §§ 316 ff. HGB richtet sich nach § 323 HGB. AP, deren Prüfungsgehilfen und die an der Prüfung mitwirkenden gesetzlichen Vertreter der Prüfungsgesellschaft sind bei vorsätzlichen und fahrlässigen Pflichtverletzungen gegenüber der geprüften Gesellschaft und mit dieser verbundenen Unternehmen zum Ersatz eines entstandenen Schadens verpflichtet. Verbundene Unternehmen sind alle Unternehmen, die in den Konzernabschluss der Muttergesellschaft zu integrieren sind.
Wenn mehrere AP zu einer gemeinschaftlichen Jahresabschlussprüfung berufen werden, so haften diese aufgrund der gemeinsamen Verantwortung gesamtschuldnerisch, auch wenn nur ein AP eine Pflichtverletzung begangen hat. Falls ein AP vorsätzlich gehandelt hat und die übrigen nicht, so haftet ersterer unbegrenzt, die anderen innerhalb der gesetzlichen Haftungsbegrenzungen. Für das Handeln der Prüfungsgehilfen haftet der AP gem. § 278 BGB wie für eigenes Verschulden. Handelt eine Prüfungsgehilfe jedoch vorsätzlich und der AP nicht, so haftet der AP innerhalb der gesetzlichen Haftungsbeschränkung und der Prüfungsgehilfe ist unbegrenzt schadensersatzpflichtig. Für die Haftung der Abschlussprüfer gelten die allgemeinen Verjährungsfristen der §§ 194 ff. BGB. Diese Haftungsbegrenzung liegt gem. § 323 Abs. 2 Satz 1 HGB bei Fahrlässigkeit pro Prüfung bei einer Million Euro. Bei KapG, deren Aktien zum Handel im regulierten Markt gem. § 264d HGB zugelassen sind, begrenzt sich die Haftung auf vier Millionen Euro pro Prüfung (§ 323 Abs. 2 Satz 2 HGB). Unter die Bezeichnung regulierter Markt fallen alle gem. § 32 BörsG eingerichteten regulierten Märkte, mit Ausnahme von ausländischen Märkten und des Freiverkehrs gem. § 48 BörsG.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung, Gang der Untersuchung und Zielsetzung: Einführung in die Problematik von Bilanzskandalen und die damit verbundene politische Forderung nach einer Aufhebung der Haftungsbegrenzung für Abschlussprüfer.
2 Berufspflichten eines Abschlussprüfers: Darstellung der gesetzlichen Pflichten wie Unabhängigkeit, Gewissenhaftigkeit, Verschwiegenheit und berufswürdiges Verhalten, die das Handeln eines Abschlussprüfers bestimmen.
3 Haftung eines Abschlussprüfers: Analyse der rechtlichen Grundlagen der Haftung bei Pflichtverletzungen, unterschieden in das Haftungsverhältnis zur geprüften Gesellschaft und die eingeschränkte Haftung gegenüber Dritten.
4 Diskussion: Kritische Auseinandersetzung mit den Vor- und Nachteilen einer Haftungsbegrenzung sowie deren Auswirkungen auf die Prüfungsqualität, das Wettbewerbsgefüge und die Konzentration auf dem Prüfungsmarkt.
5 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung, dass die Haftungsbegrenzung trotz Kritik sinnvoll bleibt, jedoch eine Anpassung der Haftungssummen im europäischen Kontext empfehlenswert erscheint.
Schlüsselwörter
Abschlussprüfer, Haftungsbegrenzung, Jahresabschlussprüfung, Pflichtverletzung, Schadensersatz, Berufspflichten, Wirtschaftsprüferordnung, Bilanzskandale, Marktkonzentration, Haftungssumme, Fahrlässigkeit, Wirtschaftsprüfung, Prüfungsqualität, Rechnungslegung, Sorgfaltspflicht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der rechtlichen und ökonomischen Debatte über die Haftungsbegrenzung von Abschlussprüfern in Deutschland im Falle fahrlässigen Fehlverhaltens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Berufspflichten von Prüfern, die rechtliche Ausgestaltung der Haftung nach HGB sowie die ökonomischen Folgen möglicher Haftungsverschärfungen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob die bestehende Haftungsbegrenzung beibehalten, verändert oder aufgehoben werden sollte, um sowohl die Sorgfalt bei Prüfungen zu erhöhen als auch die Stabilität des Prüfungsmarktes zu gewährleisten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse unter Einbeziehung relevanter Gesetze, Kommentierungen sowie aktueller politischer Anträge und ökonomischer Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die spezifischen Berufspflichten, die Haftungsregeln gegenüber Mandanten und Dritten sowie eine diskursive Abwägung der Argumente hinsichtlich Markteffekten und Prüfungsqualität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Abschlussprüfer, Haftungsbegrenzung, Pflichtverletzung, Schadensersatz, Prüfungsqualität und Marktkonzentration.
Warum wird die Rolle der "Big-Four-Gesellschaften" diskutiert?
Diese Gesellschaften dominieren den Markt; eine unbegrenzte Haftung könnte zu einem Rückzug führen, was die Marktkonzentration weiter verschärfen und die Verfügbarkeit von Abschlussprüfern gefährden würde.
Wie unterscheidet sich die Haftung gegenüber Dritten von der gegenüber der Gesellschaft?
Während die Haftung gegenüber der geprüften Gesellschaft direkt durch das HGB geregelt ist, bestehen gegenüber Dritten meist nur deliktsrechtliche Ansprüche, die aufgrund hoher Hürden in der Praxis schwer durchzusetzen sind.
Welche Rolle spielt das "Defense Auditing"?
Das Konzept beschreibt Maßnahmen, die Prüfer ergreifen könnten, um ihr Haftungsrisiko zu minimieren, was jedoch zu ineffizienten Prüfungsabläufen führen könnte.
Was schlägt der Autor als Ergebnis vor?
Der Autor empfiehlt, das System der Haftungsbegrenzung beizubehalten, jedoch eine Anpassung der Haftungshöchstsummen vorzunehmen, um sie an das europäische Niveau anzupassen.
- Quote paper
- Manuel Fischer (Author), 2020, Sollte die Haftungsbegrenzung bei fahrlässigem Fehlverhalten von Abschlussprüfern in Deutschland aufgehoben werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1006420